Termine | Homepage | Impressum | Zurück
zur Übersicht der Protokolle
jour fixe 13.6.05
Zum Nato-Artikel in GS 2-05 und zum Wahlkampf
- Zum Artikel "Nato heute" (GEGENSTANDPUNKT 2-05)
würde ich gerne wissen, ob noch ein gemeinsames Interesse
der USA und Europa existiert, ob es noch einen gemeinsamen
Weltordnungsstandpunkt
gibt. Denn im Artikel sind unterschiedliche Aussagen darüber.
Der zweite Punkt ist das Europa-Konzept einer multipolaren Weltordnung.
Da habe ich den Eindruck, dass das zu einseitig daherkommt als
es richtet sich gegen die USA. Die Begründung dafür
sind Sätze wie: Eine Stärkung Russlands, Chinas sind
regelrecht erwünscht. Das Konzept hat jedoch nicht alleine
sein Bewenden damit, die USA in ihrem Monopolanspruch zu bremsen.
Das Bremsen würde ich unterschreiben, aber dass eine Stärkung
der aufstrebenden Weltmächte darin enthalten ist, kann man
so nicht sagen, weil die ja einem europäischen Anspruch auf
Weltordnung entgegenstehen würden. Die würden ja auch
wieder den europäischen Anspruch relativieren. Beispielhaft
sind diese beiden abstrakten Punkte daran kenntlich, wie im Artikel
die Auflösung des Waffenembargos gegenüber China besprochen
wird. Bei der China-Politik ist richtig, das Europa China aufwerten
will als eine souveräne, legitime Macht, die eben dann auch
einen Anspruch auf eine adäquate Bewaffnung hat. Nicht richtig
ist, dass das nicht als Bedrohung empfunden wird und dass ein
machtvolles China Europa nicht nur nicht gleichgültig ist,
sondern man ein machtvolles China befürworten würde.
Deshalb ist die Auflösung des Waffenembargos - also die
Unterscheidung
Schröders, dass Waffenembargo nicht Waffenlieferung heißt
- nicht, wie ich es aus dem Artikel herausgelesen, dass das "Ha
Ha" heißt, dass man sagt, wer das Waffenembargo aufhebt,
der will doch auch Waffen liefern. Sondern das ist genau die
Unterscheidung
der Europäer, einerseits zu sagen: aufwerten will man China
schon, aber wirklich eine weltmachtmäßige Bewaffnung
will man ihnen auch von Europa her nicht genehmigen.
Es wird also angezweifelt: 1. Kann man das wirklich behaupten,
wie im Artikel, dass es ein originäres, gemeinsames Interesse
wie in der alten Nato, als deren Grund, gibt es zwischen den immer
noch in der Nato vereinten Mächten nicht mehr gibt. 2. Im
Artikel wird an dem Fall China gezeigt, was in der Nato methodisch
ausgestritten wird, was praktisch entschieden wird an den
Weltordnungsfällen,
die es gibt. Der Einwand war, ob man wirklich sagen kann, dass
Europa an der Aufwertung dieser Macht interessiert ist. Fürchtet
nicht Europa auch das Entstehen einer chinesischen Macht.
- Dass die Klammer der Nato, Feindschaft gegen die SU, weggefallen
ist, ist ein Fakt. Aber die andere Seite, dass weiterhin ein Interesse
an einer Geschäftsordnung existiert - ist das nicht weiterhin
eine Klammer? Es wird ja sogar vom GEGENSTANDPUNKT an einigen
Stellen als Grund und Zweck der Nato gesagt. Auf der anderen Seite
wird aber gesagt, dass es keine gemeinsame Agenda o. Ä. mehr
gibt. Ist das ein Widerspruch?
Natürlich ist das ein Widerspruch, von dem der Artikel auch
handelt; nicht, dass es jetzt heißt: Weg mit der Nato. Das
wäre das eine Extrem. Das andere Extrem wäre: Wenn es
die Nato noch gibt, muss es noch ein originäres Interesse
in dem bisher gültigen Sinne geben. Hier wird gesagt, dass
es etwas Eigentümliches ist, dass um die Nato gestritten
wird; dass es sogar ein Interesse an der Nato gibt, aber
nicht mehr ein gemeinsames, für alle verbindliches, dem sich
dann die konkurrierenden Interessen unterordnen. Sondern das
Verbindende,
das Gemeinsame, das Nato-stiftende, ist verschwunden. Das war
die gemeinsame Feindschaft, unter die sich die Konkurrenz der
unterschiedlichen Mächte, dann auch die Führungsfrage,
die Sortierung der europäischen Mächte mit und unter
Amerika, weil sie davon profitieren, unterordnet. Dass das weggefallen
ist, ist auch den Auseinandersetzungen in der Nato zu entnehmen.
Es liegt zwar eine spezielle Form der Heuchelei vor, weil sich
immer auf Gemeinsamkeiten berufen wird. Aber wenn sie die Gemeinsamkeit
definieren (von Amerika, von Schröder ausgehend, wurde bereits
besprochen, kommt auch im Artikel vor), Korrekturbedarf anmelden,
sind das Ausdrucksweisen, wie sie die Gemeinsamkeit beschwören
und zugleich Dokumente der Unzufriedenheit mit einer Konkurrenz,
die den alten Standpunkt der Nato nicht mehr als Grundlage haben.
Das ist die eine Behauptung des Artikels. Dann musst du sagen,
ob dir das nicht einleuchtet. Die andere Frage ist - die der Artikel
auch beantwortet - was dann der Widerspruch ist: Die Konkurrenz
vom europäischen Standpunkt kommt ohne eine Rücksichtnahme,
ohne eine Rechnung mit der Macht Amerikas nicht aus. Es ist etwas
anderes als zu sagen, sie haben originäre, gemeinsame Interessen,
als das Wissen darum und als die Selbstverständlichkeit,
dass gerade dann, wenn man sich von der Verbindlichkeit amerikanischer
Führung emanzipieren will, dies nicht ohne Rücksicht,
Verständigung, Billigung durch die USA zu haben ist. Das
ist die ganze Abteilung, aus der sich ein weiteres, künftiges,
existentes Interesse an der Nato speist. Das deckt sich aber
überhaupt
nicht mehr komplementär mit dem der USA, die die Nato immer
noch als ein Instrument ihrer jetzt ganz neu definierten Führung
handhaben wollen. Das ist die Argumentation im Artikel. Was kommt
dir daran verkehrt vor? (Bevor wir die China-Frage aufwerfen.)
- Die Formulierung: Beschwörung von Gemeinsamkeit. Ist
das eine Beschwörung von nicht vorhandenen Gemeinsamkeiten
oder ist das eine Beschwörung von Gemeinsamkeiten? Wenn gesagt
wird, dass sie ein Interesse am Fortbestand der Nato haben, sie
aber in gegensätzlicher Weise instrumentalisieren wollen,
finde ich das auch einen Widerspruch. Denn man kann nur das
instrumentalisieren,
wofür es einen Grund gibt, wofür es ein gemeinsames
Interesse gibt.
Um das Erste zu erledigen, einmal ganz langsam: Beschwörung
- von Gemeinsamkeiten. Da vergeht einem schon die Frage, ob es
wirkliche sind. Es ist ein diplomatischer Umgang damit, was aus
dem Artikel eben referiert wurde. Wenn der Zustand so weit wie
beschrieben ist (Existenzgrundlage weg, neue nicht da, aber ein
Interesse, durchaus gegensätzliche Interessen an der Fortsetzung
und der Ausübung von Macht mit diesem Kriegsbündnis),
wird jetzt beobachtbar, wie man den diplomatisch betätigt:
indem man Gemeinsamkeiten beschwört, wann immer ein Feiertag
ist. Dabei die Alternative von wirklichen und unwirklichen aufzumachen,
ist abwegig. Wann beschwört man denn Gemeinsamkeiten - von
Eheleuten bis zu Nato-Partnern?! Man kennt doch das Verfahren,
wenn irgend eine Partei Gemeinsamkeiten beschwört, dann dampft
es doch gerade in dieser Gemeinsamkeit.
- Du sagst das so einfach ...Wo es in dem Artikel um die
Europäer
geht, heißt es: Auch die Europäer haben im Grunde das
gleiche Interesse an einer gültigen, weltweiten
Geschäftsordnung,
die gewaltmäßig gesichert werden muss.
So steht es sicher nicht im GEGENSTANDPUNKT. Aber vielleicht hilft
das: Konkurrenten haben immer dasselbe Interesse, das das der
Gegenseite ausschließt. Das ist aber nicht das, was in der
alten Nato Gemeinsamkeit war, sondern konkurrierende Interessen
an einer Welt-Geschäftsordnung, an Aufsichtsfragen. Daran
haben Amerika und Europa (heute) ein Interesse. Wenn man die Frage
des Subjektes herauslässt, dann kommt heraus, es wären
gleiche Interessen. Aber wenn sie nicht "gleich" wären,
würden sie nicht konkurrieren. Also ist das kein Gegensatz
zur Konkurrenz, wenn man sagt, dass auch die Europäer eine
Weltgeschäftsordnung wollen, wo sie nicht mehr wie bisher
in einer selbstverständlichen Partnerschaft mit den USA aber
dann unter deren Führung mitentscheiden, sondern wo sie erstens
wissen, dass sie damit in Konkurrenz zu den USA stehen, zweitens
das auch betreiben. Im Artikel stehen auch andere Argumente, dass,
wo und wie die Nato durchaus noch formell wie im alten Sinne
funktioniert,
wo sie ihre Aufträge wahrnimmt. Das ist aber nicht mehr das
verbindende und verbindliche weltordnungsmäßige Szenario
ist, in dem sich quasi alles ein- und unterordnet. Sondern das
sind die Nato-Fälle, in denen sich so etwas wie eine Gemeinsamkeit
der Beaufsichtigung irgendwelcher Krisenherde - noch und aus guten
Grund - herausgestellt hat, weil dort Europa sagt, hier könne
man sich so und so einmischen. Und umgekehrt will Amerika eine
Beteiligung. Aber im alten Sinn, dass die Nato alle
Weltordnungsfälle
und die Form deren gemeinsamer Behandlung definiert, gibt es keine
Nato-Einsätze mehr. Darüber handelt auch ein Teil des
Artikels.
