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Stichwort Integration
Man kann sich´s einfach machen und sagen: Es ist doch klar,
was gemeint ist, wenn das Stichwort Integration fällt: Es geht um die
Ausländer
und um deren Verhältnis zu unserem
Gemeinwesen, das ist nicht, wie es sein sollte (die
nichtintegrierten
Inländer werden zunächst außer acht gelassen). Aber woran fehlt es denn
eigentlich? Zunächst kann man alles Mögliche ausscheiden, woran es
nicht fehlt
und worum es nicht geht. An den elementaren ökonomischen Funktionen des
Mittuns
in der Klassengesellschaft: Arbeiten, Kaufen, Steuern zahlen, Sparen
fehlt es
sicher nicht. Nach der Seite hin funktionieren sie doch. Aber gerade
wenn von
Integration die Rede ist, wird oft an Leute gedacht, bei denen es daran
in
irgendeiner Weise hapert, nicht an erfolgreiche türkische Unternehmer.
(Am
türkischen Unternehmerverband wird das Integrationsproblem nicht
aufgemacht,
aber ob er ein Musterbeispiel für Integration ist, wird dann fraglich,
wenn der
zu Moscheebesuchen aufruft, oder mit schlechten Produkten in den
Verdacht
gerät, doch nicht ganz dazuzugehören.) Das, was man in der
kapitalistischen
Klassengesellschaft Subproletariat nennt, Leute, die aus den üblichen
kapitalistischen Benutzungsverhältnissen rausfallen oder gar nicht erst
reinkommen, rekrutiert sich zu einem großen Teil aus dem zugereisten
Ausländeranteil. Diese Abteilung ist also die erste Adresse der
Forderung,
Integration muss sein. Es ist ein Unterschied festzustellen, dass zur
kapitalistischen Gesellschaft ein Bodensatz von Randständigen, Armen,
Desolaten, vielleicht sogar Verwahrlosten dazugehört (nach Marx 'das
tote
Gewicht der Arbeiterklasse'), denen das Nützlichmachen verwehrt oder
unmöglich
ist, oder mit der Forderung: „Integration muss sein“ an eine Sorte
polit-ökonomischer Ausgrenzung zu denken, die mit dieser sozialen
Bestimmung,
die gehören doch als Bodensatz dazu, nicht zusammenfällt. Dass das
nicht
zusammenfällt, merkt man daran, dass ihnen das Rezept: Sie sollen Geld
verdienen und sich normal einfügen, als Bedingung für Integration
aufgemacht
wird, sich doch einzufügen in das kapitalistische Gemeinwesen. Dass
also diese
Abteilung: Man erfüllt die verlangten Funktionen (die sein müssen,
damit sich
einer integrieren kann und will), nicht dasselbe ist wie Integration.
Dass das
Subproletariat eine Beschäftigung braucht, sogar kriegen soll, ist eine
Sache,
eine ganz andere ist es, wenn so etwas als Bedingung für Integration
angesehen
wird. Dann ist die eben was anderes.
— In der Öffentlichkeit bespricht doch keiner
Integration derart, dass damit ökonomisches Funktionieren gemeint sei.
Die
Ansprüche betreffen das Privatleben der Ausländer, welchen Werten sie
sich
unterzuordnen haben.
Ja, man verfremdet die Frage durch den genannten rationellen
Inhalt: Was braucht's, dass in unserer funktionierenden Gesellschaft
einer
seinen Dienst tut. Man kann den ersten Punkt auch weglassen und gleich
die
Frage aufwerfen: Woran fehlt es denn, wenn Integration abverlangt wird.
Was
meint denn „Integriert sein“ eigentlich?
Über Bedingungen, was nötig ist für Integration, erfährt man
alles Mögliche. Bedingung Nummer eins heißt Deutsch sprechen können.
— Dieses Kriterium erfüllen etliche Leute aus der
deutschen Arbeiterklasse ebenfalls nur unzureichend.
Dieser Hinweis wäre hilfreich, wenn man die Wichtigkeit
dieses Kriteriums relativieren wollte. Die Landessprache verstehen ist
Bedingung für Integration. Dass das Deutsch-Können schon dasselbe ist
wie
Integration behauptet keiner, wenn diese elementare Bedingung genannt
wird. Was
die Leute zu sagen haben, interessiert nicht, aber dass sie es auf
deutsch
sagen, darauf soll es schon ankommen. Bei den meisten Leuten wäre es
doch
besser, man würde sie nicht verstehen.
Neben der einen Bedingung, deutsch reden zu können, kann man
auch die Bedingung arbeitsam und fleißig sein betrachten. Dass jemand,
der kein
Geld verdient, am Rande der Gesellschaft landet, steht außer Frage.
Aber auch
da gilt: Mehr als eine Bedingung für Integration ist auch das nicht.
Da wird also einiges in der pauschalen Betrachtung als
Kriterium für Integration genannt, das selber nicht als Kriterium,
sondern als
Bedingung für Integration gemeint ist. Dann ist das Kriterium für
Integration
offenbar was anderes. Welches ist es denn?
