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Zur Automobilindustrie und dabei insbesondere Opel
1. Zuvor eine Frage zum GS 4-08
— Auf S. 7 oben
heißt es: „Wert wird geschaffen, Geld wird vermehrt nicht durch
Arbeit, sondern mit dem Regime des Geldes über die Arbeit.“ Auch
wenn das Finanzkapital in letzter Instanz darüber befindet, ob das
produktive Kapital die Arbeit als Wertquelle fungieren lassen kann,
bleibt doch immer noch die Arbeit als Wertquelle – im Kapitalismus gibt
es sie nur so. Deshalb ist mir das ‚nicht’ unklar, weil so doch die
Arbeit als Wertquelle durchgestrichen ist.
Mitten in der Finanzkrise wurde von Politik und Öffentlichkeit das
Lob der Arbeit angestimmt und zwar der Arbeit als Wert allgemein, an
der doch alles hänge. Gemeint war schon die wertschaffende Arbeit
und das dahinter stehende Kapital, aber geredet wurde so, als ob Arbeit
für sich etwas Lobenswertes sei – übrigens analog zu dem
Gegensatz, der zwischen Finanz- und Realwirtschaft aufgemacht wurde,
so, als ob das eine nur Fiktion, das andere real sei. Darauf nimmt der
Satz im ersten Teil Bezug, um dann weiterzumachen mit dem bestimmten
gesellschaftlichen Zusammenhang, unter dem die Arbeit hierzulande
steht, nämlich ihre Subsumtion unter den Zweck Geldvermehrung und
ihre Anwendung ausschließlich für diesen Zweck. Die Arbeit
produziert nicht Reichtum im materiellen Sinn – das ist sozusagen nur
ein Nebenprodukt –, sondern dieser Reichtum stellt nur das Material dar
für ein Produkt anderer Art, nämlich Eigentum und
Verfügungsmacht über Reichtum – das ist das Produkt der
wertschaffenden Arbeit.
2. Krise der Automobilindustrie und
Opel
Hinsichtlich dieser Krise und des staatlichen Umgangs mit ihr sind drei
Punkte zu klären: Erstens: Inwiefern ist die Automobilindustrie
das Kapital par excellence, also in seiner jetzigen Krise ein Exempel
dafür, wie sich Kapital in die Krise wirtschaftet? Zweitens: Weil
diese Industrie das Kapital par excellence ist, ist die Stellung des
Staats zu ihr im Normalfall und in der Krise symptomatisch für
kapitalistische Nationen und ihren Umgang mit dem Kapital. Drittens:
Eine Einordnung der nationalen Sorgen und des nationalen
Bedürfnisses im Fall Opel, die offensichtlich nicht so einfach
unter einen Hut zu bringen sind.
Es ist derzeit häufig die Rede davon, dass man ein deutsches
Traditionsunternehmen nicht untergehen lassen könne. Es ist
lächerlich, das über ein Unternehmen zu sagen, das seit 1929
zu GM gehört, aber es ist offensichtlich der Ausdruck für
eine nationale Betrachtungsweise, die hier ein gefährdetes und zu
betreuendes Gut vorliegen sieht. Dasselbe offensiv: man müsse Opel
von GM lösen, wenn dieses Unternehmen dabei sei, pleite zu gehen.
Opel wird als Opfer von GM betrachtet und es werden Wege überlegt,
dieses Opfer zu vermeiden. Der Spruch: „Keine Steuergelder für GM“
macht die Stellung des deutschen Staates deutlich: Wenn er tätig
wird, dann behandelt er selbstverständlich Opel als unter seine
Obhut gehörenden Konkurrenten von GM. Von diesem Standpunkt aus
wird die Rechenweise von Opel kritisiert, weil Gewinne zum
Mutterkonzern in die USA transferiert und für Deutschland Verluste
ausgewiesen werden. Das wird schon zur Rechnung dieses Konzerns
dazugehören und nicht erst seit heute, aber heute stößt
es einem deutschen Wirtschaftsminister auf. Es wird sich von einem
nationalen Standpunkt aus in die Rechenweisen eines US-Konzerns
eingemischt und auf einer nationalen Lesart dieser Rechnungen
bestanden. Das alles sind Hinweise auf einen Übergang zu einer
geänderten Stellung von Politik und Öffentlichkeit zu Opel
und GM im Besonderen und der Automobilindustrie im Allgemeinen.
Warum kann man beim Automobilkapital sagen, dass es sich um das
industrielle Kapital par excellence handelt?
— Zum einen
fällt die Größe des da akkumulierten Kapitals auf. Die
Autoindustrie ist nationaler Vorreiter in Sachen wie groß Kapital
sein muss, um profitabel zu werden. Dazu kommt noch die
Größe des Kredits – die Automobilkonzerne sind nicht
zufällig i. d. R. Aktiengesellschaften. Sie generieren Kredit
über ihre firmeneigenen Banken und geben Kredit über ihre
Leasing- und Finanzierungsangebote und ermöglichen so den Verkauf
ihrer Produkte weit über die Grenzen des Marktes hinaus. (Anm.:
Weltweit finanziert Mercedes-Benz bereits den Kauf jedes dritten
Fahrzeugs, bei BMW ist es fast jedes zweite – „Spiegel“ Nr. 42/08). Und
sie sind wegweisendes Kapital hinsichtlich der Technologie, also des
Stands der Ausbeutung.
