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Jour fixe vom 15.9.08

Zum Kredit, Fortsetzung mit dem Stichwort Liquidität

Zunächst eine Erinnerung an eine Unterscheidung, die dann wieder im Kriterium der Liquidität, unter dem die Banken stehen, praktisch ausgelöscht wird: Geld als Zirkulationsmittel ist die eine Sache. In der kleinen Zirkulation fungiert dabei normalerweise das gesetzliche Zahlungsmittel. Geld als Zirkulationsmittel zwischen den Kapitalisten kann ersetzt werden, weil es hier nur der kurzfristige Stellvertreter des noch nicht realisierten Warenwerts ist. Der Kapitalist will sein Geld ja nicht aufheben, es vielmehr sofort wieder für einen neuen Kapitalumschlag verwenden, es am liebsten schon, bevor es da ist, neu in den Fortgang seines Geschäftes investieren. Als Ersatz für seine Warenform kann es als Symbol seiner selbst ersetzt werden, früher in der Form des kommerziellen Kredits als Zahlungsversprechen, das mit seiner Einlösung verschwindet.
Banken lassen in großem Stil Geld als Zirkulationsmittel fungieren, ohne dass dafür ein vorhandener Wert nötig wäre, verwenden Zahlungsversprechen zur Abwicklung von Geschäften, die wieder verschwinden, wenn diese gelaufen sind. Sie bewerkstelligen den gesellschaftlichen Händewechsel der Warenwelt durch Symbole gezahlten Geldes, noch dazu in der lockeren Weise, Zahlungsversprechen gegeneinander zu verrechnen. Eine Bank wickelt den Zahlungsverkehr ab, indem sie Überweisungen tätigt, ohne irgendein Geld hin und her zu schicken, verrechnet die Zahlungsanweisungen, die sie ausgibt, gegen solche, die sie hereinbekommt. Hier ist die Notwendigkeit der Liquidität, einen Restposten an wirklichem Geld zu haben, nur nötig, um die Differenz solcher Zahlungsversprechen auszugleichen. Die Warenzirkulation findet statt mittels Geldzeichen, die die Bank mit ihren Buchungen abwickelt. Ein großes Volumen an Warenwert wird realisiert, das sich nicht in wirklichem Geld, sondern in Symbolen für empfangenes Geld niederschlägt, das gleich wieder ein nächstes Tauschgeschäft bewerkstelligen, gegen eine andere Schuld verrechnet werden soll. Liquidität braucht es nur als Sicherheit zur Vorbeugung von Zahlungsausfällen. Die Ersetzbarkeit des Geldes als Zirkulationsmittel durch Buchungsakte ist also eine Sache.
Eine ganz andere ist das Leihkapital, bei dem es um die Potenz des Geldes geht, sich zu vermehren, um die Verwandlung von Geldsummen in Geldkapital, das die „Eigenschaft“ bekommt, einen Zins zu erlösen. Geld vermittelt hier nicht mehr den Händewechsel der Waren, vielmehr wird seine kapitalistische Potenz selbst zum Handelsartikel der Banken nach den beiden Seiten: Gegen Zins Geld der Gesellschaft an sich zu ziehen und dieses damit zu Geldkapital zu machen – was auch fürs Sparbuch gilt – und andererseits Geld als Ware zu verkaufen, nämlich die Potenz des Geldes, mehr zu werden. Das Eigentum an diesem Geld bleibt bei ihr bzw. bei ihren Gläubigern. Mit der Bestimmung sich zu vermehren wird Geld zur Ware.
In diesem Zusammenhang sei an das 4. Kapitel des KI und das 24. Kapitel des KIII erinnert. In KI macht Marx das Rätsel auf, dass Kapitalisten mit Geld wirtschaften und am Ende mehr heraus kommt dabei. Die Quelle neuen Eigentums muss Ausbeutung sein. Im dritten Band, der übers Kreditwesen geht, kommt Marx darauf zurück, dass der ganze Kapitalismus, wenn die Ausbeutung erst einmal stattgefunden hat, auf die banale Formel zurückfällt, Geld hätte quasi die Natureigenschaft, mehr zu werden. Die ganze Welt der Ausbeutung ist eingeschlossen und abgehakt in dieser Formel des Geldkapitals. Die Potenz des Geldes, sich zu vermehren, ist kein verrücktes Ideal mehr, sondern Realität darin, dass diese Potenz zum Handelsartikel der Banken wird. Dabei spielt zunächst die Liquidität keine Rolle. Es kommt darauf an, dass die Vermehrung stattfindet. Die im Leihgeschäft unterstellte Potenz, es läge nur am Geld, dass dieses mehr wird, ist eine Fiktion, die die Banken zu ihrem Handelsartikel machen. Das Spekulative des Bankgeschäfts liegt darin, dass es sich praktisch über die gelungene Ausbeutung und die Realisierung seines Warenwertes hinwegsetzt.
Sobald Geld als Kapital fungiert, findet als Erstes ein banaler Kaufakt (der erforderlichen Elemente der Ausbeutung) statt, das Geld wird als Zirkulationsmittel verwendet; umgekehrt steht der Verkauf der Ware gegen Geld, wenn es als Kapital eingesetzt wird, am Anfang und am Ende der Zirkulation. Der Kunstgriff der Bank besteht darin, die Chance, Geld als Zirkulationsmittel durch Zahlungsversprechen zu ersetzen, produktiv zu machen für den Gebrauch des Geldes als Kapital. Das Bankgeschäft kombiniert den Dienst, für die Gesellschaft den Geldverkehr abzuwickeln, mit der Verwendung desselben Geldes als Handelsartikel für das Geldkapitalgeschäft. Es nutzt alle wirklichen Operationen mit Geld und der Möglichkeit, dieses zu ersetzen, aus, um aus Geld Geldkapital zu machen.
Im fertigen Kapitalismus ist auch die kleine Zirkulation ein Bestandteil der Kapitalzirkulation. Marx nennt dies nicht umsonst variables Kapital.