— Diese Unterscheidung zwischen Bedingung und
Kriterium ist mir nicht klar. Alles Angeführte, auch die Religion, kann
man
durchaus auch als Kriterium für’s Integriertsein nennen. Benimmt er
sich wie
Deutsche, ist er auffällig mit seinem Familienleben oder seiner
Sprache? Wenn
das alles aber als Bedingung für gilt und die Integration selbst noch
was
anderes ist, ist das dann, dass diese Maßstäbe nie zur Zufriedenheit zu
erfüllen sind?
Das ist eine funktionalistische Auflösung: Integriert ist
er, wenn man ihn dafür hält. Aber man kann noch mehr Bedingungen
nennen:
Religion, Kleidung. Vielleicht ist Integration ja nicht so viel anderes
als die
Ernennung von lauter Bedingungen zum Kriterium.
Die erste Bestimmung von Integration: Es ist ein
Willensverhältnis, das verlangt wird. Der zu Integrierende muss
affirmativ zu
dem, was hierzulande alles läuft, stehen. Wo ist der Haken, das alles
zu
wollen? Alles, worauf die Bedingungen
und alle Anforderungen abzielen ist: Die sollen zu unserer Gesellschaft
ein
positives Verhältnis einnehmen. Die sollen das alles wirklich wollen.
— Dabei haben sie allen Grund unzufrieden zu sein. Und nicht nur
die.
— Im Gegensatz zu den Einheimischen liegt das positive
Verhältnis zu diesem Staat nicht automatisch vor.
Was den Ausländern fehlt, kann man nicht damit erklären, sie
hätten nicht das, was die Deutschen haben. Was haben denn dann die
Deutschen?
Die affirmative Stellung zu ihrem Staat, dieses Willensverhältnis,
bedarf schon
noch einiger Bestimmungen.
— Die Bestimmung besteht darin, dass
der sich affirmativ zum Staat stellende Mensch auf alle Fälle
abstrahiert von
der Lage, in der er sich befindet.
Das trifft nicht nur auf das Subproletariat zu. Die
Forderung heißt ja nicht, sich einen Begriff von den Verhältnissen, in
denen
man lebt, zu machen, damit man sich dafür begeistert.Das „Argument“ für
eine
affirmative Stellung zu diesem Staat heißt, weil er hier ist,
soll er dafür
sein. Wofür soll er sein? Für alles, wie es hier so zugeht; darauf muss
er sich
einlassen, ob gut oder schlecht. Ein gutes Volk weiß auf die Frage,
warum es
seiner Herrschaft die Treue hält, seinen Realismus als Antwort: Es ist
eben so.
Und es ist überall so. Dieser Realismus: Wenn du hier bist, sei
gefälligst
dafür! Wofür aber? Kein Mensch sagt: Sei für Arbeitslosigkeit, sei
dafür, mit
Hartz IV abgespeist zu werden usw. Man nimmt's in Kauf und wägt es ab
gegen das
Gute (Krankenversicherung z.B.). Man soll dafür sein, aber nicht wegen
der
genauen Gründe. Das Argument für diese Sorte Willensverhältnis liegt in
einer
Sichtweise, in einem Standpunkt zur Realität, die ihnen abverlangt
wird. Als
was soll man denn die Welt betrachten?
— Als die Lebensbedingungen, mit denen man
zurechtkommen und für sich das Beste draus machen will.
Das reicht für Integration nicht aus. Das tun alle, auch die
Nichtintegrierten, die uns ausnutzen wollen (Beckstein). Nicht das
sachlich-pragmatische Verhältnis zu den vorgefundenen Lebensbedingungen
ist
gefragt, sondern Integration schließt das alles ein, verlangt aber noch
mehr.
Und zwar den Standpunkt: Ich gehör dazu. Da wird das gesamte nationale
Ensemble, in dem man lebt, gefasst als große Gemeinschaft,
zusammengehalten
durch eine gemeinsam verfolgte
(natürlich keine bestimmte) Sache, zu der man sich dazugehörig
fühlt.
Als wären die ganzen Lebensverhältnisse eine selbst rausgesuchte, und
so
affirmierte gemeinsame Sache. Man merkt diesen Standpunkt am besten,
wenn einer
als integrierter Mensch Beschwerde führt. Jemand, der permanent
meckert, hat
ein positives affirmatives Verhältnis zu seinen Lebensumständen. Er
unterstellt, eigentlich, wenn es mit rechten Dingen zuginge, wäre die
ganze
Welt für ihn eingerichtet.
Bei einem zu Integrierenden muss man auf das Meckern gar
nicht eingehen. Da wird gleich verlangt: „Verhalte dich positiv dazu.“
Da ist
dann eher zu fragen, wozu und warum man sich positiv stellen soll.
