Inhalt
Vorwort
Der folgenden intellektuellen Verbrechen macht sich
dieses Buch schuldig:
- Der Standpunkt unserer Argumentation und die Methode,
der sich unsere Kritik verdankt, ist nirgends "ausgewiesen".
Wir wollten mit diesem Buch ja auch nicht den Pluralismus
philosophischer Auffassungen bereichern, und konnten deswegen auf die
Beteuerung, mit der man sich in diesen Pluralismus einreiht, verzichten,
daß unsere Argumente nur bedingt Geltung beanspruchen, nämlich
nur dann für richtig befunden sein wollen, wenn jemand
unsere Absicht teilt. Hinweise darauf, daß unsere Kritik
nichts taugt, finden sich also an keiner Stelle. Wenn unsere Gegner sie
vermissen, dann sollen sie uns nicht ihre intellektuellen
Gepflogenheiten unterstellen, sondern uns nachweisen, daß
unsere Einwände auf einem parteilichen Vorurteil beruhen. Wenn
ihnen letzteres gelingt, stampfen wir unser Buch wieder ein.
- Gänzlich unbeherzigt blieb auch der Lehrsatz: Erst
verstehen, dann kritisieren." Obwohl dieser Lehrsatz so
plausibel ist - weil seine Umkehrung: "Erst kritisieren, dann
verstehen." so blöd ist, daß sie auf niemanden
zutrifft. Das macht ihn allerdings nicht richtiger. Das Begreifen und
Kritisieren ist nämlich weder so noch so ein Problem der richtigen
Reihenfolge. Einen falschen Gedanken begreifen ist dasselbe wie
seinen Fehler erkannt zu haben. Vor dem Begreifen soll man also
diesem Lehrsatz zufolge Gedanken verstehen; nämlich im
zweiten Sinn des Wortes: den Gedanken verständlich, plausibel
finden, ihn so vorstellen, daß er dem Verstand einleuchtet. Danach
erst darf man die dann überflüssige kritische Frage stellen,
ob der einleuchtende Gedanke auch stimmt. Diese Erlaubnis von Kritik
dann, wenn zwischen Kritiker und Kritisiertem prinzipielle Übereinstimmung
herrscht, es also nichts mehr zu kritisieren gibt, dafür aber
Verbesserungsvorschläge für eine verkehrte Weltsicht
eingereicht werden dürfen, wollten wir gerade nicht in Anspruch
nehmen.
- Übersehen wurde auch, daß unsere Einwände
gegen Münchner Philosophen in deren Lehre längst berücksichtigt
sind. All die theoretischen Widerspräche, die wir ihnen
nachweisen, kennen sie schon; sie betreuen sie als die methodischen Probleme
ihrer Disziplin. Die Haltlosigkeit ihrer falschen Gedanken verstehen sie
als Auftrag zu deren Fortentwicklung und "Immunisierung". Wo
solche Sorge herrscht, macht es sich der Kritiker zu einfach, wenn
er Fehler ausräumen will, anstatt sie als Motor des theoretischen
Fortschritts gelten zu lassen und sich an diesem Fortschritt zu
beteiligen.
- Die zitierten Textstellen, die das kritisierte Gedankengut
belegen sollen, wurden wieder einmal aus dem Zusammenhang gerissen.
Wir hatten nämlich auch etwas anderes vor, als schon vorhandenes
philosophisches Schriftgut nochmals abzudrucken. Daß vor und nach
einem Zitat im Original noch manches zu lesen ist, schien uns kein
Einwand dagegen zu sein, den darin enthaltenen Gedanken für sich
und einen nach dem anderen zu beurteilen. Zumal es uns immer noch
gelungen ist, den herausgegriffenen Textstellen ihren
Zusammenhang zu entnehmen; sonst könnte man sie aus demselben auch
nicht herausreißen.
- Und schon der Titel. Als gäbe es die Münchner
Philosophie und nicht ein paar Dutzend Individuen, die sich aus den
verschiedensten theoretischen Interessen heraus dazu berufen fühlen,
den Beruf des Philosophen zu ergreifen und zufälligerweise in München
untergekommen sind. Wer einmal in einer Sitzung des Fachbereichsrats den
von der Sorge um die Einheit der Lehre getragenen Schacher um
die zu besetzenden Posten am Institut mitbekommen hat, der mag daran
ohnehin nicht mehr glauben. Eher schon ist das umgekehrte Mißverständnis
auszuräumen. Intendiert ist mit diesem Buch schon die Kritik
der Philosophie überhaupt. Daß es sein Belegmaterial aus
den veröffentlichten und gelehrten Ein- und Ansichten der Münchner
Vertreter dieses Faches bezieht, hindert letztere jedenfalls nicht
daran, hauptamtlich als Philosophen aufzutreten. Die Philosophie
ist eben im allgemeinen wie im besonderen ein Fehler;
auch wenn sie ganz einzeln daherkommt.
Aus all diesen Einwänden geht hervor, daß man
dieses Buch gar nicht gelesen zu haben braucht, um mit ihm fertig zu sein.
Man muß sich nur von der Einsicht leiten lassen, daß sich die
Münchner Philosophie nicht kritisieren läßt...