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2. Fortsetzung „Weltmarkt und Weltmacht“ in GS 3-06
— Iran
will in Zukunft seine Ölrechnungen in Euro statt in Dollar
abrechnen. Was hat das für ein Gewicht? Können die Iraner
überhaupt verlangen, dass in einer 2-Rang-Weltgeldwährung
gezahlt wird?
Verlangen
könnten es die Iraner von ihrer Kundschaft. Die Frage ist, was
das für die Weltölmärkte in Bezug auf die Konkurrenz
der großen Währungen heißt. Der Grund des
politischen Vorstoßes ist, gegen den Boykott der Amerikaner,
die die Bankenwelt unter Druck setzen, mit dem Iran keine
Geschäfte
zu machen, ihre Geschäftsbeziehungen anders orientieren zu
wollen und mit Banken zu kooperieren, die in anderen Währungen
abrechnen. Die weltwirtschaftliche Bedeutung hängt hierbei gar
nicht vom Iran, sondern von der Umgangsweise der Europäer ab.
Würden sie Öl für ihr eigenes Geld kaufen -, wäre
das ein ziemlicher Generalangriff auf die derzeitige Einrichtung der
Weltwirtschaft.
Das
ist dann mehr eine politische Frage als eine ökonomische. Eine
Vorgabe, auf die die anderen Staaten reagieren sollen.
Die
Besonderheit der politischen Ökonomie dieser Ware liegt darin,
dass ihr Preis als Kostenfaktor auf der einen Seite und als
Staats-Revenue auf der anderen zu Buche schlägt, der von der
Preisgestaltung bis zur Geldverwendung eine politische Angelegenheit
ist. Beim Iran ist das mit der heiklen Situation seines Regimes
bezüglich des Westens verbunden.
Mir
ist im Punkt I – die ökonomische Konkurrenz der Staaten –
die Fortsetzung in den Geldpunkt nicht klar. Es geht doch um Geld als
Zweck der Staaten, die Ökonomie soll dafür weltweit Mittel
sein, also um die ökonomische Konkurrenz der kapitalistischen
Staaten, deren Bereicherungsmaterial?
Im
Teil I wird klar gestellt, worin der Reichtum der Nationen besteht
und wie die Bereicherung einer Nation an anderen funktioniert. Dabei
wird Arbeit als Reichtumsquelle unterstellt und wie deswegen
die Bereicherung einer Nation an einer anderen geht. Das ist eine
einzige Demonstration der Arbeitswertlehre von Marx. Die Vorstellung,
Kriege würden um Öl geführt, die Konkurrenz der
Staaten hätte etwas von Beutemachen und Wegnehmen, ist eine
falsche Erklärung von Krieg und internationaler Konkurrenz,
angesichts dessen, dass jede Nation darum kämpft, quasi für
den Rest der Welt die Arbeit zu erledigen. Sobald es um den
ökonomischen Inhalt von „Arbeitsplätzen“ geht, also um
rentable Arbeit und ihre Konkurrenz darum – ideologisch verlogen
als einzige echte Sozialleistung dargestellt – wird klar, dass
„Raub“ ein dummer Witz ist. Vielmehr soll die Welt mittels
rentabler Arbeit „versorgt“ und damit am Rest der Welt verdient
werden. (Auch) deswegen fängt der Artikel mit rentabler Arbeit
an.
Den
Kapitalisten wird also unter allen Aspekten ihres Geschäfts die
Heimat zu eng, und die Staaten unterstützen sie in ihrem
Drängen
nach außen vorbehaltlos. Dabei gibt es einen Übergang (S.
54) vom Zunutze machen des Weltmarkts, zur Notwendigkeit
desselben. Systematisch geht es um die Zuspitzung des Erfolges
mit der Folge der Abhängigkeit, die der Stachel des
Einsatzes auf dem Weltmarkt ist. Diese Notwendigkeit ist die
Grundlage des Anspruchs der beteiligten Staaten.
Das
ist eine der Stellen, bei der eine Identität von Kommerz und
Gewalt greifbar wird. Im Text wird Bezug genommen auf die Ideologie
des allseitigen Nutzens, des Schaffens von Arbeitsplätzen durch
Freihandel, der nach der Befreiung von Restriktionen sogar weltweit
berechenbare Steigerungen verspricht. Aber weil den Kapitalisten ihr
einheimischer Markt (immer) zu eng ist, gibt es durch den Gang auf
ausländische Märkte nicht mehr Kaufkraft, sondern die
Konkurrenz darum verschärft sich, die Kapitalisten schließen
sich wechselseitig ihren Erfolg aus. Wie dann daraus ein allseitiger
Nutzen entsteht, ist eher unklar.
