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Jour fixe München 9.7.2007
1. Nachtrag
zur Partei die
Linke,
2. EU-Gipfel
zum Verfassungsvertrag
1. Nachtrag zur Partei die
Linke
Weil bei der
letzten Diskussion hauptsächlich der Haken an
sozialdemokratischer Politik überhaupt Gegenstand war, soll noch
ein Nachtrag dazu gemacht werden, wie sich die Partei selber
darstellt, wie sie ihre eigene Notwendigkeit beweist. Die Linke tritt
mit einer eigentümlichen Mängeldiagnose an der
Bundesrepublik heute an, die mit einer Kritik der sozialen
Verhältnisse und dass die beseitigt werden müssen – diese
kommen zwar vor, spielen jedoch eine untergeordnete Rolle – nichts
zu tun hat. Die Partei baut sich nicht mit dem Standpunkt auf, dass
dieses System in irgendeiner Hinsicht nicht in Ordnung ist und
deshalb weg, überwunden oder mindestens entscheidend korrigiert
werden muss. Die entscheidende Mängeldiagnose ist doppelter
Natur: Es fehlt in diesem Land einer ganz großen Masse seit dem
Abdriften der SPD in das Schröder’sche Fahrwasser eine
anständige Vertretung. Dabei heißt ‚anständige
Vertretung’, dass da eine Partei existiert, die diese große
Mehrheit im Parlament, in seinem Pluralismus der öffentlichen
Meinung angemessen repräsentiert, sich einmischt ins
demokratische Kräftemessen. Dem entspricht eine
Mängeldiagnose
von der anderen Seite her: Diesem Staat fehlt eigentlich im
gewöhnlichen und erforderlichen Spektrum der politischen
Auffassungen und Standpunkte eine Stelle, nämlich eine irgendwie
kraftvoll sich zu Wort meldende Linke. Die Begründung der Partei
für sich ist die eines Lückenbüßers, sie
diagnostiziert von oben herab einen Mangel. Das Angebot ist
entsprechend: Sie wollen die Rathäuser erobern, die Partei von
unten, von der kommunalen Ebene her aufbauen mit dem Ziel, in der
Bundespolitik anzukommen und wahrgenommen zu werden. Die Partei hat
eine klare Vorstellung davon, was alles heutzutage in der
Bundesrepublik eine erfolgreiche Partei ausmacht, und so eine will
sie werden, damit die beiden Defizite ausgemerzt werden. Als
Begründung für ihre Notwendigkeit spielt neben dem Verweis
auf das Elend eine mindestens genauso große Rolle der Verweis
auf andere Staaten in Europa, in denen Linke doch zur Normalität
gehören, und auf Kronzeugen für einen Standpunkt, den
außer
ihnen heute niemand gescheit vertritt. Die Partei begründet sich
als Derivat aus den sozialdemokratischen Positionen, die die SPD
nicht mehr vertritt und sich doch für das Volk und die Nation
gehören.
Das ist eine wunderliche Art des
Auftritts einer Partei. Die Grünen wollten vor 20–30 Jahren
die Bürgerinitiativen, die grün und friedensmäßig
unterwegs waren, zusammenfassen. Und wenn die FDP auftritt mit dem
Slogan, sie sei die Partei der Mitte, weiß man, was sie
programmatisch durchsetzen will: Sie will als demokratische Partei
Macht, um sie parteilich auszuüben; daraus macht sie kein
Geheimnis. Vorgetragen wird dies mit der Sorge ums Gemeinwohl. Dies
macht die Linke auch, nur ist deren Rechtfertigung so wunderlich: „Es
macht ja sonst keiner.“ Und damit kann man in der heutigen
Bundesrepublik offensichtlich 8–9 % Wählerstimmen
gewinnen. Diese Linke will ausgerechnet das, was man vor 30 Jahren
Establishment genannt hat, zu ihrem Auftrag erklären: genau dazu
will sie dazugehören. Das ist heute links.
— Welche
Rolle spielt Sarah Wagenknecht mit ihrer Kommunistischen
Plattform und ihren starken Sprüchen in der Linken? Ein
Zitat: „Infrage steht nicht die Verteilungsdynamik des
globalisierten Kapitalismus, … infrage steht, wie sinnvoll eine
Wirtschaftsordnung ist, in der die große Mehrheit einen
Dumpingwettlauf mit immer schlechteren Lebensbedingungen hat,
während
eine verschwindende Minderheit auf unverschämte Weise
privilegiert ist. Wenn der Kapitalismus nach Auffassung seiner
Apologeten nur unter der Bedingung funktioniert, dass soziale
Ansprüche mit Füßen getreten werden, wäre es
nicht angemessener, anstelle der sozialen Ansprüche die
kapitalistische Form des Wirtschaftens aufzugeben?“
Diese Frage hat zwei Momente: 1. Was
suchen solche Leute in der Partei?, und umgekehrt 2. Warum lacht sich
diese Partei solche Leute an? Sprüche wie: „Der Globale
Kapitalismus wird von immer mehr Menschen infrage gestellt“,
bekommt auch Lafontaine hin und zieht als Kronzeugen den Papst heran;
sie gehören zu einer linken Position – die Rechten können
das jetzt mittlerweile auch aufsagen – allemal dazu. Interessant
wird es erst, wenn sie definieren, was sie mit Kapitalismus meinen.
