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jf
12.3.2007 – 1. Fragen zum Artikel Weltmarkt und Weltmacht in GS
3-06, 2. Europa: Streit bei EADS
und
der CO2-EU-Gipfel
-
Fragen
zum Artikel
Weltmarkt und Weltmacht in GS 3-06
Nachfrage
zum Imperialismus-Artikel, GS 3/06:
— Mir
ist unklar, wie sich der Übergang von I 1 zu I 2 bestimmt. Klar
ist: Alle Staaten haben sich auf den Zweck der Geldvermehrung
festgelegt. Also entscheidet sich auch das ökonomische Schicksal
der Nationen am Geld. Die kapitalistische Tauglichkeit ihres Geldes
ist der oberste Imperativ. Jede Nation behauptet, sie habe mit ihrem
Geld den abstrakten Reichtum in den Händen. Die Abrechnung
findet am nationalen Geld als Mittel der Vermehrung statt. Diese
Beurteilung ist die Zuweisung des Status der Nationen im weltweiten
Kapitalismus. Alle Staaten sind scharf auf die Anerkennung, dass ihr
Geld der Reichtum schlechthin ist. Mir fehlt da aber der Übergang
zu Währung und Wert.
Eigentlich
ist damit schon gesagt, worum es im 2. Kapitel geht. Dort ist die
Währung und ihr Wert zweifach Thema. Zum einen, wie die
verschiedenen Nationen mit ihrem Geld verfahren, es handhaben,
bewerten, von den einfachsten Tauschaktionen der Händler bis zum
Endpunkt der freigesetzten, von den Staaten ermächtigten
Spekulation. Zum anderen, was das für den kapitalistischen
Erfolg einer ganzen Nation heißt. Die kapitalistischen
Hauptnationen haben, mit Ausnahme Chinas das gemeinsame Dekret
durchgesetzt, nicht mehr die Souveräne legen den Außenwert
ihres Geldes fest, sondern sie überlassen es denen, die mit dem
Vergleichen ihr Geld verdienen. Davon ist unterschieden, was das
für
den kapitalistischen Status einer Nation heißt.
— Im
1. Kapitel steht, es geht allen um abstrakten Reichtum, ohne Betonung
auf ihr Geld. Erst im 2. kommt das
Problem mit der unterschiedlichen nationalen Uniform auf.
Es
wird von vornherein immer in nationalen Währungen
gewirtschaftet. Es gibt keinen Außenhandel ohne fremde
Währung.
Zum Zwecke der Darlegung wurde als erstes das ökonomische
Interesse der Nationen in ihrer Eigenschaft als Außenhändler
und Kapitalinvestoren unter Absehung der nationalen Qualität der
Gelder behandelt und diese Logik erläutert. In 1e die
zusammenfassende Erläuterung, wie weit es eine Nation in diesem
Weltgeschäft bringt, was sich an der Masse und weiteren Quellen
abstrakten Reichtums bemisst, die sie akkumuliert. Das 2.Kapitel
richtet die Aufmerksamkeit auf das verdiente Geld. Unter dem
Gesichtspunkt der nationalen Uniform des Geldes geht eine neue Sorte
Verteilung des Reichtums, Bedingungen des Gelderwirtschaftens und
deren Konsequenzen los. Die Abstraktion des 1. Teils aufgehoben geht
es um Reichtum schlechthin, je nach Nation in einem anderen
Geldausdruck. Dass alle Staaten untereinander den fremden Reichtum
als Inkarnation von Weltgeld gelten lassen will erst einmal
bewerkstelligt sein, was eine neue Sorte Vergleich mit auswärts
verdientem Geld zur Folge hat. Neue Bedingungen für das
Geschäft
zwischen den Nationen und deren Konsequenzen, im ersten Kapitel noch
nicht Thema, modifizieren alles Vorherige und führen zu den
heutigen Zuständen.
— Was
ist mit dem Euro? Da ist doch die Währungs-Konkurrenz zwischen
den Nationen aufgehoben?
Die
Konkurrenz zwischen den Währungen ist zwar aufgehoben, die
zwischen den Nationen aber überhaupt nicht. Die wechselseitige
Beaufsichtigung der Verwendung dieser gemeinsamen Währung bleibt
also ein Feld der Konkurrenz.
Noch
eine methodische Bemerkung zum Problem des fehlenden Übergangs.
