Übersicht
GegenStandpunkt & Diskussion in Freiburg
Mittwoch, 7. Mai 2008, 20 Uhr
jos-fritz-café, Wilhelmstr. 15/1
Thema:
"Finanzkapital und Finanzkrise.
US-Hypothekenkrise, Fondsschließungen, Bankenpleiten:
Ein Lehrstück über Eigenart, Leistung und Macht des Finanzkapitals"
Referent Dr. Theo Wentzke
Gerade noch hatten sich die meisten Industrie-Nationen über
ihren „Aufschwung“ gefreut. Und dann das: Ein Beben im Finanzgewerbe
löst weltweit Fondsschließungen, Bankpleiten und Angst an den
Geldmärkten aus. Die Aktienkurse an den Weltbörsen fallen, und
vorsorglich informieren Tageszeitungen ihre Leser darüber, ob ihre
Ersparnisse noch sicher sind. Und warum das alles? Ein paar tausend
Häuslebauer in den USA sind mit der Bezahlung ihrer Hypothekenschulden
in Rückstand geraten, so wird erzählt – und rund um den Globus werden
Milliarden im zwei- bis dreistelligen Bereich vernichtet? Einen Anlass
mögen die Ausfälle bei der Bedienung von US-Immobilienkrediten
vielleicht bieten, der Grund für den Krach sind sie sicher nicht.
Banken, so hörte man, machen ihr Geschäft nicht nur mit der Vergabe,
sondern auch mit der „Verbriefung“ von Krediten. Sie bündeln von ihnen
an Haus- oder Autokäufer vergebene Kredite zu einem Wertpapier, das sie
an Fonds und Geldanleger mit Gewinn veräußern. Wieso können Banken
etwas verkaufen, also zu Geld machen, das sie gar nicht mehr haben,
etwas, das sie weggegeben haben, offene Forderungen eben? Kaum macht
die Öffentlichkeit Bekanntschaft mit dieser Geschäftstechnik, wird sie
auch schon als genialer Kunstgriff zur „Streuung von Risiken“ gefeiert.
Statt sich bei einer Bank zu konzentrieren, verteilen sie sich auf die
Schultern vieler Anleger. Diese „Risikostreuung“ hat lange Zeit ihr
Werk zum Wohle der ganz großen Geldanleger getan. Die haben sich dumm
und dämlich verdient. Neuerdings hat sich die Sache anders entwickelt,
als von ihren Erfindern gedacht, als Vervielfachung von „Risiko“: ein
Finanzkrach ist da und zwar global. Als grundsolide geltende
Kreditverbriefungen erweisen sich über Nacht als Luftbuchung. Worin
besteht der Wert von Papieren, der sich über Nacht in nichts auflösen
kann?
Dieselben Figuren aus den Chefetagen des globalen Kapitalismus, die
ansonsten immer ihre uneingeschränkte Handlungsfreiheit fordern und
staatliche Regelungen als Geschäftsschädigung und Freiheitsberaubung
geißeln, rufen nun nach dem Staat. Die werden auch in Gestalt der
Zentralbanken aktiv. Während eine Aufstockung der Arbeitslosengelder,
Pensionen angesichts gestiegener Lebensmittelpreise dem Ziel eines
ausgeglichenen Staatshaushalts entgegensteht, so dass der Staat in
Gestalt des Finanzministers solchen Bedürfnissen eine Absage erteilt,
pumpen die kapitalistischen Staaten über ihre Zentralbanken unter der
Führung der US-amerikanische FED und der Europäischen Zentralbank (EZB)
mal ca. 400 Milliarden € Kredit zur Rettung der Finanzwelt in den Markt
– weil die Banken einander wechselseitig für nicht mehr kreditwürdig
halten, wie man liest. Deren Überleben ist anscheinend existenziell für
„unsere“ Wirtschaftsweise und liegt den Staaten ganz anders am Herzen
als das materielle Wohlergehen der gewöhnlichen Bürger …