Das
ist auch nie ein „Nullsummenspiel“, so dass, was die eine Nation
gewinnt, die andere verliert. Von einem festen Bestand, den die
Nationen sich wechselseitig wegnehmen, kann im Kapitalismus, dessen
Prinzip die Kapitalakkumulation ist, nicht die Rede sein. Bei
Konkurrenz um rentable Arbeit für das Wachstum stellt sich immer
die Frage, wo Wachstum auf Grundlage der Erträge, die Quelle und
Mittel neuer Konkurrenz sind, stattfindet. Die Konkurrenz hört
nicht auf, wenn dank guter Akkumulationsphasen mal alle davon
profitieren, auch wenn alle wachsen, vergrößern/verkleinern
sich die Abstände und die Konkurrenzverhältnisse zwischen
ihnen.
Wenn
ein Land, an dem man verdient, auch wächst, so dass man
an denen demnächst noch mehr verdienen kann, ist das in Ordnung.
Aber auch „absolute Verlieren“ des Anderen ist im Preis
inbegriffen, wenn auf Grundlage erwirtschafteter Wachstumspotenzen
neu losgelegt wird.
Diese
Wachstumspotenz ist das Geld. Sein Hin und Her zwischen den
Staaten und dessen politische Modifikationen ist Gegenstand des
zweiten Teils.
Der
"Weltmarkt des Kapitals" ist doch das Werk der
kapitalistischen Staaten. Der kann gar nicht Werk des Kapitals sein.
Das muss in der Regie der Staaten passieren.
So
wie auch innerhalb einer Nation das Kaufen und Verkaufen darauf
beruht, dass der Staat seine Leute organisiert und auf die Art des
Wirtschaftens festlegt. Wertschaffende Arbeit ist Arbeit unter dem
Regime des Eigentums. Das gibt es nur per staatlicher Gewalt, erst
recht, wenn sich Geschäftskollektive als Nationen gegenüber
treten und beim und fürs Geschäftemachen ihre Gewalt in
Anschlag bringen.
Bezüglich
der Stellung der Staaten zu ihrem Geld haben diese sich vom Geld als
Gold und reichtumsgedeckten Schatz verabschiedet, wenn es ums moderne
Verdienen aneinander weltweit geht.
Der
erste Teil legt dar, wie Kapitalisten mit rentabler Arbeit im
nationalen Maßstab anderswo Geld verdienen und vor allem, dass
es darum geht. Der Staat stellt die gewaltsamen Erfolgsbedingungen
dafür her so gut er kann. Wenn schon anderswo verdient wird, ist
die Schädigung oder der Nutzen der anderen Seite immer
inbegriffen, wie man selbst, branchenmäßig und zwischen
den Nationen verteilt, auch beides hinzunehmen bereit sein muss.
Insgesamt ist gar nicht ausgemacht, dass das Sich-Einlassen eine
ökonomische Stärkung der staatlichen Macht und ihrer
ökonomischen Basis zur Folge hat. Weil diese im akkumulierenden
Geld besteht, ist der Staat so hinter diesen Bilanzen her (Merkel:
keine Reformpause; wer stehen bleibt, fällt zurück ...).
(Vergleich
mit dem letzten Mal: In der bürgerlichen Gesellschaft fallen
erstmals Staats- und Privatinteresse zusammen)
Wenn
es in Teil I.1 schon ums Geldverdienen zwischen den Nationen geht,
fragt sich, welches Geld denn nun eigentlich verdient wird und wie
die entsprechenden Bilanzen, an denen alle so eifrig arbeiten,
zustande kommen. Alle Modalitäten des Geldverkehrs, der
Paritäten, des praktischen Vergleichs wirken auf die
Bestimmungen in I,1 zurück und modifizieren diese – sowohl das
Verkaufen und das Einkaufen von Waren wie auch das Investieren
anderswo betreffend. Mit der Bewertung von Geldern wird nicht
bloß
ein Schlussstrich unter Handel und Wandel gezogen, sondern eine
Entscheidung über die Reichweite der Macht, die Zugriffsmacht,
die einem Geld grenzüberschreitend innewohnt, gefällt. Da
entscheidet sich über die Quantität und Qualität des
Geldes, über die verfügbare ökonomische Macht die
Qualität der jeweiligen Staatlichkeit.
