Kürzlich feierte die wissenschaftlich aufgeklärte Gemeinde den 80. Geburtstag Werner HEISENBERGs. Wie früher, so fehlte auch diesmal in den öffentlichen Würdigungen nicht der Bezug auf die wissenschaftliche Leistung des Jubilars, um gänzlich andere Eigenschaften an ihm herauszustreichen. Zum einen lobte man ihn als Physiker, der in seiner Person die weltweite Geltung seiner Nation samt dem Genuß dieser Weltgeltung verkörpert:
"Heisenberg, der Nobelpreisträger, der geniale, intelligente Physiker, der gefeierte Münchner Weltbürger." (SZ zum 80. Geburtstag)
Des weiteren als einen tugendhaften, integren Menschen, den der persönliche Erfolg nicht .verdorben' hat,
"Heisenberg ist ein vollkommen schlichter, musisch interessierter und beflügelter Mensch gewesen." (SZ),
der vielmehr allen moralischen Maßstäben dieser Gesellschaft gerecht geworden ist und deshalb von der Öffentlichkeit zur vorbildlichen Persönlichkeit erklärt wird. Schließlich hat sich ja die wahre Größe des Geistes noch allemal in seiner Bescheidenheit zu zeigen. Dann wird ihm Ruhm im Übermaß zuteil. Als bescheiden zu gelten, prädestiniert einen Denker heutzutage ferner dazu, als "großer Philosoph" geführt zu werden, der
"nicht nur die Physik, sondern auch die Wissenschaftstheorie beeinflußt hat". (SZ)
Wie dies zusammenpaßt? In dieser Hinsicht hat der Jubilar selber - wie man der Gerechtigkeit halber feststellen muß - in zahlreichen Veröffentlichungen den Sprüchen seiner gegenwärtigen Lobhudler vorgearbeitet. Darin ließ er es sich angelegen sein, seiner Leserschaft weniger die Resultate der modernen Physik nahezubringen, als vielmehr die philosophischen Nutzanwendungen, die der Quantenmechanik zwar nicht innewohnen, ihr aber von Wissenschaftstheoretikern desto unverfrorener zugeschrieben werden. Nicht zuletzt kann er sich das Verdienst anrechnen, daß der ganzen intellektuellen Zunft vom "Laien" bis zum Physiker die Quantenmechanik und hier im besonderen die "HEISENBERGsche Unschärferelation" vor allem nicht als ein Trum Erkenntnis der Teilchenphysik gilt, sondern in ihr eine erkenntnistheoretische Botschaft erblickt wird, ja gewissermaßen der aus berufenem Munde stammende und somit anerkannte naturwissenschaftliche Beweis für die auch dem weniger erlauchten Publikum geläufige Weisheit, ,daß man letzten Endes über keine Sache der Welt nichts Genaues nicht wissen kann!':
"Daß wir die Bausteine der Materie, die ursprünglich als die letzte objektive Realität gedacht waren, überhaupt nicht mehr an sich betrachten können, daß sie sich irgendeiner Festlegung in Raum und Zeit entziehen, und daß wir im Grunde immer nur unsere Kenntnis dieser Teilchen zum Gegenstand der Wissenschaft machen können." (HEISENBERG)
Sein Forschungsergebnis, daß eine Impulsunschärfe den Dingern als Eigenschaft zukommt, soll plötzlich einen prinzipiellen Mangel der Naturwissenschaft, eine Unscharfe von Erkenntnis, sogar von Wissenschaft überhaupt, begründen! Daß die kleinsten "Bausteine der Materie" Teilchen und Welle sind, ein Elektron im Atom sich nicht klassisch behandeln läßt wie ein Tennisball, weil's ganz einfach keiner ist, gereicht auf einmal der Physik zur Blamage, ja gibt für ihn den Kronzeugen dafür ab, daß Skepsis gegenüber objektiver Erkenntnis angebracht ist, somit der Fortschritt in dem Kenntnisstand der Physik immerzu nur die Zweifel an deren Richtigkeit verstärken und deshalb Naturwissenschaft letztlich nichts anderes als ihre eigene Infragestellung sein kann.