Was Sarah Wagenknecht diesbezüglich noch an altem
Schulungswissen festhält, ist wirklich nicht bekannt. Der
zitierte Satz steht nicht einmal zur Sozialdemokratie und noch nicht
einmal zur CDU in übermäßigem Widerspruch.
Auffallend ist, dass sie kein Urteil
fällt, sondern einen Appell los lässt: Müsste man
nicht, wenn man das Urteil teilt, dass der Kapitalismus unsozial und
ungerecht ist, eigentlich radikaler sein und den Kapitalismus
überwinden, statt ihn verbessern zu wollen!? Mit dieser
rhetorischen Frage wendet sie sich an ein unterstelltes linkes
Publikum, das sich ja wohl im Urteil einig ist, dass hierzulande
furchtbar viel im Argen liegt. Und dies müsste man immer
radikaler angehen als die Partei, an die sie sich gerade richtet,
nämlich die alte PDS, heute die Linke. Gegenüber dem, was
die jeweilige Partei wirklich macht, stellt sie sich als ständiger
Mahner hin, den Radikalismus dabei nicht zu vergessen. Umgekehrt
hielt die PDS und hält jetzt die Linke Sarah Wagenknecht als
Beweis dafür, dass sie mit ihrem Urteil, die SPD habe etwas
verraten, richtig liegt. Weiterhin taugt sie der Linken dazu, die
Radikaleren unter ihrem Dach zu versammeln. Damit ist sie der Beweis
für den freiheitlichen Sozialismus, der Beweis, dass die Partei
solche aushält und integriert. Insofern passen sie zusammen,
auch wenn es viele Friktionen gibt. Wie damals die Jusos bei der SPD.
Es gibt zu jeder linken Partei die radikalen Ermahner, die sagen:
„Man darf aber nicht vergessen, dass man doch Opposition ist.“ In
der Partei sind die dann auch gut aufgehoben – von beiden Seiten
her. Denn eine Partei, die sich als Heimat aller Unzufriedenen
definiert, kann dann auch liberal sein. Unter dem Gesichtspunkt, wie
die dann ihre Unzufriedenheit verstehen, kann sie sehr abstrakt zu
Werke gehen. Die andere Seite davon ist, dass sie Rechte nicht zu
kritisieren braucht, um sich als die bessere Heimat für
Unzufriedene zu präsentieren, die – und das ist dann ihre
Theorie über den Rechtsradikalismus – doch eigentlich nur
mangels schöner Alternativen den Nazis nachlaufen. Ein Problem
werden diese für die Partei erst, wenn die Konkurrenz auf die
Rechten deutet und sagt: „Was habt ihr euch da für alte
Überbleibsel der Mauer- und Stacheldrahtpartei angelacht!?“
Die Reaktion bei allen Parteien in so einem Fall ist ein Seufzen und
Abwinken. Das macht die Liberalität von Volksparteien aus. Von
wegen also, die Linke und Sarah Wagenknecht mit ihrer kommunistischen
Plattform müssten in einen programmatischen Zwiespalt geraten.
Die Grünen damals waren das
Sammelbecken u. a. enttäuschter oder bekehrter Revis, die
einmal die ganze Bundesrepublik umstürzen wollten, dann
festgestellt haben, dass dies nicht geht. Als Grüne haben sie
einen Weg gefunden, basismäßig unterwegs zu sein und dann
zu sagen, dass sie eine gültige Opposition in diesem Land
repräsentieren und sich als solche regen. Sie waren für die
Umwelt, gegen Atomkraftwerke und haben als Bürgerinitiativen
angefangen. Danach haben sie sich entschlossen, dass sie, um
irgendetwas erreichen zu können, eine politische Kraft werden
müssen. Deshalb haben sie die Partei aufgemacht. Die Linke jetzt
tritt an und sagt, dass sie Unzufriedenheit repräsentiert und
sich keiner deswegen aus dem politischen Bereich raussortiert
vorkommen soll. Sie bieten sich den Unzufriedenen an als etablierte,
anerkannte, national nützliche und ins Parteienspektrum
gehörige
Kraft, die ihre Unzufriedenheit repräsentativ vertritt. Die
Leute sollen die Partei unterstützen, nicht weil sie gegen
irgendetwas ist, sondern weil sie als diese Kraft ihnen das bietet,
was ihnen sonst eine andere Partei, die SPD, als Programm gerade
nicht mehr bietet. Geboten wird Vertretung ohne Dagegen-Sein. Die
Linke sagt nicht, sie müsse überall sein, sondern sie gibt
damit an, dass sie schon überall ist. Zugleich präsentiert
sie sich der Republik entsprechend mit dem, was sie für sich
selber reklamiert, was sie darstellt, als Dienst, als Funktion im
politischen Spektrum der Republik: Wir verhindern die Rechten,
sichern den sozialen Frieden, sorgen für die nationale Einheit
...
