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Standortpolitik, Globalisierung, Staatenkonkurrenz,

Zunächst eine Frage zum EU-Artikel im GS 3/05.

Zitat auf S. 91: ...Nicht bloß um den Verfassungstext... ab Zeile 33 (2. Abschnitt Mitte)
  - Wie soll mit der Abstimmung die Durchsetzung des „Sozialmodells“ der Grands Nation befördert werden? Wie soll die Abstimmung ein Beweis dafür sein, dass die Krise Frankreichs Wirtschaft überhaupt nicht erschüttern kann?
  - Es gibt doch die Ideologie von 2 gegenüberstehenden Wirtschaftssystemen in Europa, nämlich das angelsächsische und das mehr soziale mitteleuropäische Modell. Damit vertreten die Nationen den Anspruch, in Europa das Sagen zu haben. Mit der Ideologie tritt Frankreich auf und sagt, sie sind dazu da, dem amerikanischen-angelsächsischen Neo-Kapitalismus Einhalt zu gebieten.
Mit dem Votum des Volkes treten sie auch der EU gegenüber: Einerseits ist es eine Botschaft nach innen: Leute stimmt dafür, denn wir sind dafür, weil das ist ein Erfolgsweg Frankreichs. Aus den Nöten und der Konkurrenzsituation Frankreichs soll kein Zweifel am europäischen Weg werden. Andererseits will Frankreich mit dem Volksvotum den anderen EU-Mächten gegenübertreten. Mit der Volksabstimmung soll sicher kein „Sozialmodell“ durchgesetzt werden, aber dass das französische Volk hinter diesem Sozialmodell steht, soll die Abstimmung schon demonstrieren. Der präsentierte Anspruch seitens der Franzosen soll es sein, ein Auftrag, sich innerhalb der EU als Führungsmacht zu zeigen. Der spezielle Anspruch Frankreichs an und mit Europa soll damit machtvoll, weil das Volk geschlossen hinter der Führung steht, ausgedrückt sein. Auch wenn in Deutschland eine Volksabstimmung abgehalten werden sollte, wird das nationale Europaprogramm als der Gehalt dieser Zustimmungsfrage präsentiert.
Auch die Krise steht nicht zur Wahl, sondern Frankreichs Position in Europa. Wenn sich das französische Volk machtvoll hinter Chirac stellt, dann kann das als Stärkung gegen die Krise Frankreichs in Europa genommen werden.
Das erste Argument heißt immer: Die Stimmung muss besser werden. Ein Aufruf zum positiven Denken. An das auf S. 91 Aufgeführte denken die Politiker, wenn sie ihr Volk zu solch einer Abstimmung antreten lassen. Wenn sich das Volk hinter sie stellt, dann gilt Frankreich auch als Macht etwas in Europa. Die Wirkung kann man anzweifeln, aber so denken sie.
Die Alternativen oder Kriterien für die Wähler sind von der Politik vorgegeben (zu S. 88) Mit dieser Abstimmung macht sich ein Kollateralschaden einer nationalen Agitation, einer nationalen Unzufriedenheit mit der Rolle Frankreichs in Europa geltend. Es ist ein Widerspruch, Nationalisten so zu agitieren: Die EU, die neue Verfassung, bedient die nationalen Interessen Frankreichs an Europa nicht; das muss anders werden und deswegen sollen die Leute dafür stimmen, trotz von oben geäußerter Zweifel, ob das Verfassungswerk Frankreichs genügt, weil es notwendig ist, mit der Zustimmung die Rolle Frankreichs zu stärken.
An dem herbeigeführten Ergebnis sieht man, dass es nicht diesen einsinnigen Zusammenhang gibt, Frankreich sei jetzt Opfer der Krise und müsste auf seinen Führungsanspruch verzichten. Das Instrument (der Volksbefragung) hat versagt, die nationale Berechnung ist nicht aufgegangen, was den Anspruch Frankreichs an seiner Führungsrolle in der EU und seinen Änderungsbedarf an der EU nichts wegnimmt.
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Ein paar Argumente zu Standortpolitik, Globalisierung, Staatenkonkurrenz,

aufgezeigt an den beiden Gegenständen Hedge-Fonds-Affären und der Fortsetzungsserie WTO-Konferenz.
