Da haben sich Generationen von bürgerlichen Ökonomen bemüht, die Auffassung des alten Marx zu bestreiten, der wußte, daß sich im Kapitalismus alles ums Geld und seine Vermehrung dreht. Immerzu haben sie darauf beharrt, daß das Geld zwar ein ziemlich nützliches Mittel für die Ökonomie sei, allerdings eben bloß ein Mittel: Tauschmittel, Schmiermittel, Rechenmittel, purer "Schleier" einer Produktion, deren wesentlicher Sinn und Zweck es sei, den gesellschaftlichen Bedarf, so gut es eben geht, mit Angenehmem und Nützlichem zu befriedigen:
"Der Reichtum besteht aus der jährlichen Güterproduktion und dem Gütervorrat einer Volkswirtschaft; Geld dagegen ist ein reines Zwischentauschmittel."
Und jetzt?
Kaum ist die Übernahme der DDR beschlossene Sache, erklären die Sachverständigen einmütig und überhaupt nicht pluralistisch daß vom Geld alles abhängt, was in der Gesellschaft an Produktion und Konsumtion so läuft. Sie erklären sogar jedem, der einen
Dienst des Geldes fürs Kaufen, Leben oder Produzieren einklagen möchte, daß er total daneben liegt, weil ganz umgekehrt jede gesellschaftliche Regung zuallererst dazu da ist, der Vermehrung von Geld zu dienen. Und sie entdecken in der (noch) real existierenden Planwirtschaft lauter Vergehen - nicht gegen ihre sonst verkündeten Lehrsätze übers Geld, sondern gemessen an dem von ihnen aus aktuellem Anlaß in Anschlag gebrachten Maßstab, was wirkliches, echtes, kapitalistisches Geld zu leisten hat. Ganz so, als hätten sie Marx studiert.
Von wegen: Das Geld braucht's, um an all die schönen Güter ranzukommen! Diese "Funktion" hat die Ostmark ja durchaus gehabt. Mit ihr war zu kaufen, was es gab, etliches sogar recht günstig. Das war offenbar aber genau der entscheidende Fehler des Geldes im Osten:
"Wenn der DDR-Regierungschef Ernst macht mit seiner Wirtschaftsreform, dann müssen die Bürger des Landes zunächst aber noch den Gürtel erheblich enger schnallen ... Das Kilo Graubrot für 70 Pfennige, die Dreizimmerwohnung für 50 Mark im Monat und die Straßenbahnfahrt für 20 Pfennig - das kann es nicht mehr geben." (Die Zeit, 24.ll.)
Mit ihrer "Subventionitis" hat die DDR das Geld angeblich "schlecht" gemacht - richtiges Geld muß also schon dafür sorgen, daß sich nicht einfach jeder alles Nötige leisten kann, muß die Trennung der Leute von den Mitteln der Bedürfnisbefriedigung bewerkstelligen. Kaum verdient das Geld mal den Namen "Kaufmittel", weil das Zeug, was man damit kaufen kann, billig und für jeden erschwinglich ist, schon steht fest, daß es als "Geld" nichts mehr taugen kann und durch "gutes" ersetzt werden muß.
Auch dafür hat die Mark drüben ihren Dienst getan: Der Preis eines Trabbi ließ sich problemlos in Wintermänteln ausdrücken. Bloß wie! Die Preise waren zwar Preise, aber entweder waren sie "zu niedrig" oder "zu hoch", jedenfalls garantiert "falsch". Woher sie das wissen unsere Herren Ökonomen? Sicher nicht aus ihren Lehrbüchern, wo sie sich alle Mühe geben, so etwas wie ein objektives Maß der Warenwerte zu bestreiten. Da soll doch immer die "subjektive Wertschätzung" den Ausschlag geben für das, was ein Gut dann letztendlich kostet, und die merkt man immer erst hinterher, nämlich dann, wenn "der Markt" "entschieden" hat, also am Preis. Im Fall der DDR wissen plötzlich alle Bescheid, daß das, was der Preis messen soll, verfehlt worden ist und "reale Preise" her müssen.
Und wann sind Preise richtig? Ist doch klar: Die einzig wahren Preise sind die, die bei uns zu Hause sind, und die erkennt man daran, daß sie ein freier Unternehmer macht. Der Eigentümer der Ware legt an den Preis nämlich garantiert kein fremdes, etwa "sozialfreundliches" Kriterium an, sondern stellt einzig und allein die Bedingung, daß sein Geschäft befördert wird und aus seinem Geld mehr Geld wird. Von wegen: Der "Produzent" produziert die "Güter", die dann "mit Hilfe" des Geldes "verglichen" werden. Daß anders als für den Dienst am Geld, an der Vermehrung des eigenen Vermögens das Produzieren nicht da ist; daß genau das der Witz ist, der die einen Preise ">>real" und die anderen so furchtbar "falsch" macht -: das verraten einem diesmal nicht die marxistischen Irrlehrer von der Front der objektiven Werttheorie, sondern dieselben Theoretiker, die "l Königreich für l Pferd!" gewöhnlich für eine gelungene Widerlegung derselben halten.
