Der industrielle Kapitalist erzielt ein Einkommen, indem er die Elemente eines industriellen Produktionsprozesses kauft, dessen zweckmäßigen Ablauf organisiert und die Produkte verkauft. Der Überschuß seiner Einnahmen über seine Kosten ist sein Gewinn, das Quantum Geld, das er für Gegenstände seines Bedürfnisses verwendet, von dem er also um so besser lebt, je größer es ist. Seine Art der Reproduktion beruht also auf der Verfügung über ein gewisses Vermögen in Geldform, mit dem er in der genannten Weise umgehen kann, weil nicht nur die sachlichen Elemente der Produktion und Gegenstände der individuellen Konsumption, sondern auch Arbeiter bzw. ihre Leistungen käuflich sind. (l)
Die Verwendung seines Vermögens zum Zwecke seiner kontinuierlichen Reproduktion schließt die periodische Wiederholung des Umsatzprozesses ein; der Gewinn bemißt sich nicht am einmaligen Ertrag einer Investition, sondern am durchschnittlichen Überschuß über die periodisch getätigten Ausgaben. (2) Seine Größe hängt also auch ab von der Häufigkeit, mit der er sein Vermögen in einem bestimmten Zeitraum fungieren läßt, von der Geschwindigkeit des Umschlags seines Kapitals.
In der Planung seiner Tätigkeit bemüht sich der industrielle Kapitalist daher um die Kontinuität seines Geschäfts. Er kauft, läßt produzieren und verkauft in einer Weise, die Unterbrechungen in der gewinnbringenden Funktion seines Vermögens vermeidet. So unterscheidet er zwischen Anlage- und Umlaufvermögen (3); funktionelle Bestandteile seines Vermögens differieren hinsichtlich des Zeitraumes, innerhalb dessen er für ihr Vorhandensein durch den Einsatz von Geld sorgen muß. Während der Rückfluß des für das Anlagevermögen ausgelegten Kapitals sich auf mehrere Umsatzprozesse verteilt und sein Ersatz erst nach wiederholtem Durchlaufen aller Phasen faltig wird, muß der andere Teil der "Produktionselemente" beständig durch neue Kaufakte ersetzt werden. Da der Umschlag des Anlagevermögens mehrere Umschläge des Umlaufvermögens einschließt, befinden sich stets verschiedene Teile des vom Kapitalisten angelegten Vermögens nebeneinander in verschiedenen Funktionen, womit die Größe seines Gewinns abhängig wird von seiner Liquidität, von der Verfügung über Geld, sooft es die Kontinuität seines Geschäfts verlangt.(4)
Als Einkäufer der Produktionselemente und als Verkäufer von Produkten bewegt sich der industrielle Kapitalist auf dem Markt. In den Preisen der Waren trifft er auf Voraussetzungen seines ökonomischen Erfolgs, die seinem Gewinn Grenzen setzen. Sein eigenes Auftreten beeinflußt die Höhe der Preise zu seinen Ungunsten. Als Teil der Nachfrageseite wirkt er preissteigernd, so daß sich die Kosten für seine Produktionselemente erhöhen; als Verkäufer senkt er in der Konkurrenz mit anderen Anbietern den Preis der Waren, deren Erlös ihm sein vorgeschossenes Kapital plus Gewinn sichert. Insofern ist das Resultat seiner Unternehmung abhängig vom Verlauf der Konkurrenz, sein Gewinn ergibt sich daraus, daß er sich durch seine Tätigkeit gegen andere durchsetzt.
a)
Diese Weise der Reproduktion bedarf der gewaltsamen Verhinderung von Maßnahmen, die die auf ihr Sonderinteresse bedachten Konkurrenten ergreifen, sooft sie an der Erreichung ihres Ziels durch andere gehindert werden: der Austauschprozess verlangt die Sicherung des Eigentums, die wechselseitige Anerkennung der voneinander abhängigen, aber nur an ihrem privaten Nutzen Interessierten Käufer und Verkäufer. Die Konkurrenten brauchen und finanzieren die von ihren Privatgeschäften getrennte und s beschränkende Gewalt des Staates, die nicht nur Person und Eigentum schützt, sondern diesen Schutz um vielfältige Regelung du anfallenden Kollisionen, also der Verletzungen von Person und Eigentum ergänzt: rechtliche Bestimmungen des Tausches i.A. Vertrag, Handelsgesetze, aber auch Dienstverhältnis. So trägt der Staat auch Sorge um das Funktionieren des allgemeinen Äquivalents, das vom Standpunkt konkurrieren; er Privatsubjekte als gültiges, anerkanntes "Auskunftsmittel" nötig ist.
Der diskontinuierliche Rückfluß des Kapitals aus dem Verkauf der Produkte, der den Zufällen der Marktbewegung unterliegt, gefährdet die Kontinuität des Umsatzprozesses. Der industrielle Kapitalist erhält einerseits Zahlungen, deren Verwandlung in Elemente des Produktionsprozesses noch nicht ansteht, andererseits führen Verzögerungen im Verkauf zum Mangel an Geld für den fälligen Kauf von Produktionselementen. Ganz gleich, ob ni n Teile seines Vermögens in Geldform brachliegen oder er in Liquiditätsschwierigkeiten ist stets geht die Abhängigkeit von den diskontinuierlichen Rückflüssen auf Kosten der Umsatzgeschwindigkeit, schmälert sie die gewinnbringende Nutzung seines Vermögens.(5)
Durch den kommerziellen Kredit sichert der Kapitalist die Kontinuität seines Umsatzprozesses gegen ihre Gefährdung durch den Markt: er nimmt Zahlungsversprechen gegen die Lieferung von Waren an und beansprucht selbst Kredit beim Kauf. Die Zirkulation von Schuldscheinen erspart den Kapitalisten Zeit und damit Geld. Mit Hilfe des Kredits vermeidet; sie eine Verringerung der Umsatzgeschwindigkeit oder was dasselbe ist den Vorschuß zusätzlichen Geldes für die Aufrechterhaltung der Produktion. Allerdings hat diese Leistung des Kredits ihre Grenze: die Zahlungsfähigkeit eines jeden Schuldners beruht immer auf den tatsächlichen Rückflüssen, damit auch für den Fall ihrer Verzögerung über den fälligen Termin hinaus auf der Verfügung über Reservekapital. Der Kredit macht die Sorge um die Liquidität also keineswegs überflüssig: sie bleibt mit ihrem Grund, der Verteilung seines Vermögens auf verschiedene, sich wechselseitig ausschließende Funktionen, erhalten (6) Er bereichert die Geschäfteführung des industriellen Kapitalisten um die Kunst der Abschreibung (7) und der Finanzplanung, m der er sein Vermögen nach Liquiditätsgraden unterscheidet (8) und nach der "Optimalliquidität" strebt.
Mit dem Kredit überspringen die Kapitalisten die Schranke, welche der Markt ihrem Gewinn entgegensetzt, ohne sie zu beseitigen. Sie produzieren nur mit Rücksicht auf den Markt, auf die Nachfrage, auf das zahlungsfähige Bedürfnis und tun zugleich so, als wäre der Verkauf ihrer Waren nur eine Frage der Zeit. Durch die Zirkulation ihrer Schulden verhalten sie sich also rücksichtslos gegen die Bedingungen des Austausches. Sie verwandeln ihren Gegensatz auf dem Markt in das Verhältnis von Gläubiger und Schuldner, ergänzen ihre Konkurrenz um den im Kredit hergestellten positiven Bezug aufeinander: jeder ist auf den Erfolg des anderen angewiesen. (9)
b)
Der Staat hat durch die Regelung des Handels, der sich mit Hilfe des Kredits vollzieht, zu gewährleisten, daß die Kontrahenten auch ihren Verpflichtungen nachkommen. Er ergänzt die allgemeinen Handelsgesetze um die Vorschriften aber Zahlungsbedingungen und -fristen, macht ein Wechselgesetz etc. Denn die Gemeinschaftlichkeit im Kredit tot eine von Konkurrenten, die sich im Interesse ihres Fortkommens auch prellen. Für den Fall der Zahlungsunfähigkeit muß er den Gläubigern ihr Recht sichern und Konkurse so über die Bühne gehen lassen, daß der Schaden anderer vermieden bzw. verringert wird.
Die Abhängigkeit von der Konkurrenz ist dem Kapitalisten eine Last: er setzt seine Qualitäten so gut ein, wie er kann und bleibt dabei doch stets dem Risiko ausgesetzt, dessen Lohn ihm zu kärglich erscheint. Weil er aber, solange er Kapitalist ist, in der unberechenbaren Welt des Marktes reüssiert hat, hält er große Stücke auf sich. Sein Geschick im Umgang mit dem Risiko hat ihm den verdienten Gewinn gebracht. Zwar besteht dieser aus einem Aufschlag auf seine Kosten, doch hat er ihn so bemessen, daß sein Angebot begehrenswert war. Im Erfolg drängt es ihn auch zur Verherrlichung des Wettbewerbs, in dem die eigene Leistung etwas gilt und nur sie. Bei Mißerfolgen hat er nicht etwa versagt, sondern Pech gehabt, wenn er nicht ein Opfer eines gar nicht intakten Wettbewerbs darstellt. Vorwürfe an den Staat, der ihn beschränkt, anderen aber nichts wie Chancen eröffnet, können nicht ausbleiben. Das Recht, dem sich der leistungswillige Unternehmer unterwerfen muß, ist ziemlich ungerecht, die Besteuerung sowieso. (10)
Der industrielle Kapitalist begegnet den Schwierigkeiten bei der Maximierung seines Gewinns, die ihm die Bedingungen des Marktes bereiten, durch Veränderungen in der Sphäre, wo er allein über die Wirkung seines Vermögens bestimmt; an der Tatsache, daß Kauf und Verkauf der Umsatzgeschwindigkeit Schranken setzen, ist nichts zu machen der Markt ist positive Grundlage seines Geschäfts. Doch steht es ihm offen, innerhalb derselben Zeit mehr Kapital umschlagen zu lassen. Er verwendet einen Teil seines Gewinns als zuschüssiges Kapital, um seinen Gewinn zu steigern. Durch die Ausdehnung der Produktion sorgt er für die Vermehrung seines Einkommens. Die Probleme, die ihm aus der kontinuierlichen Nutzung seines Vermögens erwachsen, bewältigt er dadurch, daß er mehr unter seinem Kommando produzieren läßt und auf diese Weise seinen Umsatz pro Zeit erhöht. Die technisch-organisatorischen Aufgaben, die sich aus der Erweiterung seines Geschäfts ergeben, nimmt er gelassen zur Kenntnis er bezahlt Lohnarbeiter, die sich arbeitsteilig seiner "Pflichten annehmen."(11)
Doch haben seine Anstrengungen eine Wirkung auf die Marktverhältnisse, die dem Ziel der Gewinnsteigerung abträglich ist: steigende Löhne und Einkaufspreise sowie sinkende Verkaufspreise verhindern, daß er einen proportionell zur Erweiterung seines Geschäfts steigenden Gewinn erzielt. Der industrielle Kapitalist erfährt, daß er die Gleichung "Zeit ist Geld", die er aus den Schranken deduziert, welche ihm der Markt mit der funktionellen Teilung seines Kapitals auferlegt, nicht außer Kraft setzen kann. Weil Zeit nicht Geld ist, sondern Geld kostet und dies liegt nicht an ihr, sondern am Geschäft des Kapitalisten bemüht er sich, zweckmäßig mit diesem Hindernis umzugehen. Er richtet sein Augenmerk auf die Verbesserung seiner Marktchancen und verkauft an Händler, die sich um den effektivsten (schnellen und preisgünstigen) Verkauf seiner Produkte kümmern, andererseits betraut er gegen Bezahlung einen besonderen Berufsstand damit, seine Geldgeschäfte zu regeln.(12)
Der Kapitalist läßt sich von anderen vertreten, die sein Geschäft aus eigenem Interesse heraus ökonomisieren und seinen Umsatzprozeß beschleunigen. Die Waren- und Geldhandlungskapitalisten verrichten die Geschäfte mehrerer Industrieller zugleich und sorgen für die Optimierung des Ein-und Verkaufs sowie der Liquidität. (13) Auch wenn zwischen ihnen ein dauernder Streit um den Preis ihrer Dienste stattfindet die Waren- und Geldhändler ermitteln und tragen das "Risiko" des industriellen Kapitalisten, vermindern es also.
