Europas vereinigte Vaterländer haben es weit gebracht mit ihrem Projekt, zu einer gemeinsamen Macht, einem dominierenden Zentrum der Weltwirtschaft und einem ernstzunehmenden Konkurrenten beim Beaufsichtigen der Staatenwelt aufzusteigen, ohne ihre nationale Souveränität wirklich aufzugeben. Dabei konkurrieren sie nicht nur auf die verlogenste Art mit den USA, sondern auch im Namen eines gemeinsamen Europa mit und gegeneinander darum, dieses Gebilde ihren nationalen Vorstellungen gemäß auszugestalten. Derzeit dreht sich der Streit um die fundamentalen Mittel und die grundlegende politische Ausrichtung, die ihren Staatenbund zu durchschlagenden Erfolgen beim Weltgeschäft und beim Weltordnen befähigen sollen: Geld, militärische Schlagkraft, strategische Positionierung, verfassungsmäßig gesicherte Entscheidungsgewalt. All das läuft für die großen Nationen, die sich dazu berufen sehen, die Führungsrolle zu übernehmen, immer dringlicher auf die Frage hinaus, wie und ob es ihnen gelingt, sich als europäische Vormacht zu etablieren und die anderen Mitgliedsstaaten unterzuordnen.
BSE, Maul-und-Klauen-Seuche, Schweinepest... Bevölkerung und Öffentlichkeit sind jedes Mal aufgebracht und besorgt. Alle erregen sich über den ‚Wahnsinn', der in der Landwirtschaft an der Tagesordnung ist. Krankhaft Tiere hochzüchten, unbekömmliche und ungesunde Lebensmittel herstellen, nutzlose Überschüsse produzieren - alles auf Staatskosten... - eingefleischteste Anhänger der Marktwirtschaft verstehen die Welt nicht mehr. Statt aber an den vertrauten Ideologien über die beste aller möglichen Wirtschaftsweisen zu zweifeln, klagen sie unverantwortliche Bauern, profitgierige Futtermittelproduzenten, Brüsseler Bürokraten und säumige nationale Kontrollbehörden an, wenn wieder einmal etwas von den schädlichen Usancen dieses Gewerbes öffentlich wird. Vom System, das alles das hervorbringt, wollen alle, die verständnislos den Kopf schütteln, einfach nichts wissen. Sie beruhigen sich prompt wieder, wenn der Staat Durchgreifen verspricht, Figuren auswechselt und Zeit ins Land geht. Der GegenStandpunkt nicht. Er klärt auf über das Geschäft der Bauern, über das kapitalistische Geschäft mit den Bauern und über die politische Betreuung des Bauernstandes im Kapitalismus.
‚Tarifrunden' gibt es, weil die lohnabhängigen Arbeitnehmer sonst unter die Räder kommen. Arbeitgeber verfolgen nämlich das Jahr über im Betrieb in der Regel höchst erfolgreich das Ziel, bei gleichem Lohn die Leistung ihrer Arbeitskräfte zu steigern. Und als Verkäufer auf dem Markt beglücken Unternehmer die Lohnempfänger auch noch mit einer laufenden Teuerung -, so dass das festgelegte Entgelt ständig real sinkende Tendenz zeigt. Das ist Anlass und Gegenstand tariflicher Verhandlungen - um mit Hilfe der Gewerkschaft ein Stück Kompensation für die Veränderungen bei Lohn und Leistung zu erreichen. Dieses Jahr aber läuft alles gründlich anders. Im Jahr 6 der Schröder-Republik legen die Metall-Arbeitgeber einmal eigene Forderungen auf den Tisch. Sie verlangen ‚Kompensation' - nämlich die Freiheit, in ihren Betrieben wieder bis zu 40 Stunden arbeiten zu lassen für weniger oder überhaupt kein zusätzliches Geld, auszumachen an der Gewerkschaft vorbei mit den leicht erpressbaren Betriebsräten... Ein Fortschritt in der jährlichen Auseinandersetzung um Lohn und Leistung, dem der GegenStandpunkt ein paar grundlegende Wahrheiten über die Natur des kapitalistischen Geschäfts, über die Rolle der Lohnarbeit in ihm, über Notwendigkeit und Nutzen der Arbeitslosigkeit sowie über die Leistungen der Gewerkschaft entnimmt.
Gaddafi verzichtet weltöffentlich auf Massenvernichtungswaffen, verpflichtet sich auf Einhaltung der einschlägigen Verträge. Die USA feiern das als einen Sieg und als guten Grund, mit ihrer Antiterrorpolitik entschieden fortzufahren. Die Öffentlichkeit beglückwünscht Bush mehr oder weniger emphatisch zu seinem Erfolg, hält aber die Sache noch lange nicht für erledigt: Ist der Sinneswandel Gaddafis echt oder will er nur aus der Schusslinie? So kommen weder das Vorgehen Gaddafis noch die Diplomatie der USA im Zeichen des ‚Antiterrorkriegs' richtig zur Sprache, statt dessen lauter mit neidvoller europäischer Skepsis gewürzte Spekulationen, dass Amerikas Kriegsdiplomatie am Ende doch erfolgreicher als gedacht sein könnte. Aufklärung über diesen neuesten ‚Fortschritt in Richtung mehr Weltfrieden' tut also not.