Dieses Warum
und Wozu ist ein und dasselbe, nämlich: Stell dich zu den ganzen
Lebensbedingungen
als zu deiner Gemeinschaft, zu einer Sache, für die du bist, für die du
mit
einstehst.“ Am Schluss dieses zweiten Punktes sollte dann die erste
Person
Plural stehen: „Zähle dich zu uns!“
Es ist etwas ganz anderes, ob ein Bayer oder ein Türke sich
über schlechte Weißwürste beschwert. Der hat hier nicht zu kritisieren,
auch
wenn es aus konstruktiver Gesinnung erfolgt, als erkennbarer
Volksfremder hat
er das zu lassen. Worauf zielt das Vorurteil? Dass man sich erst des
positiven
Willens sicher sein will. Kritik wird unterschiedlich bewertet, je
nachdem ob
sie von einem Einheimischen kommt, bei dem klar ist, dass er zu uns
gehört,
oder ob sie von einem stammt, der im Verdacht steht, nicht
dazuzugehören. Die
Kritik ist dieselbe, auch die Gesinnung, aus der sie kommt, ist
womöglich
dieselbe, aber sie wird unterschiedlich beschieden.
Der Fortgang ist nun, was das für eine Gemeinschaft ist, wie
die sich selbst versteht. Wie wird das vorstellig gemacht? Zum Einen
geht es in
Richtung Werte: „Wir sind als Gemeinschaft einfach gut.“ Diese
Parteilichkeit
steht vor der Frage, warum wir eigentlich so klasse sind. Das
affirmative
Willensverhältnis zu allen Scheißverhältnissen, in denen man lebt, ist
für sich
die Forderung, und deren Inhalt besteht nur in dem Verweis darauf,
dass, wenn
man schon hier lebt, man sich auch entscheiden muss, ob man dazugehört
oder
nicht: „Bist du einer von uns, oder bist du einer von außen?“ Dieses
Innen und
Außen ist das Entscheidende. Was dieses Innen für eine tolle Sache ist,
kommt
im nächsten Kapitel; dann wird es nämlich bebildert und nicht
begründet.
Die erste Bebilderung ist der Verweis auf die
„Wertegemeinschaft“; man bekennt sich als Deutscher zu allem, was auf
der Welt
gut ist. Sonst kommt nichts, oder es folgen Hinweise auf Werte, die
jede Nation
für sich in Anspruch nimmt. National spezifisch ist z.B. ein Goethe:
„Den haben
nur wir.“ Hier kann man beispielsweise den schon beim letzten Mal
angesprochenen Fragebogen zitieren, der diesen Werten einen Inhalt
verleihen
will. Nach der Seite ist Integration eine Gesinnungsfrage, nach den
Überzeugungen, Wertorientierungen, die sich für einen gehören, der bei
uns
dazugehört. Dies verlangt ein Bekenntnis. Wie findet dies statt, wie
soll ein
Ausländer dieses Bekenntnis demonstrieren? Wie beweist man eine
gesinnungsmäßige Festigkeit in der Parteinahme für dieses neue
Vaterland?
Das geht gar nicht. Und wenn es jemand versucht, ist es nur
peinlich.
Diese Abteilung Peinlichkeiten gibt es, z.B. die Döner-Bude
mit der schwarz-rot-goldenen Fahne. Bei allen Demonstrationsversuchen
hat der
Ausländer eine Gratwanderung hinzubekommen, dass er dadurch nicht
auffällt und
sich nicht gerade dadurch verdächtig macht. Das Bekenntnis soll
erkennbar sein
an allen Lebensgewohnheiten, denen der Mensch so nachkommt. Es geht
also, wenn
man einmal den ganzen Blödsinn abgehakt hat, darum, dass dieses
Willensverhältnis erkenntlich wird als in den Lebensgewohnheiten des
Menschen
verinnerlicht – die Verinnerlichung soll sich äußern. Damit ist die
Forderung
aufgestellt, diese Parteinahme, das
Vom-Standpunkt-der-Nation-her-Denken, das
Für-sie-Sein, das Sich-als-Teil-eines-Wir-Begreifen, Dazugehören und
von da aus
die Welt Betrachten, das soll zur durchgängigen Lebensgewohnheit
werden. Das
ist der banale Begriff von Sittlichkeit: Einen Wert, den man
akzeptiert, zum
gewohnheitsmäßig befolgten Leitfaden seiner alltäglichen Lebenspraxis
machen;
im eigenen Stand, im eigenen beruflichen Umfeld, da, wo der liebe Gott
oder
Allah einen hingestellt hat, das alles so ausüben, wie es sich gehört,
also
einen Wert realisieren, eine Norm erfüllen, Vorschriften nachkommen,
ohne sie
weiter groß zu befragen, alldieweil sie für einen selber gelten, und
das in der
ganzen Lebensführung wahr werden lassen. Auf das zielt die Integration:
Bloß
will die ja nicht nur, dass sich der Mensch sittlich verhält, sondern
dass er
die nationale Sittlichkeit auch erkennbar bekennt. Das ist die Stelle,
an der
die Forderung nach Integration endgültig im Wald verschwindet. Warum?
Das ist
der nächste Punkt.
Einerseits macht ein solches Aufführen den Menschen
ununterscheidbar von allen, die sich genauso aufführen. Andererseits
gibt es in
unserer Gesellschaft eine ganze Hand voll sich durchaus
widersprechender Arten,
sich als guter Deutscher aufzuführen. Es gibt nicht nur einen
Pluralismus von
Lebensstilen; die billigen sich wechselseitig auch nicht einmal, und
alle sind
national. Es sind nicht nur Lebensweisen, die einer hat, sondern
Lebensentwürfe, die sich gehören.
