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1. Obama-Kult
— Es gab einen Streit darüber, inwieweit Obama
politische Inhalte, die Amerika mit seinem Weltmachtsanspruch geltend
macht, anders präsentiert als Bush und ob das einen Grund für die
Begeisterung für ihn abgibt. Das war die eine Position: dass er es
geschafft hat, diesen Anspruch als gemeinsames Projekt der westlichen
Länder oder des Rests der Welt überhaupt vorstellig zu machen als Grund
für die Begeisterung. Die Gegenposition war, dass das Ganze ein
Führer-Kult war, ganz unabhängig von dem, was Obama an Inhalten brachte.
Aber warum gab es wegen dieser Alternative so einen Streit? Obama
verkündet, dass es eine Selbstkritik gibt in den USA, die er
repräsentiert, nämlich, dass der Irak-Krieg – gegen den er als Teil des
Anti-Terrorkrieges nichts hat – von der Bush-Regierung schlecht geführt
worden sei und dass es jetzt darauf ankäme, diesen Fehler in
Afghanistan nicht zu wiederholen, also diesen Krieg um so entschiedener
voran zu treiben. Er präsentiert sich, so, wie er die Inhalte
‚rüberbringt’, als ein Mann, der – und da liegt der Übergang zum
Führerkult – ganz methodisch für etwas Neues, für Erfolg und frischen
Wind steht und der schon deshalb kein Vertreter des Establishments ist,
weil er schwarz ist, und der andererseits das gute Amerika
repräsentiert, weil er bloß halb schwarz ist; damit ist er in den USA
erfolgreich gewesen. Das ist übel genug, erklärt aber noch nicht,
warum 200 000 Leute nach Berlin gehen und ihm zujubeln; die
„Bild“-Zeitung hat die Überschrift: „Mach uns den Obama!“ und bildet
die verschiedensten Politiker mit Obama-Frisur ab; die AZ fragt: „Wo
ist unser Obama?“ Das obige Argument, dass er es geschafft hat, den
US-Anspruch als Angebot aussehen zu lassen, erklärt das jedenfalls
nicht ausreichend, zumal Merkel diesen nicht sonderlich kaschierten
Anspruch umgehend zurückgewiesen hat unter dem Motto: ‚Deutschland hat
das Nötige beigetragen’, also genauso, wie sie es bei Bush auch gemacht
hat.
Dass Obama als zukünftiger US-Präsident Macht verkörpert, dass er für
ein besseres Verhältnis USA-EU steht, mag vielleicht die Grundlage für
den allgemeinen Jubel sein, erklärt aber nicht die Begeisterung der
Leute für einen Politiker, den sie nicht wählen werden und der sie
nicht regieren wird – man muss zur Kenntnis nehmen, dass es möglich
ist, dass sich Untertanen für einen Führer begeistern, der gar nicht
der eigene ist.
— Er hat doch Topoi angegeben, die übergreifend
sind, wenn er sich für die Verbesserung des Welt-Klimas, nukleare
Abrüstung, Abschaltung der Atomkraftwerke und Beendigung des Krieges in
Darfur stark macht. Diese Topoi, die für ein westlich-abendländisches
Gemüt über den eigenen Laden Deutschland hinaus von Belang sind,
repräsentiert er glaubwürdig.
Diese Topoi gehören sicher zur Image-Pflege, die von Obama inszeniert
und von einer interessierten Öffentlichkeit thematisiert wird, aber der
Berliner Begeisterungssturm vergisst das richtiggehend. Die dahin
gepilgert sind, haben doch von Darfur keine Ahnung, von einer
Klimakatastrophe haben die vielleicht mal was gehört – für sie
zieht sich das alles in einem Urteil zusammen und das ist die
fanatische Ineinssetzung von kompetenter Führung und Mensch, der als
solcher das alles glaubwürdig repräsentiert – sonst kämen die doch
nicht auf: der ist jung, cool, gut aussehend.
— Für die ist das Ganze doch ein riesiges Event,
sie haben den größten politischen Popstar aller Zeiten erlebt.
Sie ‚waren dabei’ und sind darüber ergriffen. Darauf kürzt sich doch
das Ganze zusammen.
— Aber man sollte nicht herausstreichen, dass
Obama der mögliche Führer der Supermacht ist, und der macht das
Angebot: Wollen wir nicht zusammen die genannten Probleme in einem
neuen Aufbruch lösen? Sonst tut man so, als würden die Leute an ein
Manipulationskunststück glauben, wenn sie sagen: wenn wir alle diese
Frisur hätten, könnten wir es schaffen.
