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Jour fixe vom 28.07.08 – Zum Obama-Kult und Fortsetzung zum Thema Kredit

1. Obama-Kult

   — Es gab einen Streit darüber, inwieweit Obama politische Inhalte, die Amerika mit seinem Weltmachtsanspruch geltend macht, anders präsentiert als Bush und ob das einen Grund für die Begeisterung für ihn abgibt. Das war die eine Position: dass er es geschafft hat, diesen Anspruch als gemeinsames Projekt der westlichen Länder oder des Rests der Welt überhaupt vorstellig zu machen als Grund für die Begeisterung. Die Gegenposition war, dass das Ganze ein Führer-Kult war, ganz unabhängig von dem, was Obama an Inhalten brachte.
Aber warum gab es wegen dieser Alternative so einen Streit? Obama verkündet, dass es eine Selbstkritik gibt in den USA, die er repräsentiert, nämlich, dass der Irak-Krieg – gegen den er als Teil des Anti-Terrorkrieges nichts hat – von der Bush-Regierung schlecht geführt worden sei und dass es jetzt darauf ankäme, diesen Fehler in Afghanistan nicht zu wiederholen, also diesen Krieg um so entschiedener voran zu treiben. Er präsentiert sich, so, wie er die Inhalte ‚rüberbringt’, als ein Mann, der – und da liegt der Übergang zum Führerkult – ganz methodisch für etwas Neues, für Erfolg und frischen Wind steht und der schon deshalb kein Vertreter des Establishments ist, weil er schwarz ist, und der andererseits das gute Amerika repräsentiert, weil er bloß halb schwarz ist; damit ist er in den USA erfolgreich gewesen. Das ist übel genug, erklärt aber noch  nicht, warum 200 000 Leute nach Berlin gehen und ihm zujubeln; die „Bild“-Zeitung hat die Überschrift: „Mach uns den Obama!“ und bildet die verschiedensten Politiker mit Obama-Frisur ab; die AZ fragt: „Wo ist unser Obama?“ Das obige Argument, dass er es geschafft hat, den US-Anspruch als Angebot aussehen zu lassen, erklärt das jedenfalls nicht ausreichend, zumal Merkel diesen nicht sonderlich kaschierten Anspruch umgehend zurückgewiesen hat unter dem Motto: ‚Deutschland hat das Nötige beigetragen’, also genauso, wie sie es bei Bush auch gemacht hat.
Dass Obama als zukünftiger US-Präsident Macht verkörpert, dass er für ein besseres Verhältnis USA-EU steht, mag vielleicht die Grundlage für den allgemeinen Jubel sein, erklärt aber nicht die Begeisterung der Leute für einen Politiker, den sie nicht wählen werden und der sie nicht regieren wird – man muss zur Kenntnis nehmen, dass es möglich ist, dass sich Untertanen für einen Führer begeistern, der gar nicht der eigene ist.
   — Er hat doch Topoi angegeben, die übergreifend sind, wenn er sich für die Verbesserung des Welt-Klimas, nukleare Abrüstung, Abschaltung der Atomkraftwerke und Beendigung des Krieges in Darfur stark macht. Diese Topoi, die für ein westlich-abendländisches Gemüt über den eigenen Laden Deutschland hinaus von Belang sind, repräsentiert er glaubwürdig.
Diese Topoi gehören sicher zur Image-Pflege, die von Obama inszeniert und von einer interessierten Öffentlichkeit thematisiert wird, aber der Berliner Begeisterungssturm vergisst das richtiggehend. Die dahin gepilgert sind, haben doch von Darfur keine Ahnung, von einer Klimakatastrophe haben die vielleicht mal was gehört –  für sie zieht sich das alles in einem Urteil zusammen und das ist die fanatische Ineinssetzung von kompetenter Führung und Mensch, der als solcher das alles glaubwürdig repräsentiert – sonst kämen die doch nicht auf: der ist jung, cool, gut aussehend.
   — Für die ist das Ganze doch ein riesiges Event, sie haben den größten politischen Popstar aller Zeiten  erlebt. Sie ‚waren dabei’ und sind darüber ergriffen. Darauf kürzt sich doch das Ganze zusammen.   
   — Aber man sollte nicht herausstreichen, dass Obama der mögliche Führer der Supermacht ist, und der macht das Angebot: Wollen wir nicht zusammen die genannten Probleme in einem neuen Aufbruch lösen? Sonst tut man so, als würden die Leute an ein Manipulationskunststück glauben, wenn sie sagen: wenn wir alle diese Frisur hätten, könnten wir es schaffen.
