Telekom: AG, zieht Telefongebühren ein, lebt nach dem Willen ihres Gründungsvaters vom Gleichheitszeichen zwischen Schulden und Kapital, braucht daher immer mehr Vertrauen.
Volk: Einzeln betrachtet ewige Habenichtse, die hohe Telefongebühren zahlen, zusammengenommen aber überraschend vermögend sind; dazu noch ahnungslos, also für Vertrauenswerbung wie geschaffen
Ferner helfen bei der Vertrauensbildung mit: Banken, Schauspieler und Gaukler aus allen öffentlich-rechtlichen Abteilungen
Dieses aus der produktiv tätigen Abteilung der kapitalistischen Gesellschaft bekannte Verfahren, zur Mehrung von Wucht und Schlagkraft gegen die Konkurrenz das eigene Kapital durch die Mobilisierung von Kredit zu vergrößern, hat auch für einen Staat, der sich verschuldet, um einen unproduktiven Dienstleistungsbetrieb zu unterhalten, offenbar seine Reize. Es gestattet ihm nämlich, einen Teil der Schulden, die er gegenüber seiner Gesellschaft hat, zu "privatisieren". Er gründet eine AG, um mit ihr die Geldmittel, die er zur Finanzierung seines alten Post- und Fermeldewesens von den Geldbesitzern seiner Gesellschaft als "Postanleihen" u. dergl. ausgeliehen hatte, in einen Posten einer unternehmerischen Kapitalbilanz zu verwandeln, und legt darüber den wirtschaftlichen Generalzweck dieses Unternehmens darauf fest, seine Schulden zu bedienen: Ein ansehnliocher Teil von dessen Geschäftserfolgen ist für ihn, nunmehr Gläubiger und Eigentümer der AG, reserviert.
Daß die Proportion, in der sich bei der von ihm gegründeten AG die wie immer eingesammelten Telefongebühren zur Summe von Schulden, Schulddiensten und fälligen Neuverschuldungen des Betriebs verhalten, einigermaßen kurios ausfällt; daß darüber die gewohnten Maßstäbe, die an eine "seriöse" Geschäftsgründung angelegt werden, ein wenig ad absurdum geführt werden; daß der Staat mit seiner Finanzkraft nicht nur beim Akt der Gründung, sondern auch bei jeder Geschäftswahrnehmung seines privatwirtschaftlichen Geschöpfes als Dauerbetreuer von dem gar nicht wegzudenken ist - das alles tut dem Erfolg dieser "Privatisierung" keinen Abbruch. Wo der Staat, der politische Schöpfer und Herr des gesamten Kreditwesens, Gläubiger ist, genießt das wirtschaftliche Wesen, das er in die Konkurrenz entläßt, einen ganz besonderen Vertrauensschutz und ist einer Prüfung entlang der gestrengen Kriterien von "Solidität" gründlich enthoben, die ansonsten für seinesgleichen gelten. Es macht daher nichts, daß hier eine AG das Licht der Welt erblickt, die in einem Umfang verschuldet ist, wie man es sonst nur von Staaten selbst kennt: In letzter Instanz ist ja als Garantie dieser Schulden - und damit des Schuldners selbst - hier nicht wie sonst maßgeblich, ob erwirtschaftete Erlöse die Lasten eines Schuldendienstes tragen, sondern der Staat selbst ist diese Garantie und ersetzt mit ihr alle Nachfragen in Sachen Wirtschaftlichkeit.
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Anders bei der Kreditbeschaffung der Telekom. Das "Publikum", an das sie sich in der Eigenschaft eines potentiellen Kreditgebers wendet, ist diesmal nicht auf den erlauchten Kreis der Geldkapitalisten der diversen "Finanzmärkte" begrenzt. Man will sich nicht allein den Finanzkapitalisten der Börsen zu einem für sie lohnenden Angebot der Kreditvergabe machen, das Gelingen der Kreditbeschaffung nicht allein dem Umstand überantworten, exklusiv für diese erlauchte Klientel ein für lohnend befundenes Angebot zu sein. Die ausschließliche Abhängigkeit vom Zuspruch des Finanzkapitals wollen die Kreditstrategen der Telekom ein wenig relativieren, das Risiko eines Fehlschlags der Kreditbeschaffung wollen sie reduzieren - indem sie es "streuen" und sich mit ihrem Angebot dem sog. "breiten Publikum" zuwenden: Der Erfolg bei den Laien im Volk soll dann für alle weltweit verstreuten Spezialisten des Kreditgewerbes wie ein "Signal" dafür wirken, daß das Kreditieren sich auch für sie lohnt.