Es sind alles Heimatgedanken. Die
ganze soziale Kritik fasst sich in der aufmunternden Parole zusammen:
Es geht auch menschenfreundlicher. Der Aplomb der Partei geht in den
Nachweis, dass es auch geht, man nichts Weltfremdes vertritt. Es ist
als möchten sie beweisen, wie konservativ man ist, wenn man
sagt, dass es auch anders geht. Wie kommt man sonst auf die Idee,
nicht bloß den Papst zu zitieren, sondern auch sonst sich auf
Rousseau, UNO-Charta, Oswald Spengler und sonstige Autoritäten
der bürgerlichen Welt zu berufen, um sie als Kronzeugen dafür
aufzurufen, dass die Partei nichts Erratisches, Systemwidriges
vertritt. Sie vertreten das Recht der Armseligen dieser Gesellschaft,
in ihr gut aufgehoben zu sein. Es ist wie der Endpunkt von Opposition
als Angebot. Da ist jede Kritik eingemündet in das Angebot: „Wir
als Parteien stehen dafür, dass gerade ihr euch nicht
ausgegrenzt zu fühlen braucht.“ Um die „Schwachen vor den
Starken zu schützen“, werden Institutionen auf der
internationalen Ebene angeführt, denen dieses Ziel unterstellt
wird: „Das Völkerrecht, die UNO-Charta, die Genfer Konvention,
ein fairer Welthandel und eine Weltfinanzarchitektur mit stabilen
Wechselkursen und Kapitalverkehrskontrollen“. Auf die Idee muss man
erst einmal kommen, dass das die „Schwachen vor den Starken
schützt“, wenn der Staat auf die Hedge-Fonds aufpasst. Das hat
dem armen Fischer auf Wangerooge gerade noch gefehlt.
2. EU-Gipfel zum
Verfassungsvertrag
— Im
Europa-Artikel, GegenStandpunkt 2 07 steht: Der Kampf, den die
EU-Macher führen, ist einer um die Glaubwürdigkeit des
Scheins einer im Entstehen begriffenen Weltmacht. Es ist sicher
gelogen, wenn die Politiker nach der Einigung sagen: Jetzt ist Europa
aus der Lähmung befreit und als politisches Subjekt ein Stück
vorwärtsgekommen. Wenn aber um die Glaubwürdigkeit eines
Scheins einer in Entstehung begriffenen Weltmacht gekämpft wird,
wie passt das zu dem Streit, den sie führen? Dazu sagt der
Artikel, dass auf der Ebene der Verfahren und Techniken die
Souveränität von EU-Nationen überhaupt auszuhebeln
wäre, sei nichts weiter als die Befürchtung amtierender
Nationalisten. Klar, über das von Deutschland gewünschte
Stimmenverhältnis würden die Polen nicht tatsächlich
unwiderruflich darauf festgelegt, sich zum Mittel deutscher
Vorherrschaft in Europa zu machen. Aber sie führen den Streit
so, als ob es tatsächlich um die Festschreibung von Über-
und Unterordnungsverhältnissen in Europa gegangen wäre.
Im genannten Artikel wird aufgelöst,
dass die Europäer sich in allen möglichen Affären
schon aufführen wie eine imperialistische Eingriffsmacht und was
da dahinter steckt. Dieser Gipfel ist eine Extrageschichte. Im
Mittelpunkt stand ein Stück Geschäftsordnung für ein
in höherem Maße als bisher verpflichtendes Zusammenwirken
der 27 Staaten als EU. Dazu gehören Abstimmungs ,
Mehrheits , Repräsentations , Kompetenzfragen,
Über-
und Festlegungen zu den Kompetenzen des EU-Parlaments, zum
Außenminister, Fragen zur Zusammensetzung der Kommission usw.;
wie soll der Zusammenhalt verfasst sein, damit er richtig
funktioniert. Die Verfahren sollen ein höheres Maß an
Verbindlichkeit ergeben – keine absolute Verbindlichkeit, nicht die
Installierung einer Oberregierung, aber für die getroffenen
Absprachen Modi der Mehrheitsfindung, die Definition von Bereichen,
in denen die Mehrheit verbindlich sein soll, umgedreht
Einspruchsrechte der Einzelmitglieder gegen solche Verfahren. Es geht
also um Modalitäten für die Fortsetzung, evtl. Entwicklung,
vielleicht auch Ausweitung von Momenten einer europäischen
Gemeinschaftspolitik.
— Es ist
eine absurde Veranstaltung, die wie eine Ersatzhandlung für das
erscheint, was an Gemeinsamkeit praktisch nicht zustande kommt. Es
ging darum, Wege und technische Vereinbarungen zu finden, die das
ersetzen sollen, was man in der Verfolgung der praktischen Interessen
gemeinsam nicht hinbekommt.