Ob das Geschäft der Banken mit Geld als Geldkapital gelingt oder nicht, ist einerseits eine Frage dessen, was die Schuldner damit anstellen, andererseits muss sie trotz Aufblähung des Geschäfts ihren täglich anfallenden Zahlungsverpflichtungen gerecht werden können. Mit der Verwendung des Geldes als Leihkapital ist die Notwendigkeit der Liquidität für die Bank verschärft, weil sie all das Geld verleiht, das gleichzeitig Zirkulationsfunktion verrichtet. Über das Gelingen und den Fortgang des Bankgeschäfts entscheidet praktisch das Kriterium der Liquidität. Die Bank muss in jeder Geschäftslage über die nötigen Eingänge bzw. Summen verfügen, um alle an sie gestellten Zahlungsanforderungen, für die sie haftet, begleichen zu können. Alle Differenzen, die sich für eine Bank ergeben, sind allemal abzuwickeln über Konten, die sie als Bank bei anderen Banken unterhält. Das Kriterium der Liquidität ist damit das praktische Kriterium für das Gelingen des Bankgeschäfts insgesamt.
 — Ist es ein besonderes Problem der Banken, dass deren Geschäftserfolg von ihrer Liquidität abhängt?
Auch im „normalen“ Geschäftsleben kommt es darauf an, dass rechtzeitig genügend Geld erlöst wird. Grundlage hierfür ist der Verkauf einer Ware. Das Geschäftsmittel der Bank ist dagegen keine Ware, die sie verkauft, sondern fremdes Geld. Ob mit dem fremden Geld das Geschäft gelingt, zeigt sich darin, ob die Bank dem Eigentümer dieses Geldes gegenüber für dessen Eigentum gerade stehen kann.
 — Die Bank lässt das Geld, wie bereits erwähnt, doppelt fungieren. Sie kann für diese doppelte Funktion gerade stehen und beweist dies, dass sie an allen Stellen, an denen Zahlung gefragt ist, diese auch leisten kann.
 — Also hängt davon auch das Gelingen ab. Das bei den Banken eingezahlte Geld ist ja nicht von vorneherein erfolgreiches Mittel als Leihkapital, sondern es ist ein zweites Geschäft, das die Bank damit macht. Umgekehrt ist vom Gelingen dieses zweiten Geschäfts abhängig, ob die Bank für die anderen alltäglichen Bankgeschäfte liquide ist.
Formell ist Liquidität das Erfolgskriterium der Bank. Allen Eigentümern gegenüber macht sich die Bank anheischig, das Eigentum einschließlich seiner Verwendung und Vermehrung zu garantieren. Beide Ansprüche von Geldeigentümern muss die Bank erfüllen können. Materiell liegt dem etwas anderes zugrunde, nämlich dass die angezettelten Leihgeschäfte auch tatsächlich gelingen, dass also die Potenz, mehr zu werden, kein leeres Versprechen des Schuldners an die Bank bleibt. Die Quelle der Liquidität ist das Gelingen ihres Leihgeschäftes.
Diese Liquidität wird täglich im Geschäftsverkehr der Banken untereinander gefordert. Die Banken treiben so miteinander ihr Geschäft, dass sie davon aus gehen, dass ihre Schuldscheine, Überweisungen, Schecks, elektronischen Buchungen … so gut sind wie hereinfließendes Geld, nämlich Zahlungsversprechen, die jede Empfänger-Bank gegen eigene Zahlungspflichten verrechnen kann. Die Banken gehen untereinander davon aus, dass empfangene und gegebene Zahlungsversprechen einander gleichwertig sind, so dass sie sich ausgleichen können.
Dem liegt das wechselseitige Vertrauen der Banken zu Grunde, dass nicht einfach auf die Technik des Ausgleichs Verlass ist, sondern dass dabei die andere Bank wirklich zahlungsfähig ist und bleibt. Dass sie also an der gesellschaftlich stattfindenden Ausbeutung materiell partizipiert, das bleibt die materielle Grundlage dafür, dass eine Bank überhaupt ihr Geschäft dauerhaft vollziehen kann. Das stellt sich aber nicht dar in einer dauerhaften Überprüfung, wie gut deren Schuldner sind. Wenn das stattfindet, dann ist der Zweifel schon da. Dazu darf es gar nicht kommen, deswegen kommt alles darauf an, dass eine Bank nie in Zahlungsverlegenheit gerät.
Das Mittel dafür ist nicht ein großer Vorrat an Liquidität im dinglichen Sinn. Das würde ihr Geschäft ja zunichte machen, wenn sie faktisch in der Lage wäre, alle an sie gestellten Forderungen buchstäblich mit aufbewahrtem Geld aufzukaufen. Die eigentliche Garantie für ihre Liquidität liegt darin, dass sie in jedem Zweifelsfalle bei Ihresgleichen Kredit hat, dass sie da die nötigen Mittel abholen kann, die sie akut braucht, um Eigentümer und Gläubiger zu bedienen. Sich verschulden zu können, aber nach Bedarf Ihresgleichen als Gläubiger zu finden, ist die eigentliche Liquiditätsgarantie.
 — Die Quelle der Liquidität ist die Abteilung Leihkapital. Aber das Problem der Liquidität kommt aus der Zirkulation des Geldes?
An der Stelle kommt es auch auf die Bank zu. Es ist ja immer ein Stück des Zahlungsverkehrs, wenn jemand als Gläubiger der Bank von ihr eine Zahlung haben will, sei es, weil er etwas abhebt, sei es, dass von seinem Vermögen eine Zahlung erfolgt.
 — So gesehen ist auch ein nicht gelingender Rückfluss eines verliehenen Kapitals, wo der Leiher der Bank Zinsen zahlen müsste, eine Störung der Liquidität.
