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Anfragen zum Thema Kredit

Vorlage

Genereller Klärungsbedarf
Einzelne Fragen

Debatte

Zur ersten Frage: Was ist der Unterschied von Münze/Geldscheinen zu Geld zu Wertpapieren zu Kredit?, steht bereits einiges in der Geldbroschüre. Aber aus welchen Überlegungen kommt dieser Klärungsbedarf?
 — Die irrtümliche Meinung hier ist, dass man dem Geldschein unmittelbar ansehen soll, ob es sich hier um realisierten Tauschwert oder Schuld handelt.
Um Einigkeit darüber zu erzielen, was überhaupt Geld ist, sollte man nicht gleich mit der technischen Überlegung beginnen, was alles als Geld fungiert, dass es Banknoten und Münzen gibt und was richtiges Geld ist oder nicht usw. Der grundsätzliche Klärungsbedarf betrifft, wie man den Fragen entnehmen kann, als Erstes das Verhältnis zwischen Geld und staatlicher Gewalt. Bevor man auf Kredit und Kreditzeichen und die daraus folgenden Konsequenzen eingeht, sollte man sich vergewärtigen, womit man es zu tun hat, wenn so elementar von Geld die Rede ist. Alles, was man im Portemonnaie und auf dem Girokonto, dem Sparbuch usw. hat, funktioniert als Geld, in allen diesen Erscheinungsformen kann man bezahlen. Nur ist es eine schlechte Definition, zu sagen, was man mit Geld machen kann.
 — Das Geld ist der gültige Reichtum der Gesellschaft und das Kommando über alles, was es an Gebrauchswerten, Dienstleistungen etc. gibt. Geld ist der Herr darüber. Das ist das Abstrakte am Reichtum. Geld ist das, was als Reichtum in dieser Gesellschaft nur zählt: Zugriffsmittel zu sein, auf alles, was es gibt.
Abstrakt heißt erst mal, es ist von allem Inhalt des Reichtums, von allem Bedarf abgesehen. Es ist Reichtum wegen des Zugriffs auf alles. Das ist ein allen sehr geläufiges Paradoxon, dass es den Reichtum in der Form gibt, dass von allem Inhalt abgesehen wird. Beim Reichtum, der Summe der nützlichen Güter, denken in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft höchstens noch Kinder an die Vielfalt der Bedürfnisse und an Objekte, die sie befriedigen. Vom Inhalt des Reichtums wird abgesehen, hingesehen wird auf etwas, was als 'Verfügungsmacht über' gekennzeichnet war. Es ist ein abstraktes, kein praktisches Verfügen über nützliche Dinge.
Wenn Geld ein Verfügungsrecht verschafft über alle Güter der Welt, liegt in jedem gegenständlichen Reichtum der Gesellschaft eine Restriktion. Die Güter sind erst mal, obwohl massenhaft produziert und materiell zur Verfügung stehend, nicht verfügbar. Sie sind eines Anderen Eigentum. In der Rechtskategorie des Eigentums steckt ein Gewaltverhältnis prinzipieller Art: Der gesamte Reichtum der Gesellschaft steht unter der Bedingung, dem Bedarf erst einmal nicht verfügbar zu sein. Alle Güter und Leistungen unterliegen dem Verfügungsrecht Anderer, dem Eigentumsrecht. Geld ist die vergegenständlichte Macht zur Aufhebung dieser Schranke, das Mittel der Aneignung.
Das Geld als Zugriffsmittel, fremdes Eigentum zu übernehmen, hat ein Maß. Den unter fremder Verfügung produzierten Gütern, diesem gegenständlichen Reichtum, haftet der Bezug aufs Geld in der Form eines Preiszettels an, der Ausschluss ist quantifiziert. Das Geld hebt diesen Ausschluss von den nützlichen Gütern nicht generell auf, sondern nur in dem Maße, wie es selbst eine Maßeinheit multipliziert.
Wenn jedem nützlichem Gut seine Eigentumsqualität als eine quantitative Bestimmung anhängt, was ist dann das Prinzip dieser Quantifizierung? Oder umgekehrt: Was ist die Grundlage dafür, dass alles Geld die Fähigkeit hat, in bestimmten quantitativen Grenzen die Schranke des Eigentums aufzuheben und sich fremde Güter anzueignen. Worauf beruht das beim Geld? Was macht nützliche Güter zur Ware mit einem Preiszettel – das sind die elementaren Überlegungen des K 1. Umgekehrt vom Geld angefangen: Was ist die Grundlage der Potenz des Geldes, die Schranke des Eigentums im bestimmten Maß aufzuheben?