Münteferings Kritik, die einerseits als absurd gekennzeichnet wurde, weil gerade die SPD die Bedingungen fürs Finanzkapital gelockert hat, nimmt nichts weg von der Parteinahme fürs Finanzkapital, weil dies erstens der Ausweis ist, dass Kapitalisten der Nation über ausreichend Kredit verfügen, dass mit Kreditgeschäften auch andere laufen, und zweitens weil Staaten bei ihren Wachstumsansprüchen und -anstrengungen das Finanzkapital, die Börse, völlig unkritisch als den Index des Wachstums nehmen. Andererseits ist Müntes Kritik nicht einfach als Unsinn abzutun, sondern darin sind vom nationalen Standpunkt Bedenken geäußert (aus aktuellem Anlass der Übernahmeverhinderung der Londoner Börse). Der kleine (schon besprochene) Fortschritt an Hedge-Fonds: Die stürzen sich auf Unternehmen, dabei wird der Börsengewinn zur waltenden Perspektive, die Finanzmacht zum Mittel und Argument dafür, Unternehmen selbst zu in die Hand zu nehmen, den Börsenwert zu steigern mit nicht neuen Methoden, aber einer Kapitalmacht, die das entsprechende Finanzkapital findet und sich so über die Übernahme von solchen Unternehmungen auch die Rendite einstellt, auf die’s ihnen ankommt. Das ist nicht dasselbe, wenn Unternehmen sich in der Konkurrenz aufstellen, rationalisieren, fusionieren und dabei auf den Börsenwert reflektieren, also auf die Zufriedenheit der Aktionäre, die mitzubestimmen haben über die Konkurrenzstrategien.
Es gibt also manchmal einen Widerspruch zwischen dem Finanzkapital und dem produktiven. Was geht das den Müntefering an?
  - Z.B in der Autoindustrie die langfristigen Kalkulationen mit dem Hybrid-Motor, mit dem sie sich in Zukunft in der Konkurrenz aufstellen wollen gegen den Börsengesichtspunkt für den das Kosten sind, die abgetrennt werden könnten.
Kurz- und langfristig kennzeichnet den Gegensatz nicht richtig, da auch Hedge-Fonds längerfristig an ihre Rendite denken. Wie gesagt: Solche Gegensätze zwischen der Konkurrenzstrategie des Unternehmens, das natürlich auch an den Börsenwert als seiner Kreditgrundlage denkt und den Finanzkapitalisten, die alles radikal und im Zweifel gegen die Unternehmensstrategie vom Standpunkt des Börsenwerts her sehen, gibt’s. Aber was ist der sachliche Gehalt, der Staatsgesichtspunkt an dem Argument: Internationale Hedge-Fonds mit ihren (kurzfristigen) Gewinnkalkulationen machen sich über gute, langfristig kalkulierende deutsche Unternehmen her?
  - Das Miteinander von Finanzkapital und produktivem Kapital zum Wohle der Nation wird durch das Verhalten der Hedge-Fonds gestört. Der Gegensatz zwischen Finanzkapital und produktivem macht sich negativ auf den Standort bemerkbar.
Offenbar gibt es einen staatlichen Standpunkt zu diesen Affären, der sich kritisch äußert als wäre er Parteigänger für die eine Seite. Die Kritik kommt logisch sehr spät. Finanzkapital, Börse, Befreiung des Aktienkapitals, auch Hedge-Fonds gehen in Ordnung. Dann kommt irgendwann im Laufe einer solchen Affäre das Aber. Zunächst: Was schätzen die Politiker denn am Finanzkapital? Erstens beweisen sie sich als Anwälte der Größe von Kapital, das für ausreichend Kredite sorgt, darauf kommt’s heutzutage an. Deshalb sind sie zweitens dafür, dass das Finanzkapital selber wächst. Die Macht des Kredits ist auch eine Frage der Größe des Finanzkapitals.
  - Ist der Heuschrecken-Gesichtspunkt nicht der, dass diese auswärtige sind?
  - Und wenn’s von auswärts kommt: Nützt das dann wirklich dem deutschen Wachstum?
Ein Vorbehalt gegen einen nationalen Dienst solch eines Hedge-Fonds wird vorgetragen. Warum schreiten die Politiker dann nicht ein, wenn sie unzufrieden mit diesen Hedge-Fonds sind?
Staaten kalkulieren mit einem nationalen Standort und einem erfolgreichen Kapital auf diesem Standort. Es geht ihnen nicht um einzelne Hedge-Fonds, sondern um allgemeine Gesichtspunkte und Aktivitäten in Sachen Konkurrenz der Nationen, dabei auch wie das Finanzkapital seinen Beitrag zum nationalen Wachstum leisten kann.
Wie kommt heutzutage nationales Wachstum zustande?