So hat HEISENBERG nicht unmaßgeblich dazu beigetragen, daß ausgerechnet die Bereicherung physikalischen Wissens und damit die Grundlage zunehmender praktischer Naturbeherrschung heute als Beleg gilt für die modernen wissenschaftstheoretischen Idiotien a la Unerkennbarkeit der Welt samt ihrer moralischen Nutzanwendung, eben der theoretischen und praktischen Anspruchslosigkeit dieser Welt gegenüber.
Verhalf früher HEISENBERG diese Herrichtung physikalischer Ergebnisse als sehr unbescheidene, erkenntnistheoretische Vorschriften an das Denken, an Wissenschaft, erst so recht zu öffentlichem Glänze, so wird heute in seiner öffentlichen Lobpreisung auf eine andere Leistung abgehoben - wenngleich natürlich seine Beiträge zur intellektuellen Weltanschauung auch jetzt nie ungewürdigt bleiben: Öffentliches Ansehen und Anerkennung wird ihm heutzutage vor allem deshalb zuteil, weil er sich immer, damals wie nach dem Kriege, als vorbildlicher, vaterländischer Vertreter seiner Zunft erwies, er sich in allen Zeiten zielstrebig daran gemacht hatte, die von Seiten der "politisch Verantwortlichen" an die Wissenschaft und Technik gestellten Anforderungen praktisch werden zu lassen.
"Es hatten sich kurz vor dem Krieg zwei Möglichkeiten der technischen Nutzung der Hahn-Straßmannschen Entdeckung angedeutet: erstens der Bau einer Uranmaschine oder eines ,Uranbrenners', der aus wenigen Tonnen Uran ungeheure Energiemengen freisetzte; zweitens die Konstruktion einer Bombe mit unvorstellbarer Explosivkraft ... im Dez. 1939 stellte Heisenberg einen Bericht fertig, in dem er die Möglichkeit der Energiegewinnung aus der Uranspaltung theoretisch feststellte ... Beide Möglichkeiten erregten das Interesse der deutschen Heeresleitung und veranlaßten kurz vor dem Kriege zwei Schritte: Das Heereswaffenamt berief die bekanntesten deutschen Kernforscher ... Otto Hahn, W. Heisenberg, C.F.v.Weizsäcker etc. ... zu Urankonferenzen (Uranverein) zusammen. Zugleich übernahm es das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik mit der Absicht, die Uranarbeiten dort zu konzentrieren. Nach eingehenden theoretischen und experimentellen Vorstudien, an denen Heisenberg hervorragenden Anteil hatte, kamen die Experten des Uranvereins zu der Ansicht, in absehbarer Zeit sei ein Uranreaktor zur Erzeugung von Energie zu verwirklichen, nicht aber eine Uranbombe." (Physikalische Blätter, 37, 1981, zum 80. Geburtstag HEISENBERGs)
"Hervorragenden Anteil" hatten damals unsere Physikerjungs um HEISENBERG also daran, daß sie - kaum daß die Kernspaltung theoretisch bekannt war - einmal ganz selbstverständlich staatliche Aufmerksamkeit verlangten für die "ungeahnten Möglichkeiten" der "Ausnutzung der Atomenergie", sie - versteht sich - auch erhielten, und ihr Forscherbemühen ganz zielstrebig darauf ausrichteten, ihrem Staat so schnell wie möglich praktisch anwendbare Resultate zu liefern. Dabei verband es sich auf das glücklichste, daß dieselben Forschungen sowohl neue Erkenntnisse über die "Konstruktion der Uranbombe" lieferten als auch über "die friedliche Ausnutzung" dieser Energiefreisetzung, und mit dem anvisierten Bau eines "funktionierenden Uranreaktors" (HEISENBERG) quasi sich beide Ziele erledigen ließen. In nationaler Pflichterfüllung übersah man dabei geflissentlich alle theoretischen Lücken, stellte das Wissen um die Gefährlichkeit der eiligen Versuche sowie der Reaktoranlagen überhaupt zurück und machte sich lediglich ein paar Überlegungen zum Strahlenschutz auf Basis der vorliegenden unvollständigen Kenntnisse über deren Wirkungen. Während dieses Wirken eines HEISENBERG in den damals "schweren Stunden" früher kaum einer Erwähnung wert war, geschweige denn einer Huldigung, so jetzt anders herum. Denn erstens sind diese ,dunkleren Kapitel deutscher Wissenschaft' längst bestens bewältigt. Schließlich steht ja heute die "deutsche Wissenschaft" mit Sicherheit auf ,der richtigen' Seite. Zweitens haben ja gerade die damaligen Kämpfer an der Wisseenschaftsfront den Grundstein gelegt für all die erfreulichen Resultate der Kernspaltung, auf die kein Politiker heutzutage verzichten will. Und drittens sind sie ja - wie alle die anderen an der Ost- bzw. Westfront - nur ihrer nationalen Verantwortung nachgekommen.
