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Anfragen zum Thema Kredit
Vorlage
Genereller Klärungsbedarf
- Was ist der Unterschied von Münze/Geldschein zu Geld zu
Wertpapier zu
Kredit?
- Was haben die Banken und der Staat damit zu tun, was setzen sie
wie in
die Welt?
- Wenn Wert durch Staatsgewalt ersetzt wird, wieso braucht dann
Geld in
der Krise Vertrauen – warum reicht da Staatsgewalt nicht aus?
- Wieso kann also erst Bankgeld und dann auch staatlich
garantiertes Geld
seinen Wert verlieren – und warum gelten dann Produktion/Wachstum oder
Immobilien oder Gold als wertbeständige Sicherheiten?
Einzelne Fragen
- Warum brauchen Banken, um aus der Krise zu kommen, GELD?
- Warum brauchen und warum kriegen Banken im Krisenfall Geld,
obwohl sie
gar kein Geld, sondern nur fiktive Titel verspekuliert haben?
- Warum braucht ein Geldinstitut, das 800 Millionen in den Sand
setzt,
1,9 Milliarden vom Staat als Hilfe?
- Was hat denn eine Bank überhaupt verspekuliert, wenn es eh nur
Schuldscheine waren und gar kein richtiges Geld?
- Warum geben Banken den Unternehmen keine Kredite mehr? Als hätten
sie
kein Geld mehr im Safe – wo sie doch bisher auch kein Geld verliehen,
sondern nur Schuldtitel ausgestellt haben?
- Wen kümmert es überhaupt, dass Spekulanten erst ihre Werte
hochrechnen
und dann wieder verlieren – sind sie den etwas anderes als fiktive,
also für die Wirklichkeit unmaßgebliche Summen?
- Warum rufen „fiktive Verluste“ den Staat auf den Plan, und wieso
kosten
gebuchte Bankverluste möglicherweise reelle Steuergelder?
- Die Investmentbank Bear Sterns, vor einem Jahr noch etwa 20 Mrd.
$
wert, verliert so viel Wert, dass sie vor dem Bankrott steht. Die Bank
J.P.Morgan kauft sie für 236 Mio. $. Wieso kauft eine Bank eine
bankrotte Bank? Und zahlt dafür einen „Spottpreis“, der für jeden
Normalbürger unerschwinglich wäre?
- Zum Verhältnis von Wert und Vertrauen: Erst hieß es, die
gewinnträchtige Geschäftspolitik der Banken sei die solide Grundlage
des Vertrauens in die Banken – und jetzt soll das Überleben der Banken
davon abhängen, dass Bürger, Staat und Ausland sie mit ihrem Vertrauen
retten, weil sie sonst nichts wert sind. Wie soll das gehen?
- Die Bayerische Landesbank gibt Ausfälle von 4,3 Mrd. Euro bekannt
–
davon seien aber nur 1 Mrd. tatsächlich verloren; dann plant man eine
ausgegliederte Abteilung mit 24 Mrd. risikobehafteten Papieren. Was ist
dran an der Aussage, dass alles nur eine Frage der Verwertung sei und
jetzt für wertlos erklärte Papiere in 2 Jahren wieder wertvoll sein
könnten, die Krise eigentlich also nur eine Frage der Zeit sei?
Debatte
Zur ersten Frage: Was ist der Unterschied von Münze/Geldscheinen zu
Geld zu Wertpapieren zu Kredit?, steht bereits einiges in der
Geldbroschüre. Aber aus welchen Überlegungen kommt dieser
Klärungsbedarf?
— Die irrtümliche Meinung
hier ist, dass man dem Geldschein
unmittelbar ansehen soll, ob es sich hier um realisierten Tauschwert
oder Schuld handelt.
Um Einigkeit darüber zu erzielen, was überhaupt Geld ist, sollte man
nicht gleich mit der technischen Überlegung beginnen, was alles als
Geld fungiert, dass es Banknoten und Münzen gibt und was richtiges Geld
ist oder nicht usw. Der grundsätzliche Klärungsbedarf betrifft, wie man
den Fragen entnehmen kann, als Erstes das Verhältnis zwischen Geld und
staatlicher Gewalt. Bevor man auf Kredit und Kreditzeichen und die
daraus folgenden Konsequenzen eingeht, sollte man sich vergewärtigen,
womit man es zu tun hat, wenn so elementar von Geld die Rede ist.