Was ist der Inhalt ihrer Ergriffenheit? Die ganzen Beispiele, die darauf gehen, was Obama politisch ausmacht, sind die Grundlage dafür, wohl auch ganz abstrakt auf seinen Status als Machthaber zu reflektieren, was aber alles vergessen ist, wenn nach einem glaubwürdigen Repräsentanten gebrüllt wird. Es geht hier nicht um die Politik, die der repräsentiert, sondern um die Person – alles, was an politischen Inhalten kommt, ist bestenfalls ein Ausgangspunkt dafür, diese in ‚Persönlichkeit’ zu übersetzen. Dieser selbstbewusst gepflegte Abschied von politischen Inhalten ist eine Abstraktionsleistung und die hat einen Inhalt – man abstrahiert immer von was zu etwas hin -, nämlich Glaubwürdigkeit eines Repräsentanten. Wenn einem Politiker attestiert wird, er könnte uns vor atomarer und Klimakatastrophen retten, er regierte nicht arrogant von oben herab, fragte mich nach meiner Meinung, sind das Bebilderungen der Glaubwürdigkeit dieser Politiker-Persönlichkeit. Der Untertan macht so sein Bedürfnis nach einer Führerfigur und seinen Willen zum Geführtwerden an bestimmten Eigenschaften dieser Figur fest. Was diese an Macht ausübt, steht ihm auch zu, weil sie überzeugend das Bedürfnis nach Führungsfiguren repräsentiert. Mit willkürlichen methodischen Kategorien, die gar nicht blöd genug sein können – ‚neu’ (warum nicht alt und bewährt?), ‚frischer Wind – jugendlich-dynamisches Auftreten’ bis hin zur Ami-Frisur über den Rehaugen – wird ein Persönlichkeitsbild entworfen.
Wenn Youngsters von Obama begeistert sind, weil er einer sei, der alle sozialen Schichten, Jung und Alt, mit sich nehmen könne, merkt man auch hier wieder die Idiotie von Demokraten, Inszenierungen wie diese als Ausdruck ihres Bedürfnisses und seiner Bedienung zu nehmen.
Jedermann erfährt, diese Herrschaften seien für die Probleme dieser Welt zuständig. Dies wird verwandelt in die Begeisterung über die Glaubwürdigkeit dieser Politiker. Das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird, schreibt man ihnen als deren Berechtigung zu. Die Willkür, an welchen Äußerlichkeiten dies festgemacht wird, ist nicht zu übertreffen; angefangen von Meldungen, Obama schreite einher wie auf einem Laufsteg oder sei auf dem Weg ins Fitnessstudio. Ginge es nicht darum, solch eine Figur mit dem Berechtigungsausweis für solch eine Persönlichkeit ausstatten zu wollen, wäre die Angelegenheit ziemlich lächerlich.
Hier geht es nicht um die Klärung der Voraussetzungen, sondern um die Inszenierung selbst, die Berechtigung zur Macht an der Glaubwürdigkeit dieses Menschen fest zu machen, der auf besondere Weise die Berechtigung zum Führen repräsentiert.
   — Ist in dieser Person nicht das Bedürfnis nach guter Herrschaft – wie im Volks-Artikel beschrieben – in besonderer Weise geronnen? Der Übergang zur Willkür, wie man diese Herrschaften ausstaffieren müsse, ist auch gleich enthalten.
Je nachdem, wie sich der Kandidat selbst präsentiert, sind die Insignien dieser Willkür, jung und dynamisch oder alt und erfahren, vertraut.  
   — In den Qualitäten dieser Führungsfiguren abstrahieren die Leute davon, wessen Führer einer sein soll oder sein wird.
Die zweite Besonderheit dieser Inszenierung besteht darin, von dem Objekt ihres Anhimmelns gar nicht regiert zu werden, an ihm vielmehr das Bedürfnis nach einem guten, machtvollen Repräsentanten zu feiern.
   — Kritische Kommentare mahnen aber auch die Jubler, ihre und fremde Führer und  deren politische Vorhaben  nicht zu verwechseln.
Diese Ermahnung geht eher an das kundige Publikum, das diesen Mann als den Mann Europas betrachtet, um zugleich zu warnen. Hier wird jedoch von Inhalten abgesehen, und mit dem Ruf nach Repräsentanten, die nicht die ihren sind, ein Führerkult in Szene gesetzt, der dem Urbild eines Repräsentanten, den man sich hierzulande wünscht, entspricht.