Das Leben ist doch auch eine Klassenfrage.
Klar, welche Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse soll’s
denn überhaupt sein. Wir reden hier von der nationalen
Klassengesellschaft, in
der es unterschiedliche Lebensverhältnisse, Lebensbedingungen und dann
auch auf
diese Lebensbedingungen bezogene Lebensstile gibt. Das ist doch eine
Frage des
Geldes, noch bevor es eine der Gesinnung ist. Integration wischt den
Unterschied von reich oder arm weg und sagt, Gesinnung muss her und
zwar eine,
die, ob mit viel oder wenig Geld, sich zu uns als deutscher
Solidargemeinschaft
bekennt. Es ist verlogen, in einer Klassengesellschaft einen sittlichen
Standard ausfindig machen zu wollen. Die Zumutung an einen Ausländer,
sich die
deutsche Identität zu eigen zu machen, ist eine Absurdität. Alles das,
was man
unter uns Deutschen als zusammengehörige Gegensätze akzeptiert, wo man
sich
doch soweit liberal aufführt, dass jeder den anderen machen lässt, wie
der es
will, oder, was die Grundlage davon ist, alle beobachten einander
sorgfältig
und lassen aneinander kein gutes Haar, also alles, was da so an Kritik
unter
uns ist - und da ist genügend Klassenhass und alles Mögliche in den
absurdesten
Formen von Sozialneid und Gehässigkeiten unterwegs -, das dreht sich in
der
Forderung Integration bei einem Ausländer um. Aus dem Ärger über
verschiedene
Lebensstile wird auf einmal ein Prüfungskriterium.
Im normalen Umgang miteinander wird unterstellt, dass die
anderen doch vom gleichen Schlag sind. Und auf der Basis werden sie
kritisiert,
gehasst, gemocht, für ihre Unsittlichkeit in Grund und Boden verdammt.
Die
Prüfung, die mit Integration angesagt ist, erstreckt sich auf die
private Lebensart,
die Lebensführung, wo „unter uns“ klar ist, dass jeder am anderen
beliebig viel
zu meckern hat. Und ausgerechnet das, wie nämlich jemand privat sein
Leben
führt, soll jetzt Index, praktischer Beleg eines Bekenntnisses sein und
als
solches eine Prüfung bestehen. Das ist unmöglich. Das ist die
Absurdität dieses
Kriteriums.
Die Forderung nach Integration zielt eigentlich auf so was
Konkretes wie, wie führt der Mensch sich in seinem Leben auf und passt
das zu
uns. Je konkreter das wird, je sinnfälliger die gelebte Dazugehörigkeit
sein
soll, um so willkürlicher wird die Unterscheidung, wenn Privatleute sie
treffen. Die Anhaltspunkte dafür sind extrem äußerlich, z. B. welche
Kleidung
gehört zu uns. Da wird die Gesinnungsüberprüfung am Lebensstil entlang
am Ende
zur Modefrage. Die Forderung nach Integration verläuft sich hier also
im
Absurden. Der Witz ist aber, dass es gar nicht Sache des Einzelnen ist,
zu
entscheiden, sondern dies wird vom Staat geregelt. Es ist
Staatsangelegenheit
und damit dem unsicheren moralischen Geschmacksurteil sittentreuer
Bürger
entzogen. Der Ausgangspunkt ist nicht die Aufforderung an die Bürger:
„Mach’
eine Triage, wer hierher gehört und wer nicht.“ Beim Staat ist diese
Prüfung
auf praktische Konsequenzen gemünzt, nämlich darauf, ob einer den Pass
bekommt,
bestenfalls eine Duldung erhält oder wieder rausfliegt. Solche
Konsequenzen
stehen in einer privaten Prüfung nicht an, die gehen dann eher aufs
Verprügeln
mit gelegentlicher Todesfolge. Die staatliche Prüfung macht sich kraft
staatlicher
Willkür ihre Kriterien zurecht. Die erfüllen nie die
Integrationsvorstellungen,
die sich ein Volk so bildet, wenn es einmal von Staats wegen
aufgefordert ist,
Ausländer als Integrationsproblem zu betrachten. Die banale Auflösung
der Frage
nach Integration ist letztlich, ob der Staat ihm einen Pass gibt oder
nicht. Ob
damit die ganze vorangehende Integrationsarie, Bekenntnis zur
Parteilichkeit,
abgehakt ist, ist dann immer noch die Frage.
