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Fortsetzung Finanzkrise – Grundlagen des Finanzkapitals

Angesichts des Tatbestands, dass diesen Sommer Bankenvorstände und Finanzpolitiker wegen Milliardenverlusten in den Bankbilanzen der ganzen Welt ihre Sorge über eine mögliche Beeinträchtigung der 'Realwirtschaft' ausdrückten, ein paar generellere Argumente dazu. Im Artikel im GS 3/07 werden dazu zwei Gedanken genannt: Offenbar ist es den betreibenden wie betreuenden Profis dieses Gewerbes geläufig, dass hier ein Geschäftszweig des Kreditgewerbes seine eigene Sache, ein gigantisches Kreditgeschäft, getrennt von der Realwirtschaft treibt. Das nicht ganz unwichtige Faktum, dass da 11-13-stellige Summen geschaffen, zerstört, wiederbelebt werden und in den Bankbilanzen zu Buche schlagen, wird mit der Sorge verknüpft, es könnte vielleicht doch nicht bloß innerhalb dieses separaten Bereiches der Yuppies bleiben. So wird einem diese noch nicht ganz ausgestandene Katastrophe zur Kenntnis gebracht. Es muss sich also beim Finanzkapital und seiner Funktion für den Kapitalismus um eine eigentümliche Sonderabteilung dieser Industrie handeln.
Dagegen gab es Einwände der Art: 'Es ist doch nur Refinanzierung, es ist grundsolide, die Bank ist nur Treuhänder und die Zinsen werden nur weitergegeben.' Dabei handelt es sich bei dem Befund um kein Argument von uns, sondern nur um die Wiedergabe der Aufregung der Zeitungen im Sommer. Es ist ein Sektor, dem u. a. Hypothekenkredite an Häuslebauer zugrunde liegen, der sich aber vom normalen Geschäft der Kreditierung (der Produktion, des Handels und Konsums) ziemlich getrennt hat. Die machen sich Sorgen, ob dieser Zweig nicht die Funktionstüchtigkeit des Kreditgewerbes für den blühenden globalisierten Kapitalismus beeinträchtigt. Deshalb ist als selbstverständlicher Tatbestand sowohl die Trennung als auch die Zusammengehörigkeit beider Seiten, also die Emanzipation dieses Geschäftszweigs von jeder Funktion unterstellt. Ebenso die generelle Überlegung, ob es auf die Funktionstüchtigkeit dieses Gewerbes, das womöglich durch seine selbst gemachte Krise beeinträchtigt wird, nicht doch für den globalen Kapitalismus ankommt.
Zu den Prinzipien des Kreditwesens gehören die Grundlagen des Finanzgewerbes im kommerziellen Kredit, also im Verfahren von Handelskapitalisten und produzierenden Unternehmen, Umschlagsprobleme ihres Kapitals zu bewältigen; Probleme die im zeitlichen Auseinanderfallen von Produktion und Realisierung eines Produkts bzw. von Ankauf und Verkauf einer Ware durch das Handelskapital bestehen. Weil das vorgeschossene Kapital eben eine unberechenbare Zeitspanne durchläuft, bevor es erneut für gedeihliche Geschäfte zur Verfügung steht. Das ist der Ursprung des kommerziellen Kredits aus dem Interesse der Kapitalisten an genauer Kalkulierbarkeit und möglichst hoher Geschwindigkeit des Umschlags ihres Kapitals.
Zwischen Handelsunternehmern hat sich bekanntlich für dieses Problem der Handelswechsel (bei Marx erklärt), also ein Schuldschein, der selbst als Zahlungsmittel verwendet werden kann, als Mittel eingespielt, wie sich hier Frist und Unsicherheit im Rückfluss bewältigen lassen. Der Wechsel ist nur ein vorläufiger Ersatz, der von wirklicher Zahlung am Ende abhängt. Beim Finanzkapital ist die Leistung an dieser Stelle, das vorläufige, als Zahlungsmittel fungierende Zahlungsversprechen für den, der sein Geld für seinen Kapitalkreislauf haben will, vorfristig in echtes Geld zu verwandeln. Die Bank übernimmt den Zettel und zahlt den Wechselempfänger in wirklichen Zahlungsmitteln, in Geld aus, ein Elementargeschäft für die Banken. Sie haben den praktischen Zugriff auf die Zahlungsmittel der Gesellschaft in ihrer Eigenschaft als Dienstleister für den Kapitalumschlag anderer Kapitalisten. Als solche nehmen sie den 'wirklichen' Geschäftsleuten die Mühseligkeit des Zahlens und Eintreibens ab. Der schlichte Umstand, über das Geld der Gesellschaft zu verfügen, setzt sie instand, die zeitliche Differenz zwischen Rückfluss des Kapitals und Realisierung der Ware quasi aus der Welt zu schaffen, nämlich indem für die Frist, in der eigentlich bloß Schulden existieren, Geld hingelegt wird. Über dieses Geld verfügt dieses Gewerbe, weil es den Zahlungsverkehr der Gesellschaft abwickelt. Über den kann es so frei verfügen, weil es selber, indem es den Geschäftsverkehr abwickelt, auch über Zahlungsfristen mitdisponiert, und immer an irgendeiner Stelle Geld übrig hat, das sie an einer anderen auszahlen kann. Die Verwaltungstätigkeit des Geldkapitals, mit dem es anfängt und seinen elementaren Dienst leistet, ist die erste Grundlage des Finanzkapitals im kommerziellen Kredit.
Der zweite Dienst liegt im Bedürfnis des produktiven und handeltreibenden Kapitals, die Größe des Kapitals als Konkurrenzmittel einzusetzen. Das Bedürfnis, mit mehr Kapital zu wirtschaften, als man hat, befriedigt der Kapitalist darüber, dass er einen Überschuss erwirtschaftet, den er in sein Geschäft steckt, das nennt man Akkumulation. Dieses Bedürfnis, sich mit der Größe des Kapitals am Markt durchzusetzen, die Entdeckung, dass die Größe in dieser Sorte Konkurrenz die entscheidende Rolle spielt, ist Basis eines Bedürfnisses, sein Kapital zu vergrößern, ohne auf sein Wachstum durch Akkumulation zu warten. Den Spieß umzudrehen und mit vergrößertem Kapital dafür zu sorgen, dass es auch gescheit wachsen kann, also nicht Wachstum herstellen, damit man mehr hat, sondern über mehr zu verfügen, damit es gescheit wachsen kann, diese Umdrehung steckt im Bedürfnis des Kapitalisten, die Konkurrenz zu bewältigen. Für dieses Bedürfnis findet sich eine Instanz, die wiederum auf Basis dessen, dass dieser Geschäftszweig ohnehin die Zahlungen der Gesellschaft abwickelt, über Finanzmittel verfügt, die es zusammenfassen und den Kapitalisten, die Größe als Mittel ihres Wachstums brauchen, zur Verfügung zu stellen.
