Das Ergebnis steht von vornherein fest und wundert niemanden: Die Marktwirtschaft ist gut, weil die Planwirtschaft nichts taugt; die Planwirtschaft ist Mist, weil sie keine Marktwirtschaft ist. Logisch ist das nicht, aber auf Linie - und zum überzeugen ist ein solcher Systemvergleich auch nicht gedacht. Seit es Planwirtschaften gibt, die sich einmal als Kritik an Armut und Elend im Kapitalismus eingeführt haben, weil sie den Grund dafür in der Ausbeutung der Arbeiter durch das Kapital wußten und es mitsamt seinem Staat deshalb auch abgeschafft haben; seitdem der Westen diesem "menschenverabscheuenden'' Block den Kampf angesagt hat, gibt es zu diesem imperialistischen Anspruch der "Befreiung des unterdrückten Ostens" die heuchlerische wissenschaftliche Begleitmusik, daß Planung einer Wirtschaft nicht funktionieren kann. Warum die Planwirtschaft notwendigerweise zum Scheitern verurteilt ist, steht für ihre Kritiker ebenfalls fest: Weil kein freies Unternehmertum, keine Privatinitiative, keine Konkurrenz - kurz: weil's nicht so ist wie hier. Normalerweise wird dieser Unsinnsbefund mit einer ganzen Latte von Phänomenen untermauert, die "drüben" vorkommen: Entweder gibt es ganze Waggonladungen oder überhaupt kein Obst, vor den Geschäften stehen die Leute Schlange und in den Betrieben steht die Produktion still wegen Mangel an Ersatzteilen. Bloß: Seit wann gilt denn ein Haufen unliebsamer ökonomischer Erscheinungen als Argument gegen ein System? Seit wann gelten denn vergiftetes Fleisch, Pleiten, Entlassungen und ins Meer gekippte Apfelsinen nicht mehr als "Mißstände" sondern als Einwände gegen eine Wirtschaft ? Eben bloß für die Planwirtschaft, da aber in einem ganz grundsätzlichen Sinn: Jede fehlende Banane ist der fertige Beleg fürs verkehrte System.
Seit dem November '89 hat die "Realität" die Systemvergleicher ins Recht gesetzt. Jedenfalls glauben sie das. Sie haben ja schon immer Machtfragen mit Argumenten verwechselt. Am Fachbereich Volkswirtschaftslehre der Münchner Universität gibt es (noch) das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft Ost- und Südeuropas, dessen erklärtes Programm seit Jahren der Ost-West-Vergleich ist. Die Vorlesung und der Kommentar stammen aus dem SS '89, also der Zeit vor dem Umbruch in der DDR. Inzwischen überlegt der Leiter des Instituts, Prof. Dr. Haffner, wie er seine alten Argumente den neuen Verhältnissen anpassen soll.
Die wissenschaftliche Befassung mit dem sozialistischen Plan hält sich mit dem plumpen Aufzählen der Pannen und Mißerfolge planetarischen Wirtschaftens nicht auf. Diesen Teil der Feindbildpflege kann ein Professor getrost der Bildzeitung und den anderen Vertretern der freien demokratischen Öffentlichkeit überlassen. Als Ökonom widmet sich Haffner dem gleichen Beweis wissenschaftlich-um-ständlicher: Planwirtschaft geht nicht, weil ein Plan ein Vergehen gegen die ökonomische Menschennatur ist.
Für Haffners Bild des sich nur nach kapitalistischen Maßstäben so richtig selbst verwirklichenden Menschen hat die sozialistische Wirtschaft einfach nicht die richtige Methode des Wirtschaftens parat. In dem dafür angestellten Vergleich kommen weder die tatsächlichen Zwecke und Leistungen der Marktwirtschaft, noch die tatsächlichen Leistungen der Wirtschaft von "drüben" vor. Keine Rede von Profit und Kapitalakkumulation, von Banken und Staatsreichtum und per Lohnarbeit garantierter Armut. Keine Rede von den Widersprüchen einer Veranstaltung, die Staatsreichtum im Dienste des Volkes produzieren läßt.