Bisher haben wir die rechtliche Seite dieses Verhältnisses benannt: Eigentum/Ausschluss als Bedingung dafür, dass Verfügungsmacht überhaupt die entscheidende Größe für die Aneignung nützlicher Güter ist, die Fähigkeit Ausschluss aufzuheben. Wenn man fragt, woher der Reichtum die Qualität hat, ein Quantum Eigentum darzustellen, oder woher das Geld die Macht zur Aufhebung dieser Schranke des Eigentums hat, kommt man mehr auf die ökonomische Seite dieses Verhältnisses.
 — Die nützlichen produzierten Güter, die in der Form des Eigentums vorliegen, haben auch das Maß des abstrakten Reichtums. In der Wertsubstanz wie im Maß sind sie in Geld vergleichbar, über die enthaltene abstrakte Arbeit.
Wobei 'abstrakte Arbeit' selbst ein Widerspruch ist, in der Fabrik wird ja nicht abstrakt gearbeitet, da werden die Vorgaben sehr konkret erfüllt. Auch am produzierten Gegenstand als solchem sucht man vergeblich danach. Wenn man den Überlegungen von Marx Stück für Stück folgt, kommt dann als Erklärung die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, es sollte hier aber vom Geld her ausgedrückt werden. Was qualifiziert die produzierte Ware gleich zu einer Sache, die für den Nutzen der Menschheit da ist, ihr aber gar nicht zur Verfügung steht? Geld ist das Mittel, diesen Ausschluss aufzuheben, und die Mehrzahl der Menschheit kommt über den Status, Geld zu brauchen, um sich Güter anzueignen, nicht hinaus. Aber woher hat es diese Potenz?
 — Bei Marx gibt es die Kategorie des allgemeinen Äquivalents, des Gleichgeltens aller Waren gegen das Geld, der Vergleichbarkeit untereinander und mit dem Geld. Abgesehen vom Gebrauchswert, wird nur der Wert betrachtet. Als Gemeinsamkeit bleibt, dass alle Waren Produkt verausgabter Arbeit sind.
Dass im Geld die Macht zur Aneignung fremder nützlicher Güter liegt, ist das Grundprinzip der Gerechtigkeit des Geldes. Es verschafft so viel Zugriff auf Reichtum, wie ihm Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum zugrunde liegt. Die Aneignung unterstellt, jemand hat vorher selbst Eigentum geschaffen, das er dagegen austauschen kann. Die Aneignung ist ein Austauschakt zwischen von der Gesellschaft insgesamt benötigten Elementen des abstrakten Reichtums. Die Zugriffsmacht beruht auf dem Beitrag zur Warenwelt. Der Bestimmung des austauschbaren Eigentums liegt zugrunde, aus einem Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum erwachsen zu sein, was dem Geld selbst innewohnt. Der Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum besteht darin, etwas dafür geleistet zu haben, in Arbeit. Inzwischen gilt zwar z. B. auch das Verfügbarmachen von Grund und Boden als Beitrag, was aber in den 3. Band des 'Kapitals' gehört und Eigentum und seine Quellen unterstellt.
 — Was ist der Unterschied zu dem Gesagten und den Sprüchen der Bürger: Wer Geld hat, muss auch seinen Beitrag dafür geleistet haben?
Es geht hier um die Abstraktion des Quantums von Zugriffsmacht, nicht um den Moralismus, jeder bekommt, was ihm zusteht. Der Bürger drückt die Leistung des Geldes so aus, als wäre es in Ordnung viel davon zu haben. Aber was das Geld leistet, ist von der Frage, was die verschiedenen Typen, die es verdienen, geleistet haben, zu trennen.
 — Um an fremde Gegenstände zu gelangen, muss man selbst eine Ware produziert oder einen anderen Beitrag geleistet haben. Der Zweck der Tätigkeit erschöpft sich darin, damit wieder Zugriff auf anderen gegenständlichen Reichtum zu haben.