Erstens durch mehr rentable Produktion in Deutschland. Was hier wirtschaftet, ist ein unmittelbarer Beitrag zum Wachstum, d.h. zur unmittelbaren Benutzung und Vermehrung des eigenen Nationalkredits. Beispiel GM: wenn GM ein Opelwerk eröffnet, sagt kein deutscher Staatsmann „Halt“ wg. ausländischem Kapital, sondern es wird genommen als Beitrag zum nationalen Wachstum. Nationales Wachstum schließt automatisch Anlage von internationalem Kapital in Deutschland ein. Standortpolitik zielt auch darauf, sich für solches Kapital attraktiv zu machen.
Zweitens ist das weltweite Agieren deutscher Unternehmen ein Beitrag zum nationalen Wachstum, selbst dann, wenn Unternehmer verstärkt im Ausland arbeiten lassen. Das Wachstum eines deutschen Unternehmers ist grundsätzlich im Interesse der Nation. Einerseits wird deutsches Wachstum in Bewährung und Benutzung des deutschen Nationalkredits gezählt. Andererseits wird nicht nachgerechnet, was dabei raus kommt, wenn ein Kapitalist z.B. in Polen produziert, ob das dann Euros, Slotys oder Dollars sind.. Das Interesse des Staates an internationalem Agieren seiner Kapitalisten ist das Entscheidende, auch wenn nicht immer in Euro abgerechnet und verdient wird. Zusätzlich ist dieser Euro auch internationalisiert, also das Geld und Werk von mehreren Nationen, das in die nationale Wachstumsbilanz eingeht. Wenn sich das Geschäft internationalisiert, ist das auch eine (gewünschte) Erweiterung.
Der nationale Standort soll drittens auswärtiges Finanzkapital attrahieren. Nichts ist schöner, als wenn die ganze Welt am Börsenplatz Frankfurt engagiert ist, was Wachstum des DAX bedeutet und damit der erste Ausweis für nationales Wachstum ist.
Beim Finanzkapital, der Spitze des Wachstums einer Nation, ist die Internationalisierung der Finanzmärkte und der Börsenplätze selbstverständlich. Wachsendes Finanzkapital gilt als Ausweis für den erfolgreichen Umgang mit dem Nationalkredit. Darauf kommt es an, deswegen werden diese Milliarden wie schon erfolgreiches, kapitalistisch lohnend gemachtes fungierendes Kapital verbucht. Bei aller Internationalisierung unterscheidet der Staat auch da zwischen nationaler Wachstumsbilanz und Finanzgeschäften in anderen Währungen, und er unterscheidet danach, wer womit Geschäfte macht, z.B. die Deutsche Bank mit Dollars oder amerikanische Banken mit Euros. Beides soll passieren und beides wird als ein Stück erfolgreiches kapitalistisches Getriebe im Interesse der Nation behandelt und bilanziert.
Also, jedes Stück nationales Wachstum ist also zugleich ein Stück internationalisiertes Kapitalgeschehen.
Größe des Finanzkapitals ist Voraussetzung für erfolgreiches Wachstum. Dann kommt es aber auch auf die Internationalisierung des Finanzkapitals an. Jedes Stück Stiftung von Kapitalgröße ist dann ein Stück Internationalisierung des Geschäfts. Wenn ein Kapitalist an Wachstum denkt, hat er immer gleich die ganze Welt im Blick, jedes Geschäft ist eine globale Affäre.
Es geht jetzt nicht mehr um Münteferings Kritik an irgendeinem Hedge-Fonds, sondern prinzipiell darum, was national ist am Wachstum und was sich wo national bilanzieren lässt. Was liegt dieser Unzufriedenheit zugrunde, oder welches Dilemma spricht sie aus? - Alles verschiedene Fassungen davon, dass es offenbar darum geht, ein längst internationalisiertes Kapital wie ein Stück gelungene oder nicht gelungene nationale Rechnung zu behandeln. An der Affäre Hedge-Fonds kontra produktives Unternehmen soll der nationale Standpunkt angelegt werden, der sich selbst in dieser Affäre gar nicht ohne Weiteres einsinnig festlegen und entscheiden lässt.
Das folgt erstens theoretisch aus den gegebenen Erläuterungen: Wenn jede nationale Affäre immerzu zugleich eine internationale ist, dann ist die verlässliche nationale Zuordnung irgendeines Geschäfts, einer Finanztransaktion gar nicht ohne Weiteres zu entscheiden.
  - Es muss doch eine finanzpraktische Umgangsweise damit geben. Z.B. wird das Wachstum von ausländischem Kapital am Standort übersetzt in eine Erfolgsgeschichte des nationalen Kapitals. Das stelle ich mir als Umgangsweise vor, sonst kann man es überhaupt nicht zählen. Wenn z.B. eine Bank Einlagen in Dollar oder Yen hat, die vermehrt werden, werden diese doch in der Bilanz der Bank in Euro dargestellt. Sonst gibt es doch kein Plus und Minus.