- Der Inhalt dieser Gemeinsamkeit ist dann die Ordnung der
Konkurrenz. Die Alternative wäre deren offene Austragung.
Daran merkt man, dass man nicht von einer Gemeinsamkeit reden
kann, alle seien an einer Weltordnung interessiert. Das ist keine
zutreffende Bezeichnung einer Auseinandersetzung, die gegenwärtig
um eine Weltordnungskompetenz stattfindet, darum, wie man den
Iran definiert, wie man sich zu China stellt. Es gibt schon diese
weiteren Fälle, unabhängig davon, wie die Akteure, die
sich so etwas wie eine Subjektrolle in dem Weltordnen überhaupt
zutrauen, sich zum Irak gestellt haben. Mit der Abstraktion, alle
seien an einer Weltordnung interessiert, trifft man nicht das,
was gerade an Konkurrenz um die Kompetenz dazu stattfindet; um
den Gehalt, die Bedingungen des großen Weltordnens.
- Ich dachte mir das so: Es gibt auf einer ganz abstrakten
Ebene eine Gemeinsamkeit im Interesse an der Benutzung der Welt,
dass sie im Griff ist, dass sie aus dem kapitalistischen Zirkus
nicht herausbricht.
Die gibt es immer in der Weltgeschichte bei den Staaten, die sich
mit Gewalt und Reichtum eine überlegene Position verschafft
haben. Dann sind sie darauf bedacht, die übrigen Staaten
zu kontrollieren, um sie dauerhaft auszunützen. Das hat sich
auch im kapitalistischen Zeitalter nicht geändert. Solche
Kandidaten, die dieses Interesse entwickeln, finden sich heute
in Amerika, in Europa (Russen und Chinesen einmal weggelassen).
Die einfache Fortsetzung: An Ausübung und Kontrolle einer
benutzbaren Staatenwelt ist beiden gelegen, aber sie meinen nicht
in jedem Fall die selbe Art von Kontrolle damit.
- Klar ist, dass sie etwas anderes meinen, wenn sie von "unsere
weltweite Geschäftsordnung" reden.
Eine andere Sorte von Geschäftsordnung, von Kontrolle von
Fall zu Fall. Will der eine bereits auf einen Staat draufschlagen
- davon zeugen die aktuellen Beispiele in dem Artikel - meint
der andere, durch eine erpresserische Kooperation wäre gerade
so gut etwas herauszuholen gewesen - z.B. am Iran. Beides zehrt
vom gleichen Ausgangspunkt: Die Brüder müssen wir im
Griff behalten. Es ist noch nicht klar geworden, worin die
Schwierigkeit
mit diesen Aussagen besteht.
- Im Artikel wurde ausgeführt, dass die Kontrolle von
dem Standpunkt aus betrieben wird: Wie nutzt sie uns am meisten.
Das sind dann die beiden Seiten, dass die Amerikaner bei ihrer
Art von Kontrolle die Europäer unterbuttern wollen.
Auch der alte Artikel über den Irak-Krieg handelt davon.
Denn jeder Schritt zum Krieg, zur faktischen Ausübung von
Kontrolle ist gleichzeitig - ganz höflich gesagt - ein Antrag
an den Konkurrenten, der sich als Weltaufseher gleichgestellt
vorkommt, er möge sich dem anschließen, unterordnen,
zustimmen, auch wenn es nicht ganz in seinem Interesse ist, oder
gerade dann. Davon handelt der Artikel.
- Vielleicht denkt er in die Richtung, dass man in der Nato
das militärische Potential sieht, getrennt davon, wofür
man es nutzen kann. Das ist dann wirklich eine Gemeinsamkeit.
Frag ihn, ob er damit Schwierigkeiten hat! Mir ist klar, dass
dieser Blick auf das militärische Potential pur, dass das
das Instrument zum Kontrollieren ist, wie es aus alten Gründen
(gegen die Russen) einmal mit Beiträgen von jeder Seite geschaffen
wurde, zählt. Jetzt ist die Frage, wozu soll diese,
in lauter militärischen Mitteln vergegenständlichte
Macht verwendet werden.
- Damit nicht, außer, dass das keine Konkurrenz auf
irgendeiner
Augenhöhe ist.
Das ist wieder etwas anderes.
- Der GegenStandpunkt argumentiert von einer Konfrontation
her: Europa will sich emanzipieren. Dauernd stößt es
auf Schwierigkeiten. Vereinfacht denke ich mir das so, dass die
Europäer davon nicht Abstand nehmen, sondern versuchen, durch
Beiträge, Sticheleien, sich eine Teilhabe zu erkaufen.
Warum fängst du damit an, dass sich Europa emanzipieren wollen?
Die USA haben sich doch zuerst von dem Programm verabschiedet.
Darauf reagieren die Europäer.
- Das würde ich unterstreichen. Gerade von daher folgt,
dass Europa von einer defensiven Lage herkommt. Insofern ist es
eine wahnsinnige Übertreibung zu sagen, Europa konkurriert
mit den USA um eine Weltordnung.
Du sagst, von einer Konkurrenz ums Weltordnen, um Einfluss in
der Staatenwelt, um verlässlichen Zugriff auf auswärtigen
Reichtum könnte man nur reden, wenn alle schon gleich gut
sind? Das Konkurrieren um die Weltaufsicht würdest du akzeptieren
können, wenn sie gleich stark wären, "auf gleicher
Augenhöhe"? So aber kannst du von Konkurrenz nichts
sehen, nur von "Sticheleien". Denke mal an das Dritte
Reich, als es Hitler übernommen hat. War der auf gleicher
Augenhöhe mit den andern? Oder hat er gesagt, in fünf
Jahren sind wir es!? Man kann nicht das Argument zurückweisen,
dass um dies und jenes konkurriert wird damit, weil sie unterschiedlich
mächtig sind. Die USA sind angetreten damit, dass sie sagen,
dass ab sofort nach ihren Vorschlägen, Entscheidungen weltgeordnet
wird. "No war on comity (committee?)" war der Spruch,
mit dem klar gestellt wurde, dass nicht gemeinsam beschlossen
wird, was ein Kriegsfall ist. Sondern wenn wir beschließen,
dass einer vorliegt, dann unterscheiden sich die andern daran,
ob sie dazu willens oder nicht willens sind. Dann fordern die
USA von ihren Konkurrenten auf dem gleichen Feld eine Unterordnung.
Umgekehrt, wenn Europa sich gründet, macht Politik, tritt
diplomatisch, auch schon ein wenig militärisch in der Welt
in Erscheinung, will auch auswärtige Konflikte regeln, nach
seinen Berechnungen entscheiden. Dann ist das Emanzipieren
das Programm, es den USA gleichtun zu wollen. Sie wissen doch
genau, dass sie militärisch nicht so mächtig
sind wie die USA, wollen es aber gerade werden. Es ist Unsinn,
dazu zu sagen, es sei also keine echte Konkurrenz. Es streitet
keiner ab, dass sie ihnen im Moment nicht gewachsen sind. Aber
das ist gerade ihr Ärger. Die Sichtweise verlässt dann
auch das Feld des Objektiven, was international getrieben wird,
ökonomisch, diplomatisch und kriegsmäßig. Das
ist wie eine historische Einschätzungsfrage wie "Machen
wir uns doch nichts vor, Fischer und Bush sind nicht auf gleicher
Augenhöhe" - was soll das? Objektiver ist es zu sagen,
Deutschland und Amerika sind sich nicht einig in dieser oder jener
Sache, gehen verschiedene Wege, klopfen sich dabei auf die Finger,
schaden sich, nützen sich und haben auch gemeinsame Interessen.
Dieses Durcheinander wird laufend ausgetragen. Das ist der Inhalt
ihrer Konkurrenz. Dazu sagen, sie seien "bloß"
auf Beteiligung aus - eigentlich muss man es anders herum sehen.
Sie leiden an amerikanischen Vorgaben, an amerikanischem Begehren
nach Beteiligung und an deren Bedingungen. An diese bekannten
Argumente soll erinnert sein. Wenn man dann sagt: Beteiligen wir
uns oder nicht, dann ist das schon eine Konkurrenzfrage. Die wird
einmal so ein andermal anders entschieden und nicht danach, dass
man auf jeden Fall beteiligt sein will, bloß zu besseren
Bedingungen. "Auf jeden Fall" stimmt nicht und die Beteiligung
ist ein Einfallstor dafür, sich darum zu bemühen,
darüber
Handhaben für die Fortschritte der eigenen Konkurrenz
zu erobern. Deswegen stellen sich die Europäer durchaus auch
einmal hin und beteiligen sich nicht. Dafür gibt es aktuelle
Beispiele wie den Iran und China. Um dazu zu kommen: Du sagst,
wenn man ein Waffenembargo gegen China aufhebt, heißt das
noch nicht, dass man China als Großmacht will, sondern die
Europäer müssen China doch auch fürchten. Da fällt
dir das Argument nicht ein, dass Europa gar nicht die Macht hat
zu sagen, wie sie China wollen. Daran sei erinnert: Die Rechnung
mit China sieht anders aus als die Amerikas. Letztere sagen, hier
wächst uns eine Macht, die sich auf keinen Fall uns anbequemt
sondern im Gegenteil stellt sie sich im Pazifik als kommende
Großmacht
auf und dabei sind wir das originäre Subjekt. Wollen wir
das, lassen wir das zu oder bremsen wir das? Die europäische
Position sieht anders aus. Hitler hat auch einen Pakt mit Stalin
geschlossen, bis er ihn mit Krieg überzogen hat, darauf berechnet,
ihn als nicht feindliche Macht brauchen und gebrauchen zu können.
