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Fortsetzung Finanzkrise

Die Version, es handle sich um eine beschränkte Finanzkrise, die getrennt vom Rest des wirtschaftlichen Geschehens abläuft, musste inzwischen dementiert werden. Die politische Beschreibung, das deutsche Bankensystem wäre – im Gegensatz zum liberalisierten angloamerikanischen – stocksolide, musste spätestens mit der Affäre HRE zurückgenommen werden. Auch der Versuch der Trennung zwischen einer robusten „Realwirtschaft“ und eines in Frage geratenen Finanzgeschäfts musste mittlerweile aus dem Verkehr gezogen werden. Bei der dritten bislang vertretenen Trennung von Staat und Marktwirtschaft findet geradezu eine Umkehrung statt – wenn gefordert wird, der Staat müsse jetzt unbedingt alles für die Rettung des Finanzsektors einsetzen –, die nur noch als Schuldzuweisung auftaucht: 'Wir' als Opfer einer übertriebenen Spekulation, gierige, verantwortungslos handelnde Agenten des Finanzkapitals als Täter, in einem ansonsten tauglichen und funktionierenden System.
Fragen nach dem Grund der Finanzkrise sind jetzt nicht erlaubt, vielmehr tut Abhilfe Not, der Staat ist gefragt. Das Verlogene daran ist, dass der Staat nie ausgemischt war und ist. Eigentum wie das Verleihen des Eigentums ist ohne die staatliche Gewaltgarantie nicht zu denken. Die ganze Sphäre des Kreditgeschäfts beruht auf staatlichen Regularien, verdankt ihren gesamten ökonomischen Inhalt – den Bezug von Schuldner und Gläubiger – einer Rechtsregelung, ohne die dieses Verhältnis keine Gültigkeit hätte. Weiter ist das Verhältnis zwischen realem und Finanzkapital, in dem das Wachstum des produktiven Kapitals zum Material wie zur Voraussetzung des Erfolgs des fiktiven wird und umgekehrt der Erfolg des fiktiven die Voraussetzung für die Versorgung des produktiven mit Kredit wird, ohne staatliche Festlegung nicht zu denken.
Der Staat setzt diese Sphäre durch seine rechtlichen Vorgaben erst frei, ermöglicht damit andererseits, trotz gewisser Auflagen, die Emanzipation des Finanzkapitals von der unteren Ebene des Kreditwesens.
Die Geldhoheit des Staates stiftet den Großteil des Materials der Spekulation. Er sorgt selbst dafür, dass Gelder von außerhalb der Finanzsphäre zu dessen Material werden, wie z. B. Volksaktien oder Rentenzusatzversicherungen.
Dies alles sind Beispiele dafür, wie absurd die Behauptung einer bestehenden Trennung von Staat und der Sphäre des fiktiven Kapitals ist, die erst jetzt, in Krisenzeiten, aufgehoben gehört. Der Staat habe jetzt dafür einzustehen, neues Vertrauen in den aufgeflogenen Markt des fiktiven Kapitals zu stiften.
 — Geldvermehrung durch den Staat soll nicht sein, vielmehr verpflichtet dieser die Subjekte der Vermehrung darauf. Zur Ideologie, der Staat käme erst in der Krise ins Spiel, gehört der Gedanke, bei fehlendem Wachstum müsse er eingreifen.
 — Die Behauptung, die Eigenart der Krise bestünde darin, eine Vertrauenskrise zu sein, ist die falsche Erklärung. Denn das unterscheidet zwischen der Beschaffenheit der Banken und dem mangelnden Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird. Als ob es am bloßen, grundlosen Misstrauen läge und nicht auch die Papiere der Banken nichts mehr wert wären, weil sie so beschaffen sind, dass das Vertrauen, das sich im Kaufen äußert, sie erst zu Werten macht. Der Staat soll jetzt an der Stelle Vertrauen stiften, wo sich die Wertlosigkeit rausgestellt hat.