Alles, was man im Portemonnaie und auf dem Girokonto, dem Sparbuch usw.
hat, funktioniert als Geld, in allen diesen Erscheinungsformen kann man
bezahlen. Nur ist es eine schlechte Definition, zu sagen, was man mit
Geld machen kann.
— Das Geld ist der gültige
Reichtum der Gesellschaft und das
Kommando über alles, was es an Gebrauchswerten, Dienstleistungen etc.
gibt. Geld ist der Herr darüber. Das ist das Abstrakte am Reichtum.
Geld ist das, was als Reichtum in dieser Gesellschaft nur zählt:
Zugriffsmittel zu sein, auf alles, was es gibt.
Abstrakt heißt erst mal, es ist von allem Inhalt des Reichtums, von
allem Bedarf abgesehen. Es ist Reichtum wegen des Zugriffs auf alles.
Das ist ein allen sehr geläufiges Paradoxon, dass es den Reichtum in
der Form gibt, dass von allem Inhalt abgesehen wird. Beim Reichtum, der
Summe der nützlichen Güter, denken in der heutigen bürgerlichen
Gesellschaft höchstens noch Kinder an die Vielfalt der Bedürfnisse und
an Objekte, die sie befriedigen. Vom Inhalt des Reichtums wird
abgesehen, hingesehen wird auf etwas, was als 'Verfügungsmacht über'
gekennzeichnet war. Es ist ein abstraktes, kein praktisches Verfügen
über nützliche Dinge.
Wenn Geld ein Verfügungsrecht verschafft über alle Güter der Welt,
liegt in jedem gegenständlichen Reichtum der Gesellschaft eine
Restriktion. Die Güter sind erst mal, obwohl massenhaft produziert und
materiell zur Verfügung stehend, nicht verfügbar. Sie sind eines
Anderen Eigentum. In der Rechtskategorie des Eigentums steckt ein
Gewaltverhältnis prinzipieller Art: Der gesamte Reichtum der
Gesellschaft steht unter der Bedingung, dem Bedarf erst einmal nicht
verfügbar zu sein. Alle Güter und Leistungen unterliegen dem
Verfügungsrecht Anderer, dem Eigentumsrecht. Geld ist die
vergegenständlichte Macht zur Aufhebung dieser Schranke, das Mittel der
Aneignung.
Das Geld als Zugriffsmittel, fremdes Eigentum zu übernehmen, hat ein
Maß. Den unter fremder Verfügung produzierten Gütern, diesem
gegenständlichen Reichtum, haftet der Bezug aufs Geld in der Form eines
Preiszettels an, der Ausschluss ist quantifiziert. Das Geld hebt diesen
Ausschluss von den nützlichen Gütern nicht generell auf, sondern nur in
dem Maße, wie es selbst eine Maßeinheit multipliziert.
Wenn jedem nützlichem Gut seine Eigentumsqualität als eine quantitative
Bestimmung anhängt, was ist dann das Prinzip dieser Quantifizierung?
Oder umgekehrt: Was ist die Grundlage dafür, dass alles Geld die
Fähigkeit hat, in bestimmten quantitativen Grenzen die Schranke des
Eigentums aufzuheben und sich fremde Güter anzueignen. Worauf beruht
das beim Geld? Was macht nützliche Güter zur Ware mit einem Preiszettel
– das sind die elementaren Überlegungen des K 1. Umgekehrt vom Geld
angefangen: Was ist die Grundlage der Potenz des Geldes, die Schranke
des Eigentums im bestimmten Maß aufzuheben?
Bisher haben wir die rechtliche Seite dieses Verhältnisses benannt:
Eigentum/Ausschluss als Bedingung dafür, dass Verfügungsmacht überhaupt
die entscheidende Größe für die Aneignung nützlicher Güter ist, die
Fähigkeit Ausschluss aufzuheben. Wenn man fragt, woher der Reichtum die
Qualität hat, ein Quantum Eigentum darzustellen, oder woher das Geld
die Macht zur Aufhebung dieser Schranke des Eigentums hat, kommt man
mehr auf die ökonomische Seite dieses Verhältnisses.
— Die nützlichen
produzierten Güter, die in der Form des
Eigentums vorliegen, haben auch das Maß des abstrakten Reichtums. In
der Wertsubstanz wie im Maß sind sie in Geld vergleichbar, über die
enthaltene abstrakte Arbeit.
