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GegenStandpunkt 4-09
Chronik – kein Kommentar! (11)
‚Biete türkisch-arabische
Unterschicht –
suche osteuropäische Juden‘
Thilo Sarrazin fordert ein gescheites
Volk
für den deutschen Staat
Der ehemalige Finanzsenator der Hauptstadt, mittlerweile
Vorstandsmitglied der Bundesbank, schafft mit einem ausführlichen
Interview einigen Aufruhr. Ihn plagen Sorgen um Deutschland mit seinem
„kleinen Volk“, wenn er vom Frankfurter Bankenturm herunter auf Berlin,
die Stätte seines früheren Wirkens, blickt.
„Bei uns gibt es eine breite
Unterschicht, die nicht in Arbeitsprozesse integriert ist. Doch das
Berliner Unterschichtproblem reicht weit darüber hinaus … Wir haben in
Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen
und die Klassen … Berlin hat einen Teil von Menschen, etwa zwanzig
Prozent der Bevölkerung, die nicht ökonomisch gebraucht werden, zwanzig
Prozent leben von Hartz IV und Transfereinkommen ... Eine große Zahl an
Arabern und Türken hat keine produktive Funktion, außer für den Obst-
und Gemüsehandel, und es wird sich auch vermutlich keine Perspektive
entwickeln. Das gilt auch für einen Teil der deutschen Unterschicht,
die einmal in den subventionierten Betrieben Spulen gedreht oder
Zigarettenmaschinen bedient hat. Diese Jobs gibt es nicht mehr. Berlin
hat wirtschaftlich ein Problem mit der Größe der vorhandenen
Bevölkerung.“ (Alle Zitate aus Lettre International,
Oktober-Ausgabe)
Hier tritt ein Mitglied der politischen Elite mal nicht in der Pose des
Dieners des Volkes an, sondern verweigert Teilen des „demokratischen
Souveräns“, Bürgern, Volksgenossen und Wählern, demonstrativ jeden
Respekt. Er spart sich die übliche Heuchelei, dass der Staat dem Volk
zu nützen hätte, und beantwortet sich die umgekehrte Frage: Was leistet
die Bevölkerung Berlins eigentlich für den Staat? - Zu wenig! In der
Hauptstadt leben viel zu viel Menschen, deren Leben sich für das
Wachstum der deutscher Wirtschaft und die Staatskasse nicht lohnt. 20
bis 40 Prozent der Hauptstadtbewohner versagen vor den Ansprüchen und
Erwartungen, welche die Obrigkeit an ihr Menschenmaterial stellt: In
Massen arbeitslos, arm, ungebildet und wirtschaftlich kaum zu
gebrauchen sind sie für die Führung, die einen erfolgreichen
Wirtschaftsstandort regieren will, eine Zumutung! Wie soll man,
bitteschön, mit einem solchen Volk Staat machen?
Sarrazin beklagt in gezielt brutalen Worten das Elend, ein so
untaugliches Volk regieren zu müssen. Er weiß, dass er damit „gegen
viele Mauern der politischen Korrektheit“ anrennt und will sie
ausdrücklich einrennen. Er hat den sozialen Moralismus satt, demzufolge
die Opfer der sogenannten Leistungsgesellschaft außer dem Fordern auch
ein wenig Fördern und Hilfe verdienen; die Versager sind an ihrem
Misserfolg selbst schuld, eine Last für das Gemeinwesen, und gehören
entsprechend behandelt.
Verantwortlich für die Unbrauchbarkeit dieses Volksteils ist seine
mangelhafte intellektuelle Ausstattung, sie mag zum Spulen- und
Zigaretten-Drehen hinreichen, nicht aber für die Wirtschaft des 21.
Jahrhunderts.
„Unsere Bildungspopulation wird von
Generation zu Generation immer dümmer. Der Anteil der intelligenten
Leistungsträger fällt kontinuierlich ab.“
Wenn Menschen in wachsender Zahl von Staat und Wirtschaft nicht mehr
gebraucht werden, dann liegt das an ihnen: Sie sind zu dumm! Je höher
die Arbeitslosigkeit in Berlin steigt, desto untauglicher erweisen sich
die Berliner: Ihnen fehlt es an der nötigen Intelligenz und obendrein
oft genug am Willen, um für den Dienst am Staat und Wirtschaft zu
taugen. An den beiden Kriterien Intelligenz und
Integrationsbereitschaft mustert Sarrazin als ideeller Verwalter der
nationalen Humanressourcen den Berliner Volkskörper durch und scheidet
ihn in taugliche und untaugliche Volksgruppen, Nützlinge und
Schädlinge; und zwar – man ist schließlich kein deutscher Rassist –
ganz vorurteilslos. Sarrazin hat nichts gegen Ausländer - es müssen nur
die richtigen sein!
