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GegenStandpunkt 3-07

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Die ‚Lokführergewerkschaft‘ kämpft um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen –
Bahn AG und Bahngewerkschaft sind sich einig: So nicht!

Was dürfen Gewerkschaften fordern, wie weit mit Streikdrohungen gehen? Sind Einheitsgewerkschaften nach DGB-Art das rechte oder können konkurrierende Berufsgewerkschaften nicht eine nützliche Rolle spielen? Solche Grundsatzfragen bewegten diesen Sommer die Öffentlichkeit. Die maßgebliche Welt sah sich aufgerufen, in Erinnerung zu bringen, dass die Vertretung von Arbeiterinteressen eine Sache der Genehmigung ist, über die vom Standpunkt des großen Ganzen und nicht nach den Bedürfnissen der arbeitenden Menschheit entschieden wird.

Was ist geschehen? Die Gewerkschaft der Lokführer stellt Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen und macht Anstalten, die auch durchzusetzen – und prompt gerät der Lohnkampf der GDL zu einem Lehrstück über die Entschiedenheit, mit der hierzulande solchen gewerkschaftlichen Ansinnen begegnet wird, über die Mittel, mit denen sie bekämpft werden, also darüber, wie unverträglich die Anliegen der Arbeiterschaft mit den national gültigen Interessen sind.

Noch ein aufstrebender ‚Global Player‘:
Indien will Wirtschafts- und Weltmacht werden

‚Die größte Demokratie der Welt‘ – das ist nicht nur das stolze Selbstverständnis der indischen Nation. Die ganze westliche Welt erkennt wohlwollend an, dass sich der dortige Staat seit seiner Unabhängigkeit den freiheitlichen Herrschaftsprinzipien verschrieben hat. Und wenn die Gutachter aus den Mutterländern der Demokratie einen Blick auf die Elendszustände in Indien werfen, dann bleibt ihnen das Lob keineswegs im Halse stecken. Grassierende Armut ist kein Einwand gegen die demokratische Herrschaft, sondern Beweis, wie schwer sich der indische Staat mit seiner Bekämpfung eben tut. Ganz anders als im Fall China, wo Bauernarmut und Wanderarbeiterelend eindeutig gegen das Herrschaftssystem sprechen und beweisen, dass dieses System trotz seiner Bekehrung zum Kapitalismus eben immer noch eine ‚menschenrechtsverletzende Diktatur‘ ist. Lob im einen und Vorbehalt im anderen Fall entspringen demselben parteilichen Blick auf die Ambitionen dieser beiden Aufsteigernationen. Der Demokratie-Bonus Indiens steht dafür, dass die kapitalistischen Hauptmächte nach wie vor darauf setzen, dass sie dort mit ihren Interessen erfolgreich zum Zuge kommen und die aufstrebende Macht ohne Regimewechsel ordnungspolitisch einbinden können.

Das aber ist nicht die Rolle, welche die weltgrößte Demokratie zu spielen gedenkt – nicht ökonomisch, nicht politisch, nicht strategisch.

Anmerkungen zu einer Finanzkrise der ganz modernen Art

Ein paar Tausend US-amerikanische Häuslebauer geraten mit der Bezahlung ihrer Hypothekenschulden in Rückstand, und rund um den Globus erzittert die globalisierte Geschäftswelt, geraten Großbanken in die Klemme, droht eine Liquiditätskrise, die von den Notenbanken der 1. Welt mit einer Viertelbillion frischer Euros und Dollars in Schach gehalten werden muss? Das kann doch wohl nicht wahr sein!

Ist es auch nicht! Die Kommentare, die diese unheilvolle Kette als Folge von ‚ungesunden‘ ‚Übertreibungen‘, ‚Fehlern‘ und ‚Blauäugigkeiten‘ eines an sich ehrenwerten Gewerbes, der finanzkapitalistischen Spekulation, kritisieren, geben mit diesen Ausführungen zu erkennen, dass sie über die Geschäfte einer Sphäre handeln, die den gängigen Vorstellungen zuwiderlaufen, beim Wachstum, das in Geld gemessen wird, ginge es um ordentliches Produzieren, um mit Krediten in Gang gebrachte Warengeschäfte, die als Plus zu Buche schlagen. Sie verhandeln, wie ideologisch und anteilnehmend auch immer von einer verselbständigten Sphäre des Geschäftemachens, die mit der rechtfertigenden Behauptung, in erster und letzter Instanz seien die dort getätigten Transaktionen, die spekulative Vermehrung von Finanztiteln und Anlageobjekten eine begrüßenswerte (Finanz-)Dienstleistung, gründlich aufräumt. Die täglich bilanzierten Wertzuwächse – und jetzt umgekehrt: Einbrüche und Zusammenbrüche von Vermögenswerten – resultieren nicht aus den Leistungen, die der Kredit bei Betriebserweiterungen, Rationalisierungen, bei Kaufen und Verkaufen bis hin zum ‚kleinen Mann‘ erbringt oder eben nicht – nämlich Geldgeschäfte in Gang zu bringen, wo noch kein Geld verfügbar ist. Das, was da an Vermögen wächst und in die Krise gerät, entspringt umgekehrt aus der Macht der Banken, die Abhängigkeit des kapitalistischen Wirtschaftens von dem bei ihnen versammelten Geld der Gesellschaft für eigene Geschäftszwecke auszunutzen: Sie rechnen sich die Schulden, die alle Welt bei ihnen macht, und die Erträge, die das für sie abwirft, als Vermögen an, das sich verlässlich vermehrt, und gründen darauf eine Spekulation auf wachsende Erträge, die wiederum als wachsende Wertpapiervermögen zu Buche schlägt... Mehr zu Methoden, Begriff und Konsequenzen dieses ehrenwerten Geldgewerbes im Artikel

„US-Hyptohekenkrise: Trockene Märkte, geschlossene Fonds, nervöse Anleger...“:
Der Welterfolg einer neuen Technik finanzkapitalistischer Selbstbefriedung macht weltweit Ärger


© GegenStandpunkt Verlag 2007