Es hat aber kein Politiker dort
ernsthaft den Standpunkt vertreten, mit dem Verfahren würden
sich die Streitigkeiten erledigen. Es ging ja um ein Verfahren für
die Streitigkeiten. Es hat doch (bloß) geheißen, (zur
Eingrenzung des sachlichen Streits dort): Wir schreiben ein schon
eingeführtes Verfahren verbessert fort, damit es in den
Auseinandersetzungen einfacher zu Übereinkünften kommt. Es
war ausdrücklich keine Auseinandersetzung über den Zweck
der EU – was beim Fischer mal Finalitätsdebatte hieß –
und es ging auch nicht um Projekte, sondern um die
Geschäftsordnung
des Zusammenwirkens. Da muss man nicht gleich sagen: Das ist nur ein
Surrogat dafür, dass sie sich in der Sache nicht einig sind.
Merkel als EU-Ratspräsidentin
will es nicht beim gescheiterten Verfassungsprozess belassen, sondern
eine neue Geschäftsordnung für das Zusammenwirken
verbindlich machen: Die Geschäftsordnung bedarf der
Fortentwicklung, wie Verbindlichkeit erzielt werden kann.
— Für
die EU-Macher taugen die bisherigen Verfahren nicht, weil sie zu
wenig Konzentration von Zentralmacht in Europa formell versprechen.
Das drücken die aus als gewollte Vereinfachung, Beschleunigung.
Sie wollen eine Neuverteilung von formeller Gestaltungsmacht,
Umverteilung von Kräfteverhältnissen festlegen zu Gunsten
von größeren europäischen Staaten. Dem sollen die,
denen ein Stück Macht entzogen wird, selber zustimmen. Das ist
das Absurde.
Wie viel Entzug an Macht da drin
steckt, das sind die Fragen der Geschäftsordnung. Klar ist eine
Möglichkeit der Majorisierung festgeschrieben, auf bestimmte
Bereiche laut Vorschlag eingegrenzt. Ob das heißt, dass so die
schwächeren Staaten leichter an die Wand gedrückt werden
können, das ist noch sehr die Frage. Man soll nicht
übertreiben,
dass der Verhandlungsgegenstand quasi gewesen wäre, die
Schwächeren sollen sich aufgeben. Erst mal ist das Programm eine
Geschäftsordnung fürs Zusammenwirken. Von Seiten der
größeren Staaten sind als mögliche Überlegungen
eingeflossen: Wie können wir die Staaten der EU, die eigentlich
Material für den Machtzuwachs sind, besser auf Linie bringen?
Gibt es eine Geschäftsordnung, die sich evtl. dafür als
Hebel eignet? Von der anderen Seite – nicht bloß bei den
Polen – gab's die Überlegung: Wie kriegen wir eine
Geschäftsordnung her, die uns vor der Majorisierung durch die
Deutschen und Franzosen schützt? Der Kompromiss wäre ein
geschäftsordnungsmäßiger Fortschritt in Sachen
Modalitäten für die Herausbildung von Momenten einer
Gemeinschaftspolitik gewesen, nicht mehr und nicht weniger.
Der Gipfel hat diese
Geschäftsordnungsfrage zur Verhandlungsmaterie gemacht mit dem
großen Anspruch, hier stünde Europa auf dem Spiel. Alle
Beteiligten haben dem eine Bedeutung beigemessen, die über den
wirklichen Inhalt ein Stück hinausgeht.
Wenn man zum Thema macht: Wie können
wir unsere Geschäftsordnung umgestalten, damit Europa und die
Einigung auf gemeinsame Politik in verschiedenen Bereichen besser
klappt?, dann steht dies nicht in Gegensatz dazu, sondern ist ein
Fall für einen Test auf den Willen der Beteiligten, gemeinsame
Sache zu machen. Das sollte man nicht gleich auflösen in den
Willen der einen, sich durchzusetzen, und den der anderen, sich
unterzuordnen (der eh nie zu haben ist). Sondern das ist ein gar
nicht belangloser Test auf die Bereitschaft, gemeinsame Sache zu
machen. Den eigenen nationalen Erfolg weiterhin und vielleicht mehr
als bisher darin zu suchen, dass man sich als Teil eines
größeren
Ganzen aufführt.
— Das
enthält aber immer einen Widerspruch. Weswegen beschließt
denn eine Nation, Stücke von ihrer bisherigen garantierten Macht
abzugeben; doch nur, weil sie selbst den Standpunkt hat, dass sie das
große Ganze will?!