So stellt sich die Telekom den "normalen Bürgern" wie sie gehen und stehen einmal ganz anders als gewohnt vor: Nicht mehr als der widerliche Monopolist von neulich, der an Gebühren absahnt, was geht, sondern als ein Unternehmen, dem man - so die nicht unabsichtlich gewckte Vorstellung - sein Geld borgen soll, natürlich, um damit ein wenig zu verdienen. Allen Ernstes wird den Kreaturen, die das Leihen von Geld nur als letzten Weg zur vorübergehenden Linderung ihrer praktischen Notlagen kennen und im übrigen so ihre gewissen Ressentiments gegenüber "Couponschneidern" und "Geldgeiern" hegen, eine Karriere zum Einstieg in die Welt des Finanzkapitals angetragen. Aktien sollen sie kaufen, und damit sie das tun, macht man ihnen den Kauf derselben als eine Abwandlung des Umgangs mit Geld schmackhaft, den sie aus ihren Lebensumständen kennen: Den Kauf einer Aktie sollen sie für ungefähr dasselbe halten wie einen Sparbrief, nur daß eine Aktie eben besser ist, weil viel rentabler und sicher obendrein ...*
Nun ist eine Aktie keine Sparsumme, die Zinsen heckt. Das Geld, das für sie hinzulegen ist, wird ein für allemal weggezahlt und kommt nicht wieder; dafür erwirbt der Käufer einen Rechtstitel auf anteilige Teilhabe am Ertrag, der sich aus der produktiven Nutzung des von ihm und anderen eingezahlten "Stammkapitals" einfindet - oder nicht, so daß der Ertrag der Firma schon Gegenstand der Spekulation ist; auch bei Erfolg dieser Spekulation begründet der Rechtstitel nicht das Recht auf einen Anteil am Gewinn, der Dividende, so daß auch auf diese spekuliert wird. Der Rechtstitel selbst ist verkäuflich, wobei sich sein Preis aus der spekulativen Hochrechnung der - wirklich gezahlten oder spekulierten, es ist egal - Dividendenerträge auf Basis der durchschnittlichen Verzinsung von Geld ergibt; und zuguterletzt setzen die Subjekte dieses Spekulierens, die auf diese Art und Weise "Nennwerte" zu beachtlichen "Kurswerten" vervielfachen - "kapitalisieren" heißt das im Jargon der Profis -, Richtwerte ihrer zukünftigen Spekulation in die Welt, an deren Überzeugungskraft und Haltbarkeit sie manchmal schon bei Börsenschluß nicht mehr glauben mögen: Im fruchtbaren Zusammenwirken mit allen anderen "Daten", über die sie fürs Spekulieren sonst noch verfügen - von der "Geldwertstabilität" bis zur "Gesundheit des Präsidenten" reicht da bekanntlich die Palette -, passiert es dann schon, daß Aktien ganz schnell überhaupt nichts mehr wert sind, weil die maßgeblichen Subjekte ihrer Wertbestimmung einfach dem weiteren Vertrauen auf die Haltbarkeit ihrer Spekulationen mißtrauen....
