stichwörter: Europa » Jugoslawien



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Das Ende des jugoslawischen Staates: Ein nützliches Chaos im europäischen Hinterhaus
Die Jugoslawen schaffen es wahrscheinlich als erste, ihren Staat auseinanderzuhauen. Natürlich gefällt sich der bildungsbürgerliche Verstand, so wie er in den Redaktionsstuben herumhockt, im Ziehen von Parallelen.
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Jugoslawien: Die neuesten Errungenschaften des Selbstverwaltungssozialismus
Beim Thema Jugoslawien entdecken die bürgerlichen Beobachter zur Zeit gerne ihr Herz für die Arbeiter, denen sie ihr herzlichstes Beileid aussprechen. Dann malen sie die Lage als ein einziges Nest von "Teufelskreisen" und "unerbittlichen Sachzwängen" aus, um daraus zu folgern, daß es ohne noch viel mehr Opfer für die Arbeiterklasse gar nicht besser werden kann.
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IM WESTEN UNDENKBAR: EIN SYSTEM WIRD VERKLAGT - UND GESTEHT
Mehr als 200 jugoslawische Arbeiter haben in Belgrad den Gewerkschaftsbund des Landes erstmals in seiner Geschichte wegen Untätigkeit verklagt. Die Arbeiter fordern ihren Mitgliedsbeitrag aus den letzten zehn Jahren zurück, weil sich die Gewerkschaft nicht genügend für sie eingesetzt habe."
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Jugoslawien: Ein Modellstaat und sein Bankrott
Jugoslawien als führende Nation in der Bewegung der Blockfreien - es hat Zeiten gegeben, in denen Treffen von Tito und Nehru Aufsehen erregten, in denen der Schein einer echten Alternative zu den Blöcken weltpolitische Beachtung gefunden hat. Das ist heute gründlich in Vergessenheit geraten.
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Jugoslawien: Abgesang der Blockfreiheit
Ein Sieger des Entscheidungskampfes zwischen West und Ost steht auf jeden Fall schon fest: die blockfreien Jugoslawen. Nach ihrer Sicht der Weltlage sind die Blockfreien im Kommen -
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Jugoslawien: Wirtschaft am Rande des Chaos
Jugoslawien taucht in letzter Zeit in westlichen Zeitungen weniger als Führer der Blockfreien auf - diese Rolle hat die Presse mit Tito begraben, da gescheiterte Vermittlung im Krieg zwischen Iran und Irak wurde als kläglicher Wiederbelebungsversuch abgetan; das blockfreie Statement Jugoslawiens zu Polen ("die Prinzipien der nationalen Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität" dürfen nicht verletzt werden) wurde als selbstverständlich in das Konzept der NATO passend hingenommen. Wenn Jugoslawien Thema ist, dann unter der Rubrik "Wirtschaft am Rande des Chaos" (Süddeutsche Zeitung).
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BLOCKFREIHEIT: "WIR WOLLEN NICHT VON EINER SEITE ABHÄNGEN"
Noch im Tod beweist Tito die Richtigkeit der Politik der Blockfreiheit, weil sich anläßlich seiner Beerdigung die Häuptlinge der Welt getroffen und natürlich auch miteinander geredet haben (als ob die gegenwärtige Weltlage auf mangelnde Gesprächsmöglichkeiten zurückzuführen sei). Und auf dieser Begräbnisfeier zeigte sich auch wieder die große Bedeutung der Blockfreien: Wer sonst kann sich schon rühmen, mit dem gesamten Westen - von geringen Differenzen abgesehen - ein ungetrübtes Verhältnis zu haben, seit 1978 auch zu China wieder Beziehungen zu pflegen und innerhalb der quantitativ anwachsenden Gruppe der Blockfreien eine Führungsposition zu besitzen, die sich mit weltpolitischen Supershows wie der Durchführung der KSZE-Folgekonferenz in Belgrad und dem jetzigen ‚Arbeitsbegräbnis‘ bezahlt macht.