Was ist der Inhalt ihrer Ergriffenheit? Die ganzen Beispiele, die
darauf gehen, was Obama politisch ausmacht, sind die Grundlage dafür,
wohl auch ganz abstrakt auf seinen Status als Machthaber zu
reflektieren, was aber alles vergessen ist, wenn nach einem
glaubwürdigen Repräsentanten gebrüllt wird. Es geht hier nicht um die
Politik, die der repräsentiert, sondern um die Person – alles, was an
politischen Inhalten kommt, ist bestenfalls ein Ausgangspunkt dafür,
diese in ‚Persönlichkeit’ zu übersetzen. Dieser selbstbewusst gepflegte
Abschied von politischen Inhalten ist eine Abstraktionsleistung und die
hat einen Inhalt – man abstrahiert immer von was zu etwas hin -,
nämlich Glaubwürdigkeit eines Repräsentanten. Wenn einem Politiker
attestiert wird, er könnte uns vor atomarer und Klimakatastrophen
retten, er regierte nicht arrogant von oben herab, fragte mich nach
meiner Meinung, sind das Bebilderungen der Glaubwürdigkeit dieser
Politiker-Persönlichkeit. Der Untertan macht so sein Bedürfnis nach
einer Führerfigur und seinen Willen zum Geführtwerden an bestimmten
Eigenschaften dieser Figur fest. Was diese an Macht ausübt, steht ihm
auch zu, weil sie überzeugend das Bedürfnis nach Führungsfiguren
repräsentiert. Mit willkürlichen methodischen Kategorien, die gar nicht
blöd genug sein können – ‚neu’ (warum nicht alt und bewährt?),
‚frischer Wind – jugendlich-dynamisches Auftreten’ bis hin zur
Ami-Frisur über den Rehaugen – wird ein Persönlichkeitsbild entworfen.
Wenn Youngsters von Obama begeistert sind, weil er einer sei, der alle
sozialen Schichten, Jung und Alt, mit sich nehmen könne, merkt man auch
hier wieder die Idiotie von Demokraten, Inszenierungen wie diese als
Ausdruck ihres Bedürfnisses und seiner Bedienung zu nehmen.
Jedermann erfährt, diese Herrschaften seien für die Probleme dieser
Welt zuständig. Dies wird verwandelt in die Begeisterung über die
Glaubwürdigkeit dieser Politiker. Das Vertrauen, das ihnen
entgegengebracht wird, schreibt man ihnen als deren Berechtigung zu.
Die Willkür, an welchen Äußerlichkeiten dies festgemacht wird, ist
nicht zu übertreffen; angefangen von Meldungen, Obama schreite einher
wie auf einem Laufsteg oder sei auf dem Weg ins Fitnessstudio. Ginge es
nicht darum, solch eine Figur mit dem Berechtigungsausweis für solch
eine Persönlichkeit ausstatten zu wollen, wäre die Angelegenheit
ziemlich lächerlich.
Hier geht es nicht um die Klärung der Voraussetzungen, sondern um die
Inszenierung selbst, die Berechtigung zur Macht an der Glaubwürdigkeit
dieses Menschen fest zu machen, der auf besondere Weise die
Berechtigung zum Führen repräsentiert.
— Ist in dieser Person nicht das Bedürfnis nach
guter Herrschaft – wie im Volks-Artikel beschrieben – in besonderer
Weise geronnen? Der Übergang zur Willkür, wie man diese Herrschaften
ausstaffieren müsse, ist auch gleich enthalten.
Je nachdem, wie sich der Kandidat selbst präsentiert, sind die
Insignien dieser Willkür, jung und dynamisch oder alt und erfahren,
vertraut.
— In den Qualitäten dieser Führungsfiguren
abstrahieren die Leute davon, wessen Führer einer sein soll oder sein
wird.
Die zweite Besonderheit dieser Inszenierung besteht darin, von dem
Objekt ihres Anhimmelns gar nicht regiert zu werden, an ihm vielmehr
das Bedürfnis nach einem guten, machtvollen Repräsentanten zu feiern.
— Kritische Kommentare mahnen aber auch die
Jubler, ihre und fremde Führer und deren politische
Vorhaben nicht zu verwechseln.
Diese Ermahnung geht eher an das kundige Publikum, das diesen Mann als
den Mann Europas betrachtet, um zugleich zu warnen. Hier wird jedoch
von Inhalten abgesehen, und mit dem Ruf nach Repräsentanten, die nicht
die ihren sind, ein Führerkult in Szene gesetzt, der dem Urbild eines
Repräsentanten, den man sich hierzulande wünscht, entspricht.
Auch wenn den Leuten im Ausgangspunkt klar ist, dass sie den
eventuellen künftigen Präsidenten vor sich haben, sagen sie nicht, sie
wünschten sich so Jemanden als amerikanischen Präsidenten, sondern
bewundern pur seine Erscheinung und sein Auftreten. Endlich hat man
einmal einen glaubwürdigen Führer vor sich. Diese Bewunderung haben die
Leute sich nicht selbst zurechtgelegt, sie ist ihnen vielmehr gemäß
ihrem Knechtsbewusstsein präsentiert worden.