Wobei 'abstrakte Arbeit' selbst ein Widerspruch ist, in der Fabrik wird
ja nicht abstrakt gearbeitet, da werden die Vorgaben sehr konkret
erfüllt. Auch am produzierten Gegenstand als solchem sucht man
vergeblich danach. Wenn man den Überlegungen von Marx Stück für Stück
folgt, kommt dann als Erklärung die gesellschaftlich notwendige
Arbeitszeit, es sollte hier aber vom Geld her ausgedrückt werden. Was
qualifiziert die produzierte Ware gleich zu einer Sache, die für den
Nutzen der Menschheit da ist, ihr aber gar nicht zur Verfügung steht?
Geld ist das Mittel, diesen Ausschluss aufzuheben, und die Mehrzahl der
Menschheit kommt über den Status, Geld zu brauchen, um sich Güter
anzueignen, nicht hinaus. Aber woher hat es diese Potenz?
— Bei Marx gibt es die
Kategorie des allgemeinen
Äquivalents, des Gleichgeltens aller Waren gegen das Geld, der
Vergleichbarkeit untereinander und mit dem Geld. Abgesehen vom
Gebrauchswert, wird nur der Wert betrachtet. Als Gemeinsamkeit bleibt,
dass alle Waren Produkt verausgabter Arbeit sind.
Dass im Geld die Macht zur Aneignung fremder nützlicher Güter liegt,
ist das Grundprinzip der Gerechtigkeit des Geldes. Es verschafft so
viel Zugriff auf Reichtum, wie ihm Beitrag zum gesellschaftlichen
Reichtum zugrunde liegt. Die Aneignung unterstellt, jemand hat vorher
selbst Eigentum geschaffen, das er dagegen austauschen kann. Die
Aneignung ist ein Austauschakt zwischen von der Gesellschaft insgesamt
benötigten Elementen des abstrakten Reichtums. Die Zugriffsmacht beruht
auf dem Beitrag zur Warenwelt. Der Bestimmung des austauschbaren
Eigentums liegt zugrunde, aus einem Beitrag zum gesellschaftlichen
Reichtum erwachsen zu sein, was dem Geld selbst innewohnt. Der Beitrag
zum gesellschaftlichen Reichtum besteht darin, etwas dafür geleistet zu
haben, in Arbeit. Inzwischen gilt zwar z. B. auch das Verfügbarmachen
von Grund und Boden als Beitrag, was aber in den 3. Band des 'Kapitals'
gehört und Eigentum und seine Quellen unterstellt.
— Was ist der Unterschied
zu dem Gesagten und den Sprüchen
der Bürger: Wer Geld hat, muss auch seinen Beitrag dafür geleistet
haben?
Es geht hier um die Abstraktion des Quantums von Zugriffsmacht, nicht
um den Moralismus, jeder bekommt, was ihm zusteht. Der Bürger drückt
die Leistung des Geldes so aus, als wäre es in Ordnung viel davon zu
haben. Aber was das Geld leistet, ist von der Frage, was die
verschiedenen Typen, die es verdienen, geleistet haben, zu trennen.
— Um an fremde Gegenstände
zu gelangen, muss man selbst eine
Ware produziert oder einen anderen Beitrag geleistet haben. Der Zweck
der Tätigkeit erschöpft sich darin, damit wieder Zugriff auf anderen
gegenständlichen Reichtum zu haben.
Bei Marx liest sich das – sehr kurz gefasst – so: Der Reichtum der
kapitalistischen Gesellschaft stellt sich dar als eine große
Warenansammlung. Sie hat den Doppelcharakter, ein nützliches Ding mit
einem Tauschwert zu sein. Als nützliches Ding ist sie ein Beitrag zum
gesellschaftlichen Reichtum, durch den Tauschwert ist sie ein Beitrag
zum abstrakten Reichtum. Der gesellschaftliche Lebensprozess
funktioniert über den Austausch von Waren, die in ihrer Eigenschaft als
Beitrag zum abstrakten Reichtum einander äquivalent sein müssen. Diesen
Austausch vermittelt das Geld als allgemeines Äquivalent, es hält die
Tauschwertqualität aller Waren in sich fest. Hier sollte umgekehrt
einmal geklärt werden, was man beim täglichen Einkaufen ökonomisch
betrachtet eigentlich macht.