Es gibt verschiedene Arten von Artikeln. Hier werden die Prinzipien
des Weltmarkts erläutert. Anfängliche Abstraktionen sind
nötig, bestimmte Bestimmungen werden aufgeschoben. Eine
eigenständige Logik des Warenhandels ist für die
Darstellung einfacher. Die gewählte Darstellungsweise, die Sache
mit dem Weltgeld hinterher zu liefern und dann die Modifikation zu
zeigen, heißt nicht, jede andere Form der Analyse wäre
verkehrt.
Fundamentale
Bestimmungen in Ableitungen erschließen sich inhaltlich durch
die Stelle, an der sie eingeordnet sind. Aber auch da geht es vom
Abstrakten ins Konkrete. Eine Ableitung im strengen Sinn ist dieser
Artikel nicht, so dass etwa die Bestimmungen des Handels am Anfang
stehen, aus denen sich alles weitere zwingend ergibt. Das ist auch
für sein Verständnis nicht unbedingt nötig, weshalb
man nicht nach Lücken suchen muss.
Hier
wird gesagt, allen Staaten geht es ums Geld als weltweit gültigen
Reichtum. Aus dem Begriff des Geldes wird dann nicht seine
Nationaluniform abgeleitet, sondern dargestellt, dass etwas daraus
folgt, wenn es den Staaten darum geht. Das ist dann der Übergang
- wenn man so will.
Wenn
ein Artikel wie hier mit elementaren Bestimmungen über den
Außenhandel anfängt, und von den Währungen, in denen
abgerechnet wird, noch nicht die Rede ist, ist es eine falsche
Leseweise, gleich im 1. Kapitel zu sagen, es fehlten ja die
Geldhändler.
Auch
die Nachfrage, ob
die Theorie über das Geld nicht durch den Euro widerlegt
würde,
weil da eine supranationale Hoheit über das Geld existiert,
sollte entsprechend weitergedacht werden. Bei der Darlegung war der
Euro in seiner Besonderheit mitgedacht, aber die Tatsache, dass
mehrere Nationen ihre Souveränität in dieser Frage
zusammengeworfen haben, ist für den Begriff der Sache
unerheblich. Dass die Geltung des Geldes an der Macht der Nation –
die es verantwortet – liegt, wird durch den Euro nicht entkräftet.
Das Verhältnis zwischen Geld und Staatsgewalt wird sogar noch
anschaulicher, wenn Geld für mehrere Nationen nur dann
Gültigkeit behaupten kann, wenn die obersten Souveräne sich
zusammentun und einen Staatsvertrag über die allgemeine
Gültigkeit abschließen. Die Frage, welche Probleme das
Kollektivgeld für die verwendenden Staaten aufwirft, wird in
diesem abstrakteren Artikel nicht abgehandelt. Aber das steht in
einigen anderen Artikeln im GS und ist für die Darlegung der
Prinzipien des internationalen Geschäftsverkehrs unerheblich.
Derselbe
Gegenstand wird je nach Anlass im GS öfter und auf verschiedene
Weise behandelt. Die Darstellungsweise, die Reihenfolge der Argumente
und manchmal auch was Neues, haben nicht den Charakter eines
unverwüstlichen Dogmas.
Fragen
nach dem Übergang kamen vielleicht auch deswegen auf, weil
dieser Artikel schon zu der Sorte gehört, in denen eines aus dem
anderen folgt. Der Übergang steht insofern da, als im 1. Teil
immer schon beim Handel von Geld schlechthin die Rede ist. Dann kommt
die Zusammenfassung, die die Aufmerksamkeit auf das Geld
richtet. Es geht gar nicht um die Ware, den GW, der sich
kapitalistisch benutzen lässt, sondern ums Geld, auf das der
Artikel dann die Aufmerksamkeit lenkt, um neu zu betrachten, dass es
mit diesem Geld eine ganz vertrackte Bewandtnis hat. Die Staaten
schreiben ihrem Kunstprodukt eines nationalen Kreditgelds die
Funktion von Weltgeld zu. Damit auf der Basis ein Welthandel
zustande kommt, brauchen sie wechselseitige Anerkennung. Diese ist
formell leicht zu haben, indem sie ihr Geld für konvertibel
erklären. Aber die Umsetzung und was dann rauskommt, wird jetzt
neu besichtigt. Das ist eine methodische Bemerkung zu dem
Zusammenhang zwischen dem 1. und 2. Teil. Bisher war die Abstraktion
zugrunde gelegt, das Weltgeld wäre eine
Selbstverständlichkeit.
