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Die Finanzkrise

jf 17.9.07 – Zur Finanzkrise

Vorlage

Die „Verbriefung einer Hypothek“

  1. ist das Werk eines Gläubigers, der sich durch die Verzinsung des Geldes, das er vorgestreckt hat, schlecht bedient sieht. Dem Zins, auf den er ein Anrecht hat, entnimmt er, dass sein Schuldschein eine Kapitalanlage ist. Und zwar von derselben Art, wie sie in Gestalt von anderen Wertpapieren auf dem Markt sind. Also wird der Schuldschein kapitalisiert und „dem Markt“ zum Vergleich mit anderen Papieren angeboten.

  2. Der Gläubiger ist entschlossen, als Emittent tätig zu werden. Das vielzitierte ‚Weiterreichen’ bewerkstelligt er also nicht, indem er den Schuldschein samt Anrecht auf Verzinsung einem anderen überlässt, damit er sein Geld wieder hat. Er macht Ernst damit, dass er über Kapitalanlagen verfügt, die das Interesse des anlagebereiten Publikums verdienen. Aus den Anlagen werden Bestandteile eines Fonds, an dessen Geschäften sich Anleger beteiligen und bereichern können. Wenn sie sich beteiligen, ist ein neues Papier in Umlauf und Objekt aller Praktiken, die mit Aktien, Rentenwerten etc. angestellt werden. Die neue Firma (ABS-Conduit) blüht und gedeiht, welkt aber auch mit dem Zuspruch kritisch vergleichender Anleger. Geschaffen wird zwar gar nichts, Wert (=Geldmacht, die alles vermag) vermehrt und vermindert aber schon.

  3. Das Hypothekengeschäft ist für die Bank also in einer ganz anderen Hinsicht bedeutsam als durch seine Zinseinkünfte. Es liefert den Stoff und somit die Befähigung zu einem anderen, höheren und umfangreicheren Betätigungsfeld finanzkapitalistischer Bereicherung. Wie übrigens andere Geschäfte auch, weist es seinen Betreiber als notorischen Organisator von Wachstum aus, der über potente Wachstumsquellen verfügt. Als solcher tritt die Hypothekenbank auf, stellt sich in ihren ‚Conduits’ als Firma dar, der man Geld überlassen kann, weil es sich bei ihr rentiert. Ihre bisherigen Geschäftserfolge, ihre Aktiva, die als Quelle von Gewinn eingesetzt sind, erhalten die Qualität von Garantien zuerkannt – für die zusätzlichen und alle künftigen Geschäfte, die sich mit Hilfe fremden Geldes damit machen lassen.
    Investoren sind aufgerufen, dieser Verheißung in Gestalt angebotener Wertpapiere zu glauben und sie zu testen, sich also auf das Risiko einzulassen, Geld einzubüssen, das sie mit Aussicht auf Gewinn investieren.

An der (Un)Glaubwürdigkeit ihrer Gewinnversprechen und den Techniken, mit denen sie diese untermauert hat, laboriert derzeit die Bankenwelt – genauer: an dem enormen Erfolg ihrer derart rückversicherten Emissionstätigkeit. Der gehorcht nämlich derselben Logik wie die ausufernde aktuelle Krise des Finanzgeschäfts.

Diskussion

Die Hauptmitteilungen im Zusammenhang mit der Aufregung in der Finanzwelt über deren Finanzkrise lauten zum Einen, viel zu arme Leute hätten sich in Amerika ein Haus gekauft und könnten nun die Hypothekenzinsen nicht mehr zahlen. Zum anderen misstrauen Banken auf der ganzen Welt einander, so dass sie sich untereinander kein Geld mehr leihen. Dass zwischen diesen beiden Auskünften eine praktische und theoretische Lücke klafft, ist jedem klar. Manchmal gibt es einige Hinweise über Bruchstücke der Technik, was verschiedene Fonds, Banken und eigentümliche Finanzierungsinstitutionen so dazwischen treiben. Auf dieses Zwischending, die Leistung des Kreditgewerbes, bezieht sich die Vorlage.
Dieser Diskussionsvorschlag ist von der versprochenen Weiterverfolgung des Kapitels „Das Geld des Staates“ im Buch gar nicht soweit weg.
   — Zu a) Wenn Banken Geld vorstrecken, dann ist das eine kapitalisierte Geldsumme. Sie wird doch nicht erst über die darauf folgenden Mechanismen kapitalisiert?
Wenn sich jemand ein Auto kauft und dafür sein Konto überzieht, ist derjenige dann eine Kapitalanlage?
   — Ja, in dem Sinn, dass die Bank ihm das Geld vorstreckt und dafür Zinsen kassiert.
