Argumente gegen die Psychologie Inhalt

Der Freud'sche Seelenapparat


Jeder weiß, daß er - eigentlich - tagein, tagaus zu dritt unterwegs ist: als "Ich", "Es" und "ÜberIch". Und was macht man damit? In der Regel kein Aufhebens, und wenn sich einer dieser Dreifaltigkeit einmal entsinnt, dann zum Zweck der eigenen Rechtfertigung (oder auch, um anderen auf die vomehme Art ein bißchen übel nachzureden): Das "Ich" - zu schwach, das "Über-Ich" zu stark und überhaupt das "Es" ... - so lautet gängigerweise die Beschwerde, mit der man gewissermaßen glaubt, den Sack schlagen zu können, ohne den Esel meinen zu müssen. Wir fragen uns, ob man den dreien mit einer solchen Behandlung gerecht wird. Wir gehen daher ihrer Herkunft nach, von der ein gewisser S. Freud Zeugnis ablegt.

Ein Fernrohr zwischen Schädel und Bewußtsein

"Von dem, was wir unsere Psyche (Seelenleben) nennen, ist uns zweierlei bekannt, erstens das körperliche Organ und Schauplatz desselben, das Gehirn (Nervensystem), andererseits unsere Bewußtseinsakte, die unmittelbar gegeben sind und uns durch keinerlei Beschreibung näher gebracht werden können. Alles dazwischen ist uns unbekannt, eine direkte Beziehung zwischen beiden Endpunkten unseres Wissens ist nichten an, daß das Seelenleben d gegeben ... Wir nehm ie Funktion eines Apparates ist, dem wir räumliche Ausdehnung und Zusammensetzung aus mehreren Stücken zuschreiben, den wir uns also ähnlich vorstellen wie ein Fernrohr, ein Mikroskop u. dgl." (Freud, Abriß der Psychoanalyse)

,Frechheit siegt!' hat offenbar das Motto gelautet, unter dem S. Freud seinerzeit eine neue Schule wissenschaftlicher Psychologie ins Leben rief - führt sie sich doch gleich, und das voller Selbstbewußtsein, als eine Schöpfung aus dem Nichts ein. Um "uns" reine eigenen "Bewußtseinsinhalte" näherzubringen, stellt der Schöpfer sogleich als deren Prinzip klar: Er will sich nicht daran gebunden sehen, ob es den Gegenstand, über den er handelt, überhaupt gibt, oder andersherum: ihm ist daran gelegen, ein in der Werkstatt der Phantasie per "Annahme" zusammengeschraubtes Seelen-Mikroskop als veritable Erkenntnis an den Mann zu bringen. Besonders gelungen ist, daß ausgerechnet "unser Wissen" uns dazu bewegen soll, ihm seinen Apparillo abzukaufen: Weil man weiß, daß ein "direkter Zusammenhang" zwischen den grauen Zellen unter der Schädeldecke und dem, waseiner denkt, eben weit und breit nicht ersichtlich ist (Freud selber ließen seine Gehirnzellen ja auch freie Hand, ob er sich sein Seelengerät nun als Fernrohr oder vielleicht als Messer, Gabel, Schere oder Licht vorstellen will) - justament deshalb soll man sich doch einen solchen Zusammenhang zusammendenken! Eine solche Schlußfolgerung setzt freilich schon voraus, daß man das, was uns "bekannt" ist, von vorneherein aus dem Kopfstand betrachtet: Nur wer aller Realität zum Trotz sich die Freiheit nimmt zu der Vorstellung, die "Bewußtseinsakte" müßten doch - als deren "Endpunkt" - durch "körperliche Organe" bestimmt sein, kommt auf die absurde Behauptung, Bewußtseinsakte ließen sich, weil "unmittelbar gegeben", gar nicht "beschreiben", es sei denn mittels der Darstellung eines Transmissions-Apparats, der die gedachte Determination erst noch herstellt. Komische Logik: ausgerechnet die unmittelbare Selbstgewißheit des eigenen Bewußtseinsinhalts stiftet laut Professor Freud die Notwendigkeit, ihn dann noch "näher zu bringen", und zwar "näher" zu einem "Schauplatz", der menschlichen Physiologie, zu dem er als Bewußtseinsakt keinerlei Beziehung aufweist. Kurz: je entfernter, desto determinierter, heißt hier die Devise, die sich so die Notwendigkeit ihrer "Annahme" eines Seelen-"Apparates" selber erzeugt! Die Leistung des Freudschen Raisonnements über den Unterschied von Gehirnphysiologie und Bewußtsein besteht somit darin, sich des weiteren um beide einen Dreck zu scheren, sich von der Beurteilung von Bewußtseinsinhaltenals Beweggrund individuellen Handelns ein für allemal zu verabschieden, vielmehr das Bewußtsein so zu betrachten, als würde es so wirken wie das Nervensystem, und diese Vorstellung durch die Einführung einer entsprechenden Bildersprachezu "belegen" - anderen Belegen ist das Seelenleben, wie Freud es sich vorzustellen beliebt, ja auch wahrhaftig nicht zugänglich.