„Man muss aufhören, von „den” Migranten zu reden. Wir müssen uns einmal
die unterschiedlichen Migrantengruppen anschauen.“ Seine völkische
„Triage“ ergibt ein differenziertes Bild:
„Die Vietnamesen: Die Eltern können
kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk. Die
Vietnamesen der zweiten Generation haben dann durchweg bessere
Schulnoten und höhere Abiturientenquoten als die Deutschen. Die
Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen sind
integrationswillig, passen sich schnell an und haben
überdurchschnittliche akademische Erfolge. Die Deutschrussen haben
große Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation,
danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie noch eine altdeutsche
Arbeitsauffassung haben.“
Die Tauglichkeitsbescheide und damit verbundenen Daseinsrechte, die
Sarrazin unter den Berliner Völkerschaften verteilt, hören bei den
Jugoslawen dann so langsam auf; Türken und Arabern fallen endgültig
unter die Kategorie Schädling:
„Bei den Kerngruppen der Jugoslawen
sieht man dann schon eher „türkische” Probleme; absolut abfallend sind
die türkische Gruppe und die Araber. Auch in der dritten Generation
haben sehr viele keine vernünftigen Deutschkenntnisse, viele gar keinen
Schulabschluss ... Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt,
diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig
sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für
70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in
Berlin.“
Sarrazin betreibt keine plumpe und dumpfe Ausländerhetze, er macht das
auf hohem, sozialwissenschaftlich abgesichertem Niveau. Den
Bevölkerungspolitiker interessiert alles – Sprachkenntnisse,
Schulabschlussquoten, Gesinnung sowie landsmannschaftliche Sitten und
Gebräuche – all das geht ihn etwas an: Denn all das sind die
kollektiven Charaktermerkmale, an denen er die Qualifikation der
Einwohner zur staatsnützlichen Manövriermasse erkennt; Abweichungen von
diesem Maßstab legt er ihnen als völkischen Naturdefekt zur Last.
Nachzubessern, etwa mit Förder- und Integrationsmaßnahmen, ist da
nichts. Der SPD-Politiker Sarrazin will damit endlich aufräumen. Die
überkommene Sozialpolitik hat seinem Urteil zufolge nicht nur versagt,
sie ist mitverantwortlich für den unerträglichen Zustand des Berliner
Volks:
„Der Neuköllner Bürgermeister
Buschkowsky erzählt von einer Araberfrau, die ihr sechstes Kind
bekommt, weil sie durch Hartz IV damit Anspruch auf eine größere
Wohnung hat. Von diesen Strukturen müssen wir uns verabschieden ... So
kann man keine nachhaltige Gesellschaft bauen, das geht für ein, zwei,
drei Generationen gut, dann nicht mehr.“
Sechs Kinder von deutschen oder ausländischen Eliteeltern, das ginge in
Ordnung. Mit denen könnte der Staat etwas anfangen. Aber Elendsfiguren
Stütze zahlen und so ihr karnickelhaftes reproduktives Verhalten
unterstützen, damit schadet sich der Staat. Er verhindert nicht nur,
dass sich die völkischen Tauglichkeitsunterschiede im Alltag des
Geldverdienens Bahn brechen und die Leute ihre Unbrauchbarkeit als
ordentliche Not zu spüren bekommen. Er verhindert dadurch auch die
natürliche soziale Auslese, durch die sich die orientalischen
Fremdkörper von selbst „auswachsen“ würden. Das Gegenteil passiert, sie
überwuchern „uns“:
„Die Türken erobern Deutschland
genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch höhere
Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden
wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen
Bevölkerung … Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal
höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungs-anteil
entspricht. Ständig werden Bräute nachgeliefert. Das türkische Mädchen
hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge bekommt
eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch
schlimmer. Große Teile sind weder integrationswillig noch
integrationsfähig. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern
ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die sie als
gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch macht.“
Sarrazin kann gar nicht zynisch und menschenfeindlich genug
formulieren, um seine Breitseite gegen die Integrationspolitik und ihre
Sprachregelungen unüberhörbar zu machen: Araber und Türken, die sind
so! – unverbesserliche Schädlinge am deutschen Volkskörper. Sie
unterwandern „unseren“ Staat und drohen ihn zu übernehmen.
„Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer
heiraten will, sollte dies im Ausland tun … Der Intellekt, den Berlin
braucht, muss also importiert werden ... Meine Vorstellung wäre:
generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte.“
*
Sarrazin will einen anderen Umgang mit bestimmten Ausländern und
provoziert deshalb die deutsche Öffentlichkeit. Das gelingt. Alle Welt
regt sich auf: Skandal! So darf man das nicht sagen:
„Als Privatperson kann sich Sarrazin
äußern, wie er will. Als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank
kann er dies nicht – und das musste er wissen ... Es kann und darf
nicht Aufgabe der Bundesbank sein, darüber zu befinden, ob in der
Berliner Unterschicht (wie immer man sie definieren wollte) zu viele
Kinder geboren werden. Sarrazin hat sich gegenüber seinem Arbeitgeber
grob illoyal verhalten und ihm damit geschadet.“ (FAZ, 5.10.)
Klar, wenn Sarrazin gegen Türken und Araber hetzt, dann ist das Opfer
seiner Ausländerfeindlichkeit – die Bundesbank! Schaden nimmt die
staatliche Institution, weil einer ihrer Vorstände die gebotene
Sprachhygiene im Umgang mit Ausländern vermissen lässt. Und weil das
der ganze Gegenstand der Empörung ist, verwundert es nicht, dass die
Empörten schön langsam Indizien dafür finden, dass Sarrazin mit seinem
unbedachten „Drauflosplappern“ vielleicht gar nicht so Unrecht hat:
„Sarrazin hat für seine – übrigens
deutlich differenzierter als nun gemeinhin verkürzt dargestellt –
gemachten Äußerungen einigen Rückhalt in der Bevölkerung. Man muss
Sarrazins Meinung nicht teilen, aber seine Courage sollte eine
Demokratie aushalten.“ (FAZ, 12.10.)
Zu reden wie an den Stammtischen, ist nach dem Dafürhalten der
Frankfurter Journalisten in dieser Sache kein verabscheuungswürdiger
Populismus. Hier belegt Sarrazins Volksnähe, dass er nicht ganz schief
liegen kann. Noch stellt man sich nicht hinter den Inhalt seiner
Tirade. Als couragierter Beitrag zur Meinungsfreiheit ist sie aber
schon mal positiv zu würdigen. Zwei Tage später ist man weiter:
„Was hat der Fall Brunner mit dem
Fall Sarrazin zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Brunner kam
Kindern zu Hilfe und wurde dafür zu Tode geprügelt. Sarrazin sprach
unbequeme Wahrheiten aus und wurde dafür heftig kritisiert. Doch beide
Fälle haben mit Zivilcourage zu tun; beide mit einer Öffentlichkeit,
die empört reagiert – einmal für, einmal gegen den Helden … Wie kann
jemand der Menschenverachtung und Volksverhetzung bezichtigt werden,
dem es darum geht, auf Staatsversagen, Gewalt und rechtsfreie Räume
hinzuweisen?“ (FAZ, 14.10.)
Den toten Helden der Münchner S-Bahn und den Hetzer Sarrazin in einen
Vergleich ziehen, das ist hohe journalistische Kunst: Beide wurden
geprügelt, der eine wirklich, der andere im übertragenen Sinn. Das
spricht für Mut – natürlich den von Sarrazin, der andere interessiert
ja nicht. Die „heftige Kritik“, die seine Ausfälle gegen Türken und
Araber auslösen, beweist den lernfähigen FAZ-Autoren inzwischen, wie
gut er getroffen hat, und dass das „Unbequeme“, das Deutschland zu
hören bekam, wohl „Wahrheiten“ sein müssen. Immer mehr erschließt sich
ihnen, dass dieser „Tabubruch“ einfach an der Zeit war:
„Es wird nicht mehr verdrängt,
verkleistert und schön geredet, sondern munter gestritten – und alle
mischen mit. Kritik an der Entwicklung von Parallelgesellschaften in
unseren Großstädten kann nicht mehr ganz so leicht als
„ausländerfeindlich“ mundtot gemacht werden.“ (ebd.)
Das hat Sarrazin wohl beabsichtigt. Er hat mit seinem Interview, seiner
vorübergehenden Skandalisierung und deren Überwindung in Deutschland
die moralischen Grenzen verschoben, wo political correctness aufhört
und nicht korrekte Ausländerfeindlichkeit anfängt.
©
GegenStandpunkt Verlag 2009