Europa funktioniert über
Vereinbarungen sachlicher Art – wo sie gemeinsame Sache
machen – wie geschäftsordnungsmäßiger Art – wie
sie einen Konsens darüber herstellen. Das ist materialisiert in
dem Brüsseler Wasserkopf. Eine Geschäftsordnung für
mehr gesamteuropäische Verbindlichkeit zur Debatte zu stellen,
das ist zugleich das Nachprüfen der Bereitschaft der
Beteiligten: Können wir in dem Punkt einen Schritt
weitergehen, einen Schritt in Sachen gesamteuropäische
Verbindlichkeit etablieren: Sind wir uns noch einig, dass in den paar
Feldern, die wir festlegen, gemeinsames Handeln und nationales
Handeln als Teil des großen Ganzen besser für jeden für
uns und für uns alle gemeinsam ist als das bisherige Gewurstel.
Der Test ging darauf, ob man in dem Sinn Europa fortschreiben
könne.
— Eine
Geschäftsordnung setzt eigentlich voraus, dass es die gemeinsame
Sache gibt und dass man die durch Debatte und Abstimmung vorantreibt.
Das Besondere bei dieser Geschäftsordnung ist, dass der genaue
Inhalt dieser gemeinsamen Sache umstritten ist. Also muss es doch um
Unterordnung gehen.
Wie soll man die verstehen? Klar
wollen sich da welche durchsetzen und andere wollen sich widersetzen.
Die Geschäftsordnung ist für beides gut: für
Vetorechte wie ihr Aushebeln. Wem das eine oder andere nützt,
ist der Geschäftsordnung nicht einbeschrieben. Sie soll den
Streitigkeiten eine gescheite Verlaufsform geben, inhaltlich, damit
die Gemeinschaft besser funktioniert. Wer davon mehr oder weniger
hat, ist nicht darin enthalten.
Die Macher Europas bekunden ihre
Unzufriedenheit mit dem alten Verfahren: Nur alle 27 Semester als
Ratspräsidentschaft dranzukommen, widerspräche der
Entwicklung von Europakompetenz. Weiterhin ‚One state, one vote‘
zu machen, ginge nicht. Wo schon viel Einigkeit geschaffen ist,
stehen sie jetzt vor gemeinsam zu definierenden Problemen: z. B.
der gemeinsame Markt, das Auftreten in der WTO, die
Flüchtlingsfragen, die Zuwanderung, soziale Fragen wie
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im gemeinsamen Markt, neue
Marktregeln für dies und jenes. Für all diese
europäischen
Gemeinschaftsanliegen befinden sie die alte Geschäftsordnung
für
zu unbequem, 1. für das, wie es bisher geht, 2. für Sachen,
die sie gerne gemeinsam regeln wollten und mit einem
Außenminister
durchaus auch mit der Perspektive, imperialistisch mehr ernst
genommen werden zu wollen. Der Mangel soll an der Aufteilung der
Kommissionen liegen, dass jeder Staat einen Kommissar haben will;
also schlagen sie vor, nur 15 zu haben, aber ein Rotationssystem. Sie
sehen darin eben einen Fortschritt gegenüber Nizza. Damit Europa
nicht besser, sondern mit seiner neuen Mitgliedschaft überhaupt
weiter funktioniert, müssen sie neue Mechanismen der
verbindlichen Beschlussfassung einführen.
— Die
EU-Macher brauchen das Neue, weil sie sich nicht einig sind. Sie
wissen aber gleichzeitig, dass ihnen nur ein einiges Auftreten in den
Fragen, die sie zu den entscheidenden Weltordnungsfragen erheben, die
beanspruchte Macht verleiht. Deswegen soll dies ein Ersatz sein
für
nicht vorhandene Einigkeit in der Formalität von angeblich
Einigkeit versprechenden Verfahren.
Es ging gar nicht um eine
Geschäftsordnung für imperialistische Gewalteinsätze.
Das sollte man nicht an dem messen, was den Endpunkt einer
imperialistischen Macht kennzeichnen würde. Der letzte Artikel
im GS, der vom Imperialismus Europas handelte und dessen Stellenwert
kennzeichnen wollte, hieß nicht, jetzt die gesamte
europäische
Politik unter diese Bestimmung des Imperialismus zu subsumieren. Auf
dem Gipfel wurden Sachen verhandelt wie Rechte des europäischen
Parlaments, Freizügigkeit innerhalb Europas, die Frage, ob sich
Mehrheitsentscheidungen auch auf Steuerrecht und Soziales beziehen
sollen, Kompetenzen des Europaparlaments in einer künftigen
europäischen Innen- und Justizpolitik. Es ging nicht um die
Herstellung gesamteuropäischer Eingreiftruppen.
