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GEGENSTANDPUNKT 3-07

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GegenStandpunkt 3-07 ist am 21. September 2007 erschienen


"US-Hypothekenkrise: Trockene Märkte, geschlossene Fonds, nervöse Anleger ..."

Der Welterfolg einer neuen Technik finanzkapitalistischer Selbstbefriedigung macht weltweit Ärger

Anmerkungen zu einer Finanzkrise der ganz modernen Art

Ein paar Tausend US-amerikanische Häuslebauer geraten mit der Bezahlung ihrer Hypothekenschulden in Rückstand, und rund um den Globus erzittert die globalisierte Geschäftswelt, geraten Großbanken in die Klemme, droht eine Liquiditätskrise, die von den Notenbanken der 1. Welt mit einer Viertelbillion frischer Euros und Dollars in Schach gehalten werden muss? Das kann doch wohl nicht wahr sein!

Ist es auch nicht! Die Kommentare, die diese unheilvolle Kette als Folge von ungesunden Übertreibungen, Fehlern und Blauäugigkeiten eines an sich ehrenwerten Gewerbes, der finanzkapitalistischen Spekulation, kritisieren, geben mit diesen Ausführungen zu erkennen, dass sie über die Geschäfte einer Sphäre handeln, die den gängigen Vorstellungen zuwiderlaufen, beim Wachstum, das in Geld gemessen wird, ginge es um ordentliches Produzieren, um mit Krediten in Gang gebrachte Warengeschäfte, die als Plus zu Buche schlagen. Sie verhandeln, wie ideologisch und anteilnehmend auch immer von einer verselbständigten Sphäre des Geschäftemachens, die mit der rechtfertigenden Behauptung, in erster und letzter Instanz seien die dort getätigten Transaktionen, die spekulative Vermehrung von Finanztiteln und Anlageobjekten eine begrüßenswerte (Finanz-)Dienstleistung, gründlich aufräumt. Die täglich bilanzierten Wertzuwächse und jetzt umgekehrt: Einbrüche und Zusammenbrüche von Vermögenswerten resultieren nicht aus den Leistungen, die der Kredit bei Betriebserweiterungen, Rationalisierungen, bei Kaufen und Verkaufen bis hin zum "kleinen Mann" erbringt oder eben nicht, nämlich Geldgeschäfte in Gang zu bringen, wo noch kein Geld verfügbar ist. Das, was da an Vermögen wächst und in die Krise gerät, entspringt umgekehrt aus der Macht der Banken, die Abhängigkeit des kapitalistischen Wirtschaftens von dem bei ihnen versammelten Geld der Gesellschaft für eigene Geschäftszwecke auszunutzen: Sie rechnen sich die Schulden, die alle Welt bei ihnen macht, und die Erträge, die das für sie abwirft, als Vermögen an, das sich verlässlich vermehrt, und gründen darauf eine Spekulation auf wachsende Erträge, die wiederum als wachsende Wertpapiervermögen zu Buche schlägt...

Die Krise, die mit Notwendigkeit aus der Tatsache folgt, dass "die Bedingungen der unmittelbaren Exploitation und die ihrer Realisation ... nicht identisch" sind, vielmehr "nicht nur nach Zeit und Ort, sondern auch begrifflich auseinander" fallen (Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3, MEW 25, S. 254), ist hier nicht Thema. Was sich im Sommer dieses Jahres an den Weltfinanzmärkten abspielt, ist eine Irritation des Geldkapitals, die allein aus dessen vermögenswirksamer Beschäftigung mit sich selbst folgt, darauf allerdings nicht ganz beschränkt bleibt.

Mehr zu Methoden, Begriff und Konsequenzen dieses ehrenwerten Geldgewerbes im Artikel


Die Lohnfrage heute

Die neuesten Investivlohn-Modelle von SPD und Union:
Einfach sensationell!

Arbeiter brauchen eine Gewerkschaft (1)
Ein schönes Streikergebnis für die Telekom-Beschäftigten -
Unternehmenserfolg auf der ganzen Linie!

Arbeiter brauchen eine Gewerkschaft (2)
Die unendliche Geschichte der Bau-Tarifrunde:
Die Unternehmer streiten über ihre Billiglohnkonkurrenz -
die IG Bau macht immer neue Angebote

Die "Lokführergewerkschaft" kämpft um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen -
Die ganze Republik steht Kopf: Dürfen die das? -
Bahn AG und Bahngewerkschaften sind sich einig: So nicht!