Die Behauptung ist also, dass mit der Kapitalgröße auch eine
kapitalistische Potenz in der Konkurrenz vorgegeben ist. Warum und
inwiefern ist das so?
Kapitalgröße mobilisiert Forschung, Entwicklung und
Technologie in Bezug auf die Produktionsmethoden und das Produkt.
Forschung und Entwicklung, sind Wegbereiter dessen, dass all die
Potenzen der Forschungs- und der produktiven Arbeit Hebel für eine
Konkurrenz sind, in der es darum geht, mit den eigenen Erfolgen
dieselben Anstrengungen anderer zu entwerten. Jeder Fortschritt des
einen Kapitals hinsichtlich der Entwicklung der Produktivkraft ist ein
Anschlag auf die vorhandene Produktivkraft in Gestalt anderer Kapitale
– soviel zum allgemeinen Lob der Automobilindustrie als
Fortschrittsmotor... Der technische Fortschritt ist auch ein Motor im
Kampf um den Preis; der Kampf um den Preis ist deswegen auch die
Kombination aus Entfaltung der Produktivkräfte als Mittel der
Konkurrenz und den gewollten Wirkungen auf den Lohn, weswegen
Lohnsenkung immer – also nicht nur in der Krise – das probate Mittel
ist und die großen Kapitale alle Methoden der relativen und
absoluten Mehrwertproduktion, also der direkten Lohnsenkerei,
beherrschen und einsetzen. Es gibt Artikel darüber, was sie an
Lohnformen erfunden haben, an Methoden und Mitteln der unmittelbaren
Lohneinsparung jenseits von betrieblicher Umorganisation – z. B. auf
einen Schlag 15% weniger Lohn (und das war vor dem offiziellen
Krisenszenario!) oder Auslagerung einer ganzen Abteilung, über die
man aus den Tarifverträgen der Metallindustrie aussteigen konnte –
alles so einfache wie brutale Mittel der Lohnsenkerei. Sie sind die
andere Seite des hoch gelobten Produktivitätsfortschritts in
diesen modernen durchrationalisierten Maschinenfabriken.
Das Auto ist eine elementare kapitalistische Ware, die sich erstens
dadurch auszeichnet, dass sie als industrielles Großprodukt
für ein Kapital mit entsprechender Größe und Aufwand
extrem lohnend ist und zweitens eine Ware ist, die einen generellen
kapitalistischen Bedarf bedient – Stichwort ‚Mobilität’. Diese
Industrie lebt und profitiert von diesem Bedarf, den das
kapitalistische Wachstum generiert, und der alle kapitalistischen
Subjekte betrifft, vom Arbeitnehmer, der zum Arbeitsplatz und
zurück pendelt bis zum Handelskapitalisten, der seine Waren auf
20-Tonnern herumfährt.
Konkurriert wird um die gesamte zahlungsfähige Nachfrage und den
Markt generell, und das Automobil-Kapital hat das Interesse, sich von
dessen Schranken unabhängig zu machen. Jede Investition – zumal
die Standortinvestitionen, die immer gleich ein riesiger Kapitalbatzen
sind – ist also eine Spekulation auf eine künftige
Markterweiterung für ihr Geschäft. In Absehung davon, wie
viel der Markt im Einzelnen hergibt, setzen sie den Anspruch in die
Welt, dass er für sie da zu sein habe – und das machen eben alle.
Die für die Automobilindustrie adäquate Kreditform ist die
Aktiengesellschaft, d. h. das Automobilkapital existiert überhaupt
nur als Objekt von Finanzspekulation. Alles, was sonst noch unter
Kreditaufnahme läuft, ist subsumiert unter den Status als
Aktienkapital.
— Also von wegen
hier das böse Finanzkapital, dort das redlich produzierende
Gewerbe. Von der Entstehung her ist es ja nicht so, dass da erst mal
Kapital zusammengeworfen wurde, das dann die Verwandlung in Kredit –
eben als Aktienkapital – gemacht hat, sondern die Kreditierung lief von
Anfang an über die Aktien samt deren Auf und Ab an der Börse,
und zur Zeit werden diese eben entsprechend entwertet.
Es liegt hier nicht das ursprüngliche Kreditverhältnis vor,
das den jeweiligen Geschäftserfolg zum Index für
Kreditwürdigkeit erhebt, sondern gleich – in der Tatsache, dass
das Unternehmen ein dauerhaftes Spekulationsobjekt ist – sein Status,
seine Kreditwürdigkeit als sein finanzkapitalistisches Dasein sehr
real vor. Dieses Kapital ist der Inbegriff davon, dass fungierendes
großes Kapital immer in beiden Existenzweisen vorliegt, weswegen
jede Geschäftsaffäre auch ein riesiges finanzkapitalistisches
Manöver ist. Wie kommt da Größe zustande und wie geht
da Kooperation? Entweder passiert sie auf dem technologischen Feld oder
als Übernahme und das ist immer eine finanzkapitalistische
Großaktion. Ein schönes Beispiel ist die Transaktion von
Porsche, die für Aufregung sorgte, gerade als es hieß, dass
jetzt die Krise auf die redliche Realwirtschaft übergreift.
