Vorlage
Die „Verbriefung einer Hypothek“
ist das Werk eines Gläubigers, der sich durch die Verzinsung des Geldes, das er vorgestreckt hat, schlecht bedient sieht. Dem Zins, auf den er ein Anrecht hat, entnimmt er, dass sein Schuldschein eine Kapitalanlage ist. Und zwar von derselben Art, wie sie in Gestalt von anderen Wertpapieren auf dem Markt sind. Also wird der Schuldschein kapitalisiert und „dem Markt“ zum Vergleich mit anderen Papieren angeboten.
Der Gläubiger ist entschlossen, als Emittent tätig zu werden. Das vielzitierte ‚Weiterreichen’ bewerkstelligt er also nicht, indem er den Schuldschein samt Anrecht auf Verzinsung einem anderen überlässt, damit er sein Geld wieder hat. Er macht Ernst damit, dass er über Kapitalanlagen verfügt, die das Interesse des anlagebereiten Publikums verdienen. Aus den Anlagen werden Bestandteile eines Fonds, an dessen Geschäften sich Anleger beteiligen und bereichern können. Wenn sie sich beteiligen, ist ein neues Papier in Umlauf und Objekt aller Praktiken, die mit Aktien, Rentenwerten etc. angestellt werden. Die neue Firma (ABS-Conduit) blüht und gedeiht, welkt aber auch mit dem Zuspruch kritisch vergleichender Anleger. Geschaffen wird zwar gar nichts, Wert (=Geldmacht, die alles vermag) vermehrt und vermindert aber schon.
Das
Hypothekengeschäft ist für die Bank also in einer ganz
anderen Hinsicht bedeutsam als durch seine Zinseinkünfte. Es
liefert den Stoff und somit die Befähigung zu einem anderen,
höheren und umfangreicheren Betätigungsfeld
finanzkapitalistischer Bereicherung. Wie übrigens andere
Geschäfte auch, weist es seinen Betreiber als notorischen
Organisator von Wachstum aus, der über potente Wachstumsquellen
verfügt. Als solcher tritt die Hypothekenbank auf, stellt sich in
ihren ‚Conduits’ als Firma dar, der man Geld überlassen kann, weil
es sich bei ihr rentiert. Ihre bisherigen Geschäftserfolge, ihre
Aktiva, die als Quelle von Gewinn eingesetzt sind, erhalten die
Qualität von Garantien zuerkannt – für die zusätzlichen
und alle künftigen Geschäfte, die sich mit Hilfe fremden
Geldes damit machen lassen.
Investoren sind aufgerufen, dieser Verheißung in Gestalt
angebotener Wertpapiere zu glauben und sie zu testen, sich also auf das
Risiko einzulassen, Geld einzubüssen, das sie mit Aussicht auf
Gewinn investieren.
An der (Un)Glaubwürdigkeit ihrer Gewinnversprechen und den Techniken, mit denen sie diese untermauert hat, laboriert derzeit die Bankenwelt – genauer: an dem enormen Erfolg ihrer derart rückversicherten Emissionstätigkeit. Der gehorcht nämlich derselben Logik wie die ausufernde aktuelle Krise des Finanzgeschäfts.
Diskussion
Die Hauptmitteilungen im Zusammenhang mit der Aufregung in der Finanzwelt über deren Finanzkrise lauten zum Einen, viel zu arme Leute hätten sich in Amerika ein Haus gekauft und könnten nun die Hypothekenzinsen nicht mehr zahlen. Zum anderen misstrauen Banken auf der ganzen Welt einander, so dass sie sich untereinander kein Geld mehr leihen. Dass zwischen diesen beiden Auskünften eine praktische und theoretische Lücke klafft, ist jedem klar. Manchmal gibt es einige Hinweise über Bruchstücke der Technik, was verschiedene Fonds, Banken und eigentümliche Finanzierungsinstitutionen so dazwischen treiben. Auf dieses Zwischending, die Leistung des Kreditgewerbes, bezieht sich die Vorlage.