Ein paar Tausend US-amerikanische Häuslebauer geraten mit der Bezahlung ihrer Hypothekenschulden in Rückstand, und rund um den Globus erzittert die globalisierte Geschäftswelt, geraten Großbanken in die Klemme, droht eine Liquiditätskrise, die von den Notenbanken der 1. Welt mit einer Viertelbillion frischer Euros und Dollars in Schach gehalten werden muss? Das kann doch wohl nicht wahr sein!
Ist es auch nicht! Die Kommentare, die diese unheilvolle Kette als Folge von ungesunden Übertreibungen, Fehlern und Blauäugigkeiten eines an sich ehrenwerten Gewerbes, der finanzkapitalistischen Spekulation, kritisieren, geben mit diesen Ausführungen zu erkennen, dass sie über die Geschäfte einer Sphäre handeln, die den gängigen Vorstellungen zuwiderlaufen, beim Wachstum, das in Geld gemessen wird, ginge es um ordentliches Produzieren, um mit Krediten in Gang gebrachte Warengeschäfte, die als Plus zu Buche schlagen. Sie verhandeln, wie ideologisch und anteilnehmend auch immer von einer verselbständigten Sphäre des Geschäftemachens, die mit der rechtfertigenden Behauptung, in erster und letzter Instanz seien die dort getätigten Transaktionen, die spekulative Vermehrung von Finanztiteln und Anlageobjekten eine begrüßenswerte (Finanz-)Dienstleistung, gründlich aufräumt. Die täglich bilanzierten Wertzuwächse und jetzt umgekehrt: Einbrüche und Zusammenbrüche von Vermögenswerten resultieren nicht aus den Leistungen, die der Kredit bei Betriebserweiterungen, Rationalisierungen, bei Kaufen und Verkaufen bis hin zum "kleinen Mann" erbringt oder eben nicht, nämlich Geldgeschäfte in Gang zu bringen, wo noch kein Geld verfügbar ist. Das, was da an Vermögen wächst und in die Krise gerät, entspringt umgekehrt aus der Macht der Banken, die Abhängigkeit des kapitalistischen Wirtschaftens von dem bei ihnen versammelten Geld der Gesellschaft für eigene Geschäftszwecke auszunutzen: Sie rechnen sich die Schulden, die alle Welt bei ihnen macht, und die Erträge, die das für sie abwirft, als Vermögen an, das sich verlässlich vermehrt, und gründen darauf eine Spekulation auf wachsende Erträge, die wiederum als wachsende Wertpapiervermögen zu Buche schlägt...
Die Krise, die mit Notwendigkeit aus der Tatsache folgt, dass "die Bedingungen der unmittelbaren Exploitation und die ihrer Realisation ... nicht identisch" sind, vielmehr "nicht nur nach Zeit und Ort, sondern auch begrifflich auseinander" fallen (Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3, MEW 25, S. 254), ist hier nicht Thema. Was sich im Sommer dieses Jahres an den Weltfinanzmärkten abspielt, ist eine Irritation des Geldkapitals, die allein aus dessen vermögenswirksamer Beschäftigung mit sich selbst folgt, darauf allerdings nicht ganz beschränkt bleibt.
Mehr zu Methoden, Begriff und Konsequenzen dieses ehrenwerten Geldgewerbes im Artikel
Was dürfen Gewerkschaften fordern, wie weit mit Streikdrohungen gehen? Sind Einheitsgewerkschaften nach DGB-Art das rechte oder können konkurrierende Berufsgewerkschaften nicht eine nützliche Rolle spielen? Solche Grundsatzfragen bewegten diesen Sommer die Öffentlichkeit. Die maßgebliche Welt sah sich aufgerufen, in Erinnerung zu bringen, dass die Vertretung von Arbeiterinteressen eine Sache der Genehmigung ist, über die vom Standpunkt des großen Ganzen und nicht nach den Bedürfnissen der arbeitenden Menschheit entschieden wird.
Was ist geschehen? Die Gewerkschaft der Lokführer stellt Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen und macht Anstalten, die auch durchzusetzen - und prompt gerät der Lohnkampf der GDL zu einem Lehrstück über die Entschiedenheit, mit der hierzulande solchen gewerkschaftlichen Ansinnen begegnet wird, über die Mittel, mit denen sie bekämpft werden, also darüber, wie unverträglich die Anliegen der Arbeiterschaft mit den national gültigen Interessen sind.