Auch wenn den Leuten im Ausgangspunkt klar ist, dass sie den eventuellen künftigen Präsidenten vor sich haben, sagen sie nicht, sie wünschten sich so Jemanden als amerikanischen Präsidenten, sondern bewundern pur seine Erscheinung und sein Auftreten. Endlich hat man einmal einen glaubwürdigen Führer vor sich. Diese Bewunderung haben die Leute sich nicht selbst zurechtgelegt, sie ist ihnen vielmehr gemäß ihrem Knechtsbewusstsein präsentiert worden.
Wenn jemand das Bedürfnis nach einem glaubwürdigen Führer bedient, indem er erzählt, er würde nicht über die Leute regieren, sondern mit ihnen, verspricht, alles besser und neu zu machen, vertraut ihm das Volk und jubelt ihm zu. Der demokratische Wahnsinn, welche Kapriolen solch ein Bedürfnis selbstbewusster Untertanen schlägt, ist an den Kriterien dieses Führerkultes, die nichts mit politischen Inhalten zu tun haben, festzustellen. Obamas in den USA entfachte Begeisterung verschafft ihm auch hier Respekt, weckt den Wunsch nach Repräsentanten, die so etwas hinkriegen; der Jubel kann dann auch nicht ausbleiben.
Der Jubel, ein Ruf nach Figuren, die begeistern, ist eine Kritik an den hiesigen Repräsentanten.
   — Die Leute haben kein Bewusstsein von Unterwerfung, sondern machen sich gemein mit ihrem Führer.
Der demokratische Fanatismus nach glaubwürdigen Führern wird auf einen Menschen projiziert, der gar nicht gewählt, sondern nur gefeiert werden kann, vorgeführt in der Darstellung deutscher Politiker mit Obama-Frisur. Damit wird das Urbedürfnis nach ordentlicher Führung bedient.
Auch hierzulande kennt man von den heutigen Parteien derartige Veranstaltungen, bei denen Politiker dementsprechend in Szene gesetzt werden mit Großbildleinwand, jubelndem Parteivolk und Ähnlichem. Diese vermittelte Inszenierung einer Persönlichkeit, die sich an der Gefolgschaft der Parteimitglieder erweist, soll alle anderen betören und überzeugen.
   — Hierzulande werden Politiker in der Regel mit negativen Attributen versehen.
Einzuordnen ist dies in die Abteilung, wozu sich Demokraten hinreißen lassen in ihrem Bedürfnis nach guter Führung, was sich in diesem Fall in einer eigentümlichen abstrakten Form an eine Figur wie Obama anheftet. Nicht irgendein politisches Tun und Handeln wird begutachtet, vielmehr ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat hemmungslos überschüttet mit einem deutschen Urbedürfnis nach guter Führung und dafür geeigneten Persönlichkeiten.
   — Die deutsche Öffentlichkeit bespricht auch die zunehmende Politikverdrossenheit, die mit solch einem Typen zu überwinden wäre.
Nicht Politikverdrossenheit, sondern die hiesige Pflege des politischen Führerkults, die einheimischen Politiker stellten sich – mangels Alternativen – nicht so dar, wie man es als Volk verdient hätte, führt zu solchen Jubelarien für einen Auswärtigen.
Die Begeisterung, die Obama entgegen schlägt, wird zum Beleg für seine Begeisterungsfähigkeit; ein klassischer Zirkel des demokratischen Zirkus. Ob Obama dies nutzt oder am Ende gar schadet, weil ihm Europa so sehr zugejubelt hat, wird sich erweisen.
   — In den USA gibt es Stimmen, die Obama lieber bei verwundeten Ami-Soldaten als bei den kriecherischen Deutschen gesehen hätten.
Ein Versuch seines Kontrahenten, ihm Führungsqualität abzusprechen.

2. Kredit und Finanzkapital – Fortsetzung

Zur Rekapitulation der wesentlichen genannten Argumente als erstes zum Unterschied von Geld und Kredit:
Geld ist einerseits der Repräsentant der Eigentumsqualität, Reichtumsverfügung als ausschließendes Privileg dessen, der über Eigentum verfügt, das im Geld materialisiert ist. Andererseits ist Geld das ökonomische Äquivalent solchen abstrakten Reichtums. Als letzteres war es mal selbst Produkt gesellschaftlicher Arbeit und hat diesen besonderen Gebrauchswert als solchen zugeschrieben bekommen: Gold. Selbst das war schon mit hoheitlicher Gewalt gültig gemacht. Heutzutage ist Geld als Repräsentant dieses mit Arbeit geschaffenen Verfügungsanrechts sowieso nicht mehr Produkt gesellschaftlicher Arbeit, sondern durch den Staat als solches fixiert und taugt auch dafür, die ausschließende Qualität am Reichtum zu repräsentieren und umgekehrt als Zugangs- und Verfügungsmittel zu fungieren.
