GegenStandpunkt 2-02
Im Januar meldet das Unternehmen Opel bei der Präsentation
seiner Geschäftszahlen einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe,
der gewinnträchtige Verkauf von Autos mit dem Blitz hat sich nicht
im erhofften und für die Vermehrung des eingesetzten Kapitals ausreichenden
Umfang eingestellt. Da haben Opel und alle anderen Autobauer jahrelang
ein Wachstum ihres Kapitals hingekriegt, dabei und dafür Produktionskapazitäten
auf- und ausgebaut - mit dem Ergebnis, dass seit längerer Zeit "Überkapazitäten
die Geschäfte belasten” und das allseitige Wachstum ausbleibt.
Auf dieses Produkt ihrer Konkurrenz kennen die Automobilproduzenten nur
eine Antwort: Noch einmal mehr Kapital investieren und den Kampf ums Wachstum
verschärfen! Die aktuellen "roten Zahlen”, seine Unterlegenheit
in der Konkurrenz, sind für Opel und sein Management ein einziger
Auftrag dazu, alle bisherigen Anstrengungen fürs Bestehen im weltweiten
Wettbewerb zu intensivieren: "Wenn das Geschäft härter wird,
müssen wir reagieren und Maßnahmen ergreifen.”
(GME-Chef
Burns).
Einfach den Betriebsverlust auf die Produzenten umrechnen - schon hat das Opel-Management eine eindeutige Vorgabe für die notwenigen Einsparungen an seiner Belegschaft und mit der die Sicherheit obendrein, dass auch "das Überschreiten der Gewinnschwelle 2003" ein Bestandteil des "Sanierungskonzepts" ist.
Die Aufgabe ist klar formuliert und der Lösung erster Teil: die "Herausnahme von Kapazitäten in der Größenordnung eines Werkes”, ist laut "Olympia" betriebswirtschaftlich unumgänglich. Dieser für Opel zweckmäßige Verzicht hat für die Firma selbstverständlich "kostenneutral” abgewickelt zu werden, also als Kostenersparnis, die auf Kosten der kostentreibenden Größe geht:
"Angesichts schwacher Verkäufe in Deutschland will Opel den Abbau von Arbeitsplätzen noch schneller vorantreiben. Opel-Chef Forster sagte beim Autosalon in Genf, es sollten noch in diesem Jahr etwa 3000 Stellen gestrichen werden.” (SZ, 7.3.02)
Der erste Beitrag der Belegschaft zur Sanierung von Opel ist ihre Reduktion.
Die Lohnarbeiter bekommen die Quittung dafür, dass sie zu gut
gewerkelt haben, Opel dank ihrer Arbeit
zu erfolgreich akkumuliert
hat, um für den maßgeblichen Zweck der Produktion, das weitere
Wachstum des Kapitals, für die Firma noch brauchbar sein zu können.
Mit einmal sind sie, die Quelle des Profits, eine einzige finanzielle Last
und werden entsprechend entsorgt - dass der Lohn, den das Unternehmen an
ihnen spart, das Mittel - und zwar das einzige - ist, das ihren Unterhalt
sichert, ist dabei unerheblich. So beschert diese "Kapazitätsanpassung”
den Entlassenen viel Freizeit ohne Geld, und Opel eine beträchtliche
Verkleinerung seiner Lohnliste.
- gemäß dieser Devise geht Opel, als der Lösung
zweiter Teil, auf den weiterbeschäftigten Rest der Belegschaft los.
