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Präsidentschaftswahlen - ein Vergleich zwischen der Ukraine
und den USA
Eines ist bei allen Präsidentschaftswahlen, wo auch immer
sie stattfinden, dasselbe. Das wahlberechtigte Volk wird mit der
Frage konfrontiert: Wer ist der Beste für unser Land? Da
sich die Antwort meist auf zwei Figuren zuspitzt, ist sie erleichtert
und verdient eine Analyse, die darauf führt, was das
inkommensurabel
Unterschiedliche daran ist, wenn so eine Frage in so unterschiedlichen
Ländern wie den USA und der Ukraine gestellt wird. Der Endpunkt
der Erklärung dieser beiden Sachen wäre eine formelle
Ähnlichkeit. Aus der Ukraine bekommt man es vorgeführt,
aus den USA hört man, dass diese Wahlen das Land gespalten
haben. Das bedarf dann der Aufklärung, was Spaltung des Landes
in dem einen und dem anderen Fall heißt. Zunächst soll
aber eine Kritik geleistet werden an der Frage, auf die diese
Wahl von mir zugespitzt wurde: Wer ist der Beste
für unser Land? Es sind mindestens drei Fehler enthalten.
"Unser Land": Man ist dazu aufgefordert, den Besten
für "unser Land" herauszusuchen. Die Behauptung
kaum aufgestellt, dass das dasselbe ist wie in den USA, muss man
schon darauf kommen, dass es in beiden Fällen etwas Verschiedenes
ist. Identität und Differenz (wie bei jedem Vergleich) sind
da deutlich zu ermitteln. Was ist "unser Land" für
eine Größe?
- Damit ist der Gegensatz getilgt zwischen den zur Wahl aufgerufenen
Leuten und den Anliegen der Nation, für die sie votieren
sollen; zwischen Regierten und Regierung. Gleichzeitig ist der
Gegensatz der Klassen getilgt, weil sich alle dieselbe Frage vorlegen
sollen.
Nicht nur weil sie sich dieselbe Frage vorlegen, sondern "unser
Land" ist die Abstraktion von sämtlichen
gesellschaftlichen
Gegensätzen. Damit ist nicht die geographische Kategorie,
das Gelände gemeint, sondern die Gesellschaft, das Volk ("der
Beste für uns alle"). Diese Vorstellung arbeitet sich
in alles ein, wie man über Politik nachdenkt, lebt immer
von der Abstraktion von sämtlichen Gegensätzen in der
Gesellschaft mit verschiedenen Klassen, mit unterschiedlichen
Interessen, und seien es nur divergierende. Wenn man an die
ökonomischen
Gegensätze denkt, die dauernd Gegenstand der Politik sind,
dann ist eine Abstraktion wie "unser Land" völlig
absurd. Das ist die Gewohnheit, sich immer in Demselben herumzutreiben,
dass man weiß, dass die immer dieselben Nachrichten hören,
jeder kennt Sabine Christiansen und das Volk hat im Grossen und
Ganzen dieselben Scherze. An diese oberflächliche Gemeinsamkeit
kann man sich erinnern und es wird auch daran erinnert. Dann hat
jeder die gleichen Plakate vor Augen ... Geiz ist geil ... Diese
oberflächlichen Identitäten überzeugen den normalen
Menschen in seinem Alltag davon, dass "unser Land" halt
so wir alle sind. Nichts davon ist wahr. Nicht einmal der Spruch,
wo man einkaufen gehen soll. Schon da ist der erste Klassengegensatz
da. Zwischen den Leuten sind Gegensätze unterwegs... Heute
in den Nachrichten: Rentner schlagen sich um 10-Euro-Staubsauger
im Kaufhaus des Westens in Berlin. Die Abstraktion kann verschiedene
Sachen bedeuten - falsch, verrückt ist sie immer, immer eine
Verwandlung von dem, was es gibt, in so etwas wie eine Familie,
in ein im Prinzip harmonisches Verhältnis. Dieser Schwindel,
diese Übersetzung hat ein unterschiedliches Recht (ideelle
Bedeutung, logische Berechtigung), je nachdem, wer sie anstellt.
Bei dem vorhin genannten, damit gelöschten Unterschied von
Regierten und Regierenden merkt man, dass je nach dem, welche
Seite von "unserem Land" redet, dasselbe auch noch eine
ganz gegensätzliche Bedeutung hat.
- Kein normaler Mensch denkt doch an "unser Land", wenn
er seinen täglichen Werken nachgeht.
Das stimmt, aber wir reden jetzt über eine
Präsidentschaftswahl,
bei der die Leute dazu aufgefordert sind zu wählen. Wer das
tut, kommt ohne diese Kategorie, ohne die blöde Frage, "Wer
ist für unser Land der Beste?" gar nicht aus. Spätestens
dann muss er sich dazu bequemen, diese Abstraktion in irgend einer
Form zu machen.
- Dann ist das für sich kein politisiertes, sondern ein
politisches
Interesse.
Welcher Unterschied ist damit gemeint?
- Das politisierte Interesse ist schon eine Übersetzung eines
Interesses eines Bürgers in eines, das die Politik regeln
soll als eines der Politik. Einen guten Präsidenten für
unser Land zu wählen, ist etwas anderes als zu sagen: Ich
möchte Kindergärten oder frisches Trinkwasser.
Wenn man einen Präsidenten für "unser Land"
sucht, dann fasst das alle politisierten Interessen pauschal zusammen.
Dem sollte durchaus nachgegangen werden. Klar wird es, wenn man
an die andere Seite denkt, nicht an den normalen
Durchschnittsbürger,
der aufgefordert ist, sich diese Frage zu stellen, sondern den
Haufen anderer Leute, die über "unser Land" verantwortlich
nachdenken. Neulich hatten wir eine ganzseitige Zeitungsannonce
am Wickel, wo eine ausgewählte Elite sich dazu bekannt hat,
sie sei das deutsche Volk. Es gibt auch durchaus einen Standpunkt,
von dem aus das Gerede von "unserem Land" genauso verkehrt,
fast lügnerisch ist, wie wenn der einzelne Max auf der
Straße
darauf angeredet wird, er solle sich diese Frage vorlegen, der
aber damit durchaus etwas anfangen kann. Das ist der Standpunkt
all derer, die bei uns öffentlich auftreten und jeden zweiten
ihrer Sätze damit einleiten mit "Wir müssen …",
"Wir können nicht …", "wir brauchen …"
- und dann kommt etwas über die Ökonomie, Kultur, Schulwesen
usw. Zur Erinnerung: Es gibt eine ganze gesellschaftliche Klasse,
eine Abteilung von Nutznießern der Gesellschaft, wie sie
ist und funktioniert. Für die ist die Aufforderung, über
"unser Land" nachzudenken, was es brauche, gar nicht
so verkehrt.
- Es geht auch beim normalen Bürger laufend durcheinander,
wenn er über Leute schimpft, die daran schuld seien, dass
es ihm nicht so gut geht, wie es ihm gehen könnte, und die
dem Land schaden usw. In der Form ist es doch sehr verbreitet,
dass der Bürger an "unser Land" denkt.
Wenn du daran weitermachen willst, dann sag mehr dazu, als dass
es verbreitet ist.
- Er verwechselt sein Interesse und wie es in diesem Land vorkommt
damit, dass es eine Gemeinschaft sei, an der sich andere vergehen.
Was heißt da "verwechseln"? Und wie geht da eine
Verwechslung? Das ist nicht einfach so wie wenn man den falschen
Handschuh anzieht.
- Er stellt sich ideell auf den Standpunkt, er sei die Herrschaft.
Ist das nicht ehrenwert?
- Er entdeckt dabei allerhand, was dieses imaginäre "wir"
stört. Damit hat er sich von seinem Interesse frei gemacht,
wenn er den Herrschaftsblick darauf richtet.
"Frei gemacht" stimmt nicht. Das wurde im vorigen Beitrag
mit dem "politisierten Interesse" schon ausgeplaudert.
Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass es nicht dasselbe ist,
ein eigenes Interesse zu haben, es zu verfolgen, dabei Erfolg
zu haben oder zu scheitern, und zu überlegen: Was wird aus
unserem Land? Da liegt ein Standpunktwechsel vor; es wird der
Standpunkt des eigenen Interesses verlassen. Aber der Charakter
dieses Standpunktwechsels, wie so ein Fehler vor sich geht, warum
er so populär ist, was die Logik dieses Fehlers ausmacht,
ist dann sofort die Frage.
- Das politisierte Interesse wäre dann das in Bezug auf das
Gemeinwohl formulierte.
Welche Reflexion steckt da drin?
- Der logische Fehler bei der Verwechslung steckt darin, dass
der Mensch das, wozu er gezwungen ist, wovon er abhängig
ist, dem er nicht auskommt, zu seinem eigenen Anliegen erklärt.
Das soll erst einmal festgehalten werden: Es ist eine
Reflexion
auf die eigene Abhängigkeit. Das Komische daran ist, dass
es eine affirmative Reflexion ist: Man bemerkt die Abhängigkeit
und, was als Faktum zu registrieren ist, wird gleich positiv in
Rechnung gestellt. Motto: Wenn es schon so ist, dass ich in diesem
ganzen Gemeinwesen nur zu etwas komme als Bestandteil von "diesem
unserem Land" - da gehört der Standpunktwechsel hin
-, dann muss ich gucken, wie ich darin vorkomme und wie das Ganze
zu mir passt. Jetzt überlegt bloß mal: Wenn einer schon
die Abstraktion "unser Land" mitgemacht hat - wie denkt
der dann seine eigene Abhängigkeit, die er so affirmativ
in Rechnung stellt? Man kann auch sagen: Die Abhängigkeit,
die man alltäglich an seinen Interessen merkt, auf die man
spätestens von der Polizei, vom Gesetz hingewiesen wird,
die einem schon ziemlich in Fleisch und Blut übergegangen
ist ("Das eigene Interesse zählt - ja -, aber ... in
Bezug auf irgendwelche Regeln..."), ist selber schon affirmiert.
