GEGENSTANDPUNKT
3-2000
Wozu brauchen die USA ein "Nationales Raketen-Abwehr-System"?
Amerika schafft Sicherheit - für seine Kriege
Wenn die USA gemäß ihrer strategischen Optik - Wo lauern Bedrohungen
für die Sicherung des amerikanischen Weltordnungskommandos? - in die
Welt hinausschauen, dann entdecken sie lauter "neue Herausforderungen",
für deren Bewältigung sie sich rüsten müssen. Da gibt
es nicht nur eine Hand voll "Schurken", also ausgemachte Feinde, die aufrüsten.
Der Blickwinkel lässt sich nämlich genauso gut umdrehen. Jede
regionale oder lokale Macht, die sich ohne Lizenz aus Washington Raketen
und/oder Massenvernichtungsmittel beschaffen will, gerät in den Verdacht,
verbrecherische, sprich antiamerikanische Absichten zu hegen; denn wozu
bräuchte sie solch hochkalibrige Waffen, wenn sie sich mit der ihr
zugewiesenen Rolle im regionalen und globalen Gewalthaushalt zufrieden
geben würde! Und schon wächst die Zahl der potenziellen
"Schurken" ganz erheblich.
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Wem gehört das Kaspische Öl?
Der Imperialismus mischt eine Region neu auf
Das Kaspische Meer "mit seinen riesigen Öl- und Gasvorkommen war bis
vor 10 Jahren nicht mehr als der Hinterhof der Sowjetunion, ist jetzt aber
in das Blickfeld der anderen Regionalmächte und des Westens gerückt.
Die Vereinigten Staaten haben die Region zu einer'Hauptrichtung'
ihrer Außenpolitik erklärt; auch die Europäer haben durchaus
Anliegen zu vertreten" (FAZ). Der ‘reale Sozialismus’ ist gegangen; der
demokratische Imperialismus rückt nach, okkupiert eine intressante
Ölregion, belegt die dort in Gründung befindlichen neuen Staatswesen
mit Beschlag und exportiert als Erstes eine große Menge Stabilitäts-Bedarf.
Der Gegenstandpunkt geht der imperialistischen Perspektive nach, nach
der Öl ein strategischer Grundstoff ist, der zu allererst nach Aufsicht
ruft.
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EU-Kandidatenstatus für einen "schwierigen Partner"
Warum der Fortschritt Europas eine Neudefinition der Beziehungen zur Türkei
erforderlich macht
Es sind die eigenen strategischen Interessen, die einen neuen Blick Europas
auf die Türkei gebieten und deshalb ein ganz anderes Bild von diesem
Land hervorkehren als das bislang in Europa gültige. An Stelle der
Betonung der politischen und kulturellen Andersartigkeit, der uneuropäischen
Sitten und Gepflogenheiten, tritt das Deuten auf eine Türkei, die
über Qualitäten verfügt, die zu Europa eigentlich ganz gut
passen: Die Türkei ist ein "Machtfaktor", hat eine "wichtige geostrategische
Lage" und verfügt über "Einfluss" in einer Gegend, auf die man
als "Südostflanke unseres Kontinents" aufzumerken hat. So wird an
dieser neuen Begutachtung kenntlich, dass all die abschätzigen Urteile
von früher ein Vorwand waren. In ihnen drückte die europäische
Gemeinschaft ihre damals gültigen Berechnungen aus. Und deren wesentlicher
Kern war, dass sie sich von einem Betritt der Türkei keinen Zugewinn
versprach. Nun, bei erneuter Sichtung der Interessen Europas, revidiert
man dieses Urteil über die Türkei: Sie wird als Macht im Hinblick
auf ihre strategische Lage und Bedeutung ins Visier genommen, und mit einem
Male steht fest, wie brauchbar diese Nation für die Ausdehnung des
europäischen Machtbereichs ist.
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Robert Kurz: "Schwarzbuch Kapitalismus - ein Abgesang auf die Marktwirtschaft"
Die Intellektuellenfibel für den Abgesang auf Kapitalismuskritik
Für Kurz entpuppt sich dort, wo alle anderen sich zu den Schönheiten
und der Vernunft einer endlich "freien Welt" beglückwünschen,
"das planetarische System des Kapitalismus als eine Gesellschaft, ‘die
dabei ist, buchstäblich verrückt zu werden’ (O. Negt)" und so
dreht er den Spieß einfach um: Wo alle vor der Geschichte des Kapitalismus
notorisch die Augen verschließen, weil sie ihn nur so richtig schönfärben
können, da steigt er in die kapitalistische Geschichte ein, um den
Kapitalismus schwarz zu malen. Die schlechte Welt, die er vor sich sieht,
will er so schlecht aussehen lassen, wie es ihr auch gebührt, und
dabei hat er durchaus Höheres im Sinn. Er will ihr auf diesem Wege
zu ihrem Besseren verhelfen. Er geht davon aus, dass ihr übler Zustand
im Grunde genommen von Niemandem gewollt sein kann, und ersatzweise für
alle, die von ihm nichts wissen und nichts wissen wollen, die er aber auf
seiner Seite weiß, nimmt er sich vor, ihn anzuprangern. Er will den
Kapitalismus als Schreckensbild ausmalen, um auf diesem Wege ein ‘Erwachet!’
in die Welt zu setzen, möchte für die "Selbsterkenntnis des kapitalistischen
Menschen" sorgen und so der "Selbstheilung der Gesellschaft" zuarbeiten:
Ein radikalkritischer "Abgesang auf die Marktwirtschaft" soll die kapitalistische
Menschheit so gründlich vor sich selbst erschrecken, dass ihr schlecht
wird, sie in ihrem Treiben innehält und sich augenblicklich eines
Besseren besinnt.
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