Porsche übernahm nicht nur VW, indem es sich heimlich 50% der
Aktienanteile aneignete, sondern machte daraus auch noch eine
Finanzspekulation, die den Aktienwert von VW innerhalb einer Woche um
400% steigerte und dann gleich wieder abschlaffen ließ.
Angesichts dessen ist es lächerlich, zu sagen, ein deutscher
Automobilproduzent übernimmt einen anderen, damit beide besser
Automobile produzieren können.
Das Kapital, das in der Autoindustrie investiert ist, existiert
heutzutage ausschließlich in Form von multinationalen
Unternehmen. Kapitalismus gibt es heutzutage nicht mehr national
beschränkt, das Geschäft ist berechnet auf globale
Geschäftssphären. Das große Kapital betreibt deshalb
sowohl Waren- als auch Kapitalexport selber, vergleicht weltweit
Standorte, organisiert intern eine Konkurrenz seiner Standorte. Es
behandelt und vergleicht die Nationen als seine Dienstleister und
betrachtet sie als mehr oder weniger nützliche Standorte für
sein globales Geschäft. Standortkonkurrenz subsumiert unter sich
den ganzen Bestand von Nationen als Mittel seines Geschäfts und
des damit dauernd einhergehenden Vergleichs hinsichtlich der zu
erobernden Märkte und Währungen, mit denen gerne spekuliert
wird – siehe VW, das seinen Hauptgewinn vor einigen Jahren mit
Dollarspekulationen gemacht hat. Das Agieren in multinationalen
Konzernen macht die Existenzweise des Kapitals heutzutage aus und davor
blamiert sich einmal mehr das Bild einer redlichen realen nationalen
Wirtschaft, die ihre Produkte exportiert und dafür fürs
Weiterproduzieren einen angemessenen Gewinn einfährt.
Ein paar Argumente dazu, wie sich das Kapital in die Krise
wirtschaftet. Schon in dem Artikel über die Automobilindustrie (GS
2-06) ist die Rede davon, dass das dort tätige Kapital mit seiner
Investitionspolitik, also mit seinem Konkurrenzkampf, dauernd Überkapazitäten schafft
und in einem laufenden Verdrängungswettbewerb befangen ist. Die
Konkurrenz dort produziert durchgängig eine Bereinigungsnotwendigkeit:
Über den moralischen Verschleiß sowohl der Produkte wie der
Anlagen findet ein Kampf statt um Durchsetzung der eigenen
Marktansprüche und damit der Vernichtung der Marktansprüche
anderer. Das Ganze auf der Grundlage eines fortlaufenden kapitalistischen Wachstums.
Mit der Finanzkrise hat sich für das Automobilkapital diese
Grundlage – der Markt wächst und auch das Finanzkapital ‚legt zu’
– offenbar verändert und das schlägt sich in der
Veränderung von dessen Konkurrenzbedingungen nieder. Was für
ein Moment ist dazugekommen, wenn jetzt von der weltweiten Krise der
Automobilindustrie die Rede ist? Dieses Kapital bringt mit seiner
Konkurrenz einerseits die krisenhafte Wirkung zustande, die ihm
andererseits als veränderte Marktbedingungen entgegentritt. Es ist
auffällig, dass die weltweite Automobilindustrie der erste
'realwirtschaftliche' Fall eines Opfers der Finanzkrise ist und alle
haben es als Indikator genommen, dass dann das Wachstum überhaupt
leidet.
Wenn wir bisher festgehalten haben, dass der kapitalistische Markt vom
Automobilkapital über Gebühr ausgenutzt wird, dann ist die
andere Seite davon, dass dieser Markt selber nichts anderes ist als das
Werk solcher Berechnungen und solcher Agenturen. Er ist ein Kombinat
aus Finanzkapital und produktivem Kapital, das mit Kredit auf wachsende
Märkte spekuliert. Der Markt selber ist also, und dass macht sich
an der Automobilindustrie geltend, Ergebnis laufender Spekulationen auf
Wachstum; diese stiften die Zahlungsfähigkeit auf dem Markt und
das Wachstum, an dem sich bedient wird. In diesem Gerede, dass niemand
mehr Vertrauen in die Zukunft oder das Geschäft hat, wird
ausgedrückt, dass der Markt selber als Konkurrenz der Kapitale ein
einziges Konglomerat ist von finanzkapitalistischen Berechnungen, vom
Wirtschaften mit Kredit, von Geschäftserwartungen, die in laufende
Investitionen geflossen sind, so dass der Einbruch des Finanzkapitals
erstens diesem Markt nicht bloß Zahlungsfähigkeit, sondern
auch die Aussichten auf Wachstum und damit das Geschäft entzieht,
das laufend auf diese Spekulation gegründet ist. Weil das
Automobilkapital Profiteur von jedem kapitalistischen Wachstum ist, ist
es natürlich auch der Betroffene von dem Zweifel in den Fortgang
dieses Wachstums. Und zweitens, was heißt schon Kreditnot. Wenn
viele Firmen und Leute kein Auto mehr leasen oder kaufen, dann brechen
hier Geschäfte ein, weil Geschäftserwartungen oder auch
bloß die Erwartungen der kleinen Leute auf die Kontinuität
ihres Einkommens zusammenbrechen. Dann wird im Vorlauf zum generellen
Einbruch der Konjunktur glatt die Automobilindustrie zum ersten Opfer
der Finanzkrise. Vier Monate später werden die Aussichten immer
schlechter, die Aufträge brechen auch in anderen Sphären wie
z. B. dem Maschinenbau ein. Am Ende fällt allen als matte
Erklärung ein, dass die Automobilindustrie ja schon vorher
Überkapazitäten aufgewiesen habe.