"Die größte Demokratie der Welt" - das ist nicht nur das stolze Selbstverständnis der indischen Nation. Die ganze westliche Welt erkennt wohlwollend an, dass sich der dortige Staat seit seiner Unabhängigkeit den freiheitlichen Herrschaftsprinzipien verschrieben hat. Und wenn die Gutachter aus den Mutterländern der Demokratie einen Blick auf die Elendszustände in Indien werfen, dann bleibt ihnen das Lob keineswegs im Halse stecken. Grassierende Armut ist kein Einwand gegen die demokratische Herrschaft, sondern Beweis, wie schwer sich der indische Staat mit seiner Bekämpfung eben tut. Ganz anders als im Fall China, wo Bauernarmut und Wanderarbeiterelend eindeutig gegen das Herrschaftssystem sprechen und beweisen, dass dieses System trotz seiner Bekehrung zum Kapitalismus eben immer noch eine "menschenrechtsverletzende Diktatur" ist. Lob im einen und Vorbehalt im anderen Fall entspringen demselben parteilichen Blick auf die Ambitionen dieser beiden Aufsteigernationen. Der Demokratie-Bonus Indiens steht dafür, dass die kapitalistischen Hauptmächte nach wie vor darauf setzen, dass sie dort mit ihren Interessen erfolgreich zum Zuge kommen und die aufstrebende Macht ohne Regimewechsel ordnungspolitisch einbinden können.
Das aber ist nicht die Rolle, welche die weltgrößte Demokratie zu spielen gedenkt - nicht ökonomisch, nicht politisch, nicht strategisch.
(1) Die jährliche Veröffentlichung der weltweiten Rüstungsausgaben
löst humanistische Reflexe aus:
Frieden statt Krieg, Brot statt Gewehre!
(2) Die CIA stellt mal wieder ihre Leichen aus:
Viel Verständnis für die Totschläger der freien Welt
(3) Tour de France und schon wieder Doping-Krise:
Öffentlich-rechtliches Fernsehen ringt im Verein mit unserem
T-Mobile-Team um die Glaubwürdigkeit des deutschen Radsports
(4) Die EU bietet den AKP-Staaten
"Economic Partnership Agreements (EPAs)" an:
So geht der "Abbau der weltweiten Armut" in die nächste Runde
(5) Noch ein Fall von "arm trotz Arbeit": Die "Generation Praktikum"
(6) AKW-Pannenserie in der Ausstiegsrepublik
Aus den Kraftwerken nichts Neues: Produktion auf GAU komm heraus
und scharfes Rechnen mit dem Atomausstieg
(7) Die nationale Auseinandersetzung um die
"Eurofighter"-Beschaffung:
Wie Österreich einmal beinahe 18 Kampfflugzeuge abbestellt hätte
(8) Endlich vereinigt und im Vaterland angekommen:
Eine Linkspartei für Deutschland - konservativ, realistisch,
machtbewusst, national
(9) Zum Umgang mit der Linkspartei:
Demokraten üben sich in der Pflege ihrer sprichwörtlich hochstehenden
politischen Kultur
(10) Organklage der Partei Die Linke gegen den Tornado-Einsatz in
Afghanistan:
Prozesshansel-Pazifismus
(11) Terrorgefahr in Deutschland - eine
Produktivkraft für den Rechtsstaat:
Not braucht viel Gebot
(12) Der Bruch zwischen Hamas und Fatah:
Schon wieder eine Chance für den Frieden im Nahen Osten
(13) Der "Sturm auf die rote Moschee":
Warum sich die Deutschen manchmal für die Armut in Pakistan
und eine Koranschule in Islamabad interessieren
(14) Das Bundesverfassungsgericht entscheidet für "Transparenz" bei
den Nebenverdiensten von Abgeordneten:
Höchstrichterliche Aufklärungen über den ehrenwerten Beruf des
parlamentarischen Volksvertreters
(15) Streit um Religion im Biologieunterricht:
Der Schöpfung die Krone aufgesetzt
(16) Waffen für Mekka
(17) Nachrichten vom Arbeitsmarkt: "Der Aufschwung ist da ..."
(18) Zivil- und andere schlechte Gesellschaft
gefährdet Jugendliche:
Marco knutscht sich in den Knast
(19) Der Dalai Lama auf Deutschland-Tournee:
Moderner Sinnstiftungs-Guru
+ nützlicher Idiot westlicher Menschenrechtsdiplomatie
= Religiöser Fundamentalismus, wie wir ihn lieben