Da macht das Bankgewerbe eine interessante Gleichung auf: Eigenes wie fremdes Geld ist bei Verfügung durch die Bank = eigentlich dasselbe wie handelbares in anderen Händen nutzbar anzuwendendes Kapital. Das Geld, über das dieser Sektor verfügt, ist anders als beim Normal-Menschen nicht Zugriffsmittel auf die Warenwelt, sondern Geldkapital, das von anderen angewandt werden soll. Handelbares Kapital ist der Begriff des Geldes des Finanzkapitals. Das ist die eine Gleichung. Gegen die Auffassung, man könne doch mit dem Geld dies und jenes machen, ist da ein ökonomisches Prinzip in der Welt. Wenn es schon dieses Gewerbe gibt, bei dem sich Geld sammelt, und das Bedürfnis existiert, das Kapital größer zu machen als es ist, damit es wachsen kann, um mit seiner Größe die Konkurrenzkämpfe bestehen zu können und daraus wieder Wachstum bewerkstelligen zu können, dann wird hier eine neue Gleichung, vielleicht auch Funktion des Geldes etabliert. Geld ist käufliches Geldkapital, käuflich gegen den Zins, den der Leiher entrichten muss. Diese Gleichung heißt umgekehrt: Der Geschäftsverkehr des Kapitals, der sich in der Konkurrenz um Größe als Wachstumsmittel abspielt, ist zwar noch Umschlag von Kapital. Allerdings gewinnt er die Größe, auf die es ankommt, dadurch, dass es Kredit, nämlich vom Finanzkapital zur Verfügung gestelltes fremdes Geld ist. Die komplementäre Gleichung auf Seiten der Kapitalisten ist: Das Kapital, das sie anwenden, ist in dem Punkt, auf den es ankommt, seinem Begriff nach Kredit. Jedes Stück hinterlegtes Geld (bis aufs Girokonto) wird mit dem Recht ausgestattet, mehr zu werden, weil die Bank es als Geldkapital verwendet. Das bedeutet auf der anderen Seite: Der moderne Kapitalismus lebt vom Kredit.
Worauf gründet die Fähigkeit des Finanzkapitals, diese beiden Gleichungen zu vollstrecken? Es ist nicht mehr bloß die Verfügung über den normalen Geldverkehr der Gesellschaft, sondern die auf dieser Funktion begründete Fähigkeit des Gewerbes, sich Verfügungsrechte über fremdes Geld dadurch anzueignen, dass es selber dafür Zinsen zahlt. So etabliert sich das Finanzkapital als die Instanz, die das Bedürfnis der anderen Kapitalisten nach Kapitalgröße bedient mit Mitteln, die es mit seiner Macht, sich die Verfügung über fremdes Geld zu verschaffen, erhält.
Zwei Bedürfnisse wurden genannt: Einmal das Bedürfnis nach Sicherheit und Geschwindigkeit des Kapitalumschlags, dann nach Größe des Kapitalvorschusses. Auf die ganze Klasse bezogen leidet das letztere Bedürfnis an einem großen Mangel, wenn es sein Maß darin hat, wie viel schon erwirtschafteter Überschuss sich im Bankgewerbe sammelt. Das Bedürfnis nach Wachstum geht beim einzelnen Kapitalisten über die Schranken des Profit-Wachstums hinaus, was bisher hieß: Der eine wächst mit den Mitteln, die der andere übrig hat. Für die ganze kapitalistische Gesellschaft hieß das, dass das Wachstum letztlich doch seine Schranke in dem insgesamt akkumulierten und vom Finanzkapital gehandhabten Überschuss hat. Auch dieses Bedürfnis, insgesamt darüber hinauszugehen, entsteht im Finanzgewerbe selbst, weil es mit einer Nachfrage konfrontiert ist, die es bei einer Gesamtnachfrage der Klasse mit den Mitteln, die es im Geld der Gesellschaft zur Verfügung hat, nicht bedienen kann. Dafür weiß das Finanzgewerbe eine Lösung. Auf Basis dessen, dass sie sich mit Zins das Recht auf Verfügung über das Geld der Gesellschaft sichert, geht es dazu über, Kredit nicht nur zu geben, sondern zu schöpfen.
Kreditschöpfung heißt, die Bank vergibt das Recht, quasi auf ihre Rechnung Zahlungen zu tätigen; sie transportiert nicht das gesammelte Geld zu den Nachfragern, sondern ersetzt dieses durch ihre Garantie, jederzeit die anfallenden Zahlungen tätigen zu können. Sie geht also mit ihrer Kreditschöpfung über die verfügbare Liquidität hinaus, definiert den Kreditbedarf, den sie mit dem eingesammelten Einlagen gar nicht bedienen kann, als ein Liquiditätsproblem, also wie geschickt das Finanzgewerbe die Zahlungsbedürfnisse der Gesellschaft bedienen kann. Der Sache nach macht sie mit ihrer Zahlungsgarantie ihre Macht über die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft zur Kreditquelle. Das ist die eine Seite von dem, was man Refinanzierung nennt. ‚Re-‘ unterstellt eine Finanzierung, die den Finanzier über die Schranken seiner verfügbaren Finanzierungsmittel hinausführt. Refinanzieren ist die Not des Kreditgewerbes, wenn es Geschäfte finanziert auf Basis dessen, dass es sich zu einer Garantie seiner Zahlungsfähigkeit berechtigt weiß, und jetzt vor dem Problem steht, ad hoc bei Bedarf jederzeit auch seine Garantie einlösen und sich dafür Zugriff auf wirkliche Finanzmittel anderer verschaffen zu können. Refinanzieren ist dem Kreditschöpfen nachgelagert, es ist das notwendig folgende Problem aus dem, dass es das Wachstum im Prinzip aller Kapitalisten durch Kredit anheizen will. Das Bankgewerbe schöpft Kredit, weil es sich sicher ist, immer und überall das nötige Geld locker zu machen.