Interpretiert wurde das Ergebnis so:
Für die Einigung wurde ein Preis gezahlt. Der Sache nach ist es
der Beschluss einer Fortschreibung des Abstimmungsverfahrens, aber in
einer Art, dass allen Einwänden dagegen Rechnung getragen wird:
'Wir strecken die derzeitige – für Polen günstigere –
Stimmengewichtung bis mindestens 2014'; oder: 'Ja wir beschließen
die Verfassung, aber sie darf nicht so heißen und auch der
Außenminister nicht so'; oder: 'Die Sozialcharta soll
verpflichtend sein, aber Großbritannien bekommt seine
Ausnahme'. Das ist die Verlaufsform davon, was als ‚Es wurde aber
wenigstens Stillstand vermieden’ zusammengefasst ist. Die
Beschlüsse wurden zugleich in der Weise, wie sie beschlossen
wurden, relativiert und verschoben. Die Hauptbetroffenen waren
keinesfalls zufrieden gestellt: Die Polen erneuerten im Nachhinein
alle Vorwürfe gegen die Unternehmung, mit denen sie vorher
antraten. Sie sind nicht befriedet; der gemeinsame Wille ist als
solcher nicht vorhanden. Der Test auf Voranschreiten ist gescheitert,
eine Kündigung soll daraus aber nicht werden.
— Anhand
der Verfassung kommt also auch kein gemeinsamer Wille zustande.
Andererseits gibt es das Europa, da gibt es viele Momente, wo die
Staaten ihre Souveränität aufgeben haben, sich gemeinsam
auf eine Politik verständigen, die auch gegen außen
gerichtet ist. Im Widerspruch stehen die außenpolitischen
Sachen, da ist im Buch erklärt: kein gemeinsamer Wille, keine
gemeinsamen Mittel, mehr Schein als Realität. Andererseits gibt
es aber doch ein Europa, das sich auf alles Mögliche
verständigt. Diese beiden Punkte bringe ich nicht zusammen. Man
kann natürlich sagen: Das eine ist das Weltpolitische, das
andere ist das Europamäßige und deswegen unterschieden.
Das ist aber nicht unwesentlich. Es
ist eine neue Qualität der Gemeinschaftspolitik, wenn man
über
die bisherigen Standards der Einigung hinausgeht in Richtung: man
will als strategisches Subjekt Europa ernst genommen werden; und zwar
auf Basis der sehr substanziellen Einigkeit als Europa, die sie in
vielen anderen Feldern – Wirtschafts- und Ordnungspolitik,
Kooperation der Polizei und Justiz, Einführung des Euro –
hergestellt haben. In den Projekten, die sie zum Teil schon in
Angriff genommen haben, probieren sie etwas, das von anderem Kaliber
ist. Um sich als strategisches Subjekt auf der Welt einschalten zu
können, ist eigentlich etwas anderes gefragt als ein
ständiges
sich Versichern der allgemeinen Einigkeit. Das liegt auf einer
anderen Ebene als der erreichte Status – gerne acquis communautaire
genannt und den anderen Staaten aufs Auge gedrückt –, der
ausgebaut werden soll; dies trotz bzw. inklusive der
unterschiedlichen Interessen – die einen sind die Macher, die
anderen die Mitmacher. Das ist nicht aufgehoben, fließt aber
ein in die Frage einer Geschäftsordnung, wie man mit 27
Mitgliedern das Ganze besser gestalten soll. Dabei geht das Augenmerk
in die Richtung, ob es nicht ein erster Schritt dazu sein könnte,
Hebel zu schaffen, damit man dem Endziel, dass Europa ‚mit einer
Stimme spricht’ (Bildwort zu ‚imperialistisches Subjekt’),
näher kommt. Von diesem Endzustand gibt es in Europa Freunde und
Feinde. Das hindert die Staaten aber nicht, in den Bereichen, in
denen sie kooperieren, gemeinsame Sache zu machen und Kompromisse zu
schließen..
Was jetzt bei den EU-Staaten zur
Debatte stand, ist nicht mehr, aber auch nicht weniger, sachlich
gesehen, als ein Schritt zu einem etwas höheren Maß an
verbindlicher Mehrheitsbeschlussfassung plus die Benennung einiger
Politikfelder, in denen das einschlägig ist. Es ist noch sehr
weit weg – selbst bei fertiger Geschäftsordnung – von
Verbindlichkeit zum Beispiel in der Frage, ob sich die EU in
Afghanistan einmischt. Dass diese Geschäftsordnung die Basis
darstellen könnte für die Herbeiführung einer anderen,
die ein Schritt weiter zum imperialistischen Subjekt wäre, ist
nicht ausgeschlossen. Daran werden diejenigen auch schon gedacht
haben, die den Beschluss in Auftrag gegeben haben, dass die EU eine
juristische Person sein soll, die dann einen Sitz im
Weltsicherheitsrat haben könnte. Aber von dem, dass die EU dann
eine weltpolitische Rechtsperson ist, zu dem, dass sie auch
als eine solche agiert und die Sitze von England und
Frankreich in einen gemeinsamen Sitz der EU überführt, ist
noch ein ziemlich weiter Weg. An der gelaufenen
Geschäftsordnungs-Debatte merkt man jedenfalls, dass der Test
darauf, ob Frankreich und England jemals dazu bereit wären,
ihren Sitz im Weltsicherheitsrat zu vergemeinschaften, negativ
beschieden worden ist – sofern solch eine Sorte Test mit impliziert
war in dieser neuen Beschlussfassung, dass die EU eine Rechtsperson
ist und einen gemeinsamen Außenminister hat. Das Votum der
Briten, dass es zwar so eine Art Beauftragten für
EU-Auslandsangelegenheiten geben soll, der aber nicht
‚Außenminister’
heißen darf, war auf dieser symbolischen Ebene Absage genug an
jede Perspektive in diese Richtung. Das muss man als Willens-Bilanz
dieser 27 nationalen Subjekte zur Kenntnis nehmen und für sich
würdigen, und man darf nicht per Unterordnung unter den
EU-Artikel im GS gleich zu dem Urteil kommen, dass selbst, wenn sie
es beschlossen hätten, sie den Konsens, eine Weltmacht zu
werden, per Geschäftsordnung sowieso nie hingekriegt hätten.