— Es ist im Grunde auch
ein formeller Schluss zu fragen, wie
es kommt, dass alle Gegenstände auf der Welt, die produziert worden
sind und Reichtum darstellen, austauschbar sind gegen Geld? Die
gegebene Antwort geht darauf zu sagen, dass jede Form gleich gilt. Am
Geld – an jeder Form des Geldes – muss die Qualität dran sein wie an
den produzierten Gegenständen, nämlich für den Reichtum der
Gesellschaft etwas getan zu haben.
Dann muss auch im Geld vergegenständlicht sein, was der Aneignung von
nützlichen Gütern zugrunde liegt. Sie gehören jemandem, der sie sich zu
seinem Eigentum gemacht hat. Als Beitrag zur Bereicherung der
Gesellschaft gibt es nun einmal keine andere Quelle. Bei Austausch ist
gleich das allgemeine Gewaltverhältnis mitzudenken. Das Geld ist eine
gegenständliche und zugleich auf eine schon in sich quantifizierte
Warenwelt bezogene Verfügungs- und Aneignungsmacht. Der erste Schluss
ist: Dieser Macht des Geldes liegt zugrunde, dass das Geld selbst schon
festhält, irgendeinen Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum geleistet
zu haben. Das macht das Allgemeine am Äquivalent aus. Es muss ein
solches sein, sonst wäre es bloß ein gewaltsamer Übergriff. Aber es ist
auch Tauschmittel, d. h. dass jemand etwas hingegeben hat, um sich
etwas anderes aus dem gesellschaftlichen Warenkorb abholen zu können.
Das Geld ist die Verallgemeinerung davon. Die Grundlage der Macht des
Geldes ist weder die Arbeit, noch die Gewalt, sondern die Subsumption
der gesellschaftlichen Arbeit unter das Gewaltverhältnis des Eigentums.
Was ist der Witz daran, dass historisch gesehen bis neulich, diese
Macht des Geldes sich in irgendeiner Form immer auf einen Gegenstand,
in dem selber einiger Aufwand für seine Produktion gesteckt hat,
bezogen hat – Gold oder Silber? Die Zeit, die für sein Auffinden und
Ausgraben erforderlich ist, reflektiert sich im Wert des Goldes.
— Das Geld als etwas Edles
darzustellen, verdankt sich der
Besonderheit dieses Dings, dieses Gegenstandes. Die Zugriffsmacht soll
veranschaulicht, glaubhaft gemacht werden.
Wenn man auf die Besonderheit scharf ist, hat man ein Ding, das sich
von allen anderen nützlichen Dingen durch seine Macht, den Ausschluss
von fremdem Eigentum aufzuheben, unterscheidet. Diese Macht des Geldes
hat man nirgends in einer besseren Form als in der Kreditkarte. Hier
ist nur noch die gesetzliche Absicherung, dass diese als Geld
funktionieren soll, der Garant dieser Macht. Das reaktionäre Element –
dass die Herkunft des allgemeinen Äquivalents aus dem Warentausch an
diesem irgendwo noch dran sein muss – ist ausgelöscht in den modernen
Erscheinungsformen des Geldes.
— Am Gold als
Arbeitsprodukt ist nichts zu erkennen, was
einen Unterschied zum restlichen stofflichen Reichtum ergeben würde;
aus ihm kann man z. B. Zahnfüllungen usw. machen. Die
Zugriffsmacht auf den gesamten gesellschaftlichen Reichtum ist eine
Eigenschaft, die an dem Stoff selber nicht dran ist.
Auch die Qualität des Eigentums, einen Tauschwert zu haben, ist keiner
Ware stofflich anzumerken. Schon gleich ist am Gold nicht dran,
allgemeiner Austauschstoff zu sein. Damit aus einer Ware mit ihrer
Äquivalenz zu anderen Waren, mit ihren durch die Gewohnheit geregelten
Tauschverhältnissen, ein allgemeines Äquivalent wird, ist die
Abstraktion vom wirklichen Gebrauchswert dieses Gegenstandes dahin
gehend, die Eigentumsqualität repräsentieren zu sollen, vonnöten. Diese
Abstraktion von der stofflichen Qualität des Gegenstandes hat eine
Karriere hinter sich: von der Scheidemünze, die dem Goldstück eine
Tauschmacht verlieh, die die vorher schon existierende,
gewohnheitsmäßige Macht des Goldes oder Silbers als Tauschmittel, den
stofflichen Wert durch Aufprägung höherer Werte überschritt, bis dahin,
das Geld in seinen Funktionen durch einen Zettel zu ersetzen. Die
Zugriffsmacht auf fremdes Eigentum – dieses Gewaltverhältnis – ist rein
für sich in dem, was heutzutage alles als Geld fungiert, dargestellt.