Ja, es fehlen ihr u. U. die Mittel, mit denen sie wirtschaftet. Die Probleme der Bank stammen nicht aus dem Zahlungsverkehr. Klar kann man sagen, in diesen Zahlungen auf fremde Rechnung steckt auch ein gewisses Risiko und es enthält auch vielleicht ein gewisses spekulatives Moment, wenn Banken einander gegenübertreten und ihren Geschäftsverkehr untereinander ohne Geld, bargeldlos regeln. Die Unterstellung, das ginge doch locker auf, hat selbst auch schon etwas Spekulatives. Aber das betrifft nur die zeitliche Verteilung von ein- und ausgehenden Zahlungen. Die Schönheit des Bankgeschäfts fängt damit an, dass dasselbe Geld den Dienst tut, Wachstum zu bewerkstelligen, das die Bank bereichert, gerade indem es von einem Kapitalisten zum andern zirkuliert. Und indem sie sich bereichert, bereichert sie dann auch – in ihrer Doppelfunktion – ihre Gläubiger. Ihre Funktion als Zirkulationsagent beruht also materiell darauf, dass das Geld, das sie zirkulieren lässt, tatsächlich auch den Dienst tut, mehr zu werden, den sie vorab wie ein Faktum verbucht.
Aber die Form, in der sich das darstellt, das Kriterium, unter dem das ganze Bankgeschäft steht, heißt banal: Kann sie denn immer, wenn es gewünscht wird, ihren Einlegern und Gläubigern zahlen, was sie brauchen, kann sie für sie die fälligen Zahlungen auch abwickeln.
 — Es ist einerseits auf der Ebene der Liquidität so begriffslos, da völlig verschiedene Funktionen des Geldes – Einzahlungen und als Kredit fungierendes Geld – gleichgesetzt werden. Das ist dann aber auch die ökonomische Realität der Bank, für die das nur noch als Zahlungsproblem auftaucht, weil sie dafür gerade steht, dass das Verhältnis nach jeder Seite aufgeht.
Das 'nur noch' hat es in sich, weil darüber, dass sie liquide bleibt, läuft aller Kapitalumschlag in der Gesellschaft. Sie wickelt das ab. Wenn das zusammenbricht, dann schauen all die Leute, die über diese Bank ihre Zahlungsgeschäfte abgewickelt haben, erst mal in die Röhre.
 — Gesagt wurde, materiell hängt das Aufgehen des Geschäfts der Bank davon ab, ob und inwieweit die Geschäfte gelingen, die sie mit dem Leihkapital angestoßen hat; aber überprüft wird die Solidität des Bankgeschäfts an dem Kriterium der Liquidität. Wieso aber? Wenn die Geschäfte nicht aufgehen, dann ist doch in der (fehlenden) Liquidität so etwas wie eine Bilanz der Bank drin.
So war es nicht gemeint. Das Fungieren des Geldes als Leihkapital schließt immer die Zirkulationsfunktion ein, als deren Agent die Bank tätig ist. Insofern kann man auch sagen, dass es sehr sachgerecht ist, dass jede Problematik der Kreditverwendung sich in einer Verlegenheit der Bank, rechtzeitig über Zahlungsmittel zu verfügen, niederschlägt. Das ist nur, wie gesagt wurde, eine total begriffslose Fassung dessen, was der Zahlungsfähigkeit eigentlich zugrunde liegt.
 — Materiell hängt das ganze an einer gelingenden Ausbeutung, formell tritt es bei der Bank nur so auf, dass genug Geld da sein muss.
Ob die Bank da zahlungsfähig ist, hängt vom Ein- und Ausgang von Zahlungsverpflichtungen ab. Die nächste Stufe ist: Eine Sicherheit für dieses Geschäft braucht es schon. Also eine Reserve der Bank dafür, dass sie für ihre Zahlungsverpflichtungen auf alle Fälle einstehen kann, auch wenn dieses Hin und Her von wechselseitigen Zahlungsverpflichtungen – warum auch immer – nicht aufgeht. Und die nächste Stufe ist: Diese Sicherheit stiften Banken nicht durch einen großen Schatz, den sie doch noch irgendwo haben, sondern durch den Kredit, den sie einander einräumen.
 — Das ist der Grund, weshalb Banken Größe brauchen. Kapitalgröße bei sich akkumulieren, weil sie dann viel mehr Ein- und Ausgänge gegeneinander verbuchen können.
Das sollte von dem Kriterium der Liquidität zu dem des Vertrauens überleiten. Heute erfährt man immer diesen Zirkel: Weil die Banken sich nicht mehr vertrauen, rücken sie kein Geld raus, und weil sie einander kein Geld geben, läuft das Geschäft zwischen ihnen nicht mehr, und deswegen können sie sich nicht mehr vertrauen.
 — Noch mal zurück. Gesagt wurde: Die Liquiditätsgarantie für die Bank ist ihr Leihgeschäft. Dass sie Kapitalisten Geld leiht, ist die Garantie dafür, dass andere Geschäfte klappen. Einerseits ist es die Grundlage, aber ob es aufgeht, hängt an dem, was das produktive Kapital daraus macht. Es ist also keine Garantie.
Es ist die Quelle, von der alles lebt. Der Ertrag wird als völlig unproblematisch gutgeschrieben, aber der ganze Umschlag des Kapitals muss zwischendrin immer noch passieren. Das ist das schöne dialektische Verhältnis von K I, 4. Kap. und K III, 24. Kap. Da ist nicht bloß die ganze Welt des Kapitalismus dazwischen, sondern damit diese banale Formel G – G', die sich das Bankkapital zum Geschäftsartikel macht, aufgeht, muss natürlich – wie in K I ausgeführt – produktive Arbeit ausgebeutet werden. Aber die Bank besitzt die Frechheit, das alles zu unterstellen und das Resultat, das gar nicht in ihrer Hand liegt, zu behandeln wie die Geschäftsartikel, mit denen sie hantiert.