An einer diesbezüglichen Aufklärung kann einem Unternehmen freilich nicht so recht gelegen sein, das ein Volk dazu stimulieren will, seine Spargroschen herzugeben, um Aktionär des eigenen Ladens zu werden. Dem präsentiert man sich besser mittels einer kunstvollen Vertauschung der Prädikate, die den Erwerb eines bloßen Rechtstitels auf einen möglichen Anteil an einem möglichen Geschäftserfolg zur soliden Methode in Sachen eigener Geldvermehrung vorstellen: Am Geschäftserfolg der Telekom kann kein Zweifel bestehen, weil dort, wo sie geschäftlich wirkt, "eine Zukunftsbranche mit hohem Wachstumspotential" vorliegt - das Wachstum in Geldform, das sie gegen ihre Konkurrenz erst erkämpfen muß, hat sie also schon ganz sicher erkämpft, so daß auch das Mitverdienen eines jeden Aktionärs ganz außer Frage steht. Überhaupt ist es bei ihr so, daß alles Geld, das sie den Bürgern abnimmt, umgehend in "Wachstum" verwandelt wird, weil sie nämlich ganz dessen bekannt "hohen Anforderungen an Innovationsfähigkeit und Finanzierungskraft" gehorcht. Was letztere betrifft, wird sie sich auf einen ruinösen Preiskampf mit ihren Konkurrenten auf keinen Fall einlassen, wobei sie nicht verschweigt, daß sie sich hierzu ganz auf den weiteren staatlichen Schutzdienst an ihrer Monopolstellung verläßt - auch das kommt als wirtschaftliche Erfolgsgarantie des Unternehmens daher, Dividende inklusive. Der Sache nach teilt sie ihren Kunden zwar nur mit, daß die mit ihren reichlichen Gebührenzahlungen wie bisher den Umsatz der Firma positiv saldieren sollen; eröffnet werden aber soll ihnen die bestechende Perspektive, selbst ein wenig am Reibach teilzuhaben, den die Telekom mit ihnen macht - die Aktie, die sie kaufen können und sollen, macht`s möglich. Auch ihren "untragbar hohen Personalstand" wird die Telekom unmittelbar in "Wachstum" verwandeln. Er wird um ein Viertel reduziert, damit der verbleibende Rest ein höher gestecktes "Wachtumsziel" erreicht - was in Sachen "Innovationfähigkeit", die bekanntlich die Dividenden sichert, keine Wünsche mehr offen läßt. Zwar gehören die derart Umworbenen just selbst zu denen, die hier als Quelle des Wachstums auch der Telekom namhaft gemacht werden - wenn weniger von ihnen mehr Wachstum schaffen sollen, dann schaffen eben sie das Wachstum. Es sind auch dieselben, die die einschlägigen Maßnahmen zur Pflege des Personalstands ausschließlich als Betroffene kennen, als Verlust ihres Arbeitsplatzes und damit ihrer einzigen Verdienstquelle; aber als Aktionär heißt es da eben umzudenken und der "Rationalisierung", die das Wachstum voranbringt, gutes Gelingen zu wünschen: Die Aktie fürs Volk macht`s möglich, daß die von "Rationalisierung" Betroffenen glatt noch an dem Geschäftserfolg partizipieren, der sich über ihre Außerdienststellung vermehrt einfindet...
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Offenbar nicht wenige Volksgenossen, die von den höheren Geldangelegenheiten
in aller Regel nur peinlich berührt werden, weil sie Kredit wegen
ihrer Not brauchen und dafür Zinsen zahlen müssen,
hören - schlau, wie sie sind - genau heraus, was sie hören sollen.
Ihr für allfällige Notlagen Zusammengespartes in Aktien zu verwandeln,
ist ziemlich einfach, eine sichere Sache und zahlt sich aus. Da macht man
irgendwann der Bank eine Überweisung, und schon ist man "hineingegangen",
in die Aktien; das bißchen Gebühren für die netten Banker
spürt man kaum. Pünktlich zum Ende des Geschäftsjahres kommen
die Dividenden aufs Konto; wenn der "Kurs" günstig ist oder
wenn man überhaupt schnell mal Bares braucht, geht man schon vorher
wieder "hinaus", aus den Aktien, und landet prompt mit einem dicken
Plus im alten Portfolio; falls man ausreichend eingekauft hat, weil sonst
die Bankgebühren den "Kursgewinn" doch merklich schmälern.
Günstig, günstig, genau betrachtet geradezu ein Schnäppchen;
ein kleines Risiko mag es geben, aber wenn er schlau ist, der "Analyst",
sich
nichts vormachen läßt, kann einfach nichts groß passieren...