"Die Kräfte, die wir hinter den Bedürfnisspannungen des ES annehmen, heißen wir Triebe. Sie repräsentieren die körperlichen Anforderungen an das Seelenleben."

Daß die Verwendung eines Fürworts als Subjekt oder Objekt nur dann Sinn ergibt, wenn das Hauptwort bekannt ist, für das es steht, mag für die Grammatik gelten. Daß "es" hingegen in der Freudschen Grammatik selbst zum Hauptwort aufrückt, kommt nicht von ungefähr. Was meint der Meister wohl mit dem

ES?

Dem Inhalt nach nichts anderes als seine durch nichts gestützte "Annahme", es müßte doch etwas geben, was das Bewußtsein ausmacht, selber aber noch etwas ganz anderes ist. Nun führt dieser gedankliche Platzhalter freilich seit seiner Beförderung zum Hauptwort schon ein recht gediegenes Eigenleben: Es verfügt schon über "Kräfte" und erhebt gar "Anforderun-gen". Wem nun dieser herrische Wichtel noch

nicht über den Weg gelaufen ist, der sollte allerdings bedenken, daß man es beim psychologischen Modellbau so genau auch wieder nicht nehmen darf: seine Kräfte sind ja eigentlich wieder gar nicht die seinigen, sondern walten hinter ihm, nämlich als solche des Körpers; die Anforderungen, die das "Es" stellt, "repräsentiert"es wiederum nur. Es scheint sich bei der Arbeit des "Es" also um eine abhängige Beschäftigung zu handeln, die sich gleichwohl äußerst kniffelig darstellt, um den Auftrag nämlich zu der alchimistischen Wundertat, organische "Spannungen" in dadurch festgelegte Denkprinzipien umzumünzen. Wenn Freud das Ganze "Trieb" nennt und uns damit wohl an Hunger oder Durst erinnern will, so sollte man auch das ruhig einmal überdenken. Daß man sich dessen bewußt wird, wenn der Körper Nahrung braucht, soll man sich dann wohl so vorstellen, als ob die Gedanken sich folglich nach den Gesetzen eins ausgeglichenen Nährstoffhaushalts ausrichten täten. Umgekehrt dürfte gerade ein leerer Darm näherliegende Probleme haben, als ausgerechnet die Psyche herumzukommandieren: von einem artigen Seelenleben sattzuwerden, kann man ja ruhig einmal probieren.

Die Transsubstantiation von Körperkräften in seelische Gesetzmäßigkeiten - dieser Ungedanke wird nun vom "Es" dank Herrn Freud tatsächlich auch noch ins Werk gesetzt. Das muß Folgen haben:

"Nach langem Zögern und Schwanken haben wir uns entschlossen, nur zwei Grundtriebe anzunehmen, den Eros und den Destruktionstrieb ... Das Ziel des ersten ist, immer größere Einheiten herzustellen und so zu erhalten, das Ziel des anderen im Gegenteil, Zusammenhänge aufzulösen und so die Dinge zu zerstören ... "