  - Warum sagst du dazu, dass das eine bloße Übersetzung ist. Das ist eine andere Form abstrakten Reichtums.
—    Für den Eigentümer zählt sein Eigentum doch aber in Dollar. Die Schwierigkeit ist, wenn’s heißt, die verschiedenen nationalen Kredite sind internationalisiert in jeder Bank.
Es gibt einfach zwei Weisen zu sagen: Natürlich ist es ein Stück nationaler Ertrag. Der liegt zum einen als ¤-Vermögen auf den deutschen Banken, die hier ihr vermehrtes Euro-Vermögen haben und damit in Deutschland ihre Kreditwirtschaft machen; zweitens liegt dieser Ertrag als Dollars auf der Bundesbank, die refinanziert werden, über den Staat nach Amerika zurückfließen. Es ist ein Stück Beitrag zur nationalen Bilanz in Dollars, die den Kreditrahmen und damit die Kreditmacht des Euro erweitert. Ab wann wird es denn ein Problem, dass der Ertrag zugleich in Dollars vorliegt? Offenbar rechnen die Nationen all das in ihr nationales Wachstum ein und zugleich haben sie Gesichtspunkte und Kriterien, wo sie dann den Standpunkt einnehmen, dass hier ein Problem vorliegt. Jede dieser Rechnungen ist zugleich ein Stück internationalisiertes Kapitalgetriebe; dass und wie es sich bei den Nationen bilanziert, ist gar nicht mehr eindeutig festzumachen oder zu berechnen oder vom Staat zu gewährleisten. Die Rechenweise, wie eine Nation das verbucht und darüber dann das Dilemma feststellt, geht erst mal über die rentablen Arbeitsplätze, also den unmittelbar produzierten Gewinn auf dem nationalen Standort, denn alles, was in Deutschland boomt, ist unmittelbar nationaler Beitrag, aber schon da steckt lauter Internationalisierung drin - vom: Man verkauft auch woanders, bis zu: Man attrahiert auswärtiges Kapital nach Deutschland. Sie sind Parteigänger davon, dass Daimler ein Multi ist und legen dem keine Steine in den Weg, dann haben sie eben auch Rechnungen mit dem Wachsen von Daimler in der ganzen Welt. Wie sie rechnen, merkt man dann, wenn die verschiedenen nationalen Wachstumsgesichtspunkte sich in die Quere kommen, wenn sie darüber feststellen, dass ihre Rechnungen nicht aufgehen. Die Beispiele in der derzeitigen Krise sind alle ganz handfest. Wenn es heißt: Es ist ein Extra-Problem, wenn General Motors qua Opel in Rüsselsheim Tausende von Arbeitsplätzen dichtmacht; dann kommt die Frage auf: Ist hier ein Stück nationales Wachstum kaputtgegangen? Und dies bei einem Kapital, das auf deutschem Boden engagiert war und wo die Frage, ob das Kapital deutsch oder amerikanisch ist, bis vor kurzem keine Rolle gespielt hat; plötzlich wird dies Kapital behandelt wie eines, das man nicht in demselben Sinn zählt und begutachtet wie Daimler. Die Frage ist dabei, wie ernsthaft und wie weit das überhaupt geht, inwieweit es Staatsgesichtspunkt ist. Hat der deutsche Staat auf General Motors überhaupt so einen Einfluss wie auf Daimler mit seinen Standortentscheidungen? Plötzlich gibt es den Gegensatz von hier produzieren oder anderswo produzieren - und das, wo die Staaten eigentlich Fanatiker des ‚überall produzieren’ sind, weil sie davon profitieren und Berechnungen haben, dass es Kapital ist, das sich von diesem Standort aus woanders hin ausbreitet, also auch wieder zurückfließt, damit Kapitalmacht auch in und für diesen Standort produziert.
  -- Es bleibt auch nicht bei der reinen Bilanzierung, sondern der Staat kümmert sich in seinen Regelungen der internationalen Affären auch darum, diese im nationalen Interesse ablaufen zu lassen: Es gibt entsprechende Vorschriften, wie Firmen mit ihren Tochtergesellschaften umzugehen haben, wo sie Gewinne verbuchen und in welchen Schranken sie ihr Kapital herumschieben dürfen - alles zwecks Erhöhung des Beitrags zum nationalen Reichtum.