Wenn gar nicht an dem Gedanken festgehalten wird, dass man
abhängig
ist von dem ganzen Laden, sondern gesagt wird: Na ja, es ist ja
auch unser Land, in dem ich meine Rolle spiele - in was ist die
Frage dann übersetzt?
- Er sieht dann sein Interesse als Beitrag, als Dienst, wenn die
Abhängigkeit nicht negativ zu seinem Interesse gefasst ist,
sondern als Bedingung.
Wenn er dem nachgehen würde - Bedingung - dann käme
er wieder auf Abhängigkeit und deren Gesichtspunkte. Das
alles ernst genommen: Ich kann mich hier nicht rühren, ohne
gewisse Bedingungen zu beachten! Wenn dann die Bedingungen analysiert
werden, kommt man nie zu der Größe "unser Land".
Da kommt man nämlich auf Gegensätze, die einem vorgesetzt
sind, die geregelt sind; da kommt man auf Klassengegensätze
und ihre staatliche Betreuung; da kommt man auf Hartz IV oder
sonst was. Der Witz ist, dass einer als Wähler erst denkt:
"Hartz IV tut mir weh." Was ist der Übergang, wenn
er sich dann die Überlegung macht, wie denn hier der Laden
anders laufen soll als mit Hartz IV? Zu der Überlegung werden
die Hartz-IV-Protestler dauernd aufgefordert, dass sie sich eine
Alternative überlegen sollen. Wenn er wirklich bei den Bedingungen
bleibt, die seinem Interesse gesetzt sind, dann kommt er auf den
Arbeitsmarkt und dessen sozialstaatliche Verwaltung und bemerkt
lauter Interessengegensätze in dieser Gesellschaft, die ein
Gerede von "unser Land" eigentlich verbieten, da es
doch nur der Standort von lauter Gegensätzen ist. Die eben
besprochene Übersetzung des Standpunkts von meinem Interesse
und dessen Bedingungen in eine Vorstellung, dass diese Bedingungen
meine Sache sind, ist der Witz, was am Ende dazu führt, dass
man eine Wahlfrage stellen kann; was den normalen Menschen zu
einem Demokraten macht, der zum Wählen geht. Dann denkt er
aber ab da wirklich nicht mehr ernstlich über diese Bedingungen
nach, die ihm gesetzt sind. Aber worüber denkt eigentlich
stattdessen nach? Als was erscheinen dann die Bedingungen, wenn
man am Ende bei "unser Land" landet?
- Die Bedingungen erscheinen als gute oder schlechte
Voraussetzungen,
gut regiert zu werden. Dafür braucht es den besseren Mann.
Bis man zum Übergang zum besseren Mann kommt, sind dazwischen
aber immer schon Übersetzungen dessen, wie der ganze Laden
funktioniert in eine Sorte Ideal. Mit Ideal ist nicht gemeint,
alles sei wunderbar, sondern der kleine Übergang, der stattfindet
von der Frage, was das eigentlich für eine Bedingung ist,
zu der Frage, ob diese aufgemachte Bedingung gerecht ist. Schon
der Gedanke, das, was mit mir mit Hartz IV gemacht wird, sei ungerecht,
ist die Übersetzung eines politökonomischen
Verhältnisses
in ein Ideal der Gerechtigkeit. Ideale schweben dem normalen Menschen
vor allem in der Form vor, dass laufend gegen sie verstoßen
wird und nicht in der Form, dass er eine wunderbare Idealvorstellung
von Gerechtigkeit hätte. Viel lebendiger ist die Vorstellung
von Gerechtigkeit in der Form der Beschwerde, alles sei ungerecht.
- Wenn die Bedingungen der Abhängigkeit als gute oder schlechte
Bedingungen für die eigenen Interessen verstanden würden,
müsste bei schlechten Bedingungen eine Kritik herauskommen.
Aber vor den guten oder schlechten steht ja das prinzipielle
Einverständnis
als positive Voraussetzung für das eigene Fortkommen.
Ob es diesen Unterschied gibt, oder ob es viel hergibt, zu sagen:
grundsätzlich sind sie affirmativ und deswegen kommt keine
Kritik hinterher? Es gibt ja Leute, die schimpfen von morgens
bis abends über die Welt. Denn es ist die Überlegung,
ob das in Ordnung geht oder nicht, die Art und Weise im Normalfall,
wenn die Leute auf ihre Existenzbedingungen reflektieren, auch
wenn es vorkommen mag, dass sich einer sagt, die Welt ist so,
wie sie ist und, es sei sinnlos, dagegen zu revoltieren. Das Gerechtigkeitsempfinden
ist doch die idealisierende Art und Weise, wie der Mensch
sich auf seine Existenzbedingungen bezieht.
- Hartz IV ist im Moment eine gute oder schlechte Bedingung für
das Zurechtkommen. Dann ist das Interesse am Zurechtkommen schon
unterstellt. Dann kann man anschließend sehr schimpfen,
wenn Hartz IV durchgesetzt ist.
Aber was willst du gegen das Zurechtkommen sagen?
- Es ist der affirmative Standpunkt.
Nein, das würde ich nicht gelten lassen. Erst einmal musst
du ja irgendwie mit deinen Lebensbedingungen klarkommen. Dann
merkst du, dass das gar nicht so einfach ist. Dann erst entscheidet
sich, wie du dich darauf beziehst. Denkst du dann: Warum ist das
alles so widrig? Oder sagst du: Dass das alles so widrig
ist, finde ich eigentlich ungerecht, weil ich ein anständiger
Mensch bin, und dass das alles gegen mich ist, kann ich überhaupt
nicht leiden. Es soll nicht gesagt sein: Das Letztere ist keine
Kritik. Sondern: Es ist eben diese Kritik. Es ist eine
Kritik, die das alles verfälscht, indem sie die ganze
ökonomische
Realität auf ein Ideal bezieht (das gar nicht ausgemalt sein
muss).
- Arbeitsplätze z. B. ist ein Ideal. Wenn die ganze Nation
sich bemühen muss, dass sie - wie Schröder es im Wahlkampf
versprochen hat - Arbeitsplätze schafft, dann benennt das
gerade nicht, dass die für den Dienst am Kapital eingerichtet
sind, sondern darin ist schon die Übersetzung.
Das ist auch ein Typus von einem Ideal. Man kann schon sagen,
dass der Wille, zurechtzukommen, in dem Begriff Arbeitsplatz drin
steckt. Aber dann ist eben Arbeitsplatz schon verfälscht.
Dann ist das nicht mehr die Stätte der Ausbeutung, die ein
Unternehmer eingerichtet hat, sondern zugleich ein Lebensmittel,
auf das man als hiesiger Bürger ein Anrecht hat. Lauter
idealistisches
Zeug in der Form eines Gerechtigkeitsempfindens, das sich verletzt
fühlt, steckt in der Vorstellung "unser Land".
Das ist dann selber schon als Ideal gefasst als eine zum Wohle
aller harmonisch zusammenwirkende Gemeinschaft.
- Eben wurde dem widersprochen dass, wenn sich der Mensch auf
sein Ideal besinnt zurechtzukommen, das dann schon immer ein
Zurechtkommen
ist, wie es in der Gesellschaft eben geht. Wieso wurde dem
widersprochen
damit, dass man doch immer zurechtkommen müsse. Zurechtkommen
wollen ist doch schon die Zustimmung, sich auf die
(vorgegebenen) Bedingungen einzulassen (wenn auch mit Murren).
Es sollte geklärt werden, worin Affirmation besteht,
wie die geht. Dazu kann man sich auch noch die Überlegung
machen, dass es in dieser Gesellschaft auch eine Klasse gibt,
für die ist "unsere Heimat", "unsere Nation"
... genauso verkehrt, aber die liegen total richtig. Das gibt
es schon auch, dass Leute sich auf die ganze Welt als ihre
Existenzbedingung
beziehen, und sie haben erstens davon ihren Nutzen und zweitens
wird auf sie gehört, wenn sie etwas daran auszusetzen haben.
Weil auch das Klasseninteresse der Kapitalisten und das nationale
Interesse der Standortverwaltung nicht immer identisch ist, haben
auch sie immer etwas zu meckern. Da gibt es auch Friktionen.
- Die haben nicht "auch was zu meckern", sondern sie
sind prinzipiell die unzufriedensten in der Gesellschaft.
Aber warum? Bei denen sitzt die Unzufriedenheit so locker, weil
sie ja bei allem mit ihrem Interesse Recht kriegen. Wenn der arrivierte
Teil dieser Gesellschaft sagt: "Ja, das ist meine Gesellschaft
und da kümmere ich mich ideell darum, stelle Fragen, wie
man sie am besten regelt" usw., dann liegen sie meist auch
verkehrt; denn welcher reiche Zahnarzt weiß schon, wie eine
Klassengesellschaft funktioniert und wie man ihn am besten so
bezahlt, dass es noch bezahlbar ist. Da gibt es schon Friktionen
zwischen Interessen und Allgemeinwohl. Es gibt durchaus einen
großen Teil in der Gesellschaft, bei dem sehr viel positive
Identität von materiellem Eigeninteresse und gültiger
Gemeinwohldefinition vorliegt. Da ist es kein übler Scherz,
wenn die sich dazu aufgefordert finden, an der Definition des
Gemeinwohls mitzuwirken. Das tun sie sogar schon ganz von allein.