Die dir eingefallene Zukunftsperspektive, dass die Chinesen eine
Macht werden könnten, an der Europa gar kein Interesse haben
kann, ist etwas anderes als die Berechnungen, die sie jetzt mit
China anstellen. Sie rechnen mit einer Weltwirtschaftsgröße
neuer Natur und einer Macht, die durchaus Angebote an Europa
zu machen hat, die selber auf dem Standpunkt steht, dass ihr Weg
auf jeden Fall nicht unter das Weltordnungskonzept der USA fällt.
Das steht auch in dem Artikel, dass die Aufhebung des Waffenembargos
zu einem Zeitpunkt geschieht, wo die USA gerade bekunden, dass
sie chinesische Waffen für eine Bedrohung halten. Insofern
ist es ein zwar symbolischer aber gerade darin weitreichender
Beschluss zu sagen - nicht: "Wir wollen eine Großmacht
China", sondern: "Gegen diese Macht machen wir nicht
mehr den bisher gültigen Vorbehalt geltend." Das ist
etwas anders als dass Europa China zur Großmacht macht.
In der Position sind sie gar nicht, mit und ohne Waffenlieferungen.
China ist kein Land, das davon abhängt, dass Europa ihm Waffen
liefert. Das wissen die Chinesen, die Europäer, also geht
es darum, welche Gemeinsamkeiten, welche Übereinstimmung
von Berechnungen sich treffen. So wird es auch aufgenommen, dass
Europa Berechnungen mit China hat, die quer liegen zu allen
amerikanischen
Vorstellungen zu China, von der Gefahr einer chinesischen
Großmacht
und von den Vorbehalten und Einsprüchen, die Amerika gerade
lanciert. Das sind die Aussagen im Artikel. Beide haben
ein Programm des sich Emanzipierens. Wie weit sich das deckt,
ist dem Beschluss selbst nicht anzusehen, aber von beiden Seiten
aus ist in Bezug auf einen problematischen Dritten, nämlich
Amerika gedacht und gehandelt. Das ist schon daran ersichtlich,
dass die Amerikaner laut Einspruch erhoben haben. Wenn man diesen
Fall auf die Nato zurückbezieht, kann man sehen, dass das
gar nichts mehr zu tun hat mit: Wir lassen uns unsere weltpolitischen
Perspektiven von einer - egal wie weitreichenden Macht- vorgeben.
Das liegt so quer und neben der Nato, dass die USA gesagt haben,
da drohe irgendwann, dass Nato-Waffen gegeneinander stehen, wenn
Europäer den Chinesen Waffen liefern, die dann gegen amerikanische
stehen. Man merkt daran, wie praktisch die Überlegungen sind,
dass die Nato nicht mehr das gemeinsame, verbindendende, alle
weltpolitischen Betrachtungsweisen überwölbende Argument
ist. Hier ist von dem Argument der gebrachte Kritik, Europa habe
ein Bedürfnis nach Gemeinsamkeit, nichts mehr zu sehen. Es
sucht nach Bündnispartnern für seine Konkurrenz.
- Ich könnte mir vorstellen, dass Europa sehr schnell
wieder mit den USA ein Bündnisinteresse gegen China entwickelt.
Warte es ab! Vielleicht kommt es zu einer Taiwan-Krise, bei der
die USA zuschlagen - was ist dann, wenn sich die Europäer
oder wichtige europäische Bündnispartner aus der Nato
distanzieren? Jetzt habe ich gesagt, was ich mir genauso vorstellen
kann.
- Gemeint war damit, dass der europäische Standpunkt nicht
so eindeutig ist, wie es im GEGENSTANDPUNKT steht, dass die Aufhebung
des Waffenembargos ein gemeinsamer strategischer Standpunkt gegen
die USA sei. Sondern in der Unterteilung "Wir heben das Embargo
auf, liefern aber keine Waffen" ist die Reflexion auf China
enthalten, dass es auch nicht das Interesse ist, High-Tech-Waffen
an China zu liefern. Und das nicht nur, weil es eine Beschwichtigung
gegenüber den USA ist.
Es war einmal ein Deal mit einer Hanauer Atomfabrik zwischen
Deutschland
und China im Gespräch und keiner weiß es heute genau,
warum der abgeblasen wurde. (Sicher nicht wegen grüner Plakate)
Die Sorte Beteuerungen, dass man natürlich nicht Morgen oder
Übermorgen den Chinesen unsere feinsten High-Tech-Waffen
in die Hand drücken will, sind haufenweise ergangen. Genauso
ist aufgrund solcher Beteuerungen der gegenteilige Hinweis
herausgekommen,
dass man sich gar nicht so viel einbilden braucht, dass die Chinesen
diese Waffen wirklich von den Europäern bräuchten. Sie
machen sie sich schon selbst. Dann kam das Dritte: Es ist nicht
unwichtig, aber "bloß symbolisch". Das ist ein
unglücklicher Ausdruck für die Härte des
Geschäftes,
über die wir gerade reden. Ein Waffenembargo, das die USA
gegenüber einem Land wie China, mit dem man gleichzeitig
Handel betreibt, verhängt, stammt aus früheren Zeiten.
Jetzt geht es um dessen Aufhebung durch die Europäer. Mit
einem Waffenembargo erklärt man einen anderen Staat zu einem
irgendwie lauernden Feind. Auf der höchsten Ebene des
Gewalthaushaltes
wird ein Misstrauen ausgesprochen, dass der rechtzeitig und mit
seinem politischen Willen im Hintergrund immer im Sprung zum Bösen
ist. Wenn dagegen ein Bündnispartner in der Nato, die
Europäer,
sagen, gegenüber den Chinesen soll das nicht mehr sein, ist
diese Einlassung, es sei "bloß symbolisch" (die
einen sagen, man wolle gar nichts liefern; die anderen sagen,
man brauche auch gar nichts liefern, weil der Chinese sich seine
Atombomben selbst mache), danebengegriffen. All das ist in der
Affäre passiert. Die geäußerten Gegenargumente
ordnen sich diesen drei Varianten zu. Dagegen halte ich, dass
man den ganzen Anlauf sieht, der da veranstaltet wird. Die
Europäer
halten dafür, dass China über seinen Gewalthaushalt
so frei entscheidet, wie sie selbst auch. Das ist die Bekundung
einer Beendigung der Feindschaftserklärung.
- Das unterschreibe ich.
Und das soll keine Neuerung sein, die ein Gegensatz zum
amerikanischen
Standpunkt ist?!
Es liegt wohl die Schwierigkeit vor, dass nicht die Argumente
widersprüchlich sind sondern die durch die Europäer
und die Amerikaner eingenommenen Standpunkte. Sie enthalten
Widersprüche
mit der Kennzeichnung, dass die alte Gemeinsamkeit weg ist und
aufgemerkt wird, was jetzt unterwegs ist. Welcher Widerspruch
ist das? Welche neuen Formen von Übereinkünften gibt
es dabei? Wo finden sie statt, wo nicht? Unter welchem Firmenschild
finden sie statt? Welche Form der Konkurrenz spielt sich dabei
ab? Mit den Aussagen will sich die angeführte Kritik am Artikel
nicht begnügen, sondern sie will sie entscheiden, selber
entscheiden, ob Europa nicht doch noch zu Amerika hält, oder
müssen sie nicht doch ganz zur anderen Seite. Das ist aber
nicht die Aussage des Artikels und es ist auch nicht deren
Entscheidung.
Der Kritiker nimmt das so, dass es sehr widersprüchlich sei,
sich von Amerika emanzipieren zu wollen und zugleich laufend darum
zu ringen, dass man erstens die Zustimmung von Amerika bekommt
und sich zweitens Felder sucht, wo man das so betreiben kann,
dass es sich nicht gleich am amerikanischen Einspruch bricht.
China ist ein solcher Fall. Da hat man es nicht gleich mit einer
verbindlichen amerikanischen Vorgabe zu tun, gegen die man aufstehen
muss. Es scheint bei de Kritik der Irrtum vorzuliegen, das müsste
sich zu einer Seite hin auflösen, entweder halten sie weiter
zu Amerika oder sie fallen von ihm ab.
- Nein, umgekehrt kommt es mir so vor als dass die Formulierungen
im GegenStandpunkt es so zuspitzen wollen, als wäre die
Konfrontation
ausweglos. Da wird nicht mehr festgehalten an dem Ausgangspunkt
(Es ist die Frage, ob es der Ausgangspunkt ist.), dass es dieses
gemeinsame Interesse an der Unterordnung der Welt gibt.
Das gibt es nicht, und zwar, weil du herauslässt, wie, was
und wer da kommandiert. Wenn gesagt wird, dass alle eine Weltordnung
wollen, wo sie ihr Geschäft machen können, ist das genau
so keine Gemeinsamkeit wie, wenn man weiß, dass alle Kapitalisten
konkurrieren. Dann sagt man auch nicht, die seien alle an Konkurrenz
interessiert. Die konkurrieren gegeneinander, wollen alle Markt
und Geschäft machen. Dann sind sogar die anderen Markt -
(das hilft überhaupt nichts) sie konkurrieren gegen die.