Wie geht die Beschaffung?  Der Staat, der es dazu berechtigt, ist natürlich immer im Hintergrund unterstellt, er ist aber hier nicht das Thema. Die Elementarform, in der das Finanzkapital sich refinanziert, besteht darin, dass es erstens die Schulden seiner Klienten, weil die dauerhaft Zins abwerfen, in ein Wertpapier verwandelt, das sie als ein Stück Vermögensanlage anbieten. Zweitens setzen sie selbst Zinszahlungsversprechen in Gestalt dieses Wertpapiers in die Welt, dem sie den Charakter eines beliebig verwendbaren Vermögenstitels zuschreiben und dieses Produkt der Welt anbieten.  
Das sieht auf den ersten Blick noch so aus, dass da irgendwo Geld eingesammelt wird. Dann stellt sich aber heraus: Weil das Bankgewerbe selber solche Wertpapiere schafft, schafft es nicht bloß Angebote an Geldbesitzer, sondern zugleich einen Vermögenswert, der seinerseits als Quelle von Zahlungsmitteln, als gute Grundlage für die Schaffung von Kreditmitteln, von Zahlungsfähigkeit verwendet werden kann.
   — Mir ist die Refinanzierung noch nicht ganz klar. Die Bank gibt mehr aus, als sie eingesammelt hat. Dieses Mehr, ist für sich kein Geld. Heißt dann Refinanzierung: Damit bekommt es den Charakter von Geld?
Ja, das erste ist ihre Garantie, ich gebe soviel Kredit, wie ich garantieren kann, dass ich an Zahlung jeweils einlösen muss. Diese Schöpfung von Kredit hat die Schranke in dem, wofür diese Bank am Ende mit wirklicher Zahlung einstehen muss. Da kann man sich dazu denken, dass sich im Bedarfsfall die Banken wechselseitig Geld leihen, als feindliche Brüder, die bei aller Konkurrenz aneinander verdienen (den Staat mit seiner letzten Garantie beiseite gelassen). Insgesamt aber ist mehr Kredit geschaffen als an Geldmitteln eingesammelt worden. Das Mittel, für diesen Bedarf Finanzmittel zu beschaffen quasi als Grundlage für die Garantie von Zahlungsfähigkeit, besteht in der Umwandlung von Schulden in Wertpapiere. Entweder Schulden der eigenen Kundschaft, die in eine Form gebracht werden, in der sie zu handelbaren Wertpapieren werden, also selber handelbares Geldkapital darstellen. Oder die Bank gibt selber solche Obligationen aus, Zahlungsverpflichtungen, die selbst so viel wert sind, wie ein aus diesen Zinszahlungspflichten hochgerechnetes Kapital. Diese Wertpapiere haben die Eigenart an sich, dass sie nicht einfach Produkte sind, die ein Geld brauchen, das sie realisiert, sondern dass sie selber in den Händen dessen, der sie kauft, wieder Zahlungsfähigkeit stiften. Er kann es seinerseits weiterverkaufen, beleihen, sogar in Zahlung geben. Das Geld, für das sie gekauft werden, ist gar nicht weg, sondern auf ein Konto gelegt und eine Summe dafür der Bank gutgeschrieben, die der Wertpapierübernehmer der Bank schuldet. Es ist zusätzliches Kapital, über das die Bankenwelt als Ganze verfügt. Die schlichteste Form ist die, dass die Banken sich untereinander diese Sorte Wertpapier abkaufen, damit Forderungen gegeneinander in eine Form überführen, in der sie weiter gelten und die Zahlungsfähigkeit der Bankenwelt aufblähen, ohne dass dafür aus irgendeiner soliden Quelle Geld erwirtschaftet sein muss. Mit dieser Art Wertpapiere zu schaffen und sie als Gegenstück für Forderungen an die Bankenwelt zu behandeln, schafft sie in einem Akt Geldanlage und Zahlungsfähigkeit.
   — Refinanzierung unterstellt doch, dass Banken das Problem hätten, wieder an neues Geld zu kommen, wenn sie Kredite vergeben haben. Wo kommt diese Schranke überhaupt her, wenn doch klar ist, was ein Kredit ist. Das heißt doch nicht, das Geld ist weg, sondern die können auf Grundlage ihrer eingesammelten Gelder beliebig viele Kredite vergeben, weil das eh alles mit Buchgeld geht und Summen gegeneinander verrechnet werden.
   — Es finden doch immerzu Zahlungen statt, für die die Bank Zahlungsmittel braucht. Eine beliebige Ausdehnung des Kredits heißt, dass die Bank im Zweifelsfall nicht zahlungsfähig ist.
Ja, dass Banken auch Liquidität, also wirkliche Zahlungsmittel brauchen und sich zu bestimmten Terminen beschaffen müssen - also alles, was unter dem technischen Stichwort Refinanzieren läuft, auch benötigen -, ist ein Faktum, das wird dauernd betrieben. Man darf auch nicht das, wozu es das Kreditgewerbe längst gebracht hat, zum Einwand gegen den Werdegang machen. Gerade nachdem es das Finanzkapital zu dieser Freiheit der Kreditschöpfung gebracht hat, stößt es auf deren Schranken. Die liegen in dem, was an Zahlung für die Akkumulation des Kapitals doch nötig ist, auf Basis dessen, dass die Akkumulation des Kapitals durch Kredit erweitert worden ist.
Es geht darum, aus welchem Bedürfnis das Finanzkapital erwächst und mit welchen Mitteln es das bedient. Technisch sind die Banken in ihrer Freiheit, Kredit zu schöpfen, nur gehalten, das, was sie auf der einen Seite an Forderung verbuchen, bei sich selbst irgendwie gegenzufinanzieren.
Die Bank hat die Verfügung über fremdes Geld, dieses Geschäft ist aber noch an die Verfügung über den Profit, den die Gesellschaft akkumuliert, gebunden. Zum Bedürfnis, darüber hinauszugehen, und zur Technik der Banken dafür, sollte unter dem Stichwort Refinanzierung gesagt werden: Bedürfnis wie Befriedigung hat das Bankgewerbe gut im Griff, indem es Kredit vergibt, Schuldscheine ausstellt und die nicht einfach als vergebenes Geld aufschreibt, sondern versucht, die selben Schuldscheine zu Wertpapieren zu machen, die sie dann als solche wie ein Guthaben verbuchen, weiterreichen oder verkaufen kann. Ein Guthaben, das sie vielleicht sogar an den weitergibt, der jetzt vom Schuldner Zahlung verlangt, und dann löst die Bank am Ende den mit Schuldscheinen aus oder mit den Gegenwert. Sie verwandelt manche Kredite ihrer Schuldner in solche Papiere. (Bei der Staatsbank gibt es solche Papiere, die kann dann die Bank sogar bei der Zentralbank einreichen und bekommt die in Zentralbankgeld vergütet.) Sie kann also fremde Schulden in Wertpapiere verwandeln, sie kann auch selbst auf sich mit Blick auf ihr Geschäft Schuldscheine ausstellen, Obligationen anbieten, also Forderungen gegen sich, mit denen sie sich Mittel erwirbt oder eigene Verbindlichkeiten ablöst.