Übrigens, mit dem Pass ist es, wenn es knallhart zugeht, wenn
ein Staat einen Krieg gegen einen anderen führt, dann auf einmal
überhaupt
nicht getan. Dann internieren die Amerikaner ihre zugereisten Japaner,
und die
Deutschen treiben es am allerwüstesten, indem sie gegen alle
volksfremden
Elemente Krieg führen. Da genügt den Deutschen kein Pass mehr, sondern
der
Ariernachweis ist zu erbringen. Das ist gewissermaßen die
extremistische
Abteilung der Integrationsprüfung, an die man im Artikel erinnern
kann. Der Staat entscheidet: Gehört einer dazu oder nicht. Aber das
Volk wird
die ganze Zeit aufgeregt unter dem Gesichtspunkt: Integration muss
sein; und
der Staat selber stellt sich auf den Standpunkt, dass das nicht nur die
Frage
eines Passes, sondern eines Kurses ist. Da macht er dieses
Moment von
Gesinnung und Gesinnungsprüfung dingfest, ebenso in seinen Kriterien:
Nachfrage
beim Verfassungsschutz und ob einer mal bei einer extremistischen
Vereinigung
war (da sieht es dann schon schlecht aus mit dem Pass).
Wenn man die ganzen Argumente durch hat, bleibt noch die
Frage: Warum das alles heute in friedlichen Zeiten, in denen die Parole
ausgegeben wird: Wir brauchen kluge Köpfe aus aller Welt, und wo dauernd vom „globalen Dorf“ die Rede ist?
Wieso macht der Staat diese Prüfungsfrage nicht nur als Ermessensfrage
der
Ausländerbehörde, sondern als öffentliche Angelegenheit auf?
(Dass es
eine ist, war ja der Ausgangspunkt). Wieso kein ‚benign neglect’, also
eine
wohlwollende Vernachlässigung unter dem Motto: Die tun schon ihren
Dienst? Als
es seinerzeit die ersten Cafés „Dolomiti“ in Deutschland gab und später
massenweise Jugoslawen kamen, hat doch kein Mensch Integration
gefordert – so
geht es doch auch, aber heute offensichtlich nicht mehr. Damals gab es
den
Spruch: „Wir haben Arbeitskräfte gesucht und Menschen sind gekommen“,
man
entdeckte also am Fremden den Menschen und das ist etwas ganz anderes
als
jetzt, wo man an den Leuten, die hier leben, quasi den Fremden neu
entdeckt.
Als staatliches Problem formuliert: Ausgerechnet an denen entdeckt er
sein
Kontrollproblem über das Subproletariat, dass zu dieser Gesellschaft
immer ein
Teil von Ausrangierten dazugehört. Jetzt hat sich diese Nation große
Teile
ihres Proletariats aus dem Ausland besorgt, und solange die als solches
gebraucht wurden und ihren Dienst getan haben, sind sie niemanden in
die Quere
gekommen und der Staat ihnen auch nicht. Das ändert sich natürlich,
wenn die in
die Abteilung ‚Reservearmee’ fallen und sich nicht so leicht wieder
heimschicken lassen, wie sie herzubekommen waren, als sie benötigt
wurden. Und
dann machen gerade die, die noch am wenigsten Raffinesse ausgebildet
haben im
Umgang mit den sozialstaatlichen Gemeinheiten, als erste die Karriere
von der
Reservearmee zum Lumpenproletariat oder zu Formen der Verwahrlosung und
des
sich Ausgliederns der Überbevölkerung in allen möglichen
Nischenexistenzen.
Diese Notwendigkeit seines Kapitalismus entdeckt der Staat an Figuren,
die er
erst einmal nicht unter die Frage: Wie kontrolliere ich diese soziale
Schicht?,
subsumiert, sondern er entscheidet sich, sie unter der Frage: Sind die
hier bei
mir integriert? Haben die überhaupt die Sitten, die bei uns herrschen,
begriffen?, einzuordnen. Die Sitten, wie ein Lumpenproletariat im
Kapitalismus
über die Runden kommt, beherrschen sie doch. Aber das ist nicht der
Gesichtspunkt
des Staats, sondern, dass es da welche gibt, die aus sozialen Gründen
ein
Kontrollproblem sind, und dieses soziale Kontrollproblem
identifiziert
dieser Staat als Integrationsproblem.
Was für ein Anspruch ist mit der Forderung nach Integration
in die Welt gesetzt, den einer, der dazugehören will, erfüllen muss?
Die
Prüfung, die der Staat jetzt veranstaltet, geht auf Ausgrenzen, das ist
schon
durch den Prüfungsakt selber klar, er könnte es ja auch lassen, wenn er
wollte.
Er könnte mit denen umgehen, wie er mit rechtsradikalen Schlägereien
umgeht: Er
grenzt sie ein, und ansonsten sind sie ihm egal. Jetzt macht er aber
ein
Problem daraus und teilt seinem Volk mit, dass man da auch durchaus ein
nationales Problem hat. Er macht sich ans Ausgrenzen, aber auch nicht
pauschal,
zumal er ja Jugendliche mit einem Migrationshintergrund und irgendeinem
Aufenthaltsstatus hier hat. Das Ganze zielt dann nicht bloß gleich aufs
Rausschmeißen, sondern es hat auch volkserzieherische Elemente an sich,
wie die
Leute sich aufführen sollen. Klar sollen die nützlichen Ausländer
bleiben und
die anderen aussortiert werden; in diese Banalität mündet das ganze
Prüfungs-
und Sortierwesen, aber - getrennt davon - ist immer noch die Frage:
warum
heute?