Die Vorlage macht einen Unterschied zwischen einem schlichten Schuldverhältnis eines Überziehungs- oder Anschaffungskredits, an dem natürlich der Gläubiger verdient, für den das sein Geldkapital ist – dies hat in der Hypothek sogar noch seine besonderen Formen der Absicherung dieses Kredits der Banken gegenüber ihrem Schuldner –, und dem, was die Bank mit diesem Schuldverhältnis als solchem anstellen kann. Dafür ist hier das Stichwort Kapitalanlage reserviert. Der Schuldschein wird zu einem Wertpapier, das für andere, nicht für die Bank selbst, eine Kapitalanlage ist und sich als solche auch mit anderen Papieren vergleicht. Es geht hier nicht um den quantitativen Unterschied von Krediten oder von einem Konsumentenkredit zu einem Kredit an einen Unternehmer. Der Dienst, den die Bank mit einem Kredit z.B. an Konsumenten oder Unternehmer leistet, wird jetzt unter dem ganz anderen Gesichtspunkt interessant, dritten Leuten, Geldbesitzern, Kapitalanlegern etwas Weiteres anzubieten, was diesen Kreditverhältnissen entstammt.
   — Das Schuldverhältnis vervielfältigt sich. Die Bank tritt ihren Anspruch auf Zins und Tilgung, den sie gegenüber dem Schuldner hat, nicht an jemanden anderen ab, sondern nimmt diesen Anspruch als ein Kapital, auf das sie Papiere auf sich ausgibt.
Es kommt jetzt darauf an, ob dabei an die klassische Form des Pfandbriefs gedacht ist. Dabei hat die Bank gegen die Sicherheit einer Immobilie Geld verliehen, will aber, obwohl sie das Geld weggegeben hat, ein neues Geschäft anzetteln und nimmt dafür selber Schulden auf. Aus der Hypothek, die sie dem Immobilienbesitzer aufs Auge gedrückt hat, also aus ihrem Recht auf das Haus macht sie eine Sicherheit für den, von dem sie nun wiederum Geld leiht. Auch das ist noch eine schlichte Form des Leihgeschäfts.
Hier wird nun behauptet, der Schuldschein wird kapitalisiert, das Schuldverhältnis wird in ein Wertpapier verwandelt. Wenn aus einem Schuldschein ein Wertpapier gemacht wird, wird der Schuldschein für das weggegebene Geld behandelt als zinstragendes Papier, das doch so gut wie Kapital ist und deswegen für andere, die eine Kapitalanlage suchen, ein interessantes Kaufobjekt ist. Wie oft existiert jetzt die weggegebene Summe? Zunächst gibt es die durch die Bank weggegebene Summe, die Summe existiert dann zweitens als Wertpapier, das man als Kapitalanlage verkaufen kann; und wenn jemand sich dieses Ding wirklich kauft, bestätigt er die Fiktion der Bank, ihr Schuldschein wäre ein Wertträger, und die Bank bestätigt dem Kapitalanleger, zwar sein Geld dafür hergegeben, aber eigentlich gar nicht weggegeben zu haben, sondern so etwas wie eine kleine auf dem Papier notierte Fabrik in Händen zu halten, die jedes Jahr so und soviel Zinsen produziert. Dieselbe Wertesumme existiert also mindestens dreimal. Die Verwandlung eines Schuldverhältnisses in ein Wertpapier nennt man in diesem Zusammenhang Verbriefen. Die Härte ist wirklich, dass aus einem weggegebenen Geld jetzt ein Wertobjekt geworden ist, das die Bank verkaufen kann. Für den Käufer ist es kein Ding zum Konsumieren, sondern eines, das selber einen Wert hat, der sich besonders darin erweist, sich zu vermehren.
Dieses Verdoppeln und Verdreifachen kann man auch so ausdrücken, dass derselbe Stoff mehrmals als sich vermehrendes Kapital fungiert.
Bei diesem Verbriefen gibt es alle möglichen Techniken. Wenn die Schuld des ersten Schuldners beglichen ist, ist auch dessen Schuldschein weg, bloß sind erstens Hypotheken nicht darauf berechnet, in einer überschaubaren Frist beglichen zu werden. Zweitens hat man mit dieser Verbriefung einen Weg gefunden, fällige Schuldscheine, die beglichen werden oder auch nicht, weil sie sich als schlecht herausstellen, durch Aussortieren und Neubündelung neu zusammenzufassen. Dieses Verbriefen und Schaffen von Anlagemöglichkeiten ist schon auf Dauer angelegt.
   — Der Hypothek liegt in Form der Immobilie ein realer Sachwert zugrunde. Es wird unterstellt, dass Kredit und Sachwert sich entsprechen. Diese Garantie des Sachwerts wird bei dieser Verbriefung nicht weitergereicht, sie existiert nur im Verhältnis zwischen Bank und Schuldner.
Ob diese weiter existiert, wenn die Bank ihrerseits diese Schulden verbrieft und weiterverkauft, und ob die Bank in diesem Brief auch noch die Grundstücke und Häuser als Sicherheit anführt, kann man denen überlassen. Meistens schreibt sie es hinein, um für ihre verbrieften Schulden auch Käufer zu finden. Dies betrifft den Punkt, wenn man jetzt hört, die Ratingagenturen hätten versagt, weil es deren Job gewesen wäre, bei den von der Bank verkauften Wertpapieren genau zu prüfen, was für eine Art Schulden die Bank da zusammengebunden hat.
