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GegenStandpunkt 3-09

Anmerkungen zur Krise ’09

Lehren aus zwei Jahren Weltwirtschaftskrise

Die Krise des weltweiten kapitalistischen Geschäfts geht in ihr drittes Jahr. Die mehr als ein Jahr lang beschworene Hoffnung, die Konsequenzen ließen sich auf bestimmte Abteilungen des Weltfinanzmarkts begrenzen und von der "Realwirtschaft" fernhalten, hat sich längst als Illusion erwiesen – und die Konsequenzen für Beschäftigte und die wachsende Zahl von Beschäftigungslosen lassen nicht auf sich warten. Insofern werfen Verlauf und politische Behandlung der Krise ein außergewöhnlich grelles Licht auf das gewöhnliche marktwirtschaftliche Geschäftsleben und damit auf die für die normale Menschheit schädlichen Konstruktionsprinzipien des kapitalistischen Systems, das sonst gewohnheitsmäßig als der "normale Gang der Dinge" abgehakt wird. Die freiheitliche Öffentlichkeit sieht das freilich umgekehrt: Sie deutet das Krisengeschehen als Konsequenz fahrlässiger oder schuldhafter Regelverstöße, als Sonderfall, der den marktwirtschaftlichen Regelfall schon allein deswegen über jede Kritik erhebt, weil da das Geschäft der Geldvermehrung erfolgreich vorankommt. Der Zusammenhang der beklagten Auswüchse und Abweichungen mit dem funktionierenden marktwirtschaftlichen Normalfall bleibt also zu erklären. So lehrreich die Krise ist: Die Mühe des (Um-)Lernens erspart sie ihren Opfern nicht.

 

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© GegenStandpunkt Verlag 2009