Die Pharmaindustrie definiert z. B. kräftig am Gemeinwohl
mit, wenn sie Einspruch erhebt gegen eine Unterregel, nach der
irgendein Medikament nicht mehr bezahlt werden soll. Der Bund
der deutschen Industrie definiert auch kräftig mit, wenn
er sagt: "Es ist schädlich für die deutsche Wirtschaft
und die Nation überhaupt, wenn wir an diesem Mitbestimmungszirkus
festhalten" usw. Die Gewerkschaften - die Interessenvertreter
der anderen - versuchen es auch, am Gemeinwohl mit zu definieren;
an der Mitbestimmung in dem Sinn, dass sie sagen, die sei doch
sehr gut und praktisch. Bloß wenn sie sagen wofür,
müssen sie in ganz anderer Weise den Standpunkt derer, die
sie vertreten verlassen oder ihn in etwas anderes - in dem Fall
in den Standpunkt: Wenn die Gedeckelten mitmachen, fällt
das Deckeln leichter - überführen. Politisierung an
der Seite ist quasi, der Gegenseite ein Mitmachen empfehlen.
Das ist alles Klärung von Voraussetzungen, damit wir mal
zur Ukraine kommen und zu den USA. Wenn in dem einen wie in dem
anderen Fall Menschen aufgefordert werden: "Wählt einen
Präsidenten! Wir, die anderen präsentieren einen -
überlegt,
wer besser ist", dann ist in der Frage immer unterstellt:
besser für wen denn? Das wollte ich auf den Begriff bringen,
dass das immer heißt: besser für unser Land. Da steckt
in der Ukraine wie in den USA dieselbe Abstraktion drin. Da wird
in dem einen wie in dem anderen Fall nicht über
Klassengesellschaft,
deren Gegensätze und die darüber gesetzten guten oder
harten Bedingungen für die eigene Existenz oder das eigene
Geschäft nachgedacht. Letzteres vielleicht schon, wenn ernstlich
materialistisch nachgedacht wird, was gute Bedingungen für
mein Geschäft sind. Da gibt es ohne großen Idealismus
einen Übergang vom materiellen Eigeninteresse in eine
Gemeinwohldefinition.
Da können sich viele Kapitalisten vorstellen, dass das nur
die Verallgemeinerung ihres Interesses ist und bei wem ist ihr
Interesse besser aufgehoben, wer hat dafür gewissermaßen
die bessere Verallgemeinerung anzubieten. Deswegen gibt es da
eine andere Sorte von Überlegungen von Lobbyisten, die ihren
Leuten sagen, sie sollen gefälligst den und den unterstützen,
weil der mehr für ihre Interessen tut. Es ist nicht aus der
Luft gegriffen zu sagen: "Die Petroleum-Industrie in den
USA weiß schon, warum sie den Bush unterstützt. Die
macht das wirklich nicht, weil der die family-values so hoch hält,
sondern weil sie genau wissen, dass der ihnen demnächst auch
Alaska als Verdienstquelle erschließt und ihnen Restriktion
bezüglich Umweltverschmutzung erlässt. Dann gibt es
von denen her durchaus ein materielles Interesse. Ja, wenn unser
Standpunkt mehr zur Gemeinwohldefinition in Umweltschutzfragen
beitragen darf als bei den anderen, dann ist das unser Mann."
Da gibt es zwar auch völlig konträre, partikulare
Vorstellungen
davon, wie "unser Land" beschaffen sein soll - die haben
materiell Hand und Fuß. Der Nachteil an Demokratie ist,
dass es nicht sehr viele sind und sie deswegen selten die Wahl
entscheiden. Sie können höchstens einen sponsern, aber
beim Wählen haben sie auch bloß eine Stimme.
- Das Schwierige war jetzt das Ideal in diesem speziellen
Zusammenhang einer zum Wohle aller zusammenwirkenden Gemeinschaft
als Gesellschaft. Ist es nicht so, dass das Ideal auch irgendwie
real wird, man es sich also nicht nur im Kopf vorstellt, indem
es, so verkehrt es ist, tatsächlich wirkt in dem anerkannten
Interesse, das sich als Allgemeinwohl vorträgt? Es existiert
dann und ist nicht bloß eine Einbildung.
Aber es steht in Gegensatz zu den materiellen Interessen der meisten
Beteiligen. Das Gemeinwohl hat selber ein Subjekt. Das ist der
Staat, der es dann gegen die gesammelten Eigeninteressen der
Unternehmer
oder haarscharf an denen vorbei oder haarscharf identisch, aber
in der Regel ziemlich feindlich gegen Leute, die in dieser Gesellschaft
genötigt sind, lauter defensive Rechnungen aufzumachen,
durchführt. So ein defensives Interesse (Wenn ich denn schon
arbeitslos bin, wie krieg ich dann wenigstens noch ein paar
Kröten,
dass ich über die Runden komme?) wird vom Staat aufgegriffen.
Aber damit steht die Einordnung dieses Interesses fest. Dann
heißt
es nicht: Was braucht der Mensch zum Leben, wie organisieren wir
den Lebensunterhalt? Sondern dann ist schon die ganze
Klassengesellschaft
fix und fertig mit ihren Opfern unterstellt. Dann kommt die Frage:
Wie kümmert sich die Obrigkeit um die nötigen Opfer.
Wenn man das alles mitgemacht hat, dann ist auch die affirmative
Stellung zu Hartz IV kein großes Problem mehr. Aber das
muss man erst einmal mitmachen: Sich selber gar nicht mehr als
soziales Element eines ziemlich feindseligen Ambientes begreifen
- gerade dann, wenn darauf gestoßen wird: So etwas bist
du! Dann muss man diese Abstraktion mitmachen: Doch, letztlich
bin ich das Mitglied eines Gemeinwesens, von dem ich abhänge,
in das ich integriert bin, dem es selber erst einmal gut gehen
muss, damit es mir gut geht. Was ist die primitivste Form dieses
Idealismus (Damit man sich darunter nicht so etwas furchtbar Ideales
vorstellt), die noch der Blödeste beherrscht?
- Die Gerechtigkeitsfrage
Das ist ja fast schon eine intellektuelle Glanzleistung
gegenüber
der Elementarform
- Patriotismus
Eben! Diese Vorstellung von Gesellschaft, in der alles harmonisch
zusammenwirkt, hat einen Eigennamen. Bei uns heißt der
"Deutschland",
in der Ukraine "Ukraine" und in Amerika "God's
own country". Sich als Deutscher zu begreifen, ist eine ganz
elementare Art und Weise, diesen Idealismus ("unser Land")
zu haben, zu denken, sich zu eigen zu machen. Einer, der sagt
(oder nur denkt, weit davon entfernt, es für mitteilenswert
zu halten): "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein",
hat genau die Abstraktionen vollzogen, von denen wir die ganze
Zeit reden.
- Aber so radikal, dass praktische Abhängigkeiten dabei gar
nicht mehr reflektiert werden.
Die werden auch in den anderen Fällen nicht reflektiert sondern
sie werden alle verwandelt.
- Das habe ich gerade so verstanden, dass das Idealisieren, z.
B. das Ideal des gerechten Funktionierens, seinen Ausgangspunkt
in der Relativierung der eigenen Interessen so hat, dass man
abhängig
ist, dass das Interesse Bedingungen hat, die seine freie Durchsetzung
gar nicht erlauben. Und man reflektiert darauf, ob es einen ordnenden
Zusammenhang gibt. Das ist das Ideal des Funktionierens, auf das
dann alle möglichen Gerechtigkeitsvorstellungen gepackt werden.
Dagegen animiert der Patriotismus selbst mit den scheiternden,
den divergierenden Interessen an das Deutschtum. Da ist gar nicht
mehr gedacht an das Verhältnis, dass es den Blick auf die
Wirklichkeit gibt, wo alle möglichen Interessen scheitern
und ...
Wenn ich dir jetzt die Wahlpropaganda der NPD in Sachsen vorlesen
könnte - wie die da vom Leder ziehen: "Der größte
Sozialraub der Geschichte", "Kapitalisten verarmen das
deutsche Volk", "spielen mit ihren Erpressungsmanövern
schlecht bezahlte Lohnabhängige gegen Arbeitslose und umgekehrt
aus" - wenn das keine Reflexion auf die sozialen Bedingungen
ist! Die sind doch begeistert eingestiegen auf Hartz IV nach dem
Motto: Das ganze Volk wird verelendet. Und was ist deren Bezugspunkt?
Am Ende landen sie dabei: Deutsche Arbeitsplätze nur für
Deutsche, deutsche Sozialhilfe nur für Deutsche, nicht für
die Zugereisten. Das musst du auch erst einmal zusammenbringen,
zuerst zu sagen: "Diese Sozialhilfe ist ein Hohn ist auf
jeden Lebensunterhalt!", und dann: "Diesen Hohn verdienen
gefälligst nur die Deutschen und nicht die anderen."
Also: "Verelendung nur für die unseren!"
- Das Problem mit dem Patriotismus habe ich auch. Ich hätte
da gleich gesagt: Für einen Patrioten ist Abhängigkeit
Dienst.