Der Staat entdeckt an den Ausländern eine Unterklasse, die
ihm zu teuer kommt und die er nicht haben will, die ihm ein
Ordnungsproblem
bereitet. Die Unterklasse von Hartz-IV-Empfängern gibt es natürlich
auch
jenseits der Ausländerfrage, da behandelt er das Hartz-IV-Elend
durchaus als
soziale Frage: in erster Linie Kontrolle und dass die sich nicht zu
viel Geld
abholen, dass sie mit dem wenigen Geld, das sie dann bekommen, auch
auskommen
und sich einigermaßen aufführen. Bei Ausländern wird das alles gleich
übersetzt
in die Frage: Gehören die hierher? Und das verbindet sich mit dem: Wir
haben
hier so viel menschlichen Schrott bei uns – muss das sein?, ein
Loyalitätsanspruch, der durch die Terroristenszene islamistischen
Hintergrunds
geschärft ist. Dass das jetzt zusammen kommt, die Terroristen, die sich
(fast
immer) auf den Islam (der bei uns noch nicht so verankert ist, wie der
Katholizismus, der dazugehört) berufen und der Staat seit dem 9/11
dieses
Schläfer-Problem entdeckt hat, das bewirkt, dass ein Loyalitätsanspruch
an
Zugereiste vor allem aus diesen Ländern so hoch gezogen wird. Beides,
ein
Lumpenproletariat mit Migrationshintergrund und ein
Terrorismusverdacht, der
fast an Kriegsszenarien erinnert, macht die Integrationsfrage heute so
heiß.
— Noch mal zur
Gesinnung. Ich verstehe Gesinnungsfrage und Sittlichkeit so, dass darin
ein
reflektorisches Verhältnis der Menschen enthalten ist. Ich meine, dass
der
Staat bei den Kriterien der Passvergabe damit ringt, von den Leuten
eine
unmittelbare gefühlsmäßige Verbundenheit mit dem Gemeinwesen einfordern
zu
wollen. Das wäre dann auch die Erklärung für die Differenz, die er beim
Subproletariat macht: dass er eine unmittelbare, auf Gefühl beruhende
Loyalität, die er den Inländern unterstellt, bei den Ausländern
prinzipiell
nicht vorfinden kann.
Zum Teil sind diese Überlegungen schon aufgehoben in dem,
was vorher gesagt wurde. Integration ist die Forderung: Begreife dich
als einer
von uns, entwickle eine Wertschätzung dessen, dass du zu uns gehörst,
realisiere das in deiner Lebensführung und mache das dadurch auch
erkennbar. Da
ist die gewohnheitsmäßig verfestigte Gesinnung dann
Verstandestätigkeit, die
sich auch als Gefühl äußert, wenn man es psychologisch einordnen will.
Das
lässt sich dann schlecht als Kriterium geltend machen, aber in dieser
Forderung:
Zähle dich zu uns!, gehört die Gänsehaut beim Abspielen der
Nationalhymne aus
Anlass eines Olympia-Sieges mit dazu. Die lässt sich natürlich ziemlich
schlecht überprüfen, aber in der Ableitung: Was ist eigentlich verlangt
und
woran fehlt es?, ist das ein Zwischenargument. Wenn man das alles hat
und zu
dem Punkt kommt, dass der Staat das Ganze aus der Sphäre des Anspruchs,
der
Unterstellung und des Verdachts herausholen und ein Prüfungsverfahren
mit praktischen
Konsequenzen anstellen will, dann braucht es dafür wieder irgendwelche
objektiven Kriterien, um die Prüfung durchzuziehen. Ob der Staat damit
dann
auch zufrieden ist, kommt drauf an, denn je mehr er auf das Prüfen
abhebt, um
so weniger ist er mit dem Prüfungsergebnis zufrieden. Das hat seine
Logik, weil
das Prüfen anhand objektiver Kriterien immer nur ein Behelf ist für
das, was er
eigentlich will; er will ja Integration und kann immer nur nachprüfen,
ob einer
die Fragen richtig beantworten kann, bzw., ob er sich etwas zuschulden
hat
kommen lassen. Das hat immer etwas Unzureichendes: Je mehr er prüfen
will, umso
weniger kann er mit dem Ergebnis zufrieden sein. Am härtesten wird
überprüft,
wenn er Krieg führt. Das ist der Moment, wo er am heikelsten ist, und
alle
Ausländer am liebsten in ein Guantánamo stecken würde. Je mehr Grund
ein Staat
hat, Integration zu fordern, um so unerfüllbarer wird diese Forderung.
Ob ein Ausländer es (subjektiv) schafft, sich zu
integrieren, ist eine Willensfrage, die millionenfach positiv
beantwortet
worden ist. Vielleicht ist es ja wirklich ein produktiver Beitrag zur
‚Verwahrlosung’
der Sitten in Deutschland, dass man sich daran gewöhnt, dass Frauen mit
Kopftuch auch dazugehören. Je mehr sich so etwas veräußerlicht, um so
mehr wird
es ja auch eine Frage der modischen Willkür. Und die kleine Minderheit,
die
immer noch auf dem Standpunkt steht, dass sie doch mehr der alten
Heimat
verbunden ist, ist auch kein Problem, solange das Hin und Her so
stattfindet.