Ein Irrtum ist es, bei Staaten zu denken, es wäre eine
Gemeinsamkeit,
weil es bei denen um eine Weltordnung geht. Hier wird gesagt,
dass genau dieses Programm (Weltordnen) der Inhalt und der ganze
Grund ihrer Konkurrenz auf der obersten Ebene ist, und keine
verbindende
Gemeinsamkeit. Der Irrtum ist zu denken, wenn Weltordnung gesagt
wird, ist das eine Übereinkunft und nicht der umstrittene
Gegenstand.
- Das Ding Weltordnung kann nicht ein gemeinsamer Zweck sein,
den man verfolgen kann.
Spannend ist daran, sich zu fragen, wie es dazu gekommen ist,
dass man zu dem Konkurrenzwesen unter den potenten Staaten sagt,
denen wäre etwas eigen, nämlich eine schöne Weltordnung.
Das hat seinen Ausgangspunkt in einer historischen Momentaufnahme.
Wenn der Amerikaner "Weltordnung" sagt, ist das bei
ihm gleichbedeutend mit einer Festschreibung seiner
(militärischen)
Überlegenheit. Der will die Welt so ordnen, dass diese
Unanfechtbarkeit
erhalten bleibt. Genau das ist es, was die anderen stört.
Auf den Titel haben sie sich geeinigt. Das selbe Ding hat auch
einmal "Frieden" geheißen (heißt auch heute
manchmal so). Manchmal heißt es auch "Demokratie weltweit".
Immer ist es etwas Höheres.
- Die Weltordnung - das sieht man - nutzt den USA und Europa
gleichermaßen. Jetzt zu sagen, dass sich der Gegensatz nicht
lohnt und deswegen von Europa auch nicht betrieben wird, ist falsch.
Der Versuch der Europäer, gegenüber den Amerikanern
Macht zu gewinnen, geht gar nicht von so einer Nutzen-Kalkulation
aus. Auch die Amerikanische "Weltordnung" ist keine,
die die sich ausgedacht haben als das Beste für ihr Geschäft
in der Welt. Eher umgekehrt riskieren sie für ihre Weltordnung
allerhand Geschäft. Der Irrtum besteht darin, zu denken,
dass die Weltordnung letztlich die sein muss, die dem Kapitalismus
nutzt. Kapitalismus machen doch beide, also muss so etwas herauskommen:
Weltordnung lohnt sich und macht das Geschäft von beiden
Seiten sicher. Tatsächlich ist es genau anders herum.
- Da käme heraus, dass bei aller Konkurrenz unter ihnen
ein gemeinsames Interesse daran existiert, dass auf dem Globus
Kapitalismus sei. So ein Interesse eint sie überhaupt nicht.
Auf der Grundlage konkurrieren sie eben.
- Der Irak-Krieg z.B. ... lohnt sich gar nicht.
Der zugrundeliegende Fehlschluss wurde bereits ausgeführt.
Das sind nun alles Unterpunkte zu diesem Fehlschluss, Demonstrationen
dessen, wie fehlerhaft es wäre zu glauben, dass eine Unterordnung
unter die Nato auch ein dauerhaftes Benutzungsverhältnis
für die Europäer einschließt. Dafür steht
der Hinweis, dass der Beschluss der Amerikaner, da hinten dies
und jenes zu machen, die Welt-Mit-Ordner plötzlich zu
Geschädigten
dieses Vorgehens macht. Sie würden also die Nato-Macht anders
einsetzen, wenn sie das Sagen hätten. Schon ist mitten in
der Organisation selbst die Konkurrenz. Was stört, ist das
Herunterbringen dieser großen Widersprüche der Weltpolitik
auf Tendenz-Aussagen (wie: Ich schätze, die geben nach. Die
können nur am A... der Amerikaner.) Das bringt keine Einsicht
in das, was da läuft.
- Mein Fehler war, dass ich schon davon ausgegangen bin, dass
es so etwas gibt wie ein gemeinsames Interesse an der Herrschaft
von Kapitalismus auf der Welt.
Es ist ein gleiches Interesse, das die alle haben. Die
Schwierigkeit geht fast bist in die Wortwahl. Da darfst du oder
ich oder ein anderer "Gemeinsamkeit" sagen. Aber dann
fängt der Witz an, das muss man wissen: Dass beide dieses
Interesse verfolgen und bisher auch noch durch Zusammenlegen in
einen Topf Gewaltmittel dafür eingesetzt haben, heißt
doch nicht, dass ... Diesen Übergang wollen wir bei dir
anmahnen.
Ein gemeinsames Interesse am Kapitalismus so, wie du es sagst,
gibt es nur, wenn man einen gemeinsamen Feind gegen den Kapitalismus
hat. Ansonsten gibt es das Interesse an Weltmarktbedingungen,
die der eigenen Nation nützen.
Als der Einwand formuliert wurde, musste aufgepasst werden, nicht
zu sagen, dass diese Gleichheit in eine wirkliche Gemeinsamkeit
des Interesses übergegangen ist wegen der Russen. Stattdessen
wurde immer dazu erläutert, die Gegensätze seien (die
es damals auch schon gegeben hat unter den Westlern) dem unterzuordnen,
zurückzustellen. Es ist nicht so, dass die Nato (mit
französischen
Ein- und Austritten, beim Suez-Krieg usw.) nicht ihre Krisen vorher
schon gehabt hätte. Aber immer war alles dem großen
Ziel untergeordnet, dass die Russen weg müssen.
Von dem Standpunkt einer noch vorhandenen Gemeinsamkeit sind dann
die Abhandlungen der aktuellen Fälle als übertrieben
erschienen, etwas anderes hineininterpretiert worden.
Sonst noch Fragen?
Dann stellen wir einige Fragen: Wir als Freunde und Bekannte,
wir als Redakteure vom GS, was machen wir mit dem Wahlkampf? Wie
kritisiert man so etwas? Die Rede ist nicht von Phänomenen,
die zutiefst menschlich wären. (Gemeint sind nicht solche
Argumente wie: Mir hängt es zum Hals heraus! Es ist nicht
so, dass wir in unserer alten und neuen Zeitungen nicht schon
drei Mal gezeigt hätten, welchen wüsten Personenkult
die Demokratie pflegt. Aber den Russen wollen sie keinen zugestehen.
Das kann man natürlich wieder einmal sagen. Dafür ist
man schließlich gebildet, hat "Mein Kampf" und
Adolf Hitler gelesen, um zu sehen, was es damit auf sich gehabt
hat, um eine Zusammenstellung der Argumente aus diesem
Buch herzunehmen und zu sagen, dass die heutzutage normale
demokratische Propagandamasche sind. Das haben wir aber auch schon
an dieser oder jener Stelle probiert. Der Spruch: "Sozial
ist, was Arbeit schafft" ist original Adolf. Der enthält
als Zusammenfassung die Wahrheit über das System: Nichts
mehr davon, wie viel Arbeit, wozu, machen wir es aus, wer bestimmt
es usw., sondern nur Arbeit sans phrases pur, möglichst für
nix.
Hitler hat sowieso gesagt: "Wir müssen das Land auf
die Füße stellen, Versailles hängt uns noch nach
und den Polen werden wir zeigen, was Deutschland für eine
Harke ist." Dann sieht er, dass die Generation vor uns, unsere
Väter, erst einmal zum Arbeitsdienst gekommen sind. Dort
haben sie das Gelände für Autobahnen gerodet usw. und
Hitler hat festgestellt: "Ja gut, das liegt in gewissem Sinn
außerhalb des Wertgesetzes, aber für die Nation ist
es ein Riesennutzen." Die Leute ihrerseits haben nicht einmal
eine Mark pro Stunde bekommen - wie heute ein Euro -, sondern
sie waren zufrieden. Fünfzig Jahre ist der Krieg und die
Gefangenschaft vorbei, und die Leute, die das mitgemacht haben,
erzählen daheim noch am Küchentisch: "Uns war es
recht. Da habe ich nachts in der Kaserne des Arbeitsdienstes zum
ersten Mal ein Butterbrot gehabt." Die haben auch nicht nach
der Lohnhöhe gefragt. Das härteste Argument gegen diesen
Einwand, den ich vernommen habe, war: "Aber doch auch nicht
alle Tage, oder!?" Also will man diese Masche wieder einmal
durchziehen: Im Grund ist das, was die Nation auf dem Feld der
Wirtschaft usw. braucht - das geht übrigens bis zu Heuschrecken
-,..? Die Heuschrecken sind im Grunde das uralte Argument vom
raffenden Kapital im Unterschied zum schaffenden. Ja was schafft
den das schaffende Kapital? Das schafft kein G(eld) - G(eld)',
kein Profit, und das ist sein einziger Beweggrund und Zweck. Nein,
das schaffende Kapital schafft z.B. Arbeitsplätze. Da meint
er, dass Heuschrecken-Kapitel ist so etwas Originäres, eine
neue Erfindung - das ist eindeutig raffendes gegen schaffendes
Kapital, das andere mag er ja. Den interessiert auch überhaupt
nicht, dass das so genannte raffende, das zinstragende Kapital,
Kredit oder das an der Börse spekulierende, was man zumeist
als Finanzkapital zusammenfasst, dass das eine wichtige
Dienstleistungsfunktion
für das schaffende hat, dass ohne das eine Akkumulation gar
nicht zustande kommt. Es fragt ihn ja auch eh keiner danach. Stellt
sich für die Redaktion, ob man darauf hinweisen soll, wie
der Kapitalismus wirklich funktioniert. Dann stellt sich wieder
das Problem, dass für eine solche Erklärung keine Wahl
als Anlass erforderlich ist.
