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GegenStandpunkt – Kein Kommentar im Freien Radio für Stuttgart vom 16. November 2009
Die Analyse des GegenStandpunkt-Verlags in Radio Lora München vom 17. November 2009

Managergehälter –

Wie mit einer Reibachbremse für die Spitzenfunktionäre des Kapitals die Ausbeutung der lohnabhängigen Arbeitskraft gleich viel gerechter ausschaut

BMW will doch glatt die Managergehälter an die Löhne der Arbeiter koppeln, damit sich „die Schere im Konzern“  nicht weiter öffnet. Laut  der „Frankfurter Allgemeinen“ würden gar die Arbeiter künftig die Höhe der Manager-Löhne bestimmen. Von wegen: Bloß die jährliche „Gewinnbeteiligung“ soll in Zukunft für alle – vom Bandarbeiter bis zu den höheren Managern – den gleichen Prozentsatz vom bekanntlich höchst unterschiedlich hohen Lohn ausmachen. Und für die Vorstandsgehälter gelten ohnehin weiter Sonderregelungen. Aber die „Süddeutsche Zeitung“ feiert das gleich als ein „wichtiges Signal“, um angesichts der derzeitigen öffentlichen Empörung über hohe Managergehälter das erschütterte Gerechtigkeitsgefühl der Leute wieder aufzubauen.
Dass Top-Manager das Vielfache von Arbeitern verdienen, soll man zwar mithilfe des schönen Bildes vom Betrieb als Boot, in dem alle gemeinsam sitzen - die einen rudern, die anderen steuern dank ihrer höheren Ausbildung und Schlauheit das Unternehmen durch die Fährnisse der Konkurrenz – als die größte Selbstverständlichkeit betrachten.
Wenn allerdings die Manager einen saftigen Bonus kriegen, während die Löhne sinken oder gleich Entlassungen vorgenommen werden, dann ist es neuerdings üblich zu beklagen, dass dadurch das Gerechtigkeitsempfinden des normalen Lohnempfängers verletzt werde.
Wer an die Idylle mit dem Boot, in dem alle gemeinsam sitzen, glaubt, sollte sich allerdings mal genau klarzumachen, worin denn die überaus großzügig entlohnte Leistung der Manager im Unterschied zu der der Arbeiter besteht.
Zwar weiß eigentlich jeder Arbeiter, dass die Manager irgendwie zur Arbeitgeberseite gehören. Und dass sie und ihre Unterbeauftragten durch den ständigen Arbeitsdruck, den sie organisieren, einem oft genug das Leben schwer machen.  Aber irgendwie arbeiten sie ja auch, damit der Laden läuft, oder? Der sehr gegensätzliche Inhalt der Leistung des Arbeiters einerseits, des Managers andererseits ist aber zugedeckt, wenn man bloß die Höhe der Gehälter vergleicht – und daran Gerechtigkeitsfragen aufwirft. Da ist man nämlich schon auf die Illusion reingefallen, der Lohn sei die Bezahlung für geleistete Arbeit, in der sich die nun mal unterschiedliche Nützlichkeit dieser Arbeit für das Unternehmen ausdrückt. Und wer die Sache so sehen will, der schwingt sich dann auch gerne zum ideellen Oberaufseher des Unternehmens auf und empört sich darüber, dass dieser oder jener Manager gemessen an seiner Nützlichkeit für das große Unternehmensganze viel zu viel bekomme.  Das ist auch der Standpunkt der Gewerkschaften. In den mitbestimmten Aufsichtsräten mit zuständig für die Bezahlung der Vorstände, erörtern sie allen Ernstes die Frage, ob die Top-Manager generell das Zwanzigfache oder das Dreißigfache des normalen Arbeiterlohns bekommen sollen oder ob man doch lieber „firmen- oder branchenspezifische Lösungen“ anstrebt.
Was immer da an Debatten stattfindet, um eines geht es dabei nicht: um die Frage, was das eigentlich für eine Leistung ist, die dem Kapital das Vielfache eines durchschnittlichen Arbeiterlohns als höchst „leistungsgerechte Bezahlung“ der Manager wert ist.
Die Arbeiter bekommen ihren Lohn dafür, dass sie dem Unternehmer ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Was sie genau zu tun haben, wie, mit welchem Tempo, welcher Intensität sie zu arbeiten haben, das alles ist nicht ihre Sache, sondern tritt ihnen gegenüber als Anweisungen ihrer Vorgesetzten, sowie in den Arbeitsabläufen, den Maschinen und anderen Arbeits­mitteln, die der Betrieb ihnen für die Verausgabung ihrer Arbeitskraft vorsetzt – daher werden Kapitalisten in der Ideologie der Marktwirtschaft als Arbeitgeber tituliert. Ihnen müssen sich die Arbeiter mit Haut und Haar ausliefern, um ihren nötig­sten Lebensunterhalt zu verdienen. Ob sie überhaupt arbeiten dürfen, hängt allein davon ab, ob sich ihre Arbeit für das Unternehmen rentiert. Und die rentiert sich um so mehr, je mehr verkäuflichen Warenwert sie produzieren im Vergleich zu dem Lohn, den sie nach Hause tragen. Den Gegenwert seines Lohnes erarbeitet der Arbeiter mithin in nur einem Teil seiner Arbeitszeit, den Rest des Tages arbeitet er für das Unternehmen – umsonst. Das ist der grundlegende Gegensatz zwischen Arbeiter und Kapitalist. Der Lohn