— In
den Nachfragen wird praktisch verlangt, dass im 1. Teil die Ableitung
des Geldes vorkommen müsste. Es kommt abstrakter Reichtum vor,
aber eine Überleitung in der Art: Und im Übrigen:
Abstrakter Reichtum ist Weltgeld, also die Erklärung von Geld,
wird vermisst.
Das
ist nicht das Anliegen des Artikels. Wenn man sich den Kapitalismus
als System denkt, gibt es Artikel, die im 5. Buch des 'Kapital', das
Weltmarkt heißt, anfangen.
2.
Streit bei EADS
Den
Streit um die Airbusproduktion kann man unter den Titel eines richtig
verstandenen Falls von staatsmonopolistischen Kapitalismus stellen.
Was muss dazu erläutert werden?
Praktischerweise
fängt man von hinten an: Ein Fall von Kapitalismus, wie
nämlich ein Unternehmen seine Krise kriegt und bewältigt.
— Zunächst
haben sie eine Niederlage in der Konkurrenz mit Boeing erlitten. Sie
haben auf den Markterfolg eines neuen Flugzeugs gesetzt, von dem sie
noch vor Fertigstellung eine Reihe verkauft haben - wie in diesem
Geschäft so üblich. Dem Projekt liegt ein Zeit- und
Kostenplan zugrunde. In der Produktion sind dann Schwierigkeiten
aufgetreten, die zu Lieferproblemen und damit
Geschäftsausfällen
geführt haben. Eine Konkurrenzniederlage gegenüber Boeing
stellt dies deshalb dar, weil dieses Geschäft u.a. davon
abhängt, wie viele man verkaufen kann. Man muss rechtzeitig vor
dem Konkurrenten mit einem attraktiven Modell auf dem Markt sein,
sonst verkauft der nämlich früher und mehr.
Das
technische Problem, mit ihren Kabelsträngen nicht rechtzeitig
fertig geworden zu sein, hat die „ehrgeizigen Zeitpläne“
durcheinander gebracht. Dass die Produktionskapazitäten durch
solch ein wichtiges Konkurrenzmittel überfordert werden, ist in
diesem Geschäft immer drin. Als zweites Argument wird der
Verfall des Dollars angegeben, wodurch ihnen zusätzlich die
Bilanz verhagelt worden ist.
Bewältigt
wird die Krise dadurch, dass die Belegschaft dafür gerade stehen
muss. „Power 8“ heißt die Antwort; in acht Bereichen:
Belegschaft, Produktion, Verkauf usw., sind Kosteneinsparungen
vorgesehen. In allen Bereichen läuft es auf das Senken von v,
den zu zahlenden Lohn, hinaus. Zum einen soll am Personal gespart
werden, indem ein Teil entlassen wird und der verbleibende für
weniger Geld länger arbeiten muss. Das Ausgliedern und Verkaufen
von Betriebsteilen erhöht zum einen das Kapital von EADS,
zweitens fallen die ausgegliederten Bereiche oft aus der bestehenden
Tarifbindung heraus und werden anschließend neuen Bedingungen
unterhalb der bisherigen Tarifstandards unterworfen, drittens werden
die dem eigenen Unternehmen als Risiko erscheinenden Umstände,
zu welchem Preis und in welcher Frist die Produkte in der
erforderlichen Qualität herzustellen sind, einem
verselbständigten Kapital aufgedrückt, das sich viertens
neue Chancen ausrechnen kann, durch die Produktion nicht nur für
EADS womöglich noch weitere Gewinne einzufahren.
Was
macht bezüglich der zweiten Bestimmung Monopol die
Besonderheit dieser Sphäre aus? Man kann sagen, es geht
letztlich immer ums Monopol, was sich aber in verschiedenen Branchen
höchst unterschiedlich darstellt. Hier hat man es mit einer
Branche zu tun, in der es handgezählte zwei Produzenten für
Großraumpassagierflugzeuge gibt.
— Die
beiden Konkurrenten kämpfen um einen technologischen
Fortschritt, den sie als Monopol behaupten. Hochtechnologie als
Streit ums Monopol.