Solange die Kreditgeschäfte sich als Mittel, neue Geschäfte anzustoßen, bewähren, ist die Überprüfung, wodurch ein Kredit gedeckt ist, durch dessen Erfolg erledigt. Sobald jedoch Zweifel daran in die Welt kommen, wird die Grundlage des Kredits, das Vertrauen, ersetzt durch Misstrauen. Kredit ist in dieser Sphäre durch nichts anderes gedeckt als durch den Erfolg des damit angestoßenen Geschäfts, der jede Nachfrage nach Deckung erübrigt. Sobald dieser Erfolg in größerem Maßstab ausbleibt, ist das Finanzkapital in ernsten Schwierigkeiten.
Angefangen beim kommerziellen beruht jeder Kredit auf Vertrauen und hat somit das spekulative Moment an sich, ob die damit verbundene Geldvermehrung klappt oder nicht.
 — Natürlich spielt das Vertrauen eine Rolle, aber dies Vertrauenskrise zu nennen ist verkehrt. Am deutlichsten wird das darin, wenn sie sagen, eigentlich sei die Lage der Banken gar nicht so schlecht, nur sie misstrauten sich. Vertrauen spielt doch wegen der Eigenart der Produkte, die eben fiktives Kapital sind, eine Rolle; auf die wollen sie aber nichts kommen lassen.
In der Sphäre des fiktiven Kapitals wird das Setzen auf zukünftigen Erfolg das Geschäftsmittel, worüber diese Papiere auch ihren Wert bekommen. Soweit sich das durch den Erfolg rechtfertigt, löst es dieses Vertrauen ein. Das ist die Grundlage für die Gleichsetzung von Kredit mit Vertrauen. In der Krise ist über das kaputtgegangene Kreditgeschäft jedoch nicht einfach eine Blase auf ihre Normalform geschrumpft, sondern ihre Geschäftsgrundlage ist weg gebrochen.
Es kann also gar nicht das Vertrauen sein, das im fallierten Geschäft kaputtgegangen ist. Wenn gesagt wird, der Staat soll jetzt für Vertrauen sorgen, auf der Grundlage, dass die Geschäftssphäre das gar nicht mehr her gibt, ist doch etwas ganz anderes gefragt. Jetzt gibt es die Forderungen, der Staat solle das aufgeblähte Kreditgeschäft bereinigen, auf ein normales Maß zusammenstutzen, also das Ideal, die Spekulation auf ihr gesundes Normalmaß zu bringen. Die Wahrheit ist, wenn der Staat das Vertrauen in das kaputtgegangene Geschäft ersetzt, setzt er die Spekulation wieder ins Recht. Also von wegen, sie sei jetzt zu Ende, weil sie sich als ein einziger Fehler erwiesen habe.
Nur darf man nicht dagegen, dass jetzt die Wirtschaft am mangelnden Vertrauen leide, sagen, es wäre nicht so.
 — Die Schwäche am Argument Vertrauenskrise ist, dass es kein Argument enthält, warum das Vertrauen jetzt fehlt. Der Witz dabei ist, dass dabei die Notwendigkeit des Umschlagens vom Zirkel des Vertrauens in den Zirkel des Misstrauens weggedacht wird. Die Notwendigkeit liegt darin, dass auf der einen Seite das Vertrauen – als ökonomische Kategorie – selbst Geschäftsmittel ist. Die Banker vergleichen ständig ihre (fiktiven) Werte, die Tauglichkeit der Schulden, die sie in Kapital verwandeln, misstrauen ihren eigenen Produkten, ob sie im Vergleich mit anderen standhalten. Die Notwendigkeit zum Umschlag ins Misstrauen kommt aus dem, was das Gewerbe selbst ständig ökonomisch rumrechnet.