Genau, also weil das Geschäft so internationalisiert ist - die Staaten sind ja Fanatiker der Größe des Kapitals, Größe heißt zugleich, dass das Kapital globalisiert ist -, muss der Staat sich immerzu bemühen, in diesem Getriebe den nationalen Wachstumsertrag herauszufinden, festzuhalten und zu vergrößern. Darin liegt allerdings ein Widerspruch: Erst alles zu internationalisieren und dann nationale Rechnungen anzustellen und dann, wenn der nationale Reichtum nicht genug wächst, entdecken sie alle die Gegensätze zwischen ihren verschiedenen Abteilungen: Wie fördert man das nationale Wachstum - hier produzieren oder auswärts? Unternehmen fördern oder auf das Finanzkapital setzen? Wachstum des Finanzkapitals ist doch gut, aber wenn es ein Unternehmen, das national unverzichtbar ist, gar nicht fördert? Ist es gut oder schlecht, wenn VW von denen gekauft wird? Ob und inwieweit das gut oder schlecht ist, ist die staatliche Entscheidung und Bilanzierung der Wirkungen, die immer dann kritisch ausfallen und auch so begutachtet werden, wenn Wachstumsgegensätze zum Tragen kommen und das ist nicht erst in der Krise. Es hängt schon sehr davon ab, wie sich Aktionen des Kapitals in der nationalen Bilanz niederschlagen: Wenn Daimler seine Standortentscheidung für Südafrika fällt, dann macht sich das für den deutschen Staat geltend als Abbau von Arbeitsplätzen, als Entzug überhaupt und dann ist das Nationale an Daimler und dass es ein Unternehmen ist, das in Deutschland wirtschaftet, mit der Deutschen Bank liiert ist und von Baden-Württemberg gefördert wird, keine Garantie dafür, dass Daimler auch immerzu die deutsche Bilanz bedient. Das will jetzt nicht heißen, dass das bloß eine theoretische Schwierigkeit ist - wie zähle ich denn was zusammen? - sondern das ist ein praktischer Gegensatz: Lässt sich wachsende Größe und Internationalisierung, die der Staat will und fördert, überhaupt national zurechnen oder wo lässt sie sich zurechnen? Das Wachstum, das Daimler weltweit zustande bringt - und das sich in Deutschland als Steuereinnahmen niederschlägt - und der Stellenabbau sind nicht miteinander kompatibel, aber beides geht durchaus in die nationale Rechnung ein. Es gibt verschiedene Gesichtspunkte des Interesses, des Rechnens von Staaten mit globalisiertem Kapital und die treten immer dann in Gegensatz, wenn Kapital an falscher Stelle oder überhaupt zu wenig wächst.
Um das praktische Dilemma des Staates, der in Krisenzeiten schon genauer sortiert, welchem Kapital er wie unter die Arme greift oder auch nicht, ging es auch bei Münteferings „Heuschrecken“-Kritik; da wurde doch auch die Frage nach dem „was tun“? aufgeworfen und hat eine Lösung gefunden. Die Kritik machte sich ja nicht an einem besonderen Vorfall fest, sondern zur Sprache kamen der Widerspruch der Standortpolitik von Nationen im Verhältnis zum globalisierten Kapital, des nationalen Wachstums unter internationalisierten Kapitalbedingungen und der Freiheit, die die Staaten selber dem internationalen Kapital verschafft haben, weshalb es falsch wäre zu sagen, sie stünden diesem ohnmächtig gegenüber. Der Staat geht mit dem Widerspruch um, den er selbst in die Welt setzt und vorantreibt, wenn er sich dafür stark macht, dass sein Kapital daheim und auswärts erfolgreich ist und sich das Finanzkapital in seinen Banken tummelt. Er kümmert sich um die nationale Bilanzierung dieses Getriebes, leidet an ihr und erfährt die Zuordnung je nach dem als lauter gegensätzliche Gesichtspunkte. Und das passiert nicht nur in der Krise, wenn es kein globales Wachstum mehr gibt, sondern in der alltäglich stattfindenden Konkurrenz ist noch gar nicht ausgemacht, in welchem Maße Nationen an den verschiedenen nationalen Wachstumsecken erfolgreich oder weniger erfolgreich sind. Italien z. B. hat immer ein kapitalistisches Getriebe gehabt, aber jahrzehntelang an den Schranken seines Nationalkredits gelitten und sich laufend gefragt, wie sehr es sich überhaupt leisten kann, seine nationale Wirtschaft zu internationalisieren. Das sind dauernde Konkurrenzfragen, die dann in der Krise offensichtlich werden: Da fangen die Staaten selber an, die Freiheiten danach zu begutachten, und zwar kritisch, wie denn eigentlich der nationale Ertrag aussieht. Zum Beispiel bei der Affäre mit den Hedge-Fonds hat sich der deutsche Staat gefragt, ob das Agieren des von ihm freigesetzten Finanzkapitals nicht das Produzieren auf deutschem Boden stört oder sogar ein nationales und international produzierendes Stück deutsches Kapital zerschlägt - dass es nicht ausschließlich deutsch ist, sondern längst auch in China in die Nationalbilanz eingeht, ändert nichts an dem Standpunkt, dass VW nicht ohne weiteres unter die Entscheidung eines Hedge-Fonds geraten darf, da stoßen also verschiedene Gesichtspunkte aufeinander: Der eine ist, dass VW wichtig ist, die ganze Region Niedersachsen dranhängt, ein politisch betreutes und aus gutem Grund gefördertes und als Sonderverhältnis eingerichtetes Stück nationales Kapital ist. Da würde die Konkurrenzstrategie eines Multis, den sich die deutsche Nation als für sie besonders ertragreich zurechnet, vom Finanzkapital eventuell untergraben. Der andere Gesichtspunkt ist: Will man die Beschränkung der Freiheit des Finanzkapitals, das man doch gerade zum Standort hinlocken will?