Die Grundlage der Macht des Geldes, das Äquivalent eines Beitrags zum
gesellschaftlichen Reichtum sein zu müssen, wird dadurch nicht
aufgehoben. Was heutzutage von Staats wegen als Geld fungiert ersetzt
die ganze Seite der Ware durch ein staatliches Dekret. Diese Abtrennung
des Geldes mit seiner Macht von der Verankerung in einer Geldware
eröffnet gewissermaßen die Versuchung für den Staat – der schon jeder
Fürst erlegen ist, der seine Scheidemünzen immer schlechter gemacht hat
-, nämlich eine Verfügungsmacht zu behaupten, die der ökonomischen
Grundlage der Verfügungsmacht des Geldes, aus abstrakter Arbeit zu
stammen, die einen Beitrag zum gesellschaftlichen Warenbestand liefert,
gar nicht entspricht. Das ist nur deswegen ein Widerspruch, weil dem
Geld selber immer die Qualität innewohnt, mit ihrer Zugriffsmacht einen
Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum zu repräsentieren.
Wenn man sich beim heute bekannten Staatsgeld auf die Frage
konzentriert, woher es seine Macht hat, steckt darin der staatliche
Standpunkt, die Verfügungsmacht über den gesellschaftlichen Reichtum
entstamme einem Beitrag daraus, alles andere wäre Betrug. Die
Strafandrohung an Geldfälscher ist eine Reflexion des Staates darauf,
niemand dürfe ohne Ablieferung eines Beitrags zum gesellschaftlichen
Reichtum – auf anderen als den von ihm vorgeschriebenen und erlaubten
Wegen – an die Verfügungsmacht, die im Geld vergegenständlicht ist,
herankommen. Dass am Ende außer den wirklichen Warenproduzenten auch
noch Kapitalisten, Kreditgeber und auch noch Grundbesitzer Geld
verdienen, sind Entfaltungen der Sache. An dem, was man heutzutage als
Geld mit sich herumträgt, ist ein wirklicher Beitrag zum
gesellschaftlichen Reichtum in objektiver Gestalt nicht mehr
realisiert. Das moderne Geld ist ein Ersatz für Geld im Sinne einer
ausgezeichneten Ware, was sich auch in der Gefahr zeigt, dass der Staat
es vermehren kann, ohne dass dieser Vermehrung wirklich Beiträge zur
gesellschaftlichen Arbeit zugrunde liegen. Aber damit dies nicht
passiert, verbietet sich sogar der Staat selber, es einfach zu drucken.
Wenn es bloß Gewalt wäre, dann könnte er das. Aber auch er kommt auf
das Wertgesetz in dem Sinn zurück, dass ein Staat Geld nur drucken
darf, wenn es den abstrakten Reichtum der Gesellschaft und dessen
Wachstum, also Arbeit für immer neues Eigentum, repräsentiert. Eigentum
ist zwar eigentlich eine ganz abstrakte Rechtskategorie, aber man kann
es aufessen. Wenn man Ware, die Eigentum ist, aufisst, dann ist das
Eigentum auch weg. Deswegen muss immer neues geschaffen werden, damit
die Gesellschaft sich erhält. Die Hervorbringung dieses abstrakten
Reichtums ist es, Beiträge abzuliefern, die sich von anderen nur
quantitativ unterscheiden, von deren Inhalt abgesehen wird. Damit sich
Sachen bloß quantitativ voneinander unterscheiden, müssen sie eine
gemeinsame Qualität haben: die abstrakte Arbeit ist das Allgemeine an
diesen Beiträgen.
Auf die Doppelnatur des Werts, in dem Gewalt schon immer mit
drinsteckt, soll aufmerksam gemacht werden. Sogar der Bezug auf die
Arbeit, der bei Wert mitgesagt ist, hat die Subsumption dieser unter
das Gewaltverhältnis des Ausschlusses, dass die Resultate der Arbeit
jemandem gehören und deswegen nicht per se ihren Dienst als nützliche
Güter tun, zum Inhalt. Rückwirkend bekommt die Arbeit den Charakter,
eine abstrakte, wertschaffende zu sein, was man an der Arbeit selbst
niemals auffinden kann. Es ist vielmehr die Unterwerfung der Arbeit
unter dieses allgemeine gesellschaftliche Gewaltverhältnis, ein Produkt
herzustellen und sich damit in den Konkurrenzkampf um das Austauschen
zu begeben. Die Macht des Geldes beruht darauf und reflektiert, dass
die Zugriffsmacht des Eigentums auf dem Hintun von eigenem Eigentum
beruht, was den gesellschaftlichen Lebensprozess ausmachend
gleichbedeutend damit ist, es vorher geschaffen zu haben. Geld ist die
Vermittlung zwischen den Individuen, die ihren Lebensprozess ausmacht –
Marx nennt dies das reale Gemeinwesen.
