Gleich zu Anfang finde ich es nicht richtig, daß ihr zwei Sachen gegeneinander ausspielt: Auch die Ökologen o.ä. reden von Dürre- und Überschwemmungskatastrophen, bei ihnen fängt die "Katastrophe" nicht erst an, wenn das Klima von Menschenhand beeinflußt wird. Sie geben zwar falsche Gründe an, wie es im Abschnitt "Wüsten" richtig steht (z.B. Überweidung, "der" Mensch, Überbevölkerung).
Diese falschen Argumente sollte man ihnen natürlich auch vorhalten, aber doch nicht, daß sie das veränderte Klima in die Erklärung der Katastrophen miteinbeziehen. Es ist doch wohl ein Fakt, daß der kapitalistische Raubbau an den Böden Afrikas diese verwüstet, und so auch das Klima beeinflußt wird (kein Regen bzw. Erosion durch zuviel Regen), worunter die Afrikaner dann noch zusätzlich leiden, (also unter kapitalistisch produzierter Dürre bzw. Überschwemmung).
Frage: Findet ihr es "nur" kritikabel, daß die Klimaveränderungen von den Herrschenden der sog. Drittweltstaaten ignoriert werden und es ihnen egal ist, daß Hunderttausende verhungern oder ersaufen, daß also die Konsequenz staatsmännisch-brutal ist, oder meint ihr, daß diese Katastrophen an sich schon kapitalistisch produziert sind?
Außerdem solltet ihr euch auch noch bei zwei anderen Sachen entscheiden:
Entweder das Problem "Ozonloch" und Klimaverschiebung ist lächerlich und unwichtig, so habe ich es jedenfalls verstanden, es gäbe Wichtigeres, oder ihr haltet daran fest. daß die Ruinierung unserer Lebensbedingungen (z.B. Lösungsmittel mit halogenierten Kohlenstoffen, Flugverkehr, Art und Weise der McDonaldschen "Lebensmittelversorgung") dadurch beendet wird, daß man den Kapitalismus abschafft. Ihr sagt zwar auch, daß die ökonomischen Gründe keinen interessieren, aber dann ist doch das das Argument. Nämlich, daß die Wissenschaftler bei der Besprechung der Sachlage falsch und interessiert argumentieren, (z.B. "überflüssige" Methanproduzierung könnte weg im Gegensatz zur "notwendigen", oder "der" Mensch sei schuld, wie ihr es in Punkt "Gegenmaßnahmen" erklärt), und nicht, daß alles - überspitzt gesagt - halb so schlimm sei. Ich würde jedenfalls immer noch einen Ökofreak zum Thema Ozonloch und andere Naturkatastrophen damit zu agitieren versuchen, daß ich ihm sage:
a) nicht "menschliche" Dummheit, sondern kapitalistische Geschäftspraxis, die rücksichtslos gegen ihr Menschenmaterial handelt, ist der Grund für sowas, weswegen auch
b) die politischen Reaktionen auf solche kapitalistisch produzierten Ereignisse nicht der Unfähigkeit der Politiker geschuldet sind, sondern einer selbstverständlichen und gewollten Gleichgültigkeit gegenüber Leben und Tod der jeweiligen Untertanen entspringen.
Blöd finde ich es, das Thema ,abzuwiegeln' mit dem Argument: Wo ist hier überhaupt das Problem, es gibt Wichtigeres, das Wetter ist doch bloß eine Laune der Natur.
S., Marburg
Ausgerechnet einem "Ökofreak" möchtest Du damit kommen, daß Du seinen Sorgen recht gibst und ihm eine andere Interpretation anbietest. Bloß hat der gar keinen Befund vorgetragen, der noch offen wäre für eine richtige Erklärung.
Er hat ein Sittenbild über die Zukunft des Planeten vorgelegt - wenn sich die Welt nicht ändert. Das hält er zwar für einen sachlichen Befund; was einen Ökofreak aber wirklich umtreibt, ist seine Deutung der Weltlage, die auf einen moralischen Schuldspruch über die Schlechtigkeit der Welt hinaus will.
Damit ist ihm schon alles klar; und deswegen gefällt ihm auch der Totalhammer so sehr, der Mensch greife störend in den Globalhaushalt unseres Raumschiffs ein ... Mit Deinem Urteil über den Kapitalismus triffst Du bei solchen Freunden des weltweiten Gleichgewichts einerseits sogar auf offene Ohren: Daß der Profit den Menschen dazu verführt, sich gegen den Naturhaushalt zu vergehen, ist bei ihnen ein beliebter Gedanke. Aber da steht Profit eben bloß für eine verwerfliche menschliche Schwäche. Deswegen kennen solche Kritiker auch mindestens siebzehn weitere "Bestimmungsgründe menschlichen Handelns", die von Egoismus über Gewohnheit bis Unvernunft reichen. Irgendwo dazwischen kommt auch das übermäßige Gewinnstreben vor.
lnsofern wollen diese Leute die Sache mit der kapitalistischen Kostenrechnung immer schon kennen und längst abgehakt haben.