Nächster Punkt zur Verdeutlichung der Problemlage. Wie findet
das Werben statt? Wie steht es mit Vertrauen, dieses beschaffen,
herstellen, wieder herstellen? Eine Mannschaft von Spiegel-Redakteuren
macht für das ZDF einen Dreiteiler, einen Rückblick
auf die Bundesrepublik - man merkt, federführend war die
heutige Problemdefinition. Von Adenauer bis Schröder, über
alle Kanzler hinweg, ein einziger Sündenfall; diese Republik
hat mit ihrem System, Kapitalismus, Wachstum, Wirtschaft usw.
nur unverträgliche Sozialgeschichten aufgelegt; lauter
Sünden.
Gar nicht die Sozis, auch die CDU hat Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall,
dynamische Rente, Sterbegeld beschlossen - alles Dinge, die
unmöglich
sind. Sie gehen doch gar nicht. Wenn sie es dennoch gemacht haben,
dann bloß, um gewählt zu werden, aber der Nation war
das nie und nimmer zuträglich. Jetzt endlich merken sie's
- und das ist das Elend der Regierung Schröder -, dass dies
mit dem Laden hier inkompatibel ist. Jetzt merken sie, dass das
Armutsniveau ungefähr so sein muss wie bei unseren Konkurrenten
anderswo. Soll man dazu etwas sagen? Die einen machen Reformen,
und die anderen sagen, dass sie noch viel mehr machen. Was ist
da los?
Dann kommen die Meinungsforscher und fragen die Leute, wen sie
denn wählen würden. Sagen diese zu 63 %, dass sie diesmal
die Schwarzen wählen würden. Stellen die Meinungsforscher
eine scharfe Fangfrage hinterher: "Glauben Sie, dass die
irgendetwas besser machen, Ihnen etwas Gutes tun?" "Nö."
Die Berichterstattung bricht hier ab, keine Fortsetzung. Das ist
Demokratie at its best. Da wird man langsam hilflos. Wir sind
auch zu jeder Mikroanalyse des ein oder anderen Phänomens
bereit, aber man fragt sich so langsam, ob es hier einen Weg gibt,
um ein für allemal klar zu stellen, dass das die Schweinerei,
der Totalitarismus von Verblödung, Gemeinheit und
Machtausübung
im Namen eines deutschen Kapitalismus und Imperialismus ist. Wie
kann man das an dem Zirkus zeigen? Jetzt kommt noch diese Auflockerung
hinzu, die ursprünglich nur in ein paar Faschisten bestanden
hat, die in einige Landtage gekommen sind. Hat man von denen einen
anderen Textbaustein vernommen als von den Demokraten? Die fangen
genauso an, nur fällt die Parteinahme am Schluss etwas anders
aus. Die sagen: "Der deutsche Arbeiter, der deutsche Arbeitsplatz
usw. ... das deutsche Wachstum hat geschützt zu werden vor
anderen. Vor ausländischen Arbeitern, vor ausländischem
Wachstum" Wer sagt das nicht? Das sagen die Demokraten auch
und: "Dafür müssen wir uns alle einsetzen."
Und die Nazi sagen: "Haargenau, aber dann müsst ihr
Saftsäcke erst einmal weg. Ihr an der Spitze verratet das
Land." Also nur die Textbausteine auf national anders gerichtet,
die Anklage ein bisschen abgewandelt, aber - es sind immer noch
dieselben Bausteine beim Müntefering. Das können die
Nazis schon lange und ziehen sich damit Anfeindungen zu, und aus
gutem Grund keine in Sachen, die ihr Auftreten und ihre Argument
betreffen, sondern nur: "Das sind die ewig Gestrigen. Das
sind Neonazis" Das Etikett ist da das Wichtige. Dann wird
gewarnt: "Achtung! Die haben nicht mehr alle Springerstiefel
und Glatzen." Bloß dann wird es schwierig, wenn sie
sich einen Selbstbinder und einen Anzug anziehen, sind sie ja
kaum noch auseinander zu halten. Also ertönt unter den
demokratischen
Parteien eine Warnung: "Verwechselt sie nicht!" Jetzt
sind die aber so verwechselbar. Wie geht man damit um?
Und jetzt die Neuerung, die Linksabspaltung von der
Sozialdemokratie.
Die gewichten wieder etwas anderes. Die selben Textbausteine,
aber: "So schlimm müsste man sozialerweise den Leuten
hier nicht zusetzen." Die melden sich auch für das Regieren
dieses Landes, ihrer Grundrechnungsarten, ihres Staatshaushaltes
usw. Sie wollen unbedingt die Verwaltung dieses Ladens besser
betrieben haben. Sie sind unzufrieden mit dem, was den Leuten
angetan wird - sagen sie zumindest -, und sagen: "Da ist
es der Weg dazu, etwas abzustellen." Nein, nicht die Systemfrage,
die einem die etablierten Parteien aufmachen, tatsächlich
aufzunehmen. Unter der Systemfrage verstehe ich: "Merkt Ihr
Leute, Ihr seid ein Kostenfaktor, und Euer Wohlergehen ist mit
diesem Laden und seiner Rechnungsweise nicht vereinbar!"
Das ist im Grunde die Systemfrage. Da haben früher gestandene
Revi-Studenten gesagt: "Der Gegensatz von Kapital und Arbeit
ist unerträglich", oder widersprüchlich ... oder:
"... ist der Hauptgegensatz im Unterschied zu den
Nebenwidersprüchen."
Das sagt eigentlich die Regierung jetzt amtlich, und diese linken
Abspalter sagen: "Nein, diese Unvereinbarkeit braucht nicht
zu sein, das Regieren geht auch anders, dafür stehen wir."
Dieses Programm heißt heute "links". Was soll
man da jetzt mit anstellen?
Die setzen "sozial" mit Wachstum gleich. Die sagen:
"Lohn ist doch Kaufkraft." "Der Staat hat Steuerprobleme,
dann muss er das Geld gerechterweise daher nehmen, wo es auch
zu holen ist, und nicht immer nur von da, wo es zwar zu holen
ist, aber dadurch die Leute so getroffen werden. Dann hätte
er auch einen Spielraum für ein Wachstumsprogramm."
Das kommt, wenn sie sich zum Inhalt ihres Programms äußern.
Was ist die Antwort der Etablierten? "Die müssen doch
wissen, dass dies unvereinbar ist. Und heimlich wissen sie es
auch, denn da, wo sie es hätten machen können, haben
sich Lafontaine und Gysi aus dem Staube gemacht. Da, wo sie einmal
an der Macht waren, haben sie gleich gekniffen. Erstens ist das
ihre Gemeinheit und zweitens gestehen sie damit zu, dass sich
so nicht regiert gehört." Dieser gemeine Dialog findet
dann statt.
Nicht, dass ich eine Lanze für Lafontaine brechen will, aber
es ist überhaupt nicht mehr vorstellbar in dieser politischen
Szenerie, dass einer sagt: "Lafontaine hat der Kurs nicht
gepasst, deswegen ist er gegangen." Ob es so war oder nicht,
das ist vollkommen wurscht, aber wer so etwas macht, ist unten
durch. Dass er da eine alternative Überzeugung von deutscher
Finanz-, Wirtschafts- oder Sozialpolitik hat - ob die etwas taugt
sei noch ganz dahingestellt -, wird ihm überhaupt nicht mehr
eingeräumt. Jetzt lautet das neue Argument von den Oberen
der SPD: "Der hat den Bettel hingeworfen." Beim Gysi
ist es wieder ganz einfach, man sagt: "Da steht PDS drauf
und SED ist drin."
- Man hält ihnen vor, sie wollten sich aus der Verantwortung
stehlen.
Und das sagen dieselben, die sie loswerden wollten. Und das geht
auch. Mit dem ist man konfrontiert. Der Westerwelle stellt sich
hin und sagt: "Wer ist die Nation anders als die Wirtschaft."
Das kann man noch bebildern: "Ihr seht doch, es gibt kein
Wachstum wegen Ladenschluss." Das ist alles hier in dem Land
durchgegangen. Das neueste Steckenpferd ist, dass die Gewerkschaften
niedergemacht gehören. So geht's dahin. Jetzt, wo es auf
die Vertrauensfrage im Parlament zugeht, haben die Juristen zu
tun mit der Frage, ob es mit dem damaligen Verfassungsgerichtsurteil
vereinbar ist und ob Köhler unterschreib oder nicht. Womit
man sich alles befassen kann! Soll man dazu Stellung nehmen? Soll
man das erklären?
Nun kommen noch Sabine Christiansen und alle anderen daher, lassen
die beschriebenen Positionen munter aufeinander los, möglichst
unter Vermeidung jeglichen Bezugs aufeinander, und dann werden
Rechnungen angestellt. Jetzt ist man mit noch etwas konfrontiert,
und das ist auch nicht inhaltslos: Alle rechnen. Wenn die einen
vielleicht 8 - 10 % kriegen, dann ziehen sie von der SPD so viel
ab, von den anderen so viel usw., und dann langt es nicht für
eine Koalition von denen mit denen. Dann wird aber das geld-schwarze
Projekt oder das rot-grün-rote usw. hinfällig. Jetzt
wird man mit so etwas auch noch belabert. Das ist heutzutage politische
Sachkunde. Man wird aufgefordert nachzurechnen, was es alles für
Möglichkeiten gibt - dafür hat man doch einen Tipp-Schein.
Der Inhalt lautet: Tatsächlich die Leute noch mit einer
Befürchtung
zu konfrontieren, dass der Segen einer wirklich stabilen Regierung
vielleicht nicht eintritt. Erstens soll es spannend sein, wer
von den Leuten die Macht erhält, wer sie mit wem in welcher
Proportion zu teilen hat und ob die Teilung so glücklich
ist, dass es dann wieder stabil losgeht. Dann sind endgültig
alle sozialen und pseudosozialen Fragen dahin, dann ist bloß
nach das Ränkespiel interessant, wer mit wem koaliert...