Das Ziel, die verbleibende Mannschaft rentabler als bisher anzuwenden,
verlangt als erstes Investitionen in neue Arbeitsmittel. "Forster will
nicht den Aufwand für Investitionen und Entwicklung reduzieren.” (SZ,
17.1.02) "Bis zur Einführung eines neuen Astra-Modells solle im
Revier eine Fabrik entstehen, die sich in Punkto Qualität und Produktivität
mit den besten Werken der Welt messen kann.” (SZ, 15.2.02)
Produktivere Maschinerie wird angeschafft, die Verausgabung der Arbeit zwecks "marktgerechter Benutzung” neu organisiert, und marktgerecht benutzt wird die Arbeitsleistung, wenn die produktiver gemachte Arbeit sich möglichst ausgiebig betätigen kann, sie also auch intensiver angewendet und den Proleten an den schönen neuen Arbeitsplätzen mehr und zusätzliche Arbeit pro Arbeitstag aufgehalst wird - Investitionen müssen sich schließlich lohnen! Aber das ist gar nicht alles. Zusätzlich und daneben verlangt das Opel-Management - weil es einfach "außerdem” nötig ist - , die Arbeit zukünftig absolut billiger anwenden zu können:
"Der Vorstand plant außerdem, für 2002 und 2003 Löhne und Gehälter einzufrieren, das Jubiläumsgeld für langjährige Mitarbeiter zu streichen und das Weihnachtsgeld zu senken.” (WAZ, 12.1.02)
Das ist mal ein Vorbild von klarer und unkomplizierter Lohnfindung: Der Lohn wird vom Opel-Vorstand "geplant”, seiner Höhe nach auf den Sanierungsbedarf des Unternehmens heruntergerechnet, und mit dem, was dabei herauskommt, haben seine Empfänger dann ihr Leben einzuteilen. Gemäß dieser Lohnleitlinie wurde bereits "für alle Lohn- und Gehaltsempfänger ... die Schichtprämie in Höhe von DM 15,- ” gestrichen, ebenso gebot sie, dass "die bisher an Dauernachtschicht-Mitarbeiter gewährten 5 zusätzlichen Freischichten pro Jahr entfallen.” (Betriebsvereinbarung 5/1994) Für den Fall, dass "weitereEinsparungen notwendig” sind, will Opel "den Tarifabschluss egal, wie er ausfällt, mit übertariflichen Teilen beim Opel-Lohn verrechnen.” (WAZ, 16.4.02) Tarifliche Regelungen, betriebliche Absprachen und Vereinbarungen haben sich an unternehmerische Rechnungen anzupassen, nicht umgekehrt. Lohnerhöhungen, Sonderzulagen wie Schichtprämien, Weihnachts- und Jubiläumsgeld sind jederzeit widerrufliche Gnadengaben, die von den Kostenrechnern bei Opel dementsprechend als frei verfügbare Manövriermasse für die Sanierung des Unternehmens gehandhabt werden.
Mit der gleichen Selbstverständlichkeit mustert das Kapital
unter dem Gesichtspunkt der fälligen Kostensenkung durch, wird
entsprechend fündig und gleich danach tätig. Eigens dazu herauszufinden,
wo sich der eine oder andere Eurocent an Kosten einsparen lässt, unterhält
man ja sein studiertes und hoch dotiertes Management, und das kann glatt
so gut rechnen, dass sich der gesamte "Einspareffekt” auf die kalkulierten
"30 % innerhalb der nächsten 3 Jahre” addiert. Die Planungsstäbe
nutzen ihren praktischen Zugriff auf jedes Moment des Produktionsprozesses
zur Effektivierung der rentabilitätssteigernden Potenzen der Arbeit
und da fällt ihnen so einiges ein und auf, was angesichts des Sanierungsbedarfs
zukünftig zu unterbleiben hat:
*
Diese Rücksichtslosigkeiten im Umgang mit der Arbeit sind, wie
es im Betriebsverfassungsgesetz im Sinne einer "modernen Sozialpartnerschaft”
aufgeschrieben ist, Gegenstand von Beratungen und Verhandlungen mit dem
Betriebsrat. Für diesen geht es dabei insbesondere um die "Erhaltung
von Arbeitsplätzen” und die "Verhinderung von Standortschließungen.”
Dem "Wohl des Betriebs” verpflichtet, weiß er sich
mit dem Kapital in dessen Konkurrenzziel einig:
"Beide Seiten
stimmen überein, dass es unsere erste Priorität ist, die Marken
Opel, Vauxhaull und Saab zu stärken und sie innerhalb der europäischen
Automobilindustrie wieder in eine führende Position zu bringen.”
(Vereinbarung des Europäischen Arbeitnehmerforums mit GME, August
2001) Der Betriebsrat erkennt daher und darüber hinaus auch den unternehmerischen
Bedarf an Kostensenkung an: "Geschäftsleitung und Gesamtbetriebsrat
der Adam Opel AG (...) wollen (...) eine nachhaltige Verbesserung der Kostenstruktur
im Unternehmen erreichen.” (Betriebsvereinbarung Nr. 210, 1994). Wie
sich das Kapital diese Kostensenkung vorstellt, hat es mit seiner Wunschliste
für zu beseitigende "Besitzstände” gerade vorgeführt.