Nur gut, daß der alte Sigmund "nach langem Schwanken" schließlich noch Haltung annahm, wüßten wir doch sonst vielleicht heute noch nicht, welche Bedürfnisse wir haben. Und daß dies solche sind, ob derer es, gelinde gesagt, sogar der Sau grausen würde. Kein Wunder freilich, mußten doch die "Ziele" der Freudschen Seele ebenso haltlos ausfallen, wie inhaltlos die "Spannungen" sind, die sie hervorbringen sollen - mußte das Motto 'Wo rohe Kräfte sinnlos walten' also als gültiges Prinzip der Seelen(un)ordnung verankert werden. Und dafür reichen in der Tat "nur zwei Grundtriebe" vollkommen aus, man muß sie sich "nur" mit folgenden bemerkenswerten Eigenschaften versehen einbilden: Nicht nur, daß jeder für sich jeglicher faßbaren Zielbestimmung und jeglicher Zweckmäßigkeit Hohn spricht - wo's ums "Einheiten Bilden" zwecks "Einheiten Bilden" geht, kann man sich die Mühe ja genausogut schenken oder auch seinen Tatendrang mit demselben "Gewinn" aufs "Auflösen" um des "Auflösens" willen werfen -, zu allem Überdruß sind die freud-vollen "Grundtriebe" auch noch gegenseitig als der bare Widersinn charakterisiert, so daß am Ende wirklich nicht mehr ersichtlich ist, wie aus all dem Hin und Her überhaupt noch irgendwas herauskommen soll.

Übrigens: Wer seinen Freud zu lesen angefangen hat mit einem gewissen voyeuristischen Interesse von wegen "Eros" und so (und Hand aufs Herz: wer hat das nicht!), der könnte sich an dieser Stelle ruhig eingestehen, daß der Altmeister solchen Interessen nicht viel zu bieten hat ("immer größere Einheiten herstellen" ist ja wirklich kein Soft-Porno). Der Lustgewinn für Intellektuelle im bürgerlichen Zeitalter scheint sich aber noch aus ganz anderen Quellen zu speisen - ein ewiger innerer Seelenaufruhr ist für sie offenbar eine äußerst attraktive Vorstellung. Nicht zuletzt, weil sie geradezu auf einen inneren Seelenbändiger hin konstruiert ist. Und in diesem Sinne meint der Professor Freud dann auch, so könne "Es" nicht weitergehn, weshalb er seiner Kreatur Beine macht: "Es" soll plötzlich mit seinem eigenen Chaotismus Probleme kriegen! Dem Umstand, daß es andererseits mit seinen "angenommenen" Bestimmungen solche Probleme wiederum selbst gar nicht kriegen kann, verdankt der seelische Stellenplan die Einrichtung eines weiteren Arbeitsplatzes. Diesen erhält nicht "Er" oder "Sie", sondern

ICH

"Unter dem Einfluß der uns umgebenden realen Außenwelt hat ein Teil des ES eine besondere Entwicklung erfahren" ... "das sogenannte Ich", das sich "aus der Rindenschicht des Es entwickelt" hat ... "Es (das "Ich") hat die Aufgabe der Selbstbehauptung, erfüllt sie, indem es nach außen die Reize kennenlernt, Erfahrungen über sie aufspeichert (im Gedächtnis), überstarke Reize vermeidet (durch Flucht), mäßigen Reizen begegnet (durch Anpassung) und endlich (!) lernt, die Außenwelt in zweckmäßiger Weise zu seinem Vorteil zu verändern (Aktivität)" nach innen gegen das ES, indem es die Herrschaft über die Triebansprüche gewinnt, entscheidet, ob sie zur Befriedigung zugelassen werden sollen, diese Befriedigung auf die in der Außenwelt günstigen Zeiten und Umstände verschiebt oder ihre Erregungen überhaupt unterdrückt."

