1. in den meisten Fällen chemische Verbindungen, die giftige Wirkungen auf den menschlichen Organismus haben. Nicht selten stehen sie auf der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung geführten Liste für krebserregende Stoffe. Außerdem weiß die Wissenschaft, daß diese Giftstoffe
"beim Menschen chronische Geschwüre, akute Dermatitis und allergische Ekzeme, Kontakt-Hypersensitivität, Bronchitis, Bronchial-Asthma, Perforation der Nasenscheidewand, obstruktives respirantes Syndrom, Geschwür der Nasenschleimhaut"
und andere Schönheiten mehr erzeugen. Natürlich nur, wenn man damit in Berührung kommt - logo.
In kapitalistischen Betrieben kommt man. D.h. genau genommen natürlich nicht "man", sondern Arbeiter in Abteilungen, in denen Betriebe nicht auf die Anwendung von Giftstoffen vernichten wollen. Giftstoffe sind nämlich
2. Arbeits- und Produktionsmittel und haben ihren festen Platz in Lackierereien von Automobilbetrieben ebenso wie in der Galvanik der Flugzeugindustrie - eben überall dort, wo ihre Anwendung der Firma gut bekommt. Weniger gut herkommt das den Arbeitern, die damit arbeiten. Das liegt allerdings nicht daran, daß bei der Verarbeitung der Giftstoffe, beim Lackieren Schneiden Schleifen oder Bohren giftige Dämpfe oder giftiger Staub entstehen. Wie man an verschiedenen Arbeitsplätzen studieren kann, verfügen kapitalistische Betriebe durchaus über Maschinen und Verfahren, die den Giftniederschlag auf das menschliche Arbeitsmaterial verhindern. Deren Einsatz hängt allerdings allein davon ab, ob sie die Qualität der Produkte verbessern bzw. die Stückkosten des Betriebs senken. Für Arbeiter soll das schon Grund genug sein, Schäden an ihrer Gesundheit als technischen Sachzwang hinzunehmen.
Giftstoffe gehören also
3. zum Arbeitsplatz. Acht und mehr Stunden Leistung bringen in diesen Abteilungen heißt eben acht Stunden Giftstoffe einatmen auf den Pelz kriegen usw. Zur Herstellung ihrer Waren vernutzen die Betriebe außer Hirn, Muskel und Nerv der Arbeiter auch ihre Lungen und buchstäblich Haut und Haar. Das alles zusammen kostet sie zwischen 14 und 16 Mark die Stunde. Diese schone Kombination der Strapazierfähigkeit von Arbeitern mit weltweit geachteten Produkten ,made in Germany' verhilft der Produktions- und Gewinnplanung der Unternehmen zu ihren feinen Erfolgen.
Wie es sich für moderne Betriebe gehört, sind Giftstoffe aber auch noch
4. Gegenstände betrieblicher Fürsorge. Ihre ordnungsgemäße Verwendung wird von seiten der Betriebsräte mit großer Sachkenntnis überwacht.
Da gibt es zunächst die "Betriebsvereinbarung über gefährliche Arbeitsstoffe". In ihnen verpflichten sich die Unternehmen darauf, ganz genaue Informationen darüber bereitzustellen, was der Betrieb seinen Arbeitern zumutet:
Wer die Einführung eines gefährlichen Arbeitsstoffes plant, hat sich ein Sicherheitsdatenblatt zu beschaffen. "
Wenn Arbeiter nun mal mit ihrer Gesundheit für den Erfolg des Betriebs geradezustehen haben, dann hat der Betriebsrat doch auch einen Anspruch darauf zu wissen, ob der Betrieb mit der auch sachgemäß umgeht. Also dafür sorgt, daß die Arbeiter beim Umgang mit den Giftstoffen auch die "nötige Vorsicht" walten lassen. Z.B.