Aber es ist erst einmal Anrecht. Die sagen doch nicht:
"Wo kann ich meinen Dienst ableisten?"!
- Dienst hat es an sich, dass er ein Anrecht im Begriff schon
hat.
Da kannst du gerade so gut umgekehrt sagen, dass jede Vorstellung
von Anrecht ein Moment von Dienst hat. Wenn Dienst ein Synonym
für das eigene Interesse ist, wenn z. B. der Unternehmerverband
sagt: "Wir dienen Deutschland am allermeisten. Wer zahlt
denn so viel Steuern wie wir?! Wer bringt denn Wachstum nach
Deutschland?!
Unser Geschäft ist Dienst an Deutschland.", dann sagen
die auch Dienst und haben in einer ganz anderen Weise Recht als
ein Arbeitsloser, der jammert, dass er 30 Jahre gedient hat und
jetzt das ...! Der leistet ja keinen Dienst mehr. Das ist immer
die Übersetzung von Lebensbedingungen in irgend eine Sorte
Gemeinschaftsideal, in dem man selber sich aufgehoben sieht als
anspruchsberechtigt und natürlich auch als diensttuendes
Element. Da hast du dann recht, dass Anspruch und Dienstbereitschaft
immer zusammengehören.
- Das ist dann das NPD-mäßige. Das ist nicht die normale
Art von SPD und CDU. Die werden den Teufel tun und den Dienst
gleich als Anrecht buchstabieren.
Das können sie, wenn es darauf ankommt, auch. Es gibt tausend
Variationen über dieses Thema, viele Sorten,
staatsbürgerliche
Gesinnung an den Tag zu legen. "Wir sind eine verschworene
Gemeinschaft und unser Land ist einfach Klasse" kann auf
verschiedene Arten vorgetragen werden. Soziologisierend kann man
sagen: "Wo bleibt die gleichberechtigte Beteiligung aller
an unseren sozialen Errungenschaften?" Man kann Vorschläge
für das Sozialgesetzbuch geben, dann wird das sogar zu einer
Armutsdefinition.
- Dieser Bezug auf die Abhängigkeit ist eine Folge
des Grades der Abstraktion und kein Unterschied zwischen den
politischen
Parteien.
Wie die sich unterscheiden, ist noch einmal ein anderes Thema.
In der Regel machen sie Angebote für die Politisierung des
Interesses. Entweder kommt da explizit das Vaterland als
Bezugsgröße
vor; oder sie betonen die Verfassung als das, was uns alle eint;
oder sie betonen die Errungenschaft der nivellierten
Mittelstandsgesellschaft;
oder sie buchstabieren die ganze Nation als soziale Marktwirtschaft;
dann gibt es wieder welche, die sagen: "Nein, es ist weniger
die soziale Marktwirtschaft als eine Wertegemeinschaft, mit Wurzeln",
- das sind alles Formen der Idealisierung von Lebensbedingungen,
von denen der Mensch abhängt. Der entscheidende Unterschied
ist gar nicht so sehr, welche Sorte Idealisierung den Leuten angeboten
wird, sondern dass es in einer Klassengesellschaft eine ganze
Abteilung gibt, bei der das zwar, ideell gesprochen, genauso verkehrt
wie beim Durchschnittsmenschen ist, aber die praktisch richtig
liegen, wenn sie ihr materielles Interesse in der Gemeinwohldefinition
des Staats gefälligst wiederfinden wollen. Bei den anderen
bedeutet der Versuch, das eigene Interesse in der Gemeinwohldefinition
des Staates wiederfinden zu wollen, immer einen brutalen Fehler.
Brutal deswegen, weil das das eigene Interesse umdreht in die
Fragen: Wie sieht eigentlich mein Interesse vom Standpunkt des
großen Ganzen aus betrachtet aus? Was für ein Stellenwert
kommt ihm innerhalb eines funktionierenden Gemeinwesens, innerhalb
der deutschen Nation, im Interesse des Fortschritts unserer Nation
zu? Das ist das Moment, das ganz am Anfang schon im Gespräch
war, das ist schon ein Abstandnehmen vom eigenen Interesse - nur
nicht so, dass es dann weg ist. Das ist ja gerade das Vertrackte,
dass die Leute meinen, gerade so an ihrem Interesse festzuhalten,
wenn sie sich selber als abhängige Variable von etwas ganz
anderem begreifen.
Das waren jetzt alles Präliminarien für das Entscheidende:
Wo liegt denn der Unterschied zwischen der ukrainischen und der
amerikanischen Präsidentschaftswahl?
- In den USA sind die ökonomischen Zwecke, nach denen die
Gesellschaft funktioniert, und die Politik dieser Gesellschaft
der Wahl vorausgesetzt.
In Amerika ist also eine Gemeinwohldefinition, die das
ökonomische
Interesse einbegreift, der Wahl vorausgesetzt. Da gibt es
gewissermaßen
die eine nationale Sache. Bei der Frage, wer der Beste für
das Land ist, können sich alle beiden Bewerber darauf beziehen,
dass alle Wähler bei "unser Land" ungefähr
dasselbe denken nämlich: "Amerika ist Number One. Es
muss groß und stark sein, muss als kapitalistische Nation
blühen" - wie auch immer sie sich dann Kapitalismus
als ihren Lebensstil und sonst etwas zurecht legen. Die
Bezugsgröße:
"Das ist unser Land, das soll gedeihen, weil es mir dann
auch gut geht, das ist meine Lebensbedingung", ist im Falle
der US-Präsidentenwahl - Spaltung hin oder her - für
alle, die sich daran beteiligen, felsenfest vorausgesetzt. Und
was vermisst du also an der Ukraine?
- Da existiert der Idealismus, dass über die Wahl, über
die Entscheidung für eine Person in der Gesellschaft Zwecke
etabliert werden.
Das betrifft eigentlich mehr die Präsidentschaftswahl in
Afghanistan. Ich denke, das ist härter und direkter zu sagen,
was in der Ukraine los ist. Da ist ja nicht die Vorstellung: "Wenn
wir jetzt so einen Typ wählen, dann wird der schon dafür
sorgen, dass sich nach und nach die Vorstellung von einer nationalen
Gemeinschaft verbreitet." Wenn alle Afghanen erst einmal
an den Karsai glauben, dass der der Beste ist, dann werden sie
schon nach und nach begreifen, wofür der eigentlich das Beste
ist, nämlich für ganz Afghanistan, nicht bloß
für seine Paschtunen, sondern für ihr ganzes Land. Die
sollen über den Präsidenten ihr Land als bestimmende
Größe kennen lernen, weil sie das bis jetzt überhaupt
nicht kennen. So würde ich die afghanische Präsidentenwahl
einordnen. Auch eine schöne Variante, da hat man richtig
die Gegenprobe: Die sollen diese Abstraktion in Bezug auf das
Land sich überhaupt erst einmal angewöhnen dadurch,
dass sie ein und demselben Typ gehorchen, so wie Saddam das probiert
hat. Wie ist es denn in der Ukraine?
- Von der Opposition aus gesehen steht fest, dass der Erfolg der
Ukraine in der kapitalistischen Entwicklung des Landes liegen
soll, die nicht aus eigener Kraft geleistet werden kann. Die
Entwicklung
soll vom Westen gestiftet werden, darin sieht die Partei die
Erfolgsgarantie
für die eigene Gesellschaft.
Ach, wenn es so überlegt wäre. So ausgedrückt:
Der Erfolg der eigenen Gesellschaft braucht Mittel, die heißen
Kapital und sollen aus dem Westen kommen, redet man eigentlich
über die politische Elite der Westukraine, die wirklich ein
in dem Sinne fassbares materielles Interesse hat und den Westen
dafür als Bedingung will. Ob sie die bekommt, ist eine ganz
andere Frage, aber für die stimmt die Abteilung: Die wollen
die Ukraine als nach Westen orientiertes Land, und die haben auch
ein materielles Interesse, mit dem sie etwas anzufangen wissen.
Ob das Volk, das dort massenhaft auf die Straßen geht, denkt,
uns fehlt Kapital aus dem Westen, halte ich sogar dann für
zweifelhaft, wenn sie das wörtlich sagen. Weil, was die sich
unter Kapital vorstellen, ist so ungefähr wie das, was sich
deutsche Rentner unter einem Weihnachtseinkauf vorstellen. Jetzt
ist bisher aber nur gesagt worden: "So sieht Nationalismus
in der Ukraine aus." Der Witz ist doch, "unser Land"
hat für die zwei Hälften dieses Landes eine unterschiedliche
Bedeutung. So wie eben formuliert, stimmt es sogar für beide:
Unser Land soll groß und stark werden, kann das nicht von
allein, braucht also Unterstützung von außen. Das denken
sowohl die im Osten, die denken, sie wären bei den Russen
am besten aufgehoben, wie die im Westen, die sagen, wir wären
in der EU am besten aufgehoben. Aber das genau ist ja der Unterschied,
der das Land spaltet. Die einen wollen für die Ukraine eine
Orientierung an Russland und die anderen am Westen - was heißt
da Orientierung? Deswegen auch die lange Vorbereitung: Was die
aufgeregten Massen sich unter Orientierung nach Osten oder nach
Westen vorstellen, ist hochgradiger Blödsinn. Das ist eine
Sorte Nationalismus, bei dem bei den einen die russische Sprache,
die russisch-orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat), alte, vertraute
Beziehungen mitspielen sowie die Vorstellung, das sichere ihnen
im Kohlebecken Arbeitsplätze. Und auf der anderen Seite ist
es eine Sorte Freiheitsbegeisterung, die Ideologien von der unierten
griechisch-katholischen sowie von den ukrainisch-orthodoxen Kirchen
(autokephale und Kiewer Patriarchat) angefangen, über
Reminiszenzen
an die polnische Vergangenheit bis hin zu den aktuellen Vorstellungen,
dann käme der Wohlstand auch zu ihnen, und diesen Wahn: Die
Erschließung durch den Westen hieße Wohlstand für
alle, so wie man ihn im Fernsehen und den Schaufenstern in Kiew
bewundern kann, umfasst.