Beim Kredit findet eine Trennung des Eigentums von der Verwendung statt, Geld gleich in der Qualität: Geld als Kapital. Diese Potenz des Geldeigentums – mit ihm kann man sich alle Mittel verfügbar machen, um es zu vermehren -, sein Gebrauchswert, wird vom Eigentum getrennt und anderen zur Verfügung gestellt. Geld wird als Kapital zur Ware. Das bedient das Bedürfnis der kapitalismuseigenen Geldnot, die der Dauer des Kapitalumschlags und der Größe des Kapitals als Konkurrenzmittel geschuldet ist, und nutzt es aus. Damit hat Kredit aber auch nicht die Eigenschaft, dass das Geld selbst Repräsentant erfolgreicher geschaffener Vermehrung ist. Hier ist es Mittel für künftige Reichtumsvermehrung in der Hand von Leuten, die es selbst gar nicht erwirtschaftet haben. Es ist mit einem Vermehrungsversprechen versehen und erfüllt als solches seine ökonomischen Dienste.
Das verliehene Geld bekommt dadurch die Qualität, seinem Eigentümer, der es verleiht, ein Plus einzubringen;  es verwandelt sich in Geldkapital, indem es anderswo fungiert. Das ist der Widerspruch am Kredit. Im Zins ist das Plus von der wirklichen Vermehrung in anderer Hand abhängig gemacht. Fremder Profit wird zur eigenen Gewinnquelle, aber zugleich ist das nicht – schon gar nicht in dem Maß, das es als Zins hat – vom erfolgreichen Agieren in fremder Hand abhängig gemacht. Der Zins nimmt an der verliehenen Summe Maß, an die er als festes Recht geknüpft ist, getrennt von seiner ökonomischen Grundlage, aus der dieser Anspruch bedient wird. Weswegen auch genauso gut aus anderen Geldsummen – z. B. aus der beschränkten Geldverfügung von Proletariern – Kreditgeschäfte gemacht werden können. Geld als verliehenes wirft automatisch Zins ab, das ist die Eigenschaft des Geldes selber, die im Kredit handfest wird. Man rechnet so sehr mit der Selbstverständlichkeit umfassend stattfindender Ausbeutung, dass die Vermehrung als pure Qualität des vorgeschossenen Geldes erscheint. Der Bezug zur Verwendung des Kredits, als Geschäftsmittel eines Kapitalisten, kommt nur noch äußerlich vor, nämlich in der Zinshöhe, die sich nach Risiko und Zeit richtet; taucht also höchstens als Frage der Sicherheit der eigenen Spekulation mit einem garantierten Ertrag auf. Diese äußerliche Abhängigkeit wird als begutachtetes Risiko dem Kreditnehmer in Rechnung gestellt. Spekulation ist es, weil es Vermehrung in anderer Hand vorwegnimmt und die rechtlich abgesicherte eigene Beteiligung am Erfolg quasi wie ein – mit gewissem Risiko – gesichertes Anrecht existiert.
Die Leistung, die der Kredit damit erbringt, macht – abstrakt ausgedrückt – wahr, dass es um Geldvermehrung als das gültige Gesetz dieser Gesellschaft geht; darum, dass Geld den entsprechenden Subjekten der Gesellschaft  zugeführt wird, damit es sich vermehren und seinen Zweck erfüllen kann: Eine Geldsumme selbst generiert das G'. Der pure Anspruch auf den Strich bewirkt eine Gleichgültigkeit gegen die Bestimmtheit der Geschäftssphären, verallgemeinert die Konkurrenz der Kapitalisten. Das Verleihen lebt davon, dass Geld diese Qualität hat und das gesellschaftliche Treiben der Verfolgung dieses Zwecks dient. Das ist eindeutig am Kreditgeber feststellbar, der alles danach beurteilt, wo welcher Zins zu erzielen ist. Aber auch in Bezug auf die Kreditnehmer ist damit ein allgemeiner Konkurrenzmaßstab, an dem sie sich zu bewähren haben, in der Welt: Wenn sie Kredit brauchen, müssen sie sich der Beurteilung, ob man ihnen zutraut, den Strich zu erwirtschaften, unterwerfen. – Soweit die Wiederholung.
Als neues Thema soll es um die Banken gehen, die das alles als gesellschaftliche Veranstaltung machen; darum, wie das Kreditgeschäft der Banken geht; was deren Mittel sind, wie sie sich verwerten. Beabsichtigt ist, dass sich durch diese generelle Besprechung auch die vielen Fragen des ausgeteilten Zettels 'Anfragen zum Kredit' idealiter von selbst beantworten; auf noch verbleibende Fragen kann später eingegangen werden.
