GegenStandpunkt 4-02
Macht und Ohnmacht der Politik in Krisenzeiten
Die Opposition wirft der Regierung Wahlbetrug vor. Die hat, so der Vorwurf,
gnadenlos die nationale Lage geschönt, während sie an deren Stelle
selbstverständlich dem Wähler die ‚Wahrheit' auch vor der Wahl
ungeschminkt verkündet hätte... Die schale Berechnung der Opposition
auf einen ordentlichen Glaubwürdigkeitsverlust von Schröder &
Co. und die matten Zurückweisungen der Regierung, sie habe das ganze
Ausmaß der ‚weltwirtschaftlichen Verwerfungen' eben damals noch nicht
wissen können, einmal beiseite gelassen - : So verlogen, so unsachlich
und doch zugleich so ehrlich in Bezug auf die nationale Enttäuschung
geben demokratische Konkurrenten zu Protokoll, dass der Staat von der Krise
betroffen ist und dass alle Regierungskunst vor den Sachgesetzen kapitalistischer
Überakkumulation versagt. Sie lassen freilich zugleich keinen Zweifel
aufkommen, dass sie gewillt sind, die Akkumulation nationalen Reichtums
neuerlich in Gang zu bringen - durch rigorose Senkung des nationalen Lohn-
und Sozialniveaus vor allem. Den nationalen Opfersinn des Volks nicht genügend
gefordert und mit nationalen Perspektiven angestachelt zu haben, das ist
nämlich die Fortsetzung des Betrugsvorwurfs - und dagegen verteidigt
sich die Regierung mit der kongenialen Versicherung, sie werde Arbeitenden
und Arbeitslosen weitere Einschränkungen und Lasten aufnötigen.
So folgt auf das Eingeständnis der Ohnmacht das Versprechen machtvoller
Anstrengungen zur Krisenbewältigung mit allen Mitteln, die dieser
Nation aufgrund ihrer weltwirtschaftlichen Stellung zugewachsen sind. Andere
Nationen wie Argentinien z.B. sind von der Krise noch in ganz anderer Weise
betroffen - nämlich bankrott und zu dem Eingeständnis gezwungen,
dass ihr nationaler Kredit gleich gar nichts wert ist. Die Konsequenzen
fallen entsprechend rigoros aus - als Abwicklung eines Staatsbankrotts
unter internationaler Regie. Der GegenStandpunkt gibt umfassend
Auskunft über das Verhältnis von Staat und Krise. Dabei kommen
auch die Unterschiede der Nationen, die Besonderheiten der aktuellen Krise
sowie die nationalistische Kritik in Krisenzeiten gebührend zur Sprache.
Das US-Kriegsprogramm gegen den Irak - Auftakt zu einer Neuordnung der
Region
Zielstrebig arbeiten die USA auf einen Krieg gegen den Irak, auf seine
Entwaffnung und einen Regimewechsel in Bagdad hin. Kritiker werfen der
Bush-Regierung deswegen ‚Abenteurertum' vor. Nicht dass sie etwas Prinzipielles
gegen Aufsicht über den Irak einzuwenden hätten - aber, so ihre
Auskunft, die ‚Anti-Terror-Koalition werde gefährdet' und ‚der ganze
Nahe Osten in ein Chaos gestürzt'. Sie teilen also den Maßstab
der USA, stellen aber skeptisch die Erfolgsfrage: Ob so ‚Ordnung im Nahen
Osten' zustande kommt? Amerika jedenfalls geht fest davon aus, dass anders
als mit einer gewaltsamen Änderung des status quo durch seine Macht
Frieden im Nahen Osten nicht zu haben ist. Kein Wunder: Die US-Regierung
will nämlich eine Veränderung der gesamten dortigen Staatenwelt
einleiten. Der GegenStandpunkt behandelt, was das bedeutet, wie
die Staaten in der Region davon betroffen sind und wie sie damit umgehen.
Klarstellungen zum Verhältnis von amerikanischer Weltmacht und Ölgeschäft,
sowie zu Israel werden mitgeliefert!
Die Propaganda des amerikanischen Präsidenten für einen Weltkrieg
neuen Typs
Worauf sich die Weltmacht Amerika bei diesem Programm beruft, wie sie die
Welt sieht und was die Welt von Amerika zu erwarten hat, das verkündet
Präsident Bush mit der Arroganz und Dummheit, die einen Vorsteher
amerikanischer Weltmacht nun einmal auszeichnet, in einer programmatischen
Rede, welche er der Veröffentlichung der neuen amerikanischen ‚Militärstrategie'
vorausschickt. Diese ‚Erklärung' ist alles andere als eine Erklärung
der Lage - sie ist ein Dokument imperialistischer Weltsicht und eine Kampfansage,
die eine Analyse verdient hat!
Europa III: Das (anti-)imperialistische Projekt neuen Typs in der Krise
Das ‚vereinte Europa' hat es bis zu einem Geld gebracht und kämpft
um den Aufbau einer eigenen gemeinsamen europäischen ‚Ordnungsmacht'.
Die beteiligten Staaten haben intern genug damit zu tun, ihr Projekt gegen
die nationalen Widerstände der Führungs- und Mitmachernationen,
also gegen ihre eigenen, voranzubringen. Jetzt ist dieses imperialistische
Konkurrenzprogramm gegen die USA gleich doppelt gefährdet: Durch die
ökonomische Krise und durch das amerikanische Kriegsprogramm. Das
politökonomische Erfolgsversprechen, das der Euro einlösen sollte,
erweist sich als eine politische Spekulation, die in Zeiten der Kapitalentwertung
gleich mit an Wert einbüßt. Und der europäische Weg zu
Weltmacht erweist sich als Sackgasse angesichts amerikanischer Vormacht
und deren globaler Betätigung. Kein Grund zu klammheimlicher Freude
oder gar Enttäuschung, sondern Anlass für den
GegenStandpunkt
zu
einer aktuellen Fortsetzung seiner Kritik dieses imperialistischen Projekts
neuen Typs.
© GegenStandpunkt Verlag 2002