Wenn jemand das Bedürfnis nach einem glaubwürdigen Führer bedient,
indem er erzählt, er würde nicht über die Leute regieren, sondern mit
ihnen, verspricht, alles besser und neu zu machen, vertraut ihm das
Volk und jubelt ihm zu. Der demokratische Wahnsinn, welche Kapriolen
solch ein Bedürfnis selbstbewusster Untertanen schlägt, ist an den
Kriterien dieses Führerkultes, die nichts mit politischen Inhalten zu
tun haben, festzustellen. Obamas in den USA entfachte Begeisterung
verschafft ihm auch hier Respekt, weckt den Wunsch nach Repräsentanten,
die so etwas hinkriegen; der Jubel kann dann auch nicht ausbleiben.
Der Jubel, ein Ruf nach Figuren, die begeistern, ist eine Kritik an den
hiesigen Repräsentanten.
— Die Leute haben kein Bewusstsein von
Unterwerfung, sondern machen sich gemein mit ihrem Führer.
Der demokratische Fanatismus nach glaubwürdigen Führern wird auf einen
Menschen projiziert, der gar nicht gewählt, sondern nur gefeiert werden
kann, vorgeführt in der Darstellung deutscher Politiker mit
Obama-Frisur. Damit wird das Urbedürfnis nach ordentlicher Führung
bedient.
Auch hierzulande kennt man von den heutigen Parteien derartige
Veranstaltungen, bei denen Politiker dementsprechend in Szene gesetzt
werden mit Großbildleinwand, jubelndem Parteivolk und Ähnlichem. Diese
vermittelte Inszenierung einer Persönlichkeit, die sich an der
Gefolgschaft der Parteimitglieder erweist, soll alle anderen betören
und überzeugen.
— Hierzulande werden Politiker in der Regel mit
negativen Attributen versehen.
Einzuordnen ist dies in die Abteilung, wozu sich Demokraten hinreißen
lassen in ihrem Bedürfnis nach guter Führung, was sich in diesem Fall
in einer eigentümlichen abstrakten Form an eine Figur wie Obama
anheftet. Nicht irgendein politisches Tun und Handeln wird begutachtet,
vielmehr ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat hemmungslos
überschüttet mit einem deutschen Urbedürfnis nach guter Führung und
dafür geeigneten Persönlichkeiten.
— Die deutsche Öffentlichkeit bespricht auch die
zunehmende Politikverdrossenheit, die mit solch einem Typen zu
überwinden wäre.
Nicht Politikverdrossenheit, sondern die hiesige Pflege des politischen
Führerkults, die einheimischen Politiker stellten sich – mangels
Alternativen – nicht so dar, wie man es als Volk verdient hätte, führt
zu solchen Jubelarien für einen Auswärtigen.
Die Begeisterung, die Obama entgegen schlägt, wird zum Beleg für seine
Begeisterungsfähigkeit; ein klassischer Zirkel des demokratischen
Zirkus. Ob Obama dies nutzt oder am Ende gar schadet, weil ihm Europa
so sehr zugejubelt hat, wird sich erweisen.
— In den USA gibt es Stimmen, die Obama lieber
bei verwundeten Ami-Soldaten als bei den kriecherischen Deutschen
gesehen hätten.
Ein Versuch seines Kontrahenten, ihm Führungsqualität abzusprechen.
2. Kredit und
Finanzkapital – Fortsetzung
Zur Rekapitulation der wesentlichen genannten Argumente als erstes zum
Unterschied von Geld und Kredit:
Geld ist einerseits der Repräsentant der Eigentumsqualität,
Reichtumsverfügung als ausschließendes Privileg dessen, der über
Eigentum verfügt, das im Geld materialisiert ist. Andererseits ist Geld
das ökonomische Äquivalent solchen abstrakten Reichtums. Als letzteres
war es mal selbst Produkt gesellschaftlicher Arbeit und hat diesen
besonderen Gebrauchswert als solchen zugeschrieben bekommen: Gold.
Selbst das war schon mit hoheitlicher Gewalt gültig gemacht. Heutzutage
ist Geld als Repräsentant dieses mit Arbeit geschaffenen
Verfügungsanrechts sowieso nicht mehr Produkt gesellschaftlicher
Arbeit, sondern durch den Staat als solches fixiert und taugt auch
dafür, die ausschließende Qualität am Reichtum zu repräsentieren und
umgekehrt als Zugangs- und Verfügungsmittel zu fungieren.