Solange der Staat sich auf den Standpunkt stellt, dass, solange die
Ausländer
klassengesellschaftlich konform agieren – also arbeiten, kaufen, sparen
und
Steuern zahlen -, ihm alles andere egal ist. Oder ob er sich sogar eine
Deutsch-Vorschule für Migrantenkinder ein paar Millionen kosten lässt,
weil er
das Randständige, was er an denen entdeckt, so nicht mehr zulassen will
– all
das bewegt sich im breiten Rahmen staatlichen Ermessens. Das Prüfen,
dieses
entweder-oder, dient nicht dem Zweck, dann schieben wir sie alle ab,
sondern
das hat auch das Moment: Wir lassen jetzt mal den Verdacht auch wieder
fallen. Diese
Politik betreibt der Staat durchaus auch: Sie in einen Status
reinbugsieren, wo
der Staat den Verdacht: Letztlich sind sie doch ‚Migranten und
Ausländer’, auch
mal wieder fallen lässt. Und das wird an denen festgemacht.
Zur Frage, warum der Staat zur Zeit dieses Unwesen aufmacht,
da gab es die zwei Argumente: wegen der massenhaften sozialen
Deklassierung
(Stichwort Hartz IV) – und wo er bestimmte Ränder seiner Gesellschaft
störend
findet und da die Unterscheidung trifft, soweit es Ausländer sind,
macht er aus
der sozialen Frage eine Integrationsfrage. Und was ihn darin so scharf
macht,
ist das Islamismus- und Terrorismusargument.
— Bei der zweiten Abteilung geht es nicht nur um die
individuelle Überprüfung: Auch islamische Gemeinden sollen integriert
werden
und als soziale Kontrolle in unserem Sinn wirken. Da merkt man, wie der
Staat
Integration durchaus auch positiv meint. Die sollen sich als Beiträger
zur
Loyalität ihrer Anhänger bewähren.
Ein etwas anderes Thema ist, wie weit das staatliche
Überprüfungswesen mit dem Rechtradikalismus zusammenhängt. Inwieweit er
die
Quelle von so etwas ist, das ist die eine Seite. Wie weit das
Überprüfungswesen
als Bremse gemeint ist, wäre noch zu klären. Dieser rechtsradikale
Verdacht:
Die gehören nicht hierher, der Ausländern letztlich nie erspart wird,
hat ja
ein sehr virulentes Subjekt im heutigen Deutschland, nämlich die ganze
rechtsradikale Szene einschließlich dem hessischen Ministerpräsidenten
Koch.
Ein Witz („Frankfurter Rundschau“) grassiert in der rechten Szene: 'Was
passiert,
wenn man Ausländer reinlässt, sieht man an Amerika – die Indianer leben
im
Ghetto. So etwas wollen wir nicht.' Heute liest man in der Zeitung,
dass Koch
eine Grundsatzrede gehalten hat mit dem Tenor: Es wird Zeit, dass wir
wieder
stolz werden auf unser Land und das nicht nur bei der
Weltmeisterschaft. Wir
Deutschen sind immerhin was, jedenfalls mehr als diese Indianer, die
irgendwann
einmal zugrunde gegangen sind. Soviel zum Thema Rechtsradikalismus.
Dieser
Verdacht: Die gehören ja doch nicht zu uns, hat seine Fortsetzung in
die
Hitler’sche Richtung: Wenn sie dann trotzdem da sind, zersetzen sie,
bauen die
Vorstädte mit Moscheen zu, zerstören unsere gewachsene Volkskultur
etc., das
sind alles Bebilderungen der Zersetzungsangst. Das ist die schlüssige
Fortsetzung dieses Verdachts, der umso größer wird, je mehr der Staat
prüft,
des Verdachts nämlich: Die gehören eigentlich nicht hierher, und zwar
deshalb,
weil sie unseren Sittenkodex, unser ‚wir’ nicht teilen, und wer hier
ist und
das nicht teilt, zersetzt dieses ‚wir’ und macht am Ende die, die das
‚wir’
repräsentieren, also die Nation, zur Minderheit, die im Ghetto landet.
Dass der Staat mit seinem Überprüfungswesen diese Sorte
Verdacht, diese Verschärfung von Ausländerhass verursacht, steht außer
Frage.
Das ist nicht mehr die auf Unwissen beruhende Xenophobie vergangener
Zeiten.
Dies Überprüfungs- und Integrationswesen, das objektiv betrachtet die
Quelle
des Ausländerhasses ist, ist umgekehrt aber vom Staat gemeint als Bremse:
Man nimmt denen quasi den Wind aus den Segeln; denn dagegen, dass die
Volksgemeinschaft eine sein und zusammengehören soll, kann und will
kein
Politiker etwas sagen.
— Umgekehrt hat man doch das Recht und den Anspruch als
Deutscher, dass der Staat überprüft, ob die Ausländer auch integriert
sind.
Das weckt der Staat, und zwar auf eine Weise, dass sich eine
Menge Inländer zu der Auffassung berechtigt sehen, dass der Staat das
noch viel
zu wenig macht, was man daran sieht, dass sie ja noch immer
herumlaufen. Dass
der Staat die Ursache der ganzen Aufregung ist, würde natürlich kein
Politiker
zugeben.
— Es ist notwendig, dass die Politiker das als Bekämpfung
der Ausländerfeindschaft auffassen, weil es ja als ihre Lösung der
Ausländerfrage gilt.
Ja, es ist durchaus eine Demo: Wir behalten das im Griff,
auch gegenüber ihrer rechtsradikalen Kundschaft, die zu dem Übergang
neigt:
Wenn schon deutscher Zusammenhalt, dann auch gegen die, die hier noch
herumlaufen. So als würde der Staat im anderen Fall auch ausgerechnet
aus der
rechtsradikalen Ecke Zersetzung seines Volkes fürchten. Dass der
Bundesanwalt
Nehm bei einem rechtsradikalen Überfall gleich den Staatsschutz in
Anschlag
bringt, entspringt der Sorge: Wenn der Patriotismus dermaßen über die
Stränge
schlägt, zersetzt er die nötige Loyalität und staatsbürgerliche
Gesinnung.
Das wäre also der Punkt ‚Ausländerfeindschaft heute’ quasi
als Appendix zum Stichwort Integration: Wie das einheimische Volk auf
den Staat
reagiert, wenn der das Überprüfungswesen so forciert.
Die Gründe vom Staat her, warum der Rechtsradikalismus
gebremst gehört, ist einmal das ganz elementare Verbrechensargument:
Sein
Gewaltmonopol lässt sich der Staat auch von seinen Freunden nicht
wegnehmen.
Das ist die offizielle Scheidung: Der Staat behält sich vor, welcher
Ausländer
hierher gehört und welcher nicht. Das ist noch eine Fortsetzung von
diesem
Gewaltmonopol-Argument: Er will sich von seinem aufgeregten Volk nicht
vorschreiben lassen, wie er die Unterscheidung zwischen nützlichen und
nicht
Hierhergehörigen trifft. Das spitzt sich extrem zu, wenn im Rahmen
dieser WM
erst einmal alle Ausländer, einschließlich Hooligans, wenn sie sich
ordentlich
aufführen, als nützlich gelten – schließlich sollen sie was kaufen.
An die nicht mehr benötigten Inländer ergehen auch
staatliche Forderungen, wie sich so einer in Sachen privater
Lebensführung und
Sittlichkeit zu bewähren hat. Auch da werden in der öffentlichen
Debatte die
Maßstäbe vorgegeben, und es sind dieselben Maßstäbe mit dem schönen
Unterschied, dass beim Ausländer diese Maßstäbe zu Kriterien der
Ausgrenzung
werden. Beim Inländer werden sie zu
Kriterien der Erziehung und des Anstands, den man ihnen einprügeln
muss,
und ebenso bei dem Volksteil, den Jugendlichen mit
Migrationshintergrund, bei
dem der Staat von vornherein auf dem Standpunkt steht: abgeschoben
werden sie
nicht, sei es, weil sie einen deutschen Pass haben, sei es, dass man
sie zu
einer Szene rechnet, die nun mal zu unserem Land gehört. Da wird
Integration
auch zu einer Forderung – immer begleitet von dem Verdacht: letztlich
gelingt
es nicht - aber durchaus auch mit der Perspektive: Die machen wir uns
zurecht.
Aber in erster Linie sind schon die Ausländer gemeint: Wie stehen die
zu
unserem Gemeinwesen? Und wenn dann am Ende auch ausgeflippte
Rechtsradikale
oder sonstiges Lumpenproletariat von Staats wegen unter den Anspruch
subsumiert
wird, dass auch sie eigentlich integriert gehören, dann hat man
dieselben
Kriterien – bis hin zu: Woran erkennt man einen Rechtsradikalen am
deutlichsten? An seiner Schuhmode, so wie man den Islamisten am
Schleier der
Frauen erkennt. Bis dahin geht das: Wir wollen in ihrer Lebensführung
den
Beweis haben, dass sie sich wirklich zu uns rechnen und anständige
Deutsche
sind. Bei den Deutschen ist das kein Ausgrenzungskriterium, sondern bei
denen
ist es die Sorge, wie holt man die zurück. Inzwischen heißt ja die
Sorge: Wir
müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Rechtsradikalismus in der Mitte
unserer
Gesellschaft angekommen ist – was denn auch sonst, wo doch der Staat
die Sache
ins Rollen gebracht hat.
Zu den Gründen, weshalb der Staat mit seinen polizeilichen
Mitteln diese Auswüchse bekämpft: ‚Die Welt zu Gast bei Nazis’, das
geht nun
wirklich nicht – Das Image-Argument steht für das unabdingbare Recht
der
Staatsgewalt, selber zu entscheiden, welche Gesichtspunkte für
Anwesenheit von
Ausländern in Deutschland gerecht und richtig sind und wo ein Verdacht
angebracht ist.
(Nächstes Mal: Zu den Fortentwicklungen in der sozialen Lage
der Republik.)