   — Es war nicht das Problem, die Technik der Banken zu verstehen, sondern die Schranke bei der Kreditvergabe, weil doch  alles bargeldlos abläuft. Ich denke, dass all das ein rechtliches Problem ist.
Die Bank muss auch für bargeldlose Kontobewegung geradestehen. Definiert wird der Rahmen durch gesetzliche Vorschriften, daran stören sich die Banken ja laufend. Die Grundlage besteht darin, dass die Bank lauter Forderungen gegen sich in die Welt setzt, wobei es ihr passieren kann, dass mehr Forderungen eingelöst werden müssen, als sie in Buch oder bar begleichen kann. Die Hypothekenbank in Nordengland diesen Sommer z. B. musste bei massenhafter Kontenauflösung eben das Bar- oder Buchgeld aus ihren Beständen streichen. Wenn dann noch misstrauische Gläubiger die Bank-Schuldscheine eingelöst haben wollen, muss sie dafür gerade stehen und kommt sehr schnell an die Schranken ihrer Zahlungsfähigkeit.
Wo diese Schranke liegt, lässt sich ökonomisch gar nicht definieren. Das kommt auf den Fortgang des Geschäfts an, bis zu dem Punkt, an dem Misstrauen eine Rolle spielt. Die Beliebigkeit hat eben ökonomisch eine Schranke, auch wenn bisher noch kein Nobelpreisträger das Maßverhältnis dafür angeben konnte. Deswegen tritt als Maßverhältnis eine komplexe Definitionsfrage als staatliche Vorschrift ein: Wie viel Forderungen muss eine Bank selber haben, um Forderungen gegen sich eingehen zu können. Wie viel Kredit darf sie im Verhältnis zu den Eigenmitteln vergeben. Das wirft ungeheure Nachfolgeprobleme auf, wie lange die Forderungen laufen, wie gut die Risiken sind, wie viel Eigenkapital will man von der Bank sehen, damit sie sowohl die Einlagen wie auch die Kredite wie auch die Obligationen für sicher halten kann – alles will gewichtet sein. Da gibt es Techniken der ökonomischen Bewertung, die die verschiedenen Mitspieler des Bankengewerbes darüber informieren, was für einen dubiosen Kandidaten man in der jeweiligen Bank mit ihren Obligationen vor sich hat, und es gibt staatliche Vorschriften, die das alles in ein halbwegs praktikables Korsett drängen wollen. Diese sind Folgegeschichten vom Elementaren, gerade weil Banken das Bedürfnis befriedigen, das Kapital aller Kapitalisten im Prinzip von der Schranke des Wachstums zu befreien und mit einer Größe auszustatten, die diese Kapitalisten selber zu einem richtigen Wachstum erst befähigt. Darum ist es geradezu das Metier des Bankgewerbes, mehr Geldmittel per Kredit in die Welt zu setzen als sie selber eingesammelt hat. An der Stelle tritt der Kunstgriff des Bankgewerbes in Kraft, selbst Kapitalanlagen zu schaffen, die gleichzeitig Zahlungsfähigkeit stiften – der Begriff vom Wertpapier.
Das Stichwort Refinanzierung stellt für den gesunden Menschenverstand das Verhältnis eigentlich auf den Kopf, weil man denkt, erst muss die Bank sich Mittel verschaffen, mit denen sie dann ihr Finanzgeschäft betreibt. Mag auch so ein, aber für das Bankgeschäft selbst ist die Reihenfolge überhaupt nicht wichtig. Ob sie sich erst Mittel verschafft und die dann ausgibt oder umgekehrt. Vom Begriff der Sache her ist aber bemerkenswert, dass da die Bank für das Bedürfnis, Kapitalwachstum soll sich von der Schranke des schon akkumulierten Profits freimachen, Größe soll Hebel des Wachstums sein und nicht umgekehrt, eine Antwort findet: Kreditschöpfen, also nicht bloß unseriöse Forderungen in die Welt setzen, sondern zugleich Zahlungsfähigkeit stiften. Vorher wurde betont: Jedes Geld in den Händen der Bank ist Kapital. Beim Refinanzieren ist dieselbe Gleichung quasi umgekehrt: Jedes Zinsversprechen, jedes Stück Schulden, auf das regelmäßig Zinszahlungen anfallen, ist für sie die Grundlage, es als Wertpapier wie ein Stück Zahlungsfähigkeit zu behandeln.
   —Wie macht sich an der Stelle noch der Unterschied geltend zwischen der Zahlungsfähigkeit, die in dem in der Gesellschaft regulär kursierenden Geld besteht, und dem, was die Bank auf die Weise an Zahlungsfähigkeit herstellt? Erst einmal hat sie doch auf die Weise ihre Fähigkeit erhöht, z.B. industriellen Kapitalisten Kredit einzuräumen, die damit zahlen. Das ist alles Geld in der Gesellschaft, ununterscheidbar von dem staatlich ausgegebenen.
Die Schranke liegt für die Bank wieder darin, dass sie für ihre Zinsversprechen aus ihrem Geschäftsgang gerade stehen muss.
   — Bei der Technik der Refinanzierung würde rauskommen, die Bank kann diese Operation beliebig oft wiederholen. Wo stößt die Bank auf den Punkt, wo sie mit ihrer Tour der Refinanzierung das staatlich ausgegebene Geld (das sie selber nicht machen kann) haben muss, um damit zahlen zu können.
Erst mal macht sie sich von den Schranken des eingesammelten Geldes frei. Die neue Schranke liegt in der Zinszusage, die sie irgendwie einlösen muss, wo ihr Geschäft, aus dem sie absahnt, dafür gerade steht, ihre eigenen Zinszusagen einzulösen. Allerdings möchte man die Bank sehen, die nach dem Ablauf der 1. Obligation keine zweite auflegt. Aber indem sie ein Wertpapier schafft, geht sie selbst ein Schuldverhältnis ein, sie schafft zwar mit der Geldanlage Zahlungsfähigkeit, setzt sich über die Schranken des eingesammelten Geldes hinweg, geht aber selber die Pflicht ein, Zinsen zu zahlen und am Ende der Laufzeit für die Einlösung gerade zu stehen. Das muss aus dem Fortgang ihres Geschäfts gedeckt sein.