Der Automobilmarkt ist selber nichts anderes als das Konglomerat
solcher mit Kredit finanzierter Berechnungen und finanzkapitalistischer
Manöver. Und Kreditnot ist anders zu fassen, als dass da die
Banken auf ihren Krediten sitzen, während die Automobilindustrie
sie gebrauchen könnte. Diese Industrie ist schlagartig als
finanzkapitalistisches Objekt entwertet, sie hat ihren Status als
bevorzugtes Objekt finanzkapitalistischer Spekulation, des
Aktienhandels usw., verloren. Und zweitens hat diese Industrie selber
als Spekulant mit ihren Banken viel verloren. Krise bedeutet also nicht
einfach, dass der Markt nicht mehr hergibt. Die Gleichung, dass Kapital
gleich Kredit ist und Kredit Kapitalerfolg mobilisiert, versagt nach
beiden Seiten. Alle Automobilfirmen leiden an der Kapitalentwertung
wegen ihres erfolgreichen Investierens und Konkurrierens; hier ist also
nichts falsch gemacht worden, sondern hier haben Kapitale erfolgreich
konkurriert. Jetzt leiden sie an einer doppelten Kapitalentwertung:
Nämlich erstens des produktiven Kapitalkreislaufes und zweitens an
der Vernichtung ihrer finanzkapitalistischen Potenz, die sie selber
darstellen und brauchen.
Der heutige Entwicklungsstand, für den auch die Automobilindustrie
symptomatisch steht, ist so, dass die Krise aktuell auf der Basis eines
fertigen Weltmarktes ‚ausgebrochen’ ist. Es gibt keine riesigen
Märkte mehr neu zu erschließen – so entwickelt sich z. B.
auch China selber zu einem Automobilstandort. Krise ist kein Zustand
von Mangel, sondern findet wegen kapitalistischem Überfluss, bei
entfalteten Produktivkräften statt. Es liegt also die
Absurdität vor, dass zu viele Autos mit wenig Aufwand gebaut
werden können, als dass sich diese lohnend realisieren
ließen. Die Automobilindustrie steht auch für den Grundsatz,
dass Akkumulation an einer Stelle Bedingung ist für die
Akkumulation an anderer. Wenn also jetzt die Automobilindustrie in der
Krise ist, ist sie selber ein Motor der Verallgemeinerung der Krise.
Krise ist zwar ein Allgemeinzustand, doch für die
Automobilindustrie ist sie ein Motor der Konkurrenz und der
Zentralisation von Kapital. Einen Verdrängungswettbewerb haben sie
auch schon vorher die ganze Zeit betrieben; jetzt geht es darum,
Gewinner in einem Prozess der Entwertung, dem Brachlegen von Kapital zu
sein, und dies gilt es zu überstehen. Dazu kommen zum einen alle
Methoden ihrer Konkurrenz zum Einsatz: Alle Rechnungen müssen neu
aufgemacht und verbessert werden, dabei insbesondere auch die mit dem
Umgang mit den Belegschaften und den Angriffen auf das
Lohnverhältnis; des Weiteren das teilweise Zusammengehen mit
Partnern oder gleich Fusion usw. Dabei sind sie Vorreiter und Setzer
nationaler Standards. Beim Brachlegen von Kapital fangen
Automobilfirmen gleich einmal bei sich selber an mit Kurzarbeit und der
Frage, ob nicht das eine oder andere eigene Werk stillgelegt werden
muss. Insofern sie globalisiertes Kapital – wie bei GM und Opel – sind,
eröffnen sie damit selber bei sich, innerhalb des eigenen
Konzerns, eine Konkurrenz der Standorte. So wirft die Krise die
Standortfrage von Automobilkapital für alle Beteiligten neu und
mit sehr negativen Umständen auf, nämlich die Reduktion des
Geschäftes für seine krisenmäßige Bewältigung
und Neuaufstellung. Das ist zwischen Unternehmen und in globalisierten
Unternehmen der aktuelle Konkurrenzkampf.
Hier sind unmittelbar Staaten betroffen, herausgefordert und vom
Kapital beansprucht. Die Kapitale verweisen auf ihre Bedeutung für
die Nation, berufen sich auf ihre Rolle als Standortsubjekte und
verlangen von Nationen entsprechende Umstände für ihre jetzt
anstehenden Standortentscheidungen. Diese sind als betroffene ihrer
Meinung nach gefragt, sich für sie stark zu machen. Auf der
Grundlage, dass seitens der Kapitale Standortentscheidungen anstehen,
wird von den zugehörigen Staaten verlangt, sie sollen sich diese
Entscheidungsfrage zum nationalpolitischen Inhalt machen – „Was bietet
ihr uns, damit wir eventuell bleiben ...?“ Und zum zweiten werden die
Kapitale zu Antragstellern auf finanzkapitalistische Staatsleistungen –
„Wenn wir uns als Spekulationsobjekte des Finanzkapitals nicht mehr
halten, dann ist der Staat als Unterstützer gefragt, entweder
unmittelbar mit Kredit oder mit Geschäftsförderung, die die
Kapitale besser instand setzen.“ Mit diesen Ansprüchen treffen die
Automobilfirmen offensichtlich einen Nerv der Politik und provozieren
damit eine Krisenkonkurrenz der Staaten, die sich um ihre
‚Schlüsselindustrie’, siehe den alten Artikel, kümmern.