Allerdings erfordert die börsenungewohnte Klientel, deren Spargroschen man zur Aufstockung des eigenen Kapitals in Beschlag nehmen will, einigen separaten Aufwand. Die geweckte Überzeugung, im Spekulieren mit Aktien als Verfahren zur Mehrung der spärlichen eigenen Mittel goldrichtig zu liegen, ist an sich ja schon gut. Aber daß spekulierende Bürger die Spekulation als Vehikel auffassen, mal eben so einen Schnitt zu machen, kommt überhaupt nicht in Frage - womöglich kaufen die sich in ihrer primitiven Geldgier heute nur in Aktien ein, um gleich danach, am besten schon morgen, den "Kursgewinn" zu verjuxen, und wohin fällt dann der Kurs?! Was sagt die Börse zu so einer "Massenbasis" ihrer Spekulation?! Und wohin fällt dann erst recht der Kurs?!
Man muß also das Volk auf jeden Fall richtig an die Hand nehmen, und dazu wird zunächst das Angebot, die Aktien, die es kaufen soll, mit einigen Zusätzen ausgestattet, die von den sonstigen Gepflogenheiten ein wenig abweichen. Zinsgarantien sind zwar nach geltendem Aktienrecht verboten, garantierte Dividenden für die ersten beiden Jahre aber offenbar nicht, womit die Verwechslung der Aktie mit einem Sparbuch schon mal einen griffigen Anhaltspunkt hat. Daß die versprochene Dividende nur bekommt, wer die Aktien während der in Frage kommenden Geschäftsjahre nicht verkauft, versteht sich von selbst und leuchtet als Argument von selbst ein, vermutlich genauso wie der Umstand, daß man nach gutem Börsenbrauch die ausbezahlte Dividende auch in Gestalt eines Wertverlustes der eigenen Zettel - und zwar in gleicher Höhe - verbuchen darf. Das macht aber relativ wenig, weil der Kurs danach gleich wieder steigen kann, und überhaupt ist der Zuwachs des Vermögens nicht zu vergessen, der nach drei Jahren in Gestalt von "Prämien-Aktien" für alle die winkt, die ihre ersten treu in Besitz gehalten haben. Wieviel und ob überhaupt etwas der stolze Besitz dann noch wert ist, kann freilich keiner sagen; aber was ist schon sicher, jedenfalls spricht einfach alles dafür, das "Depot zu halten".
Überhaupt gibt es ja so viele Argumente, zuversichtlich auf sprudelnden Reichtum zu warten, und den zur Verbreitung dieser Zuversicht fälligen Part, die flächendeckende Volksverarschung zum Wohl von Telekom und "Finanzplatz Deutschland" überhaupt, erledigt dann vollends die Werbung für das Angebot. Ganz viele von den guten Onkels, die vertrauenserweckend Werther-Bonbons lutschen oder bierernst den letzten Hit aus der Technologie der Zahnbürste vorstellen, sitzen in Chefsesseln, werfen vor laufender Kamera prüfende Blicke in ein Glanzpapier und vermelden dem Publikum, daß die "Bilanzen der Telekom einfach in Ordnung sind". Unausstehliche Frohnaturen unter dreißig sind diesbezüglich mindestens ebenso bedingungslos glaubwürdig. Mit den Händen ein "T" formend hüpfen sie durchs Bild, sind immer nur locker und gut drauf - die Zukunft der Telekom ist einfach rosig. Und wenn sie eine Telefonzelle sehen, lachen sie ungezwungen - einfach kraß, diese Aktien, ultrageil, echt. Usw., Tag für Tag. Den Vogel aber schießt eine gesamtdeutsche Nervensäge ab, die sich schon mit dem "Rüberbringen" der anheimelnd-menschlichen Aspekte von Rechtsanwälten und Polizisten ihre Meriten verdient hat, im übrigen auch persönlich sehr glaubwürdig ist in den Fragen einer lohnenden Treue zur Nation. Der Mann ist das fleischgewordene nationaleVertrauen für die Telekom überhaupt. Der seift bei Bockwurst und Bier mit Unschuldsmiene und Hemdsärmeln sein Publikum mit den ewiggleichen Sentenzen über die Wahnsinnsgelegenheit eines so einfach anzuzapfenden Goldesels ein, die man sich nur ja nicht durch die Lappen gehen lassen soll. Nebenbei hat er immer auch gleich den fälligen mahnenden Hinweis parat - den man ihm, so ist er einfach, als wertvollen Tip von Spekulant zu Spekulant abnehmen muß -, den Einstieg ins Spekulieren bloß nicht mit einer schnellen Mark zu verwechseln, und so inszeniert er grandios das Ideal des deutschen "T"-Volksaktionärs: Einerseits doofer Schnäppchenjäger, andererseits total schlau und in Treue fest zur deutschen Telekom....