Dann kann man allen Ernstes als Fachmann für Politik die
Frage aufwerfen, ob Stoiber ein fähiger Finanz-, Außen-
oder sonst ein Minister wird. Allein an der Zuteilung, dass er
Außen-, Verteidigungs- und Umweltminister, alles und je
nachdem werden könnte, merkt man schon, dass Politik kein
Lehrberuf ist. Dann wird noch die Trommel dafür gerührt,
dass überhaupt die Wahl in einer Hinsicht zu einem Ergebnis
führt, nämlich eine stabile Regierung, damit der Mensch,
der schon sonst nichts in dem Land hat und sozial- und
geldmäßig
getunkt wird, wenigstens eins hat, dass er nämlich weiß,
woran er mit denen in Berlin ist. Es ist offenbar ein Menschrecht,
so etwas zu haben.
Was macht man angesichts des Theaters, das sich noch hinzieht
und alles, was wirklich gespielt wird, überlagert? Jede andere
Frage wird in den Zirkus hineingepackt. Wenn also jemand eine
Idee hat, dazu etwas zu sagen, dann soll er sich rühren.
Anders ausgedrückt, womit der Mensch langsam konfrontiert
ist. Bevor irgendwelche Akzentuierungen und Gewichtungen losgehen,
sagen alle Parteien: Für die Nation braucht es ein Wachstum
und Arbeitsplätze, und für die Leute braucht es
Arbeitsplätze.
Diese drei Dogmen sind untereinander derart verbunden, dass eins
mit dem anderen schwanger geht: Wachstum schafft Arbeitsplätze,
und Arbeitsplätze sind das, was der Mensch braucht, damit
er ok ist. Das sind zwei Gleichheitszeichen zwischen zwei Sachen,
die immerzu, jeden Tag, so oft, wie sie behauptet werden, auch
dementiert werden. Denn, damit Wachstum ist, soll es den Menschen
erst einmal nicht so gut gehen und ihnen wird gekündigt.
Dies, damit sich die Betriebe wieder rentieren. Das wird genauso
oft behauptet wie jeden Tag dementiert. Man bekommt dieser Tage
die Meldung ins Haus, dass die HVB mit der italienischen Unicredit
die größte Bank dieses Typs in Europa wird. Ist ja
schön, da kann man sich freuen, und man soll sich auch freuen.
Aber was muss man hören? Die Angestellten fliegen raus. Soll
man sich also nicht freuen. Was denn nun? So besorgt man Wachstum
und Rentabilität im Bankensektor, wie es am Schluss ausgeht,
weiß man nicht. Die Falschheit, die Nichtidentität,
dass dies etwas bringt für die Nation und die Leute in ihr,
wird genauso mitgeliefert. Das Traurige ist, dass dabei niemand
ausrastet; es trifft eigentlich bloß noch die letzten Horte
der Vernunft. Die anderen sagen: "Ist so." Keiner dieser
Maßstäbe: Wachstum, Arbeitsplätze, Wohlstand,
wird angegriffen. Keiner sagt einmal: "Das ist eure Grundlüge.",
vielleicht mit dem Zusatz: "Und ihr gebt es auch jeden Augenblick
wieder zu. Ihr meint ja mit dieser Gleichsetzung etwas anderes,
nämlich die Forderung nach Unterordnung unter die Gebote
des Wachstums." Jetzt im Wahlkampf ist diese Lüge die
eigentliche programmatische Aussage, wenn man nicht die zweite
Hälfte auch programmatisch nennen will, nämlich: "Stimmt
natürlich kein Wort dran. Wir meinen das so: Die Leute sollen
die Waffeln halten, ärmer werden und damit die
Wachstumsfähigkeit
der Nation befördern." Soll man psychologisch an die
Sache herangehen?
- Die Kritik der SPD-Abweichler in der WASG besteht doch darin
zu sagen: "Der sozialversöhnlerische Standpunkt der
SPD hat sich mit der Politik der SPD erledigt. Alles, was eine
Kritik, eine Besonderheit, eine Alternative der SPD-Politik noch
ausmachen könnte, fällt flach." Ziehen sie aus
dem absehbaren Misserfolg der SPD den Schluss, dass sie dann zumindest
noch das Kaufkraftargument und alte Gewerkschaftsargumente wieder
einführen müssen, damit da wieder mehr Zulauf entsteht?
Das ist doch ihr Vorhaben: Sie sind so etwas wie die SPD vor 20
Jahren. Die Opposition ist sich ja in wesentlichen Punkten total
einig. In dem Kaufkraftargument ist es ja auch enthalten: Die
Leute sollen deshalb mehr verdienen, damit sie damit ein Wachstum
herbeikaufen können. Es ist doch eine andere Betonung. Die
Antwort darauf, wir können kein Billiglohnland wie Thailand
werden, geht doch auch in die Richtung. ... (unverständlich)
- Bei der Sabine Christiansen hieß es, mit einer unsozialen
Politik kann man keine Stimmen gewinnen. Darauf hat von Dohnanyi
gesagt, es wäre eine große Schweinerei, dass man ihre
Politik mit Hartz IV als unsozial bezeichnet, weil sie die sozialste
aller Politiken sei, da sei Arbeit schaffe.
Mit einer Verlängerung noch, dass nämlich der, der das
Gegenteil sagt, uns die Stimmen raubt, die Leute gegen die SPD
aufbringt. Das war seine Kritik an Ottmar Schreiner. Die Linken
in der SPD, die sich den Widerspruch leisten zu sagen, die SPD
verarme das Volk, dass es keiner mehr aushält, und deshalb
in der SPD bleiben, die sind schuld. Dem wirft von Dohnanyi vor,
nicht bloß, dass er Unrecht habe, sondern dass er damit
dem Kanzler die Mehrheit raube.
- Von der Antwort, die die geben, ist es mir schon klar. Auf
Seiten der SPD wird gegen die anderen ein Feindbild gepflegt.
Sie werden ohne jedes Argument nieder gemacht, als Charakterschweine
dargestellt, ohne jeden Stoff.
- Es hat einen Stoff, nämlich den, dass sie die unbezweifelbar
korrekte Politik der Regierung damit torpedieren. Und die korrekte
Politik ist nun einmal, dass die Leute verarmt werden müssen.
- Es stimmt doch schon, dass die nur mit dem Vorwurf des
Verräters
argumentieren. Diese Ebene kündigt doch offensiv den Schein
auf, sich auseinandersetzen zu wollen. Es ist eine Art Personenkult
um den Kanzler und seine Mannschaft, die heißt: "Natürlich
hat die SPD sich als Instrument der Regierung zu bewähren,
und jeder, der da etwas anderes machen will, ist ein Verräter."
Diesen Stellenwert hat es doch. Wenn man eine sachliche Differenz
hat, zieht man über den anderen doch nicht als Charakterschwein
her.
Aber die Frage, so wie ich sie verstanden habe, hat doch erst
einmal darauf gezielt zu definiere, was diese linke Partei will.
Da ist doch zweierlei zu sagen. Erstens sagt die ihrem Gehalt
nach, dass es doch vereinbar ist. Das Soziale ist
wirschaftsmäßig
nützlich. "Wir haben ein Programm, da kommt die Nation
wieder auf die Beine. Und zwar dadurch, dass die Leute in ihr
anders, nämlich sozialer gestellt werden." Dann fällt
ihnen Lohn, Steuer und Staatsinvestitionen ein. Das sind die drei
Hauptpunkte. Beim Lohn mit der Seite: "Muss es denn immerzu
runter gehen?"; zweitens mit dem Argument - sie rechnen zwar
mit dem ‚runter' -: "Es braucht einen Mindestlohn.";
drittens mit dem: "Und wenn der Lohn nicht immer runter geht,
dann nutzt er."; und Viertens: "Überhaupt muss
der Staat mehr an seinen Nutzen denken, damit er für die
Wirtschaft etwas tun kann. Dafür muss er die, die nutzlos
Geld haben, auch besteuern." Das ist das Programm, und womit
vertreten sie es? Mit dem Argument der Chance. Lafontaine sagt
es gleich ad personam: "Wenn ich genug finde, die sich hinter
mich stellen, dass ich gleich als Kraft auftreten kann, dann stelle
ich mich davor, sonst nicht." Was ist das für eine Stellung
zum Programm: Es geht darum, dass Deutschland voran kommt? Er
sagt: "Das kommt nur voran, wenn ich eine solche repräsentative
Kraft bin, dass ich auch etwas bedeute." Das ist anders herum
der Vorwurf an die SPD, dass sie beweise, dass man da als Partei
untergeht; und zweitens: "Das ist die Chance, weil die SPD
untergeht, für diese Position der Vereinbarkeit eine politische
Kraft zu bilden." Dann ist es aber auf einem anderen Gleis,
nämlich dem, wie man diese politische Kraft hinbekommt. Man
befindet sich dann in der üblen Konkurrenz, wie sich zwei
Vereine zusammentun, von denen der eine neulich noch gesagt hat:
"Mit denen, der PDS, der alten SED, wollen wir nie etwas
zu tun haben"; wie tun die sich trotzdem zusammen, weil es
ja jetzt darum geht, eine Kraft zu bilden. Beide Seiten sagen
übrigens in dem, was immer programmatisch heißt: Sozial
ist gleich wirtschaftsnützlich und umgekehrt, was dem staatlichen
Ankurbeln und dem Wachstum nutzt, ist eine soziale Tat, dass sie
dabei gar nicht auseinander liegen. Wo liegen sie denn dann
auseinander?
Das schöne Argument der WASG: "Na ja, die Westwähler
können mit der PDS nichts anfangen." Also können
sie sagen, die PDS sei noch nicht im Westen angekommen. Der Partei
vorzuhalten: "Wir, weil unsere Wähler, haben Ressentiments.
