MSZ 1981 Ausgabe 1
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Rüstung

DER TORNADO WIRD TEURER - SONST NICHTS

Ein Verteidigungsminister, der die Zeit für reif hält, sich damit zu brüsten, er könne

"in zwölf Tagen über vier Millionen Mann, ausgebildet, unter Waffen, ihren Kampfauftrag kennend, motiviert, ihre Heimat zu verteidigen",

auf dem Schlachtfeld "in Stellung bringen", teilt solches als Erfolg seiner Regierungstätigkeit mit und, kann sich der entsprechenden Würdigung durch die Bürger sicher sein.

Auch wenn er sich öffentlich als Verdienst zugute hält, daß "wir" in Erfüllung "unserer" Bündnispflichten jährlich 3% mehr vom Gesamthaushalt für die schimmernde Wehr abzweigen, wofür natürlich gewisse "Bereinigungen" im Sozialhaushalt sowie Steigerungen der Steuereinkünfte erforderlich werden, regt sich darüber kein Schwein auf. Der Mensch wird weder als gemeingefährlich angesehen, wenn er daran mitdreht, daß das Land, in dessen öffentlichem Dient er beschäftigt ist, per Durchsetzung von Nachrüstungsbeschlüssen zu einem bevorzugten Schlachtfeld des Dritten Weltkrieges wird, noch wird er als Radikaler aus ebendiesem öffentlichen Dienst entfernt, wenn er großangelegte Agitationsveranstaltungen für eine demokratische Bürgerpflicht zum Heldentod abhält. Nichts von alledem geschieht.

Der Verteidigungsminister bestätigt stattdessen durch all diese Umtriebe seine anerkannte Qualifikation als erster Aspirant auf die Nachfolge Helmut Schmidts.

Auf den geschilderten Höhen seines Schaffens geschah es aber mitten in der Weihnachtszeit, daß

"das Image des Bundesverteidigungsministers in Mitleidenschaft gezogen" wurde und er selber "in Schwierigkeiten und finanzielle Not" (Frankfurter Rundschau)

geriet.

Der Aufstand entzündete sich daran, daß die fälligen Forderungen der Lieferanten des neuen Kampfflugzeugs "Tornado" für dieses und das nächste Jahr um ca. 1,3 Milliarden DM höher ausfielen, als im Verteidigungshaushalt eingeplant. Dadurch waren wieder einmal Überlegungen veranlaßt worden, ob es angesichts des Mitte der 60er Jahre geschätzten Stückpreises von rund 12 Mio. DM und des jetzt erwarteten Endpreises von ca. 100 Mio. nicht irgendwie ein bißchen billiger gegangen wäre.

Von den drei beteiligten Ländern (BRD, England, Italien) war eigens eine trinationale Behörde ("Namma") gegründet worden, der von dem ebenfalls eigens eingerichteten trinationalen Firmenkonsortium "Panavia" jeweils die einzelnen Aufträge zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt wurden. Dabei haben es

"die Rüstungskonzerne unter Ausnutzung unübersichtlicher Abrechnungen nach Materialwert und Arbeitsstunden zu Tagespreisen... und je nach Partnerland unterschiedlicher Mehrwertsteuersätze und... Inflationsraten trefflich verstanden, ihre Interessen zur Geltung zu bringen." (Süddeutsche Zeitung)

Ein Schaden für das Gemeinwohl ist ebenfalls nirgends zu erkennen: a) die Zusatzkosten werden eben anstatt durch den ordentlichen durch einen Nachtragshaushalt gedeckt, b) wird doch sowieso immer alles teurer, c) macht das Rüstungskapital seinen Schnitt ohnehin nur wegen der Arbeitsplätze und d) hat die Freiheit eben ihren Preis (siehe auch b). Dies als Hinweis an alle Freunde einer kostengünstigen Rüstung verbunden mit der Bitte, sie möchten sich wegen der paar 100 Millionen, die sie jetzt mehr kostet, nicht das Maul über einen Politiker zerreißen, der sich ständig um die selbe verdient macht. Qualität hat eben ihren Preis.


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