Kreditgeschäfte hängen pur an der Masse der verleihbaren Mittel, weil die das Plus abwerfen, egal woher es kommt. Moralisch ausgedrückt ist das Verleihen ein gewisser Parasitismus, weil sich einer etwas dadurch verschafft, dass andere damit wirtschaften. Woher das kommt, ist jedem bekannt: Man trägt sein Geld auf die Bank.
   — Das heißt, die Bank hat ihre Mittel aus fremden Reichtum. Sie sammelt das Geld ein und wird damit selbst  zum Verleiher. Sie zahlt für die Verfügungsgewalt über das eingesammelte Geld einen Zins. Sie macht ihr Geschäft mit fremdem Geld, ihr Eigenkapital reicht dafür nicht aus.
Diese scheinbar banale Bestimmung hat es in sich. Allen ist klar, das Bankgeschäft geht mit Einlagen, das bedeutet aber: die Bank macht sich fremdes Geld als ihr Geschäftsmittel für die Kreditgeschäfte verfügbar und verwandelt das fremde Geld in Geldkapital.
Einlagen sind also als erstes Schulden, die die Bank bei Einlegern eingeht. Damit ist schon viel gesagt: Offenbar kann das, was die Bank damit macht, kein einzelner Mensch machen. Es ist die Leistung der Bank, dass sie, wenn sie sich verschuldet, dem Geldverleiher einen Dienst erweist, den der nie zustande brächte. Im Zins, den sie zahlt, ist gültig gemacht, dass das Geld bei der Bank als Geldkapital fungiert und glatt auch für ihn ein G' abwirft.
Dass jeder Mensch in dieser Gesellschaft, dessen Zahlungsverkehr nun mal über Bankkonten läuft, ob er will oder nicht, in irgendeiner Weise an den finanzkapitalistischen Affären beteiligt ist, vergessen die, die klagen, die Finanzkapitalisten raubten die Gesellschaft aus. Diese setzen sich als Betroffene am Ende noch mit den guten Kapitalisten, die auch unter der Zinsknechtschaft leiden, in eins. Der elementare Witz und der Ausgangspunkt aller Kreditgeschäfte ist, dass die Bank das Leihgeschäft verdoppelt, sich bei der ganzen Gesellschaft Geld leiht, um es dann zu verleihen. Damit wird eine Verwandlung vollführt, die kein noch so reicher Geldmensch von sich aus zustande brächte.
Die Bank gelangt über fremde Einlagen an den Gebrauch des Geldes, geht gegenüber den Einlegern Verpflichtungen ein, garantiert ihnen die Wiederverfügbarkeit zu bestimmten Terminen, je nach Art der Anlage lang oder kurzfristig. Vom zinslosen Girokonto, bei dem das Geld durch die Hände der Bank läuft, angefangen. Das Schuldverhältnis ist von der Bank als Angebot aufgemacht: legt euer Geld bei mir ein gegen Zins.
   — Die Eigenschaft des Geldes, G' zu werden, geht nur über den Schritt, es zur Bank zu bringen. Der Gebrauchswert des Geldes wird nur bei der Bank realisiert, nicht zu Hause im Sparstrumpf.
Das wäre die unvernünftige Sparform, weil man sich von der Teilhabe an dem, was aus dem eigenen Geld wird, wenn die Bank darüber verfügt, ausschließt. An dieser Stelle heißt es erst mal, es ist nützlich, alles Geld auf die Bank zu tun. Die Bank geht so einen Haufen von Verbindlichkeiten ein; es ist die elementare Grundlage ihres Geschäfts, sich Geld der Gesellschaft durch Verschulden verfügbar zu machen und damit etwas anzufangen. Die Bank leiht sich das Geld mit der Berechnung darauf, dass sie aus dem Geld ihrerseits Verleihgeschäfte macht. Dass sie eine Spekulation neuer Natur eröffnet, wenn sie ein Zinsversprechen in die Welt setzt, ist ein anderer Punkt.
Also sind Einlagen nach der einen Seite hin Schuldversprechen, die mit einer Zinsgarantie versehen sind. Zugleich sind sie für die Banken jetzt ihr Geschäftsmittel, indem sie es verleihen: Banken machen Zinsdifferenzgeschäfte. Das klingt so simpel: Die Bank nimmt mehr ein als sie dafür an Zahlungsversprechen bedient. Aber was ist der Gehalt dieser Art verdoppelten Leihgeschäfts? Sie verdoppelt ja was, indem sie sich einerseits zum Schuldner und andererseits andere zu ihren Schuldnern macht.