Beim Kredit findet eine Trennung des Eigentums von der Verwendung
statt, Geld gleich in der Qualität: Geld als Kapital. Diese Potenz des
Geldeigentums – mit ihm kann man sich alle Mittel verfügbar machen, um
es zu vermehren -, sein Gebrauchswert, wird vom Eigentum getrennt und
anderen zur Verfügung gestellt. Geld wird als Kapital zur Ware. Das
bedient das Bedürfnis der kapitalismuseigenen Geldnot, die der Dauer
des Kapitalumschlags und der Größe des Kapitals als Konkurrenzmittel
geschuldet ist, und nutzt es aus. Damit hat Kredit aber auch nicht die
Eigenschaft, dass das Geld selbst Repräsentant erfolgreicher
geschaffener Vermehrung ist. Hier ist es Mittel für künftige
Reichtumsvermehrung in der Hand von Leuten, die es selbst gar nicht
erwirtschaftet haben. Es ist mit einem Vermehrungsversprechen versehen
und erfüllt als solches seine ökonomischen Dienste.
Das verliehene Geld bekommt dadurch die Qualität, seinem Eigentümer,
der es verleiht, ein Plus einzubringen; es verwandelt sich in
Geldkapital, indem es anderswo fungiert. Das ist der Widerspruch am
Kredit. Im Zins ist das Plus von der wirklichen Vermehrung in anderer
Hand abhängig gemacht. Fremder Profit wird zur eigenen Gewinnquelle,
aber zugleich ist das nicht – schon gar nicht in dem Maß, das es als
Zins hat – vom erfolgreichen Agieren in fremder Hand abhängig gemacht.
Der Zins nimmt an der verliehenen Summe Maß, an die er als festes Recht
geknüpft ist, getrennt von seiner ökonomischen Grundlage, aus der
dieser Anspruch bedient wird. Weswegen auch genauso gut aus anderen
Geldsummen – z. B. aus der beschränkten Geldverfügung von Proletariern
– Kreditgeschäfte gemacht werden können. Geld als verliehenes wirft
automatisch Zins ab, das ist die Eigenschaft des Geldes selber, die im
Kredit handfest wird. Man rechnet so sehr mit der
Selbstverständlichkeit umfassend stattfindender Ausbeutung, dass die
Vermehrung als pure Qualität des vorgeschossenen Geldes erscheint. Der
Bezug zur Verwendung des Kredits, als Geschäftsmittel eines
Kapitalisten, kommt nur noch äußerlich vor, nämlich in der Zinshöhe,
die sich nach Risiko und Zeit richtet; taucht also höchstens als Frage
der Sicherheit der eigenen Spekulation mit einem garantierten Ertrag
auf. Diese äußerliche Abhängigkeit wird als begutachtetes Risiko dem
Kreditnehmer in Rechnung gestellt. Spekulation ist es, weil es
Vermehrung in anderer Hand vorwegnimmt und die rechtlich abgesicherte
eigene Beteiligung am Erfolg quasi wie ein – mit gewissem Risiko –
gesichertes Anrecht existiert.
Die Leistung, die der Kredit damit erbringt, macht – abstrakt
ausgedrückt – wahr, dass es um Geldvermehrung als das gültige Gesetz
dieser Gesellschaft geht; darum, dass Geld den entsprechenden Subjekten
der Gesellschaft zugeführt wird, damit es sich vermehren und
seinen Zweck erfüllen kann: Eine Geldsumme selbst generiert das G'. Der
pure Anspruch auf den Strich bewirkt eine Gleichgültigkeit gegen die
Bestimmtheit der Geschäftssphären, verallgemeinert die Konkurrenz der
Kapitalisten. Das Verleihen lebt davon, dass Geld diese Qualität hat
und das gesellschaftliche Treiben der Verfolgung dieses Zwecks dient.
Das ist eindeutig am Kreditgeber feststellbar, der alles danach
beurteilt, wo welcher Zins zu erzielen ist. Aber auch in Bezug auf die
Kreditnehmer ist damit ein allgemeiner Konkurrenzmaßstab, an dem sie
sich zu bewähren haben, in der Welt: Wenn sie Kredit brauchen, müssen
sie sich der Beurteilung, ob man ihnen zutraut, den Strich zu
erwirtschaften, unterwerfen. – Soweit die Wiederholung.
Als neues Thema soll es um die Banken gehen, die das alles als
gesellschaftliche Veranstaltung machen; darum, wie das Kreditgeschäft
der Banken geht; was deren Mittel sind, wie sie sich verwerten.
Beabsichtigt ist, dass sich durch diese generelle Besprechung auch die
vielen Fragen des ausgeteilten Zettels 'Anfragen zum Kredit' idealiter
von selbst beantworten; auf noch verbleibende Fragen kann später
eingegangen werden.