So
ist es nicht. Hier gehen Zweck und Mittel durcheinander. Bloß
weil es Monopolisten sind, kehrt sich der Zweck, nämlich dem
anderen Konkurrenten sein Monopol streitig zu machen, und das Mittel,
der permanente Kampf um den moralischen Verschleiß der Produkte
des Gegners, nicht um. Der A380 war der Angriff auf die großen
Flieger von Boeing. Jeder technologische Fortschritt lebt von dem
Ideal, man könnte ihn für sich monopolisieren, was aber
nicht dasselbe ist wie der Kampf zweier Kapitale um das Monopol auf
dem Weltmarkt. Hier ist der Weltmarkt etwas eigentümlich
beschaffen, er besteht aus ganzen hundert Kunden und beinhaltet
zudem ein ziemlich monopolistisches Verhältnis zwischen
Lieferanten und Kundschaft. Es ist schon ein gewisser Hohn auf das,
was sich so unter „Freien Markt“ vorgestellt wird.
Der
dritte Punkt ist eigentlich der Hauptpunkt. Was hat der Staat
jetzt hierbei zu suchen?
— Schon
allein die Größe des Kapitals, das für ein
Unternehmen wie EADS / Airbus erforderlich ist, kommt ohne den Staat
nicht aus. Diese Kapitalgröße, die auf einem Kapitalmarkt
nicht entsteht, muss gestiftet werden und wird vom Staat mittels
Staatskredit geschaffen und ist dauerhaft auf dieses
Staatsverhältnis
angewiesen.
Das
ist der Ausgangspunkt für die Größe des Kapitals, das
da am Werke ist. Aber das sachliche Interesse des Staates ist selber
noch erläuterungsbedürftig, insbesondere wenn man vom
vorliegenden Fall ausgeht. Das erste Wort, mit dem sich die
beteiligten Staaten zu Wort melden, ist einmal wieder der berühmte
Fetisch Arbeitsplätze. Was steckt hinter dem Geschrei, wir
bräuchten unsere nationalen Arbeitsplätze? Sie sagen
weiter, es handle sich hierbei um ein wichtiges Stück
Industriepolitik. Glos vermengt dies gleich mit der
Rüstungspolitik.
Was ist das je für sich und in welchem Zusammenhang stehen
beide?
— Glos
übersetzt doch gleich die Arbeitsplätze in
„Hightech-Standort“. Mit „Hightech“ stellt sich der Staat hin
als einer, der ein Kapital fördern will, das Techniken
beherrscht, die für das Geschäft der Zukunft als
entscheidende Renner gehalten werden oder dazu gemacht werden
sollen. Geredet wird dabei von dieser Kohlefaser-Technologie.
In
diesem Sektor einer hochpreisigen Ware wie über diesen hinaus
ist es die Sorge um einen gewichtigen Konkurrenzvorsprung der eigenen
Nation vor allen anderen, wiewohl ein supranationales Flugzeug der
Gegenstand ist.
Die
europäische Industriepolitik besteht darin, vor dem Rest der
Welt einen Konkurrenzvorsprung zu erwirtschaften. Ursprünglich
hieß es, den Konkurrenzvorsprung der USA auf diesem wichtigen
Sektor als Bedingung für das weltweite Geldverdienen auch in
allen möglichen anderen Branchen (als Abfallnutzen dieser neuen
Technologie) aufzuholen und für die Zukunft zu sichern. So ist
meistens die industriepolitische Lage, wenn sich die Europäer
darum kümmern. Wenn Inder Industriepolitik betreiben, sieht dies
zumeist so aus, dass sie Rückstände aufzuholen haben, z.B.
indem sie zunächst eine Grundstoffindustrie aufbauen. Bei Kohle
und Stahl unabhängig zu werden, war mit der Montanunion der
Ursprung Europas.
Die
Konkurrenz gegen die USA pflanzt sich, logisch gesehen, auf die
Konkurrenz der beiden großen Firmen bei Airbus drauf. Ohne eine
staatliche Intervention wäre es zu deren Zusammenschluss
überhaupt nicht gekommen. Bei dieser ganzen Affäre kommt noch
eine ganz andere Konkurrenz zum Tragen. Die verbündeten
Nationen machen sich wechselseitig Arbeitsplätze streitig. Die
Deutschen sagen offen, es handle sich um Arbeitsplätze für
wichtige Technologiezweige, mit denen sie sich zukünftiges
Geschäft ausrechnen. Was ist der staatsmonopolkapitalistische
Inhalt des Streites über die Führerschaft in Sachen
Hochtechnologie und dazugehörigem Wissen?