Was der Gipfel de facto beschlossen
hat, ist, dass zu allen Themen ein Vertragstext für die
Ratifizierungen ausgearbeitet werden soll. Hinsichtlich der Deutung
des Ergebnisses ist man ganz in der Welt des Scheins: Der Schein
eines Fortschritts wird inszeniert in dem Sinn, dass man
gemeinsam weiter voran schreitet – und das angesichts eines ‚Mit
uns nicht’ von Seiten Polens, Tschechiens und Englands. Diese
Deutung ist die nächste Abteilung des europäischen Streits,
denn über diesen Schein werden die EU-Nationen sich auch nicht
einig. Sie ringen um ihre Position in Europa, auch hinsichtlich des
Scheins, wer denn da Recht behalten habe. Polen untergräbt
durchaus die Glaubwürdigkeit des Scheins, wenn es sagt, dass es
sich nicht auf eine von den Deutschen dominierte Einigkeit habe
verpflichten lassen, während die Deutschen auf dem Schein des
Fortschritts beharren. Der Streit ist so fundamental, weil er
gleichzeitig ein Test auf den Willen zur europäischen
Gemeinsamkeit ist, also noch lange vor imperialistischen Fragen der
Art, wie man sich in der Welt aufstellt, angesiedelt ist.
Der Test im positiven Sinne ist
negativ ausgegangen, es ist im Gegenteil von polnischer und
britischer Seite aus klargestellt worden, mit welcher – vom
Vereinszweck her betrachtet, etwas skurrilen – Zielsetzung sie
mitmachen, nämlich, um Europa-politische Erfolge der Hauptmacher
Europas zu verhindern.
Es ist falsch, angesichts des
Riesen-Scheins als imperialistisches Subjekt, den die EU-Staaten
aufmachen, der Geschäftsordnung nachzusagen, dass sie sowieso
nicht geeignet gewesen wäre, diesem Schein Substanz zu
verleihen. Sie hat ihren eigenen Stoff und ihre eigene Bedeutung, wie
gesagt, nicht die Erledigung, sondern die Austragung
von Streitigkeiten. Die Bedeutung, die das in diesem Gipfel gewonnen
hat, ist nicht nur eine Vereinbarung der
geschäftsmäßigen
Art. Die Bedeutung, die solche Fragen der Handhabung à la:
'Soll das Nizza-Abkommen weiter gelten?' bekommen haben, liegt in der
Frage, wie es eigentlich überhaupt um den Zusammenhalt der
EU-Staaten bestellt ist. Man schafft darüber ein Stück mehr
Verbindlichkeit von Beschlüssen, indem man beim
Beschlussverfahren das Übergehen von staatlichen
Einwänden institutionalisiert und dafür ein Verfahren
erfindet, so dass überhaupt so etwas wie europäische
Beschlüsse zustande kommen. Das war das Bedenken schon bei
Nizza, dass bei so vielen Mitgliedern kein Beschluss mehr zustande
kommt, es sei denn, man findet eine Form der Beschlussfassung, bei
der nicht jeder zu allem nein sagen darf. Das ist der Stoff und der
ist der Sache nach eingegrenzt –worüber dieses Verfahren
überhaupt entscheiden darf – und er ist im Verfahren selber
eingeschränkt, wann das überhaupt gilt; da sind schon
lauter Vorbehalte eingebaut. Aber das ist der kleine Fortschritt:
dies Moment von erweiterter europäischer Verbindlichkeit, die
für alle Staaten ein Stück Verpflichtung auf die
europäische Beschlussfassung bedeutet, die man gemeinsam
beschließt und der man sich unterordnet. Dass die Macher so
damit umgehen, dass sie die entsprechenden Koalitionen stiften, um
Beschlüsse herbeizuführen, denen sie sich dann unterordnen,
während die Mitmacher sagen, sie werden übergangen, hat
seinen Grund darin, dass sie das Vorankommen als Gemeinschaft samt
deren Verpflichtungen als Mittel bzw. Hindernis ihres nationalen
Vorankommens sehen. Jeder Staat erklärt also das Verfahren zum
Testfall dafür, wie er in Europa und mit Europa vorankommt, und
dann ist das Urteil, dass da ein Test schief gegangen ist, sehr
gravierend, weil an so einer Verfahrensfrage die Prinzipienfrage
aufgeworfen und ziemlich negativ beantwortet wurde.