a)
Der Staat kümmert sich um die Schaffung eines Verkehrs- und Nachrichtenwesens, das mit dem erweiterten Markt notwendig wird, ohne daß diese Einrichtungen, die große Investitionen mit langsamem Umschlag darstellen, in Form privater Unternehmungen betrieben werden. Mit den Steuermitteln der gesamten Gesellschaft finanziert er die materiellen Bedingungen kapitalistischer Expansion, die ihm mit der Konkurrenz zwischen industriellen, Handels- und Geldhandelskapitalisten auch weitere rechtliche und polizeiliche Bemühungen zur Regelung der anfallenden Kollisionen abverlangt. Wo für die Akkumulationsbedürfnisse des Kapitals nicht genügend (willige) Arbeitskräfte vorhanden sind, setzt der Staat seine Gewalt für die Erweiterung des entsprechenden Angebotes ein; und wenn die ausgedehnte Produktion die Leistung vorhandener Energiequellen überfordert, bemüht er sich um Abhilfe, sofern nicht Privateigentümer von selbst die Initiative ergreifen, weil ein Geschäft daraus zu machen ist.
Der industrielle Kapitalist, der die Mittel für seine Erweiterung aus dem Gewinn bezieht, entdeckt an der Diskontinuität seiner Rückflüsse eine positive Seite: statt den Teil seiner Einnahmen, die er für den künftigen Ersatz der Anlagegüter benötigt, als Geld zu horten und auf den Zeitpunkt zu warten, zu dem die Reinvestition fällig ist, verwendet er diese "überschüssige Liquidität" zum Kauf zusätzlicher Produktionselemente. (14) Er ist sich seiner Sache sicher, so daß er das Risiko eingeht, einen Teil seiner Produkte nicht oder zu verminderten Preisen verkaufen zu können und deswegen zur Fortführung seines erweiterten Geschäfts Kredit zu benötigen. Das Mittel, das ihm im Kredit zur Verfügung steht, nützt er bewußt aus, und zwar nicht nur in der Weise, daß er Zahlungsversprechen gibt und akzeptiert. Er leiht sich Geld für die unausbleiblichen Engpässe in der Liquidität oder gleich für die Erweiterung der Produktion; bei denen, die die flüssigen Mittel aller Kapitalisten verwalten, nimmt er Kredit auf, um auf die Kontinuität des eigenen Umsatzprozesses nicht unmittelbar angewiesen zu sein. (15)
Die Geldhandlungskapitalisten sind also nicht nur Dienstleistungsbetriebe für die technischen Operationen, die der Handel samt seinem Hin und Her benötigt. Sie nützen ihrerseits das Bedürfnis der industriellen (und Handels-) Kapitalisten nach "Liquidität", d.h. Geld für die Fortführung und Erweiterung ihrer Geschäfte aus, indem sie sich für die Großtat, die ihnen zur Verrichtung technischer Operationen im Umsatzprozeß der Industriellen überantworteten Gelder Dritten zur Verfügung zu stellen, bezahlen lassen. Sie verlangen Zinsen für die zeitweilige Überlassung von Geld, ob sie sich nun aus der kurzfristigen Überziehung eines verwalteten Kontos ergibt oder formell als Anleihe vollzogen wird, zahlen aber auch (geringere) Zinsen für das ihnen anvertraute Bare und machen ihr Geschäft aus den Schwierigkeiten, welche die industriellen Kapitalisten mit der Geldbeschaffung im Verlauf ihres Umsatzprozesses bekommen. Die Dienstleistung, auf die es Banken abgesehen haben, besteht darin, ihre Kunden zu Schuldnern zu machen, wobei im Interesse ihres Geschäfts die Ausgabe von Krediten die tatsächlich vorhandenen Depositen übersteigt. Der Handel mit Geld ist einer mit Schulden, und er profitiert von seinem Grund, dem Interesse der Industriellen, keinen Peso "untätig" herumliegen zu lassen und doch stets liquide zu sein. Die Bankiers treten als Mittel der industriellen Kapitalisten gegen sie auf und zwingen sie, bei der Beschleunigung ihres Umsatzprozesses darauf aufzupassen, inwieweit sich die Kosten für Kredite auch lohnen. Dieser Zwang, bei der Planung ihrer Geschäfte zu bedenken, wie das Verhältnis von Eigen- und 'Fremdfinanzierung am günstigsten zu gestalten sei, stört die Herren Fabrikanten aber kaum, auch wenn er die Tatsache offensichtlich macht, daß sie mit Hilfe des Geldes anderer ihr eigenes Geschäft voranbringen. (16) Sie müssen eben in der Gestaltung ihres Rechnungswesens so verfahren, daß die Forderungen und Kosten, die von Seiten der Banken entstehen, ihrem Unternehmenszweck dienen, statt ihn zu vereiteln, über die Modalitäten der Kreditvergabe der Banken die ihrerseits auf den "Ausgleich" der ein- und ausgehenden Zahlungsströme achten: auch sie können illiquide werden (17) erfahren die industriellen Kapitalisten, daß die durch den Kredit erlangte Unabhängigkeit von den momentanen Rückflüssen ihres Kapitals und der Zahlungsfähigkeit ihrer unmittelbaren Geschäftspartner nur eine andere Form der Abhängigkeit darstellt, in der sie vom Markt und vom Geschäft der ganzen Klasse stehen.
b)
Der Staat hat die Konkurrenz zwischen industriellen und Bankkapitalisten so zu regeln, daß die Interessen und ökonomischen Druckmittel beider Seiten nicht das Funktionieren ihrer Geschäfte beeinträchtigen. Er macht im Zusammenhang mit den Praktiken der Kreditvergabe beiden Seiten Auflagen. Die Versuchung der industriellen Kapitalisten, sich durch Scheingeschäfte auf Kosten anderer zu bereichern, bremst er durch Vorschriften bezüglich der Bilanzierung des Verhältnisses von Eigenkapital und Liquidität (Anzeigepflicht von Großkrediten z.B.) etc. Der Neigung von Bankiers, die Abhängigkeit der Industriellen bis zu deren Ruin auszunützen, wirkt er ebenfalls positiv entgegen. Die Vorschriften für Banken laufen darauf hinaus, daß sie sich als taugliche Mittel für die Vermehrung des nationalen Reichtums (in privater Form natürlich), bewähren, wozu auch die Mindestreservesätze und gewisse Spekulationsverbote gehören, die das Geschäft mit den Schulden daran hindern sollen, das Kreditwesen zum Erliegen zu bringen ("Bankrott"!). Wenn schließlich Schulden als Geld zirkulieren, besteht die Gefahr, daß sich der Markt durch inflationäre Prozesse auflöst, die der von Sonderinteressen diktierten Ausgabe von Banknoten entspringen: Nationalbank mit allerlei Kontrollbefugnissen, Monopol der Ausgabe von Banknoten etc.
Weil der Kapitalist einen Teil seines Gewinns von dem er sich ja auch Bonbons kaufen könnte gewinnbringend anlegt, kommt nicht nur er auf die Vorstellung, daß sein Reichtum durch Verzicht entsteht. Polemisch gegen den Finanzkapitalisten, der ihn behindert und dabei Gewinn macht ohne die umsichtige Führung eines aus drei Teilen bestehenden Umsatzprozesses, redet er ach und anderen ein, daß er außer durch Abstinenz auch noch durch Fleiß hervorsticht, sein Gewinn letztlich nur einen gerechten Lohn für «eine spezifische Leistung darstellt. Beim Mißlingen seiner mit viel Tugend betriebenen Geschäfte haben ihn die anderen ruiniert, namentlich die Bankiers. Das faschistische Moment am Unternehmerbewußtsein, das Interesse (das er mit anderen teilt) an einem Staat, der die Schranken beseitigt, die die Konkurrenz ihm setzt, hat Freunde der arbeitenden Klane bis heute nicht daran gehindert, die bürgerliche Klassengesellschaft am Finanzkapital und seinen Verbündeten im Staat zu kritisieren. Daß Revisionisten sich auch durch den V. Abschnitt im Band III des "Kapital" nicht davon überzeugen lassen, daß mit der Durchsetzung des Kapitals die früher mancherorts existente Beförderung der Geldkapitalisten durch den Staat, die auf Kosten der Industriellen ging, ihr Ende fand, ist bei ihrem Interesse am Staat bzw. seinem Ideal verständlich. Ihre Gemeinsamkeit mit den Faschisten wie diese haben die "Antifaschisten" ausgerechnet den Staat zur Beseitigung der übel auserkoren, die sie in der bürgerlichen Welt entdecken wird unter Ziffer 4. noch des öfteren zu betonen sein.
