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Wer mit der GEGENSTANDPUNKT-Redaktion
über aktuelle Themen
diskutieren will, hat dazu Gelegenheit auf dem
regelmäßigen
Jour fixe der GEGENSTANDPUNKT-Redaktion.
Die nächsten Termine:
in DARMSTADT:
jeweils Dienstags
Ort: Offener Raum des Asta der TU, Hochschulstraße 1, Darmstadt
Einladung zur
Dikussionsveranstaltung
am Dienstag, 22. April, 20:00
Uhr,
in der Ötinger Villa, Kranichsteiner Str. 81, Darmstadt
Demokratie & Rechtsradikalismus
Warum Demokraten Faschisten nicht
kritisieren können, sondern nur ächten bzw. verbieten
Was Demokraten und Faschisten gemeinsam haben: die Sorge um den Erfolg
der Nation
Warum die "Zivilgesellschaft" angesichts rechter Gewalt auf "gute"
Gewalt setzt
1. Demokraten warnen unablässig vor einer Wiederkehr des
Faschismus ("Wehret den Anfängen!"), rechtsextreme Parteien und
Organisationen haben nicht unerheblichen Zulauf, und aufmerksame
Journalisten finden jede Menge Material für ihre Chroniken
rechtsradikaler Übergriffe auf Ausländer - nicht nur in
Mügeln. Offensichtlich gibt es in dieser Gesellschaft Gründe
genug, aus denen heraus sich faschistische Denkweisen und Anhänger
entwickeln.
Es ist darum ein Widerspruch, die Demokratie gegen den Faschismus
hochzuhalten, statt sich nach den Gründen in der Demokratie zu
fragen. Es ist falsch, die ganze Sache mit einem moralischen
Unvereinbarkeitsbeschluss erledigen zu wollen. Wer rechtsradikale
Gesinnung als "dumpf" abtut und faschistische Parolen mit dem Stempel
"ewig gestrig" für erledigt hält, hat seine Abscheu vor dem
Rechtsradikalismus dokumentiert und ihm seine Existenzberechtigung
abgesprochen, aber sich nicht mit dem rechten Gedankengut
auseinandergesetzt, geschweige denn es widerlegt.
2. Demokraten und Faschisten haben eine Gemeinsamkeit, die zugleich
gewusst und immer dementiert wird: Es ist die Sorge um den Erfolg der
deutschen Nation. Der höchste nationale Zweck ist für beide
die Mehrung von Reichtum und Macht Deutschlands. Dass Volk und Kapital
diesem Zweck zu dienen haben - auch darin sind sie sich einig.
Unterscheiden tun sie sich darin, wie dieser Dienst aussehen soll.
Der Demokrat tut alles dafür, dass das Kapital die Arbeit des
Volkes gewinnbringend benutzt und sich - und damit Deutschland - gegen
die internationale Konkurrenz durchsetzt. Darin notwendig
eingeschlossen sind sämtliche "Kollateralschäden" von
Gesundheitsverschleiß über Kinderarmut und zerrüttete
Familien bis zu millionenfacher Arbeitslosigkeit.
Auch der Faschist ist schwer für die gewinnbringende Benutzung des
Volkes durch das Kapital, um dem Staat den nötigen Reichtum
für seine Durchsetzung in der internationalen Staatenkonkurrenz zu
verschaffen. Was er aber gar nicht leiden kann, ist eine "Missachtung"
des Volkes in seiner Dienstbarkeit. Die für die Leute
schädlichen Konsequenzen der Rechnungsweise des Kapitals gelten
ihm als Vergeudung von Arbeitsressourcen und als Gefährdung der
staatstragenden Grundlagen wie einer funktionierenden Familie.
Bedingungsloser Dienst an der Nation ist das Credo des Faschisten, was
er von Volk und Kapital gleichermaßen fordert.
3. Was die Ausländer damit zu tun haben, auf die Rechtsradikale
Jagd machen? Der demokratische Staat trennt sauber zwischen seinen
Deutschen und Ausländern. Ausländer gelten ihm prinzipiell
als unsichere Kandidaten: Als Untertanen einer fremden, konkurrierenden
Herrschaft unterliegen sie dem Generalverdacht des berechnenden Umgangs
mit dem deutschen "Gast"land. Der demokratische Staat unterwirft sie
deshalb eigenen Gesetzen, grenzt sie aus, schiebt sie ab und lässt
sie als Boatpeople an seinen Grenzen verrecken. Und - da ist er gar
nicht dogmatisch, sondern sehr berechnend - er unterscheidet in
nützliche und unnütze Ausländer. Wo sich aus
Ausländern ein Nutzen schlagen lässt für den Erfolg der
Nation, wo sie dem Kapital als brauchbares Menschenmaterial zur Mehrung
des Reichtums taugen, lässt er sie als Gastarbeiter und mit
Greencards ins Land, wo sie mit den Deutschen um ihre Benutzung
konkurrieren dürfen.
Auch der Faschist besteht auf der strikten Sortierung in Deutsche und
Ausländer. Dass Ausländer aber berechnend nach
Nützlichkeitskriterien behandelt werden, geht ihm gegen den
völkischen Strich. Dass die Kalkulation des Kapitals darüber
entscheidet, wann wie viele Deutsche arbeiten oder nicht, gilt dem
Faschisten als Vergehen am opferbereiten Volk und seinem nationalen
Auftrag. Dass ausländische Arbeitskräfte sich ausbeuten
lassen dürfen, wo Deutsche arbeitslos sind, ist nach der zynischen
Logik des Faschisten ein Schmarotzen am deutschen Volkskörper.
"Deutschland den Deutschen" und "Ausländer raus!" ist die
faschistische Konsequenz aus dem Befund, die von manchem dann ganz
praktisch in die Hand genommen wird - mitten in der Demokratie. Was den
Demokraten wiederum gar nicht passt, sehen sie doch Deutschland, seinen
Erfolg und sein Ansehen gefährdet.
Weitere Termine in 2008:
13. Mai
3. Juni
17. Juni