Zu den Banksicherheiten war schon gesagt: Die Bank bilanziert ihre Ein- und Ausgänge, ihre täglich hereinkommenden Zinsen und Zahlungsausgänge und bereichert sich an der Zinsdifferenz. Dabei ist aber unterstellt, dass die Geschäfte alle aufgehen. Der Standpunkt der Banken ist ein anderer: Die Liquiditätsfragen, auch der Ausfall, macht nichts, wenn bei anderen Banken die nötige Liquidität geholt werden kann. Sie machen also aus dem, dass sie eine Spekulation in die Welt setzen, selbst einen Geschäftsgegenstand unter sich. Es braucht nur die Glaubwürdigkeit einer anderen Bank, die auf ihre kommenden Eingänge verweist. Aktuell fehlt zwar Geld, aber sie gibt ein Zahlungsversprechen, dass sie demnächst zahlen kann, so besorgt sie sich bei einer anderen Bank Liquidität. Die macht da ihr Geschäft daraus, dass sie diese Spekulation glaubt. Damit ist jedes Liquiditätsproblem erledigt, wenn bei anderen Banken jederzeit Liquidität besorgt werden kann und die Zahlungsversprechen untereinander geglaubt werden. Wenn die Frage aufkommt, stimmt das Versprechen, dann ist es eigentlich zu spät.
Das Kriterium, auf das die Bank achten muss, ist, ob sie allen Forderungen an sie jederzeit gewachsen ist. Dabei geht es nicht einfach um Reserven im buchstäblichen Sinn, sondern um die Fähigkeit einer Bank, sich in jeder Lebenslage die nötigen Mittel zu beschaffen. Da hat man die nächste Ungleichung, die das Bankgeschäft bestimmt, nämlich dass ihre Liquidität eine Frage ihrer Kreditwürdigkeit bei Ihresgleichen ist. Dadurch bleibt die täglich bewiesene Zahlungsfähigkeit nicht einfach ein Faktum des Geschäftslebens, sondern es wird zum Vorzeigeobjekt. Ihre Kreditwürdigkeit muss eine Bank inszenieren und demonstrieren, weil, wenn es überhaupt eine 'Garantie' ihrer Liquidität gibt, es dann ihre erwiesene Kreditwürdigkeit ist. Beweisen kann diese Kreditwürdigkeit eine Bank durch Demonstration ihrer jederzeitigen Liquidität. Dieser Zirkel ist in seiner abstrakten Elementarform das, was jetzt gerade in der Bankenwelt schief geht. Das Misstrauen zerstört die Liquidität und die nährt wiederum das Misstrauen.
 — Welche Rolle spielt da das Argument der Größe einer Bank? Wenn die Vergrößerung des Bankgeschäfts der Liquidität geschuldet ist, hieße das, dass es für das Finanzkapital – im Unterschied zum produktiven Kapital – noch einen extra, quasi negativen Punkt für Wachstum gibt. Da ergäbe sich diese Notwendigkeit nicht aus der Konkurrenz mit anderen, sondern zusätzlich aus der Notwendigkeit, jederzeit liquide sein zu können?
 — Es ist doch auch ein Konkurrenzmittel, an allen Punkten aus eigenen Mitteln in der Lage zu sein, das Geschäft zu befördern. Das hat Ackermann bei der Schneiderpleite vorgeführt, nämlich sagen zu können, dass selbst das Fallieren von einem so großen Unternehmen bei der Deutschen Bank unter ‚Peanuts’ fällt. Da bringt er das Argument von Größe in Anschlag,
Unter den Bedingungen des Finanzkapitals hängt jedes produktive Kapital von seiner Kreditwürdigkeit ab. Es muss der Geldkapitalistenwelt vorzeigen können, dass sein Geschäft erfolgreich ist, dann bekommt es den Kredit, um es erfolgreich zu machen. Dieser Zirkel – gute Geschäftsaussichten sind das Mittel, um die Geldmittel an Land zu ziehen, um diese Geschäftsaussichten wahr zu machen – gilt für jedes Kapital. Der Internetkünstler in der Garage muss eine Bank überzeugen, dass er das Zeug für Microsoft hat, nur dann verschafft sie ihm die Mittel, das auch zu werden.
Beim Bankgeschäft besteht die Besonderheit darin, dass ihr Geschäftsartikel selbst in nichts anderem als Schulden besteht, dass die Geschäftsaussichten, die sie vorzuweisen hat, nichts anderes sind, als die Aussichten darauf, dass immer mehr von der Geschäftswelt sich erfolgreich bei ihr verschuldet und sie diesen Verschuldungsbedürfnissen der Geschäftswelt durch die Generierung von Finanzkapital, durch das Einsammeln von Geldern gewachsen ist. Also dass sie in beiden Hinsichten, als Kreditgeber wie -nehmer, potent ist. Die Geschäftsaussichten beziehen sich auf ihre Potenz als Kreditagentur, als Kreditmacht, die das Publikum dazu bringt, das Geld zu ihr zu bringen und über sie seine Geld- und Kredit-Geschäfte zu tätigen, und darauf, dass sie umgekehrt Geschäftskunden findet, an denen sie mit Kreditvergabe verdient. Die ganze Besonderheit liegt in diesem Geschäftsartikel der Bankenwelt. Ob einer Bank das gelingt, hat eben dieses Kriterium im Alltagsgeschäft, das Liquidität heißt. Sie muss im Umfang ihres Geschäfts jederzeit zahlungsfähig sein. Diese Zahlungsfähigkeit ist ihrerseits eine Frage der Kreditwürdigkeit, die sie sich bei Ihresgleichen erwirbt. Was sie selbst dafür machen kann, um ihre Kreditwürdigkeit über jeden Zweifel erhaben darzustellen, zu inszenieren – an der Ecke kommt das Argument der Größe ins Spiel. Untergeordnet gehört dazu die Angeberei der Bankenwelt, die Konkurrenz um den höchsten Marmorpalast, die durchaus für die Demonstration der Zahlungsfähigkeit funktional ist.