Es ist Wissenschaftlern wie HEISENBERG wirklich nicht vorzuwerfen, sie hätten nichtsahnend und leichtfertig gehandelt oder es nur auf den Bau der Bombe abgesehen. Die wissenschaftlichen Kraftanstrengungen, das theoretisch Mögliche auch praktisch machbar zu machen und dabei gewußte oder noch herauszufindende Voraussetzungen und Folgen zu ignorieren, verdanken sich dem selbstverständlichen eigenen Bemühen, dem Staat - der nationalen Dringlichkeit entsprechend möglichst schnell - seine Anwendung technischer ,Möglichkeiten' zu ermöglichen. Daß sie deswegen in den Jahren der nationalen Entscheidung ihre ganze Anstrengung darauf richteten, mit dem Wissen, daß Kernspaltung geht, als erste einen Reaktor zu bauen, und die "Versuchsanlagen" dann gleich für die praktische Anwendung für das Kriegsmaterial zu benutzen, gehört dabei zu ihrer selbst- und staatsauferlegten Verantwortung, ebenso wie die Beurteilung von Krieg und Politik als mehr oder weniger günstige Mittel zur Beschleunigung ihrer Wissenschaft.
"HEISENBERG hat später des öfteren betont, daß er die Arbeiten zur technischen Ausnutzung der Uranspaltung als eine willkommene Möglichkeit auffaßte, die theoretische Physik in den Augen der politisch Mächtigen zu rehabilitieren ... Nie, auch in der Nazizeit nicht, verleugnete er Einsteins Größe."
Diesen Beweis, daß der "Fortschritt der Physik" sich noch allemal für den eigenen Staat und seine Anliegen als dienlich erweist - jede Förderung dieser Zunft ihm nützt -,hat er wahrlich geliefert. Das nationale Ansehen der Physik und der Physiker in den Augen "der politisch Mächtigen" hat so auch in der damalig "schweren Stunde" nicht gelitten.
HEISENBERG war so von seiner und der Physik nationalen Verantwortung für "die Zukunft Deutschlands" getragen, daß ihn mitten im Krieg nur eine Sorge quälte, nämlich die des ,Schicksals' der Nation "nach der Katastrophe".
"Aber auf jeden Fall müssen wir bei dem, was wir jetzt tun, vor allem an die Zeit nach dem Kriege denken." (HEISENBERG, Der Teil und das Ganze)
Die drohende Niederlage der Nazis beflügelte HEISENBERG geradezu, "das Uranprojekt" unvermindert weiterzutreiben. Schließlich war er sich sicher, daß diese Forschungsleistungen den zügigen Wiederaufbau in Sachen "friedlicher Nutzung der Atomenergie" danach ungemein erleichterten.
"Damit wurde die Arbeit am Uranprojekt in der Folgezeit zu einer Vorbereitung für die friedliche Atomtechnik nach dem Kriege, und als solche hat sie trotz der Verwüstungen in den letzten Jahren noch brauchbare Früchte getragen. Es ist vielleicht kein Zufall, daß das erste Atomkraftwerk, das von einer deutschen Firma ins Ausland, nämlich nach Argentinien,geliefert wird, mit einem Reaktorkern versehen ist, der so, wie wir es im Kriege geplant hatten, aus Natur-Uran und schwerem Wasser besteht." (HEISENBERG)
Wer wollte hier noch heute die Nützlichkeit der Forschung damals für die nationale Zukunft bestreiten, wo inzwischen der damalige Kriegsreaktor zu einem Exportschlager, einem profitablen Geschäft deutscher KKW-Industrie wurde, und so auch Ausländer in den Genuß strahlender Sicherheit "Made in Germany" gelangen. Und fast hätte unsere Physiknationalmannschaft um HEISENBERG - mit ihren Gedanken schon im Nachkriegsdeutschland - dabei noch den Wettlauf mit den Amis um den ersten "kritischen Reaktor" gewonnen.