Die Ausdehnung der Produktion durch reinvestierte Gewinne versagt als Mittel zur Steigerung des Gewinns, sobald die Nachfrage nach den Produkten des industriellen Kapitalisten nicht mehr seinem Angebot (und dem seiner Konkurrenten) entspricht. Die Konkurrenz auf dem Markt, die ihn zur Expansion veranlaßt, zwingt ihn auch zur Einsicht, daß er nur durch qualitative Veränderungen seiner Produktion dauerhaft seinen Gewinn sichern und steigern kann. Es gilt nicht nur, mehr zu investieren. Was er braucht, ist die Senkung der Produktionskosten, die ihm gestattet, die Preise seiner Waren unter die seiner Konkurrenten zu drücken, ohne dabei Abstriche von seinem Gewinn machen zu müssen. Seine kalkulatorischen Bemühungen richten sich dabei auf die Veränderung des Verhältnisses von Investition und Ertrag auf die Ware, die er verkauft, bezogen: die Reduzierung der Stückkosten ist sein Interesse. Die Vermehrung seines angelegten Vermögens rentiert sich nur, wenn er billiger produzieren kann. So gelangt noch jeder der initiativ gewordenen Abstinenzler zu dem praktischen Eingeständnis, daß sich erstens sein Einkommen einem Vergleich der von ihm zustandegebrachten Relation Überschuß :Kosten mit der entsprechenden Relation seiner Konkurrenten verdankt; daß zweitens das Resultat dieses Vergleichs davon abhängt, was in dem Produktionsprozeß passiert, dessen Elemente er kauft und über den er bestimmt, an dem er aber ex professione nicht beteiligt ist; und daß drittens alle Modifikationen, die er zur Verbesserung der Relation Überschuß :Kosten veranlaßt, in der Vermehrung der Leistung bestehen, die seine Arbeiter bringen. Dieses Eingeständnis fällt ihm umso leichter, als es ihm von seinem Interesse diktiert wird, er also MARX nicht zu studieren braucht.
So betätigt sich der industrielle Kapitalist im Vergleich mit seinem Konkurrenten, den er in der Organisation seines Produktionsprozesses zu seinen Gunsten entscheiden will, als unmittelbarer Feind seiner Arbeiter. Indem er seine Kalkulation in die Tat umsetzt, bestreitet er den einen ihre Existenz durch ihre "Freisetzung", den anderen durch ihre Beschäftigung. In den Formen der Entlohnung diktiert er ihnen die Bedingungen ihrer Existenz als Mittel zur Vermehrung seiner Mittel: Da er durch die Veränderung im Produktionsprozess seinen Bedarf an Arbeit in Form der absolut wachsenden Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt, also den Druck des Arbeitsmarktes auf seine Kosten reduziert (20), entdeckt er im Lohn den flexiblen Kostenfaktor par excellence. Er entwickelt mit seinen Mannen das Interesse, die Leistungen seiner Belegschaft gründlich zu messen aber nicht um sie zu bezahlen, sondern um sie zu steigern. Am einmal festgelegten Zeitlohn fallt ihm auf, daß die Leistung, die er für sein Geld bekommt, von der Organisation der Arbeitsteilung im Betrieb abhängt, er also durch die Gestaltung des Arbeitsplatzes manches für eine günstigere Wirkung seiner Anlagen für Löhne auf seinen Gewinn unternehmen kann (21). Sein kalkulatorisches Ziel, durch die Festsetzung des Verhältnisses von Lohn und Leistung seine Lohnstückkosten zu senken, erreicht er dort, wo die technischen Umstände der Fertigung es gestatten, besser, wenn er das Interesse des Arbeiters, seine Einkünfte zu steigern, für die Beschleunigung seines Umsatzprozesses (= relative Senkung der fixen gegenüber den variablen Kosten) benützt. Im Akkordlohn ruft die Art der Bezahlung den Einsatz der Arbeiter für das Gelingen seiner Kalkulation hervor: jede technische Änderung stellt eine Gelegenheit dar, dem Arbeiter eine besondere Leistung für die Steigerung des Gewinns, für die er gekauft wird, abzuverlangen (22) Der Gruppenakkord überträgt der Belegschaft auch noch die Aufgabe, die Auslese von fähigen und willigen Mitarbeitern sowie ihre effektive Kombination vorzunehmen, so daß dem Kapitalisten nur noch die Sorge bleibt, ob nicht mangelnde Qualität des Produkts und die Rücksichtslosigkeit im Umgang mit seinen .fixen Kosten" die schöne Wirkung seiner Maßnahmen vereitein. Mit der Prämienentlohnung entledigt er sich dieses Problems: er fuhrt die Sorge um seine Produktionsmittel und Konkurrenzfähigkeit in die des Arbeiters um seine Lohntüte ein, bemüht sich um die effektivste Kombination aller Entlohnungssysteme (23) und ist sich angesichts des Risikos und der Leistung, die er seiner Belegschaft aufbürdet, sicher, daß er viel Gutes für sein Geschäft unternimmt. Bewiesen hat er der Welt allerdings nrr, daß sein Erfolg in der Konkurrenz dadurch bestimmt wird, wieviel Leis ung er für wie wenig Lohn aus seinen Arbeitern herausholt. Im Befolgen des in der Konkurrenz erfahrenen Zwanges, mit seinen Produktionsmitteln möglichst viel Arbeit in Bewegung zu setzen, dabei aber sparsam mit dem Kostenfaktor Arbeit umzugehen, geht es dem Kapitalisten um den Mehrwert. Er vergleicht die Kosten für die Arbeiter mit dem Überschuß, den ihre Arbeit hervorbringt die Produktionsmittel dienen der Vergrößerung des Überschusses nur, wenn sie die Produktivität der Arbeit erhöhen und ihre Kosten vermindern. (24)
Die Veränderung der Produktionsmethoden ist als Reaktion auf die Verringerung des Gewinns, die der Kapitalist auf dem Markt erfährt darauf gerichtet, seine Konkurrenten unterbieten zu können. Er nutzt seinen Produktivitatsvorsprung durch die Senkung des Marktpreises aus, bietet ein steigendes Quantum seines Produkts an und zwingt seine Widersacher bei Strafe des Untergangs dazu, ebenfalls billiger zu produzieren. Weil die Sonderstellung im Preisvergleich daher nur eine zeitweilige ist, unternimmt der industrielle Kapitalist alles mögliche, um die Amortisierung seiner Anlagen zu beschleunigen: Konzessionen an Warenhändler, Werbung etc., was seinen Gewinn kleiner ausfallen läßt, als es seinen Neuerungen in der Ausbeutung, seinem Produktivitätsvorsprung "entspricht". Im Wettrennen mit der Konkurrenz um die neue Produktionsweise, um die Verhinderung des "moralischen Verschleisses" (der durch einen schlichten Fall des Preises eines seiner technischen Mittel ebenso erfolgen kann wie durch d Angebot eines besseren) antizipiert er das unvermeidliche Resultat seines Treibens: daß er künftig gezwungen sein wird, erneut mit effektiverer Teilung der Arbeit, mit verbesserter Maschinerie, also auch mit erhöhtem Einsatz von Kapital billiger zu produzieren. "In der Konkurrenz ist da« Grundgesetz, das entwickelt wird im Unterschied zu dem über den Wert und Surpluswert aufgestellten, dafi er bestimmt ist nicht durch die in ihm ent-haltne Arbeit oder die Arbeitszeit, worin er produziert ist, sondern die Arbeitszeit, worin er produziert werden kann, oder die zur Reproduktion notwendige Arbeitszeit. Dadurch wird das einzelne Kapital realiter erst in die Bedingungen des Kapitals überhaupt gestellt, obgleich es den Schein hat, als ob das ursprüngliche Gesetz umgeworfen."
a)
Die Rationalisierung der Produktion beruht auf der Anwendung von Wirtschaft und Technologie, die selbst kein profitables Geschäft darstellen. Wo besondere Technologien von einem Kapitalisten bezahlt werden, gewährt der Staat, dem die Organisation der Wissenschaft obliegt, das zeitweilige Recht auf ausschließliche Anwendung: mit Patentrecht, Markenschutz etc. honoriert der Staat dte Bemühungen der Wirtschaft um den Fortschritt so, daß er auch wirklich dem Privateigentum zugute kommt, das ihm einen Teil seiner Aufgabe abnimmt. Er schützt die Besonderheit des Herstellungsverfahrens und des Produkts, also die Konkurrenz.
Da die Veränderungen der Produktion auch den Arbeitern Fertigkeiten und Kenntnis abverlangen, die sie weder von Natur besitzen noch in der Familie erwerben, hat der Staat ein Ausbildungswesen einzurichten, das es gestattet, Individuen durch kurze Einweisungsphasen (= berufliche Bildung) in allen möglichen arbeitsteiligen Funktionen zu beschäftigen. Die Herstellung von in der Industriellen Produktion brauchbaren Individuen ergänzt er um Maßnahmen, die ihre Mobilität befördern, so daß die Kapitalisten einen angenehm elastischen Arbeitsmarkt zur Verfügung haben. Den zerstörerischen Wirkungen der Ausbeutung wird er mit seinem Gesundheitswesen gerecht.
Der Kredit gestattet den industriellen Kapitalisten durch die Verminderung ihrer Stückkosten ihren Gewinn zu vermehren, sofern sie in der Lage sind. die durch erhöhte fixe Kosten gesunkene prozentuale Größe ihres Gewinns in der Vergrößerung ihres Umsatzes zu kompensieren. Wenn die Industriellen den von den Banken offerierten Kredit entsprechend ihren Produktionsbedürfnissen in Anspruch nehmen und die Differenzen in den Produktionskosten aufholen, vollziehen sie mit der beständigen Revolutionierung der Produktion auch ihre Beschränkung auf dem Markt, stoßen sie auf die Grenzen des zahlungsfähigen Bedürfnisses: gewisse Opfer sind unvermeidlich. Ein Teil des Kredits wird in Erwartung künftigen Gewinns genommen, von dem sicher ist, daß er Erwartung bleibt. Schulden werden als Kapital angelegt, ohne daß sie als solches wirken. Sie sind der Hebel der an Innovationen gebundenen Geschäfte der Industrie, der von jedem Kapitalisten eingesetzt wird, um mit dem Druck des Marktes fertigzuwerden - und sie sind dies Mittel doch nie für alle. An ihrer Insolvenz bemerken stets einige Kapitalisten, daß ihr Vermögen ein fiktives ist. (25) Sie haben ihre Schulden nicht so gebraucht, daß ihre Tilgung erwirtschaftet worden ist, so daß ihre Gläubiger der Illusion ein Ende machen, daß dasselbe Vermögen mehrfach existiert. Die Konkurrenz zwischen Verleiher und Borger, die auf der Praktizierung dieser Illusion beruht, räumt mit ihr auf, wenn sie nicht mehr beiden Seiten ihren Vorteil garantiert. Im Konkurs von Industriellen wird klargestellt, woraus dieser doppelte Vorteil entsteht, freilich mit der nicht unbedeutenden Nebenerscheinung, daß sich der Geldkapitalist auch am scheiternden Industriellen bereichert. Umgekehrt zeigt sich im Bankrott dasselbe, jedoch als ein der Marktwirtschaft nicht dienlicher Modus im Verlauf der Konkurrenz zwischen industriellem und Bankkapital, zu der wegen des Zwangs zur Rationalisierung aber der Übergang zu Spekulationsgeschäften und Schwindel gehört. Der industrielle Kapitalist frisiert Bilanzen und täuscht Reichtum qua Repräsentation vor, um kreditwürdig zu sein, geht also bewußt mit fiktivem Kapital um, wenn er an den Bedingungen des Kredits (Höhe der Zinsen) bemerkt, daß es sich für ihn "eigentlich" nicht mehr auszahlt.
b)
Darum hat sich der Staat in der Vervollständigung seiner Kreditgesetze zu kümmern: daran interessiert, daß seine unternehmenslustigen Bürger ihre Freiheit dazu gebrauchen, ihren Reichtum wirklich zu vermehren, statt ihn anderen bloß abzunehmen, setzt er jeder der konkurrierenden Parteien entsprechende Schranken.
