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Bis neulich waren die Massen in Deutschland gut bedient. Sie konnten sich - man denke! - Fleisch, Wurst, Schinken täglich leisten, und Lebensmittelproduzenten und Händler machten ihr redliches Geschäft mit solch preiswerter Versorgung. So war alles in Ordnung. Sogar Rindfleisch konnte man bedenkenlos verzehren, denn - EU-Agrarmarkt hin oder her - "Deutschland ist BSE-frei". Jetzt ist alles anders: Deutschland ist doch nicht BSE-frei. Das deutsche Volk ist einer 'Legende' auf den Leim gegangen. Die Politiker, agrarlobbyhörig, haben sie ihm eingeredet. In Agrarfabriken regiert, politisch gefördert, rücksichtsloses Profitdenken und industrielle Massenproduktion. Auf die Konsumenten und ihre Gesundheit wird keine Rücksicht genommen. So kann es also 'nicht mehr weitergehen'.
Je länger die Affäre dauert, umso klar wird,warum. Weil die Kunden ihren Dienst versagen und der Markt, das Geschäft der Rindfleischproduzenten und Händler, eingebrochen ist. Also muss gehandelt werden, damit das 'Vertrauen in die Märkte' wiederhergestellt wird. Deswegen wird mehr 'Verbraucherschutz' versprochen - warum braucht es das wohl? -; ein Gutteil des Rinderbestands wird vernichtet - nicht wegen BSE, sondern wegen Preisstabilisierung! -; das Landwirtschaftsgeschäft wird neu subventioniert... So geht es also weiter - und der Kunde darf sich die kostentreibende Fürsorge seines Staates ab jetzt etwas mehr kosten lassen. Selber schuld: Gutes und erschwingliches Fleisch - das konnte ja nicht gutgehen.
Glaubt man den Aposteln der ökonomisch einzig vernünftigen Markwirtschaft dann hat in einer zukunftsweisenden Abteilung des marktwirtschaftlichen Geschäftslebens über längere Zeit die nackte Geldgier und Unvernunft regiert. Ein Phase haltlosen Überschwangs ist in eine Periode der auch gleich wieder übertriebenen Skepsis umgeschlagen. Die klugen Köpfe halten mit derart scharfsinnigen Interpretationen das spekulative Auf und Ab für erschöpfend geklärt, so dass für den Geschäftszweig selber kein Bedenken mehr übrig bleibt. Es bleibt also wieder einmal dem GEGENSTANDPUNKT überlassen, die Knallköpfe des Börsengeschäfts gegen nachträgliche Besserwisserei in Schutz zu nehmen. Sie haben nichts als ihren Job gemacht: mit viel Spekulation eine neue Geschäftsbranche kreiert und exemplarisch vorgeführt, wie so etwas in der besten aller ökonomischen Welten läuft.
Neulich waren wieder einmal Sorgen um den Ölpreis angesagt. Vom Benzinpreis besonders betroffene Gewerbe meldeten sich zu Wort. Die staatlich geförderten Ölmultis kamen mit ihrer 'Preispolitk' ins Gerede. Die machtvollsten Anwälte der Freiheit der Märkte, die versammelten G7, beschlossen Maßnahmen 'zur Senkung des Ölpreises': sie ermahnten öffentlich die Lieferstaaten, gefälligst mehr zu fördern, rascher zu liefern, weniger zu verlangen... Um eine Ware wie jede andere geht es beim Erdöl also nicht. An seinem Preis wird das offenbar. An dem enormen Einfluss, den er hat. An den ökonomischen Subjekten, die unter ihm leiden. An den Instanzen, die sich um ihn sorgen. An seinem Zustandekommen, bei dem dieselben politischen Instanzen und Wirtschaftssubjekte schon wieder eine maßgebliche Rolle spielen. Am Umgang mit ihm, den Händler und Verbraucher, Öl-Multis und 'Ölstaaten' sowie die kapitalistischen Weltwirtschaftsmächte pflegen. Offensichtlich ist dieser Preis etwas weit Wichtigeres als bloß die Geldsumme, bei der sich Angebot und Nachfrage zufällig über den Weg laufen. Und offenkundig geht es auf dem Ölmarkt um ganz andere Dinge als ein wenig Ein- und Verkauf - eher schon um eine ganze Abteilung Imperialismus heute.
Joschka Fischer ist unter Beschuss geraten. Der erste deutsche Außenminister, der nach 1945 einen Krieg mitbeschließen und bis zum Sieg diplomatisch begleiten durfte, soll tatsächlich vor mehr als 20 Jahren "unpolitisch aber gewaltbereit" gewesen sein - gegen Ordnungskräfte des eigenen Staates. Darf jemand mit so einer "militanten Vergangenheit" überhaupt Außenminister sein und die deutschen Rechte in der Welt mit dem guten Gewissen vertreten, dass Gewalt garantiert nur im Namen der höchsten Menschheitswerte zum Einsatz kommt? Die Debatte um die moralische Qualifikation zur Ausübung des politischen Amtes, die in Gestalt einer heftigen Auseinandersetzung um eine ganz neues Abteilung "Vergangenheitsbewältigung" geführt wird, kommt ohne Aufklärung darüber aus, was "die 68" damals trieb, was die heutige Republik damals und heute treibt. Allemal ist ihr "Gewaltmonopol" der unbestrittene Maßstab und über jede Kritik erhaben. Davon gehen alle aus, die nach der Zulassungsberechtigung von Leuten wie Fischer zur hohen Politik fragen und die eine oder andere parteiliche Antwort geben.