Es wird schon so sein, dass die Krise zufällig an irgendeiner Stelle losgeht, dass sich die mit ihren Krediterwartungen aufeinander bezogenen Geschäftsleute an irgendeiner Ecke anfangen zu misstrauen. Aber das hat jetzt zu einer Verallgemeinerung geführt, zum Ende aller auf Vertrauen beruhenden Kreditgewährung der Banken untereinander. Jetzt ist der Staat als außerhalb dieser ökonomischen Sphäre stehende Institution gefragt, um Vertrauen in den Fortgang genau der Spekulation zu schaffen, die gerade aufgeflogen ist, und das gleich auf Kosten aller anderen Sphären. Die ganze Gesellschaft wird für die Rettung der Spekulation per staatlicher Vertrauensstiftung eingespannt.
 — Zu dem Punkt, woher die Selbstverständlichkeit kommt, dass es auf das Vertrauen so schwer ankommt. Es ist doch so, dass die staatliche Garantie, der eingerichtete Anspruch auf Wachstum und die Gewissheit, dass die Geschäfte laufen, so eine Selbstverständlichkeit sind, dass man auch selbstverständlich darauf vertrauen kann, dass jeder Kredit und die Geschäfte, die man damit macht, mehr einbringen. Es existiert kein Gedanke daran, dass es einmal nicht klappt, oder wie der wirkliche Verwertungsprozess zustande kommt.
 — Vertrauen ist der Inhalt des Geschäfts. Wenn die Bank keinen Kredit gibt, macht sie kein Geschäft. Da braucht man nicht getrennt nach Vertrauen fragen, denn sie hat ihr Bereicherungsinteresse und Produkte, die so funktionieren. Die Grundlage des Bankgeschäfts ist doch, dass eben die ganze Gesellschaft und die Produktion auf Geldvermehrung eingerichtet sind, und dass alles letzterer dient.
Es geht hier um den ökonomischen Inhalt des Vertrauens, das Setzen darauf, sich per Kredit am Erfolg anderer zu beteiligen, in der Vorwegnahme des erwarteten Erfolgs, und nicht um eine psychologische Art von Vertrauen. Wenn jemand einem anderen einen Kredit gibt, vertraut er darauf, dass der das Geld vermehrt und er es mit Zins und Tilgung zurückbekommt. Das ist bei allen Krediten so, sogar bei den höchsten Spekulationen.
 — Der Erfolg einer Bank besteht doch darin, dass die Bank immer liquide ist, um alle eingehenden Forderungen bedienen zu können. Wenn sich die Banken dafür aber nicht mehr wechselseitig Kredite zur Verfügung stellen, ist es ein Hinweis darauf, dass die Geschäfte nicht so gelungen sind und es deswegen an Vertrauen mangelt.
Wenn Banken ihre Zahlungsverpflichtungen zu einem bestimmten Termin nicht mehr erfüllen können, haben sie von Institutionen ihresgleichen keinen Kredit mehr bekommen und sind illiquide, nicht mehr kreditwürdig.
Wenn der Staat sich den Appell an ihn, Vertrauen zu schaffen, zu Herzen nimmt, setzt er seinen Kredit dafür ein, die Geschäfte der Banken auf der Grundlage, dass diese sich wechselseitig in ihrer Zahlungsfähigkeit misstrauen, durch neuen Geldzufluss wieder in Gang zu setzen. Das ist keine Sache des Vertrauens, ob es wirkt, hängt davon ab, ob sich diejenigen, die diesen Staatskredit nehmen, wieder Geschäfte damit ausrechnen. Man sollte hier nicht von Vertrauen in so unökonomischer Weise reden.
 — Man kann aber nicht sagen: Es ist keine Sache des Vertrauens, sondern dass wieder Geschäfte gemacht werden. Der Staat tut jetzt so, als könne er das Misstrauen zusammen mit den Schrott-Papieren aufkaufen, indem er sagt: Ihr seid jetzt mit Mitteln ausgestattet, dass es sich wieder lohnt, wechselseitig auf euch zu spekulieren. Ich garantiere die Kreditwürdigkeit der Banken, bin die letzte Instanz dafür und damit soll wieder der Kreislauf des aufeinander Spekulierens in Gang gesetzt werden.