Alles Geld gehört dazu. Wir zahlen neuerdings immerzu in Euro, egal ob
sie auf einer Kreditkarte elektronisch vermerkt sind, oder ob man sie
in Form einer Münze im Portemonnaie hat. Alles hat die Macht der
Aneignung innerhalb des Bereichs, in dem wie hier ein ganzes
Staatenbündnis dafür sorgt, dass die Gesetze des Eigentums und der
Aufhebung seiner Schranken durch Tausch und die Verwendung von Geld als
Aneignungsmacht gelten. Das Gewaltverhältnis steckt schon im Namen
‚Euro’, der schriftliche Verweis darauf, dass eine – hier kombinierte –
Gewalt die Aneignungsmacht behütet, die im Geld steckt. Geld ist hier
elementar die Subsumtion von Arbeit unter die Gewalt des Eigentums.
— Dass der Staat diese
Aneignungsmacht des Geldes per Gewalt
sichert und regelt, das gilt für das Geld solange es noch Goldware,
Arbeitsprodukt, ist ganz genauso wie heute für die Kreditkarte. Man
sollte also nicht auf die Idee kommen zu meinen, solange es noch
Goldware ist, ist es etwas Handfestes, Reelles, Gerechtfertigtes und
später wird es zu etwas Luftigem und rein auf staatlicher Gewalt
Beruhendem. Es ist so oder so ein abstraktes Wertmaß, das nur über
diese Gewalt gilt.
Wenn beim Gold gar nicht mehr gefragt wird, wofür es sonst noch
gebraucht werden kann, sondern klar ist, dessen eigentlicher
Gebrauchswert besteht darin, den Tauschwert zu repräsentieren, ist
diese Geldware von ihrem Warencharakter emanzipiert. Seine allgemeine
Gültigkeit erhält er per staatlichem Dekret. Ein Dekret, bei dem man
sich sicher sein kann, dass der Nachbarstaat dies genauso sieht und man
deshalb die Münzen auch einschmelzen und beim Nachbarn wunderbar damit
zahlen kann. Das Gold wieder auf seine Warenqualität herunterzubringen,
um auszunutzen, dass diese Ware anderswo auch als Geld fungiert,
funktioniert mit einem Geldschein der Bundesbank nicht so gut. Wenn,
dann ist das der Vorteil der Geldware, wie sehr da gesellschaftliche
Konvention und Gewalt Grundlage dafür sind. Versuchte man mit dem Gold
irgendwo einkaufen zu gehen, wo die Eingeborenen nur gegen Muscheln
tauschen, dann hätte man Pech gehabt, der Tausch käme nicht zustande.
Es ist ja auch nie, noch nicht einmal bei den alten Römern, einfach bei
der einen Geldware geblieben. Die staatliche Gewalt ist gleich in Form
des Prägestempels hinzugetreten, der gesagt hat, dass diese Münze
unabhängig davon, wie viel sie wirklich wiegt, eine Unze Gold sein
soll.
Genauso elementar soll nun auch der Unterschied zwischen Geld und
Kredit geklärt werden. Was ist Kredit?
— Der Kredit ist im
Gegensatz zu dem bisher Gesagten nicht
per se Ergebnis eines Beitrages, der schon geleistet worden ist.
Kredit ist aber an der Stelle nichts anderes als verliehenes Geld.
Gerade wurde gesagt, Eigentum ist Ausschluss, Geld der Hebel, diesen
aufzuheben und sich was anzueignen – und jetzt wird Geld auch noch
verliehen. Was stiftet das für ein Verhältnis? Was kauft sich der
Kapitalist, wenn er von seiner Bank Geld leiht?