"Der Modellreaktor erfüllte bei seiner Erprobung im Februar '45 alle Erwartungen, die wir in ihn gesetzt hatten. Wir waren dem kritischen Punkt ... schon sehr nahe ... (HEISENBERG). Das Fehlen von einigen Hundert Kilo Uran und schweren Wassers verhinderten den Erfolg des deutschen Uranprojekts." (Physikalische Blätter)
An unseren Kämpfern an der Wissenschaftsfront hat es also wahrlich nicht gelegen, daß "der Endsieg" letztlich doch ausblieb. Und diese Vaterlandsliebe bis zum bitteren Ende ist es, die heutzutage einem HEISENBERG den öffentlichen Respekt verschafft.
Und wo ein HEISENBERG nichts so sehnlichst befördern will wie den "Fortschritt der Physik", über dessen staatsnützliche Resultate man sich nicht nur sicher ist, sondern den Erfolg der Nation geradezu umstandslos in diesen legt, da muß sich einem '44 beim Heimweg vom Seminar - phosphorbrennenden Fußes im zerbombten Berlin - zwangsläufig ein Problem stellen:
"Wie beurteilen Sie eigentlich die Aussichten, nach dem Kriege in Deutschland noch Wissenschaft treiben zu können? Viele Institute werden zerstört, viele tüchtige junge Wissenschaftler werden gefallen sein und die allgemeine Not wird den meisten Menschen andere Probleme dringender erscheinen lassen als gerade die Förderung der Wissenschaft ..." (Biochemiker Butenandt zu HEISENBERG) "Ich glaube, daß die Deutschen sich dann an den Wiederaufbau nach dem ersten Weltkrieg erinnern werden, zu dem ja das Zusammenwirken von Wissenschaft und Technik, etwa in der chemischen oder in der optischen Industrie, die wichtigsten Beiträge geleistet hat. Unsere Landsleute werden also wohl schnell verstehen, daß man ohne eine erfolgreiche wissenschaftliche Forschung nicht mehr am modernen Leben teilnehmen kann,und sie werden vielleicht gerade im Zusammenhang mit der Atomphysik erkennen, daß die Vernachlässigung der Grundlagenforschung im jetzigen nationalsozialistisehen System mit zur Katastrophe beigetragen hat oder wenigstens ein Symptom für sie gewesen ist." (HEISENBERG)
Wo Krieg und Frieden und die jeweilig politischen Machthaber als Voraussetzungen und Bedingungen für die (Be-)Förderung von Wissenschaft behandelt werden, da stoßen einem die staatlich produzierten Menschenopfer auf, weil der wissenschaftlichen Forschung damit qualifiziertes Menschenmaterial verlorenging. Muß zweitens jedes zerbombte Reihenhaus vor den "zerstörten Instituten" geradezu verblassen, erblickt man drittens in der materiellen Not der Leute eine Gefahr für die staatliche Förderung der Wissenschaft, der man dadurch begegnet sehen will, daß in einem jeden der verzichtsbereite Staatsbürger mobilisiert wird, der sich die Neuauflage der Durchsetzung nationaler Interessen weltweit angelegen lassen sein soll, kaum daß er die Ambitionen seiner früheren Herrschaft überlebt hat, und da versteht es sich ja wohl von selbst, daß dies ohne anständige Wissenschaft nicht geht. Deutlicher als diese Wissenschaftler kann man wirklich nicht aussprechen, daß mit dem "Fortschritt der Wissenschaft zum Wohle der Menschheit" auch nach einem Krieg nichts anderes gemeint ist als das Wohlergehen des Staates. Viertens kann da auch die beißende Kritik am Nationalsozialismus nicht ausbleiben, daß er keinen Erfolg hatte, weil er seine Grundlagenforschung nicht so förderte, wie deren Protagonisten es gerne gesehen hätten.