- Vor allem antisowjetisch und antizaristisch geprägt.
Jetzt wissen sie seit ein paar Jahren, dass die Ukraine etwas
völlig anderes als Russland ist. Das ist da der Idealismus,
an dem man die Sprengkraft von so einer Idealvorstellung, worauf
es in dieser Gemeinschaft ankomme, merkt. Was liegt dem zugrunde?
Das haben die Leute selber nicht erfunden. Dass das überhaupt
ein Recht, eine Wucht bekommt, dem liegt zugrunde, dass es wirklich
gegensätzliche Programme, eine wirklich noch unentschiedene
Alternative dafür gibt, was aus der Ukraine als Staat werden
soll.
- Das Land ist als Transitland für Öl aus den Ländern
um das Kaspische Meer vorgesehen. Die Ukraine will diesen Umstand
für sich nutzen, hat zugleich aber eine untergeordnete Rolle.
Darauf bezieht sich das Land erst einmal.
Damit klar ist, worüber jetzt geredet werden soll. Das ist
nicht der nationale Wahn, also das, was die Massen begeistert.
Sondern es ist der politökonomische Stellenwert eines ganzen
Landes, der die materielle Grundlage für so etwas wie eine
Staatsräson ist, also für das Programm, was Politiker
mit diesem Land überhaupt anfangen können und wollen.
Dafür ist jetzt die Kategorie Transitland eingeführt.
Das ist eine Schmach für eine Nation. Ein Transitland ist
selber nichts, es ist dadurch definiert, was rechts und links
davon liegt. Kein Wunder, dass es dann zerfällt. Aber dies
jetzt einmal seriös durchgeführt - es ist an das Öl
erinnert. Da gibt es auf der einen Seite den Lieferanten, das
sind nicht bloß die Kaukasusländer, sondern vor allem
Russland selbst mit seinem Erdgas und Erdöl. Das ist auf
der anderen Seite der Westen, Westeuropa im Wesentlichen, als
Kunde. Jetzt denkt man doch: Nichts besser als ein
Ölgeschäft.
Der eine will verkaufen, die anderen wollen kaufen, beim Preis
raufen sie sich zusammen, dann herrscht doch Harmonie zwischen
beiden Seiten - was gibt es dann zu zanken für das Land
dazwischen?
Es bekommt Gebühren für die Durchleitung, und damit
hat sich's. Warum ist dem nicht so?
- Weil dieses Land eine Funktion für dieses Durchleiten
erfüllen
soll, nämlich dass das Durchleiten auch im Geschäftssinn
der Beteiligten passiert, dass das Öl und das Gas auch im
Westen kontinuierlich ankommen und nicht durch irgendwelche
Umstände
unterbrochen wird. Insofern hat der dort existierende Staat dieses
Moment von Aufsichts- und Ordnungsfunktion zu erfüllen.
Na gut, dann soll er es erfüllen, das ist auch einmal eine
Staatsräson. "Ich passe auf die Trasse auf." Wenn
sich Kunde und Käufer einig sind, kann die Figur dazwischen
schauen, wo sie bleibt, aber da gibt es keinen Grund zur Spaltung.
- Dann bleibt nur, dass sich Kunde und Käufer gar nicht einig
sind.
Eben. Wenn die Bestimmung Transitland stimmt, dann hat man ein
Land vor sich, das sich wirklich nach Ost und West regional über
die politische Orientierung nach Russland oder zur EU hin spaltet.
Das ist nicht bloß der Wahn von irgendwelchen Leuten, die
sich irgendetwas Nationalistisches einbilden, sondern es stecken
unterschiedliche Konzepte dahinter, was aus der Ukraine werden
soll. Dann ist der Schluss durchaus korrekt, dann gibt es einen
Streit um dieses Land, gegensätzliche Angebote an und
Ansprüche
auf dieses Land, die gar nicht einmal - das ist in dem Fall das
Verteufelte - zum Inhalt haben, dass irgendeine Seite den Standpunkt
einnehmen würde: "Aus der Ukraine machen wir was für
uns." Vielleicht gibt es den Standpunkt eher noch von russischer
Seite, dass die Ukraine das Vorfeld der eigenen Industrie, ein
Beiträger zum Funktionieren der alten, aus der Sowjetzeit
überkommenen Industrien sein könnte - grad mit dem
Donezk-Becken,
der Kohle, der Stahlindustrie dort ein integriert gewesener Bestandteil
der alten sowjetischen Planwirtschaft. Das Erste, was man zu dem
Land sagen muss, ist, es ist nicht bloß zwischen zwei miteinander
Handel treibenden Blöcken eingeklemmt, sondern diese beiden
Blöcke machen sich den Einfluss auf dieses Land, quasi den
Besitzstand darüber, an welcher Seite dieses Land sich orientiert,
wechselseitig streitig.
- Hier macht die Definition Einflusssphären wirklich einmal
Sinn.
Das eine ist die wunderbare Klarstellung in Sachen Demokratie.
Es stand zu dieser Wahl von Anfang an fest, entweder es gewinnt
unser Mann, oder die Wahl ist gefälscht. Das ist auch einmal
eine Alternative. Was heißt jetzt ‚unser Mann'? Man
hat die ganze Zeit nichts davon gehört, welches
Entwicklungsprogramm
die EU für die Ukraine hat. Im Gegenteil hat man mehrfach
die Beschwerde gehört, sie hätten sich zu wenig um sie
gekümmert. Aber dass der unser Mann ist und dass Russland
dort geradezu der Feind ist, dem man jeden Einfluss dort verwehren
will, hat man von A bis Z vorbuchstabiert bekommen, angefangen
von der Beschimpfung der ganzen Ostukraine als Mafialand bis hin
zur Verhimmelung des Juschtschenko als dem dem Giftmord von der
Schippe gesprungenen Helden westlicher Werte.
- Der alte Kutschma steht dafür, dass die Ukraine mit ihren
beiden Abhängigkeiten irgendwie zurecht kommen muss und will.
Das, was an dieser Wahl aufgemacht wird, ist, dass sich beide
Kandidaten dazu stellen, dass die Abhängigkeit in der einen
oder anderen Weise von Seiten der Ukraine aus proklamiert, entschieden,
erklärt sein muss. Bei Kutschma bekommt man den Eindruck,
als ob das Spalten des Landes gar nicht sein müsste, dass
es weiterhin so gehen könnte, dass man sich gegen die
Ansprüche
der EU wehrt, indem man auf seine Alternativen mit Russland verweist,
und umgekehrt.
Das stimmt. Bei seiner Seitenwahl ist Kutschma durchaus einmal
vom Westen ein bisschen als ‚unser Mann gegen Russland' geschätzt
worden. Dieses ‚es will entschieden sein' ist ein bisschen
doppeldeutig. An dieser Wahl wird deutlich, dass das ‚unser
Land' nicht für die Ukraine stimmt; es gibt zwei
gegensätzliche
Konzepte. Da wird auf einmal die Wahl, die den Besten für
das Land ermitteln soll, zu dem Offenbarungseid darüber,
dass es da zwei unvereinbare Konzepte gibt, die gegeneinander
kollidieren. Diese Kollision - das ist die nächste Überlegung
- haben sich die Ukrainer nicht selber ausgedacht, sondern sie
reflektiert die gegensätzlichen Ansprüche beider Seiten.
Beide Seiten wollen die Sache jetzt einmal mehr für sich
entschieden haben: Zu wem orientiert sich die Ukraine. Gibt sich
die Ukraine her als Transitland an Russland vorbei; gibt sie sich
dafür her, das russische Transportmonopol für Erdöl
usw. in den Westen - immerhin ein wichtiger Geschäftszweig
- zu durchlöchern; gibt sie sich dafür her, quasi unser
Vorposten zu sein? Oder gestattet sie eine Wirtschaftspolitik,
einen wirtschaftlichen Einfluss, nach dessen Logik die Ökonomie
der Ukraine mehr oder weniger jetzt demnächst russischen
Konzernen gehört, wird sie mehr oder weniger zum Vorfeld
Russlands? Umgekehrt von Seiten der EU, aber ohne so einen
Besitzanspruch
in dem Sinn: "Das gemeinden wir demnächst ein."
In der westlichen Politik liegt eine gewisse Doppeldeutigkeit.
Sie bestehen einerseits sehr entschieden darauf, dass russischer
Einfluss beschränkt werden muss, wir mehr Zugriff auf die
Regierung in Kiew wollen und Juschtschenko unser Mann ist. Auf
der anderen Seite merkt man an der Behandlung des jetzigen Streits,
dass der von EU-Seite nicht auf Eskalation angelegt ist. Deswegen
kommt Kutschma mit seinem Vermittlungsstandpunkt wieder etwas
zu Ehren.
Diese Spaltung des Landes reflektiert gegensätzliche Interessen
an dem Land. Dann kommt der Gedanke, dass das zu zwei unterschiedlichen
Konzepten für das Land selber wird, ist die Leistung der
innerukrainischen Parteien selbst. Sie verfechten die beiden Konzepte
als unversöhnliche. Die Kunst, das Unvereinbare zu vermitteln,
haben sie immerhin auch acht Jahr lang gekonnt; eine Staatsdoktrin
zu erfinden, die beiden Seiten Rechnung trägt.