Kreditgeschäfte hängen pur an der Masse der verleihbaren Mittel, weil
die das Plus abwerfen, egal woher es kommt. Moralisch ausgedrückt ist
das Verleihen ein gewisser Parasitismus, weil sich einer etwas dadurch
verschafft, dass andere damit wirtschaften. Woher das kommt, ist jedem
bekannt: Man trägt sein Geld auf die Bank.
— Das heißt, die Bank hat ihre Mittel aus
fremden Reichtum. Sie sammelt das Geld ein und wird damit selbst
zum Verleiher. Sie zahlt für die Verfügungsgewalt über das
eingesammelte Geld einen Zins. Sie macht ihr Geschäft mit fremdem Geld,
ihr Eigenkapital reicht dafür nicht aus.
Diese scheinbar banale Bestimmung hat es in sich. Allen ist klar, das
Bankgeschäft geht mit Einlagen, das bedeutet aber: die Bank macht sich
fremdes Geld als ihr Geschäftsmittel für die Kreditgeschäfte verfügbar
und verwandelt das fremde Geld in Geldkapital.
Einlagen sind also als erstes Schulden, die die Bank bei Einlegern
eingeht. Damit ist schon viel gesagt: Offenbar kann das, was die Bank
damit macht, kein einzelner Mensch machen. Es ist die Leistung der
Bank, dass sie, wenn sie sich verschuldet, dem Geldverleiher einen
Dienst erweist, den der nie zustande brächte. Im Zins, den sie zahlt,
ist gültig gemacht, dass das Geld bei der Bank als Geldkapital fungiert
und glatt auch für ihn ein G' abwirft.
Dass jeder Mensch in dieser Gesellschaft, dessen Zahlungsverkehr nun
mal über Bankkonten läuft, ob er will oder nicht, in irgendeiner Weise
an den finanzkapitalistischen Affären beteiligt ist, vergessen die, die
klagen, die Finanzkapitalisten raubten die Gesellschaft aus. Diese
setzen sich als Betroffene am Ende noch mit den guten Kapitalisten, die
auch unter der Zinsknechtschaft leiden, in eins. Der elementare Witz
und der Ausgangspunkt aller Kreditgeschäfte ist, dass die Bank das
Leihgeschäft verdoppelt, sich bei der ganzen Gesellschaft Geld leiht,
um es dann zu verleihen. Damit wird eine Verwandlung vollführt, die
kein noch so reicher Geldmensch von sich aus zustande brächte.
Die Bank gelangt über fremde Einlagen an den Gebrauch des Geldes, geht
gegenüber den Einlegern Verpflichtungen ein, garantiert ihnen die
Wiederverfügbarkeit zu bestimmten Terminen, je nach Art der Anlage lang
oder kurzfristig. Vom zinslosen Girokonto, bei dem das Geld durch die
Hände der Bank läuft, angefangen. Das Schuldverhältnis ist von der Bank
als Angebot aufgemacht: legt euer Geld bei mir ein gegen Zins.
— Die Eigenschaft des Geldes, G' zu werden, geht
nur über den Schritt, es zur Bank zu bringen. Der Gebrauchswert des
Geldes wird nur bei der Bank realisiert, nicht zu Hause im Sparstrumpf.
Das wäre die unvernünftige Sparform, weil man sich von der Teilhabe an
dem, was aus dem eigenen Geld wird, wenn die Bank darüber verfügt,
ausschließt. An dieser Stelle heißt es erst mal, es ist nützlich, alles
Geld auf die Bank zu tun. Die Bank geht so einen Haufen von
Verbindlichkeiten ein; es ist die elementare Grundlage ihres Geschäfts,
sich Geld der Gesellschaft durch Verschulden verfügbar zu machen und
damit etwas anzufangen. Die Bank leiht sich das Geld mit der Berechnung
darauf, dass sie aus dem Geld ihrerseits Verleihgeschäfte macht. Dass
sie eine Spekulation neuer Natur eröffnet, wenn sie ein Zinsversprechen
in die Welt setzt, ist ein anderer Punkt.
Also sind Einlagen nach der einen Seite hin Schuldversprechen, die mit
einer Zinsgarantie versehen sind. Zugleich sind sie für die Banken
jetzt ihr Geschäftsmittel, indem sie es verleihen: Banken machen
Zinsdifferenzgeschäfte. Das klingt so simpel: Die Bank nimmt mehr ein
als sie dafür an Zahlungsversprechen bedient. Aber was ist der Gehalt
dieser Art verdoppelten Leihgeschäfts? Sie verdoppelt ja was, indem sie
sich einerseits zum Schuldner und andererseits andere zu ihren
Schuldnern macht.
