Zum Inhaltsverzeichnis
GegenStandpunkt 3-10

Anmerkungen zur Krise 2010 – Die nächste Lektion:

Die Agenda der Krisenkonkurrenz der Nationen

Die große Finanzkrise dauert mittlerweile drei Jahre. Fällige Bankrotte sind abgewickelt oder von Staats wegen verhindert worden, Unmassen wertlos gewordener Wertpapiere sind in Bad Banks verstaut oder schonend abgeschrieben worden, der Zusammenbruch des globalen Kreditgeschäfts ist mit hunderten Milliarden Staatskredit bisher vermieden worden. Vor Entwarnung wird allerdings gewarnt. Den Sorgen und praktischen Konsequenzen ist zu entnehmen, an welcher ökonomischen Lage sich die Verantwortlichen für die globale kapitalistische Konkurrenz abarbeiten. Die Vermögensvernichtung im Finanzsektor und deren Auswirkungen auf die restliche Ökonomie offenbaren: Es ist viel zu viel Geldkapital in die Welt gesetzt worden, als dass es sich noch hätte verwerten können – es wächst nicht mehr und ist deswegen nichts wert. Die staatlichen Rettungsaktionen zeigen zugleich, wie die Staaten diese Krisenlage zu bewältigen suchen – als internationale Konkurrenzaffäre: Sie schaffen mit ihrer hoheitlichen Gewalt 'Liquidität', ersetzen Kreditgeschäfte durch staatliche gestiftete Geschäftsmittel, halten damit die Spekulation in Gang – und konkurrieren erbittert darum, welche Nation der vermehrten Masse von Staatsschulden den Zuspruch der Finanzwelt zu sichern vermag; wer trotz kontrahierter Märkte durch Exporterfolge das nationale Kapitalwachstum voranbringt, das finanzkapitalistisches Vertrauen in den Staatskredit schafft; wer dagegen mit rigorosen staatlichen Streichungsprogrammen und nationalen Entwertungsaktionen anerkennen muss, dass er im Vergleich zu den geldmächtigeren Nationen entscheidend an staatlicher Kreditwürdigkeit verloren hat. Internationaler Konkurrenzkampf – das ist die praktische Lehre der Verantwortlichen aus der Krise, die zur Bedrohung der Nationalkredite gediehen ist. Den Massen kommt dabei die Rolle der Manövriermasse zu – für die umkämpften nationalen Konkurrenzerfolge wie für die zu bewältigender Konkurrenzniederlagen.

 

Artikel im .html-Format

Link: www.gegenstandpunkt.com/gs/10/3/gs20103051.html

 


© GegenStandpunkt Verlag 2010