Bei Marx liest sich das – sehr kurz gefasst – so: Der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft stellt sich dar als eine große Warenansammlung. Sie hat den Doppelcharakter, ein nützliches Ding mit einem Tauschwert zu sein. Als nützliches Ding ist sie ein Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum, durch den Tauschwert ist sie ein Beitrag zum abstrakten Reichtum. Der gesellschaftliche Lebensprozess funktioniert über den Austausch von Waren, die in ihrer Eigenschaft als Beitrag zum abstrakten Reichtum einander äquivalent sein müssen. Diesen Austausch vermittelt das Geld als allgemeines Äquivalent, es hält die Tauschwertqualität aller Waren in sich fest. Hier sollte umgekehrt einmal geklärt werden, was man beim täglichen Einkaufen ökonomisch betrachtet eigentlich macht.
 — Es ist im Grunde auch ein formeller Schluss zu fragen, wie es kommt, dass alle Gegenstände auf der Welt, die produziert worden sind und Reichtum darstellen, austauschbar sind gegen Geld? Die gegebene Antwort geht darauf zu sagen, dass jede Form gleich gilt. Am Geld – an jeder Form des Geldes – muss die Qualität dran sein wie an den produzierten Gegenständen, nämlich für den Reichtum der Gesellschaft etwas getan zu haben.
Dann muss auch im Geld vergegenständlicht sein, was der Aneignung von nützlichen Gütern zugrunde liegt. Sie gehören jemandem, der sie sich zu seinem Eigentum gemacht hat. Als Beitrag zur Bereicherung der Gesellschaft gibt es nun einmal keine andere Quelle. Bei Austausch ist gleich das allgemeine Gewaltverhältnis mitzudenken. Das Geld ist eine gegenständliche und zugleich auf eine schon in sich quantifizierte Warenwelt bezogene Verfügungs- und Aneignungsmacht. Der erste Schluss ist: Dieser Macht des Geldes liegt zugrunde, dass das Geld selbst schon festhält, irgendeinen Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum geleistet zu haben. Das macht das Allgemeine am Äquivalent aus. Es muss ein solches sein, sonst wäre es bloß ein gewaltsamer Übergriff. Aber es ist auch Tauschmittel, d. h. dass jemand etwas hingegeben hat, um sich etwas anderes aus dem gesellschaftlichen Warenkorb abholen zu können. Das Geld ist die Verallgemeinerung davon. Die Grundlage der Macht des Geldes ist weder die Arbeit, noch die Gewalt, sondern die Subsumption der gesellschaftlichen Arbeit unter das Gewaltverhältnis des Eigentums.
Was ist der Witz daran, dass historisch gesehen bis neulich, diese Macht des Geldes sich in irgendeiner Form immer auf einen Gegenstand, in dem selber einiger Aufwand für seine Produktion gesteckt hat, bezogen hat – Gold oder Silber? Die Zeit, die für sein Auffinden und Ausgraben erforderlich ist, reflektiert sich im Wert des Goldes.
 — Das Geld als etwas Edles darzustellen, verdankt sich der Besonderheit dieses Dings, dieses Gegenstandes. Die Zugriffsmacht soll veranschaulicht, glaubhaft gemacht werden.
Wenn man auf die Besonderheit scharf ist, hat man ein Ding, das sich von allen anderen nützlichen Dingen durch seine Macht, den Ausschluss von fremdem Eigentum aufzuheben, unterscheidet. Diese Macht des Geldes hat man nirgends in einer besseren Form als in der Kreditkarte. Hier ist nur noch die gesetzliche Absicherung, dass diese als Geld funktionieren soll, der Garant dieser Macht. Das reaktionäre Element – dass die Herkunft des allgemeinen Äquivalents aus dem Warentausch an diesem irgendwo noch dran sein muss – ist ausgelöscht in den modernen Erscheinungsformen des Geldes.
 — Am Gold als Arbeitsprodukt ist nichts zu erkennen, was einen Unterschied zum restlichen stofflichen Reichtum ergeben würde; aus ihm kann man z. B. Zahnfüllungen usw. machen. Die Zugriffsmacht auf den gesamten gesellschaftlichen Reichtum ist eine Eigenschaft, die an dem Stoff selber nicht dran ist.