- Die Ukraine hat immerhin über die Jahre auch ihre Erfahrungen
mit dem Westen gemacht. Und sie bekommen mit, dass jetzt die Russen
in zunehmendem Maße Angebote machen. Dieser Spaltpilz wird
vorangetrieben durch die zunehmenden Erfahrungen dieser Länder
mit dem Imperialismus und seinem Interesse an ihnen. Im Falle
der Ukraine gab es den andauernden Streit um Kredite im Zusammenhang
mit ihren Atomkraftwerken. Dem Land wurden Bedingungen aufgemacht,
unter denen es überhaupt Kredite bekommt. Auf diese Bedingungen
hat sich die Ukraine nicht eingelassen. Die Erfahrung, man öffnet
sich dem Westen, um darüber als Nation Bestand zu haben,
hat eben auch gewisse Resultate gezeigt. Die Erwartungen sind
nicht aufgegangen, das Land ist abgehalftert. Auf dieser Grundlage
werden sie seitens der Russen mit Angeboten konfrontiert, die
heißen u. a., dass die alten Energieversorgungsanlagen wieder
hergerichtet werden.
Dies ist die sachliche Grundlage für diese Zuspitzung der
Lage. Andere Beispiele:
- Die westliche Politik gegenüber der Ukraine von Tschernobyl
bis zum heutigen Gezerre hat der Ukraine keine brauchbare Politik
geboten. Angesichts der Zerwürfnisse bei der Wahl gibt es
in der EU sogar eine gewisse Form der Selbstkritik: "Es ist
uns nicht gelungen, die EU der Ukraine schmackhaft zu machen."
Prodi ist bis zum Punkt fortgeschritten zu sagen: "Aussicht
auf Beitritt - für die nicht!" Für die Fraktion,
die den Anschluss an den Westen sucht, ist es deshalb auch sehr
schwer; sie können auf keine materiellen Mittel verweisen.
Russland hat auf der anderen Seite auf der Ebene der Kooperation
Geschäfte geboten, dabei ist Geld hereingekommen. Der letzte
Witz mit der Pipeline: Die Ukraine hat eine Pipeline von Odessa
bis an die polnische Grenze gebaut, um einen antirussischen Transit
von kaspischem Öl zu ermöglichen. In diese Richtung
ist bisher kein Öl geflossen, und die Ukraine sitzt auf den
Kosten. In diese Situation hinein haben die Russen das Angebot
gemacht, russisches Öl in der Nähe der polnischen
Grenze in die Pipeline einzuspeisen, es umgekehrt nach Odessa
zu pumpen und von dort aus zu verkaufen. Es geht um ein
Geschäft,
das in Hinblick auf den ukrainischen Staatshaushalt nicht zu
vernachlässigen
ist. Der Streit geht zwischen der EU-Kommission und Polen auf
der einen Seite und der Ukraine auf der anderen hin und her mit
dem Tenor: "Wenn ihr das macht, dann bedeutet das schlechte
Beziehungen zur EU" Andererseits stellt die Ukraine klar,
dass sie auf dieses Geschäft nicht verzichten kann. Das Wichtigste
ist der europäische Einspruch gegen den geplanten einheitlichen
Wirtschaftsraum, den Russland mit Weißrussland, der Ukraine
und Kasachstan aufmachen möchte. Dagegen haben europäische
Botschafter offiziell in der Ukraine Einspruch erhoben. Im Rahmen
dieses Planes für den Wirtschaftsraum hat umgekehrt Russland
weitgehende Konzessionen an die Ukraine gemacht, die weitgehende
Verdienstmöglichkeiten in Aussicht stellen. So soll z. B.
die alte arbeitsteilige Waffenproduktion wieder reaktiviert und
die Zusammenarbeit in der Schwerindustrie, die als Anhängsel
der Ölpreise in Gang gekommen ist, ausgebaut werden.
Da merkt man, was alles in Transitland drinsteckt. Jetzt konkurriert
da - jeweils zu einer eigenen Staatsdoktrin verfestigt - eine
strategische Orientierung mit einer politökonomischen Basis,
nämlich die nach Russland hin, mit einer sehr wuchtigen
strategischen
Zuordnung dieses Landes, vor allem einer negativen, einem Nein
zu der Zuordnung nach Osten, und das gibt auch eine ganze Staatsdoktrin
her, wie man diesen Staat zu regieren hätte. Die Frage, wovon
dieses Land eigentlich ökonomisch lebt, wird glatt in die
zweite Linie verwiesen. In der öffentlichen Berichterstattung
bei uns reflektiert sich das z. B. so: Eine ukrainische politische
Ökonomie kommt so vor, dass die im Wesentlichen aus korrupten
Oligarchen besteht.
- Wie kommt es, dass man diesen Gegensatz in der Ukraine per Wahl
entscheiden will?
Weil es so gar nicht gelaufen ist. Es gibt nicht den Gegensatz,
und dann entscheidet Kutschma, dass mit einer Wahl Klarheit verschafft
werden soll. Deswegen die umständliche Einleitung: Über
die Frage, wer der Beste ist, der das Land regieren soll, wird
die Frage, wie das Land selber überhaupt aussehen soll,
überhaupt
akut. Dass es den Streit gibt, aber als Streit zwischen Kutschma
und sonst wem, zwischen den Russen und dem Westen, als ewiges
Gezerre, das ist schon alt. Auch dass es unterschiedliche Fraktionen
gibt, ist schon alt. Dass der Westen so seine fünfte Kolonne
gegen die Russen aufgebaut hat, vom Handy angefangen bis zum Personal,
ist auch alles nicht neu. Es ist das Schicksal eines zwischen
unvereinbaren Interessen angesiedelten Landes. Dass das zu solch
einer klaren Kontroverse heranreift: Nach Osten oder nach Westen,
- ob das am Ende so ausgeht, ist wieder eine andere Frage; das
hängt gar nicht einfach von denen ab -, dass das so eskaliert,
das ist überhaupt die Leistung dieser Wahl bzw. dessen, dass
die beiden Kandidaten sich dermaßen als Repräsentanten
unterschiedlicher Wege aufgebaut haben. Der Wahlkampf selber ist
von beiden Seiten, von der russischen wie von der westlichen,
für dieses, dass jetzt einmal eine Entscheidung her muss,
auch so benutzt und vorangetrieben worden. Putin ist dort im Wahlkampf
aufgetreten, daraufhin hat die europäische Presse Janukowitsch
das Siegel der Marionette der Russen verliehen.
- Alle haben vor der Wahl so berichtet, als ob das eben Gesagte
gar nicht stimmen würde, nämlich dass das die Leistung
der Ukraine selber ist. Sie haben mitgeteilt, die Russen hätten
einen Kandidaten aufgestellt, ihm den Wahlkampf bezahlt. Dargestellt
wurde es so, die Russen versuchten, per Wahl den Gegensatz zu
ihren Gunsten zu entscheiden.
Wohingegen der andere ein blütenreines Gewächs der
ukrainischen
Volksseele ist, den wir nur so ein bisschen unterstützt haben,
damit er gegen die böse Fraktion der Macht auch einmal etwas
ausrichten kann.
- Die Fraktionierung in der Ukraine bekommt man wohl am besten
darüber geklärt: In den politischen Vorwürfen seitens
des Westens gegen die Ukraine z. B. in Sachen Waffenschmuggel,
Korruption, kommt diese immer halb als Schurkenstaat vor. Sie
mache lauter unlautere Geschäfte. Mit ihrer kaputten Ökonomie
kann sie auf dem Weltmarkt auch kaum anders auftreten. Darüber
ist sie mit den USA über Kreuz geraten. Der Gipfel war das
Abhörgerät, das die Ukraine angeblich an Saddam verkauft
haben soll. Kutschma stand die letzten Jahre immer halb auf der
Liste der personae non gratae. So ist diese Vermittlungspolitik
Kutschmas vom Westen charakterisiert worden: Er sei für den
Westen nach allen Kriterien unzuverlässig. Für die politische
Klasse in der Ukraine ist das Brisante, dass sie vor Augen haben,
wie es einem Staat auf der Welt ergeht, der von Europa und Amerika
in der Art und Weise kalt gestellt wird. Die Ukraine steht vor
der Frage, wie diesem Schicksal zu entkommen ist. Dass von der
Westukraine aus großartige Geschäfte mit Europa
stattgefunden
haben, ist mir gar nicht bekannt. Der von den Volkmassen abgewickelte
kleine Grenzverkehr, ist erst einmal durch die Schengen-Grenze
unterbunden worden.
Aber auch das ist eine Basis für eine Gemeinwohldefinition,
dass die, die politisch das Heft in der Hand haben, diese Politik
des Westens realisieren und sagen: "Dem müssen wir entkommen."
- Eben. Man kann sich doch nicht leisten, neben Europa zu wohnen
und von Europa in eine mindere Kategorie eingeordnet zu werden.
Dieser Einordnung müssen wir entkommen und dazu alles tun,
uns Beziehungen zu verschaffen. An dem Punkt gehen die Fraktionierungen
los.
Das hängt übrigens auch noch alles ein bisschen an dem
Stichwort - da merkt man, was da alles drinsteckt - "Transitland".