Die schwierige Lage der Ausbeutung bietet dem bürgerlichen Verstand nicht wenige Anhaltspunkte für ein Lob des Kapitalisten: ihm verdankt sich die stetige Modernisierung der Produktion, die Versorgung der Welt mit einer immer größeren Anzahl von verbesserten Produkten. Als solchem Fortschrittsmann, von dem jedermann weiß, daß er das viele Zeug nicht genießt, gebührt ihm auch sein Gewinn. Er ist nichts weiter als ein Unternehmerlohn, ein Entgelt für seine harte Arbeit, für sein Fertigwerden mit den Sachzwängen des Marktes, auf dem es nur die Masse bringt. In den herzkranken Funktionären der kapitalistischen Produktionsweise ist der Beweis ihrer Aufopferungsbereitschaft offensichtlich; wenn die Ausbeutung soviel Arbeit macht, ist sie Tüchtigkeit, die sich wohltuend von den Eigenschaften des spekulierenden Bankiers abhebt. Die Ansprüche des schaffenden Kapitals an den Staat sind berechtigt, für Faschisten wie Revisionisten sind die raffenden Finanziers die Hauptschuldigen.
Als konsequenter Materialist läßt sich der industrielle Kapitalist durch die Wirkungen seiner Maßnahmen auf den Markt nicht beunruhigen. Wenn der Gebrauch der Mittel zur Gewinnsteigerung, welche die nach ihm benannte Gesellschaft für ihn bereithält, zur Überschreitung des zahlungsfähigen Bedürfnisses nach seinen Produkten führt, so braucht er seinen Beruf noch lange nicht an den Nagel hängen. Es kommt lediglich darauf an, daß er nicht betroffen wird von der Verschlechterung des Verhältnisses Überschuß :Kosten in seiner Branche. D.h. er muß bewußt mit der Senkung des Gewinns pro rata seines vorgeschossenen Kapitals kalkulieren und das Quantum seines Überschusses durch die Masse seines Umsatzes sichern; die Größe seines Kapitals ist eine Waffe im Konkurrenzkampf, weil sie ihm gestattet, auf Kosten der Konkurrenten seinen Umsatz relativ zum Anteil der anderen innerhalb der Branche zu vergrößern, diese zu seinem ausschließlichen Betätigungsfeld zu machen. So unterscheidet sich der erfolgreiche Kapitalist von seinen minder glücklichen Klassenbrüdern nicht durch die hohe Kunst des Unternehmertums, die Bezahlung der in seinen Diensten verrichteten Leistung beständig zu vermindern das tun sie alle , sondern durch die Größe des Reichtums, den er einsetzen kann und der ihm die Fortführung seiner aufreibenden Abstinenzpraktiken auch dann noch gestattet, wo anderen die Gelder ausgehen. Und da er sich in seinem spezifischen Gewerbe behauptet, sind ihm auch dessen Schranken kein Problem: seine Durchsetzung in einem Zweig der Produktion bietet ihm ja gerade die Möglichkeit, auf die gewinnbringende Verwendung seiner Gewinne in anderen Zweigen umzusteigen. Er praktiziert in seinem Interesse an der Größe des rentabel angelegten Kapitals beständig den Rentabilitätsvergleich zwischen allen Sphären der Produktion eine Leistung, zu der ihm umgekehrt die Größe seines Kapitals die Macht gibt. Die Konkurrenz zwischen Hersteilem gleichartiger Produkte wird ergänzt durch die Konkurrenz um die Anlagesphären, innerhalb derer die einschlägigen Praktiken zur Anwendung gelangen, weswegen der freie Wettbewerb der sozialen Marktwirtschaft die wechselseitige Expropriation der Kapitalisten einschließt. Die Kapitalisten bewerkstelligen die Erhaltung der gewinnbringenden Kapitalanlage, indem sie die unvermeidlichen Wirkungen ihrer gewinnsteigernden Maßnahmen als durch die Konkurrenz hervorgerufene Schranken behandeln und die Vermehrung ihres privaten Vermögens auf Kosten bereits er handenen Reichtums fortführen, also aus dem Scheitern der Akkumulation an der einen Stelle das Mittel zu ihrer Fortführung an der anderen machc'-Diese über sämtliche Produktionszweige geführte Konkurrenz ums Monopol, durch die sich die Kapitalisten in der Vermehrung ihres Reichtum.. vom Wachstum des übrigen gesellschaftlichen Reichtums, also von der Bedingung ihres Geschäfts unabhängig machen, hat Folgen. (26)
Da die verschiedenen Anlagesphären und um sie ausgetragene Konkurrenz auf dem rücksichtslosen Umgang mit den Arbeitern beruht und die Kapitalisten mit dem Widerstand der Koalitionen gegen die existenzzerstörende Wirkung der Ausbeutung konfrontiert werden (vgl. "Lohnarbeit ..." IV.2 ), sehen sie sich bemüßigt, auf dem Arbeitsmarkt gemeinsam gegen die Gewerkschaften aufzutreten. (27) Zwar verfügen sie im "Freisetzungseffekt ihrer Produktivitätssteigerungen über ein ausgezeichnetes Instrument. ihr Ausbeutungsmaterial willig und billig zu machen, doch wirkt diese "natürliche" Konsequenz ihrer gewinnsteigernden Maßnahmen nicht mehr, wenn Ausstände die Produktion unterbrechen und sich die beliebige Ersetzung von streikenden Arbeitskräften aufgrund der besonderen Anforderungen der Arbeitsplätze als Fiktion erweist So ergänzen die Kapitalisten ihre Ausbeutung um den Klassenkampf, durch den sie ihre Konkurrenz untereinander vor der Nutznießung durch die Arbeiter schützen. Als Verband handeln sie Mindestlöhne mit den Gewerkschaften aus, die dank ihrer knappen Bemessung die Basis für zusätzliche Zahlungen abgeben, wenn es der Betriebszweck erfordert aber auch die vertraglich gesicherte Grundlage für Leistungssteigerungen und Lohnreduktionen aller Art bilden, wie sie der Betriebszweck stets gebietet. Während dieser Zusammenschluß der Kapitalisten gegenüber den Arbeitern dauerhaft ist, weil ihr gemeinsames Vorgehen allen nützt, indem es für die Durchsetzung im Wettbewerb hinderliche Lohnkosten vermeidet, ohne den Industriellen ihr Verhalten zum Arbeitsmarkt vorzuschreiben, sind die Bündnisse, die sich aus gemeinsamen Interessen gegenüber anderen Konkurrenten auf dem Warenmarkt ergeben (Preisabsprachen, Aufteilung des Marktes etc.) ihrer Natur nach keine festen. Mit bestimmten Konstellationen des Marktes entstehen sie, und ihr Grund verschwindet auch mit ihnen. »Die gemeinsame Seite interessiert jeden nur, solange er mehr mit ihr gewinnt als gegen sie. Und die Gemeinsamkeit hört auf, sobald die Seite als solche die schwächere wird, wo dann jeder einzelne auf eigene Hand sich möglichst herauszuwinden sucht." (K III, 10 Kap.) Die Formen, in denen die Kapitalisten ihre Konkurrenz auf dem Markt aufheben, gelten eben ihrer Fortsetzung, und ihre Wirkung reicht nur so weit, wie da« zahlungsfähige Bedürfnis es zuläßt. Daß Klassenkampf und Kartellbildung weitere Betätigungsweisen darstellen, durch die die Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Markt zur allgemeinen Konsequenz der Praxis werden, die diesen Stand erhält, ist klar den Kapitalisten aber herzlich gleichgültig.
a)
Der Staat kann die Abwehrkämpfe der Arbeiter gegen ihn Zerstörung entweder gewaltsam verhindern und zulassen, daß sich das Kapital sein eigenes Mittel zugrunderichtet, oder und dies zeichnet den modernen Staat aus aus seiner Not eine Tugend machen: er gestattet eben nicht nur das Recht auf gewerkschaftlichen Kampf, sondern beauftragt die "Sozialpartner" mit der Aushandlung des Verhältnisses von Lohn und Leistung. Er gewährt ganz im Sinne des Gleichheitsprinzips das Recht auf Zusammenschluß auch den Arbeitgebern (GG Art. 9) und verordnet die Grenzen der Klassenauseinandersetzungen, d.h. die Tarifautonomie. Diese besteht in der Verrechtung des Arbeitskampfes, die vornehmlich den Gewerkschaften vorschreibt, was erlaubt ist, d.h. dem Wohlergehen des "Ganzen" keinen Abbruch tut. Den Ansprüchen von Arbeitgeberverbänden auf die Verbesserung der staatlich garantierten Bedingungen des freien Unternehmertums steht er aufgeschlossen gegenüber, weil er merkt, wovon er lebt, wenn er seine ,,Wirtschaft" fördert die Gewerkschaften hingegen belehrt er über den rechten Gebrauch ihrer Freiheit und über die sachgesetzlichen Grenzen ihres Einflusses.
Daß er die Unternehmer nur im Interesse des Funktionierens der Prinzipien beschränkt, die sie für ihre Geschäfte unterstellen und brauchen, demonstriert er wieder einmal im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Nach § l dieses Gesetzes sind Kartelle grundsätzlich verboten. "Verträge, die Unternehmen oder Vereinigungen von Unternehmen zu einem gemeinsamen Zweck schließen, und Beschlüsse von Vereinigungen von Unternehmern sind unwirksam (!), soweit sie geeignet sind, die Erzeugung oder die Marktverhältnisse für den Verkehr mit Waren der gewerblichen Leistungen durch Beschränkung des Wettbewerbs zu beeinflussen." So wie der Staat im Koalitionsrecht die Kollision der Klasseninteressen anerkennt und sie durch ihre Institutionalisierung erhält, reagiert er auf die Tatsache, daß Kapitalisten andere um ihrer Selbsterhaltung willen um ihr Geschäft bringen, mit Verständnis die Grenze seines Verständnisses liegt im Wohlergehen der Gesamten Wirtschaft der Nation, und diese Grenze ist weit, wie nicht nur die matten Bußgelder zeigen. Bereits in den §§ 2,3,5,6, die allesamt mit der Formulierung beginnen: § l gilt nicht, ..." gewinnt er den "gefährlichen" Kartellbildungen positive Seiten ab, so daß selbst ein Dr. Gabler in seinem Wirtschaftslexikon bemerkt: "Die Ausnahmen sind so zahlreich, daß der Verbotsgrundsatz weitgehend durchbrochen ist." Mit der Auflistung einer stattlichen Anzahl von "genehmigungs" und "anmeldepflichtigen" Kartellen wird er der Unternehmerischen Rationalität ebenso gerecht wie seiner Pflicht, ihren Marktschädigenden Tendenzen notfalls Einhalt zu gebieten.