— Die
Konkurrenz zwischen den Nationen ist schon mit der Gründung des
gemeinsamen Projektes unterstellt. Sie beäugen sich doch
gegenseitig, inwieweit dabei jeweils etwas für die eigene Nation
abfällt.
Ein
Zusammenschluss von um Produktionsanteile streitenden Konkurrenten,
der bis zur jetzigen Krise recht und schlecht funktionierte. Dass die
jeweilige nationale Konkurrenz um den industriepolitischen Ertrag nie
aufhörte, ist kein Argument gegen den aktuellen Fall. Der
bisherige industriepolitische Standpunkt beider Nationen stand für
die Kooperation, jetzt wird diese in ihrer bisherigen Form von den
Staaten unter dem Gesichtspunkt, was als Industriekonkurrenzvorteil
für die jeweilige Nation auf dem Weltmarkt abfällt, in
Frage gestellt, ein Fortschritt, der den neuen
Konkurrenzschwierigkeiten geschuldet ist.
Das
Unternehmen wird nicht gekündigt, sondern es wird darum
gerechtet, wieviel Gewicht die konkurrierenden industriepolitischen
Interessen der beteiligten Nationen haben sollen. Eine Nation
kalkuliert ihren Stand in der Konkurrenz der Nationen auf dem
gewichtigen Sektor des Flugzeugbaues im Besonderen und im Allgemeinen
auf dem Sektor der unabsehbaren neuen Produkte und
Produktionsmöglichkeiten, die sich möglicherweise
darüber
erschließen lassen. Sie wollen führend sein in Sachen
moralischen Verschleißes der Produktionstechnologien der
Konkurrenten. Es wird deutlich, dass die Konkurrenz nicht in ein
schlecht und recht zusammengeschustertes Miteinander mündet,
sondern der Standpunkt „wir statt der anderen“ Oberhand gewinnt.
Die Staaten besichtigen nicht bloß die Resultate der Konkurrenz
der Kapitalisten um den moralischen Verschleiß bestimmter
Produktionsverfahren, sondern sie selber machen sich zum Aktivisten
der Fortentwicklung ihres Kapitals auf diesem Sektor. Für die
Kohlefaser-Technologie eine eigene Hochschule gründen ist nicht
nur der Wurmfortsatz von Verfahrenstechniken von Airbus, sondern
Techniken, die vielleicht Airbus entwickelt hat, werden vom Staat
gewürdigt und gleich auf die Ebene eines Staatsanliegens
gehoben. Vielleicht profitiert die Kohlefaser-Technologie von Airbus
von einer zuvor staatlich gepuschten technologischen Forschung. Da
sieht man, wie verkehrt die alte Stamokap-Theorie ist, die von einer
Trennung zwischen Staat und Kapital ausgeht und sich darüber
beschwert, der Staat mache sich zum Knecht des Kapitals. Bei Airbus
kann von solch einer Trennung nicht die Rede sein, da sind
industriepolitisches und Unternehmerinteresse völlig identisch.
Trotz Friktionen zwischen dem Geschäftsinteresse und dem
Interesse des Staats an der Industriepolitik, ist die Sache selbst
ein Gemeinschaftswerk dieser beiden Seiten.
Die
Vorstellung, das Unternehmen würde sich ohne Einmischung der
Politik nur an einem Ort und damit viel günstiger aufstellen,
ist absurd. Airbus gibt es überhaupt nur als national
geförderte, in diesem Gemeinschaftsunternehmen kooperierende
Standorte. Die Politik hat dieses Unternehmen erst in diesen Status
versetzt und kämpft gerade darum, dass es als nationaler
Standort und technologischer Besitzstand möglichst unbeschadet
aus der Krisenabwicklung herauskommt. Die Konkurrenz, die jetzt
auflebt, geht über eine Schadensabwicklung, wie sie die Firma
mit ihrem Power-8-Programm macht, hinaus, denn für diese
Konkurrenz sind die geschädigten industriepolitischen Interessen
der beteiligten Staaten Thema.