   — Nach beiden Seiten macht die Bank Geld zu Kapital. Der industrielle Kapitalist braucht das Geld als Vorschuss, um es zum Wachsen zu bringen, auf der anderen Seite die Leistung, dass auch der Einleger sein Geld durch die Zinsen in Kapital verwandelt bekommt. Die Zinsdifferenz ist quasi die Bezahlung dafür, dass sie die Verwandlung von Geld in Kapital hinbekommt.  
Dass sie sich bezahlen lässt, drückt nicht ganz das aus, was sie da zustande bekommt, nämlich dass sie aus dem Wirtschaften mit fremdem Geld, dadurch, dass sie Schuldverhältnisse eingeht, erfolgreiche Kreditgeschäfte macht und damit selber Bankkapital generiert. Es geht dabei nicht bloß darum, Schulden in Kapital zu verwandeln, sondern es ist gleichbedeutend damit, aus fremdem Geld laufend Bankkapital, originäres Vermögen für sich zu bilden.
Die Leistung, Schulden zu Geldkapital zu machen, dadurch laufend Anrechte am Kapitalerfolg zu erwerben und Vermögen in Hand der Bank zu bilden, wirft die Frage auf, woraus erledigt sie ihre Schuldverpflichtungen? Es ist doch nicht so, dass eine Bank Geld hat und es dann verleiht. Nein, sie macht eingesammeltes Geld zu ihrem Kreditmittel, bildet darüber Vermögen und  bedient daraus die Schuldverpflichtung, die sie eingegangen ist. Auch das Angebot, das die Bank Geldbesitzern macht – die Zinsgarantie – bedient sie aus dem, was sie damit anstellt.
   — Sie kann ihr Versprechen auf Zins und termingerechte Rückzahlung abgeben, weil sie die Schulden so weiterverwendet, dass sie in anderer Hand als Kapital fungieren, davon bekommt sie vermehrt die verliehen Mittel zurück. Das ist die Substanz für ihr Versprechen. Andersherum ist es so, dass sie überhaupt dem Kapital Schulden als Leihkapital zur Verfügung stellen kann, weil sie sich die Verfügungsmacht über das Geld der Gesellschaft geholt hat. So verweist das eine auf das andere.
Das ist die zirkuläre Weise, wie sich das Bankkapital bereichert, indem es mit eigenen Schulden Geldkapital stiftet, die fremden Mittel als eigene Geschäftsmittel mit ihrer Verwertungspotenz verleiht und durch die dadurch zustande gebrachten Kreditgeschäfte sich laufend befähigt, die eröffneten Ansprüche zu bedienen. Die Weise, wie sie bedient werden und wozu das führt, ist jetzt noch gleichgültig. Dazwischen ist die Freiheit der Bank, über diese Einlagen nach ihrem Gusto zu verfügen, so dass sie das geglaubte Versprechen, dass die Verpflichtungen bedient werden, auch wahr machen kann.
   — Das ist schon der erste Punkt der Spekulation bei der Bank. Sie sammelt Geld ein, verspricht Zins, der darauf berechnet ist, dass die in der Zwischenzeit getätigten Geschäfte gelingen, was aber nicht sicher ist.
   — Sie spekuliert auf die Gewinne der Ausbeutung und auf die Vermehrung der Geschäfte.
Da war schon gesagt, die Bank macht das, indem sie sich Einlagen über Zinsversprechen – mit der Rechnung auf ein garantiertes, erfolgreiches Kreditgeschäft, aus dem die Bedienung der gemachten Versprechen gelingt – organisiert. Aber das ist nicht die erste Spekulation, die liegt im Kredit selbst, im Geld-Verleihen gegen rechtlich gesicherten Zinsanspruch. Hier sind wir ein Stück weiter, dabei, dass sich die Bank auf den Standpunkt stellt, alle Versprechen, die sie eingeht, seien lässig erfüllbar, weil sie Schuldverhältnisse eingeht mit der Spekulation auf erfolgreiches Wirtschaften mit dem besorgten Geld. Beim einfachen Kredit – der besprochenen Elementarform – war noch keine Frage, woher das Geld kommt. Die kommt erst, wenn man dabei ist, dass das Geschäft der Banken nicht so einfach geht; sie würden Geld verleihen, das sie haben. Das könnt ja jeder machen.