Dabei lässt er sich auf die Rechnungsweise der Finanzwelt ein. Deshalb weiß er auch nicht, wie viel er einsetzen muss – ob die 700 Mrd. ausreichen –, weil es die Banken selbst sind, die dieses Geld positiv aufnehmen und wieder Geschäfte machen sollen.
Wenn der Staat für den kaputtgegangenen Kredit, die Verweigerung der Banken, sich wechselseitig die für die Liquidität notwendige Zahlungsfähigkeit zu leihen, eintritt, ist zum Einen das, was das Geschäft wieder in Gang setzen soll, nicht das Vertrauen in das nicht mehr vorhandene Geschäft, sondern das Vertrauen in ihn. Zum Anderen hängt die Wirksamkeit dieser Vertrauensstiftung nicht an ihm. Er, der per Staatskredit den Schein eines Ersatzes für das kaputte Kreditgeschäft verbürgt, muss darauf setzen, dass es bei denen, die die Staatsbürgschaft bekommen, wieder eine Kalkulation auf neue Geschäfte bewirkt.
 — Bei diesen Staatseingriffen, Teilverstaatlichungen etc. wird darauf gesetzt, dass die Märkte wieder Vertrauen schaffen, Geschäfte in Gang kommen. Das Rettungsprogramm soll die weitere Entwertung verhindern. Da ist man gar nicht an dem Punkt des Wiederanleierns, sondern beim Verhindern eines Zusammenbruchs des ganzen Finanzsystems.
 — Das ist eine schwierige Unterscheidung, einmal nur negativ dem weiteren Verfall eine Grenze zu ziehen, oder positiv die Spekulation wieder losgehen zu lassen. Der Versuch, der Entwertung eine Grenze einzuziehen, muss zusammengehen mit dem Neulosgehen der Spekulation.
Wenn der Staat das Finanzsystem retten will, muss er sich auf dessen Gepflogenheiten beziehen. Er kann nicht einfach per Gesetz beschließen, dass alles wieder in Ordnung kommt. Deshalb spielt das Wiederherstellen des Vertrauens diese große Rolle. Das Andere ist, dass wir diese Notwendigkeit, wieder Vertrauen zu schaffen, doch nicht für richtig erklären, vielmehr den Wahnwitz aufzeigen wollen, dass in der Ökonomie diese Kategorien eine Rolle spielen, der Arbeitsplatz von VW-Arbeitern vom Vertrauen eines Spekulanten auf weiteres Geschäft abhängt.
— Was der Staat probiert, ist nicht identisch damit, dass es auch gelingt. Jetzt haben wir es damit zu tun, dass der Staat seine Finanzmacht als Garantie hinter die gefährdeten Banken stellt. Er verhindert den Vollzug des Minus, den Bankrott. Er macht das in der Hoffnung darauf, dass es wieder losgeht.
Die Härte bei der Vertrauensstiftung des Staates ist seine Akkommodation an das Geschäft, dessen Misslingen er gerade feststellt. Die staatliche Stützung ist eine Spekulation auf den neuen Erfolg der Spekulation dieser Sphäre, was die Politiker so ausdrücken: Jetzt muss eingegriffen werden, hinterher machen wir neue Regeln für das Schiefgelaufene, zunächst geht es erst aber darum, die kaputtgegangene Freiheit der Spekulation in der Finanzsphäre per staatlicher Verhinderung des Bankrotts wieder in Gang zu setzen.
An den staatlichen Maßnahmen, die jetzt gebündelt vorliegen, erkennt man den eigentlichen Rettungsinhalt. Was soll die Einlagengarantie für den normalen Sparer bezwecken?
 — Der Staat probiert eine Trennung in der Entwertung zu bekommen, die soll nicht das Geld der Sparer betreffen im Unterschied zum sonstigen Geld der Bank. Die Bank unterwirft alle Umlaufmittel ihrem Kreditgeschäft, damit steht Entwertung an. Da versucht der Staat eine Trennung in verschiedene Sorten von Geldern zu machen.