Interessant ist das weitere Schicksal dieser verkauften Wertpapiere, denn bei den Käufern handelt es sich nicht um den kleinen 08/15-Geldanlager. Der Markt für diese verbrieften Schulden sind diese Fonds mit ihren Fantasienamen, bei denen es sich nach ihrer eigenen Sprachregelung um ‚Zweckgesellschaften’ handelt, deren Zweck darin besteht, der Markt für diese Wertpapiere zu sein. Sie übernehmen diese, machen sie zu ihrem Fondsvermögen und daraus ihrerseits eine Gelegenheit zur Kapitalanlage für das große Publikum. Man hat damit die nächste Stufe der Vermehrfachung des Kredits. Der Fonds präsentiert sich seinerseits, mit Verweis auf die Güte der bei ihm versammelten Vermögenstitel, als Kapitalanlage für die nächste Stufe der Geldanleger. Spätestens an dieser Stelle geschieht eine Umdrehung. Dieser Fonds ist selbst kein Geldanleger, der für sein Geld eine gute Anlage sucht, sondern eine Sammelstelle für verbriefte Hypothekenkredite, die gar kein Geld übrig hat, sondern für die einzusammelnden Wertpapiere Geld akquiriert und dafür Wertpapiere ausgibt. Um das Schicksal dieser Wertpapiere geht es in der aktuellen Finanzkrise. Die Fonds sammeln diese Papiere, verkaufen sie nicht weiter, auch nicht in einer neu verbrieften Form, sondern geben auf sich als Verwalter und Vermehrer dieses Vermögens Anteilsscheine aus. In diesen Zweckgesellschaften ist das Vermögen, das auf den Zinszahlungen der braven Häuslebauer beruht und noch die kapitalisierte Form der Hypothekenkredite repräsentiert, von der Kapitalanlage in diese Fonds getrennt. Die Sicherheit, die ein Käufer solcher Fondsanteile hat, ist das Geschäft des Fonds, nicht mehr das mit den Häusern.
   — Ich glaube nicht, dass die Grundlage dieser Vervielfachung nur der private Häuslebauer ist. Das gleiche Prinzip gilt doch auch für Büro- und Geschäftskomplexe usw. Dass Kredite nicht mehr bedient werden, ist doch nur der Anlass für die Krise.
Dass diese Abteilung der Hypothekenkredite mal in größerer Zahl nicht mehr bedient wird, oder vielleicht sogar auch nur, dass manche Agenturen in diesem absurden Geschäft die Gefahr wittern, dass demnächst viele Kunden illiquid werden könnten, ist der Ausgangspunkt für die aktuelle Krise. Natürlich speist sich dieses Verbriefungsgeschäft überhaupt nicht bloß aus Hypothekenkrediten für kleine Häuslebauer. Die Banken verbriefen inzwischen – das erfährt man so nach und nach – alles, was sie als Gläubiger verleihen. In die Verbriefungsmaschinerie der Banken gehen sogar Kreditkarten mit ein. Wenn die Banken einem Hedge-Fonds Geld leihen, damit er sich eine Firma kaufen kann, die er dann ausschlachtet und die Schulden, die er für deren Ankauf aufgenommen hat, auf sie überträgt, verbriefen sie wiederum diese Schulden.
Damit ist etwas ins Gespräch gebracht, das in der Logik dieses absurden Kreditgeschäfts eher ans Ende gehört. Die Chance für die Banken, das Geld, das sie verleihen, per Verbriefung zum Wertpapier zu machen, ist für sie ein Freibrief, ihr Geschäft ernorm auszudehnen. Die Banken haben sich die Freiheit verschafft, die Milliarden auch für andere Geschäftszweige, vor allem für den der Akquisition, den Kauf anderer Firmen, aufzubringen, indem sie das Geld, das sie dafür herleihen, auf dem Wege der Verbriefung in eine interessante Kapitalanlage verwandeln. Das kommt jetzt heraus, weil diese Verbriefung von Bankkrediten nicht mehr klappt, die ganze Kette der Kapitalanleger abgerissen ist. Deswegen stehen Banken mit ihren Kreditzusagen für große Übernahmen u.ä. vor dem Problem, die versprochenen Kredite per Verbriefung an den Markt nicht mehr weiterreichen zu können. Es stellt sich heraus, die Freiheit der Banken, Kredit zu schöpfen, entstammt dem Kunstgriff, Schuldverhältnisse in Kapitalanlagen zu verwandeln. Dieser funktioniert so ertragreich, weil der erste Akt nur der erste Schritt ist, der Fonds sich darauf 'pflanzt', der in Gestalt seiner selbst zwischen den Wertpapieren, die er übernimmt, und denen, die er auf sich ausgibt, trennt.
Die wichtigsten Kunden dieser Fonds sind die Banken, die selbst die Fonds gegründet und finanziert haben, damit die ihnen ihre verbrieften Kredite abnehmen, in der Form rechtlich von ihnen getrennt, aber mit dem Auftrag ausgestattet, solche Papiere zu absorbieren und darauf wieder eigene Anteile auszugeben. Die Rhineland-Funding z.B., an dem die deutsche IKB (Industriekreditbank) sich beinahe verschluckt hätte, hatte ein Eigenkapital von 500 €, aber Kredit von der IKB. Mit diesem kaufte der Fonds verbriefte Kredite anderer Institute, weil die Bank in dieses Geschäft mit einsteigen wollte. Darauf wurden wieder Papiere ausgegeben, mit dem Versprechen, der Anleger mache ein gutes Geschäft. An dem Fonds beteiligte sich die IKB, kaufte Anteile und setzte darauf, der Fonds würde mit der Kapitalanlage, zu der sie ihn ermächtigt hatte, mehr Geld machen.