   — An der Stelle kommt man auf die staatlich durchgesetzte Beschränkung. Kommerzieller Kredit, Technik der Wechselreiterei ist staatlich verboten. Diese Praxis würde auf Dauer heißen, man kann als Privater beliebig lange eine Zahlungsfähigkeit stiften, die in der Gesellschaft kursiert.
Als Privater nicht, da muss man schon eine Bank sein. Auf den Staat als Regulierer kommt man, weil der Staat die Regularien definiert, was erlaubt ist und was zu weit geht. Der Staat hat dafür ökonomische Gründe, die in der Notwendigkeit liegen, gerade wenn der Kredit aufgebläht wird, für seine Seriosität zu sorgen. Also in dem Maße wie Zinsversprechen Kapital und Zahlungsfähigkeit generieren, dann auch darauf zu achten, dass die Akkumulation des Kapitals irgendwann auch diese Vergrößerung rechtfertigt. Das generelle Verhältnis des Kredits ist, dass da Größe antizipiert, nicht einfach geschaffen wird, sondern die Wirkungen des Kredits ihn ökonomisch ins Recht setzen müssen. Dieses ökonomische Verhältnis wird der Kredit bei aller freihändigen Schöpfung nie los. Wo diese Grenze eintritt, wie sie im Verhältnis zu dem zu definieren ist, was eine Bank schon eingesammelt hat, bekommt man ökonomisch nicht heraus, bzw. die einzige Art, das zu verifizieren, ist die Pleite der Bank. Die Schranke ist, dass das Geschäft nicht mehr läuft. Mit all seinen restriktiven Eingriffen versucht der Staat, diese Freiheit so zu gestalten, dass sie gesichert ist. Im Geschäft selber liegt der Drang, sich über die Schranke hinwegzusetzen, solange die Konkurrenz keinen Strich durch die Rechnung macht. Deshalb greift der Staat vorher ein.
   — Noch mal zum Prinzip der Refinanzierung. Es wird gesagt, die verbrieften Hypothekenkredite begründen die Umkehrung, dass man ein Schuldversprechen in Kapital verwandelt. Alle Formen der Bank, sich Geld zur Refinanzierung ihrer Kredite zu verschaffen, bedeuten ein Schuldenverhältnis der Bank. Diese Schuldverhältnisse werden wie eine Kapitalware gehandelt, sie werden verkauft.
Ja, es ist die passende irrationale Form dafür, wenn Banken Schulden machen. Von den Hypotheken war bis jetzt noch gar nicht die Rede, sondern nur von dem Prinzip, was das Bankgeschäft leistet und worauf es beruht. Wir sind dahin gekommen, dass es selber Quelle von Kredit ist und sich selber als diese Kreditquelle organisiert. Das ist die allgemeine Leistung dieses Gewerbes. Die Finanzmittel, die sie vergibt, generiert sie selber durch in die Welt gesetzte Tilgungs- und Verzinsungsversprechen, die Kapitalisierung von Verzinsungsversprechen und die auch von der Konkurrenz akzeptierte Erklärung, dass diese Zinsversprechungen so gut sind wie der Wert, auf den sie sich hochrechnen lassen. Die diesem Vorgehen einbeschriebene Schranke heißt, das geht solange, wie dieses Geschäft funktioniert, und das heißt, solange es wächst. Nichts von diesen Unternehmungen ist auf Abschluss berechnet, sondern auf Fortführung und Wachstum.
Schuldverschreibungen, Obligationen werden nicht nur von Banken herausgegeben, sondern z.B. auch von großen Unternehmen. Diese Papiere garantieren auf eine längere Zeitdauer einen guten Zins und sollen den Unternehmen abgekauft werden. Wenn Großunternehmen so etwas machen, handeln sie selber nicht mehr als kapitalbedürftige Unternehmer, sondern als ihre eigenen Finanzkapitalisten. Auch ihnen muss ihre Zinszusage, die sie in die Welt setzen, als Wertpapier geglaubt werden. Deswegen ist ein solcher industrieller Kapitalist i.d.R. auf eine Bank angewiesen, die seine Obligation nimmt, i.d.R. selber kauft, und dann dem Publikum anbietet oder an die Börse bringt. Das ist eine der Zwischenstufen zu dem, dass es noch eine ganz andere Sorte von Kredit gibt, die sich nämlich in eine Beteilung am Kapital des Unternehmens verwandelt, die Aktie. Heutzutage kann man das ganze Aktiengeschäft gerechterweise behandeln als eine Unterabteilung des Kreditgewerbes.
Vorhin wurden die beiden Gleichungen genannt. Wenn es diesen ganzen Sektor gibt, dann ist jedes Geld mit dem Recht auf Vermehrung ausgestattet. Jedes Stück Geld ist, soweit oder weil in den Händen des Finanzgewerbes, handelbares Kapital, ein Finanzmittel, das dafür da ist, dass es Kapital vergrößert und dessen Verwertung voranbringt. Das ist die Gleichung: Geld ist Kapital. Das gilt sogar für die von der Bank vergebenen Konsumentenkredite, weil der Konsument mit seinem anderweitigen Einkommen dafür gerade stehen muss, dass das an ihn vergebene Geld sich für die Bank so verzinst, als hätte er daraus einen Ertrag erwirtschaftet. Dem steht die andere Gleichung gegenüber. In einer Gesellschaft, in der das Geldkapital diese Rolle hat, ist Kapital nicht mehr einfach verdientes und akkumuliertes Geld, sondern Kredit. Beides hat seine Fortsetzung; über die der ersten Gleichung wurde schon gesprochen. Was macht das Bankkapital mit dieser Gleichung? Das Geld reicht nicht für das Bedürfnis, Kapital zur Verfügung zu stellen. Die Bank schöpft selber Kredit. Diese Kreditschöpfung ist damit fertig, dass diese Gleichung: Jedes Geld ist Kapitalanlage, gewissermaßen umgedreht wird zu der Klarstellung, dass jedes in der Welt existierende Zinsversprechen, ja letztlich jedes regelmäßig anfallende und bei der Bank einlaufende Einkommen so gut wie Geld ist, es die Zahlungsfähigkeit um eine dazu gedachte Hauptsumme vermehrt. Jeder Schuldschein, den das Bankgewerbe in seine Krallen bekommt und in ein Wertpapier verwandelt, vermehrt dann auch die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft um den Wert dieses Wertpapiers. Aus der anderen Gleichung: Jedes Kapital wird seinem Begriff nach Kredit – seine Größe verdankt es der vom Bankkapital hineingesteckten Größe –, folgt dann auch: Die Verwertung des Kapitals besteht in der Beglaubigung und Vermehrung des da hineingesteckten Kredits und nicht einfach nur in der Rückzahlung. Das Kreditverhältnis soll damit nicht vorbei sein, sondern die Rückzahlung des Kredits soll die solide Basis der Aufstockung des Kredits ist. Auch beim Kredit nehmenden Gewerbe türmt sich dieser Zirkel auf, dass der Erfolg eines Unternehmens sich nicht mehr einfach aus den angesammelten und akkumulierten Profiten bestimmt, sondern aus der Macht, mit der Einlösung eingegangener Kreditverpflichtungen neue und umso größere Kreditverpflichtungen einzugehen - also Akkumulation von Kredit auch in der Branche.