Man kann es auch materiell nehmen: Die beste Grundlage für Vertrauen ist wachsendes Geschäft, egal, wie – das wird demonstriert. Es ist aber keine besondere Not des Finanzkapitals, sondern diese Not ist die andere Seite des Geschäftsmittels. Wie schon gesagt, auch der normale Kapitalist hat laufend seine Not mit seiner Kreditwürdigkeit.
Der Staat mit seiner Staatsbank kommt jetzt als Nothelfer zu Ehren, das ist nicht der Normalfall. Wenn die Bankenaufsicht kritisch tätig wird und nach neuen Regeln sinnt, ist das schon Konsequenz der Ausnahme. Aber, wenn im Notfall so etwas passiert, was ist dann der normale Fall?
 — Schon bei der Liquidität ist doch der Staat mit drin, weil er festlegt, wie das Verhältnis zwischen Einzahlungen und Kreditvolumen genau auszusehen hat. Dieses Verhältnis legt er fest.
Da ist er als Rechtsinstanz tätig, das ist eine staatliche Bestimmung. Aber was hat die Rechtsaufsicht für einen Inhalt?
 — Der Staat setzt erst mal das Kreditgeld in die Welt, und die Banken müssen sich beim Staat auch mit Geld versorgen. Da ist schon im ersten Schritt der Staat mit drin, indem er bestimmt. mit wie viel Geld und zu welchen Bedingungen sich die Banken über die Zentralbank bei ihm eindecken können.
Das eine ist das Banale: Weil auch jeder Ersatz des Zirkulationsmittels schon die Einheit, auf die die Ziffern lauten, unterstellt, muss es das unabhängig von dem Bankgeschäft geben. Geld als ganz zu Anfang besprochenes allgemeines Äquivalent, als die wirklich real existierende Potenz, Eigentum zu repräsentieren und anzueignen, das muss es erst mal geben, damit das Bankgeschäft es in seiner Funktion wahr machen kann, als Zirkulationsmittel das Ding zu ersetzen. Ersatz heißt ja nicht, dass es dann weg ist, sondern dass es jetzt lauter Zeichen gibt, die eine Geldsumme bezeichnen, und dafür muss es die Geldsumme zumindest ideell, als vom Staat festgelegte Maßeinheit geben. Und in dem Maße, wie diese kapitalistische Welt Wert darauf legt, dieses Geldeigentum dann durchaus auch mal in materieller Form vor sich zu haben und aufzubewahren und als Schatz in der Rückhand zu haben, um damit Zahlungsnotwendigkeiten über das laufende Geschäft hinaus begleichen zu können, muss es das verbindliche Geld der Gesellschaft in der anfangs besprochenen Form als real existierendes gesellschaftliches Machtmittel erst mal geben. Dafür sorgt der Staat in seiner Eigenschaft als Zentralbank, indem er ein Geldzeichen herausgibt, das seinerseits nicht etwas von ihm Getrenntes – Goldquantum, o. ä. – als Geld bezeichnet, sondern sich selbst. Der Staat in seiner Eigenschaft als Zentralbank definiert überhaupt, was in dieser Gesellschaft als wirkliches Geld zirkuliert, welches Ding die Banken mit ihrem Giralgeld ersetzen und vertreten. Das ist das Elementarste.
Das andere ist der Dienst dieses staatlich veranstalteten Geldwesens für alles das übers Bankwesen Besprochene. Was leistet der Staat als Zentralbank mit all den Formen, in denen er seine Bankenwelt auf den Gebrauch seines Geldes festlegt, indem er sie ermächtigt, aber auch verpflichtet, bei ihm Konten zu halten? Auffällig wird es immer in Notzeiten, wo die Funktion des Staates sich so darstellt: Er rettet seine Bankenwelt vor richtigen Zahlungsverlegenheiten, die dann wirklich nicht mehr durch wechselseitiges Vertrauen der Banken aufzulösen sind, weil gerade das wechselseitige Misstrauen der Banken so groß geworden ist, dass sie überhaupt diesen allgemeinen Liquiditätsengpass herbeiführen. Das ist die Nothelferfunktion, in der die Nationalbanken jetzt aktiv werden und sich anheischig machen, den Banken die Liquidität auszuleihen, die sie sich untereinander nicht geben. Was ist aber die Normalfunktion?
 — Die Banken können sich doch mit ihren eingesammelten Schuldtiteln wieder bei der Zentralbank verschulden. Das heißt umgekehrt, dass die Zentralbank, der Staat, ihnen bei sich einen Kredit auf das Geschäft, das bei ihnen noch gar nicht realisiert ist, einräumt.
Ja, und so ein Banker entscheidet dann, wie sich seine Bank am billigsten ihre erforderliche Liquidität besorgt; was so ein Kredit vom Staat kostet und was von den Nachbanken, was ist, wenn er selbst eine Anleihe auflegt oder die Privatanleger mit ihrem Girokonto betrügt, und wählt dann aus. Aber darüber erschöpft sich die Funktion der Zentralbank gegenüber den Geschäftsbanken nicht.
 — Mit dem Zinssatz, zu dem sich die Banken Geld besorgen können, setzt der Staat Konkurrenzbedingungen für die Banken untereinander. Erstmal behandelt er sie alle gleich und zweitens gibt er eine Vorgabe, zu welchem Preis Geld zu leihen ist.
Und was macht er noch? Dadurch, dass er den Banken Geld leiht, verpflichtet er sie ja geradezu darauf, bei ihm Konten zu unterhalten, über ihn ihre ganzen Tätigkeiten abzuwickeln. Für ihren täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Zahlungsausgleich untereinander haben die Banken ihre Institutionen und ihr Verrechnungswesen, aber alle zentralbankfähigen Banken sind gehalten, dort ein Konto zu unterhalten, dass immer im Plus sein muss. Dann können sie sich also da Geld besorgen, indem sie bei der Zentralbank etwas hinterlegen, und das hat dann seine verschiedenen Zinssätze. Die wirken als Norm für die anderen Banken, wobei es ein bis heute ungelöstes Rätsel der Volkswirtschaftlehre ist, ob die Zentralbank mit ihrer Festlegung der Zinsen nachvollzieht, was der Markt gebietet, oder der Markt nachvollzieht, was die Zentralbank gebietet – wahrscheinlich handelt es sich um ein undurchschaubares Wechselverhältnis... Als Korrektiv wird das schon wirken und in Notsituationen schon gleich, aber es bringt mehr, sich den Normalfall nicht über die Notsituation zu erklären, sondern sich klar zu machen, was die prinzipielle Leistung des Staates ist, wenn er sich dazu entschließt, ein Geldzeichen in die Welt zu setzen und das Angebot zu machen, Geld zu verleihen, also gleichzeitig Zirkulationsmittel und Geldkapital an die Banken weiter zu geben.