Disparat sind die Standpunkte dann und deswegen, weil das Mittelverhältnis von produktivem und Finanzkapital für sich selber schon Gegensätze einschließt und weil deren Rechnungen mit den Nationen und deren Standortkalkulationen sich deswegen auch nie mit dem decken, was die Nation selber an nützlichem Zusammenspiel zwischen diesen Abteilungen mit ihren Standortentscheidungen produzieren will. Ihrerseits widersprüchliche Auflösungen dieses Gegensatzes gibt es schon; Nationalpolitiker haben in Sachen deutscher Standort und Beschäftigung eine sehr einsinnige Auflösung, nämlich, dass man um so mehr tun müsse, damit das Geschäft auf dem nationalen Standort vorangebracht, verteidigt und erhalten wird. Sie werden also zu Parteigängern dieser Abteilung kapitalistisches Getriebe und sagen: Gerade wenn nicht so ohne weiteres Kapital- und Standortentscheidungen mit Benutzung des deutschen Standorts zusammenfallen, muss man bei Entlassungen sorgfältig bilanzieren, ob das nicht ein Abzug für die Nation ist, dann muss man auch alles dafür tun, dass Entlassungen lohnend gemacht (nicht etwa vermieden) werden und dass möglichst viel von dem lohnenden Geschäft auf dem nationalen Standort stattfindet. Andererseits: Bei dem Aufkauf der Frankfurter Börse durch einen internationalen Hedge-Fonds wurde die Entscheidung zugunsten der Freiheit des Finanzkapitals gefällt, indem dieser Aufkauf zugelassen wurde. Aber das heißt noch lange nicht, dass sich der deutsche Staat dem gegenüber gleichgültig verhält, dass VW aufgekauft werden könnte, weshalb er die Fusion deutscher Kapitalisten - Einstieg von Porsche - gutgeheißen und deren Abwehrstrategie unterstützt hat.
  - Der Staat ist also darauf aus, einzugreifen, fällt Entscheidungen, bloß sind diese so eindeutig gar nicht zu treffen. Andersherum, wenn dem Staat klar ist, dass etwas absolut schädlich ist und es keine positive Rechnung mehr gibt, dann ist ein Einzelfall zum Material geworden für eine Generaleinschätzung des offensichtlich mangelnden nationalen Wachstums überhaupt. Wenn es also anfängt, dass Politiker offiziell ‚national’ und ‚international’ alternativ auseinander sortieren, dann geht das von einem Maßstab aus, in dem es offensichtlich nicht mehr um die Sicherheit des Wachstums des nationalen Standorts, sondern eher Rettung des nationalen Standorts geht. So ist es ja auch kein Zufall, dass in Krisenzeiten alle Politik wieder schwer den nationalen Standpunkt rauskehrt. Das Müntefering’sche „Heuschrecken“-Argument hat durchaus neben der Dokumentation: dem Staat ist die Gefährdung einer nationalen Grundlagenindustrie durch diesen Hedge-Fonds nicht recht, seinen Übergang in die zusätzlich politisch gemeinte Affäre gehabt, mittels der Bedienung einer nationalen Stimmungslage so etwas wie soziale Stimmung für die SPD zu machen.
Richtig und in diesem Fall sogar in erster Linie. Jetzt ging es darum, zu klären, was da überhaupt an sachlicher Unzufriedenheit zugrunde liegt. Die geht in eine völlig andere Richtung als das, was mit dem „Heuschrecken“-Vorwurf so plakativ in die Welt gesetzt worden ist und ja auch bei: „Vorsicht vor zu viel Kritik am Finanzkapital“ landet, das war doch da die Auflösung.