   — Mir ist nicht klar, was die Substanz ist, auf die der Wertpapierkäufer spekuliert. Die Fonds geben mit dem Verweis auf ihr Vermögen neue Wertpapiere zur Kapitalanlage heraus. Worauf verspricht das Wertpapier mehr Wert zu werden, verspricht der Fonds aus seinen Papieren mehr Geld zu machen? Die Substanz der Spekulation liegt (doch nur) in dem Versprechen des Fonds. In dem Maß wie er damit Geldanlage auf sich ziehen kann, kann er dieses Versprechen wahr machen.
Wenn andere Banken oder institutionelle Anleger (Pensionsfonds etc.) dem Fonds ihr Geld anvertrauen, hat dieser Mittel, um weiter zu wirtschaften, weitere verbriefte Kredite zu kaufen und weitere eigene Papiere in Umlauf zu bringen. Das läuft solange es läuft.
Die Fonds haben ihre Strategien und Techniken, wie sie überzeugend fürs Publikum vorzeigen können, mit dem Vermögen eine Rendite zu erwirtschaften. Z.B. liegen im Vermögen eines Fonds langfristige Wertpapiere. Je länger die Frist, umso höher der Zins. Der Vermögensbestand eines Fonds vergleicht sich mit anderen langfristigen Anlagen. Dann gibt der Fonds Kurzläuferpapiere, z. B. auf 3 Monate, mit relativ niedrigen Zinsen aus. Weil aber das Vermögen hochverzinst ist, kann der Fonds seine kurzlaufenden Wertpapiere mit einem im Vergleich zu anderen kurzfristigen Papieren günstigeren Zins ausstatten. So sind ausgegebene Papiere als Geldanlage interessant, weil sie sich nicht mit dem verzinsten Vermögen im Fonds, sondern mit anderen kurzfristigen Papieren vergleichen. Derart sind die Geschäfte, mit denen die Fonds sich als verlässliche, ertragreiche Geldvermehrer präsentieren.
Das schaffen sie aber nur solange, wie man ihnen das zutraut. Das investierte Geld ist nicht dafür gedacht, es sich wirklich nach dieser kurzen Laufzeit wieder auszahlen zu lassen und mitzunehmen. Das ist dann einer der Punkte, an denen sich eine Krise entzündet, und man merkt, dass es mit den kleinen Schuldnern in Amerika überhaupt nichts mehr zu tun hat. Da sind Fonds pleite gegangen aus Gründen eines Misstrauens, das sich aus allen möglichen Sachen gespeist hat, aus denselben Quellen, aus denen sich das Vertrauen in den Fonds gespeist hat. Da fehlt dann dem Fonds zu dem Termin, an dem seine Papiere erneuert – neu verkauft, weil nach bestimmter Zeit ausgelaufen – werden müssten, die Kundschaft.
   — Die Papiere werden doch gehandelt, sie müssen nicht festliegen, und werden darüber insgesamt nicht weniger.
Diese Papiere haben gar nichts mehr damit zu tun, dass jemand sein Geld verleiht und es für eine gewisse Zeit nicht mehr hat; dafür hat er ein Wertpapier, das handelbar ist; natürlich nicht bei Kleinanlegern, nicht mal an der Börse. Die Wertpapiermanager der Banken handeln untereinander laufend den Wert der Papiere aus. Für den Fonds kommt es darauf an, dass diese nicht einfach an ihn zurückgereicht werden, sondern dass sein Geschäft als die Instanz, die zwischen dem angesammelten Wertpapiervermögen und der Ausgabe von neuen Papieren scheidet, nicht von ihrer Kundschaft darauf sitzengelassen wird, sondern immer neue Kunden findet.
Der Wert dieser Papiere hat zwar das Vermögen dieses Fonds zur Grundlage, was aber für die ausgegebenen Papiere täglich an Kurswert ermittelt wird, ist eine Sache von Angebot und Nachfrage. Sie müssen in dem Maße, wie der Fonds sie verkaufen will und muss, nachgefragt werden. Wenn sie keine Kundschaft finden, kriegen sie keinen Wert. Die Basis für das Wertpapiergeschäft des Fonds, der eine Kapitalanlage zu bieten hat, ist das Vertrauen in ihn, Vermögen vermehren zu können.
   — Womit weist sich der Herausgeber der Papiere als 'Organisator aus, der über potente Wachstumsquellen verfügt'? Doch (nur) indem er andere dazu bringt, bei ihm anzulegen. Eine andere davon getrennte Wachstumsquelle gibt es nicht. Der Ausgangspunkt sind die verbrieften Kredite, auf die er als sein Vermögen verweist. Darauf gibt er neue Papiere aus und verspricht ihren Wert steigen zu lassen.
Diese verbrieften Kredite – das Ursprungsgeschäft, nicht bloß mit den kleinen Hypothekenschuldnern in Amerika –, sind eine übliche Technik geworden, gerade auch für große Kredite. Die Zinszahlung darauf ist nach wie vor wichtig, insofern sie, jetzt degradiert (oder aufgewertet, je nach Bewertung) zum Argument für die Qualität des Fonds werden. Das Vertrauen der Geldanleger will ständig mit Argumenten in Form von Geld, das es da zu verdienen gibt, also auch der Zinsen der kleinen Anleger (oder von Dividenden), gefüttert werden. Dabei ist das in die Krise geratene nur eines der Betätigungsfelder eines modernen Kreditgewerbes.
