Um den Lohn haben die, die von ihm leben müssen, einmal gekämpft, um von ihm leben zu können. Das – das lehrte sie die tägliche Erfahrung ihrer ruinösen Lohnarbeit – muss ihren Anwendern, die mit ihrem Lohn als Kost in ihrer Gewinnrechnung kalkulieren, abgerungen werden. Also verweigerten sie spontan oder auch schon gewerkschaftlich organisiert die Bereitschaft, zu den gegebenen Bedingungen weiterzuarbeiten, um unter möglichst verbesserten wieder anzutreten. Ein paar Jahrzehnte später hat es den Anschein, als sei die Lohnfrage erledigt, als müsste das Proletariat, das jetzt ‚die Arbeitnehmer‘ heißt, nicht mehr um seine Existenz fürchten und kämpfen. Es erfreut sich zahlreicher Anwälte seiner ‚sozialen‘ Belange: anerkannte Gewerkschaften, die tarifvertraglich geregelt für Lohngerechtigkeit sorgen; Betriebsräte mit Mitwirkungsrechten im Unternehmen; Politiker, die dafür sorgen, dass die Marktwirtschaft ‚sozial‘ ausgestaltet wird. Heute ist die Lohnfrage wieder aktuell; weil die Anwender der Arbeitskräfte mit Berufung auf ihre Konkurrenz mehr Arbeit und freiere Verfügung über die Arbeitskraft für weniger Lohn auf die nationale Tagesordnung und durchgesetzt haben. Sie bestehen auf der Unvereinbarkeit von kapitalistischem Wachstumserfolg mit dem Lebensunterhalt seiner Produzenten. Und was macht die malträtierte Klasse? Kommt sie aus gutem Grund auf den Lohkampf zurück? Auskunft darüber in mehren Artikeln des GS zu den aktuellen Auseinandersetzungen um Lohn und Leistung.
Der Gegenstandpunkt nimmt die Proteste gegen den G8-Gipfel zum Anlass für eine grundsätzliche Kritik der falschen Kritik am Treiben der weltmächtigen Agenturen der globalen Konkurrenz um und mit Geld und Gewalt. Die Globalisierungsgegner treten gegen das demonstrative Gipfeltreffen der Chefs der Weltmarkt und Weltpolitik bestimmenden Nationen mit radikalen Anklagen an: Armut, Elend, Krieg, Umweltzerstörung legen sie ihnen zur Last – um dann – mehr oder weniger anklagend bzw. bei den ‚Verantwortlichen‘ einklagend zu verkünden, dass "es" auch anders geht, und nach einer besseren Politik zu verlangen. So als wäre gar nicht weiter viel dabei ein ganzes mit der Geldmacht des weltweit agierenden Kapitals gestiftetes und ihr dienendes Weltwirtschaftsgetriebe und eine mit Gewalt und Krieg ausgetragene ‚Weltordnung‘skonkurrenz aus den Angeln zu heben. Das ist ein fataler Fehler. Denn genau daran, ob der Protest dem System des Welthandels gilt oder bloß vermuteten Ungerechtigkeiten, ob man zu den Prinzipien des kapitalistischen Menschenverschleißes und Naturverbrauchs Nein! Sagt oder bloß zu behaupteten Übertreibungen und Verirrungen, ob man in der gültigen ‚Weltordnung‘ den Grund für Gewalt und Krieg erkennt oder ein Problemfeld, das für bessere ‚Lösungen‘, möglichst ohne Krieg und Armut, offen ist: genau daran entscheidet sich, ob man der "von der Dominanz der G8-geprägten Welt" ihre Grobheiten und Gemeinheiten als letztlich unpassende und überflüssige Verfehlungen vorhält, also im Prinzip um Einverständnis bemüht ist, oder ob man dieser Weltordnung mit ihren systematischen Notwendigkeiten das Verständnis aufkündigt.
Die versammelten europäischen Staaten sind auch als EU auf dem Feld internationaler Beziehungen engagiert, auf dem es nicht mehr um Handel, Kredit und Währungen, also die ökonomische Konkurrenz um nationalen Kapitalerfolg geht, sondern um die Gewaltverhältnisse, die Konkurrenz der Nationen um ein Einfluss- und Kontrollregime über andere Staaten. Im Nahen und ferneren Osten, auf dem Balkan, nach Osten ausgreifend ... überall tritt sie damit in Konkurrenz nicht nur, aber zuvörderst zu den USA, trifft umgekehrt überall auf die Weltmacht, die schon eingemischt ist, entscheidende Fakten setzt und strategische Richtlinien festlegt – also mit ihrer Vormacht praktisch Kriegs- und Friedenslagen definiert. Das lässt die EU-Macher nicht ruhen, das ist und das behandeln sie als eine imperialistische Herausforderung und Bewährungsprobe. Deren Bewältigung gestaltet sich allerdings nach ihren hochgesteckten Maßstäben wenig zufriedenstellend. Denn zu Eingriffen, mit denen sie sich als weltmächtige Konkurrenten bewähren, reichen gemeinsamer Wille und die Mittel Europas nicht hin. Mit ihren Übergängen in die strategische Sortierung und Beaufsichtigung politischer Gewalten auf dem Globus rühren die EU-Imperialisten damit an den fundamentalen Widerspruch ihres Unternehmens. Worin der besteht und wie sie damit umgehen, dazu Auskünfte im Artikel und in einem weiteren Artikel zu einem europäischen Großprojekt:
(1) Reform des Bleiberechts:
Wie sich geduldete Asylanten ihre Nicht-Abschiebung durch Arbeitsamkeit verdienen können
(2) Undank ist der Welten Lohn:
Zur Affäre um gekaufte Betriebsräte bei Siemens
(3) Katholischer Bischof vs. christdemokratische Familienministerin:
„Gebärmaschine“? Nein – selbstbestimmter „Lebensentwurf“!
(4) Schäuble und der technische Fortschritt
machen Deutschland immer sicherer:
Was ist los? Eigentlich nichts!
(5) Die iranisch-britische „Geiselaffäre“ in der deutschen Presse:
Eine Sternstunde demokratischer Meinungsbildung über den „Problemstaat“ Iran
(6) Nachrufe auf Boris Jelzin: Die Zwar-aber-Persönlichkeit
(7) Denkmalstreit in Estland: Europa diskutiert seine „Geschichte“
Anträge zur Umwandlung des sowjetischen Siegs über den Faschismus in eine russische Niederlage
(8) Israel, von einem „politischen Erdbeben“ erschüttert,
zieht die Lehren aus dem Libanon-„Feldzug“:
Der nächste Krieg wird wieder ein echter 6-Tage-Klassiker!