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Zur Lösung dieses interessanten Problems, die genau richtige Mitte zwischen Zuviel und Zuwenig zu treffen, gibt es allerdings ein paar trockene Anhaltspunkte, die die Sache vereinfachen: Mit dem Nennbetrag der Aktien und der Anzahl, die "plaziert" werden soll, steht die Höhe fest, um die das Stammkapital aufgestockt werden soll, ebenso läßt sich der Gesamtbetrag der Dividende als der an die "Einleger" insgesamt auszuzahlende Anteil des Unternehmensgewinns errechnen, der aus dieser Kapitalvermehrung erwachsen soll. Nun sind diese "Einleger", wie eingangs schon gesagt, eben bloß das, was ihr Name bedeutet, Geldbesitzer, die sich ein Anrecht auf möglichen Gewinn kaufen, und in dieser Berechnung werden sie bedient. Es ist ihnen gleichgültig und geht sie auch nichts an, mit welchen produktiven Machenschaften, wie und mit wieviel Kapital das Unternehmen, an dem sie sich mittels ihrer Kreditgewährung bereichern wollen, den Überschuß "erwirtschaftet", an dem sie als Aktionäre dann anteilig partizipieren. Die Hauptsache ist für sie, daß sie den Überschuß erzielen, der in der Gestalt des Zinses dem Besitz von Geldvermögen von selbst zu entwachsen scheint, und diese Hauptsache bestimmt den Preis, den sie für ihre Methode der Bereicherung zu zahlen haben. Ihr Anrechtsschein auf Dividende ist soviel wert, wie es bei herrschendem Marktzins an vorgestelltem, fiktivem Geldvermögen bräuchte, um den Betrag der Dividende als Zinseinkommen einzustreichen, und diese Rechnung, die "Kapitalisierung" des Gesamtbetrags der Dividende zu Marktzinsen dividiert durch die Anzahl der Aktien, ergibt im Fall der Telekom dann jenen "Korridor" zwischen zwanzig und dreißig Mark pro Aktie im Nennwert von fünf Mark. Aus dem aber gilt es dann mit ganz viel Fingerspitzengefühl den genau richtigen Preis noch zu ermitteln. Diese Sensibilität ist nötig, weil sich da ein paar der Interessen überkreuzen, von deren insgesamt harmonisch geregelter Befriedigung das Gesamtprojekt abhängig ist:
- Je höher der Preis der Aktie festgelegt wird, desto größer ist auch der Gründungsgewinn der AG. Der findet sich als Ergebnis der Differenz zwischen zwei Geldgrößen ein und fließt dem Unternehmen zu. Die erste Größe umfaßt aus der Masse dessen, was der AG dem Nennbetrag nach an neuen Schulden zugeflossen ist und was sie als ihre "Kapitalerhöhung" in ihren Bilanzen verbucht, den Kapitalbetrag, mit dem sie rechnerisch die wegzuzahlende Dividende "erwirtschaften" will; die zweite, naturgemäß um ein Vielfaches gewaltigere Größe ist die Summe des fiktiven Geldkapitals, die aus der Kapitalisierung der Dividenden zu Marktzinsen resultiert und die den Wert der Aktien darstellt. Da die erste Größe in etwa feststeht - sie ist in jedem Fall kleiner als die Stammsumme der Aktien, weil die Dividende nur ein Teil des Profits ist, den die AG insgesamt zu machen gedenkt -, wächst diese Differenz und mit ihr der Gründungsgewinn mit dem Preis der Aktien, so daß das Unternehmen seine Aktien so hoch wie möglich zu verkaufen sucht. Unterstützt wird es in diesem Ansinnen von den Konsortialbanken, die den Verkauf der Aktien in ihre bewährten Hände nehmen und sich ihre bescheidenen Dienste stets durch einen Anteil am Gründungsgewinn entgelten lassen.