Es
geht um den nationalen Gehalt dieser Konkurrenz, „unsere
technologische Großtat beim A 380“ wird als Konkurrenzvorteil
gegenüber Amerika gefeiert. Dieser Konkurrenzgesichtspunkt ist
es, der zwischen den Staaten auflebt. Auf höchster
industriepolitischer Ebene haben sie sich jetzt wieder
zusammengerauft, und dabei hat auch der Wink mit dem Hinweis auf den
Militärbereich von EADS eine Rolle gespielt. Was ist unter
diesen ganzen Gesichtspunkten zur Rüstungspolitik zu sagen?
— Hinsichtlich
des Bedarfs an neuesten Technologien für einen Flieger gibt es
keinen Unterschied zwischen militärischem und zivilem Bereich;
hier fallen die beiden Gesichtspunkte erst mal zusammen.
Der
Staat hat ein rüstungspolitisches Interesse an dieser Branche,
an EADS und dem, was diese Firma macht und kann. Das hat zunächst
eine ökonomische Seite, die mit der jetzt besprochenen von
Airbus zusammenfällt. Ein anderer Aspekt ist die technologische
Autonomie in einer Frage, in der ein Staat für seine
militärische Machtentfaltung Abhängigkeit nicht hinnehmen
mag, was all die Staaten, die aufgrund ihres technologischen
Rückstands hoffnungslos abhängig sind, zu spüren
bekommen. Dazu kommt das Misstrauen gegen die Verbündeten, die
einen auf der eigenen militärischen Potenz sitzen lassen
könnten. Im Augenblick sind EADS und die Staaten, die das als
gemeinsames Rüstungsprojekt betreiben, damit konfrontiert, dass
diverse Bündnispartner in Sachen Rüstungspolitik
ausscheren: Frankreich hat nebenher noch die ‚Mirage’, Polen
bestellt ‚Starfighter’ in den USA, Österreich kauft seine
Luftwaffe bei den Schweden. Man muss die Partner für das eigene
Produkt interessieren, weniger um sie von guter Ware als von der
Notwendigkeit einer strategischen Kooperation zu überzeugen.
Rüstungspolitik erzeugt zwar kein Bündnis, aber eine
rüstungspolitische Kooperation ist ein Stück weit
Realisierung einer strategisch gemeinsamen Sache.
— Die
Deutschen zusammen mit den Franzosen überlegen bereits
strategisch, wie sie wo auf der Welt herumfuhrwerken können
wollen und kommen von daher drauf, dass sie ein Tankflugzeug oder ein
Großraumflugzeug zum Transport von Mann und Material brauchen.
Bei
dem Streit um Airbus kommt die rüstungspolitische Seite zum
Tragen, die die Abteilung Industriepolitik, Geschäft und
Verbilligung von Rüstung einschließt, darüber hinaus
Momente strategischer Kooperation enthält, worauf Staaten
achten als ein Extra-Feld der Konkurrenz, auf dem für die
strategische Zuordnung zueinander ein paar Weichen gestellt werden.
Sowohl die polnischen Flugzeugbestellungen in der USA als auch die
Drohung der Stornierung von Kampfflugzeugbestellungen bei EADS durch
Glos ist bzw. wäre ein Stück Aufkündigung
militärischer Kooperation; eine Spaltung, die die europäische
Außen- und Sicherheitspolitik endgültig nicht mehr
überleben würde. Vielleicht hat gerade dieser strategische
Gesichtspunkt etwas beigetragen zur Einigung in dem Streit um und
wegen Airbus.
Beim
Verkauf von Flugzeugen für die zivile Luftfahrt mischen sich
ökonomische und politische Gesichtspunkte. Es sind
Milliarden-Geschäfte, die mit dem Verkauf eines Flugzeug-Typs an
Land gezogen werden, zumal die Nachfolge-Typen oft beim gleichen
Hersteller geordert werden. Da wird ein bisschen darauf geachtet, es
sich mit keinem Besteller zu verscherzen – US-Fluglinien bestellen
Airbusse, die Lufthansa Boeings und die Fluggesellschaften, die in
ihrer Beschaffungspolitik auch untereinander zusammenhängen,
bilden globale Netze. Das alles gehört in die Abteilung Monopol
von Stamokap hinein, bei der die Staaten auf gewisse Verflechtungen
achten, sie tolerieren und befürworten.