— Nach beiden Seiten macht die Bank Geld zu
Kapital. Der industrielle Kapitalist braucht das Geld als Vorschuss, um
es zum Wachsen zu bringen, auf der anderen Seite die Leistung, dass
auch der Einleger sein Geld durch die Zinsen in Kapital verwandelt
bekommt. Die Zinsdifferenz ist quasi die Bezahlung dafür, dass sie die
Verwandlung von Geld in Kapital hinbekommt.
Dass sie sich bezahlen lässt, drückt nicht ganz das aus, was sie da
zustande bekommt, nämlich dass sie aus dem Wirtschaften mit fremdem
Geld, dadurch, dass sie Schuldverhältnisse eingeht, erfolgreiche
Kreditgeschäfte macht und damit selber Bankkapital generiert. Es geht
dabei nicht bloß darum, Schulden in Kapital zu verwandeln, sondern es
ist gleichbedeutend damit, aus fremdem Geld laufend Bankkapital,
originäres Vermögen für sich zu bilden.
Die Leistung, Schulden zu Geldkapital zu machen, dadurch laufend
Anrechte am Kapitalerfolg zu erwerben und Vermögen in Hand der Bank zu
bilden, wirft die Frage auf, woraus erledigt sie ihre
Schuldverpflichtungen? Es ist doch nicht so, dass eine Bank Geld hat
und es dann verleiht. Nein, sie macht eingesammeltes Geld zu ihrem
Kreditmittel, bildet darüber Vermögen und bedient daraus die
Schuldverpflichtung, die sie eingegangen ist. Auch das Angebot, das die
Bank Geldbesitzern macht – die Zinsgarantie – bedient sie aus dem, was
sie damit anstellt.
— Sie kann ihr Versprechen auf Zins und
termingerechte Rückzahlung abgeben, weil sie die Schulden so
weiterverwendet, dass sie in anderer Hand als Kapital fungieren, davon
bekommt sie vermehrt die verliehen Mittel zurück. Das ist die Substanz
für ihr Versprechen. Andersherum ist es so, dass sie überhaupt dem
Kapital Schulden als Leihkapital zur Verfügung stellen kann, weil sie
sich die Verfügungsmacht über das Geld der Gesellschaft geholt hat. So
verweist das eine auf das andere.
Das ist die zirkuläre Weise, wie sich das Bankkapital bereichert, indem
es mit eigenen Schulden Geldkapital stiftet, die fremden Mittel als
eigene Geschäftsmittel mit ihrer Verwertungspotenz verleiht und durch
die dadurch zustande gebrachten Kreditgeschäfte sich laufend befähigt,
die eröffneten Ansprüche zu bedienen. Die Weise, wie sie bedient werden
und wozu das führt, ist jetzt noch gleichgültig. Dazwischen ist die
Freiheit der Bank, über diese Einlagen nach ihrem Gusto zu verfügen, so
dass sie das geglaubte Versprechen, dass die Verpflichtungen bedient
werden, auch wahr machen kann.
— Das ist schon der erste Punkt der Spekulation
bei der Bank. Sie sammelt Geld ein, verspricht Zins, der darauf
berechnet ist, dass die in der Zwischenzeit getätigten Geschäfte
gelingen, was aber nicht sicher ist.
— Sie spekuliert auf die Gewinne der Ausbeutung
und auf die Vermehrung der Geschäfte.
Da war schon gesagt, die Bank macht das, indem sie sich Einlagen über
Zinsversprechen – mit der Rechnung auf ein garantiertes, erfolgreiches
Kreditgeschäft, aus dem die Bedienung der gemachten Versprechen gelingt
– organisiert. Aber das ist nicht die erste Spekulation, die liegt im
Kredit selbst, im Geld-Verleihen gegen rechtlich gesicherten
Zinsanspruch. Hier sind wir ein Stück weiter, dabei, dass sich die Bank
auf den Standpunkt stellt, alle Versprechen, die sie eingeht, seien
lässig erfüllbar, weil sie Schuldverhältnisse eingeht mit der
Spekulation auf erfolgreiches Wirtschaften mit dem besorgten Geld. Beim
einfachen Kredit – der besprochenen Elementarform – war noch keine
Frage, woher das Geld kommt. Die kommt erst, wenn man dabei ist, dass
das Geschäft der Banken nicht so einfach geht; sie würden Geld
verleihen, das sie haben. Das könnt ja jeder machen.
Dass dann am Ende das für die Banken nicht die einzige bleibende
Grundlage ihrer Kreditgeschäfte ist, dass sie sich auch darüber erhebt,
kommt später. Erst mal: Das banale Zinsdifferenzgeschäft, sich Geld der
Gesellschaft verfügbar zu machen, es in Geldkapital in eigener Hand zu
verwandeln, eine Beteiligung an der Reichtumsproduktion in Form von
eigenen Geldansprüchen auszurechnen und zustande zu bringen, daraus
alle Schuldverpflichtungen zu erledigen – das macht sie zur Grundlage
für die Garantie der Einlegenden. Mit dem Verweis auf Kreditgeschäfte,
die sie damit eröffnet, betreibt sie ihre Schuldenwirtschaft. Das ist
das Moment von Spekulation.