Diese Staatsgarantie hat nichts mit der Sicherung der Gelder für die betroffenen Sparer zu tun, vielmehr geht es darum, eine Hysterie der Sparer zu vermeiden. Denn wenn die Leute ihre paar Groschen abheben, erweist sich eine Bank als zahlungsunfähig, weil sie Einlagen in Geschäfte anderer Art eingegangen ist. Zudem erweist sich, auch wenn die Bank die Gelder in andere Geschäfte gesteckt hat, dass sie mit den Spareinlagen so etwas wie eine Glaubwürdigkeit ihrer Geschäftsgrundlage vorweisen kann, die solider sein soll als die dubiosen Kreditgeschäfte, in denen sie sich längst von ihresgleichen abhängig gemacht hat. Dem Staat fällt dabei nicht zufällig ein, eine Einlagensicherungsgarantie auszusprechen.
 — Noch einmal zur Trennung: Die Bank betrachtet alle Gelder, über die sie verfügt, als Ihre und verwendet sie jetzt für ihre Situation in der Krise. Der Staat will da eine Trennung machen. Diese 20 000 (od. 50 0000) sollen der Entwertung entzogen werden. Der Staat will, dass diese Gelder dem Bankkapital als Grundlage für sein Bankgeschäft erhalten bleiben.
 — Aber auch diese Gelder sind längst anderweitig verwendet und nicht mehr da.
 — Es ist eben umgekehrt eine Staatsgarantie für die Banken, der Staat sorgt dafür, dass den Banken die Geschäftsquelle aus den normalen Einlagen nicht entzogen wird. Die Banken entziehen sich wechselseitig das Vertrauen, der Staat sorgt dafür, dass die Bürger vertrauen.
 — Der Staat bekräftigt das Prinzip, gerade wenn klar wird, dass die Einlagen nur Mittel sind fürs Spekulationsgeschäft, dass sie als solche weiter zu funktionieren haben.
 — Der gesamte Zahlungsverkehr der Gesellschaft läuft über die Banken, deshalb haben sie noch ganz andere Sorgen dabei. Weil Zahlungsunfähigkeit von Banken bedeutet, was immer Leute im gesellschaftlichen Stoffwechsel mit Geld anstellen, geht dann nicht mehr. Der Staat beabsichtigt also mit der Garantie, dass überhaupt das normale Kaufen und Verkaufen weitergeht. Die Diskussionen der letzten Wochen haben den Leuten eben zu denken gegeben, weg von dem: das Geld auf dem Sparbuch ist so gut wie das Geld in der Hosentasche. Die staatliche Garantie soll heißen: Nein, da ist kein Unterschied, also verhaltet euch nicht kontraproduktiv.
 — Wenn bei den Banken der gesellschaftliche Zahlungsverkehr verallgemeinert ist, ist es eine selbstverständliche Wirkung, dass er, wenn das Bankensystem kracht, nicht mehr klappt. Die Einlagen der Leute werden als Mittel für das Kreditsystem weiter notwendig gebraucht. Dass diese Funktion substanziell nicht angerührt wird, dafür gibt es dieses politische Versprechen, das eh keine Rechtsgarantie ist.
 — Es gibt die Ideologie, gerade die Benutzung der kleinen Zirkulation durch die Banken wäre eine deutsche Spezialität, die besondere Solidität verbürge. Dagegen ist festzuhalten, dass diese Einbeziehung von Sparkonten von den Geschäften des fiktiven Kapitals aus gesehen ein Mittel wie alles andere ist.
Die kleine Zirkulation ist verplant und hängt daher davon ab, ob das Bankgeschäft, das u.a. auch damit seine Spekulationsgeschäfte macht, klappt. Anders herum kommt in der Krise als letzter Offenbarungsbeweis heraus, wenn massenhaft Menschen wie 1929 den Banken die Schalter einrennen, ist das der Vollzug des Bankrotts, womit der letzte Schein, die Bank hätte in den von ihr verwalteten Einlagen ihre Sicherheiten, auffliegt.