Drei
Gesichtspunkte sind zu unterscheiden: die Krise des Kapitals und
seine Bewältigung, die Industriepolitik als Konkurrenzmittel und
zusätzlich die Rüstungsabteilung im Flugzeugbau. Wenn die
zuständigen Politiker in dieser Affäre von
„Arbeitsplätzen“
sprechen, steht dies generell für die kapitalistische
Ertragskraft eines nationalen Standorts und in diesem Fall dafür,
was unter dem Titel Industriepolitik besprochen wurde. Die
Gewerkschaften sowohl in Frankreich wie in Deutschland setzen auf das
Interesse ihrer Nation an der Erhaltung des jeweiligen Standorts
wegen der Wichtigkeit für ihre Nation, setzen dieses mit dem an
der Sicherung von Arbeitsplätzen in Hamburg/Toulouse gleich. Die
Forderung nach „Standortsicherung“ ist nichts anderes als die
Bettelei um das Sich durchsetzen des eigenen Staates gegen den
anderen, damit dort die Arbeitsplätze gestrichen werden.
Die Antwort der beteiligten Staaten ist der Verweis auf das
gemeinsame europäische Projekt zur Bewältigung der Krise,
das deshalb auf keinen Fall gekündigt wird. Das Ganze endet bei
den üblichen Rechenkunststücken, wieviele Arbeitsplätze
an welchem Standort erhalten, ausgelagert oder wegrationalisiert
werden.
3.
Der CO2-Gipfel.
Noch
ein Blick auf das zweite Thema nur unter dem Gesichtspunkt der
Identität beider Themen. CO2 ist zum Gipfelthema
geworden anstelle der eigentlich vorgesehenen: erstens den
„Lissabon-Prozess“ (die USA technologisch ein- bzw. zu überholen)
voranzutreiben, zweitens Bürokratie abzubauen, worüber
längerfristig über 100 Mrd. in Europa eingespart werden
sollten. Da ein „Sieg der Ökologie über die Ökonomie“
nicht anzunehmen ist, bleibt herauszufinden, wieso es die
Bundeskanzlerin richtig darauf angelegt hat, einen Sieg in Sachen
gemeinsamer europäischer Klimapolitik zu erringen. Ein weiteres
Beispiel für staatsmonopolistischen Kapitalismus.
— ‚CO2-Ausstoß’
heißt doch, man verbraucht gerade die Energien, die im
Augenblick so teuer sind, also ist das CO2-Einsparen
gleichzeitig der Versuch, diesen Produktionsfaktor von den Kosten her
zu senken und wenn das gelingt, hat man wieder eine Technologie in
der Hand, die konkurrenzlos ist.
Das
sind zwei weitere Momente moderner Industriepolitik; die erste Stufe
ist die Energieversorgung und -einsparung. Die Energieversorgung der
Nation ist ein wichtiges Kapitel. Im GS 2-06 über
leitungsgebundene Energie in Europa wurde beschrieben, welche
Konkurrenz da tobt und wie die drei Imperative zur Bereitstellung –
sicher, billig, profitabel - die nationale Energiepolitik
beflügeln.
Wenn klar ist, dass man von bestimmten Energiequellen loskommen muss,
weil sie immer teurer werden, dann gibt es vom Staat einen Auftrag an
die nationale Ökonomie, neue Techniken und neue Industrien zur
Produktion und Bereitstellung von Energie zu entwickeln. Insofern
übersetzt sich das Problem der Senkung der CO2-Emissionen
hundertprozentig in Energiepolitik mitsamt der nachgelagerten
Industrieförderung.
Die
Energieversorgung in Europa ist längst keine nationale Sache
mehr. Europäische Champions sollen sie managen, beim Erdöl
ebenso wie bei den leitungsgebundenen Energieformen Erdgas und Strom.