Um durch die Erweiterung des produktiven Vermögens, zu der sie mit Hilfe der erzielten Gewinne nicht in der Lage sind, auf Kosten anderer im Geschäft zu bleiben, verwandeln die Kapitalisten den Kredit in eine Form des Zusammenschlusses: sie dehnen die Stufenleiter der Produktion aus, indem sie Aktiengesellschaften bilden. Durch die Aufgabe ihrer Selbständigkeit erhalten sie ihrem Vermögen seine gewinnbringende Funktion, zu der es wegen seiner beschränkten Größe nicht tauglich ist. Sie bewältigen die Anforderungen des Wettbewerbs, denen sie isoliert nicht gewachsen sind, durch die Assoziation mit anderen Kapitalisten, in der sie ihr Vermögen gewinnbringend anwenden können, weil es mit dem Eigentum anderer kombiniert wird: Kapital ist Kredit.
(i)
In der Aktiengesellschaft fungieren .gesellschaftliche Produktionsmittel als individuelles Eigentum", das Privateigentum, die ausschließliche Verfügung über eine Portion des gesellschaftlichen Reichtums gestattet dem Kapitalisten auch die Benützung fremden Eigentums. Die technische Aufsicht, Verwaltung und Geschäftsführung, also die Funktionen des Unternehmers trennen sich völlig von ihrer Grundlage, dem Privateigentum, so daß hier einige der angeführten Illusionen über die spezifische Leistung von Kapitalisten entfallen: Der bloße Besitz eines Teils der Unternehmung verschafft dem Aktionär die Vermehrung seines Reichtums.
(ii)
Ebenso wie der Zusammenschluß von Kapitalisten gegen die Arbeiterorganisationen und die Kartellbildung dient auch die gemeinschaftliche Verwendung mehrerer Privatvermögen, die Aufhebung ihrer Konkurrenz, den individuellen Interessen der Kapitaleigner, also der Fortführung der Konkurrenz. Da die Fortführung des Geschäfts von der Größe des Unternehmens abhängt, schließt die Gründung einer Aktiengesellschaft die Willkür der Beteiligten aus, ihr zur Verfügung gestelltes Geld oder Sachvermögen zurückzuziehen. Die Wahrung des freien Umgangs mit dem Privatvermögen in der Suche nach optimaler Rentabilität darf das gemeinschaftliche Unternehmen nicht zerstören Handel mit Aktien, die als Eigentumstitel auf einen Anteil des erwirtschafteten Gewinns zirkulieren.
(iii)
So spielt sich die Konkurrenz der Kapitalisten um Anlagesphären, der Rentabilitätsvergleich in der Form des Kapitalmarktes ab, auf dem Wertpapiere, die das wirklich vorhandene und fungierende produktive Kapital repräsentieren, einen Preis erhalten, der sich aus dem erwarteten Gewinn des Unternehmens ergibt, bei dem man sich beteiligt. Als Alternative zum gewinnbringenden Verleihen von Geld wird der Handel mit Aktien beständig auf den Preis von Leihkapital bezogen: "Ist der Nominalwert einer Aktie, d.h. die eingeschoßne Summe, die die Aktie ursprünglich repräsentiert, 100 Pfd. St., und wirft das Unternehmen statt 5 % 10 %, so steigt ihr Marktwert bei sonst gleichbleibenden Umständen und bei einem Zinsfuß von 5 % auf 200 Pfd. St., denn zu 5 % kapitalisiert, stellt sie jetzt ein fiktives Kapital von 200 Pfd. St. vor. Wer sie zu 200 Pfd. St. kauft, erhält 5 % Revenue von dieser Kapitalanlage. Umgekehrt, wenn der Ertrag der Unternehmung abnimmt." (K III/485) Dies eröffnet dem Bankkapital die Beteiligung an industriellen Unternehmungen mit Hilfe von in Schulden verwandeltem Geld das den Bankiers nicht gehört, wodurch die Konkurrenz zwischen industriellen und Geldkapitalisten aufs Glücklichste durch ihre Kooperation ergänzt wird.
(iv)
Wenn Kapitalisten als Aktionäre auftreten, um ihren Kampf um rentable Anlagesphären auszutragen, dann betrifft die Trennung des Kapitaleigentums von seiner ökonomischen Funktion nicht nur die Stellung des Kapitalisten zur Führung seiner Geschäfte. Die Vermehrung des privaten Vermögens durch den Handel mit Wertpapieren verselbständigt sich gegen ihre Grundlage, die Erwirtschaftung eines Überschusses im Geschäft des Industriellen. Aus den Notierungen der Wertpapiere, durch die sie zu nominellen Repräsentanten gar nicht vorhandenen und fungierenden Kapitals werden, geht hervor, daß die Spekulation auf die Gewinne der Industrie das Mittel für ihre Konkurrenzfähigkeit abgibt, und daß die Größe und Mobilität der Kapitalisten darauf beruht, daß sie sich mit Dividenden bescheiden. Wie der kommerzielle und Bankkredit gestattet auch der Zusammenschluß zur Kapitalgesellschaft die Fortführung der Konkurrenz in der Weise, daß sich die Kapitalisten über die im industriellen Umsatzprozeß erzielten Gewinne, über die Bedingungen ihrer Produktionserweiterung also, hinwegsetzen. (27) Mit Hilfe der verschiedenen Formen des Kredits steigern sie die Produktion bis zum dem Punkt, an dem sie unrentabel wird und weil sie sich über den Kredit in positive Abhängigkeit voneinander begeben, wird die Überproduktion zu einer Angelegenheit, die sie alle betrifft: Krise.
(v) Der Grund der Krise liegt darin, daß die Kapitalisten in dem Bestreben, sich in der Konkurrenz durchzusetzen, "ohne Rücksicht auf die vorhandenen Schranken des Markts oder der zahlungsfähigen Bedürfnisse" produzieren, so daß die von ihnen vollzogene Entwicklung der Produktion in Gegensatz gerät zum Zweck, den sie verfolgen: die Vermehrung ihres Kapitals. Das Kreditwesen, der Hebel für die Akkumulation des privaten Reichtums, ist zugleich der Hebel für die Überproduktion, weil er den Unternehmern gestattet, die Entwicklung ihrer Betriebe so durchzuführen, als wären sie dabei unabhängig von der Realisierung ihrer Gewinne (um die sich alles dreht) auf dem Markt. Die Bedingungen des Marktes behandeln sie als ihre Voraussetzung, indem sie sich aufgrund des Zwangs, sich unter diesen Bedingungen gegen andere zu behaupten im Geschäft der unmittelbaren Exploitation so verhalten, als wäre mit diesem Geschäft ihre Akkumulation gesichert. Weil die MarktOperationen ihres Umsatzprozesses praktisch von dem Fortschritt der industriellen Erweiterung getrennt. als eigenes Unternehmen konkurrierender Waren und Geldkapitalisten vollzogen werden, und weil jeder der an dieser Konkurrenz beteiligten Kapitalisten seinen Vorteil aus der Fiktion schlägt, "die Bedingungen der unmittelbaren Exploitation und ihrer Realisation" seien identisch, wirken sie alle miteinander auf den Nachweis des Gegenteils hin, den die Krise erbringt: "Die einen sind nur beschränkt durch die Produktivkraft der Gesellschaft, die anderen durch die Proportionalität der verschiedenen Produktionszweige und durch die Konsumtionskraft der Gesellschaft." (K UI/254)
Mit dem Grund der Krise, Überproduktion = zuviel produziert für den Profit der Kapitalisten, sind auch die Verlaufsformen der Krise kein Rätsel mehr. Wenn die Verwandlung von Gewinn in neues Kapital in solchem Maße den Reichtum der Kapitalistenklasse vermehrt hat, daß die Bedingungen für seine profitable Verwendung in der Gesellschaft fehlen, dann gilt die Konkurrenz der über Markt und Kredit voneinander abhängigen Geschäftsleute nicht der Feier des Zusammenbruchs der freien Marktwirtschaft, sondern sie bemühen sich nach Kräften, gegen die anderen ihre Akkumulationsbedingungen zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Der Begriff der Krise hat ja seinen Witz gerade darin, daß dem Kapital das fehlt, worauf es ihm ankommt, der Gewinn so daß es einzig darum geht, das Vermögen, welches keinen Gewinn abwirft, somit kein Kapital darstellt, aus der Konkurrenz auszuschalten oder so zuzurichten, daß es wieder Gewinne macht: Entwertung
insofern sich die Überproduktion von Kapital an der Unverkäuflichkeit von Waren zu Preisen zeigt, die einen Gewinn erbringen, vollzieht sich die Entwertung von Kapital in Form von Preissenkungen, wenn nicht im schlichten Liegenbleiben und Vergammeln von Waren.