Diese Macht, aus jedem Geld, das die Bank in die Hand bekommt, ein
Kreditgeschäft zu machen, hat sie deswegen, weil sie sowieso die
Institution ist, über die alle Geldgeschäfte laufen, weil sie die
Zentralisierungsstelle allen Geldes ist. Das ist einerseits der
Ausgangspunkt, andererseits sichert sie sich laufend den neuen Zufluss
aus der Gesellschaft über das, was sie mit dem eingelegten Geld
anstellt. Auf diesen ewigen Zirkel sollte erst Mal hingewiesen werden:
In der Hand der Bank verwandelt sich alles Geld durch dieses doppelte
Verleihgeschäft in Geldkapital und umgekehrt bildet die Bank dadurch
laufend sich vermehrendes Bankkapital, was wiederum Grundlage für den
erweiterten Fortgang der Geschäfte ist.
— Das Verhältnis, die Bank verschafft sich das
Geld anderer Leute und macht aus ihm ihr Geldkapital, gilt nicht nur
für das Geld, das sie sich explizit bei anderen gegen Zinsen leiht,
sondern betrifft all das Geld, das in seiner Eigenschaft als
Geldhandlungskapital fungiert, also Geld, das ihr zur Abwicklung des
Zahlungsverkehrs gegeben wurde. Das wirft vielleicht gar keinen Zins ab
und fungiert bei der Bank trotzdem als ihr Operationsmittel.
Ja, sie macht aus allen Einlagen, egal aus welchem Grund sie bei ihr
passieren, von sich aus ein Kreditgeschäft eigener Natur. Das ist dann,
wenn es in ihrer Hand verfügbar ist, immer etwas anderes und getrennt
von dem, was es als Einlage für den Einlegenden darstellt. Insofern ist
der Ausdruck Zinsdifferenzgeschäft – weniger zahlen, als sie einnimmt –
nur die äußerliche, quantitative Fassung dieser qualitativen
Verwandlung.
Also fremdes Geld und sein Schicksal in der Hand der Bank ist die
Elementarform dessen, was früher immer unter dem Stichwort Verdoppelung
gehandelt wurde und Probleme der Art, ob und wie das Geld jetzt
verdoppelt oder vielleicht gar schon verfünffacht ist, auftauchen ließ.
Wie kann man Verdopplung fassen, nicht nur als quantitative Sache,
sondern als die da stattfindende qualitative Verwandlung? Guthaben des
Einlegers sind Schulden der Bank ihm gegenüber, die sind bei ihr
verbucht, sind also das, worauf der Einleger den ausgemachten
Bedingungen entsprechend Anspruch hat und die sein Vermögen darstellen.
Die sind zugleich bei derselben Bank, die sie als Kredit vergibt,
Guthaben der Bank, die sie damit eröffnet. Geld, das anderswo entweder
als Kredit vergeben ist und seine Rolle spielt oder bei derselben Bank
als Guthaben existiert, das sie aus ihrer Kreditvergabe bildet, als
Geldanspruch, der aus dem Verleihen ihrerseits sich ergeben hat.
Solange und soweit sie die Einlagen gar nicht auszahlen muss, sind das
bei der Bank gebildete Vermögensansprüche des Einlegers und zugleich
mit dem Geld gestifteter Kreditanspruch gegenüber einem Kreditnehmer.
Das ist die elementare Doppelnatur, die die Bankschulden zu Geldkapital
machen.
Soweit die abstrakte Fassung dessen, womit Banken ihr Geschäft machen.
Da liegt etwas Spekulatives darin, da ist das, was im Kredit sowieso
Spekulation ist, fortentwickelt, nämlich dahin, dass die Bank sich
verschuldet mit Blick auf Kreditgeschäfte, zu denen sie sich befähigt.
Fortentwicklung vom vorher behandelten Unterschied von Geld und Kredit
her. Da hieß es, Kredit ist überhaupt Beteiligung an der anderswo
stattfindenden Ausbeutung dadurch, dass man die Verfügungsmacht, die im
Geld steckt, jemandem zur Verfügung stellt, aber das Eigentum am Geld
behält, also den Gebrauchswert des Geldes als Kapital verleiht und über
das Verleihen sich selbst einen Ertrag sichert. Dieser ist im Zins
beziffert, unabhängig davon, ob das erfolgreiche Geschäft – auf das
spekuliert wird – damit gemacht wird. Auch im kommerziellen Kredit (der
heutzutage eine Unterabteilung der Bankgeschäfte ist) ist ein
spekulatives Moment drin, weil die Realisierung noch nicht
stattgefunden hat.