Bekanntlich sehen Ökonomen eine der "Aufgaben des Geldes darin, eine ordentliche Produktion in Gang zu bringen. Die Realsozialisten aus der DDR haben diese bürgerliche Ideologie übers Geld sogar beim Wort genommen und eine Planwirtschaft mit "Geldanreizen" veranstaltet, um über diesen "Hebel" die Produktion zu steigern. Spätestens seit der Debatte um die "Wirtschaftshilfe", die der ehemalige Premier Modrow zum Zweck eines allgemeinen Aufschwungs der DDR-Wirtschaft gefordert hatte, hätten sie kapieren können, wie es sich wirklich verhält mit dem Verhältnis von Produktion und Geld: "Unsere DM" in eine "sozialistische Mißwirtschaft" stecken? Dafür ist "echtes" Geld viel zu schade. Da muß sich in der DDR erst mal einiges ändern, damit die Produktion auch dafür taugt, die DM vor-anzubringen, weshalb "die Währungsunion von einer Wirtschaftsunion auf der Basis einer sozialen Marktwirtschaft begleitet werden müsse (Bayerns Wirtschaftsminister Lang, Süddeutsche Zeitung, 27.4.).
Ohne die segensreichen Institutionen der Marktwirtschaft, also ohne ein komplett eingerichtetes kapitalistisches Produktionsverhältnis ist ein ordentliches Geld einfach nicht zu haben:
Niederlassungsfreiheit für Gebietsfremde, Recht auf Privateigentum", kurz: "die Übernahme bewährter bundesdeutscher Gesetze zählen zu den Voraussetzungen." (Lang, ebd.)
Erst wenn die Freiheit des Privateigentums und nicht mehr staatliche Lenkung die Produktion bestimmt, kann nämlich das Geld den Zweck erfüllen, für den es da ist: Eigentum in privater Hand zu vermehren - und nur dann, wenn die Produktion dafür taugt, findet sie statt. Geld als Kapital ist nämlich nicht dazu da, "Arbeitsplätze zu schaffen" und "Beschäftigung zu garantieren". Daß Arbeiter massenweise rauszuschmeißen sind, hat mittlerweile auch der letzte DDR-Betriebsleiter gelernt. Ein angestammtes Recht auf Arbeit" ist mit einem "rentablen Einsatz von Geld" nun mal nicht zu vereinbaren, weil echtes Geld zur Er-langung des Kommandos über die Arbeit da ist, damit es sich vermehrt - und nicht zur volksfreundlichen Garantie eines "Arbeitsplatzes", der mit einem Einkommen verbunden ist, mit dem ein Arbeiter ohne Not über die Runden kommt.
Immerhin: Auch die Mark der DDR ist Geld. Warum hat sie sich den Vorwurf eingehandelt, "reine Binnenwährung" zu sein? Seit wann kennen denn Geldtheoretiker diesen Unterschied? Da hieß es doch immer, Geld sei bloß eine "Konvention", die "getroffen" wird, um sich die zwischen den "Gütern" herrschenden, x-Millionen "Austauschverhältnisse" zu sparen, weil die sich ohnehin niemand merken kann. Wenn also das Geld auch im grenzüberschreitenden Warenverkehr ein bloßer "Schleier" sein soll, der die "internationalen Tauschrelationen" nur "ausdrückt", dann hat die DDR ihren ,internationalen Gütertausch" eben ohne diesen Schleier gemacht. Oder wie war das noch mit den Kompensationsgeschäften?
Aber offenbar kommt es bei "richtigem" Geld überhaupt nicht darauf an, mit Hilfe einer "Konvention" ein "Tauschmittel" zu installieren, um den Wirtschaftsverkehr zu "erleichtern". Was beim Geld, damit es ein echtes ist, zählt, ist sein Verhältnis zum Geld anderer nationaler Herkunft. Das hat das DDR-Geld nicht zustande gebracht. Ein echtes Geld ist konvertibel, es muß nicht erst dazu "gemacht" werden. Es kauft jede Währung und ist selber käuflich. Es kann die Währungen aller Herren Länder dazu benutzen, um sich zu vermehren - und fungiere damit als Kapital. Nur als solches hat es Zugriff auf die "Güter" in aller Welt. Und von wem hören wir, daß das die Feinheiten eines als "Weltgeld" fungierenden Geldes sind?
"Der sicherste Garant, daß sie (die Leute in der DDR) ein neues, besseres und effizienteres System bekommen, ist der Geldschein. Aber nicht der, den sie haben, sondern einer, der die Ressourcen aus aller Welt(wirtschaft) bewegt - und das ist unsere DM." (Prof. Wilhelm Hankel, Gastprofessor in Dresden, im "Spiegel" vom 23.4.)
Tja, so sind sie, die richtigen "Geldscheine". Nur wo DM draufsteht, ist erfolgreicher Imperialismus drin. Die Geldzettel einer erfolgreichen Nation wie der BRD haben Zugriff auf die Ressourcen sämtlicher fremder Länder. Und die Leistung soll der richtigen Nation zufallen. Deswegen wird der DDR auch nicht empfohlen, daß sie ihr Geld konvertibel macht. Und schon gleich nicht geben wir dem DDR-Staat unser Geld, für dessen "internationalen Gütertausch".
Ohne Anschluß geht da gar nichts.