Dass dann am Ende das für die Banken nicht die einzige bleibende Grundlage ihrer Kreditgeschäfte ist, dass sie sich auch darüber erhebt, kommt später. Erst mal: Das banale Zinsdifferenzgeschäft, sich Geld der Gesellschaft verfügbar zu machen, es in Geldkapital in eigener Hand zu verwandeln, eine Beteiligung an der Reichtumsproduktion in Form von eigenen Geldansprüchen auszurechnen und zustande zu bringen, daraus alle Schuldverpflichtungen zu erledigen – das macht sie zur Grundlage für die Garantie der Einlegenden. Mit dem Verweis auf Kreditgeschäfte, die sie damit eröffnet, betreibt sie ihre Schuldenwirtschaft. Das ist das Moment von Spekulation.  
Diese Macht, aus jedem Geld, das die Bank in die Hand bekommt, ein Kreditgeschäft zu machen, hat sie deswegen, weil sie sowieso die Institution ist, über die alle Geldgeschäfte laufen, weil sie die Zentralisierungsstelle allen Geldes ist. Das ist einerseits der Ausgangspunkt, andererseits sichert sie sich laufend den neuen Zufluss aus der Gesellschaft über das, was sie mit dem eingelegten Geld anstellt. Auf diesen ewigen Zirkel sollte erst Mal hingewiesen werden: In der Hand der Bank verwandelt sich alles Geld durch dieses doppelte Verleihgeschäft in Geldkapital und umgekehrt bildet die Bank dadurch laufend sich vermehrendes Bankkapital, was wiederum Grundlage für den erweiterten Fortgang der Geschäfte ist.
   — Das Verhältnis, die Bank verschafft sich das Geld anderer Leute und macht aus ihm ihr Geldkapital, gilt nicht nur für das Geld, das sie sich explizit bei anderen gegen Zinsen leiht, sondern betrifft all das Geld, das in seiner Eigenschaft als Geldhandlungskapital fungiert, also Geld, das ihr zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs gegeben wurde. Das wirft vielleicht gar keinen Zins ab und fungiert bei der Bank trotzdem als ihr Operationsmittel.
Ja, sie macht aus allen Einlagen, egal aus welchem Grund sie bei ihr passieren, von sich aus ein Kreditgeschäft eigener Natur. Das ist dann, wenn es in ihrer Hand verfügbar ist, immer etwas anderes und getrennt von dem, was es als Einlage für den Einlegenden darstellt. Insofern ist der Ausdruck Zinsdifferenzgeschäft – weniger zahlen, als sie einnimmt – nur die äußerliche, quantitative Fassung dieser qualitativen Verwandlung.
Also fremdes Geld und sein Schicksal in der Hand der Bank ist die Elementarform dessen, was früher immer unter dem Stichwort Verdoppelung gehandelt wurde und Probleme der Art, ob und wie das Geld jetzt verdoppelt oder vielleicht gar schon verfünffacht ist, auftauchen ließ. Wie kann man Verdopplung fassen, nicht nur als quantitative Sache, sondern als die da stattfindende qualitative Verwandlung? Guthaben des Einlegers sind Schulden der Bank ihm gegenüber, die sind bei ihr verbucht, sind also das, worauf der Einleger den ausgemachten Bedingungen entsprechend Anspruch hat und die sein Vermögen darstellen. Die sind zugleich bei derselben Bank, die sie als Kredit vergibt, Guthaben der Bank, die sie damit eröffnet. Geld, das anderswo entweder als Kredit vergeben ist und seine Rolle spielt oder bei derselben Bank als Guthaben existiert, das sie aus ihrer Kreditvergabe bildet, als Geldanspruch, der aus dem Verleihen ihrerseits sich ergeben hat. Solange und soweit sie die Einlagen gar nicht auszahlen muss, sind das bei der Bank gebildete Vermögensansprüche des Einlegers und zugleich mit dem Geld gestifteter Kreditanspruch gegenüber einem Kreditnehmer. Das ist die elementare Doppelnatur, die die Bankschulden zu Geldkapital machen.  
Soweit die abstrakte Fassung dessen, womit Banken ihr Geschäft machen. Da liegt etwas Spekulatives darin, da ist das, was im Kredit sowieso Spekulation ist, fortentwickelt, nämlich dahin, dass die Bank sich verschuldet mit Blick auf Kreditgeschäfte, zu denen sie sich befähigt. Fortentwicklung vom vorher behandelten Unterschied von Geld und Kredit her. Da hieß es, Kredit ist überhaupt Beteiligung an der anderswo stattfindenden Ausbeutung dadurch, dass man die Verfügungsmacht, die im Geld steckt, jemandem zur Verfügung stellt, aber das Eigentum am Geld behält, also den Gebrauchswert des Geldes als Kapital verleiht und über das Verleihen sich selbst einen Ertrag sichert. Dieser ist im Zins beziffert, unabhängig davon, ob das erfolgreiche Geschäft – auf das spekuliert wird – damit gemacht wird. Auch im kommerziellen Kredit (der heutzutage eine Unterabteilung der Bankgeschäfte ist) ist ein spekulatives Moment drin, weil die Realisierung noch nicht stattgefunden hat.