Warum hat Merkel gerade diese Frage
auf die Tagesordnung ihres halben Jahres Ratspräsidentschaft
gesetzt angesichts von Fragen wie: das zentralasiatische Erdgas, das
‚wir’ brauchen, einer neuen Südamerika-Politik, das CO2,
die Flüchtlinge etc.? Offensichtlich war ihr der kleine
Fortschritt dieses neuen Maßes an Verbindlichkeit und
Abstimmungsmehrheiten für ein paar Politikbereiche wichtig
genug. Die Geschäftsordnungsdebatte war ein Test, wie es
überhaupt um den Willen der 27 Mitgliedsstaaten bestellt ist,
durch Streit zur Einigung zu kommen, und zwar in allen Fragen, die
sich so ergeben und auf die Tagesordnung gesetzt gehören – am
Ende vielleicht sogar in Richtung imperialistischem Manöver. In
Bezug darauf hat die Geschäftsordnung ihr politisches Gewicht.
Der Inhalt einer Geschäftsordnung heißt: ein Formalismus
für mehr Verbindlichkeit, und genau das macht noch die
lächerlichste Geschäftsordnungsfrage so geeignet für
diese politische Grundsatzfrage, wie es mit dem Einigungswillen
überhaupt steht.
— Bei
dem Airbus-Projekt streiten doch Deutschland und Frankreich aus, dass
es ihnen „sehr entschieden darum (geht), vermittels des gemeinsamen
gesamteuropäischen Großunternehmens sich
aufzuwerten, die eigene Konkurrenzmacht anstatt und auf
Kosten der anderen zu stärken“ (GS 2-07, S. 118).
Das heißt doch in dem Fall für Frankreich und Deutschland,
dass für sie durch die Gegensätze, die sie sich dauernd
aufmachen, die Frage akut wird, wie sie es überhaupt mit ihrem
Willen zu einem gemeinsamen Europa halten.
Ja, genau darüber wird die
Grundsatzfrage akut und da merkt man auch, dass nicht nur die Polen
und Briten die Urheber sind. Die Kontroversen, in die sich
Deutschland und Frankreich mit ihrem Ehrgeiz reinwirtschaften, werfen
für sie ja auch diese Grundsatzfrage auf, und die Antwort der
Merkel war: Jetzt inszenieren wir einen Test, dessen Subjekt wir als
Präsidentschaft sind, natürlich mit der Perspektive,
Verbindlichkeit zu schaffen. Das wäre immerhin ein von
Deutschland herbeigeführter Konsens, der die doppelte schöne
Eigenschaft hat, dass man erstens eine Art Zustimmung eingekauft hat
und sich zweitens als federführende Macht in Europa gleich mit
profiliert hat. Dasselbe hat Merkel auf symbolischer Ebene mit dem
„Berliner Papier“ versucht; das war die Beschwörung eines
Durchbruchs, nicht als imperialistisches Subjekt, sondern in die
Richtung, dass alle Beteiligten ihren Willen erneuern, gemeinsame
Sache zu machen. Solch einen Test macht man natürlich nur, wenn
man Zweifel hat und andererseits Wert darauf legt, dass diese Sache
weitergeht. Deutschland als Macher des Konsenses untergräbt
diesen gleichzeitig mit seinem nationalen Ehrgeiz.
Der Fortschritt, um den sie da
gerungen haben, beinhaltet auch, dass auf der Verfahrensebene ein
Stück innereuropäischer Gewichtsverschiebung und
Anerkennung einer Hierarchie institutionalisiert werden soll, dass
die Deutschen mehr Stimmen bekommen; das ist so eine Art
Kollateralnutzen dieses ganzen Verfahrens, dessen Gehalt ist, dass
auf der institutionellen Ebene mit der Frage nach der Verbindlichkeit
des Beschlussverfahrens auch einem unterschiedlichen Gewicht der
Nationen in Europa Rechnung getragen wird, und das ist natürlich
ein deutscher Bedarf und kein polnischer. Zur deutschen
Präsidentschaft kommt also noch der Gehalt dieses
Abstimmungsverfahrens dazu, dass Fortschritt Europas auch heißt,
anzuerkennen, dass Deutschland mehr Gewicht zusteht.
Themen
für die nächsten
Termine:
In 14 Tagen: Was sich auf dem Balkan
abspielt, ist eine Besichtigung wert, gerade unter dem Gesichtspunkt,
dass es verschiedene Sorten von Staaten gibt und dass das, was im
Balkan gerade vor der Gründung steht, staatswissenschaftlich
nicht vorgesehene Erscheinungen sind. Die Gründung von
staatlichen Missgeburten ist offenbar eine neue Erscheinung in der
imperialistischen Welt.
In 4 Wochen: Durchgang durch das
letzte Kapitel des Buchs „Das Geld“ (Möhl/Wentzke): Das
Geld des Staates.