Beim Investmentbanking hat man nicht das Verhältnis, dass Kaufleute und Industrielle sich bei der Bank Geld leihen und die Bank sich durch die eben erläuterten Machenschaften refinanziert. Die Bank tritt – ganz bescheiden? – in die Rolle des Vermittlers zurück, nimmt zur Kenntnis, dass irgendein Unternehmen eine gute Investitionsgelegenheit ist, kennt auf der anderen Seite Leute mit viel Geld und setzt beide an einen Tisch. So ungefähr soll man sich das Investmentbanking doch wohl vorstellen. Wo bleibt da das Bankgewerbe, das angeblich bei diesem Geschäft die dicksten Renditen einspielt? Wo bleiben da die Geldmittel und die Schranken dieser Geldmittel, über die bisher geredet worden ist? Ohne die Bankenwelt, die gewissermaßen den Markt für Investments herstellt und auch selber darstellt, gäbe es diese Art des Investierens gar nicht. Die Bank tritt nicht einfach bescheiden in eine Mittlerrolle zurück, sondern nutzt aus, dass es dieses ganze Geschäftsfeld: Wertpapiere in die Welt setzen, damit Unternehmungen finanzieren und Geldanlegern eine Investitionsgelegenheit bieten, als eingerichteten Markt gibt. Dass Unternehmungen wie eine Quelle von Wertpapieren agieren können, die Bankenwelt in ihrer Eigenschaft als Schöpfer von Kreditmitteln diese Wertpapiere auch verdaut und von daran Interessierten Geld einsammelt und so für Investitionen, die den Investor nicht einfach sein Geld kosten, sondern mit einem handelbaren Wertpapier selber ausstatten, sorgt, das ist die Aktivität von Banken, die das ganze Kreditvergabewesen voraussetzt. Die Banken, die sich da als Vermittler anbieten, ermächtigen ihre Kundschaft dazu, selber aktiv am Finanzgeschäft teilzuhaben. Was hat die Bank davon? Sie kassiert weder Zins, noch muss sie Zinsen zahlen und für solche Operationen braucht eine Bank weder ein Eigenkapital, auf das sie Kredit nehmen könnte, noch ein gelingendes Geschäft vorzuweisen, aus dem sie für ihre eigenen Zinsverpflichtungen gerade stehen könnte. Die 'bescheidenen' Gebühren, die sie bei diesem Geschäft abkassiert, berechnen sich wirklich schlicht auf die Tatsache, dass die Bankenwelt der Kreditmarkt für einen solchen Kram ist. Es ist ungefähr dieselbe Frage wie die, woran eigentlich eine Börse verdient und wie viel Eigenkapital eigentlich ein Börsenunternehmen benötigt.
Das Kreditgewerbe ist der Markt, auf den Unternehmen gehen und Banken Unternehmen bringen und auf dem andere Unternehmen oder die Banken selbst als Nachfrager nach Aktien und Obligationen agieren. Zu den Techniken der Abwicklung solcher Geschäfte gehören Methoden der Absicherung, für irgendetwas haften zu müssen, und der Einnahmenverschaffung, das heißt dann z. B. Beratungsgebühr. Was die Banken jetzt managen, das ist nicht einfach bloß der Kreditbedarf der verschiedenen Instanzen, sondern das ist der Kunstgriff, den Kreditbedarf durch die Schaffung von fiktivem Kapital zu managen. Fiktives Kapital heißt hier, durch Zinsversprechen in die Welt gesetzte Wertpapiere. Über ihr sonstiges Geschäft haben sie die Kundschaft dafür und die Kompetenz und die Macht, so aufzutreten. Investmentbanking ist nicht anderes, als ohne eigenen Kapitalaufwand am Management des fiktiven Kapitals der Gesellschaft zu verdienen. Das macht die Sache für Banken so attraktiv. In dem Artikel GS 3-07 ist nicht behauptet, dass die Banken nichts anderes als das mehr machen. Dieser Zweig des Geschäfts, der Investmentbanking heißt, verdient mit dem Vorteil, mit so gut wie ohne einen eigenen Kapitalvorschuss auszukommen, an der Schaffung und dem Händewechsel von fiktivem Kapital.
Die Bank berät ein Unternehmen, wie dies es hinbringt, seinen Geldbedarf in die Form von handelbaren Wertpapieren zu bringen, die deswegen attraktiv sind, weil jeder Käufer sie gleichzeitig wie ein handel- und beleihbares, seine Zahlungsfähigkeit nicht beeinträchtigendes Vermögen benutzen kann. Der Käufer legt für ein solches Wertpapier Geld hin und ist es im Grunde gar nicht los; man setzt es einem Risiko, z.B. dem des Kurses, aus, vielleicht auch dem des Totalverlustes; vielleicht aber auch gar keinem Risiko, wenn ein fester Zins und ein Verfallsdatum draufstehen und man den Staat im Hintergrund hat, der die Sache dann vollstreckt. Dies alles will bedacht sein, wenn ein Unternehmen auf diesem Weg Kredit aufnehmen will. Beraten ist hierbei sehr matt gesprochen, denn dazu gehört auch, dass die Bank diese neuen Wertpapiere im Handel anbietet. Weiter noch, die Bank ist selber der Handel, der diese Papiere gleich übernimmt und auch schon eine Kundschaft dafür kennt oder Zugang zu einer Börse hat und das Papier an diese bringt. Sie sorgt auch dafür, dass das Papier überhaupt erst einmal einen Kurs bekommt, der Einführungskurs, usw. usf. Was Beratungstätigkeit von Investmentbankern heißt, ist eigentlich nichts anderes, als dass sich die Bankenwelt selber den Unternehmen nicht einfach als Kreditgeber, sondern als der Markt anbietet, auf dem die ihren schon in Wertpapiere verwandelten Kreditbedarf decken können; das heißt dann Wertpapiere verkaufen. Dieses Bankgeschäft kommt ohne Vorschuss eines richtigen Leihkapitals aus, es verdient an der Generierung von Kredit. Wenn man dieses Geschäft, wie Kapitalisten dies eben tun, als Verzinsung eines Vorschusses rechnet, dann stemmt hier die Bank ein beträchtliches Geschäft und partizipiert daran, das eine Einnahme abwirft, die sich auf einen relativ kleinen Vorschuss berechnet. Das Verhältnis zwischen dem vorgeschossenen G ist zu den Gebühren, die das G’ darstellen, ganz ansehnlich. Der Vorschuss besteht in etwa in den Erfolgsprämien der Banker.
