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GegenStandpunkt 
Politische Vierteljahreszeitschrift

Die Redaktion bietet eine regelmäßige Gelegenheit zur politischen Diskussion. Themen sind Innen- und Weltpolitik, Wirtschaft und Geistesleben; ferner Artikel, die in der Zeitschrift GegenStandpunkt erschienen sind.

jeweils Donnerstag, 20:00 Uhr

Vortrag mit Diskussion

am Donnerstag, 29. Mai 2008, 20:00 Uhr
im K4 im Künstlerhaus, Festsaal, Königstr. 93, Nürnberg

Die Einkommen in der Klassengesellschaft

Warum verdient wer wie viel?

Die Frage nach dem Einkommen ist in der Marktwirtschaft existenziell. Wie viel Geld ein Wirtschaftsbürger für wie viel Arbeitsaufwand heim trägt, entscheidet über sein Leben; darüber nämlich, ob ihm die Güter des täglichen Bedarfs sowie des Genusses in ausreichender Menge und Qualität zugänglich sind, und ob die für deren Beschaf­fung erforderliche Arbeit auch noch Lebenszeit und Lebenskraft für Genuss und die Entwicklung freier Interessen übrig lässt.
Jeder weiß, dass die Einkommen in der Marktwirtschaft krass verschieden ausfallen: Vom Null-Einkommen der Arbeitslosen reichen sie über Hungerlöhne im wachsenden Niedriglohnsektor, über schmale, mittlere und bessere Arbeitslöhne, zu Beamten- und Politikergehältern; unter den Selbstständigen gibt es noch einmal die weite Spanne vom Elend der Ich-AGs und der kleinen Handwerker bis zu den ein- und zweistelligen Millionenbeträgen der Ma­nager; ganz zu schweigen von den Besitzern wirklich großer Vermögen, Ländereien und Industriebeteiligungen. Das steile Gefälle gibt zu denken.
Die meisten verführt es zu der falschen Frage, ob sie auch bezahlt bekommen, was ihnen aufgrund ihrer Leistung eigentlich zustehen müsste; bzw. ob die anderen wirklich verdienen, was sie verdienen. Kritische Zweifel, ob die enormen Einkommensunterschiede durch ebenso große Unterschiede der Leistung zu rechtfertigen seien, sind nämlich sehr unkritisch. Sie setzen als selbstverständlich voraus, dass vom Grundeigentümer, der Mietzins, über den Aktienbesitzer, der Dividende einstreicht, den Manager, der für Organisation und Erfolg der Profitmacherei seine Millionen kassiert bis zum Ingenieur, Maurer und Briefträger alle Einkommensbezieher größere oder kleine­re Arbeitsleistungen in eine große Arbeitsteilung erbringen, von deren Produkten und Diensten dann das Volk und alle Einzelnen leben. Aber vielleicht gibt es das Gemeinschaftswerk ja gar nicht, zu dem alle Beiträge leisten. Vielleicht gibt es gar keine Verteilung des Nationalprodukts, die man auf ihre Gerechtigkeit hin befragen könnte, sondern nur die Konkurrenz um die Aneignung des geschaffenen Reichtums; einen Kampf, in dem sich die einen mit ihrer Macht nehmen, was die anderen sich nehmen lassen.
Statt diese verkehrte Frage nach der Gerechtigkeit der Einkommensverteilung zu beantworten, wird unser Vortrag die Entstehung der Einkommen erklären. Mit welchen Mitteln sichern sich die verschiedenen Teilnehmer an der Wirtschaft ihren Anteil? Wofür werden sie bezahlt? Sind Grund, Zweck und Quelle der diversen Einkommen erst einmal geklärt, braucht sich niemand mehr darüber zu wundern, dass diejenigen, die mit ihrer Arbeit das National­produkt schaffen, ewig arm bleiben. Während der Reichtum der wirklich Reichen mit eigener Arbeit nichts zu tun hat.