— Mit dem Zins, den er
zahlt, kauft der Kapitalist die
Verfügungsmacht über eine bestimmte Summe, aber es wird kein Eigentum
übertragen. Das Eigentümliche an der geliehenen Geldsumme ist also,
dass das, was Geld vermag, sich vom Kapitalisten angeeignet wird, aber
ohne dass es einen Eigentümerwechsel gibt, denn das Eigentum plus Zins
bleibt bei der Bank.
Es findet quasi eine Bewusstseinsspaltung des Geldes statt: Die Macht
des Geldes wird verkauft, ohne dass das Geld selber in fremde Hände
übergeht – so verrückte Sachen kriegt der Kapitalismus zustande. Fakt
ist, dass nicht das Geldkapital als solches verkauft wird, was absurd
wäre, denn es kostete so viel wie es selber ist, sondern der
Gebrauchswert des Geldes, Zugriffsmacht zu eröffnen, wird übertragen.
Das geht immer nur auf Zeit, da das Eigentum am Geld beim
ursprünglichen Eigentümer bleibt.
— Aber es wird doch das
Geld weggegeben an den, der sich was
leiht, das Eigentum am Geld geht also auf ihn über, weswegen er auch
ein Rückzahlungsversprechen abgeben muss.
Dieses Versprechen repräsentiert gerade den Eigentumsanspruch der Bank
gegen den Schuldner. Jemand, der sein Geld zur Bank trägt und ein
Sparbuch eröffnet, hat sich doch auch nicht enteignet. Die Bank kann
mit dem eingezahlten Geld machen, was sie will – das ist die besagte
Verfügungsmacht -, aber es bleibt Eigentum des Einzahlers, der es
jederzeit innerhalb der gesetzlichen Fristen zurückfordern kann.
Kredit ist verliehenes Geld; Eigentum wird nicht verschenkt, sondern
der Gebrauch des Eigentums trennt sich vom Eigentümer ab, geht an den
Schuldner über. Der Verleiher, der Gläubiger, macht die Benutzung des
Geldes – die natürlich an der übertragenen Summe haftet – zu seinem
Handelsartikel, ist also im wahrsten Sinn des Wortes ein Geldhändler,
der den Gebrauchswert des Geldes zu seinem Handelsartikel macht. Für
ihn hat das verliehene Geld den Gebrauchswert, ihm Zins einzuspielen –
er braucht es nur zu verleihen, schon wird aus G G’. Der Schuldner
bezahlt mit dem Zins die Verfügungsmacht, die in dieser Geldsumme
steckt – was er damit anstellt, ist seine Sache. Für ihn ist es die
Behebung eines Mangels. Im Gegensatz dazu, sich so viel fremdes
Eigentum anzueignen wie man selbst einen Beitrag in Form des verdienten
Geldes geleistet hat, geht es jetzt um eine Aneignung ohne Beitrag. Das
kann zum Einen ein Mangel im Sinn von Armut sein: Das Geld reicht nicht
für einen Gebrauchswert, den es unbedingt braucht, an den Ausleiher
muss eine Summe samt Zins gezahlt werden, obwohl doch sowieso schon
Geldmangel herrscht, aber immerhin gibt es den Gebrauchswert. Zum
Anderen gibt es einen Mangel höherer Art in einer Sphäre, in der mit
Geld Geld verdient werden soll. Hier ist die Übertragung von Geld in
Form von Kredit an den Schuldner für diesen das Mittel, seine
Bereicherung voran zu bringen.
Dies Verhältnis von Schuldner und Gläubiger ist ein pures
Rechtsverhältnis – außer ein paar Unterschriften leistet der Gläubiger
nichts und vertraut ganz auf die über diesem Akt stehende staatliche
Gewalt. Für die Bank entfällt diese ganze ‚Ochsentour’, die der
produzierende Kapitalist anleiern muss, bis er endlich zu seinem G’
kommt – das pure Rechtsverhältnis zum Schuldner macht aus Geld mehr
Geld.
Welche Unterstellungen sind in diesem Rechtsakt zwischen Schuldner und
Gläubiger schon enthalten? Beiden geht es darum, aus G G’ zu machen,
die Vermehrung des Geldes in den Rang eines gesellschaftlich
herrschenden Zwecks zu erheben. Der Banker rechnet sich sofort bei
Abschluss eines Kreditvertrages für die Zukunft reich. Im generellen
Verhältnis des Kreditgebers zu einer Geschäftswelt, die den Kredit als
Mittel nimmt, mehr zu verdienen, hat sich der Charakter des
Geldverdienens ein bisschen geändert. Was ist das Kalkül der
Geschäftswelt, die sich Geld leiht, um damit mehr Geld zu verdienen?