Auch die Qualität des Eigentums, einen Tauschwert zu haben, ist keiner Ware stofflich anzumerken. Schon gleich ist am Gold nicht dran, allgemeiner Austauschstoff zu sein. Damit aus einer Ware mit ihrer Äquivalenz zu anderen Waren, mit ihren durch die Gewohnheit geregelten Tauschverhältnissen, ein allgemeines Äquivalent wird, ist die Abstraktion vom wirklichen Gebrauchswert dieses Gegenstandes dahin gehend, die Eigentumsqualität repräsentieren zu sollen, vonnöten. Diese Abstraktion von der stofflichen Qualität des Gegenstandes hat eine Karriere hinter sich: von der Scheidemünze, die dem Goldstück eine Tauschmacht verlieh, die die vorher schon existierende, gewohnheitsmäßige Macht des Goldes oder Silbers als Tauschmittel, den stofflichen Wert durch Aufprägung höherer Werte überschritt, bis dahin, das Geld in seinen Funktionen durch einen Zettel zu ersetzen. Die Zugriffsmacht auf fremdes Eigentum – dieses Gewaltverhältnis – ist rein für sich in dem, was heutzutage alles als Geld fungiert, dargestellt. Die Grundlage der Macht des Geldes, das Äquivalent eines Beitrags zum gesellschaftlichen Reichtum sein zu müssen, wird dadurch nicht aufgehoben. Was heutzutage von Staats wegen als Geld fungiert ersetzt die ganze Seite der Ware durch ein staatliches Dekret. Diese Abtrennung des Geldes mit seiner Macht von der Verankerung in einer Geldware eröffnet gewissermaßen die Versuchung für den Staat – der schon jeder Fürst erlegen ist, der seine Scheidemünzen immer schlechter gemacht hat -, nämlich eine Verfügungsmacht zu behaupten, die der ökonomischen Grundlage der Verfügungsmacht des Geldes, aus abstrakter Arbeit zu stammen, die einen Beitrag zum gesellschaftlichen Warenbestand liefert, gar nicht entspricht. Das ist nur deswegen ein Widerspruch, weil dem Geld selber immer die Qualität innewohnt, mit ihrer Zugriffsmacht einen Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum zu repräsentieren.
Wenn man sich beim heute bekannten Staatsgeld auf die Frage konzentriert, woher es seine Macht hat, steckt darin der staatliche Standpunkt, die Verfügungsmacht über den gesellschaftlichen Reichtum entstamme einem Beitrag daraus, alles andere wäre Betrug. Die Strafandrohung an Geldfälscher ist eine Reflexion des Staates darauf, niemand dürfe ohne Ablieferung eines Beitrags zum gesellschaftlichen Reichtum – auf anderen als den von ihm vorgeschriebenen und erlaubten Wegen – an die Verfügungsmacht, die im Geld vergegenständlicht ist, herankommen. Dass am Ende außer den wirklichen Warenproduzenten auch noch Kapitalisten, Kreditgeber und auch noch Grundbesitzer Geld verdienen, sind Entfaltungen der Sache. An dem, was man heutzutage als Geld mit sich herumträgt, ist ein wirklicher Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum in objektiver Gestalt nicht mehr realisiert. Das moderne Geld ist ein Ersatz für Geld im Sinne einer ausgezeichneten Ware, was sich auch in der Gefahr zeigt, dass der Staat es vermehren kann, ohne dass dieser Vermehrung wirklich Beiträge zur gesellschaftlichen Arbeit zugrunde liegen. Aber damit dies nicht passiert, verbietet sich sogar der Staat selber, es einfach zu drucken. Wenn es bloß Gewalt wäre, dann könnte er das. Aber auch er kommt auf das Wertgesetz in dem Sinn zurück, dass ein Staat Geld nur drucken darf, wenn es den abstrakten Reichtum der Gesellschaft und dessen Wachstum, also Arbeit für immer neues Eigentum, repräsentiert. Eigentum ist zwar eigentlich eine ganz abstrakte Rechtskategorie, aber man kann es aufessen. Wenn man Ware, die Eigentum ist, aufisst, dann ist das Eigentum auch weg. Deswegen muss immer neues geschaffen werden, damit die Gesellschaft sich erhält. Die Hervorbringung dieses abstrakten Reichtums ist es, Beiträge abzuliefern, die sich von anderen nur quantitativ unterscheiden, von deren Inhalt abgesehen wird. Damit sich Sachen bloß quantitativ voneinander unterscheiden, müssen sie eine gemeinsame Qualität haben: die abstrakte Arbeit ist das Allgemeine an diesen Beiträgen.
