Anfang August startet der georgische Staatschef einen Militärüberfall auf die abtrünnige Provinz Südossetien. Damit kündigt er das mit Russland widerwillig eingegangene Stillhalteabkommen auf und provoziert mit seinem nächtlichen Überfall auf Südosseten und russische Soldaten eine kriegerische Reaktion des Kreml, im Wissen, dass er sich mit einem übermächtigen Gegner anlegt. Seine Berechnung ist kein Geheimnis: Er setzt auf Rückendeckung durch die USA und ihren NATO-Anhang. Er hat sich nicht getäuscht. Kaum bieten ihm die Russen militärisch Einhalt, meldet sich nicht nur die westliche Öffentlichkeit mit dem Vorwurf: russischer ‚Neo-Imperialismus’. Washington stellt sich demonstrativ hinter seinen Mann in Tiflis, fordert ultimativ Russlands Rückzug, droht ihm mit weltpolitischer Isolierung und bekundet mit militärischer Präsenz seinen Willen, Georgien mehr denn je unter seinen ‚Schutz’ zu stellen. Russland demonstriert seinerseits Entschlossenheit, sich nicht immer weiter zurückdrängen zu lassen aus von ihm beanspruchten Einflusssphären und anerkennt die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens mit Verweis auf das Vorgehen des Westens im Fall Kosovo. Prompt macht das Schlagwort eines neuen ‚Kalten Kriegs’ die Runde und es wird – ausgerechnet – die Ohnmacht des Westens beschworen. Denn selbstverständlich gilt, dass Russland in Georgien und anderswo nichts mehr zu bestellen haben darf, wenn es sich um eine echte ‚Weltordnung’ handeln soll. Die wird daher schwer vermisst. Bleibt zu klären, was da eigentlich an Georgien ausgestritten wird. Darüber erfährt man nämlich wenig Objektives von den Anwälten einer ‚gerechten Weltordnung’.
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