Man ist hier an einem Punkt der Spekulation, an welchem für den Spekulanten alle Wertpapiere vergleichbar werden. Dann wird die Kalkulation auf das Wachstum von Mannesmann genauso angestellt wie auf die Solidität von Rhineland-Funding, einschließlich der Überlegung, wie lange man auf wen setzt. Sie sind dauernd dabei, das 'Portfolio' umzuschichten. Anders ist weder Sicherheit noch Wachstum herzukriegen. Die Kunst des Spekulanten besteht darin, diese beiden einander widersprechenden Imperative seines Geschäfts - auf einen Nenner zu bringen. Dafür ist diese Sorte Geschäft nur ein neues Angebot, woran man jetzt aber merkt, welche enormen Ausmaße diese Art der Vermehrfachung des weltweiten Wertpapiervermögens angenommen hat.
   — Ein Investmentfonds, bei dem Aktien, Rentenpapiere etc. gemischt sind, bietet diese Anleihen zu einer bestimmten Laufzeit an. Der Fonds garantiert den Wert der Anlage, aber derjenige, der die Anlage kauft, ist nicht gleichzeitig der Besitzer dieser Rentenpapiere oder Immobilien.
Es ist ja gerade die Funktion dieser Zweckgesellschaften, das zu trennen. Garantiert wird nicht viel. Zur Glaubwürdigkeit trägt entscheidend bei, dass dieselben Banken, die den Fonds Anteile abkaufen, zugleich den Wert dieser Anteile garantieren. Dafür räumen die Banken denen eine Kreditlinie ein, natürlich davon ausgehend, dass diese nicht in Anspruch genommen wird, da das alles für sie sonst nicht interessant wäre. Bei tatsächlicher Inanspruchnahme kostet das u. U. einen sächsischen Ministerpräsidenten seinen Job, weil dann seine Landesbank (und die der Steuerzahler) mit ihrer Kreditlinie tatsächlich für bankrotte Fonds geradestehen muss.
   — Wenn sich die Schuldverhältnisse, wie vorher gesagt, z.B. vervierfacht haben, dann fallen doch in jeder Ebene Zinszahlungen an, in dem Fall viermal, obwohl sonst doch nur einmal Zins fällig gewesen wäre. Lässt sich diese Zinsbedienung aus der Quelle zahlen, die der Anfangsschuldner mit seinen Zinsen bedient?
Von dieser Seite her betrachtet gibt es letztlich keine andere Quelle, die das Vermögenswachstum garantiert. Der andere Weg, nicht nur der der Beglaubigung, das wäre eine gute Geldanlage, sondern im Ernstfall auch der Quelle für die Auszahlung einer Rendite, die aus dem Fondsvermögen selbst gar nicht herausgewirtschaftet worden ist, ist der Zuspruch neuer Anleger. Da hat es dann Ähnlichkeit mit einem Schneeballsystem und das ist dann der Punkt, an dem dem Boom notwendig die Krise folgt. Die einzig solide Quelle für die Vermehrung des Vermögens, an dem viele Zinskassierer partizipieren, sind die Zinsen, die die ersten Schuldner zahlen.
Es ist aber nicht zu unterschätzen, dass dann eine ganze Kette von neuen Geldanlegern mit ihrer Geldanlage die Solidität des Fonds anerkennt und Geld reinsteckt, mit dem der Fonds wirtschaften kann. Sobald der Fonds mit den angelegten Geldern nichts mehr erwirtschaftet, sondern nur noch die Kunden, die ihr Geld gerade herausziehen wollen, auszahlt, wenn es wirklich zum Schneeballsystem wird, ist es um die Solidität des Fonds nicht mehr gut bestellt.
Die Spekulation geht darauf, dass der Fonds als solcher seinen Wert mindestens behält, wenn nicht steigert. Das ist die Analogie zur Aktie. Der Zins und auch die Rendite, die ausgezahlt wird, sind Argumente für das erspekulierte Wertwachstum dieses ganzen Unternehmens.
   — Der Unterschied zur Aktie ist doch der, dass da neben dem Zinszahlen auf der anderen Seite auch wirkliches Kapital akkumuliert. Im Normalfall wird da Mehrwert geschaffen. Im Fall dieses Schuldscheins wächst ja nichts, oder nur diese Aufblähung von Kapital, während bei der Aktie auch Kapital akkumuliert.
Auch bei der solidesten Aktie ist die Wertentwicklung der Aktie kein Spiegelbild des akkumulierenden produktiven Kapitals. Was man hier vor sich hat, ist die Emanzipation dessen, was die Finanzexperten Wertschöpfungskette durch das Kreditgewerbe nennen. Wobei es nicht darauf ankommt, dass sich ein begrenzter Zins auf immer mehr Stufen verteilt, sondern den Beteiligten die Lizenz und die Macht erteilt wird, das Geld, das zum Kauf solcher Papiere weggegeben wurde, selber als Wertpapier zu deklarieren und auf die Märkte zu werfen. Die Vermehrfachung der Wertpapiere ist auch nicht ein Spiegelbild der immensen Größe des Zinses, den man beliebig oft aufteilen könnte. Natürlich ist das alles fiktiv in dem Sinn, dass weggegebenes Geld im Hinblick auf das Versprechen seiner Vermehrung als vorhandener Wert behandelt wird. Die Beglaubigung des Fiktiven findet durch das Akzeptieren dieser Papiere als Kapitalanlage statt. Aber das ist eine eigene Sorte Überbau, auch eine eigene Sorte Überakkumulation fiktiven Kapitals, die eigenen Gesetzen folgt und nichts mit stockendem Warenabsatz zu tun hat.