Bei diesem Akt des Geldverleihens durch die Zentralbank an die anderen Banken ist die Geldkapitaleigenschaft des verliehenen Geldes von vornherein enthalten. Da wird die Gleichung: in diesem Land ist Geld gleich Kapital, vom Staat unterschrieben und praktiziert. Und es ist gleichbedeutend mit der Einführung eines Zirkulationsmittels in die Gesellschaft, denn was der Staat an Leihkapital hergibt, ist zugleich die Bereitstellung von liquiden Mitteln, von zusätzlichen Zirkulationsmitteln, mit denen buchstäblich Schulden bezahlt und Kaufakte vollführt werden können. Dass Zirkulationsmittel das Vehikel für Geldvermehrung sind, wird vom Staat in seiner Eigenschaft als Bank praktisch wahr gemacht. Geld als Zirkulationsmittel, Geld als Potenz zu seiner eigenen Vermehrung und beides identisch gesetzt im Bankgeschäft – das praktiziert der Staat in Form seiner Zentralbank ganz direkt mit seiner Autorität und stellt seiner Gesellschaft, bzw. dem Teil, auf den es ankommt, unmittelbar anwendbare Liquidität zur Verfügung. Mit dieser Betätigung des Staates als Zentralbank wird neben dem, dass sie definiert, was in dieser Gesellschaft überhaupt Geld ist, diese Gleichsetzung von Leihkapital und Zirkulationsmittel durch die Banken mit staatlicher Autorität ausgestattet; das ist gewissermaßen die staatliche Festlegung: Genau so soll hier der Kapitalismus laufen, die Banken tun recht daran, wenn sie ihre Schulden wie Geld verwenden, Kapitalismus soll als Bankgeschäft funktionieren, es soll hierzulande nicht nur Geld-, sondern Kreditwirtschaft herrschen. Die Bestimmung des Geldes besteht darin, Schulden zu generieren, den Zusammenschluss von K I, 4. Kapitel und K III, 24. Kapitel zu bewerkstelligen. Das ist die Festsetzung des Staates dadurch, dass er sich in dieses Geschäft einklinkt und sich als Quelle von Liquidität und Leihkapital zugleich betätigt.
 — Der Staat will also, dass das Zirkulationsmittel nichts anderes ist als das Ergebnis gelungener Kreditvermehrung, also deren abhängige Größe, und wenn der Kredit es nicht schafft, gibt es auch kein Geld, das als Zirkulationsmittel fungiert.
Oder es gibt umso mehr Geld als Zirkulationsmittel, nur ist es dann nicht mehr so viel wert. Also die ganze Welt der Spekulation ist von Staats wegen ins Recht gesetzt, nicht bloß per Aufsicht und gesetzlicher Grußadresse, denn alle Normen, die dafür erlassen werden, sind ja Ermächtigungen. Es ist die materielle Ermächtigung durch das Geschäftsmittel selbst, das soll so sein, und deswegen ist klar, dass, wenn es zwischen den Banken mit dem Geschäftsmittel nicht mehr klappt, der Staat antritt und in seiner Eigenschaft als Bank die Funktionen rettet, wegen der er sie in die Welt gesetzt hat.
Das alles beantwortet natürlich noch nicht die Fragen, woher in der jetzigen Krise die ganzen Drangsale des Finanzkapitals kommen und was es mit den Wertpapieren auf sich hat, die jetzt ihren Wert verlieren, aber es sollte auch erst mal prinzipiell um die Verrücktheiten gehen, die in dem Begriff der Liquidität stecken und die für die derzeitige Krise zuständig sind.
 — Noch eine Frage zur Liquidität. Wie kommt es überhaupt dazu, dass eine Bank in eine Liquiditätskrise gerät, wo sie dann sagt, sie braucht Geld? Begründet war es doch damit, dass die Zahlungsein- und –ausgänge sich nicht ausgleichen. Vorher wurde aber gesagt, dass eine Bank in der Lage sei, Geldzahlungen dadurch zu ersetzen, dass sie Zahlungsgutschriften herausgibt. Also, warum soll das an dem Punkt, wo sich die Summen nicht ausgleichen, nicht möglich sein?