-- was die von der spärlichen Nachfrage betroffenen Kapitalisten in Zahlungsschwierigkeiten bringt: Geld wird Mangelware und das Vertrauen, das mancher in Gestalt von Krediten aller Art in Anspruch genommen hat, erweist sich als grundlos: ,,... in allgemeiner Krise der Überproduktion ist der Widerspruch nicht zwischen den verschiedenen Arten des produktiven Kapitals, sondern zwischen dem industriellen und loanable Kapital zwischen dem Kapital, wie es als in den Produktionsprozeß direkt involviert und wie es als Geld selbständig (relativement) außerhalb demselben erscheint (Grundrisse/316)
die positive Abhängigkeit, in die sich die Kapitalisten durch den Kredit voneinander begeben haben, macht die Frage überflüssig, an welcher Ecke in der Gesellschaft zuviel produziert worden ist. Die Zahlungsunfähigkeit des einen Kapitalisten zieht die des anderen nach sich und die Banken haben alle Hände voll zu tun, sich an "Sachwerten" ihrer Schuldner schadlos zu halten, die weil nicht gewinnträchtig anwendbar auch nicht mehr das sind, was sie einmal waren.
denn ein teilweiser oder völliger Stillstand der Produktion ist geboten, wenn sich die Aufwendungen für Umlaufsvermögen aller Art als von vorneherein rausgeschmissenes Geld erweisen. Die Reduktion der Produktion, die sich diejenigen Betriebe leisten können, die aufgrund der partiellen Absetzbarkeit ihrer Waren nicht mit der Illiquidität, also nichts mehr zu kämpfen haben, ist jedoch nur das praktizierte Eingeständnis, daß es am Gewinn fehlt für sich also keineswegs ausreichend, um sich als Kapitalist zu behaupten. Die roten Zahlen lassen sich nur beseitigen, wenn die Methoden, die ein Kapitalist zur Produktion seines Überschusses beherrscht, in den schwierigen Zeiten der Krise besonders umsichtig angewandt werden: Rationalisierungen sind vonnöten, ohne daß Gewinne für Investitionen zur Verfügung stehen! Der Reaktion auf die Krise, die den Herren Lohnarbeitern Entlassungen beschert, folgt also in den Betrieben, die reaktionsfähig sind, die Bewältigung der Krise, deren erster Teil in der Steigerung der Leistung der verbliebenen Beschäftigten besteht und deren zweiter Teil die mit Hilfe von Arbeitslosigkeit und Sonderleistungen (die also nicht im Gegensatz zueinander stehen) erwirtschafteten Gewinne ermöglichen. Er besteht also im erneuten Vollzug all der Maßnahmen, die das Handwerk von Kapitalisten auszeichnen und aufgrund der diversen Formen von Entwertung wieder Erfolg bringen. Dieser Erfolg beruht freilich darauf, daß sich außer den in der Krisenkonkurrenz fälligen Opfern innerhalb der Kapitalistenklasse noch zahlreiche andere Opfer finden, die der Krisenbewältigung durch gesteigerte Leistungen und gesenkte Ansprüche aufgeschlossen gegenüberstehen. Nur dann läßt sich ein konstatierter Markt für mäßige Gewinne und diese für die Neubelebung des Marktes einsetzen.
Die aufgrund der in Krisenzeiten niedrigen Gewinnerwartung notwendige Entwertung des fiktiven Kapitals, das in Aktien zirkuliert, braucht der Tüchtigkeit mancher Kapitalisten wegen also keine allgemeine Erscheinung zu werden. Der Aktienbesitz bei manchen Unternehmungen führt zum Krisengewinn, weil die Auspizien hier gerade wegen der relativen Stabilität (die Konkurrenz ist geschwächt, gekauft oder erledigt) der AG und der Botmäßigkeit ihrer Belegschaft günstig sind.
Das Besondere an der Konkurrenz in der Krise liegt darin, daß Kapitalisten die fehlenden Gewinne zum Anlaß nehmen, die mit ihrem Beruf verbundenen Gegensätze so auszutragen, daß andere für die Wiederherstellung der durch zuviel Akkumulation gestörten Akkumulationsbedingungen geradestehen: dabei stört die Erfolgreichen unter ihnen nicht im mindesten, daß der materielle Reichtum der Form geopfert wird, in welcher er ausschließlich produziert wurde und weiterhin wird. Daß nur zahlungsfähiges Bedürfnis des Genusses kapitalistischer Produkte würdig ist, diese Binsenwahrheit der Welt des Privateigentums, erfreut sich in der Krise des eindrucksvollsten Nachweises: die Produktion wird eingeschränkt angesichts eines Heers von Arbeitslosen, denen das Einkommen aus dem Verkauf ihrer Arbeit verwehrt wird und das Notwendige zum Leben fehlt, das Wertgesetz bestimmt die Konsumtion. Solcher von der besitzenden Klasse an den Tag gelegte Materialismus kommt freilich ohne den Idealismus der von ihr Ausgebeuteten nicht aus, denn ohne ein gerüttelt Maß an Idealismus läßt man sich kaum nicht anwenden, um wieder verbraucht zu werden.
b)
Für die Erzeugung dieses Idealismus und für seine Erhaltung ist im Übrigen der Staat zuständig. Was er für die krisengeplagten Kapitalisten tut, ist eine notwendige Begleiterscheinung des Schutzes, den er dem Privateigentum (vgl. I.) gewährt. Wer A sagt muß auch B sagen, wer aufs Privateigentum setzt, von seinen Steuern lebt (also auch die Steuergelder anderer nur bekommt, wenn das Kapital floriert), dem ist die Unterstützung des kapitalistischen Wachstums gleichbedeutend mit der Beförderung des Reichtums der Nation auch und gerade in Krisenzeiten. Der bürgerliche Staat unterwirft sich also im Gebrauch seiner politischen Gewalt den ökonomischen Notwendigkeiten der unternehmenden Klasse, indem er
sämtliche Konflikte zwischen industriellem und Geldkapital nicht nur wie üblich zugunsten des ersteren gedeihlich regelt, sondern zusätzlich seinen Reichtum (den er seinen Bürgern abgeknöpft hat) für die Beförderung der Investitionsneigung zur Verfügung stellt.
sämtliche Zielsetzungen, die sich aus dem mangelhaften Funktionieren des Geldes (Inflation: die Funktionalisierung des Kredits für das Umlaufmittel macht sich in der Krise unangenehm bemerkbar), der Arbeit (Arbeitslosigkeit), der Wirtschaftsstruktur (die Krise als Duproportionalltat) dem einen Ziel unterordnet: Wachstum
im Interesse dieses Wachstums seiner arbeitenden Bürger vor, nach und in der Krise mit sozialpolitischen Zumutungen aller Art diszipliniert und auf diese Weise noch dem Letzten klarmacht, weshalb die Unternehmerverbände den Klassenkampf für obsolet halten. Kapitalisten verfügen im Staat über eine zuverlässige Instanz, die ihnen sieht man einmal von den innerbetrieblichen Kleinigkeiten (vgl. III.) ab die Propaganda des Klassenkampfs durch dessen effektive Führung abnimmt. Wobei sogar die Zustimmung der Gebeutelten in Aussicht steht: Demokratie als Verhinderung des Klassenkampfes auf der anderen Seite. Dies heißt Wirtschaftspolitik. (Vgl. Staat §8)
Aufgrund der Tatsache, daß es Kapitalisten zu Krisen bringen und sich an selbigen nicht gerade erfreuen, gibt es selbst vom Standpunkt der Kapitalisten aus eine Kritik am Kapitalismus. Sie besteht im Angriff auf alle gesellschaftlichen Charaktere, die sich vor allem in der Krise für das Geschäft des Kapitalisten störend bemerkbar machen. Die Gewerkschaften nehmen Platz l unter den Systemfeinden ein, die Arbeiter Platz 2, weil sie weder genug arbeiten, kaufen noch sparen. Platz 3 gebührt der ausländischen Konkurrenz, von der sich der Übergang zum Standpunkt des bei der Krisenbewältigung behuflichen Staates machen läßt. Der erfüllt nämlich seine Pflicht gegenüber seinen Lieblingsbürgern nie konsequent und schnell genug: weil der Staat als Krisenmanager gefragt ist, läßt sich auch den Figuren, die ihn gerade machen, vorwerfen, daß es ihnen an Tüchtigkeit gebricht. Das heißt wiederum nicht, daß man vom Vorwurf, der bürgerliche Staat leiste nicht genügend für die Bewahrung bzw. Sanierung des nationalen Reichtums, unbedingt ein Parteigänger des Faschismus oder Imperialismus werden müßte: auch die für einen arbeiterfreundlichen Einsatz des Kapitals plädierenden Revisionisten bemühen sich in jeder Krise kräftig um die Suche nach Schuldigen sowie um konstruktive Vorschläge an die Staatsmänner bezüglich einer auf Massenkaufkraft basierenden Bewältigung der Krise, die, wie man gesehen hat, nur eine des Kapitals ist. Die Albernheit, den Kapitalismus ausgerechnet an seinen Krisen zu kritisieren, beruht also einerseits auf dem Einverständnis mit den Zielen der herrschenden Klasse und ihres Wirtschaftswachstums, andererseits auf der bei der Unterstützung dieser Ziele unvermeidlichen Schädigung diverser Interessen. Freilich haben die Antagonisten solcher Kritik keine Schwierigkeiten, die besorgt beäugten Schwierigkeiten der Wirtschaft ins Feld zu führen: besteht nicht der soziale Beruf des Kapitalisten in der Produktion von Arbeitsplätzen? Womit sich auch auf der Ebene der ideologischen Auseinandersetzungen herausstellt, daß das Kapital seine Konjunkturbahnen nur dann beschreiben kann, wenn sich außer Kapitalisten auch noch andere für es einsetzen. Die vielfältigen Wege, dem Kapital bei seinen Schwierigkeiten Ratschläge zu geben, erfinden die rechten, mittleren und linken Abteilungen der Volkswirtschaftslehre.
Fussnoten
(l) Die BWL hat denselben Gegenstand wie dieses Papier. Auch Ihr geht es um die Maßnahmen, die ein Kapitalist um der Erzielung seines Gewinns willen trifft, allerdings nicht um die Erklärung aus seinen Bestimmungen als Kapitalist. Alle Momente seines geschäftigen Treibens erscheinen In der BWL als Faktoren, die einen positiven ödet negativen Einfluß auf die Größe seines Gewinns haben, miteinander kombiniert werden müssen, wobei es auf ihre geschickte Handhabung ankommt. Diese Hilfswissenschaft für die unternehmerische Praxis stellt sich auf den Standpunkt des Kapitalisten nicht, um ihn mit seinen Notwendigkeiten zu begreifen, sondern um die alternativen Entscheidungen des Unternehmers bezüglich ihrer Wirkungen auf den Gang des Geschäfts abzuwägen: "Die Betriebswirtschaftslehre betrachtet also das Ertah-rungsobiekt unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit bzw. der Rentabilität oder der Gewinnmaximierung." (LÖFFELHOLZ : Repetitorium der Betriebswirtschaftslehre, 2. Aufl. Wiesbaden, 1967, S. 66) Unter diesem Gesichtspunkt kommen in ihren Darstellungen sämtliche Phänomene vor, die in unserer Untersuchung erklärt werden. Die Erwähnung der Aussagen, welche die BWL macht, belegen also keineswegs die Identität Ihrer Ergebnisse mit den unsrigen sie zeigt lediglich, wie sich die Notwendigkeiten des Kapitals seinen Charaktermasken aufdrängen, ohne daß die Realisierung ihres Interesses eines Schimmers von Erklärung der Gesetze bedarf, die sie exekutieren. Öle BWL-Zitate sind Zeugnisse des falschen Bewußtseins, das Kapitalisten bzw. ihre bezahlten Manager von ihrem Geschäft haben und benutzen zu ihrem Vorteil: So sieht von ihrem Interesse her ihr Werk aus. Technologie der Ausbeutung.