Noch mal zum Ausgangspunkt: Das nationale Wachstum wird immerzu daraufhin begutachtet, wie sehr sich das Kapitalgetriebe niederschlägt in nationalem Geld, im Beschäftigungswesen, im Produzieren auf dem Standort und in der Abteilung Finanzkapital und beinhaltet, weil es der Standpunkt der Sortierung dieses Geschäfts ist, sofort immer auch die Frage nach dem Einfluss des Staates auf das Kapital bei den Standortentscheidungen, die das, worauf es ihm ankommt, herstellen können und sollen, gemäß dem staatlichen Fanatismus: Wenn es schon darum geht, ein internationales Geschäft immerzu auf die Nation zu ziehen, für sie ertragreich zu machen, dann kommt es auch mehr denn je darauf an, den Globalisierungsgegnern mit ihrem Argument von der Ohnmacht des Staates nicht recht zu geben. Im Gegenteil, es kommt gerade darauf an, die Freiheit, die man da gestiftet hat, für die Nation zu nutzen, mit Standortentscheidungen etwas herzustellen, die Übereinstimmung von Kapitalentscheidungen und nationalem Interesse hinzubringen; und angesichts der fortschreitenden Internationalisierung des Kapitals geschehen nationale Standortentscheidungen immer auch im Hinblick auf Einflussnahme auf und Beziehung zu anderen Staaten. Übrigens kann man von einer gewissen Ohnmacht der Staaten reden, wenn man sie richtig kennzeichnet: Deren Werk ist überhaupt die Freisetzung von Kapital, deren Werk ist deshalb auch die nationale Zuordnung, deren Ohnmacht ist deswegen auch eine der Wirkungen und deswegen bleibt es nicht bei der Ohnmacht, sondern es gibt - dies als Überleitung zur WTO - ein ständiges Eingreifen der Staaten, ein ständiges Ringen um Einflussnahme auf andere Staaten, um die für diese nationalen Rechnungen passenden Bedingungen des internationalen Verkehrs herzustellen. Die Staaten versuchen also, Einfluss zu nehmen - Beispiel: Die deutsche Regierung überweist 100 Millionen ¤ aus ihrem eigenen Fonds nach Polen -, zugleich werden Standortentscheidungen kritisiert unter dem Motto: Die gehen nach Polen, statt dass sie bei uns produzieren. Einflussnahme ist also angesagt, erstens beim nationalen Standort - da hat man sowieso viel in der Hand - und zweitens auswärts, und das geht über die WTO. Die Konkurrenz um Erträge mündet also immer in eine um die Bedingungen, die man beansprucht, die man durchzusetzen gewillt ist in Sachen Mehrung der nationalen Erträge.
Einige generelle Gesichtspunkte bezüglich WTO vom Ausgangspunkt der Diskussion her: Inwiefern kommen beim Streit um die Regelung des Weltmarkts die heute diskutierten Gesichtspunkte zur Geltung? Was ist der materielle Gehalt oder Widerspruch dieses Regelungswerks, um das die ständig ringen? Die Internationalisierung des Kapitals, von der vorher schon festgestellt wurde, dass sie eine sehr nationale Konkurrenzaffäre ist, dass da Nationen auch gegeneinander Erträge bilanzieren und die Entscheidungen und internationalen Standortvergleiche des Kapitals nicht immer und automatisch zur Zufriedenheit der Nationen ausfallen, wird doch begleitet durch die Ideologie zur WTO, die da heißt: Je freier der Handel, um so nützlicher für alle. Dabei ist Welthandel eine Konkurrenzveranstaltung von Nationen, also da addiert sich nichts und teilt sich dann für alle auf, sondern es geht um Aneignung des Reichtums, der weltweit produziert wird, darum ringen Nationen, und das ist immer auch ein Stück - und von denen auch so behandelt - Entzug bei den anderen. Die Konkurrenz unter den Nationen, darin am erfolgreichsten zu sein, rechnet mit der Konkurrenz der Kapitalisten und führt zur Konkurrenz der Staaten um die Bedingungen, also auch um Welthandelsregeln. Jetzt streiten sie seit Jahren um Welthandelsregeln, da geht es um die Industriezölle, Agrarsubventionen und man merkt, was in der Welt des Freihandels alles an Protektionismus existiert: Dass die Schweiz z. B. 100% Zölle auf Agrarprodukte hat, dass sie Hähnchen, überm Ablaufdatum nach Afrika schickt und dort verkauft, USA und EU machen es natürlich genauso. Die ganze Welt des Freihandels ist zugleich voller nationaler Vorbehalte und Protektionismen, die vom Standpunkt dieses Ideals