Ein Geschäftsmann z. B. hat ein bestimmtes Projekt vor, das eine
bestimmte Größe hat, hat seine Rechnungen angestellt und seine ganzen
Ausbeutungsmodalitäten durchkalkuliert – und die ganze Weisheit, in die
sein Kalkül mündet, wenn er von der Bank einen Kredit haben will, ist,
dass Masse der Hebel ist, um sich damit in der Konkurrenz der
Kapitalisten durchzusetzen. Die Masse garantiert eine Verbesserung der
Bedingungen in dieser Konkurrenz. Damit ist von der gekauften Arbeit
als Quelle des neuen Geldes abstrahiert. Sie verwandelt sich in eine
Frage der Masse des Vorschusses.
Welche Rolle spielt in diesem Kalkül die Arbeit, die Eigentum schafft?
Die Qualität der Arbeit mehr zu schaffen als zu kosten geht auf in der
Leistung des Kapitals, das über die Arbeit verfügt, als läge es nur an
der Summe, um aus den Leuten den Profit herauszuwirtschaften. Der Sache
nach ist das Kalkül eines mit der Ausbeutung im Betrieb, die in diesem
Leihverhältnis unterstellt ist – das ganze Ausbeutungswesen schreibt
der Kapitalist seinem Vorschuss zu. Das Verhältnis zur Ausbeutung ist
reduziert auf ein quantitatives Vorhandensein von Geld. Marx handelt
das beim Übergang von der Mehrwertrate zur Profitrate ab, wenn er
fragt, wie ein Kapitalist rechnet. Er beutet aus wie der Teufel, aber
seine Mehrwertrate ist ihm egal, bzw. dem Kriterium untergeordnet, wie
sich sein eingesetztes Kapital rentiert. Alles, was er an neu
geschaffenem Eigentum aus den Leuten herausholt, bezieht er rechnerisch
auf seinen Gesamtvorschuss und nicht auf den Lohnvorschuss. Dass er so
rechnet, verdankt sich seinem Standpunkt, sein Kapital wäre nach
Maßgabe seiner Größe die Quelle seines Überschusses. Diese Rechnung
setzt der Kapitalist in die Tat um, wenn er bei der Bank einen Kredit
beantragt. Der Bezugspunkt, auf den er die Ausbeutung seiner Proleten
berechnet, ist immer der Gesamtvorschuss, der sich dann so irrational
aufteilt in seine Rendite und den Zins, den er der Bank schuldet. Dabei
ist die Kalkulation einer Profitrate als Quelle unterstellt, die
Pflicht dem Gläubiger gegenüber einzugehen. Dass die Banken ihrerseits
sich so sicher sein können – wenn sie G sagen, ist der Strich schon
mitgesagt -, unterstellt, dass in der Gesellschaft insgesamt
durchgesetzt ist, die Vermehrung des gesellschaftlichen Reichtums in
Eigentumsform sei eine Frage des Vorschusses. Dass die Kapitalisten
diesen Standpunkt in ihren Firmen exekutieren, ist Grundlage dafür,
dass Banken dies in großem Stil auf einer noch höheren
Abstraktionsebene tun. Für die Bank ist nämlich im Geld und im
Rechtsverhältnis des Verleihens die Vermehrung eingeschlossen. Beim
Verleihen wird die verrückte Gleichung des Kapitalismus – Kapital
verwertet sich – im Geldkapital des Gläubigers auf eine absonderliche
Weise unter Weglassung des ganzen Ausbeutungsverhältnisses zur Realität.
Diesem Kreditverhältnis bleibt natürlich sein elementarer Haken
erhalten: Der wunderbare Zusammenschluss von G ‑ G’ bleibt von dem
abhängig, worüber er sich hinwegsetzt, wenn Banken sich die Freiheit
nehmen, über zukünftige Beträge so zu verfügen, als ließe sich mit
denen vorher schon rechnen. Sie sind und bleiben aber abhängig davon,
dass die Kapitalisten mit dem Geld, das sie sich ausgeliehen haben,
tatsächlich auch ihr Geschäft zustande bringen. Das macht die
grundsätzlich prekäre und spekulative Natur des Kreditgeschäfts aus,
auch in diesem schlichten Verhältnis, wo Kredit nichts weiter ist als
verliehenes Geld.