Also tun wir uns schwer." Jetzt tun die sich schwer mit einer
Partei, mit der sie sich unbedingt zusammentun wollen, damit sie
überhaupt selber etwas Größeres werden. Das ist
dann der Zirkus. Man merkt dabei - auch auf die Antwort auf die
Frage, was das Programm von denen ist: Das ist eben das Programm
einer politischen Kraft, die als ihr Mittel, eine politische Kraft
zu sein, die Unzufriedenheit mit den bestehenden Opfern aufgreift
und so interpretiert und uminterpretiert zu einem politischen
Programm, das heißt: "Mann muss mehr für die Vereinbarkeit
von sozial und Wachstum tun." Damit wollen und müssen
sie groß werden, also Wähler und Gewerkschaftler gewinnen.
Man kann ja viel sagen, dass das Gewerkschaftspositionen sind,
aber mit gewerkschaftlichen Kämpfen und gewerkschaftlichen
Auseinandersetzungen hat das nichts zu tun. Es ist gleich der
Ausgangspunkt dabei: Man wird mit gewerkschaftlichen Positionen
in der Republik sowieso nur etwas, wenn man eine politische Kraft
ist, und nicht, wenn man Gewerkschaft organisiert. Man muss ja
nicht gleich Idealist gewerkschaftlicher Kämpfe sein, um
zu sagen, dass diese Linkspartei ein Dokument ist davon, wohin
es die Gewerkschaft und Gewerkschaftspositionen gebracht haben,
wenn man sagt: "Sozialer Friede ist eigentlich das, von dem
wir ausgehen. Einfluss nimmt man über das Wählen, als
politische Partei."
- Das scheint mir der Hauptprogrammpunkt dieser
Wählervereinigung
zu sein, dass man über 5 % kommt. Diese Chance sehen sie
bei der von der SPD geschaffenen Unzufriedenheit. Dann kommt eben
keine Kritik dessen, was die SPD mit ihrer Pauperisierung der
Leute angerichtet hat. Dass jetzt die Stunde ist, in der zwei
Parteien, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben - über
den Antikommunismus ist eine richtige Trennmauer aufgemacht -
sich zusammentun in ein Programm, über dessen Inhalt sie
sich momentan auch noch gar nicht definitiv äußern
können. Sie wollen mutig sein.
- So redet Bisky daher, dass das die Perspektive ist.
Ich wollte nur zum Programm etwas anderes sagen. Die sind sich
doch einig; sie haben ja auch Auskünfte. Das Programm heißt:
Sie müssen eine politische Kraft werden, die den Beweis antritt,
dass sozial und Wachstum unter einen Hut zu bringen sind. Die
Auseinandersetzung zwischen denen, worüber sie sich streiten,
ist der pure Antikommunismus von der einen Seite und andererseits
das: "Wir sind die Partei der Ossis" von der anderen.
"Das verstehen die nicht, wenn wir den Namen streichen. Die
schauen noch nicht einmal, was hinter dem Namen steht." Die
sagen: "Da muss PDS draufstehen, das ist unsere Ossi-Partei."
Dies verteidigt die PDS.
... Ich habe es negativ ausgedrückt: Das ist ein Dokument
über den elenden Zustand des sozialen Friedens, dass an den
niemand rührt, dass die Unzufriedenheit, die Betroffenheit
als politische Alternative, als Opposition organisiert wird. Positiv
muss man dann sagen, dass das dann die soziale Frage heutzutage
ist: "Bringen wir heute mit Gysi und Lafontaine eine Oppositionspartei
zustande, die endlich wieder Fraktionsstärke im Parlament
hat."
- Es heißt zur Position der neuen Gruppierung: Soziales
und Geschäftskalkulationen gehen zusammen. Damit habe ich
das Problem, dass die selber in ihrer Argumentation die Unvereinbarkeit
teilen. Sie sagen selber: "Es ist klar, dass" - so übersetze
ich es selber - "die Lohnsumme in Deutschland nie mehr ausreicht,
um einen Sozialstaat zu finanzieren." Man müsse sich
bei dem Stand der Wirtschaft damit abfinden, dass es
Vollbeschäftigung
nie mehr geben wird, die Löhne seien in einer Weise gesunken,
dass es grundverkehrt wäre, sich vorzustellen, dass es so
etwas wie den alten Sozialstaat noch einmal geben könne.
Es ist geteilt, dass das Kapital die Leute überflüssig
macht, die Löhne senkt usw. Der Übergang heißt
dann an der Stelle: "Man darf den Sozialstaat nicht allein
an die Löhne knüpfen, sondern man muss besserverdienende
Stände, die bisher von der Finanzierung des Sozialstaats
ausgenommen sind, heranziehen."
Und so fort. Ich will nur warnen. Bei der bisherigen Rede sieht
man einmal wieder, wer einmal in dem politischen System das Mitrechnen
anfängt - auf was für ein Ergebnis will er denn sonst
kommen? Ich werde mich hüten, erst mitzurechnen und dann
zu sagen: "Das langt doch für eine Bombenrente",
wenn es doch nicht langt. Das sieht man doch. Also fange ich gar
nicht das Mitrechnen an.
Das Moment von Radikalismus, das denen zugeschrieben wird, erhalten
sie deswegen, weil die andere Seite so radikal ist; weil sie sagen:
"Muss es denn so extrem ausfallen. Das ist dann unsozial.
Zweitens ist es auch schädlich für das Wachstum."
Die denken Wachstum als nationale Größe, wofür
der Staat etwas tun könnte, was er aber bisher nicht tut.
Insofern liegt der letzte Beitrag richtig, dass sie natürlich
keine emphatischen Kämpfer für einen neuen Sozialstaat
sind.
Der letzte Beitrag ist auf einer Stufe vor dem letzten Schluss,
wenn er festhält, dass sie so übertrieben gegen den
Sozialabbau gar nicht sind. Wir sind schon bei dem, dass der Witz
ist, dass sie sagen: "Aber das könnte man sozial gerechter
machen." Nicht so übertrieben, sozial gerechter und
vielleicht sogar noch ein bisschen nützlicher für das
Wachstum der Nation und nicht bloß für die armen Leuten
zuträglicher. Jetzt kommt der Hammer: Denkt der dumme Mensch,
wahrscheinlich von Marx verseucht oder vielleicht bloß mit
gesundem Menschenverstand ausgestattet, die Frage: "Wie arm
sind die Normalos, wie reich und mächtig sind die anderen?"
Weit gefehlt. Das war die Erinnerung an gewerkschaftlichen Kampf.
Man kann sich manchmal um ein paar Prozente bemühen, auch
einmal streiken. Nur, dass ist alles gar nicht auf der Tagesordnung.
Sie gehen von vornherein davon aus, dass, wer über die Frage,
wie viel Armut das Land denn wirklich braucht, mitberaten und
mitentscheiden will, Politiker werden muss. Das kann er nur, wenn
er eine gescheite Fraktion zunächst einmal über 5 %,
möglichst aber schon gleich bei 15 oder 18 % ist. Dann geht
es den Leuten halt um die Schaffung einer neuen Partei. Wo denn
sonst wird über die Verteilung von Ansehen und Geld in der
Republik entschieden, wenn nicht über Politik? Also muss
man in die Politik. Das ist alles so nah dran an diesem saudummen
Gemeinspruch von allen demokratischen Führungsidioten: "Ich
wollte in die Politik, ich wollte die Welt gestalten." Sie
merken gar nicht, dass sie zugeben, dass man sonst überhaupt
nichts zum Gestalten hat, wenn man nicht richtig Macht über
andere ausübt. Das war der gemeinte Übergang. Dieselbe
Problemlage anerkennen und sie gerechter bewältigen, das
ist der werbemäßige inhaltliche Zwischenton, aber der
Entschluss selber ist: Über die Frage des notwendigen Maßes
an Armut, Reichtum und Offenlegung von Einkommen - da merkt man,
wie primitiv alles geworden ist - (mitentscheiden zu wollen,
Ergänzung
durch Protokollant). Was ist denn jetzt besser auf der Welt, wenn
ich erfahre, dass einer 100.000 Euro verdient?
Es ist hier ein Zustand, den man durchaus zur Kenntnis nehmen
sollte, er hat nämlich seine Verlängerung. Was ist dann
das Leiden, was die mit den Leuten haben, mit den depravierten,
mit denen, denen sie gerade den Lohn klauen und denen sie den
Sozialstaat ummodeln? Und zwar alle haben das; die einen als Chance,
die anderen als Schwierigkeit: Funktionieren die als Wähler?
Die einen sagen: "Jetzt ist die Chance, wenn die so verarmt
werden, für unser Programm 10 % zu gewinnen. Dazu müssen
wir uns nur zusammentun." Die anderen reden darüber,
dass diese Menschheit der Politik Probleme macht; so auch gestern
bei S. Christiansen, kaum war irgendein inhaltlicher Ton, sagt
Schreiner auf seine Art: "Alle Leute sind im Elend, deshalb
muss er sein Mandat in seinem Wahlkreis wiedergewinnen."
Der Kanzler sorgt sich, dass er nicht wieder gewählt wird,
die C-ler, ob sie auch wirklich gewählt werden, dass sie
ordentlich regieren können, bis hin zur Frage, welche Koalitionen
es wohl gegen könne. ... die Selbstverständlichkeit,
den Menschen, den man einerseits als Sozialcharakter unter diesen
angeblichen Sachzwang Wachstum beugt, mit seiner ganzen Betroffenheit
und Unzufriedenheit als ein Problem der Wählermehrheiten
zu besprechen. Das ist auch ein Bekenntnis dazu, wie Demokratie
funktioniert: Die Verwandlung von Unzufriedenheit, die man selber
stiftet, in Zustimmung.