Einem ökonomischen Wissenschaftler und dem ihm ergebenen Publikum gelten vielmehr die idealistischen Vorstellungsbilder vom freien Markt und dem dort agierenden homo oeconomicus als das Grunddogma jeglichen Gedankens, weshalb der angestellte Vergleich auch nie schief gehen kann. So blamiert sich nämlich der Plan durch sich selbst, einfach weil er einer ist und nix Freiheit.
Weil "bei uns" alles (gemeint ist die Marktwirtschaft) wie von selbst geht, die unsichtbare Hand des Markts "regelt", lautet Haffners erstes Argument gegen den Plan:
"Da die Wirtschaft der DDR den Bedürfnissen der Leute entsprechen soll, gibt es das Problem zu bewältigen, wie das nun praktisch geht. Weil es nämlich keinen Markt gibt, muß die Zentrale den Bedarf ausrechnen und die Produktion in Gang setzen."
"Der Markt wird durch eine zentrale Verwaltung ersetzt."
Die DDR hat keinen freien Markt. Warum sollte sie auch? Schließlich ist sie ja angetreten mit dem expliziten Zweck, die kapitalistische Ausbeutung mitsamt ihrem Markt abzuschaffen und statt dessen die Versorgung der Leute auf die Tagesordnung zu setzen. Die Kommunisten hielten nämlich die Unterordnung des Bedarfs unter den Profit gerade nicht für eine Sorte Produktion und Verteilung zugunsten des Konsumenten. Sie teilten gerade nicht Haffners schönfärberischen Idealismus, die Marktwirtschaft mit Versorgung gleichzusetzen, so als seien gefüllte Regale schon dasselbe wie der garantierte Zugang zu den Dingen des Bedürfnisses:
"Im Sozialismus wird der Volkswirtschaftsplan so gemacht, daß man sich danach orientiert, was an Gütern besteht und was gebraucht wird - bei uns dagegen lauft alles über den Markt, hier stellt sich im nachhinein heraus, was so gebraucht wird."(Haffner)
"Bei uns" wird weder festgestellt, was so gebraucht wird, noch stellt sich das "im nachhinein" heraus. Um diese Frage geht es im Kapitalismus von Anfang an nicht. Was sich da herausstellt, ist die zahlungsfähige Nachfrage - und die allein wird bedient. Haffner schätzt den Markt offenbar so sehr, daß er sich das praktische Urteil des Marktes über die zu befriedigenden Bedürfnisse zu eigen macht: Jedes Bedürfnis, das den mit knappen Mitteln ausgestatteten Geldbeutel eines westdeutschen Lohnabhängigen übersteigt, konstituiert keine Nachfrage nach Ware und zählt deshalb nicht.
Daß auch der Sozialismus Marke SU und DDR nicht einfach feststellt und produziert, was Gebraucht wird, wird von Haffners wissenschaftlicher Stilisierung der Welt ebenso geflissentlich übergangen. Ihm kommt es ja auf den Beweis an, daß Planung überhaupt schon der ganze Fehler ist.
Daß im Kapitalismus alles "über Markt läuft", ist das Gütesiegel dieser Produktionsweise, an die kein noch so gut gemeintes Ersatzprogramm heranreicht.
Haffners Einwand gegen den Plan lautet, daß dieser die Bedürfnisse ermitteln wolle, um sie dann mit der Produktion zu befriedigen. Da ist er sich mit allen Kollegen einig, daß eine solche Bedürfnisfeststellung ein Ding der Unmöglichkeit ist. Denn in der Welt der wissenschaftlichen Ökonomie zeichnet sich der Konsument dadurch aus, nichts Bestimmtes zu wollen. Merkmal des menschlichen Bedürfnisses soll es sein, nicht determiniert, festgelegt, berechenbar, vorhersehbar zu sein. Die Freiheit des Konsumenten besteht in der Negation Jeder bestimmten Absicht. Diesem launischen Geschöpf täte man weh, wenn man sich bei ihm nach Art und Umfang seiner Wünsche erkundigt, um sie zu befriedigen. Denn mit diesem Zweck würde man das Subjekt dieser Wünsche ja beim Wort nehmen und ihm insofern die alberne Möglichkeit rauben, immerzu etwas anderes zu wollen, als es noch eben gewollt hat.