Zusätzliche
Bestimmung in Teil I.2: Das Geld ist stets realisierter
Verkaufserfolg und – schon im eigenen Land – Kredit mit eigener
Wucht. Das hat international zur Folge, dass es vorkommen kann, dass
Staaten, in denen eifrig Geschäft gemacht wird, kein eigenes
Geld haben. Das kann niemals nur Resultat des Handels sein, sondern
liegt an der eigenen Bewegung, die das Geld, in dem sich (Miss-)
Erfolg niederschlägt und neues Mittel sein soll, vollführt.
Zwischen
den Nationen konkurrieren, wie daheim auch, die Kapitalisten, und die
Staaten passen auf, und gleichzeitig konkurrieren die Staaten mit dem
und für das, was ihre Kapitalisten zustande bringen, und
müssen
darauf achten, dass sie in ihrer Konkurrenz gegen andere Nationen
zugleich die Bedingungen des Erfolgs, des Verdienens an Anderen
aufrecht erhalten bleiben bzw. wieder werden. Für die in der
Konkurrenz gescheiterten Staaten werden "Lösungen"
gesucht und gefunden, weil die Geschäftspartner, an denen man
verdienen will, dauerhaft erhalten bleiben sollen.
Der
erste Teil (I.1) handelt davon, wie Kapitalisten und Nationen mit dem
zweckmäßigen Einsatz des eigenen Kapitals fremdes
Geld erwerben: Das Geld der Kundschaft und Anteile an einem
Akkumulationsprozess in einem anderen Land. Ein Extragesichtspunkt
kommt hinein, wenn man betont, wie man mit eigenem Geld
fremdes Geld verdient. Darin steckt zuerst das leicht zu
übersehende Paradoxon, beim allgemeinen Äquivalent nach der
Nationalität fragen zu sollen. Zunächst muss daher eine
Vereinbarung über die Anerkennung aller Gelder als abstrakter
Reichtum her. Das ist die apologetische Errungenschaft der
kapitalistischen Zivilisation, die die Welt zum Dorf gemacht hat.
Heute zählt kein nützliches Ding für sich, jedes gilt
als Instrument des Gelderwerbs und ist als solches hinreichend
ökonomisch bestimmt als Zugriffsmittel. So wird dann die
Gleichartigkeit all dessen, was irgendwo Geldfunktionen erfüllt,
wegen dortiger Macht anerkannt; man nennt dies die Konvertibilität
der Währungen. Das, was in dem anderen Staat dank
staatlicher Gesetzgebung und Autorität Zugriffsmittel auf
gegenständlichen Reichtum ist, soll auch im eigenen Land private
Zugriffsmacht darstellen. Umgekehrt soll das Gleiche gelten, weshalb
es einer staatlichen Vereinbarung bedarf, wechselseitig anzuerkennen,
dass das, was im anderen Land gilt, auch im eigenen gilt.
Das
ist der erste Schritt für privaten Eigentumserwerb auswärts,
eine Enteignungserlaubnis für andere Länder. Das
Wegschaffen erfolgt dann in Geldform. Dass Eigentum-Schaffen in einem
anderen Land von Staats wegen ein Moment von Enteignung an
sich hat, fällt sofort auf, wenn Staaten miteinander nicht gut
können. Dann ist es z.B. für den russischen Staat ein
Problem, wenn deutsche Gas- und Ölkonzerne Eigentum in Sibirien
erwerben, weil vom Staat her betrachtet damit schon Enteignung von
Gut, Tauschwert droht, die er garantieren soll. Das Bedenken richtet
sich nicht auf die Produktionsmittel als solche, sondern darauf, dass
an ihnen ein Eigentum besteht, womit über diese das
Verfügungsrecht verbunden ist, an wen sie zu welchem Preis
verkauft werden und was der Staat, der seinen Anteil davon haben
will, davon hat, wenn Enteignung per Geschäft passiert.. Was an
der Ware noch einigermaßen dingfest zu machen ist, wirft beim
Geld die Frage auf, was der Eigentümer mit dem Geld, das er
für
seine Produkte erlöst, macht. In Form des Geldes, das damit
verdient wird, liegt der ganze Sinn und Zweck und Nutzen dieses
Geschäfts in einer schlagkräftigen, transportablen Form
vor. Wenn Konvertibilität als Prinzip verankert ist, folgen die
Überlegungen auf dem Fuße, worauf man aufpassen muss. Auf
das immobile Zeug wie auf das mobile, das in Geldform das Vehikel des
internationalen Handels, aber auch das Vehikel des Transfers von
echtem Reichtum, von realisiertem Ertrag, ist. Wie funktioniert so
etwas?