Aber wie geht Kostensenkung zur Rettung von Arbeitsplätzen?
Genauso! Denn der praktisch geltend gemachte Maßstab der Kostensenkung
wird ja nicht außer Kraft gesetzt, wenn um seine Ergänzung um
den sozialen, arbeitnehmerfreundlichen Aspekt der "Arbeitsplatzerhaltung”
nachgesucht wird. Wer selbst die Rentabilität des Arbeitsplatzes fürs
Geschäft als dessen einzig gültigen Existenzgrund anerkennt und
von daher für die Sanierung von Opel votiert, dessen Verhandlungsposition
taugt nicht als praktischer Einspruch gegen Entlassungen und Lohnverzicht.
Die müssen vielmehr sein - aber nur, wenn sie wirklich
sein müssen, und für diese Prüfung gibt es einen Betriebsrat.
Der geht davon aus, dass wegen des "Erhalts von Arbeitsplätzen” einerseits viele Opfer "unvermeidlich”, andererseits aber nicht alle "notwendig” sind. Daher garantiert er mit seiner Unterschrift unter einen "Standortsicherungsvertrag” und eine "Olympia-Betriebsvereinbarung” auch nur, dass keine "betriebsbedingten Kündigungen” ausgesprochen, keine "vermeidbaren Lohnopfer” gebracht und keine "komplette Standortschließung” hingenommen werden, alles andere also seinen Segen hat. Polemiken gegen neuerliche Forderungen von Opel - "nicht hinnehmbar”, "die Zeche nicht zweimal bezahlen” - und die Gegendrohung gegen diese - "unter einen solchen Vertrag wird meine Unterschrift nicht kommen” (Opel-Betriebsrat Jaszczyk) - erweisen sich schnell als Papiertiger, die im Zuge der sozialen Abwägung zwischen Lohnverzicht und Standortschließung wieder eingepackt werden. Ausgepackt werden an ihrer Stelle Alternativrechnungen zu den vom Unternehmen geforderten Verzichts- und Kostensparvorgaben. Erfolgreiche Betriebsratsarbeit ist konstruktiv, zum Beispiel so: "Nachdem der Autohersteller Opel einen Rekordverlust von 674 Millionen Euro (...) gemeldet und weitere Stellenstreichungen angekündigt hatte, drängen die Arbeitnehmervertreter jetzt überraschend auf eine schnelle Umsetzung des geplanten Stellenabbaus. Der Betriebsratsvorsitzende des Opel-Werkes in Bochum, Peter Jaszczyk, sagte: ‚Wenn hier gezaudert wird, droht uns eine 30-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich oder Kurzarbeit.' Das (!) müsse verhindert werden. Frühzeitig sollten deshalb (!) mit dem Unternehmensvorstand Vereinbarungen über Aufhebungsverträge und Altersteilzeit getroffen werden. Nur dann seien weitere (!) Lohneinbußen der Beschäftigten zu vermeiden...” (SZ, 12.1.02)
Zur Verhinderung von Entlassungen und Lohnopfern eine beschleunigte "Umsetzung” von Entlassungen zu fordern - fürwahr ein Highlight betriebsrätlicher Logik. Und siehe da - manchmal ist sie sogar von Erfolg gekrönt: Die von Opel angekündigte und geforderte Reduktion der Belegschaft um 1100 Mann im Werk Bochum "ist nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Peter Jaszczyk ohne betriebsbedingte Kündigungen unter Dach und Fach. Die Betroffenen haben Aufhebungs- oder Vorruhestandsverträge unterzeichnet.” (WAZ, 13.3.02)
Noch nicht vom Tisch ist die Sache mit den "weiteren Lohneinbußen”, die ja - im Sinne der aufgemachten Alternativrechnung - als Gegenleistung für die "schnelle Umsetzung des Stellenabbaus” ad acta gelegt werden sollten. Man darf gespannt sein, welche "einvernehmliche Lösung” in dieser Frage "gefunden” werden wird.