Bleibt die Frage, wie denn überhaupt dieses flatterhafte Wesen sagen soll, was es will, wo es doch nicht weiß, was es will? Wie befriedigt es seine Bedürfnisse, die es nicht kennt? Ein metaphysisches Problem! Da muß schon eine unsichtbare Hand ("the invisible hand") eingreifen, um die Quadratur des Kreises zu lösen:
"Die Zentrale formuliert allgemein Planungsaufgaben, die das Wünschbare in Form von Planungsrichtlinien enthält. Für l980-84 sind das dicke Wälzer von vielen tausend Seiten, ein Lexikon ist nichts dagegen!"
Da kennt sich Haffner aus - er hat selbst schon so ein Buch in der Hand gehabt. Was drin steht und warum, hält er nicht für erwähnenswert; viel interessanter ist der Umstand, daß solche Richtlinien ziemlich umfangreich ausfallen. Und für seinen Zweck (und für den seiner Zuhörer) hat er auch damit wirklich genug getan. Was interessieren da noch die profanen Maßgaben, nach denen die Produktion in der DDR läuft, wenn man das bloße Faktum der staatlichen Festlegung, wieviel produziert werden soll, sowieso schon für eine Absurdität hält. Und diese Absurdität wird für jeden überzeugend belegt durch den Hinweis, daß die drüben Tausende von Seiten vollschreiben, wo hierzulande nicht einmal eine einzige vonnöten ist.
Im Ernst: Wie soll denn ein Plan anders gehen, als daß - möglichst detailliert- festgelegt wird, was zu tun ist. Natürlich sind dazu Informationen nötig, und je mehr, desto besser. Daß jedes kapitalistische Unternehmen intern eine lückenlose Planwirtschaft veranstaltet, die jede Detailoperation mit Material und vorschriftsmäßiger Dauer erfaßt und dirigiert, daß im Zeitalter des Computers die Verarbeitung "vieler Millionen Einzelinformationen" kein unüberwindliches Problem mehr darstellt - daran braucht man Professor Haff-ner schon deshalb nicht mehr zu erinnern, weil er prinzipieller denkt.
"Das Informationsproblem" ist nämlich eng verwoben mit der Art und Weise der "Konkretisierung des Plans".
Unser Professor zitiert hier den Ablauf für einen Jahreswirtschaftsplan und freut sich über den Beleg, den hier ein authentischer DDR-Wissenschaftler für seine Beweisabsicht liefere:
Nur, was ist mit diesem Fingerzeig auf den Ablauf der Planung gewonnen? Von der sachlichen Seite her ist nicht erkennbar, warum der Professor meint, ein weiteres Argument gegen den Plan gefunden zu haben. Hätte der gleiche Vorgang in der halben Zeit passieren sollen? Oder wird der von der staatlichen Plankommission initiierte Zweck letztendlich in der Planrealisierung verfehlt? Ohne daß man erfährt, was denn eigentlich problematisch sein soll, reichen schon als Hinweis die vielen Durchlaufstationen und die zeitliche Ausdehnung aus, um bei Haffner und den Zuhörern grinsendes Unverständnis auszulösen: Das pure Faktum, daß beim Planen der Produktion die verschiedenen arbeitsteilig eingerichteten Instanzen miteinbezogen werden müssen, wofür Zeit und allerhand Hin und Her erforderlich ist, gilt dem volkswirtschaftlich gebildeten Menschenschlag als fremd und kompliziert. So billig bebildert ein Haffner seinem Publikum, daß es sich die DDR mit ihrer Planung l. ziemlich schwer macht, was 2. ganz entschieden gegen sie spricht. Haffner deutet bloß auf den zweiten Gipfel und erklärt: "Hier beginnt erst die eigentliche Planung, hier werden diePlankennziffern festgelegt!"
Da schau her, so langsam geht das . ..