Die verbrieften Hypothekenkredite sind wiederum eine Sonderabteilung von Schulden, die von den Banken gemanagt werden. Hier ist der Ausgangspunkt eine kleine Unterabteilung von dem vorhin besprochenen Refinanzierungsgeschäft. Eine Bank vergibt Hypothekenkredite, die durch den Wert der Immobilien besichert sind. Dieses Geschäft gilt als bombensicher – was natürlich ein Witz ist, weil sich der Wert der Immobilie ordentlich bewegen kann. So ist insbesondere die Degradierung eines Baugeländes zu einer Industriebrache dem Wert eines Grundstücks ziemlich abträglich. Von den Banken wird dies jedoch insgesamt als solides Geschäft angesehen. Das Zugriffsrecht einer Bank auf das Grundstück des Schuldners ist von alters her die Grundlage dafür, selber Wertpapiere zu schaffen, Schulden auf sich auszugeben, dafür viel Sicherheit zu beanspruchen und entsprechend geringe Zinsen zu zahlen, weil sie ihre eigenen Schuldscheine mit ihren Hypothekenrechten unterbaut. Das ist das Hypotheken- und Pfandbriefgeschäft, nach dem diese klassischen Hypotheken- und Pfandbriefbanken ihren Namen haben. Eine Hypothekenbank refinanziert sich durch eigene Schuldverschreibungen, die eben hypothekarisch besichert sind.
Das, wovon der Artikel in GS 3-07 handelt, ist demgegenüber ein Fortschritt. Diese Banken verkaufen oder geben ihre eigenen Hypothekenkredite, ihre Forderungen an Hypothekenschuldner, weiter. Dieser Verkauf ist ihnen erlaubt worden. Um diese Hypothekenkredite verkaufen zu können, braucht es eine eigene ‚Zweckgesellschaft’, die ‚Vehikel’, ‚Verbriefungsvehikel’ genannt werden. Diese übernehmen diese Kredite, erklären sie zu ihrem Vermögensbestand, der darauf beruht, dass sie ja die Zinsen einnehmen, geben dann selber meistens sehr kurzfristige, über 30 oder 90 Tage laufende, und mit einem meist relativ mageren Zins ausgestattete Wertpapiere, Obligationen auf sich als Vehikel aus und kassieren die Zinsen aus ihren übernommenen Hypothekenkrediten – machen also im Grunde das, was Banken machen, wenn sie sich refinanzieren: Sie vergeben zwar aktiv keine Kredite, übernehmen aber vergebene und refinanzieren das durch die Ausgabe von Obligationen. Das, was diese Vehikel von einer richtigen Bank unterscheidet, ist, dass sie alles das, was bisher als Grundlage des Bankgewerbes besprochen worden ist, nicht brauchen. Sie benötigen erst einmal gar nichts außer ihrer Gründungsurkunde, um von einer ihnen gewogenen Bank diese Kredite zu übernehmen, dann allerdings noch jemanden, der ihnen ihre eigenen Obligationen, diese 30 – 90 Tageskreditpapiere, abkauft, damit die Bank ihr Geld zurückbekommt. Für die Bank ist das eine Art der Refinanzierung, und zwar eine sehr direkte, und sie verdient dabei etwas durch die ‚Beratung’ des Vehikels und daran, dass sie auf diese Art z.B. schlechte Kredite loswird. Diese Vehikel sind durch die Banken selber gegründet, die sich auf die Art aus ihren Vehikeln refinanzieren. Was ist mit diesen Operationen gewonnen?
Reaktionen auf unseren Artikel formulieren den Sinn dieser Operationen so, dass die Bank dadurch ihr Geld wieder habe. Banktechnisch mag dies für eine Bank durchaus von Vorteil sein, nur geht die Einrichtung solcher Vehikel weit weg von den ursprünglichen Operationen von Hypotheken- und Pfandbrief Banken. Die Einrichtung eines solchen Verwertungsvehikels ist nicht bloß ein Instrument der Wiederbeschaffung von ausgegebenem Geld, sie ist vor allem ein Kunstgriff, diese weggegebenen Hypothekenkredite zu bewirtschaften, aus denen etwas zu machen.