Im
Kapitel I.2,b werden die Geldhändler behandelt. Sie sind anfangs
noch nicht einmal für die Austauschrelationen zuständig, um
die sich die Staaten streiten. Die Geldhändler nehmen die
Austauschrelation hin, tauschen und machen daraus ihr Geschäft.
In diesen Tausch mischen sich interessante Vergleichsgesichtspunkte
ein. Der erste ist die Menge, die gegeneinander ausgetauscht werden
soll, an die sich dann, noch bevor sie die Relationen dann wirklich
verschieben, lauter kritische Bewertungen heften. Je nach der
absoluten/relativen Menge, die nachgefragt wird, werden die
Währungen
beurteilt.
I.2,c:
Indem die Geldhändler ihr Geschäft machen, leisten
sie etwas für die ganze politische Ökonomie: Mit dem Tausch
nach ihren Kriterien präsentieren sie den Staaten eine
praktische Abrechnung, wie diese Bilanz in deren spekulativen
Machenschaften vorkommt. Das Ganze wäre noch relativ
übersichtlich (aber auch schnell zu Ende), wenn es so wäre,
dass jedes nationale Geld bloß ein Geldzeichen für irgend
etwas Handfestes wie ein Goldklumpen ist. Am Jahresende bliebe dann
ein Saldo übrig und die Geldhändler glichen dieses per
Goldabfluss/-zufluss aus (siehe MARX). So etwas findet heute nach wie
vor statt, aber es ist ein Hin und Her eigenen wie fremden Geldes.
Dazu gehört, welche Schlüsse die Geldhändler daraus
ziehen und mit welchen Forderungen diese ihren Staat als obersten
Geldhüter und Verwalter der Nationalbank konfrontieren.
Umgekehrt erhält der Staat Rückmeldungen darüber, wie
es um seine Währung steht, welche politökonomische Bilanz
ihm darüber eröffnet wird.
In
I.2,c wird diese Bilanz, dieser Zu- oder Abfluss von Geld in
zweierlei Form, durchgegangen. Erstens macht das tatsächliche
Abholen von Gold und Devisen anschaulich, wie viel Wachstumspotenz
zu- bzw. abfloss, ob staatliches Vermögen mehr oder weniger
wurde. Zweitens sind die Geldhändler zum Vergleich des Wertes
von ihrem Standpunkt aus ermächtigt, von dem aus sie
den „Kurswert“ machen. Was ist dieser „Kurswert“ für
eine Sorte Reichtumstransfer, bei dem doch nichts „abtransportiert“
wird?
Was
heißt das politökonomisch, wenn eine Währung
schlechter oder besser bewertet ist?
Das
ist die moderne, funktionale Form des Reichtumstransfers, weil dann
nämlich insgesamt der ganze in Geld gemessene Reichtum einer
Nation weniger wert ist gemessen im Geld der anderen. Da wird eine
Bewertung von Sachen vorgenommen, von denen man als Marxist
eigentlich sagen müsste, dass sie ihren Wert doch haben. Wie
hoch aber der Tauschwert aller in einer Gesellschaft geschaffenen
Güter ist, wird in erster Instanz in deren Geld gemessen. Seit
es jedoch den Weltmarkt gibt, wird er auch noch in allen anderen
Währungen gemessen. Und sobald sich da eine Relation verschiebt,
verschieben sich die Reichtumsverhältnisse zwischen den
Nationen. Wie stellt sich also die Kommandomacht eines nationalen
Geldes über auswärtigen Reichtum dar? Sie wächst oder
schrumpft im Verhältnis zum quantitativen Verhältnis
zwischen den Währungen.