Siehe da: Nachdem sich das Subjekt in seiner ersten, der "Es"-Instanz, in purer Bedürfnis-haftigkeit (worauf eigentlich? ganz egal: überhaupt "Einheiten herzustellen" und/oder "die Dinge zu zerstören"!) ergangen hat, tritt nun ein "Teil" von ihm auf den Plan, um überhaupt erst die "Erfahrung" zu machen, daß es die "Außenwelt" auch noch gibt! Und um daraufhin dem blindwütigen Fanaten damit zu kommen, daß die ganzen "Ansprüche", die er da austobt, ohne jegliche Bezugnahme auf bestimmte "Reize",auf die sie sich richten könnten, tote Hose sind - weshalb diese tote Hose auch noch auf das rechte Maß zurechtgestutzt gehöre! So wenig also einzusehen ist, wie ein "Es", das in keinem Verhältnis zur "Außenwelt" steht, jemals in ein Mißverhältnis zu ihr geraten könnte, so. sehr erhärtet sich unser Verdacht, daß es sich bei jenem Akt der "Selbstbehauptung" eines "Ich" um ein reines Schwindeluntemehmen seines Schöpfers handelt. Wir haben nämlich im Unterschied zu S. Freud guten Grund zu der "Annahme", daß der Herr Seelenforscher jenes Ding der Unmöglichkeit, jenes "Bedürfnis", das sich auf nichts Bestimmtes richtet und ausgerechnet deswegen so unbändig sein soll, extra in die Welt gesetzt hat, um es sodann einer moralischen Verurteilung zu unterziehen, die ganz im Namen der "Selbstbehauptung" erfolgt; um das allseits wohlbekannte Gebot 'Selbstbeschränkung tut not!' also zum Grundgesetz eines realitätsbewußten "Ich" und seiner eigenen Bedürfnisse zu deklarieren.

So nimmt es denn auch nicht wunder, daß zur Vollendung des ganzen subjektinternen Stoßmich-Ziehmich auch noch ein dritter Arbeitsplatz zu besetzen ist. Denn da verfährt doch das "Ich" nach dem Motto Alles mit Maß und Ziel' - und siehe da: es hat selbst weder das eine noch das andere! Wie soll es denn irgendeine seiner "Aktivitäten" auf ihre "Zweckmäßigkeit" hin beurteilen, wenn es bei Sigmund Freud gar keinen Zweck hat - außer dem einen, alles auf seine Zweckmäßigkeit hin zu beurteilen? Wie soll es denn entscheiden, wann nachzugeben ("Flucht") und wann standzuhalten sei oder wann es etwas übernehrnen solle ("Anpassung"), wenn es selbst gar nichts hat, woran es überhaupt festhalten will - außer das leere Prinzip, eben es selbst zu sein ("Selbstbehauptung")? Woher soll es weiterhin nicht nur die Kriterien, sondern auch die Gewalt nehmen, das aufsässige "Es" hinunterzutupfen, wo es doch ein "Teil" von ihm ist - zwar mit höherer Bildung, aber mittellos? Man sieht: Auch für die Erziehungsarbeit des "Ich" ist die rein methodische Klugscheißerei: 'Mäßig, aber regelmäßig, und beides zur rechten Zeit' eine reichlich dünne Decke.

Da muß doch eine Autorität her - und da ist sie ja schon: das

UBER-ICH

"Als Niederschlag der langen Kindheitsperiode, während der der werdende Mensch in Abhängigkeit von seinen Eltern lebt, bildet sich in seinem Ich (schon wieder!) eine besondere Instanz heraus, in der sich dieser elterliche Einfluß fortsetzt ... Im Elterneinfluß wirkt natürlich (!) nicht nur das persönliche Wesen der Eltern, sondern auch der durch sie fortgepflanzte Einfluß von Familien-, Rassen- und Volkstradition sowie die von ihnen vertretenen Anforderungen des jeweiligen sozialen Milieus ... Das Über-Ich mag neue Bedürfnisse geltend machen, seine Hauptleistung bleibt die Einschränkung der Befriedigungen."

Wer gibt in der Seele den Ton an? Der Herr Papa und die Frau Mama! Was verschafft ihrem "Einfluß" auf den Seelenhaushalt des Zöglings eine Gültigkeit, direkt noch fragloser als ihre per staatlichem Verfassungsgrundsatz zugesprochene 'elterliche Gewalt'?