Nicht die Sache auf den Kopf stellen! Die Bank ist deswegen in der Lage, Geld durch Gutschriften, Zettel oder Buchungsakte zu ersetzen, weil alles, was sie an Zahlungsverpflichtungen selber eingeht, sich durch Zahlungsverpflichtungen anderer ihr gegenüber ausgleicht. Es ist falsch, vom Prinzip her so zu denken: Wenn die Bank sowieso ihren ganzen Zahlungsverkehr per Zettel abwickelt, wieso soll dann ein Saldo, der übrig bleibt, auf einmal so gefährlich sein? Der Witz ist: eine Bank ist auch ohne Geld so wunderbar zahlungsfähig, weil die Zahlungsversprechen, die da zirkulieren, sich wechselseitig annullieren – da muss man auf alle möglichen Fristen achten, aber dafür gibt es in jeder Bank das Banken- und Liquiditätsmanagement. Eine Bank muss ihre Zahlungsverpflichtungen schon erledigen, i. d. R. mit Zahlungsverpflichtungen anderer Banken bei ihr. In der Riesenzirkulation, die da vonstatten geht, annullieren sich die jeweiligen Zahlungspflichten der Banken wechselseitig. Die Liquidität besteht darin, dass dieses wechselseitige Annullieren klappt. Sie besteht in Zahlungsverpflichtungen, die die Bank empfängt, vor allem in den einlaufenden Überweisungen, mit diesen begleicht sie die Überweisungen, die sie ausstellt. Aber das muss sich erst mal ausgleichen und das geht über wirkliches Begleichen. Der Staat wacht als Aufsichtsbehörde darüber, dass bei diesem Austausch von Zahlungsversprechen kein Betrug einreißt. Es kommt natürlich immer wieder vor, dass momentane Friktionen und Differenzen entstehen und ein Saldo übrig bleibt, das ausgeglichen werden muss, die Bank aber keine eingelaufene Liquidität zur Verfügung hat. Da kommt es darauf an, wie viel das ist – manches zahlt sie aus der Portokasse, über manche Summen stellt sie vielleicht einen Wechsel aus, d.h., sie macht bei der anderen Bank, der sie was zahlen müsste, Schulden, vielleicht hat sie vorher bei dieser Bank einen Geldbetrag hinterlegt, vielleicht sogar gegen Zins und nimmt von diesem Konto was weg – das muss dann aber erst mal passieren.
Ein Liquiditätsproblem entsteht (erst) dann, wenn die übrige Bankenwelt, mit der die Geschäftsbank im Verkehr steht und in der sie als Gläubiger und Schuldner auftritt, an ihrer Kreditwürdigkeit zu zweifeln anfängt. Dann wird aus dem normalen Liquidität-Managen ein Liquiditätsproblem. Dann kann sie immer noch Wertpapiere versilbern oder sich im Notfall bei der Zentralbank Liquidität holen – der Normalfall ist aber, dass die Banken beieinander Schulden machen, weil die ja für die andere Bank eine Verdienstquelle sind, und i. d. R. sind die Banken die besten Schuldner. Es ist nicht so, dass eine Bank irgendeine Zahl auf irgendeinen Zettel schreiben kann und dann gilt die, sondern die gilt nur, wenn sie als Schuldner dem Empfänger gegenüber dann auch haftet. Und dann muss es einen geben, der bereit ist, als Gläubiger dieser Bank zu fungieren (wobei 5 Millionen Postbank-Kunden – am liebsten in Form von Studienräten mit ihren sicheren monatlichen Gehältern – allemal als Gläubiger besser sind als ein großer Rentenfonds, dem die Mittel ausgehen, weil er sich verspekuliert hat und der von der Bank möglichst alles auf einen Schlag zurückhaben will). Ein gegebenes Zahlungsversprechen will eingelöst sein, und wenn z. B. Zahler und Zahlungsempfänger ihr Konto bei derselben Bank haben, dann geht die Bank dem Zahlungsempfänger gegenüber eine Pflicht ein, die sie dann auch einlösen muss. Das Wegbuchen und auf das andere Konto Draufbuchen als technischer Akt ist simpel, als ökonomische Aktion gewürdigt ist das ein Zirkulationsakt, in dem die Bank zweimal vorkommt: als Schuldner dessen, der das Konto hat, von dem was abgebucht wird, und als Einzahler auf das Konto dessen, der diese Zahlung empfängt. Sie ist dazwischen das Subjekt.
 — Der prinzipielle Grund für das Problem mit der Liquidität ist doch, dass die Bank Geschäft macht mit der Spekulation darauf, dass das Geld, das sie reinbekommt, von ihr wieder ausgegeben, als Kredit verwendet wird, dann vermehrt zurückkommt und sie so ihre Zinsen zahlen kann.
Die Verwendung fremden Geldes als Leihkapital ist das spekulative Element, das sich im normalen Geschäftsverkehr darstellt in den ein- und ausgehenden Zahlungsverpflichtungen. Das sind nicht bloß Buchungsvorgänge, sondern wirklicher Eigentumstransfer findet statt und es ist außerdem sowohl Mittel, als auch als Mittel davon abhängig, dass Reichtum vermehrt, also Eigentum geschaffen wird.
 — Ökonomisch gesehen ist das ein ziemlicher Blödsinn, dass die sichersten Einlagen die Ausgaben des Staats für seine Staatsdiener sind. Die Bank sieht das zu Recht so, dass die Studienratsgehälter sichere Einlagen sind, aber es sind nun mal Ausgaben des Staates und da wächst nichts an Reichtum.
Dazu kann man auch sagen: das ist ein schöner Blick auf die Fährnisse der Spekulation, wenn die pur unökonomischen staatlichen Ausgaben als sicher sprudelnde Einnahmequelle betrachtet werden – sie stellen eine Summe dar, mit der man vom Standpunkt der Liquidität aus sicher rechnen kann, anders als bei der Spekulation mit ihren Aufs und Abs. Mit der Spekulation, die man selber eröffnet, kann man im Zweifelsfall nicht mehr als verlässliche Liquidität rechnen – eben dann, wenn Zweifel in sie aufkommen. Ansonsten gilt natürlich jeder Hedgefonds als viel lukrativer als die Studienratsgehälter.