Schlüsselindustrie drückt die Rolle für den nationalen
Kapitalstandort aus, wie auch umgekehrt den Standpunkt des Staates,
dass hier deswegen ein Betreuungsobjekt besonderer Natur vorliegt.
Die Leistung der Automobilindustrie für eine Nation besteht zu
allererst in der Größe des Kapitals und als solches in
seinem Beitrag zum nationalen Wachstum. Dabei wird berücksichtigt,
dass es nicht allein das Kapital der großen Automobilfirmen
selbst ist, sondern ungefähr das Fünffache dessen noch in der
Zulieferindustrie angelegt ist. Ganz banal geht es auch um den Umfang
an produktiver Nutzung der nationalen Arbeitskraft. Nationen sind nicht
nur Finanzplätze, sondern auch auf lohnende Beschäftigung auf
ihrem Standort aus. Diese Kapitale stellen ein wesentliches
Lebensmittel des Standorts dar, bis in die Museen und sonstige
nationalen Einrichtungen hinein. Auch sind diese Kapitale Agenturen der
Durchsetzung des nationalen Geldes und des Geldverdienens weltweit.
Deswegen hat man immer gewollt und will auch, dass sie im Ausland
investieren; umgekehrt hat man nichts dagegen gehabt, wenn
ausländische Unternehmen bei uns investieren. Weiterhin ist die
Automobilindustrie als Vorreiter der relativen Mehrwertproduktion und
als Agentur der materiellen Konkurrenzmittel einer Nation die
Inkarnation nationaler Reichtumspotenzen: des Konkurrenzvorsprungs, der
Verfügung über die entscheidenden Produktivitätsmittel
in der Konkurrenz der Nationen. Dass z. B. Opel nur mit Lizenzen
arbeiten soll, weil die Patente in der Hand des amerikanischen Staates
liegen, wird als ein Stück Kastration des nationalen
Standortvorteils angesehen.
Diese verschiedenen Momente fallen im Zweifelsfall überhaupt nicht
in eins. Man kann insofern bei diesem Industriezweig sagen, dass es an
dessen Bestand und Leistungen ein nationales Interesse gibt, weil es
die betätigten, also geschäftlich auch erfolgreich wirkenden
und für alle Konkurrenzbedürfnisse der Nation tauglichen
Wachstumspotenzen sind. Darüber will eine erfolgreiche Nation
verfügen und deshalb haben Staaten solche Industrien immer schon
als ein nationales Objekt betrachtet und behandelt. Der Staat hat diese
Industrie in die Welt gesetzt und ist eine bleibende Agentur für
sie, er hat ihre Globalisierung gefördert. Die beiden Extreme sind
VW und Opel: Das eine ist reines Staatswerk Deutschlands, das andere
Werk amerikanischen Kapitals, das hier von Opel aufgebaut und
vorangebracht wurde.
Festhalten lässt sich, dass hier die entscheidenden Nationen
erfolgreich eine nationale Schlüsselindustrie in der Form von
Multis als Wachstumsmotoren aufgebaut haben. Das ist für sich ein
bleibender Widerspruch, weil hier – auch in diesem Sinn ist die
Autoindustrie sehr exemplarisch – an große, mit Nationen
kalkulierende Kapitale das Ideal angehängt wird, dass es eine
Identität von geschäftlichem und nationalem Ertrag geben
soll. Ein solcher staatlicher Anspruch an die Autoindustrie lässt
sich dabei gar nicht im Einzelnen nachrechnen. Wer will bestimmen, wie
viel Arbeitsplätze hier am Automobilkapital hängen, wenn das
in der Tschechei eine Fabrik aufmacht; wie wirkt sich das auf die
nationale Rechnung aus, welcher der verschiedenen nationalen
Gesichtspunkte wird da bedient oder auch geschädigt? Vielleicht
werden am hiesigen Standort Leute entlassen, dafür machen sie
auswärts ein Geschäft auf und das nutzt diesem nationalen
Unternehmen, also nutzt es auch der Nation. Gegen Entlassungen
demonstrierenden Arbeitern wird vom Standpunkt der politischen
Kalkulationen aus entgegnet, dass das zur Konkurrenz dazu gehört.
In anderen Fällen gibt es nationale Debatten, ob man das
unterbinden soll. Denn die Frage, was trägt das einzelne
Unternehmen zum Standort im Land bei, ist normalerweise nie einfach
definierbar. Das ist keine durchkalkulierte Rechnung, was es der Nation
einbringt, wenn das Kapital hier oder anderswo anlegt. Das sind
Entscheidungen, die vom staatlichen Verlassen darauf leben, dass hier
Wachstum zustande kommt. Dieses wird dann als Florieren der Kapitale
bilanziert und die Nation hat ihre verschiedenen, auch konkurrierenden
Gesichtspunkte, die sich darunter subsumieren.