Der zitierten Grafik entnimmt der Herr Professor noch einen weiteren
Daß der DDR-Staat die Produktion in der arbeitsteiligen Weise von Planungsinstanzen und ausführenden Organen organisiert hat, also genau so die Ermittlung und Beschaffung diverser Produkte gesellschaftlich aufteilt, ausgerechnet darin will Haffner einen Gegensatz der daran Beteiligten ausmachen. Hier soll nämlich, so Haffner, ein Verhältnis von Oben und Unten dergestalt vorliegen, daß von Oben, also den staatlichen Behörden, gegenüber Unten, den Betrieben, Zwang und Gewalt ausgeübt wird. Zwar sind die Betriebe, "weil sie über viele Informationen verfügen, die die von Oben nicht wissen können, die kleineren Partner der Zentrale", aber das hilft ihnen auch nichts:
"Der Betrieb ist Befehlsempfänger, bestenfalls Informant. Der Betrieb verfährt wie ein Soldat.
"Der Betrieb ist total bestimmt, denn auf Betriebsebene kann keine Entscheidung getroffen werden, sondern es wird nur das durchgeführt, was im Plan steht. Das ist niemals praktiziert worden, weil es einfach zu komplex ist (?). Zentrale Determinanten lassen diese absolute Bestimmtheit der Betriebe durch den Plan nicht zu, aus Gründen, die man lange diskutieren kann . . . "
Auf den ersten Blick ist überhaupt nicht erkennbar, was eigentlich das Problem sein soll: staatliche Betriebe nehmen die ihnen zugewiesenen Aufgaben wahr.
Und wenn von den unteren Instanzen anderes gewollt wird, warum ist das ein Argument nicht für eine Veränderung des Plans, sondern gegen ihn per se? Wo alle Abteilungen der Produktion eine Staatsveranstaltung sind, will Haffner partout den Betrieb als privates Interesse denken.
Die gänzlich sachfremden Bestimmungen: Befehlsempfänger, Soldat, verraten allerdings das denunziatorische Interesse. Ein Freiheitskämpfer wie Haffner braucht nur seinen prinzipiellen Abscheu gegen Gängeln (Bürokratie!) zur Schau zu stellen, und schon wird aus einer harmlosen Betriebsanweisung ein Akt der Knechtung. Für die Marktwirtschaft würde ihm natürlich nie einfallen, daß Entscheidungen statt beim Management besser in den unteren Betriebsebenen, am besten am Fließband getroffen werden sollten ... Im zweiten Teil des Zitats hüllt sich der Meister endgültig in Schweigen, worin denn die "zentralen Determinanten" bestehen sollen, die immerzu den Planungsanweisungen in die Quere kommen. Und so schlimm kann es ja um die Befehlsempfänger auch nicht stehen, wenn die Befehle nicht ankommen. Macht aber nichts, denn beides spricht gegen die Zentrale: Daß sie befiehlt - und daß ihre Befehle wirkungslos sind.
Da muß man sich schon wundern, daß im Sozialismus überhaupt noch produziert wird:
"Das Wirtschaften beginnt. Weil immer Abstimmung mit der Zentrale besteht, kann, insofern sich die Wirtschaftslage ändert, eine Veränderung des Plans auftreten. (Was ist da das Pro-blem?Ach so:) Wenn man die Sache mal unpolitisch sieht (und nicht so vernagelt wie die Befehlshaber in der Zentrale), dann kann es nicht sein, daß es sinnvoll ist, den Plan zu erfüllen, es mußeine Abweichung stattfinden."
Ein Professor des freien Westens kann seinen grundsätzlichen Vorbehalt gar nicht oft genug beteuern. Eine veränderte Wirtschaftslage, was soll das sein? Wenn den Planern Dinge in die Quere kommen, die nicht planbar, weil außer ihrer Macht stehend waren, wieso folgt daraus, daß Planung überhaupt unmöglich ist? Da hat allenfalls der Plan nicht funktioniert, müssen Sachen berücksichtigt werden, die vorher nicht bekannt und handhabbar waren.
Außerdem ist es schon sehr eigenartig, ausgerechnet einer Planungszentrale, die den Ablauf der Wirtschaft ausschließlich unter ihre Fuchtel stellt, eine Wirtschaftslage getrennt und unabhängig von ihr gegenüber zu stellen, an der sich der Plan blamieren soll.
"Politisch" geht eine solche Konstruktion nur unter der unsinnigen, weil der Sache fremden Voraussetzung, daß auf die DDR Erscheinungsformen der westlichen Konkurrenz des Privateigentums zutreffen: Eine Konjunktur, als den wirtschaftlichen Akteuren gegenüberstehende Bedingungen, gibt es nämlich nur im freien Westen.