Offenbar nichts Geringeres als die Tatsache, daß es sie eben gibt! Na, wenn sich all das "lange" "herausgebildet" hat, dann wird's schon so sein. Und wird's wohl auch müßig sein, der Frage nachzuhängen, wer denn all die "Traditionen" und "Anforderungen" jemals in die Welt gesetzt hat, wo doch die "Seelen" - man darf also annehmen, auch die von Papa und Mama sowie derer Altvorderen - in ihrem tonangebenden Teil eine reine Wirkung derselben sind? Von einem so radikalen Hinterfrager wie dem seelischen Tieftaucher Freud ist eine Auskunft, wann es denn die normative Kraft des Faktischen von "Familien-, Rassen- und Volkstradition" vom Himmel heruntergeschneit hat, sicherlich nicht zu erwarten. Für ihn scheint vielmehr das Prinzip Was angeschafft wird, gilt' von solcher Selbstverständlichkeit zu sein, daß er es jedermann gleich unauslöschlich ins seelische Stammbuch schreibt, noch bevor dessen Inhaber überhaupt richtig auf zwei Beinen steht und zu seiner Zügelung einen reellen Anlaß bieten könnte. Und erst recht noch, bevor er überhaupt in der Lage wäre, sich die "Anforderungen" der erzieherischen Gewalt in Form eines Gewissens zu Gemüte zu führen: schließlich ist die Freudsche Kreatur ein so radikaler Gewissensmensch, daß ihr jene "Anforderungen" überhaupt nicht als solche gegenübertreten können, denn ihre eigene innerliche Bestimmungs"Instanz"besteht ja schließlich aus ihnen!

Die ideologische Leistung der Freudschen Seelenlehre

Man könnte also schon fragen, wozu Freud das ganze seelische Hin und Her überhaupt inszeniert hat, wenn hinterher herauskommt, daß es mit der Seele eben da längs geht, wo's eben längs geht; wenn sich der Apparat schließlich in einen Opportunismus auflöst, vor dem jeder tatsächliche Opportunismus, der immerhin noch eine Abwägung zwischen dem eigenenWillen und der Gewalt anderer darstellt, sich geradezu matt ausnimmt. Man hat es bei dem Psychologen offenbar mit einem Denker zu tun, der sich eine so tief innerliche Verankerung der Moralität im Menschen ausgedacht hat, daß er sich die Mühe gar nicht mehr zu machen braucht, dem Opportunismus erst noch auf die Sprünge zu helfen. Denn das gewöhnliche ideologische Geschäft, an der existierenden Gewalt - und sei's nur der elterlichen - eigens gute Gründe dafür zu erfinden, sich ihr zu unterwerfen, erübrigt sich für seinen Teil; "Traditionen" und diverse "Anfordeiungen" überhaupt ins Feld zu fuhren, überläßt er Papa und Mama. Der in seinem Menschenbild vorstellig gemachte "Realismus" hat derlei Belehrungen schließlich gar nicht mehr nötig: Im Lichte des von ihm ausgepinselten Seelendilemmas, an sich selbst keinen Halt finden zu können, ist jede "Einschränkung" des Willens schon allemal als rettender Anker für den Willen gerechtfertigt, bedarf also keiner Rechtfertigung mehr. Jegliche Befassung mit der Realität selber, wie sie den Individuen vorausgesetzt ist, für überflüssig zu erklären - und zwar, indem man sie als Bestandteil des Seelenhaushalts ebensosehr als fraglosgültig darstellt, wie man ihre objektive Geltung bestreitet -, dazu taugt die Groteske aus der Welt der psychologischen Hinterwelt schon. Interessant ist dann nämlich bloß noch die abgeschmackte Frage, ob der Mensch sein angebliches Seelenhaushaltsgleichgewicht bewältigt. Radikaler kann man die realen Schranken, denen die Leute ausgesetzt sind, wirklich nicht beseitigen in der eigenen Einbildung!


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Online-Version: GegenStandpunkt Verlag 2003