MSZ 1980 Ausgabe 6
Stichwörter: brd » Kirche / Christentum

Das Ergebnis des Besuchs

PAPST ENTLARVT DIE WESTLICHE INTELLIGENZ

Peinlich, peinlich! Da kommt ein Oberpfaffe daher, der Chef der katholischen Kirche in königlichen Gewändern; der Repräsentant des gläubigen Irrationalismus; der Hauptlehrer lammfrommen Untertanengeists und selbstloser Opferbereitschaft; ein Typ, der seinen hervorragenden Posten nur deshalb innehat, weil es genug Leute gibt, die so blöd sind, sich einen lieben Gott einzubilden - und was tut die geistige Elite der Nation mitsamt ihrem linken Spektrum? Sie zieht überhaupt nicht in Betracht, daß man diesem Moralapostel Gottes zu bedeuten hätte, daß er gefälligst auf seinem Heiligen Stuhl und bei seiner Schweizer Garde bleiben solle. Stattdessen bekundet sie ein wenig Distanz und führt die harmlose Debatte, ob der Besuch nicht etwas teuer wäre; ob man das Geld nicht für einen guten Zweck hätte besser verwenden können. Die Intelligenz rümpft die Nase über das große Spektakel, hat auch einmal etwas gegen die Amtskirche einzuwenden und gegen die Bevormundung durch eine angeblich "überholte konservative" Ehemoral, als ob Nowotny, Dieter Kürten und Rudolf Augstein unter dieser Bevormundung besonders litten. Das ist es dann auch schon. So daß die offizielle Nation es nicht mit Gegnern der päpstlichen Veranstaltung zu tun hat, sondem offensiv noch mehr Ehrerbietung gegenüber dem Papst fordern kann:

"Um so bedrückender erscheint uns, daß der bevorstehende Papstbesuch in unserem Land bisher so wenig Freude und Dankbarkeit hervorgerufen hat. Die skeptischen Fragen und die zuweilen un: sachlichen Kommentare der jüngsten Zeit geben wirklich nicht die Meinung der großen Mehrheit unseres Volkes wieder." (Anzeige zum Papstbesuch, unter anderem unterschrieben von Ex-Ministerpräsident Goppel, Kultusminister Maier, Uni-Präsident Lobkowicz und Thomas Gottschalk, diesem Knallkopp von Pop nach acht.)

Die aufgeklärte Intelligenz hat sich offensichtlich das Argument zu Herzen genommen, daß es doch im Volke ein Bedürfnis nach dem Heiligen Vater gibt. Ein saublödes Argument. Damit kann man von der Pornographie über "Ausländer raus!" und die Vergasung von Kommunisten bis zur Lynchjustiz alles legitimieren, ein Bedürfnis gibt es auch dafür. Dieselben Zeitgenossen, die sonst beim einfachen Volk falsche Konsumbedürfnisse entdecken und sich elitär herausnehmen deren Freizeitwünsche zu kritisieren, entschuldigen sich beim Papst damit, daß das Volk ihn sehen und antatschen möchte. Warum gilt hier nicht das Argument: Vor Volksverführern wird gewarnt? Warum weist niemand den unverschämten Anspruch des Papsts: "Ich bin für alle da." entschieden zurück. Kein Mensch hat sich nicht mal gewünscht, daß der mal irgendwo rausfliegt. Dabei hätte dieser Pope wahrlich eine andere Handlungsweise verdient, als ihn mit Distanz zu betrachten, dann aber doch irgendwie gütig, nett, menschlich zu finden.

Eine einzige Frechheit

Was der Papst sich erlaubt hat, nimmt sich so schnell keiner heraus. Daß er das Fernsehprogramm durcheinandergebracht und noch ungenießbarer gemacht hat; daß er den Verkehr behinderte und mit seiner Rumfliegerei eine Menge Energie verschwendet hat, kann man ja noch zu den läßlichen Sünden zählen. Aber sonst! Selbst am alten Jesus gemessen, ist dieser Nachfolger Christi ein sauberer Vertreter.

"Die Arbeit darf nicht beherrscht werden vom Schatten der Ungerechtigkeit, der Ausbeutung, des Hasses und der Demütigung der Menschen."

Damit wollte er keineswegs etwas gegen die Ausbeutung gesagt haben. Die Unternehmer hat er nicht aus dem Tempel gejagt, sondern denselben Arbeitern abverlangt,

"vom Anspruchsdenken abzurücken und auf manches zu verzichten, um die begrenzten Güter mit möglichst vielen Menschen friedlich zu teilen."

Für jemanden, der für den opferbereiten Glauben Reklame macht, ist halt "der Mensch wichtiger als der Konsum". Und so hat er auch vor den Arbeitem ausgeplaudert, warum sie ihm ein Problem sind, weil so wenige von ihnen praktizierende Katholiken sind:

"Die Arbeiter bekommen am ehesten die verheerenden Folgen innerer Entfremdung" (aha, das soll die Ausbeutung sein!) "mit allen daraus erwachsenden Belastungen für den Glauben zu spüren."

- Die Probleme, die die Leute in der Familie, mit Gatten und Kindern haben, waren dem besorgten Mann völlig wurscht. Er hat sie aufgefordert, wie sie zu lieben haben: nur in der Ehe und dann ewig denselben und zwar so, daß auch viele Kinder rauskommen. Für die höchste Würde der Menschen hielt er es, wenn sie sich in der "Keimzelle" zusammenfinden und dort Kinder ausbrüten. Und dann stellte sich dieser Wahnsinnsknabe auch noch hin und verbot den Gläubigen, sich außerbalb der Ehe anzufassen, wozu er doch tatsächlich die Einmaligkeit des Lebens und des Sterbens heranzog:

"Man kann nicht nur auf Probe leben, man kann nicht nur auf Probe sterben. Man kann nicht nur auf Probe lieben, nur auf Probe und Zeit einen Menschen annehmen."

Und keinem ist das peinlich, bis auf eine Minderheit, die uns namentlich bekannt ist.


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