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Wir
laden ein:
zu einem Vortrag mit Diskussion
am Mittwoch, 3.12.2008, 18:00 Uhr
in der Moritzbastei, Ratstonne, Leipzig
Veranstalter: AG Politische Diskussion
Thema: Internationale Finanzkrise: Wenn Banken krachen ...
Was der Kollaps des Finanzsystems über den Reichtum der
kapitalistischen Nationen lehrt
Referent: Dr. Theo Wentzke (Redakteur
GegenStandpunkt)
Was mit einer Hypothekenkrise in den USA begann, hat sich zu einem
fortschreitenden Zusammenbruch des Finanzsystems ausgewachsen. Der
Herbst 2008 zeigt drastisch, was es heißt, im Kapitalismus zu
leben. Schlechterdings alles, das Arbeiten und Kaufen, das Leben und
Überleben, ist eine abhängige Variable des
Finanzgeschäfts. Wenn Börsianer und Bankiers mit ihrer
Bereicherung scheitern, dann scheitert alles – und dem ganzen Volk
droht schlagartig eine weitergehende drastische Verarmung. Ersparnisse
und Rentenanlagen gehen kaputt, Arbeit und Einkommen werden gestrichen.
Das ist konsequent und kein Unfall in einem System, in dem sich alles
Wirtschaften um die Vermehrung von Geld dreht:
*
Der grundsolide Mittelstand hat nicht
die Versorgung der Menschheit zum Ziel, sondern die Erwirtschaftung von
Gewinnen. Sie fallen umso höher aus, je schlechter die Belegschaft
bei Lohn und Leistung behandelt wird. Produziert heißt noch nicht
verkauft, verkauft heißt noch nicht, die nötigen Geldsummen
zu haben, die es braucht, um mit eigenem Wachstum Konkurrenten aus dem
Markt zu drängen. Kredit hilft den Betrieben über diese
Schranken hinweg.
* Banken geben ihn, weil sie daran verdienen. Mit
einem Zins sind sie am Gewinn beteiligt, den Unternehmen aus ihrer
Belegschaft mit Kredit vermehrt herausschlagen. Jetzt hat der Arbeiter
schon zwei Herren, denen er mit seiner billigen und ausgiebigen Arbeit
zu dienen hat, dem Betrieb und der Bank.
* Banken machen, was alle ehrbaren
Geschäftsleute tun. Sie wachsen, und für ihr Wachstum
belassen sie es nicht beim Kreditieren der Industrie, sondern schaffen
und finanzieren Wertpapiere, in denen vornehmlich sie selbst ihre
Gelder anlegen. Die Mittel dazu haben sie ja als Herren des Kredits.
* Der Staat will und fördert das Wachstum des
Finanzsektors nach Kräften, weil er die Quelle der staatlichen
Verschuldung ist. Nur so lassen sich die gewaltigen Summen
mobilisieren, mit denen der Staat die Ausbeutungstechniken auf seinem
Standort und die Kampfkraft der Bundeswehr auf den jeweils neuesten
Stand bringt.
* Internationale Geldanleger legen sich gern an
einem Standort und in einem Geld an, das scheinbar grenzenloses
Wachstum verspricht. Das stärkt die Währung des Landes und
macht den Staatskredit zu international tauglichem Geld, über das
nur ganz wenige Nationen verfügen. Staaten, die eine solche
Finanzmacht nicht bei sich versammeln können, bleiben auf ewig arm
und ohnmächtig. Solche, die diese Potenz verlieren, werden es
schnell.
Eine wachsende Finanz- und Spekulationsbranche ist also die Lebensader
der gesamten Wirtschaft und des Staates. Und ihren Dienst leisten die
Finanzmagnaten umso besser, je mehr Freiheiten sie für ihr
Wachstum eingeräumt bekommen.
Jetzt zeigt sich in der Weltfinanzkrise, dass die gewaltigen Massen von
Wertpapieren einen Vorgriff auf wirklichen Reichtum, einen
versprochenen, noch gar nicht wirklich produzierten Wert darstellen,
der nicht bezahlt werden kann, wenn misstrauisch gewordene Besitzer
solcher Papiere auf Auszahlung bestehen. Seitdem fallen die Wertpapiere
und Investmenthäuser rund um den Globus wie Dominosteine. Und
nicht nur sie: Die „Realwirtschaft“ bricht Stück für
Stück zusammen. Das ist folgerichtig. Das Spekulationsgewerbe hat
mit seinem Kredit die produzierende Wirtschaft von den Schranken des
Marktes und seiner begrenzten Kaufkraft befreit; jetzt sorgt umgekehrt
die Entwertung des Finanzsektors und das Versiegen des Kredits für
die Reduktion der Industrie auf eben diese Schranken.
Die arbeitende Bevölkerung wird dafür mit Entlassungen und
Lohnkürzungen in großem Stil in Haftung genommen.
Forderungen nach einem reellen Lohnzuwachs hat die einsichtige
IG-Metall gleich selbst vom Programm genommen. Dafür kriegt das
Volk als Entschädigung einen ideellen Lohn. Man darf auf die
„Zocker“ schimpfen, denen es „nur ums Geld geht“. Als wäre es dem
Mittelstand jemals um etwas anderes gegangen! Auch die Politik darf an
den Pranger gestellt werden, weil sie die Regelung des Finanzsektors
unterlassen hat. Als gäbe es eine einzige Zweckgesellschaft oder
Wertpapiersorte ohne gesetzlichen Segen und staatliche Aufsicht! Linke
von Attac mahnen die „dienende Aufgabe“ der Banken an. Als wäre
der Dienst, den sie den Betrieben mit Kredit erweisen, jemals auf etwas
anderes berechnet als die Bereicherung der Bank und des Betriebes,
beides auf Kosten der Arbeiter.
Diese Kritik an den „Zockern“ im „Casino-Kapitalismus“ ist nicht nur
falsch, weil sie die Notwendigkeit der Krise durch vermeidbare Fehler
beim führenden Personal ersetzt. Sie ist auch unehrlich: Keiner
will die „Zocker“ vom Hof jagen! Der Rettung des Finanzsystems auf die
eine oder andere Art mag sich niemand verschließen.
Damit es nicht weitergeht wie bisher, nehmen wir uns die Zeit für
die Erklärung des Finanzkapitals und seiner Leistungen für
die kapitalistische Welt der Arbeit.