vom freien Handel her lauter hinderliche Regelungen enthält, um die jetzt gestritten wird. Und was sind die zwei Seiten dieser Regelungen? In den Zeitungen heißt es doch immer, dass die Negerstaaten furchtbar viel an Agrargütern nach Europa exportieren wollen, die EU will mehr Freiheiten im Dienstleistungswettbewerb, will heißen, sie will mehr Zugriff auf die ganzen Staatsabteilungen, das Bankenwesen anderer Länder haben und meint, das auswärtige Privatisierungswesen sei noch nicht genug vorangeschritten. Die Essentials der jeweiligen Fraktionen werden also aufgezählt und gegeneinandergehalten. Was ist der Gehalt dieser Streitigkeiten? Warum können sie bei allem Streit nicht voneinander lassen? Die Staaten wollen internationale Eroberung als Enteignung anderer Nationen, bzw. Aneignung von deren Reichtum, und mit deren Zustimmung. Die andere Seite dieses imperialistischen Standpunkts ist: Man will den nationalen Kapitalbestand behalten, verteidigen und möglichst vergrößern und was man hat nicht einfach dem Standpunkt unterwerfen, das ist für die Konkurrenz freigegeben, die andern können ihre Geschäfte machen, egal, ob das der Nation nutzt oder nicht. Diese beiden Seiten einer Medaille, die die Staaten gegensätzlich gegeneinander geltend machen, gehen nicht zusammen. Das ist der ganze Kampfgegenstand von WTO-Verhandlungen: Es hinzubringen, nationalen Besitzstand zu verteidigen und zugleich anderen die Zustimmung abzunötigen, dass man bei ihnen was erobern kann.
Das wird von dem Gesichtspunkt her geltend gemacht, was Nationen an erfolgreichen Positionen zu eröffnen und sich zu erobern haben. Dass sich da der Unterschied der Nationen geltend macht, weil das eine Frage der Art und Ausgestaltung der schon existenten Abhängigkeit ist, dass es da die großen Kapitalnationen sind, die mehr oder weniger unter sich um das konkurrieren, was sie den andern abnötigen, dass es deswegen die verschiedenen Gruppen gibt: die Hauptnationen, die sogenannten Schwellenländer und die minderbemittelten, von denen jeder weiß, dass mit den Regelungen über die verfügt wird. Das sind Konsequenzen, die folgen aber draus wie der Stand der Internationalisierung des Kapitals und die Stellung der Nationen schon gediehen ist. Also es ist offenbar für Nationen, und die entscheidenden schon gleich, kein Widerspruch zu sagen: Der Welthandel ist nicht frei genug, aber unser nationaler Bestand kann nicht, soll nicht oder nur zu unsern Bedingungen freigegeben werden.
Die allgemein bekannten Gegensätze werden in der Öffentlichkeit so behandelt, dass man Kompromisse schließen müsse. Dabei geht es um den Widerspruch, nationales Geschäft sichern und ihm zugleich den Weltmarkt öffnen zu wollen, alles vom Standpunkt: Wenn der Erfolg nicht groß genug ausfällt, dann haben wir nicht viel genug erobert; dann müssen wir um so mehr drauf achten, dass überall, wo unsere nationale Macht existent ist, auch der Kapitalertrag und Erfolg gesichert ist und bleibt. Deswegen wird u.a. um den Agrarmarkt so gestritten, obwohl jeder weiß: ‚Das sind bloß 3 % des BSP, da könnte man vielleicht nachgeben’. Wenn Nationen sagen: ‚Das ist ein Stück nationaler Bestand, den haben wir sowieso im Unterschied zu anderen Abteilungen weitgehend unter Staatsregie und Staatsförderung’, dann fällt das nicht unter Peanuts. Nein das ist ein Stück verteidigenswerter nationaler Besitzstand und die Kompromisse, die darüber geschlossen werden, fallen entsprechend aus. Frankreich z. B. will bis 2013 die Subventionen abbauen, und in der verwandelten Form der unmittelbaren Einkommenszuschüsse an Bauern, von denen behauptet wird, dass die nicht handelsverzerrend sind, stehen sie wieder auf. Das rechnet die kritische Öffentlichkeit auch vor, ohne natürlich je den Finger auf den heute verhandelten Widerspruch zu legen, dass es nach zwei Seiten um die Vereinbarmachung von gegensätzlichen Reichtumsstandpunkten von Nationen geht. Das soll im Streit um die Regeln geregelt werden, weil die andere Nation benutzt und zugleich die Benutzung von sich nach eigenen Bedürfnissen geregelt werden soll. Daran hängt der Erfolg der Nationen heute.