Zu den Fragen, die in der Vorlage vom Jf vom 16.6.2008 zusammengestellt sind: Die Frage: „Wenn Wert durch Staatsgewalt ersetzt wird, wieso braucht dann Geld in der Krise Vertrauen – warum reicht da Staatsgewalt nicht aus?“, hat mehrere Mängel. Staatsgewalt kann alles mögliche ersetzen, sie kann auch dafür sorgen, dass der Wert das ist, worum es in der ganzen nationalen Ökonomie geht, sie kann dekretieren, dass jeder Gebrauchswert zur abhängigen Variablen des Tauschwerts wird, sie kann mit der Einführung des Geldes dafür sorgen, dass alles auf den Wert ankommt, aber wenn das mal der Fall ist, dann ist der obige Satz nicht haltbar. Auch wenn Geld in Form von Gold ersetzt wird durch ein Kreditzeichen, dann ist das ein politisches Dekret, den Wert ersetzt der Staat dadurch nicht. Wir haben uns manchmal getraut, beim staatlichen Papiergeld wenigstens in Anführungszeichen Geldware zu schreiben, weil das natürlich keine Geldware im wirklichen Sinn ist – Geldware heißt ja immer eine Ware, die auch für sich einen Gebrauchswert besitzt und einen Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum liefert, die ausgesondert wird als allgemeines Zirkulationsmittel, dann wird ihr Gebrauchswert darauf zugespitzt, allgemeines Äquivalent zu sein, aber dass es eine die Gesellschaft bereichernde Ware ist, ist dem Ding noch anzusehen. In dem Sinn wird die wirkliche Geldware durch das staatliche Papiergeld ersetzt, das dann das Geld der Gesellschaft ist. Dann wird aber auch nicht einfach das, was das Geld an Wert repräsentiert, durch die Staatsgewalt ersetzt, sondern diese dekretiert dann ja, dass dieses Zeichen Zugriffsmacht auf den Reichtum der Gesellschaft bedeutet. Und die Art und Weise, wie der Staat dieses Geld zugänglich macht, enthält den Anspruch, dass das Kapitel 24 aus K III durch Arbeit gerechtfertigt sein soll. Er will gerade nicht, dass alles, was er in die Welt setzt, verspekuliert wird, sondern es soll sich als Kredit bewähren und die Bewährung liegt in letzter Instanz darin, dass Eigentum geschaffen wird.
Zum zweiten Teil der Frage: „.. wieso braucht dann Geld in der Krise Vertrauen?“ Wenn der Staat solch ein Geld in die Welt setzt, sanktioniert er das Geschäft der Banken, das ein Kreditgeschäft spekulativer Natur ist, das sein Kriterium im wechselseitigen Vertrauen der Banken auf ihre Kreditwürdigkeit hat. In der Krise ist dieses Vertrauen gerade gestört, deshalb ist es für die Krise nicht die richtige Kategorie – in der braucht es kein Vertrauen, sondern gelingende Geschäfte.
Das ist auch gleich die Antwort auf die nächste Frage: „Wieso kann also erst Bankengeld und dann auch staatlich garantiertes Geld seinen Wert verlieren – und warum gelten dann Produktion/Wachstum oder Immobilien oder Gold als wertbeständige Sicherheiten?“ Die Vorstellung, die Banken haben ihre Sorte Geld und der Staat seine, ist falsch. Es ist ein und dasselbe Geld, das die Banken durch Versprechen, es bereit zu stellen, funktional ersetzen. Wenn Banken illiquide werden, dann wird nicht eine bestimmte Geldsorte weniger wert, sondern die Bank hat dann das Geld, das in der Gesellschaft zählt, nicht mehr in ausreichender Menge. Ein Bankrott ist eine andere Sache als der Wertverlust einer nationalen Währung. Letzteres kann durchaus sein, weil ein Staat sich schwer tut, zahlungsunfähig zu werden. Seine Nationalbank rückt das Geld in dieser Doppelnatur als Leihkapital für die ganze Gesellschaft und Zirkulationsmittel raus, da kann das Misslingen der Benutzung dieses Geldes als Leihkapital durchschlagen auf die Tauglichkeit dieses Geldes als Zirkulationsmittel (s. dazu GS 3-08).
Im 2. Teil der obigen Frage werden ziemlich inkommensurable Dinge als „wertbeständige Sicherheiten“ aufgezählt. Produktion/Wachstum sind keine Sicherheit, sondern es wird gesellschaftlicher Reichtum geschaffen, und ob das reicht im Verhältnis zu dem, was an Verzinsungsansprüchen schon aufgetürmt ist, oder ob sich das Wachstum nicht blamiert, wenn es als Garantie für diese herhalten soll, ist eine ganz andere Frage. Und was die Immobilien betrifft: Ihr Wert ist ziemlich volatil – außer, man sitzt drin -, denn er hängt nicht an der Beschaffenheit des Grund und Bodens, sondern am Interesse des Kapitals, diesen zu benutzen und dem Eigentümer das Verfügungsrecht dafür abzukaufen.
Zur nächsten Frage: „Warum brauchen und kriegen Banken im Krisenfall Geld, obwohl sie gar kein Geld, sondern nur fiktive Titel verspekuliert haben?“ Banken verspekulieren nicht „nur fiktive Titel“, sondern fremdes Eigentum oder, wenn es noch schlimmer kommt, Eigentum der Bank selbst. Sie handelt mit Schulden und das ist mehr als Geld, nämlich die Garantie, dass es sich um eine sich vermehrende Geldsumme handelt. Es ist falsch, die Fiktion, die eine Bank mit dem spekulativen Versprechen aufmacht, eine Summe pro Jahr um x % zu erhöhen, als ein ‚bloß’ im Verhältnis zu wirklichem Geld zu bezeichnen. Die Bank erlöst ja gerade das wirkliche Geld aus seiner trübseligen Existenz als bloßer Wert und ernennt es zu einem sich verwertenden Wert und wenn das schief geht, dann ist nicht nur die Verwertung nicht gelungen, sondern der sich verwerten sollende Wert ziemlich sicher auch weg. Die Bank hat also durchaus „richtiges Geld“ und nicht „nur Schuldscheine“ verspekuliert.
Bis in 14 Tagen überprüfen – auch anhand des Artikels im neuen GS -, ob von den Problemen zum Thema Kredit noch was übrig ist. Wenn ja, fragen, gerne auch schriftlich!
Nochmal zum Thema ‚Moral’: Es gab Anfragen der Art, wir hätten da Behauptungen in die Welt gesetzt, mit denen der eigentliche Witz am falschen Bewusstsein und Moral noch gar nicht richtig geklärt worden sei. Unsere Behauptung ist schon, es wäre damit geklärt. Um in das Thema noch mal reinzukommen, der Vorschlag, vom GS 1-95 den Punkt 1 (auf S. 185) zu lesen.