Es
gab mal eine Diskussion, dass der Produktivitätsvergleich
zwischen den Nationen zu Gunsten der Nationen entschieden wird, die
die Arbeit am rentabelsten anwenden. Bei der angewandten Arbeit kann
man Produktivitätsunterschiede feststellen, aber beim Vergleich
über das Geld gibt es diesen Maßstab nicht.
Beim
Vergleich der Produktivität der Arbeit ist zwar vieles
augenfällig, aber das entscheidende Kriterium auch innerhalb
einer Nation ist das dafür gezahlte Geld. Wie viel eine Arbeit
wert ist, entscheidet sich dann, wenn der Tauschwert durch die
Bezahlung realisiert wird. Zwischen den Nationen kommt hinzu,
dass die Realisierung des Tauschwerts vom Verhältnis der
Währungen abhängt.
Im
ersten Punkt wurde gesagt, dass Nationen mit rentabler Arbeit
konkurrieren und die Nation, die ein immer größeres
Maximum rentabler Arbeit bei sich vereint, diese Konkurrenz gewinnt.
Der Stand der Währung modifiziert also das unter 1. bestimmte
Konkurrenzmittel – eben rentable Arbeit – und das heißt
doch für das jeweilige Kapital, das Geld, mit dem es loszieht,
kann für es von Vor- oder Nachteil sein?
Es
modifiziert auf dem Weltmarkt die Rentabilitätsbedingungen,
paradoxerweise für den einzelnen Kapitalisten, denn nationaler
Erfolg, der Anstieg der Währung, der eine Nation reicher macht,
bereitet dem Exporteur Wechselkursprobleme. Daran schließt die
Ideologie vom Ausgleich der Handelsströme, weil der Stärkere
abgebremst wird und der Schwächere sich über das Geld
besser stellt, sich deshalb die Handelsströme prompt umkehren.
(Für „vorübergehende Engpässe in der Zahlungsbilanz
gibt es den IWF). Wenn sich jedoch Währungsrelationen schon so
nennenswert verschoben haben, dann sind die Reichtumspotenzen im
überlegenen Land so entwickelt, dass die Währungs„nachteile"
von Exportweltmeistern (mehr als) kompensiert werden.
Wenn
zur willigen Arbeitskraft noch die billige Währung dazu kommt,
dann boomt eben die Turnschuh-Branche in Thailand oder China. Und es
gibt Waren, die nur mit einem so großen Kapital-Aufwand
rentabel hergestellt werden können – Beispiel Flugzeugbau ,
dass dazu nur die USA oder die versammelten Euro-Nationen fähig
sind. Durch die modifizierende Rentabilitätsbedingung des
Geldvergleichs werden die (Miss)Erfolge der Branchen in den
seltensten Fällen korrigiert, können aber durchaus
verschärft werden. Die Verschiebung der quantitativen Relationen
der Währungen, die politökonomische Bilanz einer Nation,
die sich einstellt über das spekulative Geschäft der
Geldhändler mit seinen eigenen Kriterien, schlägt in das
Qualitätsurteil um, ob eine Währung überhaupt etwas
taugt.
Es
ging um eine Rangfolge der Währungen und wie die sich herstellt.
Es ist noch nicht benannt, dass es das Streben der Staaten ist, ihr
Geld als Weltgeld durchzusetzen. Die Schwierigkeit ist, dass das doch
nicht alleine von der nationalen Bilanz des jeweiligen Staates in
seinem Verkehr mit außen abhängt, was sowohl die Waren und
als auch das Geld betrifft, sondern auch davon, wie und in welchen
Quantitäten das Geld – auf dem Weg zum Weltgeld – in den
anderen Ländern gebraucht wird und mit welcher Bewertung es da
versehen wird.
Wenn
man den politökonomischen Inhalt der Bilanzen, die der
Geldhandel den Staaten praktisch präsentiert, anschaut, stellt
sich als erstens heraus, wie die Handelsströme laufen, zweitens
was sich mit dem Reichtum einer Nation anstellen lässt. Beim
Kapitalex- und -import wird immer gleich nach dem Warum gefragt.