Als erstes kann man sie zur Grundlage für die Emission von neuen Wertpapieren machen, für ein Zinsgeschäft neuer Art. Das Vehikel zahlt geringe Zinsen auf seine eigenen Obligationen und kassiert hohe Zinsen auf die übernommenen Hypothekenkredite, es erwirtschaftet eine Zinsdifferenz. Es passt sogar ein Treuhänder darauf auf, dass im Prinzip bloß die eingenommenen Zinsen an die eigenen Gläubiger, die die Obligationen abgekauft haben, weitergereicht werden. Nur, es sind zwei Paar Stiefel, die eingenommenen und die ausgezahlten Zinsen, und die dazwischen entstehende Differenz fließt als Beratungsgebühr an die Bank, die das Vehikel eingerichtet hat. Von zweistelligen Millionenbeträgen ist dabei die Rede, die so Jahr für Jahr an die Banken fließen. Dabei handelt es sich um eine Einnahme für die Bank, die selber dafür keinen Vorschuss benötigt. Auf diese Sorte Geschäft sattelt sich eine unglaubliche Kette von neuen Geschäften drauf. Die Instanzen, meistens Fonds oder andere Banken, die die Obligationen dieser Vehikel kaufen, kaufen diese nicht nur, um diese kurzfristigen Zinsen zu kassieren. Einige von ihnen bewirtschaften diese Vehikel-Emissionen noch ganz anders. Sie kalkulieren z.B. das Risiko des von den Vehikeln übernommenen Hypothekenbestandes und begutachten die von den Vehikeln ausgegebenen Obligationen. Die Bank berät das Vehikel dahingehend, seine eigenen Obligationen z.B. in Tranchen zu unterteilen; in zunächst eine kleine Tranche von z.B. 3 %, die das Risiko trägt und wertlos wird, wenn bei den Krediten und den davon erwarteten Tilgungen und Zinsen etwas ausfällt. Ein Treuhänder stimmt da zu. Dieses Risiko wird jedoch vergütet, indem diese Tranche mit einem höheren Zins ausgestattet wird. Eine mittlere Tranche, z.B. 30 %, das so genannte ‚Zwischengeschoss’, wird in Mitleidenschaft gezogen, wenn mehr als die 3 % ausfallen; sie wird nicht wertlos, bekommt aber weniger als den versprochenen Zins. Und der große Rest kommt in eine durch dieses Manöver gesicherte Tranche; diese ist von den Risiken, die im Vermögen der Zweckgesellschaft stecken, nie betroffen. Da Sicherheit Geld kostet, stimmt der Treuhänder zu, diese Tranche mit einem geringeren Zins auszustatten. Dafür erhält die erste, kleine Tranche der 3 % den ganzen Zins, der bei den übrigen beiden Tranchen gespart wird. Für die erste Tranche kommen dadurch Verzinsungen zustande, von denen ein FAZ-Schreiber berichtet, dass sie es auf diese Weise glatt hinbekommen, einen Zinssatz mit Verweis auf schlechte Kredite in die Höhe zu hebeln. Ein solches Wertpapier erhält auf einmal eine Verzinsung 15-mal so hoch wie ein anderes Papier. Dieser Zinssatz ergibt sich eben aus den Abwägungen von Risikounterscheidungen. So etwas macht ein solches Vehikel und verkauft solche hochverzinslichen Hochrisikopapiere z.B. an einen Hedge-Fonds. Dabei spielen rechtliche Fragen am Sitz der Finanzinstitute eine Rolle – gern sitzen sie auf den Bahamas und ähnlich exotischen Plätzen. Wenn nun solch ein Hedge-Fonds z.B. ein solch hochverzinsliches Papier auf einen marktüblichen Zins zurückrechnet, kapitalisiert, ist dieses kleine, hochverzinsliche Segment auf einmal ein sehr hohes fiktives Kapital, das sich immer noch ganz gut verzinst. Aus dieser Tranche kann man nun wiederum ein Wertpapier machen, das man mit anderen Wertpapieren vermischt und zum Vermögen eines nächsten Fonds erklärt, der darauf wieder neue Obligationen herausgibt, die höher verzinslich sind, weil ja dieses hochverzinsliche Hochrisikopapier beigemischt ist. Man  befindet sich jetzt also in der zweiten oder dritten Etage und hat so sowohl den Zinsfuß wie auch das hochverzinsliche Kapital selber vermehrt. Und was einmal geht, geht auch mehrmals; in solchen Wertpapier-Mischungen finden sich dann Unternehmenskredite, Studentenkredite, Auto- und Konsumentenkredite und Hypothekenkredite beieinander. So etwas wird dann ‚Portfolio’ genannt. Diese immer wieder verbrieften Kredite haben nach Insiderauskunft die Summe von 100 Billionen Dollar angenommen, angeblich doppelt soviel wie der Börsenwert sämtlicher Unternehmen auf der Welt.
Das ist eine Sorte Geschäft, die aus dem Verhältnis: die Bankenwelt kreditiert das Kapital, heraustritt. Die Schaffung von Wertpapieren, die hier stattfindet, ist nicht mehr dafür gut, ein Kapital, das sich in der Konkurrenz behaupten will und dafür auf Größe angewiesen ist, mit Mitteln auszustatten, damit es seine Ware billiger an den Mann bringt. Dieses Kreditgeschäft hier geht einen Bezug nur zu sich selbst ein. Investitionsgelegenheiten werden geschaffen, die für nichts anderes mehr gut sind, als die Zahlungsfähigkeit, die aus der Schaffung von Wertpapieren erwächst, in den Kauf von Wertpapieren zu investieren und damit wieder Wertpapiere verfügbar zu machen, die selber eine Kaufkraft repräsentieren, die wieder in neue derartige Produkte fließt. Auf Basis eines grundsoliden Refinanzierungsverfahrens, nämlich des Pfandbriefs, hat das Kreditgewerbe eine Art der Bewirtschaftung von selbst geschaffenen Wertpapieren konstruiert, bei der sich die Bewirtschaftung selber vom Bezug auf zu kreditierendes Kapital trennt. Deswegen wird ein solch irrsinniger Bestand an solchen Papieren generiert, der aber gerade auch so schnell wieder zusammenbricht, wenn das Vertrauen an die Fortführung dieses Geschäftes unterbleibt. Wenn nämlich an einer dieser Stellen, z.B. aus Misstrauen gegen die unterlegten Hypothekenkredite, die Nachfrage nach solchen Vehikel-Obligationen unterbleibt, dann bleiben diese Schulden liegen und es wird sich gefragt, was die noch wert sind. Klar ist, die ganze Kette von aufgetürmten Obligationen ist dann nichts mehr wert, wenn nicht eine Generation von Obligationen durch die nächste abgelöst wird. Das ist der Witz der Krise in diesem Sommer.
Wie die Banken das bewältigen, ist deren Sache; manches schreiben sie ab, manchmal kaufen sie selber diese Obligationen auf. Die amerikanische Nationalbank hat sich in der Erwartung, dass das Geschäft mit diesen Papieren wieder weitergeht, sogar bereit erklärt, manche dieser Obligationen selber, wenigstens auf 30 oder 90 Tage, als beleihbare Wertpapiere zu akzeptieren. Die andere Seite ist die, und deshalb wird an die anfangs zitierte Sorge erinnert, die Funktionstüchtigkeit der kapitalistischen kreditierten Wirtschaft hängt womöglich doch vom Gelingen dieser Geschäftsabteilung mit ab. Die Funktionstüchtigkeit dieses ganzen Kreditgewerbes, auch wenn es erst einmal so in sich kreist, ist eben doch unverzichtbar für das Funktionieren des ganzen üblichen Ladens.