— Auf den genannten
bleibenden Widerspruch, dass sich der Geschäftserfolg decken soll
mit dem Ertrag der Nationen gab es doch eine Antwort, dass es sich erst
mal für ganz bestimmte Nationen auszahlt, nämlich für
die Nationen, die es schaffen, Konzerne mit solchen Potenzen haben. Das
hat sich dann zwischen den Nationen sortiert, aber für diese
Weltwirtschaftsmächte ist die Kalkulation so aufgegangen.
Also war bis neulich der generelle Standpunkt, alles was die
Konkurrenzfähigkeit des Kapitals fördert, ist auch
nützlich für die Nation. Alles, was also auch die
Größe und die Multinationalität fördert, bedient
eine Nation. So haben sie auch ein Stück Europäisierung des
Automobilmarktes zustande gebracht, als ihr Mittel. Das hat dann auch
Amerika darin beflügelt den Standpunkt einzunehmen, den nationalen
Markt selber zum Feld der Konkurrenz zu machen als Teil der freien
Weltwirtschaft, weil das Kapital nur dann der Nation dient, wenn es
sich als weltweit konkurrenzfähig bewährt. Diesen generellen
Standpunkt hat man befördert. Amerika ging lange Zeit von dem
Standpunkt aus, dass das einheimische Kapital das von sich aus leistet.
Und andere Nationen (z. B. Frankreich, und ursprünglich
Japan) sind vom Standpunkt ausgegangen, um dieses
Konkurrenzfähigkeit herzustellen und im Weiteren nützlich
voranzubringen, braucht es dauerhafte staatliche Aufmerksamkeit.
Die Europäisierung besteht zum einen in den Kooperationen der
Kapitale – Zusammenschlüsse sind ein Teil ihrer Konkurrenz in
Sachen Entwicklung –, zum andern in der von der EU geleisteten
tendenziellen Verallgemeinerung der Bedingungen und Umstände, die
die Konkurrenz auf dem Automobilmarkt bestimmt und modifiziert. Alles,
was staatliche Regelungen der Konkurrenz, aber auch konkurrenzwirksame
Auflagen, z. B. in Sachen Abgase, betrifft, ist Gegenstand
europäischer Vereinheitlichungsanstrengungen. Gleichzeitig wird
bleibend national gerechnet.
Worin besteht nun das nationale Interesse an der Automobilindustrie, im
Begriff 'Schlüsselindustrie' ausgedrückt? Ihr Stellenwert
liegt darin, ein internationalisiertes Kapital zu sein, das einen
Standort mit kapitalistischen Wachstumspotenzen ausstattet. Das
nationale Geld fungiert da als internationales Geschäftsmittel und
umgekehrt die Nation fungiert als Standort eines erfolgreichen,
internationalen Kapitals, das laufend weiteres Wachstum
anstößt und die Nation mit Konkurrenzmitteln ausstattet. Das
ist die Leistung und das, was in der Krise jetzt gefährdet ist.
Alle entscheidenden Nationen, die es betrifft (der Rest ist eigentlich
bloß negativ betroffen als Standort von Automobilnationen), die
Subjekte der Automobilindustrie, eben die 5 – 6 großen Nationen,
stehen alle mit dem selben nationalen Grundsatzproblem da, wie sehr
diese Schlüsselindustrie jetzt Gegenstand nationaler Sorge ist.
Ist also die Autoindustrie in ähnlicher Weise 'systemisch' wie das
Finanzkapital, in dem Sinn, dass der Staat sich auch hier als Retter
aufgerufen fühlt? Bei aller nationalen Bedeutung bleiben die
Autokonzerne Konkurrenten. Sie haben zwar über Beteiligungen o.
ä. auch viel miteinander zu tun, aber der Untergang eines
Automobilwerkes ist nicht gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch der
nationalen Automobilindustrie. Was im Fall Opel heißt, der Staat
dürfe hier nicht fälschlich in die Krisenkonkurrenz der
Unternehmen eingreifen. Das 'Systemische' ist, dass hier der Nation an
einem großen Kapital und an der Leistung dieser Industrie liegt,
zugleich sind es aber konkurrierende Kapitale. Anders als die Banken,
die finanzkapitalistisch so verwoben sind, dass sie das Kreditwesen der
Nation repräsentieren. Der zweite bleibende Widerspruch hier ist,
dass es in anderem Sinn internationalisiertes Kapital ist. Im Fall Opel
wird das so ausgedrückt: Hier sind wir zugleich in einer
Auseinandersetzung mit GM und mit dem amerikanischen Staat: will, soll,
kann man das überhaupt national auseinander dividieren?
An der Automobilindustrie wird die Krisenkonkurrenz der Nationen
exemplarisch ausgetragen. An ein paar Zitaten lässt sich der
generelle Standpunkt und selbst erteilte Auftrag festhalten, den
Nationen sich jetzt in der Krise erteilen: Bush nannte die
Automobilindustrie das Herz der US-Industrie, Nachfolger Obama will v.
a. dort Millionen Jobs schaffen. Sarkozy meint, ein Werk in Tschechien
zu bauen um Autos nach Frankreich zu verkaufen, sei nicht
gerechtfertigt. Der deutsche Wirtschaftsminister warnt vor
Protektionismus und sagt gleichzeitig, man müsse aufpassen, dass
nicht die Amerikaner die Opel-Förderung kassieren. Bei der
Abwrackprämie bekommen sie das Problem, ob das genügend dem
deutschen Absatz zugute kommt. Usw.