Kapitalexport findet einerseits in Länder statt, wo schon
akkumuliert wird, andererseits auch in Länder, in denen keine
Akkumulation aus eigener Reichtumsproduktion stattfindet, ein Ausweis
der Schwäche des importierenden Marktes. Ob der
Kapitalimport dazu führt, dass dieser Status überwunden
wird, ist wieder eine Frage der Konkurrenz und wie sie sich gestaltet
(In China und Indien muss schon sehr viel an ausbeutbarer Masse
zusammenkommen, damit sich da die Relationen auf dem Weltmarkt
verschieben). Was das Geld- und Kreditkapital mit seinem weltweiten
Geschäft bilanziert – und das heißt immer auch, es
stellt es her und präsentiert es den Staaten als ökonomischen
Tatbestand , ist schon die Abrechnung, ob ein Land überhaupt
über Geld, das als Ausgangspunkt und Frucht ordentlicher
nationaler Kapitalverwertung taugt, verfügt. Denn das ist die
Endstation von Kapitalmangel, dass das, was heimische Akkumulation
zustande bringt, in Geld abgerechnet, nichts mehr zählt, sondern
von den Währungen der Kapital exportierenden Nationen lebt, so
dass sie zu Garanten von und Dienstleistern an der
Verwertung eines auswärtigen Geldes werden.
Das
stattfindende Geschäft ist der praktizierte Vergleich,
Hand in Hand gehend mit dem Hin- und Herschieben der Geldströme
und der Herstellung und Ausnutzung der Bewertung der Gelder.
Ausgangspunkt ist jedenfalls, dass ein Land am Rest der Welt
verdient und viele Länder am Rest der Welt verlieren oder es
mangels potentem einheimischen Geldes gar nicht erst zu
Akkumulationspotenzen bringen. Das liegt zunächst daran, dass
das Kapital vergleichsweise klein und untüchtig ist, dann aber
auch im internationalen Vergleich nichts taugt. Das im Geldhandel
(nicht) nachgefragte Geld repräsentiert die
Akkumulationskraft eines Landes, die sich im Wert und in
der Benutzung des Geldes niederschlägt.
Ein
Staat, der damit konfrontiert ist, dass die Akkumulationskraft seiner
nationalen Gesellschaft zu wünschen übrig lässt, hat
das Mittel, den Rest der Welt zu Investitionen bei sich einzuladen –
das ist das heute Übliche. Alle Staaten können mit ihren
Haushaltsmitteln Kapitalakkumulation anstoßen, subventionieren,
Pleiten aufkaufen, Banken ertüchtigen, Zusammenschlüsse
schmieden, zum Beispiel so etwas wie Airbus in Gang bringen. Die
dafür nötigen Haushaltsmittel kommen zum einen aus den
Steuern, die der Ausweis eines erfolgreichen nationalen
Kapitalismus sind. Da dieser Erfolg den Staaten immer zu klein
ausfällt angesichts der internationalen Konkurrenz, die ihre
Anliegen und Vorhaben potenziert, ist noch jeder Staat darauf
gekommen, sich zu verschulden. Er stellt – wie die
Kapitalisten auch – Schuldscheine aus und verwendet sie aktuell als
Zahlungsmittel, obwohl das Geld, auf das sie lauten, noch lange nicht
verdient ist. In den Händen des Staats ist der Kredit aber kein
Anstoß für produktive Arbeit und Aussicht auf Gewinn,
sondern er konsumiert den Kredit – in welcher produktiven Absicht
auch immer. Die Anleihen eines Staates sind also einerseits
bombensicher, da er nicht Pleite macht, solange er kapitalistisch
wirtschaftet, also als Garant seines ganzen ökonomischen Systems
auch für dessen Instrumente, Schulden und Geld, gerade steht
(Ausnahme Argentinien, das sich so seiner Schulden entledigte).
Andererseits sind diese Schulden unproduktiv und nach der Seite hin
nichts wert, als Zahlungsmittel repräsentieren sie nicht
zukünftige Zahlungsfähigkeit; für die Kapitalisten,
die sie besitzen, sind sie aber gleichzeitig sich verwertendes
fiktives Kapital. Jetzt fingieren alle Staaten Kapital, zahlen damit
und schaffen die Grundlage für das, was man Inflation nennt. Sie
schaffen als Kaufmittel tätiges Eigentum in Geldform – sie
verwenden das geliehene Geld als Kaufmittel -, sie vermehren so die
private Zugriffsmacht, die in Geldform ihrer Währung
existiert. Wenn es darauf ankommt, verwandelt die
Nationalbank diese Schulden in Banknoten, also das echte Geld dieser
Gesellschaft und egal, ob in bar oder als Buchungsvorgang – es ist
jedenfalls mehr Zugriffsmacht in Geldform unterwegs als aus
geschaffenem Tauschwert entstanden ist.