 —Der Ansturm der Kleinanleger in die Schalterhalle passiert ja nicht, weil die Bank nicht mehr genügend Geldscheine hat, sondern deshalb, weil die Grundlüge des Bankensystems – wie viel auch immer bei einer Bank eingelegt ist, es ist wie bares Geld, jederzeit von jedermann abhebbar – nicht mehr geglaubt wird. Damit geht das Geschäft nicht mehr.
 — Vielleicht ist es ein Gerangel um Worte, aber was Du mit ‚Lüge’ bezeichnest, ist der Widerspruch, den die Bank sich mit der Tatsache einhandelt, dass sie die Spareinlagen der Normal-Einleger für ihr Geschäft hernimmt. Damit geht sie so um, dass es für Sparkonten bestimmte Kündigungsfristen gibt, für Girokonten bestimmte Höchstbeträge, die man pro Woche abheben darf und andere Bestimmungen, die ihr erlauben, diese Konten ihrem eigentlichen Zweck, dem Kreditgeschäft, zuzuführen. Das Prinzip ist also eine Spekulation der Bank auf die dauernde Verfügbarkeit über diese Konten.
In der Krise sind alle Banken, die sich bisher wechselseitig ihre Zahlungsfähigkeit garantiert haben, der Zahlungsunfähigkeit überführt, auch wenn aufgeregte Sparer ihre Konten auflösen wollen, sie dadurch die Banken zu dem Beweis nötigen, dass diese nicht mehr in der Lage sind, die Zahlung auch für diese Abteilung zu leisten. Also verhindert der Staat mit seinem Garantieversprechen an die normale Menschheit hinsichtlich der Sicherheit ihrer Konten, dass die Banken ihren Bankrott offenbaren müssen, was bisher auch gelungen ist, die befürchtete Hysterie damit ausblieb.
Der Staat hat zu seinen Untertanen, den Kleinanlegern, ein reines Mittelverhältnis. Das staatliche „habt Vertrauen!“ ist der Anspruch an die Leute, ihrer Funktion gerecht zu werden und in diesem Sinne ihr Geld auf der Bank zu lassen, also dafür zu sorgen, den Banken die Grundlage für den ganzen über sie laufenden gesellschaftlichen Zahlungsverkehr, und für ihre anderen Dienste zu erhalten. Die kleine Zirkulation ist für die Geschäfte der Banken verplant, die Garantie für die Konten der ‚kleinen Sparer’ gilt also einem Mittel des Bankgeschäfts.
Was staatlicherseits als ein Akt der Vertrauensstiftung und damit als ein Hebel für die Bankgeschäfte gedacht ist, offenbart andererseits auch, dass die Garantie der Banken für ihre Einlagen, wenn der Staat sie ersetzt, nicht mehr sonderlich viel taugt. Die Wirkung dieser Maßnahme, einen Teil des Vertrauens in die Bankenwelt wieder herzustellen, ist nicht absehbar. Die nächste Maßnahme, Liquiditätsstiftung für die Banken, geht von der grundfalschen, aber staatssachgerechten Einschätzung aus, Banken würden sich wegen zu geringer Liquidität wechselseitig nichts mehr leihen, womit diesem Problem durch staatliche Liquiditätsstiftung beizukommen wäre, die Banken sich dann wieder gegenseitig Kredite gewähren würden und sich somit als zahlungsfähig erwiesen. Auf diese Weise sollen sich die Banken wieder wechselseitig die Kredite gewähren, die es ihnen erlauben, sich jederzeit als zahlungsfähig zu erweisen. Was ist der Haken daran?
 — Der Staat abstrahiert doch davon, dass Liquidität das Resultat gelungener Spekulationsgeschäfte der Banken ist. Jetzt gibt es die Liquidität nicht mehr, weil diese Geschäfte nicht aufgegangen sind und der Kredit geplatzt ist. Jetzt versucht der Staat, mit seiner Garantie die geplatzten Geschäfte zu ersetzen, indem er Liquidität stiftet.
