In Gestalt seiner Agenten, der vielgescholtenen Bankmanager, ist das Finanzkapital wegen des massenhaften Zusammenbruchs seiner Spekulationsgeschäfte in der Kritik. Als Agentur, die den "Blutkreislauf unserer Wirtschaft" bildet, von deren erfolgreichem Geschäftsgang das Investieren, das Produzieren, die Arbeitsplätze, also das Wachstum des gesellschaftlichen Reichtums und "unser aller Wohlstand" letztlich abhängt, ist das Finanzkapital dagegen der bevorzugte Gegenstand der öffentlichen Sorge ebenso wie der praktischen staatlichen Bemühungen um die nationale Rettung der beschädigten Geschäfte des ‚Finanzsektors‘. Das hat seinen guten kapitalistischen Grund: Das Finanzkapital – die versammelte Welt der Banken, Investmentfonds, der Kreditinstitute und Börsenspekulanten – repräsentiert mit den Ansprüchen und Methoden seiner ‚reinen‘ Geldgeschäfte, mit den Vermögen, die sie verwalten, verleihen, spekulativ schaffen und auf all diese Weisen mehren, den Reichtum, um den es in dieser Gesellschaft insgesamt geht: sich vermehrendes Kapital. Es ist der Inbegriff des Zwecks, den ein Lebensmittel- oder Autokonzern ganz genauso verfolgt wie eine Bank: Vergrößerung des Geldvermögens, und damit der privateigentümlichen ökonomischen Verfügungsmacht, die es garantiert.
Der GegenStandpunkt klärt in einem Grundsatzartikel (in Fortsetzung des Artikels aus GS 3-08) auf über das Finanzkapital, seine Leistungen und Dienste für die ‚Realwirtschaft‘ ebenso wie seine ökonomische Macht, die aus den Grundsätzen des kapitalistischen Wirtschaftens, den Bedürfnissen und Methoden der Geldvermehrung erwächst, und deren Betätigung im Interesse seiner eigenen Vermögensmehrung. Die Eigenart der Geldgeschäfte einfacher und höherer Art, die Methoden der spekulativen Vermehrung von Kapital werden ebenso abgehandelt wie die notwendigen krisenmäßigen Konsequenzen des finanzkapitalistisch produzierten und beförderten Wachstums.
In einem weiteren Artikel widmet sich der GegenStandpunkt den Ansprüchen und Widersprüchen der staatlichen Krisenpolitik, die entgegen allen öffentlichen Beteuerungen gemeinsamer Krisenbetroffenheit dem ehernen Grundsatz gehorcht, dass die Krise eine nationale Herausforderung ist – zur Konkurrenz um die erfolgreiche Bewältigung und Abwälzung der Krisenfolgen.
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Seit dem Amtsantritt von Mexikos Präsidenten Calderón häufen sich die Meldungen über "unhaltbare" Zustände in Amerikas südlichem Partnerstaat: "Mexiko steckt im Drogenkrieg fest", "Hilflos gegen das Verbrechen" – so oder ähnlich lauten die Überschriften. Während die Regierung einen "Krieg gegen das organisierte Verbrechen" führt, verschaffen sich die Drogenclans mit brutaler Gewalt Respekt. Daneben, so erfährt man, drängen Hunderttausende "Wirtschaftsflüchtlinge" aus Mexiko und ganz Mittel- und Lateinamerika illegal über Mexiko in die USA und sorgen besonders in den Grenzregionen für untragbare Zustände.
Diese Zustände verdanken sich dem Erfolgsweg, dem sich Mexikos Führung für die Machtentfaltung der Nation verschrieben hat: durch eine besonders enge Anbindung an die USA die eigene Herrschaft ökonomisch und politisch voranzubringen. Ganz in diesem Sinne geht Mexikos Regierung gegen die ‚Missstände‘ vor. Sie begreift die Folgen dieses Erfolgswegs als Gründe für die mangelnden Fortschritte auf diesem Weg und als dessen Gefährdung; als solches bekämpft sie sie – gefordert und gefördert von der US-Regierung. Mit staatlicher Gewalt im Innern sollen die Zustände bereinigt werden, deren Ursachen im Außenverhältnis Mexikos liegen. Die Konsequenzen dieses Kampfs um die staatliche Ordnung fallen entsprechend aus: Eskalation der Gewalt – und wachsende Unzufriedenheit im Land und in den USA mit dem fortschreitenden mexikanischen Staatszerfall.