Natürlich ist eine Aktie etwas anderes als dieses Wertpapier. Aber sie ist selber auch die Verwandlung von produktivem Kapital in ein Spekulationsobjekt. Ob da die Grundlage im produktiven Kapital solider ist als der Ausgangspunkt eines Hypothekenkredits an Amerikaner im Mittelwesten, ist fraglich. Wenn eine Waren produzierende Firma Aktien ausgibt, dann ist da schon das solide Geschäft zu einer Erwartung und die Erwartung eines guten Geschäfts mit der Ware dieser Firma zum Argument für die Spekulation auf ihre Aktie herabgesetzt. Das ist überhaupt das Feld, in dem dieses ganze Kreditgewerbe sich umtreibt. Das kommt von sich aus nie mehr auf die Frage zurück: Ist denn überhaupt so viel Eigentum erarbeitet worden, wie wir hier in Gestalt von Wertpapieren an Eigentumsansprüchen aufhäufen? Dieses Gewerbe ist mit nichts Anderem befasst als mit der Trennung der Wertvermehrung in Form von Vermehrung von Wertpapieren von der Schaffung neuen konsumierbaren oder produktiven Eigentums. Das ist die 'Industrie' der Emanzipation fiktiver Wertschöpfung von allem, was an Arbeit in dieser Welt verausgabt wird. Es ist eine ungeheuere Maschinerie der Verteilung des wirklichen Reichtums, dahin, wo er – kapitalistisch betrachtet – hingehört, nämlich zu denen, die als Kreditschöpfer den Zugriff auf die ganze reale wie fiktive Wertschöpfung haben.
   — Es wird behauptet, diese aktuelle Hypothekenkrise würde nicht auf Deutschland übergreifen, weil es doch hier ein solides Wirtschaftswachstum gäbe. Ist das mehr als eine Beruhigung des Publikums, damit sie nicht in die Banken rennen und ihr Geld abheben?
Nein. Doch zunächst noch einmal das Prinzip der Umdrehung in die Krise: Die Macht des Finanzkapitals, in Form von Wertpapieren Wert zu vermehren, zeigt sich wie bei der Aufblähung auch in der prompten Vernichtung der Sache. Um diese Sorte Reichtum zu vernichten, braucht es nur dasselbe, was für die Schaffung dieser Werte gut war, mit einem negativen Vorzeichen. Es hat mit einem normalen Krisenablauf, mit Überakkumulation nichts zu tun. Es ist die eigene Bewegung dieses Finanzkapitals, vielleicht auch mit einer eigenen Logik in dieser Konjunktur, in der Aufblähung des Vertrauens. Alle Figuren, die mit nichts anderem als dem permanenten Umschichten ihrer Portfolios beschäftigt sind, sind als Subjekte des Vertrauens selbst zugleich Subjekte des Misstrauens. Das Vertrauen ist immer von diesem doppelten Imperativ einer sicheren Rendite bestimmt. Und da steht jeder dieser Manager dauernd vor der Entscheidung, das Argument der Sicherheit gegen das der Rendite abzuwägen. Wenn immer mehr Wert geschaffen, davon immer mehr in solche Fonds mit dem Auftrag, eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften, hineingesteckt wird, sind die Fonds selbst ein Stachel dafür, immer neue Sphären des Geschäfts in diese Grundfigur des Verbriefens hinein zu ziehen. Der Ausgangspunkt dieser ganzen Sache sind nicht die armseligen amerikanischen Häuslebauer, über die die Hypothekenbanken in Amerika herfallen und denen sie Kredite andrehen, auch in dem Wissen, dass diese das Zinsenzahlen eh nicht schaffen. Eine Bank schafft sich von vorne herein Schuldner, damit sie diese Schulden verbriefen kann, den von ihr gegründeten Fonds damit füttern kann, so dass dieser damit gegenüber der finanzkapitalistischen Geschäftswelt als einer auftreten kann, der sein Vermögen solide vermehrt.
