Datum: 26.5.2008
Zeit: 19.30 Uhr
Ort: Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstr. 9)
Referent Dr. Theo Wentzke
Dass es der Welt an Moral fehle, meint eigentlich ein jeder.
lauter Dokumente des umfassenden Mangels an Gemeinsinn, Pflichtgefühl, Menschlichkeit. In diesem Versagen fast aller Mitmenschen vor den Maßstäben des Guten haben die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft die fertige, stets abrufbare und auf alles anwendbare Erklärung für die sozialen und zwischenmenschlichen Ekelhaftigkeiten, die sie erleben müssen. Wären nur alle so tugendhaft und verantwortlich, wie sie sollten, wäre die Welt in Ordnung, und jeder bekäme, was ihm zusteht.
Dass es ihm selbst an Moral fehlt, meint eigentlich kaum jemand. Man hält sich ja an die Gesetze, zahlt Steuern, tut in Beruf und Familie seine Pflicht, übt Rücksicht auf andere, engagiert sich manchmal sogar für die Umwelt und spendet für die Armen. Eigen- und Fremdeinschätzung weichen da ziemlich voneinander ab. Ein jeder sieht sich von Egoisten, Abzockern, Lumpen umgeben und kennt vor allem einen Rechtschaffenen: sich.
Das ist nur eine der selbstgerechten Dummheiten des moralischen Bewusstseins, von dem die Rede sein wird. Mit diesem Bewusstsein verstehen sich die Menschen als – wertvolle – Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft und sehen sich zum Wächter über das korrekte Betragen ihrer Mitmenschen berufen. Das selbst bringt jede Menge Feindseligkeit unter die Leute.
Unsere These:
Die Welt krankt keineswegs an zu wenig Moral; eher schon an zu viel
davon. Das moralische Denken ist das größte Hindernis
für eine objektive
Beurteilung der Gesellschaft, der es entspringt, und der eigenen und
fremden Interessen, die sie erzwingt.
Der Vortrag soll den Zusammenhang von Recht, Gerechtigkeit, Moral, Gewissen und Heuchelei erläutern.
Veranstalter: politische.gruppe Erfurt/Jena (www.pg.blogsport.de)