(2) Vgl LÖFFELHOLZ, S. 636: "Planungsrechnung und Buchhaltung sind zeltraum- oder periodenbezogen, d.h. die Rechnung dient der Ermittlung der Kosten, der Leistung und des Erfolges einer Rechnungsperiode."
(3) Vgl. LÖFFELHOLZ S. 505: "Das Vermögen der Unternehmung besteht nach der Nutzungsdauer aus zwei Güterkomplexen: l. Anlagevermögen: Das sind die Produktionsmittel, die mehrere Produktionsprozesse überdauern, z.B. Grundstücke, Gebäude, Maschinen, die gesamte Betriebseinrichtung; und 2. Umlaufs- oder Betriebsvermögen: Das sind die Produktionsmittel, die nur einmal im Produktionsprozess, nämlich (!) im Umsatz, verwandt werden können. z.B. Rohstoffe. Hufsstoffe, flüssige Mittel und Forderungen, insbesondere zum Einkauf von Waren und zur Bezahlung von Gehaltem, Löhnen und Steuern." Die Betrachtung seines Geschäfts vom Standpunkt der Zirkulation seines Kapitals, naher seines möglichst raschen Umschlag! führt wie man sieht dazu, daß der Kapitalist die Differenz von fixem und zirkulierendem Kapitel bemerkt und zugleich diese Unterschiede seines produktiven Kapitals mit völlig andersartigen Bestimmungen verwechselt!
(4) Bereits der abstrakte Begriff des industriellen Kapitalisten gibt also Aufschluß über sein Verhältnis zum Lohnarbeiter:
(5) Vgl. LÖFFELHOLZ. S. 515: "Liquidität und Rentabilität stehen in einer gewissen Gegensätzlichkeit zueinander." "Denn Liquidität kostet Geld." (MELLEROWICZ)
(6) Vgl. Grundrisse/444: "Das höchste, was der Kredit tun kann nach dieser Seite hin die die b l o ß e Zirkulation betrifft , die Kontinuität des Produktionsprozesses aufrechtzuerhalten, wenn alle anderen Bedingungen -vorhanden sind für diese Kontinuität."
(7) Vgl. LÖFFELHOLZ, S. 722: "Die Abschreibungen dienen verschiedenen Zwecken (die im Kausalzusammenhang zueinanderstehen):
1. Sie dienen dazu, die Vermögens- und Kapitalstruktur eines Betriebes in der Bilanz möglichst richtig wiederzugeben.
2. Durch die in den Erlösen eingehenden Abschreibungsquoten sollen die Mittel zur Ersatzbeschaffung des Abschreibungsgegenstandes (Reinvestition) nach Ablauf seiner Betriebsdauer dem Betrieb bereitgestellt werden (Substanzerhaltung des Betriebes)
3. Die Abschreibungen dienen zur exakten Ermittlung des Gewinns durch die Aufwandsverteilung in der periodischen Erfolgsrechnung ...
4. Die Abschreibungen dienen als kalkulatorische Kosten der Selbstkostenermittlung."
(8) Vgl. LÖFFELHOLZ, S. 519: "Die baren Mittel, nämlich Geld- und Bankguthaben, sind die liquiden Mittel ersten Grades, Wechsel sind, sofern sie diskontfähig sind, liquiditätsmäßig kaum schlechter zu beurteilen ... Die Wertpapiere sind liquiditätsmäßig in börsengängige, lombardfähige und nicht lombardfähige zu unterscheiden ... Die Warenvorräte haben gleichfalls einen unterschiedlichen Liquiditätscharakter, und zwar je nach der Eigenart der Ware und der Marktlage ... Das Anlagevermögen ist in der Regel nicht veräußerbar, jedoch allenfalls beleihbar. Es gehört zu den illiquiden Mitteln ..."
(9) So erklärt sich bereits hier, weswegen MARX das, was außerhalb des "Kapital" fällt und die Kapitalistenklasse betrifft, stets mit "Konkurrenz und Kredit" benennt und auch bemerkt, daß die "reale Krisis" nur aus "der realen Bewegung der kapitalistischen Produktion, Konkurrenz und Kredit, dargestellt werden" kann. (TüM 2/513; vgl. K III/128 und passim; MEW 30/639. Es sind die Zwänge der Konkurrent. die den Kapitalisten dahin bringen, aus seinem Eigennutz heraus die Verwertung des Kapitals zu praktizieren, von der er sich keinen Begriff macht. Und der Kredit. der ihm dabei die Bewältigung der praktischen Hindernisse seiner Profitmacherei gestattet, vermittelt die Widersprüche der Kapitalverwertung: er sorgt für die Verallgemeinerung des Gegensatzes von Produktion und Zirkulation in den Krisen, welche das Kapital heimsuchen, aber nicht von den Kapitalisten ausgebadet werden. Denn soviel steht fest: wenn der Widerspruch dieser Form der Reproduktion den Charakter der Kreditbeschaffung annimmt, die die Verwendung des Vermögens befördert. dann tangiert das Scheitern dieses Geschäfts auch nicht die Existenz der "Vermögenden": sie haben Mittel! (Vgl. Lohn 1.3)
(10) Selbstverständlich sind die Offenbarungen der BWL detaillierte Ausführungen des falschen Bewußtseins des Kapitalisten über seine Tätigkeit. Wir trennen sie von den allgemeinen Vorstellungen über seine Rolle in der Welt nicht nur aus Gründen der Darstellung, die die wichtigsten Anweisungen der BWL an den Stellen bringt. wo der erklärte Umgang des Kapitalisten mit seinem Vermögen das Problem unmittelbar ergibt, das die BWL daraus macht. Die unter 4. zusammengefaßten Blüten des falschen Bewußtseins trennen sich tatsächlich von dem "technischen" Wissen. das zur Ausbeutung vonnöten ist und leben nicht nur in den Köpfen von Kapitalisten, sondern auch der übrigen Menschheit. Sie sind das falsche Bewußtsein über die Eigenart der herrschenden Klasse. (Dasselbe gut für den jeweiligen Punkt 4. im Kapitel "Lohnarbeit ...")
(11) Vgl LÖFFELHOLZ, S. 220 f.: "Der Mittelbetrieb unterscheidet sich vom Kleinunternehmen in doppelter Hinsicht. Zunächst erfordert die Leitung der laufenden Geschäfte einen Mann für sich ... Das große Unternehmen: In ihm muß die eine oder andere leitende Funktion als Aufgabe einer Gruppe, eines Kollegiums organisiert sein ... Das sehr große Unternehmen ist dadurch gekennzeichnet, daß sowohl die Leitung der laufenden Geschäfte wie auch die allgemeine Bestimmung der Unternehmenspolitik auf Gruppenbasis organisiert sein muß. Und jede dieser Aufgaben beansprucht die volle Arbeitskraft mehrerer Leute ..."
(12) Diese Leute gibt es: ihre Geschäfte entstehen mit dem Handel, sind also eine vom industriellen Kapitalisten vorgefundene Voraussetzung, die von ihnen benutzt wird. Vgl. K III/20. Kap.
(13) Vgl. LÖFFELHOLZ, S. 22: Handelsbetriebe (die keineswegs "unproduktive" Betriebe sind): Sie sorgen für die Verteilung von Waren der Produktionsbetriebe, indem sie sie in geeigneten Zusammenstellungen (Sortimenten) an günstig gelegenenen Orten (Transportübernahme und Lagerhaltung) und zu Bedingungen, die für den Käufer günstig sind, anderen Betrieben, in der Regel durch Werbung, anbieten. Bank betriebe: Sie übernehmen Dienstleistungen im Zahlungs- und Kreditverkehr :
(14) Die BWL feiert dieses Vorgehen als Erfindung von LOHMANN und RUCHTI:vgl. LÖFFELHOLZ, S. 589: "Die Abschreibungen dienen, wie bereits verschiedentlich erwähnt, grundsätzlich zur Ersatzbeschaffung des Abschreibungsgegenstandes. Doch wirken auch die verbrauchsbedingten Abschreibungen als eine Quelle der Neuinvestition, ein Vorgang, der zuerst von H. RUCHTI und E. LOHMANN beschrieben wurde. (LOHMANNRUCHTIEFFEKT) Dieser Effekt beruht auf der Tatsache, daß in den Verkaufspreisen der hergestellten Erzeugnisse der Abschreibungswert für die Anlagennutzung in der Regel früher vergütet wird, als er für die verschleißbedingte Erneuerung der Anlagegüter benötigt wird, von denen die Abschreibungsbeträge stammen, d.h. daß die Verflüssigung des im Anlagevermögen gebundenen Kapitals und das Ausscheiden verbrauchter Anlagegüter aus dem Produktionsprozeß zeitlich auseinanderfallen. Werden die in diesem Sinne vorweggenommenen Abschreibungsbeträge laufend reinvestitiert, so führt das zu einer Anlagenexpansion, ohne daß es der Zuführung neuer Mittel (durch Aufnahme von Fremdkapital oder Erhöhung des Eigenkapitals) bedarf."
(15) Vgl. LÖFFELHOLZ. S. 571: "(l) Der Betriebskredit oder Umsatzkredit ist ein kurzfristiger Kredit zur Deckung eines vorübergehenden Zahlungsmittelbedarfs. Der Kreditnehmer gewährt gewissermaßen einen Vorschuß auf die Markterlöse von be- oder verarbeiteten Materialien oder Handelswaren. Jeder echte (!) Betriebskredit laßt sich aus dem Umsatzprozeß, für den er bereitgestellt wurde, liquidieren ... (2) Anlagekredite sind Kredite zur Erstellung der Betriebsbereitschaft oder zur Beschaffung von Dauergütern zur Verwirklichung des Unternehmungszieles. Kredite zu produktiven Zwecken, die nicht aus dem Umsatzprozeß innerhalb der Warenumschlagsdauer zurückgezahlt werden können oder sollen, sind ihrer Natur nach immer Anlagekredite. Auch Kredite, die zur Erstellung des betriebsnotwendigen eisernen Bestandes an Roh- und Hilfsstoffen und Fertigungswaren dienen, sowie die Mittel für den Leistungsprozeß der Belegschaft, also der normale "Lohn- und Gehaltsfonds", sind grundsätzlich Anlagekredite. Denn der Umsatz des Unternehmens würde, wenn man diese zur Aufrechterhaltung notwendigen Mittel herausbrechen wollte, absinken und u.U. zum Zusammenbruch des Unternehmens führen. Solche Kredite können nur aus dem Gewinn des Unternehmens abgedeckt werden ..."
