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Veranstaltung der GEGENSTANDPUNKT-Redaktion
in
Gießen
Vortrag und Diskussion
am Mittwoch, 16. April 2008, 19.30 Uhr,
im Kongresszentrum Gießen, Winchester-Zimmer, Eintritt frei
Was von Marx zu lernen wäre:
Alles Nötige über Arbeit und Reichtum im Kapitalismus
An deutschen Universitäten gehört es sich, dass man sich
gelegentlich an den Theoretiker des 19. Jahrhun-derts erinnert, dessen
Gedanken einmal die Welt bewegt haben, der heute aber ein „toter Hund“
ist. Auch er gehört irgendwie zum Bestand des
geistesgeschichtlichen Erbes; jedenfalls wird er in es eingemeindet –
und zwar als ein Großer: ein großer Philosoph zum Beispiel,
der es nach Hegel noch einmal geschafft hat, dialek-tisch zu denken;
ein großer Soziologe, der ein System gebastelt hat, in dem die
Gesellschaft von der materiel-len Basis bis zum Überbau der
Religionen und Ideen auf ein Prinzip gebracht ist; ein großer
Prophet, der die Globalisierung früh vorausgesehen, ein
großer Utopist, der sich eine schöne bessere Welt ausgedacht
hat – und so fort.
Dass der Alte selbst, wenn er gefragt würde, nichts von dem
genannten Großen vollbracht haben wollte, ja sich dieses Lob
verbitten würde, kann seine geistesgeschichtlichen Freunde nicht
bremsen. Sie haben ihm so-gar den Umstand, dass er Kommunist gewesen
ist, verziehen, rechnen ihm diesen Fehltritt jedenfalls nicht mehr als
gravierenden Einwand vor. Er selbst sah seine Leistung einzig und
allein in dem, was der Untertitel seines theoretischen Hauptwerkes
ankündigt: in der „Kritik der politischen Ökonomie“ des
Kapitalismus.
Marx war, wenn irgendetwas, Ökonom – ausgerechnet die
Wirtschaftswissenschaften allerdings haben keine gute Erinnerung an
seine theoretischen Leistungen, ja eigentlich überhaupt keine.
Kein Wunder. Schließlich hat er nicht nur die menschenfeindliche
und absurde Rationalität des Wirtschaftssystems aufs Korn
genommen, das sie so vernünftig finden, er hat auch ihre
verständnisvollen Theorien darüber widerlegt.
An dem Kapitalismus, den Marx in der Phase seines Entstehens
analysierte und kritisierte, hat sich seit sei-nen Tagen dies und das,
aber nichts Wesentliches geändert: Immer noch ist die Vermehrung
des Geldes der beherrschende Zweck, für den gearbeitet wird – und
das ist keineswegs ein geschickter Umweg zur Befriedi-gung der
Bedürfnisse; noch immer sind die arbeitenden Menschen
Kostenfaktor, also die negative Größe des Betriebszwecks;
noch immer findet die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, also
der größten Quelle des materiellen Reichtums
ausschließlich statt, um Löhne zu sparen und
Arbeitskräfte zu entlassen – also um den Arbeiter ärmer zu
machen.
Wegen dieser Aktualität und nur wegen ihr verdient es der
längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine
Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit auch heute noch
zu erklären. Das will der Vortrag anhand von Originalzitaten
vorführen. Anzukündigen sind also einführende Argumente
zur Kritik des Kapita-lismus, wie sie dem Studium von „Das Kapital“ zu
entnehmen sind, sowie ein paar ungewohnte Gedanken über Arbeit und
Bedürfnis, Geld und Nutzen, Kapital und Arbeit, materiellen und
kapitalistischen Reichtum sowie über den Gegensatz zwischen diesen
Paaren, die unsere heutige Welt beinahe für Synonyme hält.
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Termine, jeweils 19.30 Uhr: