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TelekomLiberalisierung:
Ein Beitrag zur Dienstleistungsgesellschaft -- Vom Staatsmonopol zur Konkurrenz
um die Monopolisierung des Weltmarkts
"Die internationalen Märkte für Telephon und Multimedia werden
ab dem 5. Februar spürbar von Hindernissen und kostentreibenden Einflüssen
befreit. Die 132 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) einigten
sich am Montag in Genf, die im Februar 1997 beschlossene weltweite Liberalisierung
an diesem Tag endgültig in Kraft zu setzen. Experten erwarten als
Folge sinkende Preise für die Kunden. Das Abkommen sieht eine umfassende
Marktöffnung sowie die Gleichbehandlung inländischer und ausländischer
Telephongesellschaften vor. Monopole sind abzuschaffen, ebenso Wettbewerbsbeschränkungen
wie zum Beispiel überhöhte Gebühren. Bundeswirtschaftsminister
Günter Rexrodt begrüßte die Entscheidung. Sie eröffne
deutschen Unternehmen neue Marktchancen in bisher geschlossenen Auslandsmärkten.
Umgekehrt erhielten ausländische Anbieter neue Rechte in Europa. 'Der
dadurch verstärkte Wettbewerb wird den deutschen Verbrauchern durch
eine bessere Auswahl von Telekommunikationsleistungen und günstigere
Preise zugute kommen.'" (SZ, 27.1.98)
Prima! denkt sich der Leser, da hat die leidige Globalisierung doch
endlich mal was Gutes. Vielleicht mischt auch die Erinnerung an den Ärger
mit dem teuren und pomadigen Monopolunternehmen noch mit, wenn allgemein
die Hoffnung auf Preissenkungen beim Telefonieren aufkommt.
Schließlich senkt die Telekom ihre Gebühren im März
wirklich um "durchschnittlich" 4,5 Prozent und nimmt damit die letzte
Erhöhung von Anfang 96 etwa zur Hälfte zurück. Allerdings
"muß man ... ein ausgesprochener Vieltelefonierer sein, um überhaupt
einen Preisvorteil zu erzielen." (Computer&Co, 1/98). Aber wer
hohe Umsätze mit Auslandstelefonaten bringt, kann mit den Telecom-Gesellschaften
jetzt sogar feilschen. Gastarbeiter aus Pakistan oder Leute mit einer Oma
in Amerika sind damit aber eher nicht gemeint, denn richtig interessant
wird der Mengenrabatt erst jenseits von 500 Mark im Monat.
Sonst ist zunächst einmal die Inlands-Auskunft teurer geworden.
Die neuen Konkurrenten hatten moniert, daß die alte Gebühr von
60 Pfennig quersubventioniert sei. Deshalb kostet dasselbe jetzt 1,80 Mark.
Das ist wettbewerbsgerecht. Die gewohnte Nummer der Auskunft kann man auch
vergessen. Sie wird abgeschaltet. Dafür gibt es einige Dutzend neue.
Bei diesem Preisniveau ist der Service nämlich auch für andere
ein Angebot wert.
So wird alles einfacher: Statt Normal- und Billigtarif hatte die Telekom
schon 1996 verschiedene Tarifzeiten über den Tag und vier Entfernungszonen
allein in Deutschland eingeführt. Am Wochenende gelten natürlich
andere Regeln. Jetzt gibt es 6 Tarifzeiten täglich, aber nur noch
zwei Entfernungszonen im Inland außerhalb des Ortsnetzes.
Die Konkurrenten wollen deshalb alles viel übersichtlicher machen.
Leider gibt es einige Dutzend von ihnen, die außerdem ihre Tarife
etwa alle zwei Monate ändern werden. Man sollte sich deshalb dringend
einen Rechner als "Least-Cost-Router" leisten, der automatisch bei jedem
Anruf den jeweils billigsten Anbieter wählt und so immerhin jedesmal
Pfennige spart. Leider kostet so ein Gerät einige Tausender, und auch
die ständig nötige Datenpflege gibt es nicht umsonst.
Da bleibt dann nur noch die individuelle Schnäppchenjagd, auch
wenn dafür monatlich neue Tarifvergleiche nötig sind. Die Verbraucherzentralen
bieten einschlägige "Infotips" für sieben Mark. Man kann die
Fachpresse abonnieren, wie Connect, OnlineISDN, Focus oder Wirtschaftswoche
oder auf deren Internetseiten mal schnell den jeweils billigsten Anbieter
suchen. Die paar Mark hat man ja schon mit einem längeren Gespräch
nach Sydney wieder drin. Wenn man das Pech hat, dort keine Bekannten oder
Verwandten zu haben, kann man ja notfalls die Zeitansage in Neuseeland
kontrollieren. Oder sich das aktuelle Kinoprogramm von Tokio auf japanisch
erläutern lassen.
Denn man lernt sowieso viele schöne neue Wörter. Man darf
sich nämlich entscheiden, ob man nur gelegentlich über einen
Konkurrenzanbieter anruft, das heißt sprechend Call-by-Call - dazu
wählt man nur die fünfstellige Vorwahl der entsprechenden Telefongesellschaft
(die Verbindungsnetz-Betreiberkennzahl) und anschließend die
gewohnte Fernnummer -; oder ob man für alle Ferngespräche die
Gesellschaft wechselt, die treffende Bezeichnung lautet Pre-Selection -
hier entscheidet der Vermittlungsrechner des Ortsnetzbetreibers die Wahl,
natürlich erst nach schriftlicher Anmeldung bei der neuen Telecom-Gesellschaft.
Kostenlos ist das natürlich auch nicht. Nach dem jüngsten
Antrag der Telekom bei der Regulierungsbehörde "soll der dauerhafte
Wechsel zu einem Konkurrenzunternehmen bei Ferngesprächen ('Pre-Selection')
und die Mitnahme der alten Nummer jeweils einmalig DM 42,24 plus Mehrwertsteuer
kosten." (NZZ, 28.1.98) Die neuen Anbieter kennen schon aus dem Mobiltelefonmarkt
die Tricks zur Kundenbindung mit längeren Vertragslaufzeiten und Mindestumsätzen
pro Monat, die sie als Voraussetzungen für das Sparen einführen.
Und natürlich kassiert die Telekom über die Interconnection-Tarife
bei der Konkurrenz mit ab. Die sind deshalb noch ziemlich umstritten.
Auch eine Calling-Card kann Kosten sparen. Dafür füllt man
sein Kartenkonto nach dem Vertragsschluß per Kreditkarte auf und
kann dann nach Eingabe der Kartennummer und einer Geheimzahl über
einen Billiganbieter ins Ausland telefonieren. Das minimiert das Ausfallrisiko
und bringt Zinsvorteile - für den Anbieter. Die angepeilten Türken
ziehen aber nicht so recht. "Viele hätten weder Kreditkarten, noch
große Lust, Gebühren vorauszubezahlen" (SZ, 27./28.12.97),
muß der Geschäftsführer gestehen.
Vielleicht sollte man deshalb doch eher via Call-Back Kostenvorteile
nutzen. Dazu ruft man eine Nummer in Amerika oder eine der beliebten, weil
kostenlosen 0130-Nummern an (die im Zuge der Internationalisierung auch
gleich auf 0800 geändert werden) und wird dort gebührenfrei identifiziert,
um sich dann von einem Rechner zurückrufen zu lassen, dem man die
eigentlich gewollte Rufnummer mitteilen darf. Und schon kann man telefonieren!
Immerhin bekommt man jetzt kostenlos einen Einzelverbindungsnachweis
mit den verschiedenen Rechnungen, der muß "die Entgelte so detailliert
ausweisen, daß die Überprüfung und Kontrolle der entstandenen
Entgeltforderungen möglich ist." (TKV, § 14). Das sieht die
frisch renovierte Telekommunikationskunden-Schutzverordnung vor. Offensichtlich
wird so etwas jetzt gebraucht.
Denn die Telekom, deren T-Aktie vom Höchststand von über
44 Mark Mitte Juli 97 inzwischen auf unter 32 Mark abgestürzt ist
und deren Betriebsgewinn eben gerade für die versprochene Dividendenzahlung
ausreicht, muß etwas unternehmen für den Shareholder-Value.
Schließlich sind ihre Schulden trotz Börsengang immer noch deutlich
höher als ihr Jahresumsatz. Wußte doch schon Anfang 96 Telekom-Vorstand
Herbert May, "daß wir keine Behörde mehr sind, sondern ein
ganz normales Unternehmen, das wirtschaftlichen Grundsätzen Rechnung
tragen muß."
Schließlich gibt es, wo für den Kunden Licht ist, für
die Unternehmen auch Schatten. So wackelt gerade der Stuhl eines Vorstandsvorsitzenden
im Energiebereich, in dem ebenfalls die Deregulierung ansteht. Insider
werfen dem RWE-Manager vor, "den Konzern auf die Liberalisierung des
Strommarktes schlecht vorbereitet zu haben und kein überzeugendes
Konzept für die Expansion auf ausländischen Energiemärkten
zu besitzen." (Spiegel, 4/98) Da weiß man dann wenigstens, worum
es bei dem ganzen Zauber wirklich geht.