Auf die Doppelnatur des Werts, in dem Gewalt schon immer mit drinsteckt, soll aufmerksam gemacht werden. Sogar der Bezug auf die Arbeit, der bei Wert mitgesagt ist, hat die Subsumption dieser unter das Gewaltverhältnis des Ausschlusses, dass die Resultate der Arbeit jemandem gehören und deswegen nicht per se ihren Dienst als nützliche Güter tun, zum Inhalt. Rückwirkend bekommt die Arbeit den Charakter, eine abstrakte, wertschaffende zu sein, was man an der Arbeit selbst niemals auffinden kann. Es ist vielmehr die Unterwerfung der Arbeit unter dieses allgemeine gesellschaftliche Gewaltverhältnis, ein Produkt herzustellen und sich damit in den Konkurrenzkampf um das Austauschen zu begeben. Die Macht des Geldes beruht darauf und reflektiert, dass die Zugriffsmacht des Eigentums auf dem Hintun von eigenem Eigentum beruht, was den gesellschaftlichen Lebensprozess ausmachend gleichbedeutend damit ist, es vorher geschaffen zu haben. Geld ist die Vermittlung zwischen den Individuen, die ihren Lebensprozess ausmacht – Marx nennt dies das reale Gemeinwesen.
Alles Geld gehört dazu. Wir zahlen neuerdings immerzu in Euro, egal ob sie auf einer Kreditkarte elektronisch vermerkt sind, oder ob man sie in Form einer Münze im Portemonnaie hat. Alles hat die Macht der Aneignung innerhalb des Bereichs, in dem wie hier ein ganzes Staatenbündnis dafür sorgt, dass die Gesetze des Eigentums und der Aufhebung seiner Schranken durch Tausch und die Verwendung von Geld als Aneignungsmacht gelten. Das Gewaltverhältnis steckt schon im Namen ‚Euro’, der schriftliche Verweis darauf, dass eine – hier kombinierte – Gewalt die Aneignungsmacht behütet, die im Geld steckt. Geld ist hier elementar die Subsumtion von Arbeit unter die Gewalt des Eigentums.
 — Dass der Staat diese Aneignungsmacht des Geldes per Gewalt sichert und regelt, das gilt für das Geld solange es noch Goldware, Arbeitsprodukt, ist ganz genauso wie heute für die Kreditkarte. Man sollte also nicht auf die Idee kommen zu meinen, solange es noch Goldware ist, ist es etwas Handfestes, Reelles, Gerechtfertigtes und später wird es zu etwas Luftigem und rein auf staatlicher Gewalt Beruhendem. Es ist so oder so ein abstraktes Wertmaß, das nur über diese Gewalt gilt.
Wenn beim Gold gar nicht mehr gefragt wird, wofür es sonst noch gebraucht werden kann, sondern klar ist, dessen eigentlicher Gebrauchswert besteht darin, den Tauschwert zu repräsentieren, ist diese Geldware von ihrem Warencharakter emanzipiert. Seine allgemeine Gültigkeit erhält er per staatlichem Dekret. Ein Dekret, bei dem man sich sicher sein kann, dass der Nachbarstaat dies genauso sieht und man deshalb die Münzen auch einschmelzen und beim Nachbarn wunderbar damit zahlen kann. Das Gold wieder auf seine Warenqualität herunterzubringen, um auszunutzen, dass diese Ware anderswo auch als Geld fungiert, funktioniert mit einem Geldschein der Bundesbank nicht so gut. Wenn, dann ist das der Vorteil der Geldware, wie sehr da gesellschaftliche Konvention und Gewalt Grundlage dafür sind. Versuchte man mit dem Gold irgendwo einkaufen zu gehen, wo die Eingeborenen nur gegen Muscheln tauschen, dann hätte man Pech gehabt, der Tausch käme nicht zustande. Es ist ja auch nie, noch nicht einmal bei den alten Römern, einfach bei der einen Geldware geblieben. Die staatliche Gewalt ist gleich in Form des Prägestempels hinzugetreten, der gesagt hat, dass diese Münze unabhängig davon, wie viel sie wirklich wiegt, eine Unze Gold sein soll.
Genauso elementar soll nun auch der Unterschied zwischen Geld und Kredit geklärt werden. Was ist Kredit?
 — Der Kredit ist im Gegensatz zu dem bisher Gesagten nicht per se Ergebnis eines Beitrages, der schon geleistet worden ist.
Kredit ist aber an der Stelle nichts anderes als verliehenes Geld. Gerade wurde gesagt, Eigentum ist Ausschluss, Geld der Hebel, diesen aufzuheben und sich was anzueignen – und jetzt wird Geld auch noch verliehen. Was stiftet das für ein Verhältnis? Was kauft sich der Kapitalist, wenn er von seiner Bank Geld leiht?