- Zu hoch darf andererseits der Preis der Aktie auf keinen Fall sein, denn das möchte der Spekulation der Fachleute, die dann auf den "Märkten" erst losgeht, womöglich den Anreiz geben, nicht mit den Aktien der AG, sondern gegen sie zu spekulieren. Die zusammenaddierten Aktienwerte der AG mögen fiktiv sein, wie sie wollen; sie mögen noch so wenig zu tun zu haben mit der Masse des Kapitals, die produktiv im Unternehmen zugange ist und dessen Profit erzielt; und selbst dann, wenn überhaupt kein Profit mehr erzielt wird oder die ganze Gründung ohnehin nur Schwindel war: Vom Standpunkt der Besitzer von Geldvermögen aus ist in den Aktienwerten der Wert fixiert, den die betreffende AG für sie und ihr spekulatives Interesse hat. Also hängt das Gelingen der AG-Gründung, der positive Ausgang des Projekts, Schulden als Kapital fungieren zu lassen, ganz davon ab, daß die Geldbesitzer den von ihnen zu entrichtenden Preis für ihren Anteil am Unternehmensgewinn praktisch akzeptieren, sich einleuchten lassen, mit ihm bei ihrer Rechnung auf ihre Kosten zu kommen. Um den Gründungsgewinn einzufahren, ist also dessen vorsorgliche Begrenzung vonnöten und der Preis der Aktie so zu bemessen, daß sie als Angebot in der Konkurrenz um das Geldkapital reüssiert, die konkurrierenden Angebote - Staatsanleihen, andere Aktien anderer AGs mit anderen Dividenden, auf die spekuliert wird, und womit man sonst noch auf Finanzmärkten aus Geld mehr Geld macht - aussticht. Für jenen spekulativen Augenblick zumindest, in dem die Börse mit den neuen Titeln eröffnet wird, aber im Prinzip natürlich auch auf lange Sicht hin. Denn mit einer Entwertung seines fiktiven Aktienkapitals verliert auch das Unternehmen selbst - jene Wertschätzung nämlich, die seine Kreditwürdigkeit betrifft, und dieser Verlust führt dann gegebenenfalls auch zur Entwertung wirklichen Kapitals.
Aber die schlauen Ingenieure von Telekom und dreißig Bankinstituten schaffen es tatsächlich. Sie riskieren angesichts der "unglaublich erfolgreichen Nachfrage" sogar noch eine ungeplante Zusatzausgabe von Aktien - und ziehen an einem Sonntag dann den genau richtigen Preis der Aktie aus dem Hut. Zwar ist er etwas höher als manche ihn sich zusammenspekuliert haben. Vielleicht ist er auch zu hoch, wie andere mit festem Blick auf seine "mögliche Weiterentwicklung" meinen. Aber in jedem Fall ist er der richtige, was er dadurch unter Beweis stellt, daß er pünktlich zur Börseneröffnung steigt. So genial geht Kapitalismus, auch wenn der Preis gleich danach wieder fällt.
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Wegen der innigen Beziehung, die sie als deutsche Aktionäre zur nationalen Telefongesellschaft unterhalten, die ja nunmehr ein ganz klitzekleines bißchen die Ihre ist, werden sie der auch gegen die Konkurrenz der ausländischen Billiganbieter beistehen und einfach markentreu weitertelefonieren. Es wird sie da auch freuen, daß der ziemlich ansehnliche Preis, den sie und alle anderen im Vertrauen auf die Zukunft der deutschen Telekom für ihre Titel an ihr gezahlt haben, auch tatsächlich - wie bei der Gründung der AG vorgesehen - als Schuldendienst der Firma an ihren Gründer Staat zurückfließt. Erstens mögen sie nämlich Schulden überhaupt nicht, und daß in einem Haushalt entsprechend aufgeräumt gehört, versteht sich jetzt, wo er ihnen gehört, zweitens schon gleich von selbst.