Was das für eine Vermischung von ökonomischen Eigeninteressen
und strategischer Zuordnung ist, weil dann auf einmal die strategische
Zuordnung selber Basis für ökonomische Interessen des
Landes ist - also: Was kann dieses Land überhaupt für
sich herausholen, wenn es von westlicher Seite geächtet wird?
Vergleichen wir diese Spaltung mit dem, was ja immer über
die USA gesagt worden ist, dass da die Präsidentschaftswahl
eine solche Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zustande
gebracht hätte, dass man große Zweifel haben muss,
ob die überhaupt jemals wieder zusammenwächst.
- Noch mal zur Wahl: Bei uns leistet sie einfach Ermächtigung
auf der Grundlage, dass die Staatsräson feststeht, dort soll
sie doch per Stimmenmehrheit die eine nationale Linie ins Recht
setzen und die andere ins Unrecht und da ist notwendigerweise
das Ergebnis der Wahl, dass sie die Auslandsfrage wieder aufmacht.
Wenn per Gericht entschieden wird und bei beiden Parteien es
äußerst
fragwürdig ist, ob sie sich unterordnen, gleichzeitig die
Parteien, die das Interesse von außen haben, also die Russen
und die EU, ihrerseits mitmischen, da merkt man doch, dass die
Wahl das, wofür sie sie angezettelt haben, gar nicht leistet.
Du denkst immer, die haben die Wahl anzettelt, um da was aus der
Welt zu schaffen, aber bei so einem Konflikt leistet die Wahl
etwas anderes, sie aktualisiert erst mal diesen Gegensatz, gibt
ihm eine andere Verlaufsform und hebt ihn auf eine neue Stufe.
Es bleibt dann nicht der interne Streit, der sich ja auch jederzeit
zuspitzen kann, dass dann jemand ausgebootet wird oder umgedreht
der Westen mit seinen Drohungen den einen oder anderen kaltstellt.
Vielleicht kann man das Ganze auch wieder herunterschrauben, dieser
ganze juristische und parlamentarische Formalismus, den Kutschma
angezettelt hat, das sind Verzögerungsmanöver, die darauf
hinarbeiten, zu sagen: jetzt vertagen wir das Problem erst einmal.
Es ist also sowohl drin, dass der durch die Wahl zugespitzte Gegensatz
in einen Bürgerkrieg mündet, wie auch, dass der Eklat,
den die Opposition zustande gebracht hat, der Höhepunkt war
und mit irgendwelchen Verhandlungen seinen Fortgang nimmt - letzteres
ist, wenn überhaupt, dann deshalb drin, weil es von westlicher
Seite ein dezidiertes Interesse an Zuspitzung bis zur Entscheidung
nicht gibt, an einer Zuspitzung, einem Veto gegen das, was die
Russen probieren schon, aber sie verbinden, siehe die
Vermittlungsversuche,
die Zuspitzung mit Kontrolle - zur Enttäuschung der Opposition,
die in der EU ihr Mittel pur sehen wollte.
... Der Westen hat erst mal geschaut, ob die Macht so zu
übernehmen
geht und die Öffentlichkeit hat drei Tage behauptet, dass
die Konfrontation zwischen der korrupten Herrschaft und dem Volk
stattfindet, dann mussten sie zugeben, dass es so einfach nicht
ist und das Volk in zwei Teile gespalten ist; der Konflikt soll
aber nicht auf der Straße entschieden werden, sondern in
irgendwelchen Gremien mit den politischen Figuren.
Wie die westliche Öffentlichkeit gegen die jetzigen
ukrainischen
Machthaber hetzt, erinnert an die Hetze bei der Geiselnahme in
Beslan: deren Kommentare sind viel entschiedener, auch
triumphalistischer
und gemeiner in der Darstellung der ‚falschen' Seite, als
die Hauptlinie der EU-Politik verfährt. Was dann hier auch
immer aufgegriffen wird: Die bisherigen EU-Mächte haben sich
für die Ukraine nicht so interessiert, da müssen erst
die Polen kommen und sagen: "Wir wollen aber nie mehr unter
das moskowitische Joch", bevor man da zu den Richtigen in
der Ukraine hält - dass das so etikettiert wird als Standpunkt
der EU, ist das Moment von Vorsicht, das in dieser Zurückweisung
der russischen Politik und der Orientierung nach Russland immer
noch waltet.
- Und die nationalen Standorte innerhalb der EU konkurrieren
untereinander
und treten mit unterschiedlichen Interessen an die Ukraine und
Russland heran, also die deutsche Position fällt da nicht
unbedingt in eins mit der EU-Position und schon gar nicht mit
der polnischen - die Deutschen denken viel entschiedener an das,
was Russland ihnen nützen soll.
- Nur die Öffentlichkeit nimmt die schärfste Position
ein und hetzt so rum, als müsste man Russland seine so genannten
Vasallenstaaten alle auf einen Schlag abnehmen.
An den Massen, die jetzt für eine freiheitliche Ukraine
eintreten,
sieht man die anfangs besprochene Übersetzungsleistung deutlich,
nämlich die Übersetzung der Abhängigkeit vom Westen,
für die Juschtschenko steht, in ein Kombinat aus Freiheit
und Nationalismus, als ob das erst die Vollendung der Befreiung
der Ukraine wäre. Der Juschtschenko-Wähler hat sich
den expliziten Fimmel zugelegt, die Ukraine sei ein für alle
ihre wohlmeinenden Insassen gemachtes Gemeinwesen, das ein Dorado
der Freizügigkeit ist, und der Westen und die von ihm
herübertransportierte
Freiheit stellten die Zukunft der Ukraine dar - das ist der Idealismus
der einen Sorte des ukrainischen Nationalismus; die den Osten
hochhaltende Fimmelvariante hat allerdings auch nicht viel mehr
mit Rationalität zu tun, da werden eben die Idealismen der
Abhängigkeit von der anderen Seite gepflegt: "Juschtschenko
verkauft uns an die Yankees" ist auch eine Art, Imperialismus
zu ver-idealisieren. Für diesen Idealismus stehen dann so
Sachen, dass alle Legenden und Erfahrungen vom Ersten Weltkrieg
bis zu den letzten Taten des KGB wieder aufgewärmt werden
und in dieser Kontroverse ihre Rolle spielen. Jetzt merkt man,
welche Produktivkraft die Zuspitzung des Nationalismus auf eine
Alternativfrage hat: Wer ist der Beste? Wobei man sagen muss,
die Frage ‚Wer?', also diesen ersten Bestandteil der Frage,
kann man fast noch beiseite lassen. Denn welche Figur das dann
ist, das ist, wenn so ein Konflikt aufgekocht wird, relativ
nebensächlich,
da steht eine Figur für eine nationale Linie; umgekehrt spitzt
die Frage: ‚Wer ist der Beste für unser Land?' die Spaltung
des Landes zu.
Jetzt zum Vergleich zu den Wahlen in den USA. Wie ist diese viel
beschworene Spaltung der USA einzuordnen? Bezogen auf die Frage:
‚Wer ist der Beste für unser Land?' stand nie zur Debatte,
was das Land selber darstellt, was seine Erfolgskriterien sind,
wo es mit ihm hin soll, insofern war es eine lupenreine
Präsidentenwahl.
Wenn die substanzielle Einigkeit zwischen den Kontrahenten
feststand - der Erfolg der Nation -, wenn auf dieser gemeinsamen
Basis gestritten wurde, ob der Krieg dafür ein gutes Mittel
war und, wenn schon Krieg, ob er dann auch gut genug geführt
worden ist oder ob man ihn nicht noch geschickter hätte
führen
können - woher kam dann die Erbitterung in der Frage, wer
der Beste ist?
- Kerry hat Bush im Wahlkampf vorgeworfen, dass dieser es bei
seinem Vorhaben nicht fertiggebracht habe, die Alliierten hinter
sich zu bringen. Außenpolitik besteht darin, die auswärtigen
Souveräne, die dies Vorhaben nicht mittragen wollen, zu dem
zu bringen, was die USA wollen, und das hat Bush nicht geschafft.
Gibt es einen Unterschied oder Gegensatz zwischen den beiden
Parteien,
zu dem man sagen könnte, dieser Gegensatz betrifft nicht
nur die Präsentation der Figuren für das Wahlvolk -
eigentlich sind sie austauschbar von dem her, was sie darstellen
und der ganze Unterschied ist berechnet darauf, den eigenen als
den besseren Mann für dieselbe Sache darzustellen oder gibt
es ein Moment sachlicher Differenz zwischen den beiden? Aus der
Kritik von Kerry an Bush kriegt man keine große Differenz
her, siehe Kerrys Kritik an Bush, dass er es nicht geschafft habe,
die Alliierten hinter sich zu bringen, weil er quasi als Befehlshaber
und nicht als freundlicher Diskutant aufgetreten sei, der sie
auf diese Weise zum Mitmachen bringt. Bush hat immerhin für
die Nation einen globalen Notstand ausgerufen und Kerry wohl nicht
ganz zu Unrecht verdächtigt, dass der nie so stringent
weitergemacht
hätte, vielleicht hätte er auch Afghanistan bombardiert.