— An Sarkozy
fällt auf, dass er nicht einfach verlangt, dass die Autos in
Frankreich hergestellt und verkauft werden. Er spielt mit dem
Widerspruch, dass er globalisierte Unternehmen hat, die weltweit
kalkulieren, und hat zugleich das staatliche Ideal, es hinzukriegen,
dass erst ein Nutzen für Frankreich garantiert ist – und dann erst
der für die andern. Das liegt in der Konstruktion, dass eben
tschechische Arbeitskräfte dort Geld verdienen und ihre Lohnsteuer
nicht an den französischen Nationalhaushalt zahlen.
Dabei wissen zugleich alle, dass dieses alte Ideal aktuell nicht
hinzukriegen ist, das ist in Gegensatz zueinander getreten. Sie reden
darüber, dass man nicht mehr den Standpunkt einnehmen kann, man
könne gleichermaßen national seinen Standort pflegen und
international Geschäfte machen, weil hier geht das Geschäft
auf Kosten von anderen. Jetzt wird darum konkurriert, dass
Schlüsselindustrien erhalten und wieder zum Wachsen bringen, nur
gegen andere geht. Ausdrücklicher Standpunkt ist: 1. Diese
Industrie darf nicht sterben (ein Zeichen, dass sie gefährdet ist,
aber das will die Nation nicht zulassen) 2. Ist es das Urteil: dass die
uns nutzt, und nicht den Standort selbst beschädigt, davon
können wir nicht mehr automatisch ausgehen.
Es gilt hier diese Schlüsselindustrie zu retten und das hat nach
beiden Seiten hin gegensätzliche problematische Konsequenzen. Es
gibt einen sehr direkten und einfachen Übergang, unter dem sich
alles andere subsumiert: 1. Der Staat muss helfend mit seinen Mitteln
eingreifen und 2. dann muss er aber auch dafür sorgen, dass dieses
Kapital nach Möglichkeit nach nationalen Gesichtspunkten
wirtschaftet. Ganz einfach ausgedrückt in dem Spruch: Wenn wir
Opel 3 Mrd. geben, dann muss garantiert sein, dass dieser Konzern
für die nationale Rechnung tauglich wird. Der eigentümliche
generelle Übergang ist da: Als nationale Politik auf das, was der
Konzern entscheidet, Einfluss nehmen können; bestimmen, dass er
sich am nationalen Bedarf orientiert, ist die Kombination aus
Unterstützen und national Vorantreiben, national Bestimmen. Auf
die Standortentscheidungen so Einfluss nehmen, dass die
Automobilindustrie als nationale Schlüsselindustrie fungiert, das
ist der Standpunkt. Das ist keine bestimmte Forderung, sondern die
Überlegung: Wie bringen wir das überhaupt hin, dass der Staat
dieses Kapital so unterstützt und fördert, dass es sich gegen
andere durchsetzt, aber damit auch die nationalen Berechnungen wieder
ordentlich bedient. Das ist gleichbedeutend mit der
Selbstverständlichkeit: Wir machen uns zum Anwalt gegen dasselbe
Bedürfnis anderer Nationen und wir bekommen es dabei mit dem
multinationalen Charakter des Kapitals gleichermaßen zu tun wie
mit seinem nationalen Konkurrenzstatus.
— Am Opel-Beispiel
ist das Ideal, dass ein genuin deutscher Automobilkonzern geschaffen
werden soll, durch das Herauslösen von der Mutter, gegen die er
konkurrieren soll.
Die Konstruktion ist komplizierter. Sie sagen gleichermaßen: 1.
Opel gehört GM, alle Patente usw. sind an GM vergeben, also hat
man eine Affäre mit GM und dem amerikanischen Staat. Verlangt
wird: Wenn die General Motors sanieren, dann darf Opel nicht einfach
unter deren Sanierungsentscheidungen fallen; dann dürfen dieser
Riesenkonzern und der US-Staat nicht über den deutschen
Automobilstandort Opel entscheiden, wo zugemacht und entlassen wird,
das ist ein eigener selbstständiger Sanierungsfall. Wenn GM Opel
saniert, dann ist das nicht nach den Gesichtspunkten einer deutschen
Schlüsselindustrie. Diese sind erst mal dafür zu sorgen, dass
das als Eigentum verändert, General Motors aus der Hand genommen
wird – was zwar nicht geht, aber es wird immerhin viel versucht, von:
Wir reden mit denen, die sind eh sanierungsbedürftig, da
könnten sie Opel als Problemfall abgeben, bis zu solchen
Überlegungen: Wäre nicht Insolvenz von Opel das beste, denn
dann lässt es sich leichter rauslösen. Dazwischen liegt das
realistischere Konzept: Wenn sie schon Not leidend sind, dann kaufen
wir GM Beteiligungen ab, dann unterliegt Opel anderen
Entscheidungsinstanzen. So ist die Eigentumsfrage selbst schon ein
komplizierter endloser Streit mit GM und dem amerikanischen Staat.