Was dürfen Gewerkschaften fordern, wie weit mit Streikdrohungen gehen? Sind Einheitsgewerkschaften nach DGB-Art das rechte oder können konkurrierende Berufsgewerkschaften nicht eine nützliche Rolle spielen? Solche Grundsatzfragen bewegten diesen Sommer die Öffentlichkeit. Die maßgebliche Welt sah sich aufgerufen, in Erinnerung zu bringen, dass die Vertretung von Arbeiterinteressen eine Sache der Genehmigung ist, über die vom Standpunkt des großen Ganzen und nicht nach den Bedürfnissen der arbeitenden Menschheit entschieden wird.

Was ist geschehen? Die Gewerkschaft der Lokführer stellt Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen und macht Anstalten, die auch durchzusetzen - und prompt gerät der Lohnkampf der GDL zu einem Lehrstück über die Entschiedenheit, mit der hierzulande solchen gewerkschaftlichen Ansinnen begegnet wird, über die Mittel, mit denen sie bekämpft werden, also darüber, wie unverträglich die Anliegen der Arbeiterschaft mit den national gültigen Interessen sind.


G8-Treffen

Schon wieder: Die Welt zu Gast bei Freunden

  1. Die demokratische Erledigung von Protest
  2. Ein "bisschen Weltregierung" - und das unter deutscher Führung!

"Kompromiss" auf dem EU-Gipfel in Brüssel:

Der Streit der Nationen um die Geschäftsordnung ihrer Konkurrenz in und um Europa

  1. Die Frohe Botschaft vorweg: Entwarnung!
  2. Eine Anfrage der deutschen Ratspräsidentschaft: Ein bisschen "mehr Europa" - ist das noch zu haben?
  3. Die Streitfrage: Wie viel Europa geht mit der eigenen staatlichen Souveränität zu vereinbaren - und wer bestimmt, was da miteinander vereinbar zu sein hat?
  4. Der "Kompromiss": Ein "Fahrplan" zur Vertagung der Streitfrage
  5. Nach dem Kompromiss: Ein frischer Auftakt zur Konkurrenz der Führungsmächte in, mit und um Europa

Noch ein aufstrebender Global Player

Indien will Wirtschafts- und Weltmacht werden

"Die größte Demokratie der Welt" - das ist nicht nur das stolze Selbstverständnis der indischen Nation. Die ganze westliche Welt erkennt wohlwollend an, dass sich der dortige Staat seit seiner Unabhängigkeit den freiheitlichen Herrschaftsprinzipien verschrieben hat. Und wenn die Gutachter aus den Mutterländern der Demokratie einen Blick auf die Elendszustände in Indien werfen, dann bleibt ihnen das Lob keineswegs im Halse stecken. Grassierende Armut ist kein Einwand gegen die demokratische Herrschaft, sondern Beweis, wie schwer sich der indische Staat mit seiner Bekämpfung eben tut. Ganz anders als im Fall China, wo Bauernarmut und Wanderarbeiterelend eindeutig gegen das Herrschaftssystem sprechen und beweisen, dass dieses System trotz seiner Bekehrung zum Kapitalismus eben immer noch eine "menschenrechtsverletzende Diktatur" ist. Lob im einen und Vorbehalt im anderen Fall entspringen demselben parteilichen Blick auf die Ambitionen dieser beiden Aufsteigernationen. Der Demokratie-Bonus Indiens steht dafür, dass die kapitalistischen Hauptmächte nach wie vor darauf setzen, dass sie dort mit ihren Interessen erfolgreich zum Zuge kommen und die aufstrebende Macht ohne Regimewechsel ordnungspolitisch einbinden können.

Das aber ist nicht die Rolle, welche die weltgrößte Demokratie zu spielen gedenkt - nicht ökonomisch, nicht politisch, nicht strategisch.