(16) Die BWL faßt diese Überlegung in der "Goldenen Bilanzregel" sowie in Diskussionen über ihre Brauchbarkeit zusammen. Vgl. LÖFFELHOLZ. S. 524: "(l) Die Goldene Bilanzregel im engeren Sinne, in der sog. klassischen Form, verlangt, daß das Anlagevermögen durch Eigenkapital finanziert werde; (2) Die Goldene Bilanzregel im weiteren Sinne fordert, daß nicht nur das Anlagevermögen, sondern auch das dauernd gebundene Umlaufvermögen, der "eiserne Bestand des Umlaufvermögens", durch Eigenkapital und durch langfristiges Fremdkapital, das restliche Umlaufvermögen durch kurzfristiges Fremdkapital gedeckt sei. Die Goldene Bilanzregel in ihrer weiteren Fassung ist als Faustregel durchaus richtig denn sie besagt, daß langfristige Investitionen grundsätzlich nicht mit kurzfristigem Fremdkapital finanziert werden sollen ..."
(17) Vgl. LÖFFELHOLZ, S. 525: "Die Goldene Bankregel... verlangt in ihrer strengsten Fassung "vollkommene Liquidität", d.h. die von einer Bank gewährten Kredite (Aktivkredite) müssen sowohl ihrem Umfang als auch ihrer Fälligkeit nach genau den der Bank zur Verfügung gestellten Beträgen (Passivkredite) nach Umfang und Fälligkeit entsprechen. Die Goldene Bankregel in dieser strengen Form wurde nur in der Renaissance (im 16. Jhdt.) nach zahlreichen Bankzusammenbrüchen gefordert. Von der modernen Kreditbank kann und soll sie gar nicht eingehalten werden, denn es liegt im Wesen der Bank, die kürzerfristigen Einlagen in längerfristige Kredite zu transformieren ..."
(18) Vgl. LOFFELHOLZ, S. 376 f.: "Fixe oder teste Kosten sind der Teil der Gesamtkosten, der von Änderungen des Beschäftigungsgrades grundsätzlich unbeeinflußt bleibt. Die fixen Kosten entstehen also aus der Bereitschaft zur Produktion. aus der vorhandenen Kapazität ...
Variable oder veränderliche Kosten sind der Teil der Gesamtkosten, dessen Höhe vom Beschäftigungsgrad des Betriebes abhängig ist. z.B. Fertigungslöhne, Rohstoffkosten usw. ...'
(19) Vgl. LÖFFELHOLZ, S. 2&1: ..Die Technik ... ist die praktische Anwendung der Erkenntnisse der Naturgesetzlichkeit zur Substitution menschlicher Arbeitskräfte durch mechanische Hilfsmittel und Naturkräfte. Der Zweck der Technik besteht also vor allem in der Substituierung des Produktionsfaktors Arbeit durch den Produktionsfaktor Betriebsmittel (man spricht auch von der Substitution der Arbeit durch "Kapital" und versteht dann unter Kapital "produzierte Produktionsmittel").
Die Vorteile dieser Substitution der Arbeit sind offensichtlich: Die Produktivität der Arbeit ... ungeheuer gestiegen ... wird noch ständig gesteigert. Ihre Nachteile sind auch hinreichend bekannt. Durch die Maschinisierung und Automatisierung des Arbeitsprozesses wird der Mensch immer abhängiger von der technischen Apparatur. Betriebswirtschaftlich zeigt sich diese (!) Abhängigkeit in einer sehr starken Verschiebung der betrieblichen Kostenstruktur. Durch die Substituierung der Arbeit sinkt nämlich der Anteil der proportionalen Kosten (Lohn) innerhalb der Gesamtkosten des Betriebes, während die fixen Kosten der wachsenden Anlagen stark zunehmen. Der Betrieb wird dadurch unbeweglicher, die Preisuntergrenze ist wegen der hohen Fixkosten sehr hoch, d.h. der Betrieb kann schon in Schwierigkeiten geraten, wenn sein Absatz für längere Zelt geringfügig sinkt; er kann dann die fixen Kosten nicht mehr decken."
(20) Die BWL erinnert sich daher an die nützlichen Besonderheiten des Arbeitsmarktes, die in der VWL im Rahmen der "Lohnbildungstheorie" zur Sprache kommen; diese Besonderheiten entspringen dem vom Kapitalisten für das Allerselbstverständlichste der Welt gehaltenen Faktum der "Ware Arbeit" eben der Voraussetzung seines Geschäfts: es gibt Leute, die vom Verkauf ihrer Arbeit ihre Existenz bestreiten müssen. Vgl. LÖFFELHOLZ, S. 266: "Nach den neueren Auffassungen gut für die Lohnbildung zwar auch das Gesetz von Angebot und Nachtrage, doch weist der Arbeitsmarkt eine Reihe von Sonderheiten auf. die auf der Eigentümlichkeit der menschlichen Arbeit (!) beruhen; denn die menschliche Arbeit ist ein Gut, das nicht beliebig vermehrt und und nicht beliebig: vermindert werden kann. Das Arbeitsangebot auf dem Arbeitsmarkt besteht aus drei Komponenten: der Zahl der Arbeitsfähigen. der Zahl der Arbeitstage in der Woche und der Zahl der täglichen Arbeitsstunden. Ist der Stundenlohn sehr niedrig, dann sinkt aber nicht das Arbeitsangebot, sondern im Gegenteil, es steigt, weil jeder Arbeitsfähige versucht, durch hohes Arbeitsangebot sein Lohnniveau zu steigern. Bei hohem Stundenlohn dagegen kann das Arbeitsangebot sinken, weil viele Arbeiter mit ihrem Lohneinkommen zufrieden und nicht willens sind, noch mehr zu arbeiten."
(21) Vgl. LÖFFELHOLZ S. 269 f.: "Beim Zeitlohn wird der Lohn nach der aufgewandten Arbeitszeit bemessen; die in der Zeiteinheit ausgeführte Arbeitsleistung wird nicht (!) berücksichtigt. Bei Änderung (!) der Arbeitsleistung in der Zeiteinheit ändern sich die Lohnkosten je Stuck proportional..." "In der modernen Fließbandproduktion hat der Zeitlohn wieder sehr an Bedeutung gewonnen, da der Arbeiter gezwungen wird, sich dem Tempo des Fließbandes anzupassen." "Der Nachteil des Zeltlohnes besteht vor allem darin, daß der Betrieb das Risiko (!) des Arbeitswillens und der Arbeitsgeschicklichkeit des Arbeitenden voll ..(!) trägt. Der Zeitlohn gibt keinen Anreiz, die Leistung zu steigern. Durch Überwachungsmaßnahmen muß mangelhafte Arbeitsgesinnung verhindert werden."
(22) VgL LÖFFELHOLZ. S. 275: "Die Nachteile des Akkordlohns liegen jedoch nicht im System, nicht in der Gefahr des zu großen Anreizes zur Leistungssteigerung, sondern allein in der großen Schwierigkeit, die Akkordzeit richtig festzulegen. Es gibt heute eine ganze Reihe sehr guter Methoden der Akkordbestimmung, die allerdings keine betriebswirtschaftliche, sondern eine arbeitswissenschaftliche Aufgabe ist. Dadurch wird auch die berüchtigte "Akkordschere" unterbunden, die darin bestand, daß man bei hohen Akkordverdiensten die Akkordsätze einfach heruntersetzte (ein System, daß in der Sowjetzone sehr beliebt ist)."
(23) Vgl. LOFFELHOLZ, S. 279: "Die Prämienentlohnung für qualitative Mehrleistung kann selbstverständlich auch mit einem Akkordlohnsystem kombiniert werden. So wird eine Güteprämie von anreizender Höhe verhindern, daß der Akkordarbeiter überlastet arbeitet, wodurch die Qualität der Arbeitsleistung leidet, übermäßig viel Ausschuß entsteht, oder Nacharbeit notwendig wird."
(24) Was die Lohnformen für die Arbeiter und ihre Konkurrenz sind, wird in den entsprechenden Punkten der Analyse "Lohnarbeit..." abgehandelt !
(25) So wird verständlich, daß die BWL das ..Liquiditätsproblem" unmittelbar als Vorteils-Nachteils-Rechnung in der geschickten Handhabung von Schulden aufwirft. Vgl. Anm. 8!
(26) Die gewöhnliche Vorstellung vom Monopol als einem Kapital von außerordentlicher Größe hat mit dem Begriff des Monopols zunächst einmal gar nichts zu tun, denn die Größe des angewandten Kapitals ist zwar Mittel, um sich dem Vergleich mit den Konkurrenten zu entziehen, zugleich aber auch Garant für die "Instabilität" der Sonderstellung eines Unternehmens, da durch Zusammenschluß der Konkurrenten aufzuheben. (Vgl. IV.3.) Doch auch das Monopol, das auf ausschließlicher Verwendung eines technischen Verfahrens oder ausschließlicher Nutzung natürlicher Produktionsbedingungen beruht, löst sich durch die Entdeckung eines ebenbürtigen Verfahrens und anderer Ressourcen auf, so daß es - eben wegen der Prinzipien der Konkurrenz, denen das Streben zum Monopol entspringt nur zeit und ausnahmsweise echte Monopolpreise gibt, die von nichts anderem als vom zahlungsfähigen Bedürfnis nach dem betreffenden Produkt bestimmt sind.
(27) Vgl LÖFFELHOLZ, S. 266: "Eine weitere Besonderheit des modernen Arbeitsmarktes ist eine Marktform, denn auf ihm herrscht heute weitgehend ein bilaterales Monopol. Früher, als die Arbeiter noch nicht organisiert waren, waren die Unternehmer in der stärkeren Lage und konnten den Lohn drücken. Durch den Zusammenschluß der Arbeiter in den Gewerkschaften besitzen die Arbeiter jetzt in einem erheblichen Umfang ein Angebotsmonopol (!), dem das Nachfragemonopol der Arbeitgeberverbände gegenübersteht. Doch ebenso wenig wie bei anderen Monopolen der Preis, kann bei dem bilateralen Monopol auf dem Arbeitsmarkt der Lohn willkürlich festgesetzt werden. Die Produktivität der Arbeit (!!) bildet grundsätzlich die obere Grenze des Lohns."
(27) Wenn die BWL die Vorteile bespricht, die sich für einen Betrieb aus der Umwandlung in eine neue rechtliche Unternehmensform ergeben, dann zählt sie wie bei der Erörterung von Liquiditäts- und Finanzierungsproblemen die Zwänge auf, die der Betrieb "loswerden" will, weil sie seine Fortexistenz gefährden! VgL LÖFFELHOLZ, S. 599: "Die wichtigsten Gründe für eine Umwandlung sind: I. Verbreiterung der Kapital und Kreditbasis ... 2. Verminderung des Risikos durch Beschränkung der Haftung ... 3. Erhöhung der Kreditwürdigkeit ... 4. Verringerung der steuerlichen Belastung ... 5. Vorbereitung einer Fusion ..."