Beim Definieren seines Geldwesens, auf dem der ganze Laden beruht, zeigt sich ebenso wie beim Kredit schöpfen die Macht des Staates, bei anderen Maßnahmen wie der Übernahme von Bürgschaften oder der Verstaatlichung von Banken zeigt sich seine Ohnmacht, das Ergebnis dieser Maßnahmen betreffend, das davon abhängt, dass die Wirtschaftssubjekte mit ihren Geschäften wieder loslegen.
Stiftung von Liquidität hat offensichtlich nicht konstatiert, dass sich die Banken wechselseitig keinen Kredit mehr gewähren, weil sie voneinander wissen, dass sie längst nicht mehr kreditwürdig sind. Es fehlt also nicht an Geldern, die der Staat per Geldhoheit in die Bankenwelt einschleust, damit dieses wechselseitige Vertrauen in die Solidität der Banken zwischen ihresgleichen wieder einkehrt. De facto stiftet er Material für neue Spekulationsgeschäfte – allerdings in einer Situation, in der vor lauter geplatzten Krediten das Vertrauen der Banken untereinander überhaupt nicht vorhanden ist.
Wenn der Staat unter dem Titel ‚Verstaatlichung’ mittlerweile selbst Anteile des Aktienkapitals von Banken übernimmt, also seine ökonomische Potenz als Schöpfer des nationalen Kredits in Anschlag bringt – worauf setzt dann diese Sorte staatlichen Eingreifens?
 — Die ganze Aktion hat einen ziemlich methodischen Charakter: Der Staat kauft Aktien ein und will, dass das auf dem Markt nachvollzogen wird, das Kaufen und Verkaufen so wieder in Gang kommt.
 — Die Banken verfügen durch den Kauf von Aktien durch den Staat wieder über Kapital, also deren Eigenkapital wird erhöht.
 — Das Absurde an dieser Sorte von staatlichem Eingreifen ist doch, dass er offensichtlich so scharf auf den Dienst der freien Kreditvergabe ist, von der die Geschäfte in seiner Gesellschaft abhängig sind, dass wenn diese Sphäre ihren Dienst nicht mehr leistet, er einspringen und – in welcher Form und mit welchen Maßnahmen auch immer – den Kreditfluss wieder zum Laufen bringen will. Der Staat sieht sich also als Garant des Gelingens dieser Sphäre.
Er setzt darauf, als Staat, der sich hinter die entwerteten Bankgeschäfte stellt, eine Garantie auf einer ganz anderen Grundlage geben zu können. Der Erfolg dieses Eingriffes hängt jedoch nicht von ihm ab, egal ob er faule Kredite aus der Bilanz einer Bank übernimmt, oder ob er ihr zugesteht, neue Aktien aufzulegen, diese an ihn zu verkaufen und somit einer Bank zu neuem Kredit zu verhelfen. Bei den Maßnahmen, die der Staat zur Bremsung der Entwertung vorgenommen hat, gibt es eine Stufenfolge. War es anfangs nur eine einzelne Bank, die gerettet wurde, gibt es mittlerweile den Übergang zum Systemischen – das ganze Bankensystem muss einer wie auch immer ökonomisch gestalteten Staatsgarantie unterzogen werden. Der Erfolg hängt natürlich davon ab, ob die Banken sich wieder gegenseitig kreditieren, darüber ihre Liquidität stiften dann auch wieder ihren Dienst für die reale Ökonomie leisten können. Der staatliche Umgang ist ein einziges Bekenntnis, dass die Sphäre des fiktiven Kapitals dazu selbstständig nicht mehr in der Lage ist.
 — Wo also die Kreditfähigkeit der Banken an ihre Grenzen stößt, springt der Staat mit seiner unbegrenzten Verschuldungsfähigkeit ein, die er qua Geldhoheit hat?