So hilft der Betriebsrat dabei mit, wenn Arbeitsplätze gestrichen und die verbleibenden noch ungemütlicher und billiger gemacht werden; wenn er sich als Co-Management beim Sanieren der Firma betätigt; wenn dem echten Management Alternativrechnungen für dessen Interesse unterbreitet; deren Einbeziehung in die unternehmerischen Kalkulationen anmahnt und der Geschäftleitung selbst ausgedachte Lohn- und andere Opfer andient - dann trägt er das Seine für die praktische Klarstellung bei, welchen Kalkulationen sich Arbeitsplätze verdanken und welche Schönheiten diese Plätze für ihre "Besitzer” bereithalten. Klargestellt ist damit eigentlich auch, dass die bescheidene Bitte um möglichst umfängliche Indienstnahme der vom Kapital abhängigen Arbeiter keine gute Idee ist. Die Erhaltung solcher Arbeitsplätze als Gunst zu nehmen, die den Proleten zu erweisen ist, ist ein Zynismus der feinsten Art. Er beruht auf der Wahrheit, dass das Lebensmittel der Arbeiter ihre Ausbeutung ist!
*
Die veröffentlichte Meinung nimmt die aktuellen Nachrichten über
die Verluste von Opel, den immer noch nicht geschafften
"Turnaround”
dieses Unternehmens, als eindeutige Hinweise für
Die von Opel durchgesetzten und durchgeführten Maßnahmen
zur Kostensenkung sind für die Fachleute des Handelsblatts Zeugnisse
einer für den Opel-Chef typischen "sanften Tour”, mit der dieser
Mann seiner eigentlichen Aufgabe nie und nimmer gerecht wird: "Der Opel-Vorstandschef
versucht es weiterhin mit relativ zahmen Einschnitten... Forster zögert
immer noch vor dem entscheidenden Schritt: die Schließung eines Werkes.
Schon im vergangenen Jahr hatte sich Forster nach Verhandlungen mit seinen
Betriebsräten darauf eingelassen, lediglich einzelne Schichten herauszunehmen...
Im Jahr 2002 muss er beweisen, dass er tatsächlich das Zeug zum Krisenmanagement
besitzt.” (HB, 17.1.02)
Da müssen die Redakteure in Düsseldorf gar nicht erst groß nachforschen - der Misserfolg der Sanierung lässt nur einen Rückschluss zu: die Arbeit wurde zu wenig her-, beim Entlassen wurdezu viel Rücksicht genommen. In gleichem Sinn argumentiert das Weltblatt aus München:
"Die Chance, von Beginn an Tabula rasa zu machen, hat Opel-Chef Carl-Peter Forster verpasst. Möglicherweise wird er dieser Gelegenheit noch einmal nachtrauern. Denn obwohl er eine neue Schmerzliste für die Belegschaft des Rüsselsheimer Autoherstellers zum Ärger des Gesamtbetriebsrats bestückt hat, glaubt er immer noch, ohne radikale Einschnitte wie eine Werksschließung auskommen zu können”(SZ, 17.1.02).
Da spielt es keine Rolle, dass die angemahnte Werksschließung Opel womöglich endgültig in den Ruin triebe - "wir können dies gar nicht tun, ohne den Absatz massiv zu gefährden.” (Opel-Chef Forster) Höhnisch wird auf mangelnde Geberqualitäten des Opel-Chefs gedeutet, welche die geschätzten "knallharten Sanierer” eigentlich auszeichnen; allein die Übernahme der Sprachregelung "Standortsicherung” durch Typen wie Forster enthält für die Unternehmensberater in den Schreibstuben ein Moment von Feigheit im kostensenkenden Umgang mit der Arbeit. In diesen doch von Haus aus überflüssigen Verhandlungen mit dem Betriebsrat sind für ihren Geschmack noch weit mehr überflüssige Konzessionen gemacht worden - kurz: das Management hat sich in gar unverantwortlicher, weil geschäftsschädigender Weise für den Titel ‚Arbeitsplatzsicherung' einspannen lassen. So kommen diese Journalisten auf ihre Weise zur - unfreiwilligen - Kritik der Ideologie, die ihnen ansonsten wie nichts aus den Federn rinnt. Die arbeitnehmerfreundliche Lüge - "keine Standortschließung” - nehmen sie für die eigentliche Sache. Solche Rücksichtnahmen auf Arbeiter, die sich unter dem Titel einer "Arbeitsplatzsicherung” vortragen, sind für sie eine einzige Zweckverfehlung. Die moralische Attitüde des Kapitalisten, sich als Spender guter Werke und als Arbeitgeber zu präsentieren, wollen sie in diesem Fall als einen einzigen Verstoß gegen alle Grundregeln erkannt haben, nach denen das marktwirtschaftliche System funktioniert und funktionieren soll. Arbeitgeber haben sich um die effektive Ausbeutung der Arbeit zu kümmern und um sonst nichts. Wenn sich die für sie nicht mehr lohnt, haben sie ihre Rechnung an der Arbeit zu vollstrecken, die sich für sie nicht rentiert: Massenentlassungen und Standortschließungen sind für die journalistische Avantgarde der kapitalistischen Rechnungsarten der einzig senkrechte Weg zur Sanierung von Opel und zur Sicherung des Kapitalstandorts Deutschland überhaupt.