Und den Katastrophengedanken, der sich da naturwissenschaftlicher Argumente bedient, halten wir für rundherum falsch und antikritisch. Daß die Schäden immer größer sein müssen, als sie tatsächlich sind, damit man etwas dagegen haben kann, ist kein Ausweis für bessere Einsicht, eher für eine ziemlich konservative Einstellung, die am liebsten alles so erhalten möchte. wie es ist.
Die Logik des Weltuntergangsgedankens geht nämlich so: Wer seine Unzufriedenheit nicht auf die "drohende Katastrophe" richtet, die angeblich unterschiedslos "uns allen" droht und von uns allen "gemeinsam" verhindert werden muß, hat nicht den rechten Gemeinschaftsgeist. Wer das gegenwärtige Elend für schlimm genug hält, um die Betroffenen gegen das herrschende Gemeinwohl aufzuwiegeln, der streitet ab, daß es erst in Zukunft wirklich ganz schlimm kommt, und sägt mit an dem Ast, auf dem ,wir' alle sitzen. Und wenn beim Ozonloch die Menschheit auf dem Spiel steht, darf man sich erst gar nicht danach erkundigen, was die Wissenschaft vom Wetter mitteilt. In den Argumenten, die wir zum Thema so vorgefunden haben, sind wenig Beiträge zu der Frage zu entdecken, was auf einem kapitalistisch zugerichteten Globus den Leuten das Leben schwer macht.
Statt dessen geht es immerzu um eine Fragestellung eigener Art, die schon alle Antworten enthält: Wie können "wir" dem Raubbau an "unserem" Planeten Einhalt gebieten? Über die ordinären Wahrheiten der Politökonomie sind ökologische Entwicklungsspezialisten erhaben.
Der Handlungsbedarf, der in Sachen Treibhauseffekt angemahnt wird, ist so "unalternativ" und linientreu wie nur irgendetwas. Die Mahnung richtet sich von Haus aus an die politische Gewalt des Staates, und ist bei der sicher aufgehoben. Neulich war eine Ozonkonferenz in London. Die gesamte Öffentlichkeit war überrascht, wie entschieden Frau Thatcher für den Schutz unserer Ozonschicht eingetreten ist. Auch gegen den bundesdeutschen Umweltminister will so recht niemand etwas einwenden, wenn er sich gleich um den ganzen Globus kümmert. Liebend gern hat sich hier die Politik der Forderung nach weltweiter Verantwortung angenommen - weil es nämlich ihre ureigenste Forderung ist.
Wer, wenn nicht imperialistische Staaten, ist dazu berufen, "globale Verantwortung" durchzusetzen? In Brasilien steht "unser" Regenwald, der als grüne Lunge der Welt naturschutzbedürftig ist; denn erstens wird er gerade nach den Geschäftsprinzipien des Westens abgeholzt, und zweitens brauchen wir unsere Taxöldener Forste als Industriestandorte.
Bei der Frage nach Möglichkeiten zum Schutz der Atmosphäre ist man zu weiteren konkreten Lösungen gekommen: Es ist untragbar, daß China demnächst Kühlschränke für alle Chinesen baut, und in diese Geräte das Kühlmittel füllt, das hierzulande seit jeher benutzt wird und bei unsachgemäßer Entsorgung als FCKWs die Stratosphäre bevölkert. Nun wollen die Chinesen es zwar gerade in ihre Kühlschränke einfüllen, aber für den Antrag langt es immerhin, sie sollten sich der "fortgeschrittenen Technologie" der nächsten Generation bedienen, über die zufälligerweise die Kapitalnationen verfügen, auch wenn man nicht weiß, inwiefern sich die Chlor- und Bromatome aus diesen "nicht vollhalogenierten" Verbindungen in der Atmosphäre anders verhalten sollten als die gleichen Atome aus den "vollhalogenierten". Schutz der Ozonschicht ist hier ein Titel für die imperialistische Bevormundung anderer Staaten geworden.
Daß inzwischen alles, was auf der Welt angestellt wird, nun auch noch im Namen des Klimas geschieht, halten wir für keinen Fortschritt des Bewußtseins.