des Arbeiters, für ihn sein Lebensmittel, ist nämlich für das Unternehmen vor allem Kostenfaktor, und zwar einer, der sich gemessen an der verausgabten Arbeitskraft munter senken lässt. Denn der Unter­nehmer will den unbezahlten Teil des Arbeitstages ständig auf Kosten der bezahlten Arbeits­zeit erhöhen, also auf Kosten des Lebensunterhalts des Arbeiters. Die Leistung, für die er den Arbeiter bezahlt, besteht allemal darin, dass der möglichst viel unbezahlte Leistung abliefert. Das ist die Bedingung seiner Beschäftigung. Die vom Unternehmen durch die Manager betriebene ständige Erhöhung der Produktivität und Intensität der Arbeit, also der Verausgabung der Arbeitskraft des Arbeiters ist für diesen laufende Normalität. Wie viel Arbeitsleistung ihm in welcher Zeit abverlangt wird, bestimmt das Unternehmen. Seine Leistung ist nicht sein Mittel, zu mehr Lohn zu kommen, sondern sein Lohn ist umgekehrt Mittel des Unternehmens, aus ihm mehr unbezahlte Arbeit herauszuholen. Wie groß der bezahlte und der unbezahlte Teil seines Arbeitstages ausfällt, ist daher notwendig Ergebnis des Kampfes der beiden Parteien. Lohnarbeiter können die Höhe ihrer Einkünfte allenfalls durch den Druck erhöhen, den sie mit der Drohung der Arbeitsverweigerung auf die Unternehmerkalkulation ausüben können.
Damit stehen die sogenannten Damen und Herren Arbeitnehmer in direktem Gegensatz zu den Managern. Denn deren Aufgabe ist es ja gerade, im Unternehmen zum Nutzen der Kapitaleigner die Funktionen des Kapitals auszuüben. Ob aus den lohnabhängig Beschäftigten mehr unbezahlte Arbeit herausgeholt wird, oder ob auch schon mal eine ganze Produktion in Billiglohnländer verschoben und die hiesige Belegschaft entlassen wird – Hauptsache, der Profit steigt und damit der Unternehmenswert. Denn der bestimmt sich durch die Rendite, die das investierte Kapital abwirft. Je höher die ist, desto mehr ist im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen das Unternehmen wert. In dieser Leistung besteht das Geheimnis ihres „Werteschaffens“, auf das sie alle, vom Deutsche-Bank-Chef Ackermann bis zum letzten Abteilungsleiter, so stolz sind und wofür sie einen stattlichen Anteil an solcherart Wertsteigerungen einstreichen – je größer das Kapital, für dessen Vermehrung sie „verantwortlich“ sind, desto mehr.
Und dieser Zusammenhang dreht sich dann auch gleich um: Durch die Bezüge ihrer Spitzenleute repräsentiert eine Kapitalgesellschaft ihre Größe und ihren Erfolgsanspruch. Sie sind also selbst noch Mittel der Konkurrenz um Kredit und Anleger. Das Unternehmen, das es sich nicht leistet, mit Spitzenvergütung um solche „Spitzenleute“ zu konkurrieren, macht sich verdächtig, dass da an Wertsteigerung nicht viel zu erwarten sei.
Weil das so ist, gibt es auch keine „Beschränkung der Vorstandsvergütungen und Managerbezüge“. Das „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung“, das Ende Juli 2009 verabschiedet wurde, fordert denn auch genau das, was es im Titel schon ausspricht: Vorstandsbezüge, die darin angemessen sind, dass sie sich am „nachhaltig erwirtschafteten“ Profit orientieren.
Und weil das so ist, hat auch BMW seine wunderbare neue Gewinnbeteiligungsregelung beschlossen. Von den paar Prozent Zuschlag dafür, dass sie sich durch reichlich Arbeit für knappen Lohn um den Unternehmensgewinn verdient machen durften, werden die Arbeiter zwar nicht reicher. Aber dafür dürfen die sich nun einprägen, dass alle Forderungen, um sich das Leben etwas erträglicher zu machen, durch mehr Lohn, durch kürzere Arbeitszeit, zu Lasten des Gewinns und damit der nächsten Gewinnbeteiligung geht. Das soll wohl das Verständnis für die Manager und ihre harte Arbeit der Durchsetzung optimaler Ausbeutung der Arbeitskraft fördern. Die werden durch den einheitlichen Gewinnbeteiligungs-Prozentsatz bestimmt nicht ärmer. Aber ihre Bezüge sind jetzt durch die auch für Arbeiter geltende Formel als angemessen definiert. Sie bekommen denselben prozentualen Zuschlag auf ihr zigfaches Gehalt dafür, dass sie die Profitmacherei durch Verbilligung der Arbeit erfolgreich durchsetzen.
Der Gerechtigkeit ist so genüge getan. Sie besteht in dem Zynismus, dass eine gleiche Prozentzahl die ziemlich unterschiedlichen Bezüge von Arbeitern und Managern gleich behandelt, nämlich als Beiträge zum Zweck des Betriebes. Dass es dieser Zweck ist, der Betriebsgewinn nämlich, um dessentwillen Arbeiter und Manager so unterschiedlich bezahlt werden, soll man da gefälligst vergessen.
Die Fans des real existierenden Kapitalismus sind begeistert: Offensichtlich sind sie der Auffassung, dass sich gerechte Ausbeutung viel besser aushalten lässt als ungerechte – von den Arbeitern …