 — Mit dem Zins, den er zahlt, kauft der Kapitalist die Verfügungsmacht über eine bestimmte Summe, aber es wird kein Eigentum übertragen. Das Eigentümliche an der geliehenen Geldsumme ist also, dass das, was Geld vermag, sich vom Kapitalisten angeeignet wird, aber ohne dass es einen Eigentümerwechsel gibt, denn das Eigentum plus Zins bleibt bei der Bank.
Es findet quasi eine Bewusstseinsspaltung des Geldes statt: Die Macht des Geldes wird verkauft, ohne dass das Geld selber in fremde Hände übergeht – so verrückte Sachen kriegt der Kapitalismus zustande. Fakt ist, dass nicht das Geldkapital als solches verkauft wird, was absurd wäre, denn es kostete so viel wie es selber ist, sondern der Gebrauchswert des Geldes, Zugriffsmacht zu eröffnen, wird übertragen. Das geht immer nur auf Zeit, da das Eigentum am Geld beim ursprünglichen Eigentümer bleibt.
 — Aber es wird doch das Geld weggegeben an den, der sich was leiht, das Eigentum am Geld geht also auf ihn über, weswegen er auch ein Rückzahlungsversprechen abgeben muss.
Dieses Versprechen repräsentiert gerade den Eigentumsanspruch der Bank gegen den Schuldner. Jemand, der sein Geld zur Bank trägt und ein Sparbuch eröffnet, hat sich doch auch nicht enteignet. Die Bank kann mit dem eingezahlten Geld machen, was sie will – das ist die besagte Verfügungsmacht -, aber es bleibt Eigentum des Einzahlers, der es jederzeit innerhalb der gesetzlichen Fristen zurückfordern kann.
Kredit ist verliehenes Geld; Eigentum wird nicht verschenkt, sondern der Gebrauch des Eigentums trennt sich vom Eigentümer ab, geht an den Schuldner über. Der Verleiher, der Gläubiger, macht die Benutzung des Geldes – die natürlich an der übertragenen Summe haftet – zu seinem Handelsartikel, ist also im wahrsten Sinn des Wortes ein Geldhändler, der den Gebrauchswert des Geldes zu seinem Handelsartikel macht. Für ihn hat das verliehene Geld den Gebrauchswert, ihm Zins einzuspielen – er braucht es nur zu verleihen, schon wird aus G G’. Der Schuldner bezahlt mit dem Zins die Verfügungsmacht, die in dieser Geldsumme steckt – was er damit anstellt, ist seine Sache. Für ihn ist es die Behebung eines Mangels. Im Gegensatz dazu, sich so viel fremdes Eigentum anzueignen wie man selbst einen Beitrag in Form des verdienten Geldes geleistet hat, geht es jetzt um eine Aneignung ohne Beitrag. Das kann zum Einen ein Mangel im Sinn von Armut sein: Das Geld reicht nicht für einen Gebrauchswert, den es unbedingt braucht, an den Ausleiher muss eine Summe samt Zins gezahlt werden, obwohl doch sowieso schon Geldmangel herrscht, aber immerhin gibt es den Gebrauchswert. Zum Anderen gibt es einen Mangel höherer Art in einer Sphäre, in der mit Geld Geld verdient werden soll. Hier ist die Übertragung von Geld in Form von Kredit an den Schuldner für diesen das Mittel, seine Bereicherung voran zu bringen.
Dies Verhältnis von Schuldner und Gläubiger ist ein pures Rechtsverhältnis – außer ein paar Unterschriften leistet der Gläubiger nichts und vertraut ganz auf die über diesem Akt stehende staatliche Gewalt. Für die Bank entfällt diese ganze ‚Ochsentour’, die der produzierende Kapitalist anleiern muss, bis er endlich zu seinem G’ kommt – das pure Rechtsverhältnis zum Schuldner macht aus Geld mehr Geld.