Noch einmal dasselbe anders ausgedrückt. Das ist ein
Menschenschlag,
dem man, nachdem man alles angehört hat an Einwänden
gegen die gegenwärtige Linie der Sozis, nicht über den
Weg trauen kann. Das sind Leute, denen ist es in Fleisch und Blut
übergegangen, dass der Gesetzgeber, die Politik, nun einmal
zuständig ist für die Verteilung von Lebenschancen und
Lebensbedingungen in der ganzen Gesellschaft. Die kommen überhaupt
nicht auf die Idee, dass die Leute sich einmal zusammenrotten
und sagen: "Wisst ihr was, jetzt hört einmal auf. Nicht
ihr setzt uns über das Grundgesetzt, die Eigentumsordnung
bis zum hinterletzten sozial- und scheidungsrechtlichen Artikel
immer bloß die Regeln vor, an denen wir ablesen können,
was aus uns überhaupt wird. Wir wollen eure Verordnungen
über Konkurrenz, das Geldverdienen und das Wirtschaften jetzt
einmal vergessen und einmal selber überlegen. Nicht ihr setzt
uns die Bedingungen." So etwas ist ihnen vollkommen fremd
geworden. Nein, die sagen: "Ich stell mich hin und werbe
bei den Leuten," die sowieso davon ausgehen, dass ihre
Lebensbedingungen
von solchen gemanaget werden, dass die Zuordnung, Zuteilung, wie
gesaust und gebraust oder gehungert wird, von solchen abhängt,
und fahren fort: "Ich würde euch in der einen oder anderen
Frage tatsächlich bessere Lebensbedingungen verordnen. Und
wenn nicht gerade bessere, dann auf jeden Fall gerechtere."
So treten die auf.
- Insofern ist es eine Stabilisierung dieses Verhältnisses.
Der Demokratie nützt es allemal und das stabilisiert das
Verhältnis.
Andererseits wollen wir die Destabilisierung auch nicht unter
den Teppich kehren. Je mehr durcheinander die Parteienlandschaft,
desto mehr jammert Sabine Chr. Anders gesagt, je weniger
Schwierigkeiten
die Erniedrigten und Beleidigten machen - es nützt ja nichts,
wenn sich die ganzen Gegensätze und Streitigkeiten in der
oberen Etage abspielen. Dann findet man sogar Übergänge
zur Kritik an der Demokratie, an dem schönen System, diesem
Procedere. "Wenn die Parteienlandschaft so durcheinander
gerät, dann findet keine stabile Mehrheit statt" usw.
Selbst so kann man argumentieren. Am Föderalismus kennt man
übrigens das Argument. "Der Föderalismus, das ist
doch ein System von checks and balances, extra erfunden, damit
kein Faschismus kommt; der Bundesrat muss immer abnicken oder
nein sagen zu dem, was die Bundesregierung und das Parlament
beschließt.
Wenn der Bundesrat nach den letzten Länderwahlen jetzt in
den falschen Händen ist ... usw." Auf einmal gibt es
eine Föderalismuskritik. Wie heißt die? Das lähmt
das Regieren von der Hauptstadt aus. Wenn der Bundesrat überall
dazwischen funkt, ist das das Elend von Schröder. Auf einmal
werden sie in dem Sinn demokratiefeindlich.
Ich glaube, dass die Leute die Tatsache, dass diese neue Linkspartei
aufgetaucht ist, sogar als spannend ansehen. Nicht, dass sie etwas
Richtiges darüber erzählen könnten, aber spannend
schon. Erstens will man wissen, ob das mit dem Bündnis
überhaupt
klappt; das Bündnis zwischen Lafontaine, der ja selber ein
Egomane ist, und dem ihm darin nicht nachstehenden Gysi. Die bereiten
wirklich diese Machtfragen zur Unterhaltung auf. Die Betroffenen
stellen sich selber auf den Standpunkt, dass von oben entschieden
wird, was für sie das Beste ist, und zwar deswegen, weil
ihr Bestes aufgehoben ist in den Entscheidungen, die die für
Deutschland treffen. Das ist der Standpunkt eines Redakteurs:
Was ist nötig an Umgang mit dem Volk wegen Deutschland usw.
Es gibt eine Demokratiekritik aus ernsthafter Staatsunzufriedenheit
mit den Verhältnissen im Volk. Für soziale Unruhen,
Aufruhr - dafür gibt es ja die Notstandsgesetze - schließen
sich Demokraten zusammen und sagen, dass das übliche demokratische
Hin und Her aufzuhören habe, weil es um einen Staatsnotstand
gehe. Die Kritik an der Demokratie, die jetzt aufkommt, kommt
aus der Bequemlichkeit. Sie schlagen sich pur damit herum, wie
man Wachstum hinbekommt, aber nicht mit einem Widerstand gegen
Wachstumspolitik, und sie schlagen sich weiterhin mit ihrer eigenen
Konkurrenz herum. Das mit der Unterhaltung ist ernst gemeint,
die Betroffenheit ist eine mit dem Menschen als Wähler. Für
die ist dann auch interessant, wie der Parteienzirkus ausgeht.
Umgekehrt ist für die oben interessant, wie sich die Wähler
sortieren: "Machen die Schwierigkeiten oder bedienen die
uns." Das Schlimmste ist: "Die Parteienlandschaft kommt
ein für allemal und unwiederbringlich durcheinander. Vor
zwanzig Jahren haben es die Grünen gemacht, und jetzt droht
es schon wieder." Das ist das aktuelle demokratische Menetekel.
Das ist das Moment, das Journalisten ganz extrem vertreten und
weswegen die Parteien so gehässig werden, dass sich nämlich
Unzufriedenheit in die richtigen Hände überzugehen
gehört.
Das, was wir anlässlich des Rufs "Wir sind das Volk"
bei den Ossis beredet haben, und wo es geheißen hat: "So
nicht!", Kritik habe sich nämlich zu übersetzen
in Zustimmung zu denen, das ist jetzt an der neuen Linkspartei
wieder eröffnet.
- Nun ist doch Schröders Initiative zur Neuwahl nicht
deswegen aufgekommen, weil er die Leute unterhalten wollte.
Erstens hat das keiner gesagt, zweitens tut er es dennoch. Zu
diesem Unterhaltungswert war ja ein Inhalt gesagt, nämlich
das Hin und Her, die Schwierigkeit, wer vom Wähler ein plus
und wer ein minus erhält. Das ist der Inhalt oben und unten,
und das war der Grund für Schröder: Die Schwierigkeiten,
die ihm die Wähler und die Parteienlandschaft machen. Und
das ist umgekehrt der Unterhaltungswert, den das Ganze gegenwärtig
hat. So oft hat es ja noch keine vorgezogene Wahl gegeben.
Das ist den Leuten schon bekannt, dass, wer allein oder in
irgendeiner
Koalition an die Macht kommt, der dann über seine
Lebensbedingungen
entscheidet. Und es ist ihnen auch bekannt, dass sie von keinem
etwas Gutes zu erwarten haben, dennoch sind sie willens zu sagen:
"Das will gemacht sein, und ich will von denen weiterhin
gesagt bekommen, wie es geht." Das ist der Hammer. Auf dieser
Grundeinstellung gründet der ganze Luxus der Unterhaltung,
der sich darauf aufbaut. Ohne diese ist das gar nicht zu haben.
Auch diejenigen, die sagen: "Ob die C-ler überhaupt
etwas anders machen, oder anders machen können? Das ist schon
zweifelhaft, denn es hängt alles davon ab, ob der Wachstumsmotor
wieder anspringt." Dann haben sie die Herrschaft des Kapitals
gleich auch noch mit dabei, also den Sachzwang, dass ohne Wachstum
nichts geht. Dann kann man durchaus auch noch skeptisch die Frage
an den Politiker stellen, ob daran der Wechsel so furchtbar viel
ändert, es müsse doch sowieso erst die Konjunktur wieder
in Gang kommen. Das ist die eine Variante. Die zweite ist: "Na,
macht die Politik alles richtig." Dieses "richtig"
ist dann die Verfügung über ihn.
- Nach der Wahl in Nordrhein-Westphalen war eine Statistik
zu lesen, die besagt, 64 % haben in irgendwelchen Hochburgen die
Schwarzen gewählt. Diese Wähler wurden dann befragt:
"Glauben Sie, dass die CDU etwas anderes macht als die SPD?"
Und die Antwort lautete zu 90 %: "Nein."
So, und was ist dann das Argument, warum sie die dann wählen?
Es gibt schon welche, die sagen: "Die CDU ist näher
an der Wirtschaft. Wenn es um die schon geht, ist der, der den
besten Draht zur Wirtschaft hat, auch der beste Politiker."
Das ist ein solcher Übergang, so wie man sagt: "Wer
bringt die Macht des Kapitals am besten zur Geltung? Wer ist politisch
der beste Spezi des Kapitals, wem vertraut dieses am meisten?
Vertrauen ist wichtig dafür, dass investiert wird."
Solche Übergänge liegen da vor.
- Es gibt auch den: "Die sagen mir wenigstens ganz offen,
was los ist."
Jetzt kann man noch zwanzig solche Zitate anführen. Dann
sind wir aber beider Frage, ob wir dies einmal betriebspsychologisch
aufziehen sollen. Einfach sagen, es gibt Gewohnheiten des Untertans,
die auf alt vielleicht so geklungen haben: "Heinrich der
Vögler ist unser schönster Kaiser", und heute,
ganz modern gibt es Varianten davon. Einfach einmal so das aufziehen.
Das alles zeugt davon, dass ein Volk reif ist für die Demokratie,
nicht fürs Irrenhaus. Also, wem etwas einfällt, der
melde sich. Mit Einfall meine ich eine Darstellung über die
Verruchtheit dieses demokratischen Systems.