— Unabhängig von der Frage, wer in der
Gläubiger- oder Schuldnerrolle ist, geht es um die Natur des
Schuldverhältnisses, dass man sich ein Recht auf einen Kapitalertrag
erwirbt unabhängig davon, ob der andere in der Lage ist, ihn zu
erwirtschaften, aber gleichzeitig eben darauf spekuliert, dass er dazu
in der Lage ist. Hier sind wir bei dem neuen Punkt, dass die
gesellschaftliche Kreditmaschine die Bank ist und dass es bei ihr ein
doppeltes Schuldverhältnis gibt. Dass sie nämlich damit als ihrem
Kapital wirtschaftet, dass sie der Schuldner von jedermann ist, und
darüber verwandelt sie die ganze Gesellschaft in ihren Schuldner und
wird der allgemeine Gläubiger.
Und das ist ein eigentümlich spekulatives Verhältnis, eben der
Standpunkt, es sei nur nötig, über das Geld von irgendjemand zu
verfügen, dann wäre das Verfügbarmachen kein Problem. Denn es
verwandelt sich ja in ihrer Hand in Geldkapital, in Kreditgeschäfte,
aus denen die Bedienung aller Ansprüche, die sie eingeht, sich nicht
nur ergibt, sondern sich auch laufend vermehrtes Bankkapital bildet.
Also sie rechnet auf die Beteiligung an fremder Profitvermehrung, die
aus dem Eigentumscharakter – selber über Geld zu verfügen, das andere
brauchen – erwächst und bestimmt, dass dieser ausschließende
Eigentumscharakter für sie nicht gilt, denn sie besorgt sich das Geld
bei der ganzen Gesellschaft. Das kann die Bank, weil sie die Instanz
ist, die damit auch die Kreditgeschäfte machen kann, die das
Versprechen, an der Vermehrung beteiligt zu werden, wahr machen.
Die Bank ist die Zentrale dessen, dass Geld immer schon Eigentum ist
und es zugleich einen generellen Verfügungsmangel vom Standpunkt des
Kapitals aus gibt, dazwischen schiebt sich die Bank. Nach beiden Seiten
hin macht sie sich zum Monopolisten: der, der sich Geld verfügbar
macht, wie der, der alle erfolgreichen Kreditgeschäfte der Gesellschaft
in Gang setzt.
Noch mal zu den Einlagen. Was diese für die Einleger darstellen, dass
Zahlungen damit passieren sollen, Zinsansprüche und termingerechte
Rückzahlungen bedient werden, ist grundsätzlich getrennt von dem, was
die Bank damit anstellt. Was es für den Einleger darstellt, diesen
Punkt bewirtschaftet und bewältigt sie, was sie damit anstellt und an
Kreditgeschäften zustande bringt, das ist ihre Sache und gründlich
getrennt davon. Wie sie ihre Versprechen erfüllt, was sie mit diesem
Geld anstellt, ist eine andere Affäre. Wie gesagt, da stecken dann
schon einige, teils schon genannte Friktionen und Fortsetzungen drin.
Sie beschränkt sich nicht auf das Geld, das sie selbst mit
Zinsversprechen bedient, sondern alles, was bei ihr einläuft, wird als
Bankmittel für Kreditgeschäfte behandelt, egal und gleichgültig
dagegen, dass noch ein ganzer gesellschaftlicher Zahlungs- und
Geldverkehr mit diesem Geld bewältigt sein will. Hier wird alles, was
der Bank an Geld zufließt, also Schulden darstellt, zum Mittel erhoben,
alles was an Zahlungsverkehr stattfindet, wird unter den Standpunkt der
Bank, dass das alles ein von ihr zu benutzendes Bankkapital ist,
subsumiert. Durch die Trennung des Gebrauchs des Geldes von dem, der es
ihr gegeben hat, läuft ihr ganzes Geschäft, dadurch kann sie überhaupt
die Ansprüche der Einleger bedienen. Banken können gar nicht genug
Schulden machen, das Ziel ihrer Geschäfte besteht in deren Wachstum.
Wie das geht, dass eingelegtes Geld, das irgendwann wieder gebraucht
wird und dazwischen einen ganzen gesellschaftlichen Zahlungsverkehr
vermitteln soll, zugleich als frei verfügbares Kreditmittel der Bank
funktionieren soll; wie sich die Bank auf den Standpunkt stellen kann:
braucht es das Geld da überhaupt, das verwenden wir anders – ist die
Fortsetzung und soll nächstes Mal behandelt werden.