Auf der Grundlage, einen europäischen Energie-Markt für
alle Energieformen in die Wege zu leiten, wird um Anteile daran
konkurriert – das ist die ökonomische Seite, die gelenkt wird
durch staatliche Vorschriften bezüglich der Energieproduktion,
französische AKWs konkurrieren gegen deutsche Windräder
usw. Der CO2-Gipfel ist das Arbeiten an einer
Einflussnahme auf die Politik der anderen Nationen in der EU, auf
die Energiepolitik der Lieferanten. Mit dem Titel ’Erdöl: eine
teure CO2-Quelle’ wird z.B. eine Front gegen sämtliche
Öllieferanten aufgemacht. Schließlich baut sich Europa als
einflussnehmender Faktor auf die Energiepolitik anderer
Nationen auf. Manch ein ‚failing state‘ bekommt den neuen
Beruf des CO2-Senkers. Mit dem Pflanzen von CO2-senkenden
Bäumen in Afrika erwerben die Unternehmen das Recht auf
CO2-Emissionen hier. So gibt es eine neue Zuständigkeit
der imperialistischen Nationen für die Dritte Welt, ein neues
Verhältnis, in dem man sie gegen Entgelt für das Verringern
‚unseres’ CO2 zuständig macht. Schließlich
baut sich Europa auf als Macht, die in die Energiepolitik aller
potenten Konkurrenten – der werdenden (Indien, China) wie der
existenten (USA, Australien) – hineinregiert. Damit ist ein
imperialistischer Ordnungsanspruch aufgebaut. Energiepolitik wird dem
Rest der Welt als europäische Sache angetragen, das ist ein
neues Thema, mit dem man auf sie losgeht und zu Abkommen unter
europäischer Regie zerren will. Das ist der wirkliche Inhalt
von: “Wir müssen dem Rest der Welt Vorbild sein, nur dann
können wir den Indern etc. mit harten Anträgen kommen“
und dazu ist in Brüssel der Beschluss gefallen. Der Beschluss
bedeutet nicht nur, technologisch an der Spitze des Fortschritts
marschieren und einen Abstand zu den anderen Nationen, die
Instrumente der Energieproduktion und -versorgung betreffend,
hinkriegen zu wollen, sondern auch, die Lage in der für alle
fundamentalen Frage der Energiesicherung als der Grundlage des
modernen kapitalistischen Betriebs beherrschen zu wollen.
Die
Sonderrechnungen einzelner EU-Staaten und deren Konkurrenz
miteinander lassen Bundeskanzlerin Merkel auf dem Gipfel
versuchen, einen Generalstandpunkt herzustellen, dass Europa in
Energiefragen einheitlich handelt. Die Auskunft, man habe sich
geeinigt, auch wenn die Einzelheiten der Einigung noch ausgehandelt
werden müssten, zeigt, dass diese ‚Einigung’ eine
Demonstration ist, die als solche auch schon eine politische
Bedeutung hat. Bewirkt hat der Gipfel zwar noch nichts, es war mehr
ein Gipfel der Ankündigungen und Willenserklärungen und der
Sieg, den Merkel davongetragen hat, lag mehr auf der Ebene der
Angeberei. Welcher Art ist so ein Sieg in der Welt von heute?
— Zumindest
hat sie feststellen können, dass unter den ganzen EU-Nationen
keine war, die ihr das versauen wollte.
Also
die bewiesene Kompetenz, die Nachbarn auf eine Linie zu bringen; es
ist ein Stück Festlegung der anderen Staaten auf deutsche
Europa-Politik. Die Demonstration der Kanzlerin, Europa eine
gemeinsame Linie zu verordnen, hat einen Bezug dazu, was bei Airbus
als strategische Bedeutung der Rüstungspolitik besprochen wurde,
auch daran zu merken, wenn bei der Besprechung der Energiepolitik das
Verhältnis zu Russland zum Thema wird und Polen wegen des
strategischen Misstrauens gegen den großen Nachbarn stört.
Das
Verhältnis der Europäer zu den USA, die ihrerseits auf
Öko
umgeschwenkt sind und angekündigt haben, ihre Senkungsquote auf
30% zu erhöhen, wenn andere Länder nachziehen, ist
hinsichtlich der Konkurrenz in Welt-Energiefragen widersprüchlich:
Man möchte einerseits gegenüber der USA in Fragen der
Energieproduktionstechnik führend sein und sie in eine Politik
hineinmanövrieren, die diese zum Absatzmarkt macht. Und wenn die
dann auch eine Energiepolitik machen und ‚uns’ lauter Windräder
abkaufen, gibt das dem ganzen Sektor wegen des großen Marktes
Amerika einen gewaltigen Schub. Andererseits fürchtet man die
Amerikaner, sobald sie sich zu einer entsprechenden Energiepolitik
entschlossen haben, als potentielle Konkurrenten.