Dieses Hohelied auf einen
zelebriert der Kanzler anlässlich seines "Staatsbesuches”
bei der Eröffnung des neuen Opel-Werks in Rüsselsheim. Seine
Bewunderung gilt einem "Automobilbau, der in Deutschland und aus Deutschland
heraus zum Besten gehört, was es in der Welt gibt. Man kann sagen:
das Beste, was es gegenwärtig weltweit auf diesem industriellen Sektor
gibt.” Sein Lob gilt einer "Arbeitsorganisation, die beispielhaft
ist”, die also nach den modernsten Regeln der kapitalistischen Rechnungskunst
die "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter” für "erfolgreichen
Automobilbau”, also für den Erfolg des Profits von Opel einspannt.
Dabei würdigt der Kanzler ausdrücklich den "Beitrag der Belegschaft”,
der "das Entstehen des Werkes, die Investition hier - 750 Millionen
Euro - , überhaupt erst ermöglicht hat”. Auch dies "beispielhaft”
- für die richtige, von der Politik gewollte und gewünschte Lesart
von "Standortsicherung”. Mit Lohnverzicht die Finanzierung des neuen
Opel-Werks sichern, damit den heimischen Automobilbau weltweit konkurrenzfähig
machen, und dabei noch en passant 6000 von 10000 Arbeitsplätzen "retten":
Der Kanzler weiß schon, was er an seinen deutschen Arbeitern hat,
und wenn es nach ihm geht, "kann das Schule machen”,
"kann man
sich nur wünschen, dass es in Deutschland viele Orte wie diesen hier
in Rüsselsheim gibt”.
*
Wo das Kapital ruft, da zieht es seine Arbeitskräfte hin - weil es ein Einkommen eben nur für Lohnarbeit im Dienste des Profits gibt. In diesem Sinn hat das Kapital schon immer für Mobilität gesorgt, "Ballungszentren” wie das Ruhrgebiet sind so "entstanden”. Heutzutage ist die Definitionshoheit des Kapitals über die Lebensumstände in diesem Lande so selbstverständlich geworden, dass der Umzug eines Opel-Arbeiters von Bochum nach Kaiserslautern ohne Frage "zumutbar” ist. In einer "mobilen Gesellschaft” gehört die Bereitschaft zum länderübergreifenden Arbeitsplatzwechsel zur normalen Serienausstattung von Proleten, der brave Arbeitsmann hat dem Kapital überall dorthin nachzureisen, wo Arbeitsplätze winken. Und wo solches selbstverständlich ist, können Kapitalisten ihren hemmungslosen Zugriff auf die Arbeit glatt als Entgegenkommen gegenüber den Bedürfnissen der Arbeiter verkaufen: "Forster appellierte an die Bochumer Belegschaft, das Angebot (!) zu nutzen, wonach 200 Mitarbeiter in das Werk Kaiserslautern wechseln können. Dort werden Dieselmotoren produziert. ‚Mir sträuben sich bei dem Gedanken die Nackenhaare, dass ich in Bochum Mitarbeiter nach Hause schicken müsste, um zugleich in Kaiserslautern neue Leute einzustellen', betonte der Opel-Chef.” (SZ 15.2.02)
Nichts Menschliches ist dem Kapitalisten fremd, und keinem Arbeiter
sträubt sich irgendwas, wenn er mit seinem Hausstand immer dorthin
zieht, wo Opel Dieselmotoren baut: Was für eine Harmonie zwischen
Subjekt und Objekt der kapitalistischen Ausbeutung!