Das zweite ist, was dann aus Opel wird. Da reden sie darüber, dass
Opel für sich nicht lebensfähig ist, sondern nach eigenen
Gesichtspunkten neu national lebensfähig gemacht werden
müsste. Von wegen also Staaten – schon gleich in Sachen
Schlüsselindustrien – würden sagen: Konkurrenz ist
Konkurrenz, wer untergeht hat es verdient. Hier heißt es, in
einem solchen Fall ist Opel ein Stück zu rettendes und aus den
Entscheidungen von GM heraus zu lösendes nationales
Teilstück. Guttenberg sagt in Amerika: Wir brauchen einen potenten
Investor. Er streitet mit ihnen darüber, wie Opel in ein neues
Verhältnis zu GM gesetzt werden kann. Der deutsche Staat fragt
sich, ob er Opel kreditieren soll. Alles geht darum, hier ist ein
Stück nationale Schlüsselindustrie, die jetzt in Gegensatz zu
GM gesetzt wird. Mit dem Argument, wir sind betroffen, also haben wir
auch ein Anrecht darauf, mit zu entscheiden.
Das Konzept mit dem potenten Investor beinhaltet: Wir schmieden ein
Stück nationaler Schlüsselindustrie neu, schließen
bisherige Konkurrenten zusammen. Das Ideal ist, der Staat betätigt
sich erfolgreich als Anwalt der nationalen Zentralisation von
Automobilkapital, also Opel rauslösen und mit anderen deutschen
Automobilkonzernen zu einem neuen, schlagkräftigen Konzern
zusammenzuschließen. Dazu ist die Alternative, sonst Opel lieber
untergehen zu lassen. Dadurch gewänne auch die deutsche
Schlüsselindustrie, nämlich die anderen deutschen
Konkurrenten. Anders als beim Finanzkapital heißt es, hier kann
man sich überlegen, ob man Konkurrenten, die der Nation
nützlich sind, dadurch stärkt, dass man den nicht so einfach
zu sanierenden Teil der nationalen Schlüsselindustrie untergehen
lässt.
Beachtlich ist, was das für selbstverständliche
Krisen-Berechnungen sind, die sämtliche Fragen eines
internationalisierten Kapitals vom Standpunkt der Unzufriedenheit der
Nation und der Betroffenheit der großen Kapitale in Bezug auf
deren Standort-Konkurrenz betreffen. Die Gesichtspunkte reichen von den
elementaren, nationalen Streitfragen – wer darf wie überhaupt per
Staatskredit ein Not leidendes Kapital fördern – über die
Frage, wie werden wir damit fertig, wenn Amerika sich dieses Recht
selbstverständlich herausnimmt, was können wir dann leisten,
wie viel wollen wir uns leisten, und wie können wir als deutscher
Staat oder EU auf die Entscheidungen eines amerikanischen Multis so
einwirken, dass es im nationalen Sinn geregelt wird. Das heißt
ganz banal, dass GM sich dazu bereit finden müsste, einen Teil
seines Unternehmens mehr oder weniger unter eine andere Regie zu
stellen, um es vom deutschen Staat und mit europäischem Kredit im
Zweifelsfall zum Konkurrenten aufbauen zu lassen.
Noch ein Gesichtspunkt: Wenn der amerikanische Staat fordert, die
Kreditierung, die er in Bezug auf die amerikanische Autoindustrie
macht, müsse dann aber auch konkurrenzwirksam sein, ist das
eigentümlich: Der Staat ermahnt sein Kapital, gefälligst sich
konkurrenzfähig zu machen. Das heißt nicht nur, dass die
dann aber auch erfolgreich wirtschaften sollen, sondern hat auch eine
harte innere Seite: Wir setzen uns per Politik für einen neuen,
nationalen Pakt zwischen Unternehmen und Gewerkschaft ein. Wir mischen
uns als politische Kreditgeber auch ein und verlangen von der
nationalen Gewerkschaft dann auch ein neues Arrangement mit dem
Kapital. Das bedeutet in Amerika die Fortsetzung der Streichungsorgien
dessen, was bei uns Lohnnebenkosten heißt. Das sind alte
'Besitzstände', die gerade geschleift werden und die ein
Hauptelement des Sanierungskonzepts in Sachen Lohn sind. Dasselbe in
Bezug auf den deutschen Standort: Bei Opel verhandelt der Betriebsrat,
der gleichzeitig Managementstimme ist: der Standort Opel muss erhalten
bleiben und zwar getrennt von GM. Derselbe Betriebsrat, der das
Sprachrohr ist des Standortnationalismus, ist zugleich der
Verhandlungsführer darüber, welche Konsequenzen die
Belegschaften bereit sind, für die Standortrettung zu tragen. Da
ist also auch klar: Gewerkschaften sind Fanatiker des
Standortnationalismus, sind überhaupt die, die gleich den
Standpunkt vertreten, wenn hier in Deutschland Beschäftigung
geopfert werden soll, dann müssen wir von GM los und dann lohnen
sich wieder Opfer, weil die dann dem deutschen Standort dienen. Da ist
Beschäftigung gleichbedeutend mit Lasten für die Belegschaft,
Konkurrenzfähigkeit herstellen, aber bitte auf dem deutschen
Standort. Als Gewerkschaften herumzulaufen und 'kauft amerikanisch'
oder hier 'Opel muss auf deutsch gerettet werden' zu verlangen, sind
alles Seiten desselben verkommenen Nationalismus der Gewerkschaften. So
agieren sie in der Krise.