Mit der Politik des Iran stehen die Durchsetzungsfähigkeit der Weltmacht und damit die weltordnerische Wirksamkeit ihrer militärischen und ökonomischen Macht in mehrfacher Hinsicht vor einer Bewährungsprobe.
Der Iran durchbricht Amerikas Anspruch auf allgemeine Kooperationswilligkeit. Er nutzt die Chancen, die der global etablierte Kapitalismus einer Staatsgewalt bietet, die ein ziemlich produktiv gemachtes kopfstarkes Volk sowie als Devisenquelle eine Menge Erdöl und Erdgas unter ihrer Kontrolle hat. Er schafft das ziemlich erfolgreich ohne gepflegte Geschäftsbeziehungen zum amerikanischen Mutterland der Weltwirtschaft. Er behauptet sich als souveränes und potentes Staatsgebilde trotz aller Widerstände, die die Weltmacht seit der islamischen Revolution seiner Teilnahme am globalen Geschäftsleben und seinen Bemühungen um gute Außenbeziehungen entgegensetzt und im Innern des Landes gegen die etablierte Herrschaft stiftet oder fördert. Bis zu einem gewissen Grad bringt Iran es sogar hin, mit seinem Anti-Amerikanismus und Anti-Zionismus und wegen der Feindschaft, die er sich damit einhandelt, unter US-geschädigten Machthabern und politischen Kräften Anerkennung, sogar Gefolgschaft zu finden. Das Atomprogramm, das er so entschieden und so weltöffentlich betreibt, dient nicht bloß der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes; mit ihm will die Regierung demonstrieren, wie weit das fromme Gemeinwesen technologisch und ökonomisch trotz und mit seiner nachdrücklich erwiderten Amerika-Feindschaft kommt, und zur Nachahmung ermuntern.
Mit seinen relativen Erfolgen und erst recht mit dieser zuletzt genannten Ambition wird Iran für die USA vom ärgerlichen Ausnahmefall zur schwer erträglichen Provokation. Zwar bleibt es allemal noch Sache der US-Regierung, die iranische Herausforderung hoch oder niedrig zu hängen, das Niveau der Feindschaft zu bestimmen, die sie dem Abweichler ansagt, und die Felder der Auseinandersetzung sowie die Waffen festzulegen, mit denen dem „Mullah-Regime“ seine Selbstbehauptung bestritten wird. Die Gefahr, dass der Staat, wenn schon nicht mit seiner theokratischen Verfassung, dann doch mit seinem antiamerikanischen Erfolgsweg Schule macht, ist aber längst ernst genug, um mit Vorrang bekämpft zu werden. Und mit dem möglichen zivil-militärischen „dual use“ des iranischen Atomprogramms ist auch für die Obama-Administration definitiv klar: Das Regime in Teheran muss „gestoppt“ werden.
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