Welche Unterstellungen sind in diesem Rechtsakt zwischen Schuldner und Gläubiger schon enthalten? Beiden geht es darum, aus G G’ zu machen, die Vermehrung des Geldes in den Rang eines gesellschaftlich herrschenden Zwecks zu erheben. Der Banker rechnet sich sofort bei Abschluss eines Kreditvertrages für die Zukunft reich. Im generellen Verhältnis des Kreditgebers zu einer Geschäftswelt, die den Kredit als Mittel nimmt, mehr zu verdienen, hat sich der Charakter des Geldverdienens ein bisschen geändert. Was ist das Kalkül der Geschäftswelt, die sich Geld leiht, um damit mehr Geld zu verdienen? Ein Geschäftsmann z. B. hat ein bestimmtes Projekt vor, das eine bestimmte Größe hat, hat seine Rechnungen angestellt und seine ganzen Ausbeutungsmodalitäten durchkalkuliert – und die ganze Weisheit, in die sein Kalkül mündet, wenn er von der Bank einen Kredit haben will, ist, dass Masse der Hebel ist, um sich damit in der Konkurrenz der Kapitalisten durchzusetzen. Die Masse garantiert eine Verbesserung der Bedingungen in dieser Konkurrenz. Damit ist von der gekauften Arbeit als Quelle des neuen Geldes abstrahiert. Sie verwandelt sich in eine Frage der Masse des Vorschusses.
Welche Rolle spielt in diesem Kalkül die Arbeit, die Eigentum schafft? Die Qualität der Arbeit mehr zu schaffen als zu kosten geht auf in der Leistung des Kapitals, das über die Arbeit verfügt, als läge es nur an der Summe, um aus den Leuten den Profit herauszuwirtschaften. Der Sache nach ist das Kalkül eines mit der Ausbeutung im Betrieb, die in diesem Leihverhältnis unterstellt ist – das ganze Ausbeutungswesen schreibt der Kapitalist seinem Vorschuss zu. Das Verhältnis zur Ausbeutung ist reduziert auf ein quantitatives Vorhandensein von Geld. Marx handelt das beim Übergang von der Mehrwertrate zur Profitrate ab, wenn er fragt, wie ein Kapitalist rechnet. Er beutet aus wie der Teufel, aber seine Mehrwertrate ist ihm egal, bzw. dem Kriterium untergeordnet, wie sich sein eingesetztes Kapital rentiert. Alles, was er an neu geschaffenem Eigentum aus den Leuten herausholt, bezieht er rechnerisch auf seinen Gesamtvorschuss und nicht auf den Lohnvorschuss. Dass er so rechnet, verdankt sich seinem Standpunkt, sein Kapital wäre nach Maßgabe seiner Größe die Quelle seines Überschusses. Diese Rechnung setzt der Kapitalist in die Tat um, wenn er bei der Bank einen Kredit beantragt. Der Bezugspunkt, auf den er die Ausbeutung seiner Proleten berechnet, ist immer der Gesamtvorschuss, der sich dann so irrational aufteilt in seine Rendite und den Zins, den er der Bank schuldet. Dabei ist die Kalkulation einer Profitrate als Quelle unterstellt, die Pflicht dem Gläubiger gegenüber einzugehen. Dass die Banken ihrerseits sich so sicher sein können – wenn sie G sagen, ist der Strich schon mitgesagt -, unterstellt, dass in der Gesellschaft insgesamt durchgesetzt ist, die Vermehrung des gesellschaftlichen Reichtums in Eigentumsform sei eine Frage des Vorschusses. Dass die Kapitalisten diesen Standpunkt in ihren Firmen exekutieren, ist Grundlage dafür, dass Banken dies in großem Stil auf einer noch höheren Abstraktionsebene tun. Für die Bank ist nämlich im Geld und im Rechtsverhältnis des Verleihens die Vermehrung eingeschlossen. Beim Verleihen wird die verrückte Gleichung des Kapitalismus – Kapital verwertet sich – im Geldkapital des Gläubigers auf eine absonderliche Weise unter Weglassung des ganzen Ausbeutungsverhältnisses zur Realität.
Diesem Kreditverhältnis bleibt natürlich sein elementarer Haken erhalten: Der wunderbare Zusammenschluss von G ‑ G’ bleibt von dem abhängig, worüber er sich hinwegsetzt, wenn Banken sich die Freiheit nehmen, über zukünftige Beträge so zu verfügen, als ließe sich mit denen vorher schon rechnen. Sie sind und bleiben aber abhängig davon, dass die Kapitalisten mit dem Geld, das sie sich ausgeliehen haben, tatsächlich auch ihr Geschäft zustande bringen. Das macht die grundsätzlich prekäre und spekulative Natur des Kreditgeschäfts aus, auch in diesem schlichten Verhältnis, wo Kredit nichts weiter ist als verliehenes Geld.