Der
Staat bekommt das zu spüren über die Kunst der
Kapitalisten, sich an dieser zusätzlichen Kaufkraft hemmungslos
zu bedienen und so eine allgemeine Teuerung zu bewerkstelligen –
nicht in jedem Produkt, aber das Preisniveau der Nation betreffend.
Das statistische Landesamt rechnet dann nach und stellt fest, dass
‚unser Geld’ schon wieder weniger wert ist; das nennt man dann
Inflation. In der gesamten nationalen Abrechnung heißt das
dann, dass das Geld – nicht gemessen am Ausland, sondern an sich
selbst, gemessen im Zeitverlauf – an Wert verliert.
Dieser
Effekt bleibt den Geldhändlern natürlich nicht verborgen
und wird in ihre Spekulationen mit einbezogen. Für die Staaten
heißt das, dass sie eine Quittung bekommen nicht nur
darüber,
wie sie im Konkurrenzvergleich mit ihrem nationalen Kapitalismus
dastehen, sondern auch eine vergleichsweise Abrechnung darüber,
wie sie mit ihrer Inflationsrate dastehen – nicht jede
Inflationsrate ist schlecht, insofern sie ein um so größeres
Wachstum anleiert. Ein Paradoxon ist es allemal, weil die Steigerung
des nationalen Reichtums mit seiner Wertminderung erkauft ist.
Deswegen kommt es sehr darauf an, dass in diesem Verhältnis ein
Plus herauskommt. Wenn ein betrübliches Minus herauskommt,
schlägt das voll zu Buche im Vergleich, den die Geldhändler
zwischen den Währungen stattfinden lassen, so dass dann der
erbitterte Versuch einer Nation, mit eigenen Schulden einen
Kapitalismus in Gang zu setzen, zwar zu vielen schönen Fabriken
führen kann, aber auch zu dem paradoxen Ergebnis, dass diese
Nation gerade darüber im Weltvergleich geldwerten Reichtum
verliert. Das trägt entscheidend bei zu dem Übergang von
der quantitativen Wertdifferenzierung der verschiedenen Währungen
zur qualitativen (s. dazu auch S.66 o. 67m.).
Insofern
handelt das ganze zweite Kapitel von der immer währenden
Abrechnung zwischen den Staaten, inklusive deren Weiterungen, und
ihrer Schuldenwirtschaft, das Resultat, eine Differenzierung zwischen
Staaten mit und ohne Geld, inbegriffen.
Zusammenhang
von I und II: Wenn es passiert, dass Staaten nur mehr national
wirtschaften mit fremdem und für fremdes Geld und nur mehr eine
Handvoll Staaten das Monopol auf Weltgeld-Qualitäten
ausstreitet, und darin weltweite, beidseitige Abhängigkeiten
entstanden sind, wenn im Ausgangspunkt Geschäftsmittel und
Ergebnis verflochten sind wie da, dann geht das niemals ohne
Gewalt. In jeder ihrer Transaktionen und in jeder noch so
kleinen Export-/Importangelegenheit steckt ein totales
ökonomisches
Abhängigkeitsverhältnis und diese Gewaltinstanzen halten
das von beiden Seiten nur aus, wenn sie sich als Gewalten
dermaßen
imponieren, wie das bislang nur den Amerikanern nach dem 2. Weltkrieg
gelungen ist. Das heißt umgekehrt auch, mit der Weltmacht der
USA steht das auf dem Spiel. Das ist der Übergang vom I. zum II.
Teil, der am Anfang die politische Gewalt in ihrem
Konkurrenzverhältnis jenseits des Kapitalismus abhandelt. Das
Bindeglied zwischen Geschäft und Gewalt, wie sie heute am Platz
ist – Weltmacht, die immerzu mit ihren Kriegen sich als Weltmacht
aufs Spiel setzt – hat seine harte ökonomische Substanz, seine
Grundlage und seine Notwendigkeit in dem elementaren
Abhängigkeitsverhältnis, in dem die heutigen
kapitalistischen Nationen bei ihrem ökonomischen Dauertest
stehen. Subjekte sind alle Staaten gleichermaßen bei ihrem
Kampf um Erhaltung, bzw. Verbesserung ihres jeweiligen Machtstatus.