 — Das sind doch alles Fortschritte im Handeln des Staates – erst behandelt er die Ereignisse auf dem Finanzsektor als Liquiditätsproblem, dann übernimmt er die wertlosen Wertpapierpakete, damit die Banken ihre Bilanzen ‚glattstellen’ können, schließlich macht er den Übergang auf eine teilweise oder sonst wie geartete Verstaatlichung. Es ist nicht passend angemessen, dieses staatliche Agieren zu kennzeichnen mit ‚da steht unbegrenzte Verschuldungsfähigkeit dahinter’, sondern dessen Prinzip ist, dass der Staat versucht, gemäß dessen eigener Logik dieses Geschäft wieder anzukurbeln; Liquidität z. B. wird normalerweise in den Finanzsektor hineingepumpt, damit Vermehrung stattfindet, jetzt soll die gleiche Aktion dazu dienen, die Entwertung zu beenden.
Das hineingepumpte Geld entwertet sich doch nur dann nicht, wenn es sich verwertet. Der Staat richtet sich im Umgang mit der Finanzkrise und deren Subjekten durchaus nach deren ökonomischen Rechenweisen, die er wieder in Gang setzen will. Es ist nicht einfach damit getan, dass er sich zum Garanten des Fortgangs von kaputt gegangenem Geschäft macht. Deswegen vollzieht er bei dieser Sorte von Stützung des wertlos gewordenen Finanzgeschäfts durchaus ein Stück fällig gewordener Entwertung. Er hält nicht einfach alles in Wert, damit das Geschäft wieder losgeht, es stellt sich vielmehr heraus, dass Einiges an Geschäft abzuschreiben ist, das Volumen der Banken hinterher bescheidener aussieht als vorher.
 — Das ist doch die Schwäche der Ausdrucksweise ‚er ersetzt begrenzten Geschäftskredit durch unbegrenzte Zahlungsfähigkeit’, denn den Ersatz will er ja gerade nicht. Würde er das machen, würde er das Kredit-Problem mit einem Schlag lösen, nur die Folge wäre, dass er das Geschäft, so wie es läuft, seiner Logik berauben würde – das Geschäft wäre keins mehr. Deswegen schafft er mit seiner unbegrenzten Zahlungsfähigkeit eine Garantie, ohne diese Zahlungsfähigkeit direkt ins Geschäft zu pumpen. Das ist die Logik der Garantie: das Bürgen dafür, dass das Geschäft wieder läuft und das ist eben was anderes als der Ersatz von begrenzter Kreditfähigkeit durch unbegrenzten Kredit.
 — Die staatlichen Versuche, das Geschäft nach dessen eigenen Gesetzmäßigkeiten wieder in Gang zu bringen, enthalten immer den Widerspruch: Er setzt ein bestimmtes Maß an Entwertung durch, gerade weil er die vollständige Entwertung nicht zulassen will – das gleiche gilt für die anderen staatlichen Maßnahmen, z. B. wenn er wertlose Papiere aufkauft, um das Spekulationsgeschäft wieder flott zu bekommen.
 — An dieser Stelle tritt er als Garant für das Gelingen des Geschäfts auf, aber er ersetzt es nicht.
 — Und der Zusammenhang ist dann doch der, dass er mit seiner unbegrenzten Zahlungsfähigkeit auftreten muss, damit er die Zahlungsfähigkeit, die sich gerade als beschränkt erwiesen hat, garantieren kann.
Wenn der Staat sich hinter die fallierende Finanzsphäre stellt mit dem Nachweis, etwas anderes zu sein als diese ökonomisch vergeigten Subjekte, steht nicht einfach nur der kaputt gegangene Kredit zur Überprüfung an, sondern seine Geldhoheit .
Wie der Staat durch sein Eingreifen in die Finanzkrise ein Stück Sortierung zwischen endgültig abgeschriebener und in Erwartung auf neue Geschäfte ins Recht gesetzter Spekulation vornimmt, ist zu unterscheiden. Das macht er nicht vom Gesichtspunkt aus, irgend etwas entwerten zu wollen, aber faktisch entwertet er einen großen Teil des Kreditgeschäfts, ohne garantieren zu können, dass es nachher wieder losgeht. Selbst die Entwertung hat er ja nicht in der Hand.