Der Ausgangspunkt hat sich längst so umgedreht, dass Kredite vergeben werden, um verbriefbare Schuldscheine in den Händen der Bankiers zu schaffen. Das ist kein ganz unwichtiges Argument, wenn man sich eine Vorstellung von der Herrschaft des Finanzkapitals über das gesamte bürgerliche Wirtschaftsleben verschaffen will. Wenn dann alles schief geht, die Latte der Vermehrung von Wertpapieren wieder rückwärts geht, wenn ein Fonds nach dem anderen einen Offenbarungseid über seine emittierten Wertpapiere leisten muss und die Banken selber mit ihren Kreditlinien in Anspruch genommen werden, riesige Abschreibungen bei ihren Kreditlinien vornehmen müssen, wenn quasi das Vertrauen sich umdreht in die Macht zur Vernichtung dieses fiktiven Kapitals, dann weiß jeder Politiker und Journalist, das Kreditgewerbe vom soliden Handwerk zu trennen und zu sagen, die hätten übertrieben und gingen jetzt kaputt, ansonsten sei das Geschäft aber solide. Das Geschäft mit Waffen für den Irak läuft tatsächlich noch und auch ansonsten wird noch genug Geld verdient in der Welt, um die Kapitalisten muss man sich keine Sorgen machen. Dass es bedeutungslos wäre, wenn bei der Herrschaft des Finanzkapitals über die gesamte Ökonomie ein ganzer wichtiger Zweig des Finanzkapitals einfach wieder mal auf Null zurückgesetzt wird, dementieren die Banken selbst schon, wenn sie untereinander keine Kredite mehr rausrücken, mit der Begründung, sie wüssten ja nicht, was bei den anderen los ist. Als wüssten die Banken wechselseitig irgendetwas nicht genau genug. Wenn das ein flächendeckendes Phänomen wird, einander kein Geld mehr zu verleihen, wissen sie nur allzu gut, wie es um ihre Zahlungsfähigkeit und über die wirklichen Vermögenswerte, über die sie noch verfügen, bestellt ist.
Der Witz ist dann, dass all die Chefmanager des Kreditgewerbes, die sonst den Staat und staatliche Vorschriften für Teufelszeug von vorgestern halten, immer nach dem Staat rufen, der retten soll, was sie produziert haben.
   — Die Bundesbank hat Kredite gegeben, allerdings nur tageweise. Dauern die Zahlungsschwierigkeiten der Banken nur jeweils einen Tag?
Erst einmal gibt die Zentralbank ad hoc Kredite, damit die Geschäftsbanken, wenn sie zahlen müssen, nicht illiquide werden. Wenn die das am nächsten Tag nicht an die Zentralbank zurückzahlen können, ist es dieselbe Bank, die diesen Kredit dann auch verlängert. Es wurden ja auch sofort Stimmen laut, die forderten, dass die Zentralbank dieses Geld auch möglichst schnell wieder einsammelt, damit die Banken mit diesem zusätzlichen Geld den Mist nicht weiter betreiben. Dieses Geld ist also nicht gleich am nächsten Tag wieder aus dem Geldkreislauf draußen; es wird von Tag zu Tag oder auf jeweils drei Wochen prolongiert. Es ist auch so, dass die Zentralbank selber die kurz laufenden Wertpapiere der Fonds, die jetzt die Banken den Fonds abkaufen müssen, damit die Fonds noch irgendwie liquide bleiben, den Banken abkaufen oder ihnen gestatten, diese Wertpapiere zu beleihen. Damit hat man schon mindestens drei Monate, auf die die Zentralbank solche kurzfristigen Papiere übernimmt und dafür Geld herausrückt. Dies macht die Zentralbank solange und sooft, wie sie es für nötig hält.
Das Entscheidende ist, dass dann die Zentralbanken mit ihrem Kredit die Funktionsfähigkeit dieses aufgeblähten Kreditwesens garantieren. Und anders als beim normalen Geschäftsgang, bei dem die Banken erstklassige Papiere rediskontieren, ist es jetzt in der Krise so, dass bei einer Zinsdifferenz von 0,4 %-Punkten schlagartig die Geschäftsfähigkeit der Banken auf dem Spiel steht. Wenn die Fonds ihr Geschäft mit minimalen Zinsdifferenzen machen und daran inzwischen die Glaubwürdigkeit dieses Gewerbes hängt, dann ist ein Anstieg des Zinssatzes um minimale Prozentsätze ein Schlag gegen die Glaubwürdigkeit dieses ganzen Geschäftszweigs. Ganz anders steht es in den Zeitungen: „Wenn die Zinsen steigen, dann können die Häuslebauer ihre Hypotheken nicht mehr bedienen und dann gibt es die Krise.“ So als ob die schlagartig und gemeinsam nicht mehr zahlen könnten. Da mag die Erwartung hereinspielen, dass sie die ansteigende Zinslast mal nicht mehr tragen können, aber der Witz ist eben, dass schon eine marginale Verschiebung in den Kreditzinsen die Geschäftspolitik dieser hypotrophen Fonds tangiert. Wenn die aus den minimalen Zinsdifferenzen zwischen lang- und kurzfristigen Anleihen nicht nur ihr Geschäft machen, sondern daraus dessen Glaubwürdigkeit beziehen, dann hängt an ihr auch der Wert der geschaffenen Wertpapiere. Mit der geringen Zinsdifferenz steht die Existenz einer Unmasse von Wertpapieren auf dem Spiel, damit die Existenz von unzähligen Banken, die den Wert dieser Papiere verbürgen und damit die Funktionstüchtigkeit des Kreditsystems überhaupt, in dem eine Bank für die andere bürgen muss, weil sie dieser etwas geliehen hat, und deswegen ist in dieser Situation skurrilerweise Solidarität unter Kredithaien gefragt – was natürlich keiner macht, weshalb die für die Rettung dieses Finanzsystems zuständige Zentralbank eingreift. Dass unabhängig von dieser Krise das Geschäft ganz normal verläuft, ist eine Lüge, denn das Finanzkapital ist der Garant dafür, dass das Verhältnis genau umgekehrt ist, dass kein Geschäft läuft, ohne dass es eine für das Kreditgewerbe befriedigende Rendite abwirft. Verrückt – und allgemein als Schwierigkeit festgestellt – ist auch, unterscheiden zu wollen zwischen den ‚Finanzhasardeuren’, deren unsolides Treiben man nicht unterstützen wolle, und den ‚soliden' Kreditinstituten, mit deren Rettung das Finanzsystem gerettet werden soll.