"beim Entfernen von Zinkchromat-Anstrichen oder beim Schleifen Staub nicht einatmen, möglichst naß arbeiten und intensiven Hautkontakt vermeiden "; daß sie "vor Pausen und nach der Arbeit Hände und Gesucht gründlich reinigen und "danach Hautschutzcreme verwenden"
und was der schönen Vorschriften mehr sind, die alle darauf beruhen daß man das Zeug ständig auf die Haut und in die Nase bekommt. Deswegen sind laut Betriebsvereinbarung auch "die Mitarbeiter im Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen zu unterweisen" - die ganz normalen Schäden reichen schließlich, unnötige Unfälle mit dem Zeug müssen wirklich nicht sein. Auf die Idee, irgendein Arbeiter konnte eine solche "Unterweisung" mit der Feststellung quittieren: "Behaltet euren Giftarbeitsplatz ich gehe doch nicht arbeiten um Krebs zu bekommen! ", kommen die Vereinbarer der Betriebsvereinbarung gar nicht erst. Irgendwie scheinen alle Beteiligten die Gleichung "16.- DM die Stunde = schleichende Vergiftung" für das Allernormalste von der Welt zu halten. Und da haben sie, was die Verhältnisse hierzulande angeht, ja durchaus recht.
Darf's ein bißchen mehr sein?
Ab und zu entdecken Betriebsräte und Gewerkschaften einen Skandal: Beim Messen der Giftkonzentration ist doch wieder tatsächlich mehr von dem Zeug in der Luft, als der Staat, Oberwächter über die Gesundheit des Profits und der Arbeiter, zuläßt Der hat nämlich für gefährliche Arbeitsstoffe" eine, Maximale Arbeitsplatzkonzentration" (MAK) festgelegt.
Derzufolge kommt ein Vorschriftsmäßiger Verschleiß der Arbeitskraft nur zustande, wenn die Menge Staub bzw. Dampfe pro Kubikmeter Luft "im allgemeinen die Gesundheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigt und diese nicht unangemessen belästigt". Ab wann das der Fall ist, weiß der Staat so genau, daß er es gleich als Formel in eine Verordnung reinschreibt. So ist dem Arbeiter jedenfalls die Überlegung abgenommen, ob er vielleicht den Farbgestank bzw. -staub als unerträglich oder gar schädlich empfindet. Und eine etwaige "Beeinträchtigung" seiner Gesundheit vor dem vorgesehenen Rentenalter rührt dann eben daher, daß er ein unterdurchschnittlich beanspruchbares Einzelexemplar seiner Gattung ist.
Natürlich muß sichergestellt werden, daß man sich an die staatlichen Vorschriften für ordnungsgemäßes Vergiften halt. Also wird der MAK-Wert gemessen: Die Arbeiter arbeiten, atmen die Giftstoffe ein, und die Meßgeräte zeigen an, ob's recht war. Dabei muß natürlich ordentlich Leistung über den ganzen Tag gebracht werden, damit die "Daten" "verwertbar" sind. Schließlich gelten die MAK-Werte für einen "durchschnittlichen 8-stündigen Arbeitstag". Wenn dabei einzelne Messungen ergeben daß die Dosis Gift das erlaubte Maß übersteigt, heißt das noch lange nicht, daß Arbeiter vergiftet werden: Der MAK-Wert ist ein Durchschnittswert von mehreren Messungen, und wenn der stimmt, sind Betriebsrat und Sicherheitsingenieure zufrieden, und der Betrieb hat seine Pflicht getan.
Die Arbeiter brauchen sich um ihre Vergiftung nicht weiter zu kümmern. Es reicht daß sie ihre Arbeit schaffen. Schließlich ist alles bestens geregelt von denen, die dafür zuständig sind.
1. Wenn Sie Ihre Haut schon zum (Arbeits-) Markt tragen, sollten Sie sie besser zuhause lassen: eigentlich ist sie nämlich dafür viel zu dünn. Wenn Sie sie trotzdem mitnehmen, brauchen Sie
2. ein dickes Fell; ersatzweise kann man es aber auch mit Imprägnieren versuchen.
3. - 6. garantiert die chemische Reinigung in diesem Fall allerdings für nichts: auf jeden Fall das Kleingedruckte beachten!
7. brauchen Sie sich deshalb nicht zu beunruhigen: Das Aufsichtspersonal hat alles fest im Griff Im äußersten Notfall gibt es
8. auch noch Reparaturwerkstätten; mit Ersatzteilen sieht es in diesem Fall allerdings schlecht aus. Deshalb sollten Sie sich .
9. Punkt I wirklich nochmal überlegen! Tun Sie das nicht, brauchen Sie sich
10. nicht zu wundern wenn Sie nach ein paar Jahren ziemlich zerknittert aussehen. Kapitalistische Betriebe sind schließlich keine Kosmetiksalons.