Aber den Standpunkt etablieren: Ihr seid für uns oder gegen
uns und es gibt nichts Drittes und dafür ist der Terrorismus
und seine Bekämpfung die Scheidelinie, das ist eine Sache,
die sich nicht herbeidiskutieren lässt, sondern mit der man
die Verbündeten konfrontieren muss. Der inhaltliche Gegensatz,
den Bush aufgemacht hat, ist, das als entscheidende Prämisse
amerikanischer Politik festzusetzen: Wir sind im Krieg, und es
ist ein Unterschied, ob man das als Prämisse durchdrückt
oder ob man sagt, der Krieg ist etwas, das mit den Kollegen
durchgezogen
wird. Er hat ein Gespür dafür, dass er darin radikaler
ist als Kerry, dem er vorwirft: Wer in dem Notstand, in dem die
USA sich befinden, Zweifel äußert an der Effektivität
und dem Erfolg von Gewalt, der unterliegt schnell dem Verdacht,
dass er gar nicht so entschieden ist zum Einsatz der Gewalt. Den
Standpunkt, dass man im Krieg sei, haben beide, darum hat
sich der Kerry ja auch als alter Soldat und einer, der sich in
diesem Geschäft auskennt, gemeldet. Von diesem gemeinsamen
Standpunkt her spitzt sich dann alles auf die Frage zu, wer dafür
der Beste ist, und da ist dann die Frage, wer die besten
Führungsqualitäten
hat, nahe liegend. Eine Entscheidung beinhaltet der Wahlkampf
und die Wahl dann schon, denn wenn das Ergebnis ist, dass der
Gewinner der beste Mann fürs Kriegführen ist, dann steht
auch fest, dass der Krieg bis auf weiteres Nummer 1 auf der Agenda
der USA ist. Der Vorwurf von Bush an Kerry war: Wenn der gewählt
wird, gibt es keine Garantie, dass der Antiterrorismuskrieg nach
und nach auf der Agenda weiter herunterrutscht. Ob das stimmt
oder nicht, braucht einen nicht zu beschäftigen, eins ist
umgekehrt aber schon klar: Mit der Bestätigung von Bush ist
die Agenda der USA affirmiert, nämlich an erster Stelle kommt
die Durchsetzung der amerikanischen Gewalt auf der Welt und dafür
ist er die entscheidende Figur. Insofern enthält die Entscheidung,
wer der Beste ist, Kriterien, die dann nicht bloß festlegen,
an welchen Kriterien die Figur gemessen wird, sondern dann
wird umgekehrt die Lage nach den Kriterien festgeschrieben
(aber nicht entschieden), nach denen der Bessere gewonnen hat.
Man muss drauf aufpassen, wo steht die fortlaufend fortgeschriebene
Definition des amerikanischen Gemeinwohls zur Debatte, welche
Interessen sind am Werk, welche materiellen Interessen - nicht
nur geschäftlicher, sondern auch strategischer Art - stecken
hinter der Entscheidung, dass Bush der Bessere ist und wie wird
das Volk für den jeweiligen begeistert? Es gibt ja durchaus
Fraktionen in den USA, die sich von ihrem Interesse her ernstlich
die Frage vorlegen: Wer nützt uns mehr? Das setzt viel an
substanzieller Einigkeit in der Sache voraus, aber es gibt ja
Industriezweige, die sich aus ihren Interessenerwägungen
heraus für den einen oder anderen Kandidaten entschieden
haben. Und es gibt strategische Positionen in der herrschenden
politischen Klasse der USA, die darauf gehen: Wir müssen
die Härte in unserem Antiterrorismuskrieg betonen und - da
hängt z. B. die Nahostfrage dran, welche Linie man dort
einschlägt
- es gibt durchaus welche, die sich etwas versprochen haben von
einer anderen Linie und gemeint haben, für das, was sie mit
den USA im Nahen Osten jetzt anstellen, sei Kerry der bessere
Mann. Das sind marginale Unterschiede, aber welche, hinter denen
dann irgendeine strategische Überlegung oder ein materielles
Interesse einer Industriefraktion steckt. Das ist aber auch im
Fall Amerikas zu unterscheiden von der Frage: Womit begeistert
der jeweilige Kandidat seine Leute? Dafür spielt der Krieg
durchaus auch eine Rolle, aber das ist dann nicht die Überlegung,
wie viel Geschäft macht Halliburton oder wie viele
Arbeitsplätze
werden in den USA geschaffen, sondern dann ist die Frage: Wie
entscheidet ein Volk, wer der bessere Führer ist? Wie kriegt
ein Volk das fertig, sich in einen Krieg verwickeln zu lassen,
sogar zu erfahren, wie viel Lug und Trug bei der Begründung
dieses Kriegs dabei war, über die Machenschaften und die
Lügen der Regierung nicht in Unkenntnis gelassen zu werden,
darüber informiert zu werden, wer die Nutznießer dieses
Krieges sind und wer dabei draufgeht, und das alles unter die
Frage zu subsumieren: Wer ist der vertrauenerweckendere Führer?
- Klar der, der es bisher gemacht hat. Und das fällt nicht
zusammen mit strategischen Überlegungen der Art: Wie bauen
wir die Alliierten am besten ein und gehört zum Antiterrorkrieg
nicht ein Unilateralismus, wie ihn die anderen nicht leiden
können?
Das sind so Sachfragen, wie sie in der Regierung immer anstehen,
mit denen das Volk aber nichts zu tun hat. Welche Kriterien werden
ihm also für die Entscheidung angeboten?
- Nach dem, was vorher besprochen wurde, müsste die Frage
darauf gehen: was ist das für ein Ideal, was da zur
Wahl gestellt wurde? Es ist das Ideal des ohne Einschränkung
siegreichen Amerika oder des Amerika mit Recht auf Sieg. Man kann
die obigen Fragen auch von dem Ideal her diskutieren, dann sind
es aber keine Sachfragen.
Genau. Alle Kriegsfragen - und dann passt neben dem Krieg auch
noch die Krankenversicherung drunter und die Frage: Was kosten
die Pillen für Rentner? - werden übersetzt als Beiträge
zu dem großen Thema: Hat unsere Nation den Erfolg, der ihr
gebührt? Das ist der Standpunkt: Wie steht die Nation da
auf der Welt? Das steckt sogar in dem: Legt die Nation Ehre ein
damit, wie sie den Pillenbedarf ihrer Rentner behandelt? Da steckt
sogar noch ein Moment von materiellem Interesse dieser Figuren
mit drin, eben in der übersetzten Form: Ist das eine zu unserer
Nation passende Sozial, Schulden- usw. politik, die da gemacht
worden ist? Alles kommt unter die große Messlatte: Ist das
patriotisch? Macht das unserer Nation Ehre? Wird sie so gut regiert,
wie sie es verdient? Da hat man das ganze Ensemble von
Übersetzungen
von allem und jedem in Beiträge zu dem Ideal eines starken,
siegreichen, in der Welt völlig unvergleichlichen Amerika.
Das, worauf die Macher des Staates Wert legen, die ganzen Momente
politischer Betätigung, die sie dem Volk ja auch immerzu
erklären - wofür man Krieg führt, wofür man
Schulden macht, warum man wie mit den Verbündeten verfährt
und ob die Chinesen gut oder böse sind - werden als Beitrag
zu einem großen und mächtigen Amerika interpretiert.
Der Wahlkampf in seinem Verlauf arbeitet die Gewichtung dieser
Beiträge heraus und da hat die Regierung - Stichwort Amtsbonus
- allemal das Plus, dass sie Fakten setzt, zu denen sie dann die
Erklärung anbietet, eine Umdrehung also, die im übrigen
keinen demokratischen Fachmann wundert - in dem Verdacht steht
doch jeder demokratische Staatsmann, dass er einen Krieg dann
eskaliert, wenn er meint, er muss dem Volk klar machen, dass jetzt
Krieg ist. Das ist jetzt nicht üble Nachrede, sondern die
Selbstverständlichkeit, die unter Demokraten kursiert. Aber
das gehört alles in die Abteilung: Die gemachte Politik will
dem Volk nahe gebracht sein. Dazu gehört eine Gewichtung
der verschiedenen Abteilungen; aber wie bekommt man es fertig,
einen Krieg in den Vordergrund zu stellen, der umstritten ist,
von dem eigentlich jeder wissen kann, dass er von Anfang an verlogen
ist und am Ende handelt der Wahlsieger sich Kommentare ein nach
dem Muster: Eigentlich hat die Moral gewonnen, das seien die besagten
family values, auch der liebe Gott - also der ostentative Glaube
von Bush an ihn - soll eine große Rolle in dem Wahlkampf
gespielt haben, also diese Übersetzungsleistung: die Nation
führt Krieg und wahlentscheidend sind - etwas überspitzt
ausgedrückt - zwei Gören, die ihren Präsidentenvater
preisen und eine arrivierte Negerin, die zu Protokoll gibt, sie
betet vor jeder Kabinettssitzung erst mal eine Runde mit dem Chef.
Da ist etwas dran zu sagen: je größer die Militanz
eines Staates, desto wichtiger ist eine absolute Begründung
- also dass das Ganze vom Herrgott abgesegnet sei -, bloß
die hat in Amerika eine interessante Verlaufsform. Es gibt keine
Instanz in Amerika, die gesagt hätte, ich bin der liebe Gott
oder sein Stellvertreter und was du da machst, geht in Ordnung.
Das ist das Vertrackte: die private Natur des Gottesglaubens ist
der Knüller in diesem Wahlkampf gewesen und offenbar
überhaupt
der Knüller in Amerika, also diese Kombination aus privat
und politisch, ist das Aufklärenswerte an diesem Wahlerfolg.
Dasselbe mit den family values: was hat denn die Frage, ob der
Bush die Ehe zwischen Homosexuellen verurteilt, mit dem Krieg
zu tun?
Nächstes Mal mit dieser Frage weiter und dann das Ende der
Multi-Kulti-Gesellschaft.