Wenn die Zentralbank jetzt Milliarden Euro in den Geldkreislauf pumpt, dann macht sie das, um die Vernichtung fiktiven Kapitals in systemverträglichen Grenzen zu halten. Jetzt ist der Staat nicht nur Garant des Kreditmittels, sondern auch der Kreditwürdigkeit seiner Bankenwelt. Im Prinzip ist er das als letzte Instanz zwar immer, aber zur Zeit lässt er sich als diese auch wirklich in Anspruch nehmen. Das bringt die merkwürdige Sorge nach der Qualität des eigenen Geldes mit sich, wenn die Zentralbank soviel Geld in die Zirkulation wirft – plötzlich wollen sie den Unterschied kennen zwischen diesem Geld und der Wertschöpfungskette, die ansonsten die Banken zustande bringen. Irgendwie soll es gefährlich sein, wenn das Geld vom Staat kommt und in Leitartikeln wird die Frage gewälzt, ob die Zentralbank die Zinsen senken, gleich lassen oder doch lieber erhöhen solle und welche Aktion welche Folgen habe.
Zu c) Die ‚conduits’ sind Fonds, die von den Banken gegründet werden und die in dem Mechanismus der Multiplikation von Wertpapieren ihre Wichtigkeit als ‚Mittler’ haben. Man hat hier einen Fall des generellen Verhältnisses vor sich, das zwischen Finanzkapital und sonstigem kapitalistischen Geschäftsleben herrscht und das inzwischen fast alle Sphären der Kreditvergabe betrifft. Das von den Banken finanzierte Geschäft wird zum Ausgangspunkt, zum Stoff, am Ende zum Beweismittel für ein Geschäft ganz anderer Art degradiert, nämlich für das Geschäft mit der Multiplikation von Wertpapieren; und das bedeutet durchaus auch die Multiplikation von Wert – da graut es den Marxisten, denn Wert ist vergegenständlichte Arbeit, sonst ist es keiner, aber als Kommandomittel für den Reichtum der Gesellschaft sind die windigsten Wertpapiere ebenso gut wie das redlichst verdiente Bergarbeitergehalt. Die ganze Kreditabteilung mit ihrer Herrschaft über die Akkumulation im produktiven Sektor betreibt das dauernde Geschäft der Emanzipation von dieser Grundlage, weil das Absahnen von ein paar Zinsen aus dieser Grundlage nicht nur quantitativ zu geringfügig ist, sondern seiner Qualität nach die Abhängigkeit von dieser Grundlage immerzu zum Inhalt hat. Sie arbeiten an ihrer Emanzipation, als könnten sie wertschöpfende Arbeit durch Fiktion ersetzen. Und man sieht, wie weit sie es damit gebracht haben, nämlich bis zu einer Überakkumulation ihrer fiktiven Werte und zwar derart, dass sie selber ihre Annullierung betreiben.
Würde die EZB das Kreditwesen nicht mit ihren Milliarden unterstützen, wäre das gravierend, weil diese für den Fortgang der Geschäfte auch außerhalb des Kreditgewerbes unverzichtbar sind, wobei das, was auf der Welt sonst noch an Investitionen passiert, längst degradiert ist zu einem Anhängsel der Investments, die die finanzkapitalistische Welt intern bei sich tätigt.
In den GS – Nr. 2/95 (Spekulation auf die Spekulation – Geschäfte mit Optionen und Futures), GS 4/98 (Vom Weltgeld, seiner Krise, seinen Hütern), GS 2/06 (Wie die Stars der Finanzmärkte Geld vermehren, die „Heuschrecken“-Debatte ökonomisch ernst genommen) und in 3/07 kann man die Fortentwicklung des Kreditwesens nachlesen, das sind die Blüten des Kampfes des Kreditgewerbes um Emanzipation von und Herrschaft über seine Grundlage. Derzeit stellt man fest, dass es dieses Gewerbe zu einer eigenen Konjunkturbewegung gebracht hat, mit Boom und Krise, mit Schaffung und Vernichtung fiktiver Werte, die bei aller Fiktivität ihren Dienst als Kommandomittel über den Reichtum der Welt getan haben und als dieses wirklichen Wert darstellen; und auch die derzeitige Annullierung der Werte ist der Fortentwicklung des Kreditgewerbes dienlich.
Mit ihren Arten der Kreditschöpfung und der Geldliquiditätsbeschaffung für die Banken fangen die Nationalbanken von den Wirkungen dieses Zusammenbruchs erst einmal sehr viel auf – was daraus noch wird, auch hinsichtlich der Wirkungen auf das produzierende Kapital, das keine Kredite mehr bekommt, wird man sehen.