   — Unabhängig von der Frage, wer in der Gläubiger- oder Schuldnerrolle ist, geht es um die Natur des Schuldverhältnisses, dass man sich ein Recht auf einen Kapitalertrag erwirbt unabhängig davon, ob der andere in der Lage ist, ihn zu erwirtschaften, aber gleichzeitig eben darauf spekuliert, dass er dazu in der Lage ist. Hier sind wir bei dem neuen Punkt, dass die gesellschaftliche Kreditmaschine die Bank ist und dass es bei ihr ein doppeltes Schuldverhältnis gibt. Dass sie nämlich damit als ihrem Kapital wirtschaftet, dass sie der Schuldner von jedermann ist, und darüber verwandelt sie die ganze Gesellschaft in ihren Schuldner und wird der allgemeine Gläubiger.
Und das ist ein eigentümlich spekulatives Verhältnis, eben der Standpunkt, es sei nur nötig, über das Geld von irgendjemand zu verfügen, dann wäre das Verfügbarmachen kein Problem. Denn es verwandelt sich ja in ihrer Hand in Geldkapital, in Kreditgeschäfte, aus denen die Bedienung aller Ansprüche, die sie eingeht, sich nicht nur ergibt, sondern sich auch laufend vermehrtes Bankkapital bildet. Also sie rechnet auf die Beteiligung an fremder Profitvermehrung, die aus dem Eigentumscharakter – selber über Geld zu verfügen, das andere brauchen – erwächst und bestimmt, dass dieser ausschließende Eigentumscharakter für sie nicht gilt, denn sie besorgt sich das Geld bei der ganzen Gesellschaft. Das kann die Bank, weil sie die Instanz ist, die damit auch die Kreditgeschäfte machen kann, die das Versprechen, an der Vermehrung beteiligt zu werden, wahr machen.
Die Bank ist die Zentrale dessen, dass Geld immer schon Eigentum ist und es zugleich einen generellen Verfügungsmangel vom Standpunkt des Kapitals aus gibt, dazwischen schiebt sich die Bank. Nach beiden Seiten hin macht sie sich zum Monopolisten: der, der sich Geld verfügbar macht, wie der, der alle erfolgreichen Kreditgeschäfte der Gesellschaft in Gang setzt.
Noch mal zu den Einlagen. Was diese für die Einleger darstellen, dass Zahlungen damit passieren sollen, Zinsansprüche und termingerechte Rückzahlungen bedient werden, ist grundsätzlich getrennt von dem, was die Bank damit anstellt. Was es für den Einleger darstellt, diesen Punkt bewirtschaftet und bewältigt sie, was sie damit anstellt und an Kreditgeschäften zustande bringt, das ist ihre Sache und gründlich getrennt davon. Wie sie ihre Versprechen erfüllt, was sie mit diesem Geld anstellt, ist eine andere Affäre. Wie gesagt, da stecken dann schon einige, teils schon genannte Friktionen und Fortsetzungen drin. Sie beschränkt sich nicht auf das Geld, das sie selbst mit Zinsversprechen bedient, sondern alles, was bei ihr einläuft, wird als Bankmittel für Kreditgeschäfte behandelt, egal und gleichgültig dagegen, dass noch ein ganzer gesellschaftlicher Zahlungs- und Geldverkehr mit diesem Geld bewältigt sein will. Hier wird alles, was der Bank an Geld zufließt, also Schulden darstellt, zum Mittel erhoben, alles was an Zahlungsverkehr stattfindet, wird unter den Standpunkt der Bank, dass das alles ein von ihr zu benutzendes Bankkapital ist, subsumiert. Durch die Trennung des Gebrauchs des Geldes von dem, der es ihr gegeben hat, läuft ihr ganzes Geschäft, dadurch kann sie überhaupt die Ansprüche der Einleger bedienen. Banken können gar nicht genug Schulden machen, das Ziel ihrer Geschäfte besteht in deren Wachstum.
Wie das geht, dass eingelegtes Geld, das irgendwann wieder gebraucht wird und dazwischen einen ganzen gesellschaftlichen Zahlungsverkehr vermitteln soll, zugleich als frei verfügbares Kreditmittel der Bank funktionieren soll; wie sich die Bank auf den Standpunkt stellen kann: braucht es das Geld da überhaupt, das verwenden wir anders – ist die Fortsetzung und soll nächstes Mal behandelt werden.