"Wie setzt ein sozialistischer Staat Preise fest? Mikröökonomisch ist das Problem des Preises hier eine Sache der Koordination in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. In der Vorlesung ist bisher kein Preis dargestellt worden, denn das Planungssystem ist ein Naturalsystem. Beim Marktsystem wird durch das Preissystem gesteuert. Also, erste Aussage: Behörden setzen Preise fest. Das Amt für Preise der DDR! (Der Professor schmunzelt.) Die Preisbildung wird zu einer administrativen Aufgabe !"
Was gilt es also auf jeden Fall zu vermelden, wenn vom Preis die Rede ist? Daß der Preis, so wie in der Marktwirtschaft, ein Steuerungsinstrument erster Güte ist. Er bringt nämlich Angebot und Nachfrage zum Ausgleich -Koordination - und wird dabei selbst durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Logisch ist das nicht, weil es ein Zirkel ist. Praktisch manifestiert sich am Preis der handfeste Gegensatz von Käufer und Verkäufer. Da, wo der Verkäufer einen hohen Preis erzielen will, um einen Gewinn einzustreichen, der Käufer dagegen möglichst wenig bezahlen will, weil andere Gegenstände auch einen Preis haben und sein Geld beschränkt ist, da stilisiert der Ökonom den Preis zu einem Hilfsmittel - knappe Güter dahin zu bringen, wo sie gebraucht werden, also Harmonie zwischen Angebot und Nachfrage zu erzeugen. Ausgerechnet dieser ideologischen Verklärung von Preis und Geld als Diener der Knappheitsbewältigung versucht die Planwirtschaft, so Haffner, auch habhaft zu werden. Allerdings ohne dabei die dem Preis eigentümliche Qualität jemals nutzen zu können: Wo keine Freiheit herrscht, wo Politiker die Sache mit dem Steuern unter eigenständiger Festlegung der Preise selbst in die Hand nehmen wollen, da kann der Preis kein Preis nicht mehr sein, und seine segensreichen Wirkungen entfallen:
"Die Preisbildung in den sozialistischen Ländern hat widersprechende
Aufgaben zu erfüllen:
a) Umverteilung
b) (nach Marx) Verteilung aufgrund der Knappheit der Güter
c) Stimulierung als ökonomischer Hebel
Der Preis kann die zusammengefaßten Funktionen nicht erfüllen -
das ist ein dialektischer Widerspruch!"
Wie stellt sich Haffner also die Probleme des sozialistischen Planers vor? Ungefähr so:
--Eigentlich müßte der Joghurt 5,--DM kosten, wegen Knappheit (Verteilung)
--Jetzt will der DDR-Staat, daß ihn sich jeder leisten kann, also soll er nur 2.50 DM kosten (Umverteilung)
-- Dann will der Staat auch noch seine Betriebe profitmäßig interessieren, weshalb der Joghurt eigentlich 7,5o DM kosten müßte (Stimulierung).
Knappheit mindern mit dem Preis, ja unbedingt! Aber Umverteilung und Stimulierung auch noch, das läßt glatt die Bewältigung der Knappheit scheitern!
Mit der Einführung des Knappheitspreises als quasi natürlichem Ausgleich ist Haffner wieder einmal beim Lob der Marktwirtschaft gelandet. Wir erlauben uns zu bemerken, daß das, was die ökonomische Theorie zum Lobe des Knappheitspreises auszusagen hat, justament dieselbe Widersprüchlichkeit beinhaltet:
--Einerseits soll der Preis dafür sorgen, daß jeder den Joghurt kriegt, der ihn wirklich braucht;
--andererseits soll der Joghurt-Preis die Herren Joghurt-Produzenten profitmäßig dick und fett machen.
Wollte der Ökonom hierzulande einen Preis konstruieren, der seinen Ansprüchen genügte, so befände er sich genau in der Zwickmühle, die er den Kollegen drüben vorrechnet. Deshalb ist es der Vorzug dieses Systems, daß der Preis angeblich vorgefunden und nicht gemacht wird: die Ökonomen brauchen ihn bloß noch zu interpretieren.
Der bürgerliche Staat
§8 – Allgemeinwohl-Wirtschaftspolitik