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Das jugoslawische Modell: Die selbstverwaltete Herrschaft
Der Tod des alten Partisanen, der als Präsident der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien zwar nicht mehr die Kluft, aber bei jeder Gelegenheit den Geist der Kampfzeit zur Schau stellte, versammelte mitten in der "Weltkrise" einträchtig die Staatsmänner von Ost und West zum Leichenbegängnis. Aus den Elogen, die dem Marschall mit ins Grab gegeben wurden, sprach mehr als die Höflichkeit unter Kollegen der Machtausübung: Während die Oberhäupter der kapitalistischen Welt auch diesmal nicht das Gefühl haben mußten, beim Anlanden in Belgrad den Boden einer anderen, feindlichen Welt zu betreten, betonten die Staatsrats- und Parteivorsitzenden regierender KPs ihren Respekt vor dem jugoslawischen Weg zum Sozialismus.
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DER JUGOSLAWISCHE GASTARBEITER: EINE "HUMANE SOZIALISTISCHE LÖSUNG"
Die Zeit ist längst vorbei, als die Arbeitssuche im kapitalistischen Ausland noch als "unpatriotischer Akt" verurteilt wurde, weil ein anständiger Jugoslawe nicht auf mehr Verdienst für mehr Ausbeutung woanders zu spekulieren hat, solange das sozialistische Vaterland noch auf seine Brauchbarkeit spekuliert. Seit der großen Außenhandelsreform von 1965, in deren Gefolge zahlreiche Betriebe rationalisiert oder geschlossen wurden, weil sie in der Konkurrenz mit den ausländischen Waren nicht mithalten konnten, und seit dem damit verbundenen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit sieht recht verstandener Patriotismus anders aus.
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EIN PRIVILEG DER ARBEITERKLASSE: II. DIE SELBSTVERWALTETE AUSBEUTUNG IN DER SOZIALISTISCHEN MARKTWIRTSCHAFT
Der eigenständige jugoslawische Sozialismus hat offenbar ebensowenig wie seine jung- und altsozialistischen Fans hierzulande ein theoretisches oder praktisches Problem damit, daß es eine ganze Menge zu beherrschen gibt im freiesten Land des Sozialismus, daß das "Eigentum der unmittelbar assoziierten Produzenten" gar nicht so recht sicher zu sein scheint vor den Interessen seiner Produzenten und diese am selbstverwalteten "Verein freier Menschen" kein vereinsgemäßes freiwilliges Interesse an den Tag legen. Denn beide, die jugoslawischen Modellbauer wie die hiesigen Bewunderer des humanen Sozialismus, schätzen am Herzstück des jugoslawischen Modell-Sozialismus - der Arbeiterselbstverwaltung der Betriebe und ihrer Konkurrenz unter staatlicher Anleitung -, das mit solchen Marx-Anleihen propagandistisch ausgeschmückt wird, seinen Ursprung und Zweck: die nationalstaatliche Eigenständigkeit und Unabhängigkeit - vom großen sozialistischen Bruder.
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III. SELBSTVERWALTETE INTEGRATION IN DEN WELTMARKT
Wo, die Russen 1948 mit der revisionistischen Variante großmächtiger Ausplünderung von Jugoslawien aufgehört hatten, da hat der imperialistische Westen sofort und in Anbetracht der "geostrategischen Bedeutung" dieses Landes ziemlich begeistert angeknüpft. Daß Jugoslawien auch vom Westen nichts Gutes zu erwarten hatte, war Tito zwar bekannt, hinderte ihn aber nicht daran, mit ihm sein Land "allein" aufzubauen:
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MARSCHALL VON GOTTES GNADEN
"Sie sagen: Tito ist tot! / Nein, nein, nein!
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WIE DER ‚VIELVÖLKERSTAAT‘ SEIN VOLK BEHERRSCHT
Seit Titos Tod, der schließlich die rundum geschätzte personalisierte Garantie des Westens für neutrale Linientreue, staatliche Stabilität und verantwortliche Einheitlichkeit des Staatswesens dahinraffte, geistert wieder der alte, historisch überhöhte politologische Dauerbrenner durch die Presse: Wie steht es mit der Einheit des jugoslawischen Staates? Das 30 Jahre in Frageform angemeldete Interesse am Erhalt dieser Herrschaft hat wie schon die ewige Dauer dieser Frage beweist - mit der Realität dort unten wenig zu tun.

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