"Eigentlich sollte ja schon der bisherige Verlauf des Krieges den Menschen bei uns die Augen für die Wirklichkeit geöffnet haben, zum Beispiel dafür, daß der Glaube an den Führer keine Rohstoffquellen ersetzen, keine vernachlässigte wissenschaftliche und technische Entwicklung herbeizaubern kann." (HEISENBERG-freund Butenandt)
Für HEISENBERG waren so die Zeiten des "Wiederaufbaus" wie die damalig "schweren Stunden" gerade eine Herausforderung, die Physik und Grundlagenforschung in Deutschland wieder ins Leben zu rufen. Wo andere Nachkriegsphysiker sich die Frage stellten ,Wo kann ich am besten forschen?' und deshalb Angebote aus den USA annahmen, dort als "Experte" im Dienste der Freiheit weiterhin "schöne Physik" zu betreiben, da war für HEISENBERG diese Frage der Karriere erstens eine des nationalen "Verrats" und zweitens längst gelöst. Hatte er sich doch schon in Kriegszeiten mit seinen wissenschaftlichen Leistungen dem Nachkriegsdeutschland anempfohlen als die Figur, die unabdingbar war, die Bedingungen von Seiten der Wissenschaft wiederherzustellen, daß Deutschland am "modernen Leben" wieder teilnehmen konnte. So war es auch kein Zufall, daß er von der neuen demokratischen Regierung den Auftrag bekam, das ehemalige Kaiser Wilhelm-Institut für Physik jetzt als ein Max-Planck-Institut wieder aufzubauen.
Und mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der er im Krieg an der Kernspaltung für die staatlichen Ziele des Bombenbaus wie der Energienutzung bastelte, haben er und seine Zunft im Verein mit dem demokratischen Staat und der Industrie nach '45 wieder tatkräftig dabei mitgemischt, daß der strahlende "Aufbruch in eine neue Zeit" möglichst rasch vonstatten ging. Und da per Beschluß der Sieger des Weltkriegs dem BRD-Staat die Unterhaltung von Forschungs- und Produktionsstätten für Atom-bomben verboten, die Physik also auf Betätigung in der "friedlichen Nutzung der Kernenergie" eingeschränkt war, standen auch unsere Physiker nicht an, diesen Zeitgeist öffentlich herauszukehren wie in der berühmten "Göttinger Erklärung von 1957", wo sie sich dafür aus-sprachen, "die Kerntechnik nur für friedliche Zwecke in der BRD entwickeln zu wollen". Gerade von der Friedensbewegung wird ihnen das heutzutage hoch angerechnet, die "die Göttinger 18" deswegen gleich in ihre Galerie großer Pazifisten aufnimmt, da sie "sich leidenschaftlich gegen den Krieg und für die Abrüstung eingesetzt haben" (Aufruf: "Naturwissenschaftler gegen neue Atomraketen"). Und kaum daß der demokratische Staat und das Kapital die Wissenschaft und Technik in den Dienst des Handels, der Friedens- und Entspannungspolitik stellten, und so die Welt erfolgreich als deutsche Geschäftssphäre eroberten, da verkündete ein HEISENBERG auch schon die Ideale des "Fortschritts der Wissenschaft", die dieses Wirken in Friedenszeiten begleitet:
"HEISENBERG erschien die Wissenschaft als ein Mittel zur (besseren) Verständigung unter den Völkern." (Physikalische Blätter)
Ja, das "Zusammenwirken von Wissenschaft und Technik" mit Staat und Industrie war so erfolgreich, daß nicht nur deutsche Waren sich die ganze Welt eroberten, sondern unser demokratischer Staat nach 35 Jahren Frieden wieder daran denken kann, seine ganze gewonnene ökonomische und militärische Macht im Verein mit dem Bündnispartner für einen erfolgreichen "Endsieg" gegen den Feind im Osten einzusetzen.
Das ist ja wohl Grund genug, die junge Forschergeneration zu nationalen Großtaten im Sinne HEISENBERGs anzuspornen.
MSZ - Marxistische Studenten Zeitung
Sonderausgabe Naturwissenschaft 03.05.1982
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