  1. Eine Volksherrschaft, die sich ihr Volk schafft - mit Wahlen und echt indischer Staatsgewalt
    1. Eine neue Staatsgewalt organisiert sich ihr Volk und bildet seinen Willen
    2. Das Kastenwesen: seine störende und seine nützliche Seite für den Fortschritt der kapitalistischen Nation
    3. Die Durchsetzung der Einheit von Volk und Staat: bedingungslose Unterdrückung und berechnende Anerkennung des Separatismus
    4. Demokratischer Fortschritt: Aus dem Machtmonopol der Kongresspartei wird der Konkurrenzkampf von staatstragenden Parteien
    5. Die aktuellen Gewaltfronten der indischen Demokratie: sozial motivierte Volksaufstände und neuer Separatismus
  2. Ein "Entwicklungsland", das sich seinen Kapitalismus schafft - mit viel politischer Gewalt und einer riesigen Masse Volk
    1. Die Landwirtschaft: das Projekt, eine riesige Landbevölkerung mit den Mitteln der Geldwirtschaft nützlich zu machen
      1. Die Landreform: Volksernährung auf Elendsbasis
      2. Die "Grüne Revolution": Der Staat entwickelt die Produktivkräfte auf dem Land und revolutioniert darüber die Produktionsverhältnisse
      3. Die "globalisierte" Landwirtschaft: von der autonomen Sicherung der Volksernährung zum Bereicherungsmittel der Nation auf dem Weltmarkt
    2. Die Industrie: Vom staatskapitalistischen Aufbauprogramm zur Weltmarkttauglichkeit
      1. "Self-reliance": Der politische Aufbau einer kapitalistischen Industrie,
      2. die den Machtanspruch des Staates befriedigen kann
      3. Die weltwirtschaftliche Bewährung des indischen Kapitalismus: Fremdes Kapital attrahieren, um die Produktion nationalen Geldreichtums zu entfesseln
  3. Vom Objekt kolonialer Ausplünderung zur nuklearen Großmacht
    1. Befreit zu echt indischer Staatsgewalt, die nur noch ihre eigenen Kriege führt
    2. Blockfrei und bedingt kooperationsbereit zwischen den feindlichen Blöcken
    3. Nach dem Kalten Krieg: Zum eigenmächtigen Aufstieg in der unipolar-kapitalistischen Welt entschlossen
    4. Wie Indien die neu eröffnete Konkurrenz um Einfluss und Reichweite (inter-)nationaler Kontrollmacht bereichert



Chronik - kein Kommentar!

(1) Die jährliche Veröffentlichung der weltweiten Rüstungsausgaben löst humanistische Reflexe aus:
Frieden statt Krieg, Brot statt Gewehre!

(2) Die CIA stellt mal wieder ihre Leichen aus:
Viel Verständnis für die Totschläger der freien Welt

(3) Tour de France und schon wieder Doping-Krise:
Öffentlich-rechtliches Fernsehen ringt im Verein mit unserem T-Mobile-Team um die Glaubwürdigkeit des deutschen Radsports

(4) Die EU bietet den AKP-Staaten "Economic Partnership Agreements (EPAs)" an:
So geht der "Abbau der weltweiten Armut" in die nächste Runde

(5) Noch ein Fall von "arm trotz Arbeit": Die "Generation Praktikum"

(6) AKW-Pannenserie in der Ausstiegsrepublik
Aus den Kraftwerken nichts Neues: Produktion auf GAU komm heraus und scharfes Rechnen mit dem Atomausstieg

(7) Die nationale Auseinandersetzung um die "Eurofighter"-Beschaffung:
Wie Österreich einmal beinahe 18 Kampfflugzeuge abbestellt hätte

(8) Endlich vereinigt und im Vaterland angekommen:
Eine Linkspartei für Deutschland - konservativ, realistisch, machtbewusst, national

(9) Zum Umgang mit der Linkspartei:
Demokraten üben sich in der Pflege ihrer sprichwörtlich hochstehenden politischen Kultur

  1. Die Argumente der etablierten Parteien, insbesondere der SPD: "Mörder!" "Spalter!" "Populisten!"
  2. Die Argumente der kritischen Öffentlichkeit: "ewig-gestrig", "lächerlich", "unseriös"

(10) Organklage der Partei Die Linke gegen den Tornado-Einsatz in Afghanistan:
Prozesshansel-Pazifismus

(11) Terrorgefahr in Deutschland - eine Produktivkraft für den Rechtsstaat:
Not braucht viel Gebot

(12) Der Bruch zwischen Hamas und Fatah:
Schon wieder eine Chance für den Frieden im Nahen Osten

(13) Der "Sturm auf die rote Moschee":
Warum sich die Deutschen manchmal für die Armut in Pakistan und eine Koranschule in Islamabad interessieren

(14) Das Bundesverfassungsgericht entscheidet für "Transparenz" bei den Nebenverdiensten von Abgeordneten:
Höchstrichterliche Aufklärungen über den ehrenwerten Beruf des parlamentarischen Volksvertreters

(15) Streit um Religion im Biologieunterricht:
Der Schöpfung die Krone aufgesetzt

(16) Waffen für Mekka

(17) Nachrichten vom Arbeitsmarkt: "Der Aufschwung ist da ..."

(18) Zivil- und andere schlechte Gesellschaft gefährdet Jugendliche:
Marco knutscht sich in den Knast

(19) Der Dalai Lama auf Deutschland-Tournee:
Moderner Sinnstiftungs-Guru
+ nützlicher Idiot westlicher Menschenrechtsdiplomatie
= Religiöser Fundamentalismus, wie wir ihn lieben

  1. "Der Gott zum Anfassen"
  2. "Pandabär der internationalen Politik" (Er über sich)

© GegenStandpunkt Verlag 2007